Tyresö, Vittsjö und Sirius im Viertelfinale

Drei Spiele des Achtelfinales im schwedischen Pokal wurden am Sonntagnachmittag absolviert. Es gewannen jeweils die Favoriten.

Der in den letzten Tagen in den Schlagzeilen befindliche Tyresö FF gewann sein Spiel bei Aufsteiger Eskilstuna United leicht mit 2:0. Dabei brachte Christen Press das Team aus dem Stockholmer Süden in Führung und Marta erzielte kurz vor Schluss per Foulelfmeter das 2:0. Nicht im Aufgebot waren Vero Boquete und Fabiana.

Ebenfalls 2:0 endete das zweite Spiel zwischen zwei Teams der ersten Liga. Dabei musste Vittsjös neue Torhüterin Minna Meriluoto gleich gegen ihr altes Team Jitex antreten, bei dem sie 2012 und 2013 gespielt hat. Die schottischer Nationalspielerin Jane Ross schoss beide Tore für Vittsjö in der ersten Viertelstunde, den Führungstreffer per Strafstoß.

250 Zuschauer sahen das Spiel zweier Zweitligisten, bei dem Älta gegen Sirius mit 1:2 unterlag.

Zwei Achtelfinals stehen noch aus. Das Viertelfinale wurde bereits gelost und sieht wie folg aus:

Kristianstads DFF – AIK
Sirius IK – Linköpings FC/Kopparberg Göteborgs FC
Umeå IK/Piteå IF – Tyresö FF
KIF Örebro – Vittsjö GIK

Die Viertelfinals müssen bis spätestens 15.05. absolviert sein, eine Woche vor dem Champions-League-Finale in Lissabon. Für Tyresö bedeutet das Los eine Flugreise in den Norden Schwedens. Denkbar ungünstig im Angesicht der finanziellen Situation der Firma, die die Mannschaft trägt.

Pflichtsieg in Malmö

Ramona Bachmann sieht gelb von Schiedsrichterin Ifeoma Kulmala – Malmös Kapitänin Malin Levenstad versucht zu vermitteln

LdB FC Malmö bleibt an der Spitze der Liga, aber der 2:0-Erfolg daheim auf dem Malmö IP gegen Jitex BK versprühte keinen Glanz. Für die Galavorstellungen in der Liga ist derzeit Tyresö zuständig.

Es war das, was man gemeinhin einen Arbeitssieg nennt. Vor knapp 850 Zuschauern in einem sonnigen, aber windigen Malmö gelang lediglich der 17-Jährigen Sofia Anker-Kofoed ein Treffer in der ersten Halbzeit. Es war die einzig wirklich überzeugende Aktion des schwedischen Meisters. Die Neuseeländerin Ali Riley hatte dabei auf der linken Seite einen Pass wenige Zentimeter vor der Außenlinie noch erreicht und dann nach innen geflankt wo Anker-Kofoed den Ball volley nahm und in den Winkel beförderte. Ansonsten war wenig attraktiver Fußball zu sehen. Jitex schaffte es mit seinem physisch geprägten Fußball das Spiel von Malmö im Keim zu ersticken. Aber da war auch zu wenig Bewegung im Spiel von LdB und Glück verhinderte den Ausgleich noch vor der Pause, als die Finnin Leena Puranen lediglich die Querlatte des wie immer von Thora Helgadottir gehüteten Tores traf.

Auch in der zweiten Halbzeit gab es wenig Veränderung. Malmö hatte tendenziell mehr vom Spiel, aber zwingende Chancen waren Seltenheit. Einmal hämmerte Anja Mittag den Ball aus sehr guter Position ein paar Meter übers Tor und ärgerte sich nicht wenig über die vertane Gelegenheit. Ein Kopfball aus kurzer Distanz von Lisa Ek wurde mit einer unglaublichen Reaktion von Jitex’ Torfrau Minna Meriluoto abgewehrt. Am Ende dann schoss doch noch Ramona Bachmann das 2:0 in der Nachspielzeit in einer Begegnung, von der in ein paar Wochen lediglich die Statistik übrig ist.

Naja, für alle außer Sofia Anker Kofoed, die nur zum Einsatz von Anfang an, weil sich die Dänin Katrine Veje beim Warmmachen verletzte. Somit konnte die 17-Jährige ihr erstes Tor in der Damallsvenskan machen.

LdB Malmö kritisierte nach der Begegnung die finnische Schiedsrichterin Ifeoma Kulmala. Trainer Peter Moberg behauptete, die Finnin habe weder Schwedisch noch Englisch gekonnt und erzürnte sich darüber, dass Ramona Bachmann wegen eines zu früh getretenen Freistoßes die gelbe Karte sah. Der Trainer der gegnerischen Mannschaft, der ehemalige Nationalspieler Stefan Rehn hingegen, lobte die Unparteiische ausdrücklich: “Es war vielleicht etwas schwierig mit ihr zu kommunizieren, aber sie hat internationale Klasse gepfiffen. Schwedische Schiedsrichterinnen lassen gewöhnlich nur sehr wenig körperbetontes Spiel zu, international dagegen geht es anders zu,” so Rehn.

Halbzeit (8): Jitex BK

Jitex’ Riesentalent, U19-Europameisterin Fridolina Rolfö

Ein neuer Trainer mit dem ehemaligen Nationalspieler Stefan Rehn, der insgesamt neun schwedische Meisterschaften als Spieler und Trainer (der Männer von Djurgården) gewinnen hat und Verstärkungen im Kader: in der Finnin Minna Meriluoto eine Klassetorhüterin und mit Katri Nokso-Koivisto (Wolfsburg) und Leena Puranen (Hammarby) zwei weitere finnische Nationalspielerinnen und vorne die talentierte Kanadierin Christina Julien. Jitex zeigte sich durch diese Verpflichtungen vor der Saison ambitioniert und wollte deutlich machen, dass man aufbricht in höhere Tabellenregionen, nachdem 2011 nur Platz 9 herausgesprungen war.

Ich sah die Mannschaft beim Auswärtsspiel bei Djurgården, das allerdings möglicherweise kein Maßstab ist. Das sah sicher und sehr solide aus, da kam ein Team, das schon sehr gut eingespielt war, das allerdings auch eine überragende Akteurin hatte: die inzwischen frischgebackene U19-Europameisterin Fridolina Rolfö. Sie ist das mit Abstand größte Talent des Clubs und man sollte viel tun, um sie behalten zu können. Die 18-Jährige war im offensiven Mittelfeld die spielbestimmende Kraft und man hat bei Jitex schmerzlich erfahren, wie es ohne Rolfö läuft: zuletzt vier Niederlagen in Folge und 1:8 Tore, zweimal verlor man gegen Aufsteiger Vittsjö.

