Lotta 2 – Island 0

Nur 2412 Zuschauer in der Myresjöhus Arena in Växjö sahen am späten Samstagnachmittag einen nie gefährdeten 2:0-Sieg Schwedens gegen ein Island, das es sehr schwer haben wird, bei der EM im Sommer auch nur einen einzigen Punkt zu gewinnen.

Beide Tore schoss die oft in Nationalmannschafts-Zusammenhängen in Frage gestellte Lotta Schelin in einer Art und Weise, die ihre Weltklasse unterstreicht und mehr erhoffen lässt für das gross Fest im Sommer.

Dabei war das Spiel ansonsten über weite Strecken ein effektives Schlafmittel. Die
Schwedinnen taten sich in den ersten 45 Minuten schwer, obwohl die den Gegner beherrschten. Zu langsam und unbeweglich agierten die Schülerinnen von Pia Sundhage, da war wenig davoin zu merken, dass diese Mannschaft hier vor eigener Kulisse in nur drei Monaten den Titel holen will.

Island hatte in den 90 Minuten nicht einmal eine einzige Torchance. Die Offensivkräfte verloren so gut wie jedes Laufduell gegen die schwedischen Abwehrspielerinnen, die selber auch nicht unbedingt zu den schnellsten der Welt zählen.

Als in der 46. Minute dann Emmelie Konradsson für die sehr formschwankende, heute wieder mal unsichtbare, Lisa Dahlkvist kam, tat sich schon etwas. Es war auch Konradsson, die zu Lottas 1:0 auflegte. Trotz der beiden Treffer der Lyon-Angreiferin war eine Spielerin aus Paris die Beste auf dem Platz: Kosovare Asllani zeigte wieder einmal, dass sie sich verändert hat, enormen EInsatzwillen an den Tag legt und dazu eben auch sehr kreativ ist. In den letzten fünf Minuten machte Asllani Platz für Chelsea Ladies Neuzugang Sofia Jakobsson und auch diese Einwechslung tat nochmal gut, denn hochmotiviert war Jakobsson noch an drei Torchancen beteiligt und eben auch am 2:0 durch Lotta Schelin, die damit ihren 51. Länderspieltreffer markierte.

Schelin war in der anschliessenden Pressekonferenz selbstbewusst und zufrieden, Sundhage kritischer. Aber Recht hatten beide irgendwo. Schelin, die sagte, man habe den Gegner beherrscht und sicher gewonnen, mehr braucht es ja wirklich nicht und auch Sundhage, die sich mehr erhofft hatte und vor allem in der ersten Halbzeit unzufrieden war. Immerhin so Sundhage, sei nun klar, dass Marie Hammarström, die nach Konradssons Einwechslung ins zentrale Mittelfeld wechselte eine Alternative in der Mitte sei.

Publikumsmässig sah man, dass Schweden noch einiges tun muss, damit die EM auch in den weniger attraktiven Spielen akzeptablen Besuch hat. Denn 2412 mit der eigenen Mannschaft sind eine erschreckend schwache Kulisse.

Bald Champions League

An diesem Wochenende spielten immerhin sieben der zwölf Vereine der Damallsvenskan Testspiele. Die Ergebnisse sowie die Torschützen der Erstligavereine trage ich immer relativ zeitnah auf der Seite TESTSPIELE ein.

Das für mich aufsehenerregendste Resultat an diesem Wochenende. Damallsvenskan Absteiger Djurgården verlor sein Freundschaftsspiel beim finnischen Vizemeister Åland United mit sage und schreibe 1:8. Das lässt für das augenscheinlich vorwiegend aus 16-18-Jährigen Nachwuchskräften bestehende Team in der neugegründeten Elitettan (eingleisige zweite Liga) nichts Gutes erahnen.

Ich werde über die drei Stockholmer Clubs AIK, Djurgården und Hammarby vor dem Beginn der Saison am 14.04., schreiben, habe bereits Hammarbys Training besucht und auch zwei Testspiel der Mannschaft. Dazu später. Aber von Djurgården kommt derzeit weder von Spielerinnen noch Sportchefin Maria Jensen auch nur eine Silbe als Antwort. Auch das kein gutes Zeichen.

Viele befürchten, dass der ehemalige schwedische Meister und Europapokalfinalist nach dem Abstieg aus der Damallsvenskan direkt in die dritte Liga durchgereicht werden könnte. Das heutige Resultat jedenfalls tut weh´.

Am Mittwoch schon stehen die mit großer Spannung erwarteten Viertelfinals in der Champions League auf dem Programm. Malmö reist schon morgen zu seiner “mission impossible” nach Lyon gegen den französischen Serienmeister und zweifachen Titelverteidiger, der seit zwei Jahren und ein paar zerquetschten kein Fußballspiel mehr verloren hat.

Nicht dabei sein werden Therese Sjögran und Frida Nordin, aber nach Auskunft von Coach Jonas Eidevall haben beide Spielerinnen vergangene Woche dreimal voll trainiert. Mal sehen wie sich Malmö in der Höhle der Löwinnen schlägt. Der Gastgaber ist für mich 80:20 Favorit fürs Weiterkommen.

Eröffnen werden den Spieltag am Mittwoch jedoch Arsenal Ladies und Torres aus Italien. Bei allem Respekt vor den unbequemen Italienerinnen (deren Nationalelf in Zypern enttäuschte), auch hier ist