Wie Lokalrivale Kopparberg/Göteborgs FC spielt man nun auf dem Valhalla IP mitten in Göteborg und nicht mehr im Stadtteil Mölndal, aus dem der ehemalige Rekordmeister eigentlich kommt. Genutzt hat das freilich nicht, da ist Jitex größtes Problem, das allerdings auch für Kopparberg geht: das Zuschauerinteresse am Frauenfußball in Göteborg ist sehr bescheiden, oftmals spielen die Damen von Jitex vor 200 und ein paar mehr Zuschauern. Und das in der Stadt, der der schwedische Fußballverband mit dem Stadion Nya Gamla Ullevi die Nationalarena für Frauenfußball stiftete – das war fast ironisch gemeint oder eben der Versuch, ein nicht vorhandenes Interesse zu wecken.

Göteborg hat in der Männerliga drei Erstligisten, von denen BK Häcken (3870) den schlechtesten und IFK Göteborg (11092) den besten Schnitt hat, weit von den 200 entfernt, die sich wohl zumeist aus Verwandten und Freunden der Spielerinnen zusammensetzen dürften.

Die Mannschaft hat Potential und es wird interessant sein, zu sehen, ob Jitex in der Rückrunde noch Punkte sammeln kann, die dazu reichen, mehr als “nur” den achten Platz in der Serie zu belegen. Und mit Fridolina Rolfö (welch Name) würde ich mich als Sportdirektor JETZT schon mal hinsetzen und über eine Vertragsverlängerung von wenigstens zwei Jahren reden.

Sällström schlug wieder zu

Eine tolle Überschrift des finnischen Fußballverbands Suomen Palloliitto zum heutigen Spiel um Platz 5 beim Zypern-Cup. Linda Sällström schoss ihr fünftes Tor im vierten Spiel, verwandelte dann noch einen Elfmeter, aber die 7:8 Niederlage gegen Südkorea konnte die zweifache Fußballerin des Jahres nicht verhindern.

In der 53. Minute ging Finnland in Führung durch die 23-Jährige, die für Linköping spielt und durch das fünfte Tor die beste Torschützin des gesamten Turniers wurde  Emmi Alanen, die nicht nur Fußballnationalspielerin ist, sondern in ihrer Jugend eine vielversprechende Ringerin war, hatte wieder einmal die Vorlage geliefert.

Nur drei Minuten später stand es jedoch 1:1, als Yun Hee Cha mit ihrem Treffer alles wieder offen gestaltete. Trainer Andrée Jeglertz sagte, dass einige seiner Spielerinnen offenbar müde gewesen seien. Im unmittelbar nach 90 Minuten erfolgenden Elfmeterschießen verwandelten alle Spielerinnen, ehe Unglücksrabin Susanna Lehtinen aus Örebro den entscheidenden Elfmeter verschoss,

Finnland spielte mit fast derselben Elf, die am Samstag mit 3:1 gegen die Schweiz gewonnen hatte, lediglich Tinja-Riikka Korpela anstelle von Minna Meriluoto im Tor und statt Leena Puranen im Mittelfeld mit Sanna Talonen.

Andrée Jeglertz war mit dem Turnier und dem sechsten Platz zufrieden. “Heute war die Müdigkeit besonders in der zweiten Halbzeit zu sehen. Aber wir haben in diesen zehn Tagen mehr über unsere Schwächen und Stärken gelernt, das war eine gute Vorbereitung auf unser EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei am 31.03.”

Finnland schlägt die Schweiz

Linköpings schnelle Stürmerin Linda Sällström war der Star des Spiels ihrer finnischen Nationalmannschaft, die im letzten Spiel des Turniers auf Zypern mit 3:1 gegen die Schweiz gewann. Die 23-Jährige schoss alle Tore ihres Teams, den Gegentreffer erzielte Frankfurts Ana-Maria Crnogorcevic. Im Platzierungsspiel trifft Finnland nun am Dienstag auf Südkorea, das Finale des Turniers bestreiten Titelverteidiger Kanada und Frankreich, das gegen England überzeugend mit 3:0 gewann.

Im finnischen Team standen neun Spielerinnen aus der Damallsvenskan. Lediglich Emmi Alanen und Marianna Tolvanen waren aus der heimischen Naistenliiga dabei. Minna Meriluoto hielt einen Foulelfmeter in der Schlussminute.

Niederlage auf Zypern: England schlägt Finnland 3:1

Die finnische Nationalmannschaft hat die Revanche für das verlorene EM-Viertelfinale in Turku 2009 gegen England verpasst. Damals verlor man 2:3, heute gab es beim fast parallel zur Algarve laufenden Turnier auf Zypern eine 1:3 Niederlage.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Marianne Tolvanen nämlich hatte Finnland bereits nach acht Minuten in Führung gebracht. Katri Nokso-Koivisto hatte Linda Sällström mit einem langen Ball geschickt und irgendwie landete das Leder vor den Füßen Tolvanens, die das 1:0 für den Außenseiter machte. Aber die Engländerinnen übernahmen bald das Kommando und auf finnischer Seite stand Jitex’ neue Torfrau Minna Meriluoto im Mittelpunkt. Doch Englands Sieg kam durch zwei Elfmeter zustande, die Kelly Smith zunächst zum Ausgleich und dann zum 3:1 Enstand verwaltete. Zwischendurch brachte Karen Carney England in Führung.

“Wir hatten einen richtig guten Start und die erste Halbzeit war wirklich gut. Unsere Abwehr stand gut und wir haben es geschafft, Druck auf die englische Viererkette auszuüben,” sagte Finnlands Teammanagerin Anne Mäkinen. “In der zweiten Halbzeit machte England sehr viel Druck. Sie hatten zwei Elfmeter, der erste war zweifelhaft,” so Mäkinen nach der Begegnung. Finnland trifft am Donnerstag auf Frankreich.

Mami Yamaguchi bleibt in Japan, Jitex erhält kanadische Verstärkung

Lange hieß es, dass die 25-Jährige Japanerin Mami Yamaguchi nach ihrem in jeder Hinsicht glücklosen Jahr bei Hammarby in Schweden bleiben würde. Malmö war das heißeste Gerücht, dann auch mal Umeå, wo sie schon mal gespielt hat in ihrem ersten Jahr in Schweden. Am Ende wurde es nach Jahren in der Fremde die Heimat. Nach Studium und Fußball in den USA, Umeå, Atlanta und Stockholm bleibt die technisch versierte Mittelfeldspielerin, die um Haaresbreite den Weltmeisterinnenkader verpasste, in ihrer Heimat bzw. kehrt dahin zurück.

Sie unterschrieb bei Yunogo Belle, dem Tabellenvierten der japanischen Liga. Dort wird Mami Mannschaftskameradin u.a. von Weltmeisterin Aya Miyama.

Nach umfangreicher finnischer Verstärkung (Minna Meriluoto, Leena Puranen und Katri Nokso-Koivisto) verstärkt sich Jitex aus Göteborg jetzt noch mit der 23-Jährigen Kanadierin Christina Julien (Twitter: https://twitter.com/#!/juliencm21). Für Julien, die in bislang 37 Länderspielen neun Treffer erzielte, ist dies ihr erstes professionelles Engagement und auch der Schritt von der zweitklassigen W-League in eine der höchsten Spielklassen der Welt. Mit ihrem alten Team Ottawa Fury hatte Julien 2011 noch die Great Lakes Division gewonnen und in zwölf Spielen zwölf Siege eingefahren. Dabei wurde die 23-Jährige allerdings nur einmal eingesetzt. Bei der WM in Deutschland spielte Julien gegen Frankreich und Nigeria.

Silly Season (5): Jitex wird finnisch

Bis vor vier Jahren war Jitex BK aus dem Göteborger Vorort Mölndal noch schwedischer Frauenfußballrekordmeister. Das allerdings ist lange her. 2010 stieg das Team mit seinem Trainer Hans Prytz wieder in die Damallsvenskan auf, gewann die Söderettan während Tyresö sich durch die Norrettan durchwalzte. Und in seinem ersten Jahr schaffte Jitex es beinahe, das wirtschaftlich wesentlich stärkere Tyresö auszustechen. Mit einfachem, geradlinigen Fußball, den man bisweilen auch gerne britisch nennt, kam man auf 33 Punkt und einen sehr respektablen sechsten Platz.

Und bekanntlich ist das zweite Jahr immer schwieriger als das erste, oder oft jedenfalls. Jitex war sich des Klassenerhalts 2011 lange nicht sicher, auch wenn Dalsjöfors und Hammarby doch mehr oder minder souverän auf den Abstiegsplätzen landeten. Statt 33 gewann Jitex nur 19 Punkte und statt des sechsten Ranges stand am Ende Platz neun.

Genug, um zu Änderungen zu kommen. Von Trainer Prytz trennte man sich nach vier Jahren und stattdessen verpflichtete man den ehemaligen Nationalspieler Stefan Rehn als neuen Trainer. Und das gleich für drei Jahre. Der 45-Jährige bringt Erfolgsjahre bei den Männerclubs Djurgården und IFK Göteborg mit und gerade letzterem Verein gehörte auch Lokalrivalentrainer Torbjörn Nilsson einmal an. Beide Göteborger Vereine haben nur geringe Zuschauerzahlen, Jitex steht mit Abstand am schlechtesten da.

Und hat sich vor der neuen Saison dadurch ausgezeichnet, dass man drei Finninnen geholt hat und ein großes Talent gehalten. Die 17-Jährige Fridolina Rolfö war sicher von mehreren Clubs umworben, bleibt aber Jitex erhalten. Von Absteiger Hammarby kommt Klassetorfrau Minna Meriluoto und Mittelfeldspielerin Leena Puranen und aus Wolfsburg holte man die zuletzt dort nicht mehr zum Einsatz kommende Katri Nokso-Koivisto. Drei Nationalspielerinnen aus dem östlichen Nachbarland.

Aus Norwegen kehrte auch Weltenbummlerin Amelie Rydbäck zurück an die schwedische Westküste. Sie hatte vorher auch schon mit Lotta Schelin bei Olympique Lyon gespielt.

Mit dem Abstieg dürfte Jitex mit dieser Truppe eigentlich wenig zu tun haben. Aber auch nach oben ist wenig Luft, da die Spitzenclubs über ganz andere Voraussetzungen verfügen.

Die Unabsteigbaren – Hammarby und die Zukunft

Kanalplan - Zuschauer beim Erstligaspiel

Es gibt in Schweden keine stärkere Vereinsmarke als Hammarby. Der Stockholmer Traditionsverein versammelt viele Sportarten unter seinem Dach, Fußball kommt sicher an erster Stelle, aber auch im Handball und im vor allem in Nordeuropa und Russland praktizierten Bandy (einer Art Eishockey mit kleinem Ball auf gefrorenen Fußballfeldern) hat der Club von sich reden gemacht.

Von Beginn an, seit 1988 spielte Hammarby DFF (DFF = Damfotbollsförening) in der Damallsvenskan und vor der Saison 2011 noch hatte Ex-Trainer und heutiger “Experte” En Perlskog in seiner jährlichen Vorschau für den schwedischen Fußballverband geschrieben, dass “Bajen”, wie die Fans den Verein nennen, nun mal nicht absteigen könne.

In den wenigen Jahren, in denen ich den Frauenfußball in Schweden intensiv verfolgt habe, habe ich im grünweißen Trikot der Stockholmerinnen am alles andere als erstligatauglichen Kanalplan aus Södermalm viele schwedische Nationalspielerinnen spielen und vor allem gehen sehen: Linda Forsberg, Jessica Landström, Louise Fors, Karin Lissel, Annica Svensson. Von Jahr zu Jahr geriet man dem Abrgund näher und hatte eine finanzielle Bilanz, die letztlich zwar geringfügig positiv war, bei Ein- und Ausgaben aber weitgehend stagnierte, während andere Vereine teils deutliche Steigerungen vor allem bei den Sponsoreinnahmen zu verzeichnen hatten.

Nachdem man sich 2010 im allerletzten Spiel dank eines 2:0 über Kristianstad rettete, versprach Vereinsvorsitzende Annika Vikander, dass diese Zitterpartie sich nicht wiederholen solle. Man werde einen Neustart machen, Hammarby solle kontinuierlich der Spitze zugeführt werden. Die Ausgangssituation jedoch war schwierig. Nach einem beispiellosen Krach innerhalb des Teams und mit der Vereinsführung und Trainer Lars Pihl hatten die Spielerinnen Nazanin Vaseghpanah und Daniella Chamoun den Verein noch vor Ende der Saison 2010 verlassen und waren mit der Spielerin Susann Varli zum Lokalrivalen AIK gegangen.

 

Annica Svensson ging von Hammarby zu Tyresö

Kapitänin Annica Svensson, die erstmals in die Nationalelf berufen wurde, sah bei Hammarby keine Zukunft, weil sie natürlich ihren Platz in der Nationalmannschaft behalten und festigen wollte, dies aber nicht zu schaffen können glaubte, wenn sie weiterhin 75% als Krankengymnastin arbeiten müsste. Das aufstrebende Tyresö bot Annica Svensson günstigere, professionelle Konditionen und erhielt die Unterschrift der 27-Jährigen.

Trainer Lars Pihl erhielt keine Verlängerung, geliebt hatten ihn seine Spielerinnen nicht, weil er zu wenig standfest war und gleichzeitig während der Zittersaison 2010 bis auf Keeperin Minna Meriluoto beinahe jede Spielerin jede Position testen líeß. Aber stattdessen holte man den charismatischen Tino Katsoulakis vom Aufsteiger Tyresö FF. Katsoulakis verließ Tyresö, weil er etwas Neues aufbauen wollte, weil ihm die Marke Hammarby zusagte. Und weil er als Trainer weiterhin das Sagen haben wollte, wen er aufstellen durfte und wen er verpflichten wollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und jetzt kommen die ersten Ungereimheiten. Und Widersprüche. Die Japanerin Mami Yamaguchi wurde verpflichtet. Eine kleine Sensation. Yamaguchi zu Hammarby. War das das erste Zeichen des Aufbruchs in eine neue Zukunft? Der Verpflichtung der technisch ungeheuer versierten Spielerin vom WPS-Club Atlanta Beat mit einer Vergangenheit bei Umeå IK, folgten jedoch eher lauwarme Verpflichtungen durchaus talentierter Spielerinnen, aber die Topnamen vor allem für ganz vorne, wo es schon 2010 am meisten gehapewrt hatte blieben aus.

Beim Presseauftakttreffen im April erzählte mir Tino Katsoulakis noch, dass er dabei sei, Hammarby sein Spiel beizubringen. “Wir wollen den Ball rollen lassen, am Boden, das Spiel machen, die anderen müde machen.” Das hatte er auch schon in Tyresö mit Erfolg geschafft, in der dritten, in der zweiten und in der ersten Saison in der ersten Liga. Aber dort hatte er genügend Spielerinnen, die diese Idee umsetzen konnte.

Hammarby stieg ab – und zwar sang- und klanglos. Symptomatisch auch das Pokalspiel in Sundsvall. Beim starken Zweitligisten führte man bis zur 80. Minute mit 3:0 – um am Ende mit 3:6 nach Verlängerung zu verlieren. Bitter enttäuschend das 1:8 bei Tyresö, einem Meisterschaftsanwärter, bei dem man sicher mit drei, vier Toren verlieren darf, aber hier mit einer Leistung, die nicht einmal zweitligawürdig war. Nach vorne passierte in dieser Saison so gut wie gar nichts. War es wirklich eine gute Idee, dass Katsoulakis seine ehemalige Spielerin Lina Larsson reaktivierte, die die Tore schießen sollte? Oder war es die Verzweiflungstat eines Trainers, dem man mehr versprochen hatte und der nun mit dem zu Recht kommen musste was er hatte? SIEBEN Tore machte Hammarby in 22 Spielen. Der schlechteste Sturm der Liga.

Woran lag es? Kurz vor Weihnachten traf ich Hammarbys Vorsitzende Annika Vikander.

“In den letzten Jahren standen wir schon jeweils in der unteren Tabellenhälfte. Um sich in der Damallsvenskan zu behaupten, braucht man mehrere Profis in der Truppe und unsere Spielerinnen mussten zumeiste neben dem Fußball arbeiten oder studieren. Wir hatten nicht die finanzielle Ausstattung, um unseren Spielerinnen zu ermöglichen, ganz auf Fußball zu setzen, trotzdem haben wir mehr investiert als 2010. Spielerinnen wie Mami Yamaguchi und Kelly Eagan spielten als Profis, aber insgesamt war unser Kader zu dünn besetzt. Als dann unsere Schlüsselspielerin Mami Yamaguchi zunächst eine Leistenverletzung und dann eine Knieverletzung hatte, wurde es sehr schwer. Am Anfang der Spielzeit hatte sich auch noch Jessy Sharro das Kreuzband gerissen. Selbst unsere Torhüterin Minna Meriluoto war nicht von Verletzungen verschont und fehlte mehrere Spiele lang.”

Annika Vikander schiebt den Abstieg also im Prinzip auf einige Verletzungen und vor allem wohl den weitgehenden Ausfall von Yamaguchi, die letztlich am Knie operiert werden musste und noch ein paar Mal unter starken Schmerzen spielte. In 12 Spielen hatte man ganze drei Tore erzielt und als das Transferfenster im August offen war, rechneten alle Fans, aber auch viele Spielerinnen mit Neuzugängen, die vor allem in der Offensive Schlagkraft bringen würden.

Die erste Verpflichtung war die amerikanische Abwehrspielerin Katie Kelly, dann kam ihre renommierte Landsmännin Becky Edwards vom amerikanischen Meister Western New York, aber auch sie eine Mittelfeldspielerin. Warum keine Stürmerin, fragte ich Annika Vikander?

“Diese Entscheidung wurde nicht vom Vorstand getroffen, sondern von den sportlich Verantwortlichen. Es war wohl so gedacht, dass Becky im Mittelfeld Mami Yamaguchis Rolle übernehmen sollte und Mami dann nach Genesung nach vorn gehen sollte.”

Sollte es so gedacht gewesen sein, wäre es eine abstruse taktische Variante gewesen. Denn Yamaguchi ist ebensowenig Stürmerin wie die von Verletztungen geplagte, hochtalentierte Finnin Leena Puranen, der man diese Rolle immer wieder aufzwingen wollte. Das Duo Edwards – Yamaguchi kam aber nie zu Stande, weil Mamis Knie sich einfach nicht mehr erholte.

Hammarby stieg ab. Der ehemalige Kanzleimitarbeiter Stefan Sanneskär fährt seit Wochen eine polemische Kampagne und fordert den Rücktritt des Vorstands, der den Verein schon weit nach unten gezogen habe und dabei sei, ihn noch weiter zu ruinieren. Stimmt das?

Nach dem Abstieg haben folgende Spielerinnen Hammarby verlassen: Minna Meriluoto, Leena Puranen (beide Jitex), Anna Lindblom, Magdalena Eriksson (beide Djurgården), Matilda Agné (Linköping), Madeleine Tegström (AIK), Rebecca Edwards (zurück zu Western New York Flash), Katrine Petrous (Vasalund), Kelly Eagan, Katie Kelly, Helen Nottebrock, Mami Yamaguchi (noch ohne Verein). Von der Startformation, die am letzten Spieltag, dem 15.10.2011 in Umeå 0:4 verlor, ist nur der Verbleib von Tempest-Marie Norlin im Verein noch ungeklärt.

Damit nicht genug. Mit einem Jugendtrainer verließen 15 Spielerinnen den Verein und schlossen sich Tyresö FF an. Ein beispielloser Vorgang, aber sicher auch eine Geschichte, die keine Freundschaft zwischen Hammarby und Tyresö fördert.

Dazu kommt: Die Saison 2012 in der zweiten Liga Nord wird von entscheidender Bedeutung sein. Denn nur die ersten sechs qualifizieren sich 2013 dann für die neue nationale zweite Liga, die Superettan. Hammarby hat als Neuverpflichtungen bislang Spielerinnen präsentiert, die alle sicher sehr engagiert trainieren werden und ehrgeizig sind, mit denen sich das Team aber alles andere als ein Favorit der zweiten Liga präsentieren dürfte.

Muss ein Verein mit solch einer starken Tradition nach einem Abstieg nicht alles daran setzen, sofort wieder aufzusteigen, fragte ich Annika Vikander?

“Natürlich soll es nicht fünf Jahre dauern, bis wir aufsteigen. Als ich an anderer Stelle von 3-5 Jahren gesprochen habe, meinte ich, dass es so lange braucht, bis man eine Mannschaft und eine Organisation drumherum gebaut hat, die es möglich machen, dass man sich dauerhaft in der ersten Liga etablieren kann. Die Anforderungen an die Organisation sind in den letzten Jahren gestiegen und da haben wir sicher nicht gleichen Schritt mit Clubs wie Piteå oder Tyresö halten können, die jedoch eben nicht in einer Großstadt operieren. Jetzt verlierejn wir zum Beispiel rund 110.000 € Unterstützung durch den EFD (Frauenfußball-Elitenförderungsverband). Wir müssen langfristig arbeiten, haben auch eine Verantwortung gegenüber allen Mädchenmannschaften in unserem Verein.

So wie es momentan ausschaut, wird Hammarby es sehr schwer haben, im nächsten Jahr die Quali für die Superettan zu schaffen. Mit den Aufstiegsfavoriten Sundsvall und Sunnanå kann man schon gar nicht konkurrieren. Es wird wohl wieder um den Klassenerhalt gehen am Kanalplan, dieses Mal jedoch droht der Abstieg in Liga 3, wenn kein Wunder geschieht. ffschweden wird den weiteren Weg des Traditionsvereins verfolgen.

Hammarby 0:5 nach 0:3 und 1:8

Das Schiff sinkt. Es sinkt schon seit Wochen und eigentlich Monaten, aber die Besatzung weigert sich, die Schwimmwesten anzulegen und wenigstens die Rerttungsbotte mit voller Kraft voran zu treiben. Man bleibt lieber an Bord und versichert sich gegenseitig, dass die Küste nicht soo weit entfernt ist.

So ungefähr oder so ähnlich.

Arme Becky Edwards. Da kommt die Amerikanerin mit frischen Siegen in der WPS und mit einer Goldmedaille nach Schweden, nur um hier mal die Erfahrung zu machen, wie es ist, wenn man wöchentlich eine Klatsche bekommt, deprimiert im Bus nach Hause sitzen kann und schließlich absteigt.

Ich denke, man merkt meinem Schreiben an, dass ich diesen Verein und noch mehr seine Spielerinnen mag. Gerade deshalb tut es eben weh, wenn man sieht, wie ein Verein, der noch nie abgestiegen ist, seit es die Damallsvenskan gibt, gegen Ende der Saison nicht zulegt, sich nicht aufbäumt, sondern wie alles irgendwie nur noch schlimmer wird.

Da spielte man gegen Linköping, jenes Team, das gelinde gesagt in einer Psychokrise ist, weil es nach vorne auch fast nichts zustande bringt und nicht mal Schlusslicht Dalsjöfors schlagen kann.

Und hat natürlich wieder Pech, das scheint fest wie Karamell an den Stollen der Mannschaft zu kleben. In der 18. Minute holt Kelly Eagan eine Gegnerin von den Beinen, die Richtung Minna Meriluoto unterwegs ist und Jenny Palmqvist zögert nicht und zeigt der Amerikanerin die rote Karte.

Zehn Minuten später wird Linda Sällström von den Beinen geholt und den fälligen Elfmeter verwandelt Lollo Fors. Danach brach Hammarby zusammen und jeweils zweimal trafen Ingrid Schjelderup und Linda Sällström. Am Ende hieß es dann 5:0 für den Meister von 2009.

Und der rettende zehnte Platz war zwar noch nicht weiter weg gerückt, dafür aber war es halt ein Spiel weniger und das Torverhältnis rutschte weiter Richtung Keller und Zweitklassigkeit.

Wieder einmal kann man nur konstatieren, dass nach vorne einfach zu weniog passiert. Aber statt Stürmerinnen holte man eine eher defensive Mittelfeldspielerin und eine für das zentrale Mittelfeld. Dazu kommt, dass viele Spielerinnen verletzt oder angeschlagen sind, aber das alleine erklärt nicht, warum man jetzt, wo man Woche für Woche die letzte Chance hatte, einfach nur noch schlechter spielt als in der ersten Hälfte der Saison.

Am Montag steht das Derby gegen Djurgården auf dem Programm und dann hat man noch ein Heimspiel gegen Dalsjöfors, das mir – durch die Verstärkungen – ehrlich gesagt fast stärker vorkommt. Die drei anderen Spiele aber gehen gegen Göteborg, Malmö und Umeå. Eigentlich muss man mindestens zwölf Punkte holen von nun 15 möglichen. Aber sobald ein Gegentor fällt, weiß man, dass es der Mannschaft nicht gelingen wird, das Blatt zu wenden.

Ein starker Zweiter – Örebro gewinnt bei Hammarby

Leena Puranen

Nach der katastrophalen Pleite in Tyresö, die man so schnell wie möglich vergessen wollte, präsentierte sich heute ein wesentlich stärkeres Hammarby, das trotzdem gegen einen besseren Gegner 0:3 verlor.

Elin Magnusson und Sanna Talonen entschieden das Spiel mit einem Doppelschlag, wobei Talonens Treffer in der 33. Minute stark abseitsverdächtig war.  Aber Hammarby hatte Torchancen, das kam in dieser Saison nicht immer vor. Leena Puranen rackert und kämpft irgendwo zwischen Mittelfeld und Angriff und in der 41. Minute war sie nah am Anschlusstreffer, aber Val Henderson lupfte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Und in der zweiten Halbzeit, da hatte allerdings Marie Hammarström schon zum 3:0 getroffen, traf die frühere Örebroerin den Pfosten.

Becky Edwards, frischgebackene WPS-Meisterin auch 2011, debütierte bei Hammarby, konnte noch keine entscheidenden Akzente setzen, hatte aber dennoch einige vielversprechende Aktionen.

Der Tabellenvorletzte gleicht einem Lazarettt. Letzten Sonntag sah ich Helen Eke noch in Krücken das Spiel in Tyresö beobachten, heute spielte sie, um nachher mit Krücken das Gelände wieder zu verlassen. Minna Meriluoto stand wieder zwischen den Pfosten. Und das knapp drei Wochen nachdem sie sich den Hüftbeugermuskel verletzt hat. Zu früh, sie sagte mir, dass es ihr eigentlich bei jeder Aktion, bei der sie heraussprinten musste, höllisch weh getan habe, glaubt aber nicht, dass es schlimmer geworden sei. Auf dem Oberschenkel ein rotes, japanisches Pflaster. Das geht am Oberschenkel entlang nach oben bis zur Hüfte, sagte Minna.

Anna Lindblom bekam in der ersten Halbzeit das Knie von Sarah Michael gegen ihr Knie. Das muss höllisch weh getan haben. Die Nigerianerin wurde immer wieder gesucht mit langen Bällen, ebenso wie Talonen, das Stürmerduo hatte ich schon bei Bekanntwerden des Wechsels von Michael als eines der potentiell stärksten der Liga bezeichnet.

Örebro ist ein starkes, gewachsenes Team. Emelie Ölander spielt jetzt in der Mitte und Marina Johansson rückt ins Mittelfeld auf. Bis morgen Nachmittag steht KIF Örebro jetzt auf Platz 2 der Damallsvenskan. Und kann in den nächsten Wochen und bis zum Ende um einen Platz in der Champions League konkurrieren.

Zwei Finninnen wurden vom Sponsor zu den Spielern des Tages gewählt. Minna Meriluoto und Sanna Talonen. Am Spielfeldrand machte ich weitere Finninnen aus. Örebros ehemalige Innenverteidigerin Sanna Valkonen war da und Laura Kalmari. Ob sie nicht spielen werde im Herbst, fragte ich Laura.

“Nein, ich bleibe lieber auf der Seite hier,” sagte die 32-Jährige lachend, die vor wenigen Wochen aus den USA zurückgekehrt ist und jetzt in einer Schule arbeitet. Schade, Laura Kalmari ist eine persönliche Favoritin. Wir sind gespannt, ob sie die EM-Qualifikation für Finnland spielen wird.

Unter die Räder gekommen 2 – Hammarby

Die vierfache Torschützin Madelaine Edlund

Hammarby steigt ab. Jawohl. Jetzt wirklich. Was sich die Truppe aus dem Stadtteil Södermalm heute bei Tyresö FF leistete, kommt Arbeitsverweigerung gleich.

Voll unter die Räder gekommen. Dritte Minute: 1:0 Madelaine Edlund nach Reingabe Josefine Öqvist. Das wiederholte sich noch zweimal später. Reingabe Öqvist, Edlund zuerst am Ball – Tor.

Selten habe ich Hammarby so schwach gesehen, dabei wollte man doch kämpfen bis zum Umfallen. Aber auf dem Platz steht keine einzige Führungsgestalt. Da vermisse ich Torhüterin Minna Meriluoto. Nichts gegen ihre Ersatzfrau Veronica Arneflod mit dem Spitznamen, den ich mir nicht merken kann.

Aber Minna ruft, schreit, gestikuliert und Arneflod war ziemlich leise. Dabei hätten ALLE Feldspieler heute Wachrufe gebraucht, besonders die Abwehr. Tyresö spielte den Gegner nach Belieben aus, und der leistete nicht einmal Widerstand, kein Aufbäumen, kein wir lassen uns hier nicht vorführen.

Wenn man Tyresö heute eines vorwerfen kann, dann, dass man dieses Spiel nicht mit 12:1 gewonnen hat. Hochkarätige Chancen wurden vergeben.

Aber immerhin acht wurden genutzt.

Viermal Madelaine Edlund, zweimal Kirsten van de Ven, Elaine und Elin Ekblom Bak. Gegentor zum 1:6 vor der Pause: Katrine Petrous mit ihrem erste Erstligator. Glückwunsch dazu!

Ob Becky Edwards jetzt ihr Flugticket in Stücke reisst?

Erster Saisonsieg für Hammarby

Katie Kelly, Tino Katsoulakis, Elisabet Gunnarsdottir, Susanne Moberg auf der Pressekonferenz nach dem Spiel

Eigentlich war es am Sonntag gelaufen. Auch im zweiten Spiel gegen Konkurrent Piteå hatte es eine Niederlage gegeben, 1:2. Das rettende Ufer war sieben Punkte weg. Wie motiviert man eine Mannschaft, die in 13 Spielen nicht gewonnen hat dafür, dann das 14. Spiel zu gewinnen?

“Da gibt es nur ein Wort und das ist Hammarby,” sagte Trainer Tino Katsoulakis nach dem 1:0 Sieg gegen Kristianstads DFF. “Wir haben Erfahrung aus allen möglichen Situationen und wir wissen, dass es mal so aussehen kann. Wir geben niemals auf, wir gehen einfach raus und spielen. Wir werden das Äusserste tun, um uns zu retten.”

Es war ein kampfbetontes Spiel und als ich gut fünf Minuten vor Anpfiff auf dem Hammarby IP eintraf, war ich gelinde gesagt geschockt, Torhüterin Minna Meriluoto in zivilen Kamotten ausserhalb der Caféteria zu sehen. “Was machst du denn hier?” rutschte mir dann raus. Die Finnin hat sich im letzten Spiel gegen Piteå eine Verletzung des musculus iliopsoas zugezogen. Auf Schwedisch nennt man das funktional “höftböjare”, den Hüftbeuger, der im Unterbauch sitzt und die Beweglichkeit von Hüfte, Bein und Bauch garantiert. Ein ziemlich zentraler Muskel, das könnte ein paar Wochen dauern, bis Minna wieder fit ist. Und das in der prekären Situation ihres Teams.

Tino Katsoulakis weiss, was er an Minna Meriluoto hat. Sie ist nun zum zweiten Mal in dieser Saison verletzt (sie hatte einen komplizierten Daumenbruch vor der Sommerpause) und wieder rückte Veronica Arneflod kurzfristig ein. Sie gehört nicht zum Kader, sie trainiert auch nicht, aber Tino ruft sie an, wenn Not an der Frau ist. Arneflod machte ihre Sache erneut sehr gut.

Torchancen hatte Kristianstad ein halbes Dutzend. Glasklare Chancen, meinte deren Trainerin Elisabet Gunnarsdottir in der Pressekonferenz. “Ich bin sehr enttäuscht von meinem Team. Wir hatten sechs, sieben Riesenchancen, meist aus zwei Meter Entfernung und bringen den Ball nicht rein. So enttäuscht war ich in den ganzen drei Jahren in Schweden noch nicht,” sagte die Isländerin.

Dabei war ihr Team nicht so überlegen, wie sie nachher analysierte. Auch Hammarby hätte so gesehen mehr Tore machen können. Das Spiel war relativ ausgeglichen mit leichten Vorteilen Kristinstads. Aber Johanna Rasmussen kam nicht o zum Zuge wie noch gegen Djurgården am Sonntag, Und “Hammarbys Spielerin im rechten äusseren Mittelfeld” habe ihrem Team immer wieder zu schaffen gemacht, sagte Gunnarsdottir. Das war Leena Puranen, die eine hervorragende Leistung zeigte. Das Tor aber machte Neuzugang Katie Kelly.

“Der Ball kam an die Strafraumgrenze zu mir und genau da soll ich stehen, um Abpraller aufzunehmen,” sagte Katie nach dem Spiel. “Als das Ding dann kam, schoss ich mit links und wollte flach schiessen und hart, vielleich einen Abpraller produzieren und der Ball ging durch alle hindurch und die Torhüterin hat ihn gar nicht gesehen,” so Kelly stolz.

Hedvig Lindahl hatte am Treffer keine Schuld. Aber in der ersten Halbzeit hätte es beinahe eine Neuauflage des 1:3 Tores Japans gegen Schweden bei der WM gegeben. Lindahl ging zu weit aus dem Tor, bolzte den Ball weg und aus knapp 30 Metern versuchte sich Mannschaftskapitänin Matilda Agné und ihr Versuch ging einen halben Meter übers Tor, Lindahl hätte keine Chance gehabt.

Hammarby ist jetzt fünf Punkte hinter Piteå und Jitex, noch immer eine Art “mission impossible”. Yamaguchi ist wieder da, Meriluoto weg, das gleicht sich leider aus. Nächster Gegner ist Tyresö auswärts. Die Konkurrenz Piteå und Jitex spielt in Nordschweden gegeneinander.

Für Dalsjöfors auf dem letzten Platz ist der Spieltag natürlich ein Rückschlag. Man liegt jetzt fünf Punkte hinter dem Vorletzten und zehn Punkte hinter dem angestrebten zehnten Platz.

 

 

Nur noch ein Wunder

Carmelina Moscato - erstes Spiel, erstes Tor

Nur noch ein Wunder kann die “Unabsteigbaren” von Hammarby IF DFF retten. Vor 2100 Zuschauern in der LF Arena in Piteå verlor Hammarby zum neunten Mal in dieser Saison. Beide Tore erzielten die kanadischen Neuerwerbungen Piteås Carmelina Moscato und Melissa Tancredi.

Es war von Piteås Seite zum Spiel des Jahres hochstilisiert worden. Und diesen Charakter hatte es auch. Denn Piteå war Zehnter mit acht Punkten und Hammarby Elfter unterhalb der gestrichelten Linie mit vier Punkten. Ein Sieg der Stockholmer Gäste hätte noch mal imminente Gefahr und Hoffnung bedeutet – ein Sieg Piteås in diesem Sechspunkte-Spiel gab die Möglichkeit auf beruhigende sieben Punkte davonzuziehen.

Piteå verstärkt durch seine kanadischen Neuerwerbungen, Hammarby gestärkt durch die Amerikanerin Katie Kelly, die jedoch alles andere als eine Goalgetterin ist. Die Heimmannschaft machte Dampf in den ersten 45 Minuten, kam aber erst in der 50. Minute durch Moscato zum ersten Torerfolg. Hammarby erwachte kurz, die tapfere Leena Puranen konnte nach Flanke von Anna Lindblom den Ausgleich köpfen, aber zehn Minuten vor Schluss wurde wohl der Abstieg besiegelt. Melissa “the tank” Tancredi brachte Piteå abermals in Führung und schickte Hammarby in eine relativ aussichtlose Situation.

In vier eminent wichtigen Spielen gegen die beiden über der gestrichelten Linie liegenden Clubs holte Hammarby ein Pünktlein beim 0:0 bei Jitex. Die anderen Spiele gingen allesamt verloren.

Nun warten sich langsam steigernde Aufgaben. Sieben Punkte wollen aufgeholt werden. Wir haben hier schon erwähnt, dass Präsidentin Annica Vicander Ende der letzten Zittersaison, als man es irgendwie doch noch schaffte, sagte, dass dies nicht noch einmal passieren sollte, dass man so lange zittern müsse. Nun könnte man ironisch anmerken, dass es zum Zittern gar keinen Anlass mehr geben wird, da man ohnehin keine Chance mehr hat.

Ärgerlich, dass das Team mit seinem tüchtigen Spielerstamm, seiner überragenden Torhüterin Minna Meriluoto, aber auch deren Landsfrau Leena Puranen (immerhin Schützin von 75% aller Hammarby-Tore) von der Vereinsführung allein gelassen wurde. Denn ohne klare Verstärkung war und ist das Unternehmen Klassenerhalt von Anfang an auf verlorenem Posten.

Bitter, denn der Aufstieg 2013 dürfte alles andere als leicht werden, denn in der Norrettan, in die es Hammarby wohl verschlagen wird, wenn kein Wunder geschieht, werden sich zwei aus dem sehr starken Trio AIK, Sundsvall und Sunnanå befinden und nur ein Team steigt auf.

 

Halbzeit

Die Hälfte der Saison ist vorbei  Schweden. Mit der 1:4-Heimniederlage von Linköping gegen Tyresö haben nun alle Teams jeweils elf Begegnungen absolviert. Am Samstag geht es schon weiter in einer Liga, die Aufwind verspürt nach dem dritten Platz der Nationalmannschaft bei der WM und in der eine ganze Reihe von Vereinen das am Montag geöffnete Transferfenster ausnützt, um sich vor der Rückrunde, die mit den Spielen gegen die Gegner des 11. Spieltags am Samstag beginnt,

Die Kurzanalyse für alle Vereine:

Sara Björk Gunnarsdottir

Ldb FC Malmö: Trotz der Abgänge von Therese Sjögran (kommt nach der WPS-Saison zurück), Kathryn Gill und Pavlina Scasna weiterhin Spitze. Mit Manon Melis hat man eine der weltbesten Stürmerinnen. Malmö hat nicht nur Geld, sondern macht auch was damit. Exzellentes Scouting: Alle nationalen und internationalen Talente sind gut ausgewählt. Sara Björk Gunnarsdottir und Annika Kukkonen etwa. Jetzt kommt mit der Dänin Katrine Veje ein weiteres Grosstalent und nach dem Ende der WPS wohl auch Caroline Seger.

 

 

Umeå IK: Trainer Blomqvist sprach beim Auftaktmeeting davon, dass Umeå Top 3 sein will. Nach der Hälfte der Saison sind sie zweiter und haben Tuchfühlung nach ganz oben. Mit Ramona Bachmann und Sofia Jakobsson ist der Angriff vielleicht noch einen Tick besser besetzt als bei Malmö. Aber der Gesamtkader spricht für den Meister. Mit Umeå jedoch ist wieder zu rechnen. Tendenz klar positiv. Negativ: Ausmusterung von Anna Paulson, das war taktlos und unnötig.

Sarah Michael (Foto: Mikael Sundberg/Skillnad AB)

KIF Örebro: Der neue Trainer Mikael Fahlén hatte versprochen, dass man endlich mal versuchen wolle, attraktiven Fussball zu spielen. Das hat nicht unbedingt geklappt, am Anfang sah es unverändert aus. Örebro hat seit einigen Jahren eine stabile Truppe, Sara Larsson und Sarah Michael sind hervorragende Neuzugänge. KIF wird ein sehr unangenehmer Gegner bleiben.

Tyresö FF: Ursprünglich mein Meisterschaftsfavorit. Mit einer imponiernden Startformation. Aber man kann Erfolg nicht kaufen und man muss Teams erst einmal einspielen. Hatte ein gefährliches Zwischentief, das wahrscheinlich den Titel gekostet hat. Kann aber nun nach drei Siegen in Folge und 10:1 Toren Richtung Platz 3 marschieren, ohne 100% überzeugt zu haben.Sportchef Hans Löfgren droht abzuheben und wird sicher alles tun, das Team nächste Saison noch einmal deutlich zu verstärken.

Kopparbergs/Göteborg: Viele glaubten, dass Torbjörn Nilssons Team Malmö ernsthaft Konkurrenz machen könnte. Aber ein Fehlstart und zuletzt die Niederlage gegen Örebro haben das verhindert. Auch Göteborg ist weit von den Champions League Plätzen weg, darf aber im Herbst erstmals in der Königsklasse spielen. Verstärkt mit der Norwegerin Ingvild Stensland, die nach Ausflug nach Lyon wieder in ihre zweite Heimat zurückkehrt. Ob sie wieder fit ist, wird sich zeigen.

Kristianstads DFF: Wieder gut gestartet, wieder mit einem Tief ab dem Sommer, aber die Verpflichtung der Schweizerin Sandra Betschart und vor allem der Klassedänin Johanna Rasmussen sollten spielerisch wieder Auftrieb geben für die isländische Filiale in Skåne. Torhüterin Hedvig Lindahl heiratet Ende August und sucht noch Spielideen sowie eine Band, die auf der Hochzeit spielt. Die beiden Fehlgriffe gegen Japan zu kritisieren, findet sie oberflächlich.

Djurgården: Fünf Siege und nichts mit dem Abstieg zu tun. Mit Emma Lundh und Mia Jalkerud ein Sturmduo, das Torinstinkt hat und auch trifft, insgesamt elf Mal bisher. Das ist gut für ein im Prinzip zusammengewürfeltes Team, das von der Vereinsführung nicht strategisch ausgesucht wurde. Dora Maria Larusdottir zieht im Mittelfeld inzwischen die Fäden und Gudbjörg Gunnarsdottir kocht für alle, ist DJ und inzwischen auch Führungsfigur. Mal sehen, ob das Geld reicht. Sicherer Mittelfeldplatz.

Linköpings FC: Achter Platz. Katastrophe. Linköping spielte selbst im  Meisterjahr langweiligen Fussball, aber immerhin erfolgreich. Mit Trainer Pettersson verschwand jedoch der Erfolg. Das Team steht am Scheideweg, denn ie professionelle Organisation und die Investitionen verlangen nach Siegen. Wird weiterdümpeln, aber wenn sich hier nichts ändert, sollte sich die eine oder andere Spielerin mit dem Gedanken tragen, wegzugehen.

Jitex BK: Das die zweite Saison für einen Aufsteiger oft schwieriger ist als die erste, bewahrheitet sich nicht unerwartet bei Jitex. Letzte Saison konnten sie noch viele überraschen mit ihrem geradlinigen, schnörkellosen, kampfbetonten Spiel, in dem die begrenzten spielerischen Möglichkeiten optimal ausgenutzt wurden, dieses Jahr ist das anders. Jitex bleibt aber in der Liga und im Clubhaus sollten sie schon mal nachdenken, was für nächste Saison zu tun ist. Riesentalent: Fridolina Rolfö.

Stephanie Labbé

Piteå IF: Dürfte eigentlich mit seinem Kader nicht da stehen, vier Punkte vor dem Abgrund. Aber die Verletzungen von Keeperin Stephanie Labbé und Faith Ikidi haben das Team verunsichert. Am Sonntag beim Rückspiel bei Djurgården sind mit Melissa Tancredi und Carmelina Moscato zwei weitere kanadische Nationalspielerinnen dabei. Das müsste für den Klassenerhalt reichen.

 

 

 

Mami Yamaguchi

Hammarby DFF: In der schwedischen Frauenfussballszene gelten sie als die Unabsteigbaren. Der von Tyresö gekommene Trainer Tino Katsoulakis wollte ein spielendes Team machen aus den Grünweissen und hat nun doch erkennen müssen, dass alleine der Kampf Punkte bringen kann. Nach vorne noch harmloser als im Vorjahr. Zwei Tore in elf Spielen. Selbst bei Aufsteiger Dalsjöfors konnte man nicht gewinnen. Jetzt wird schnell schnell auf dem Transfermarkt zugeschlagen, aber eher unprofessionell. Das geht nicht gut. Hammarby ist 2012 in der Norrettan trotz einer internationalen Klassetorhüterin wie der Finnin Minna Meriluoto.Sensationsverpflichtung Mami Yamaguchi hätte es bei einem anderen Club vielleicht in die Weltmeistersmannschaft geschafft.

Dalsjöfors GoIF: Nach 2:44 Toren und mit nur einem Punkt aus elf Spielen hoffnungslos am Ende. Das wird nichts mehr, auch wenn wohl schon am Samstag gegen Tyresö Kanadas Erin McLeod im Tor steht und Emily Zurrer neben Alex Singer in der Abwehr. Riesentalent: Mimmi Löfwenius. Aber Dalsjöfors sollte schon mal heimlich für die Söderettan planen.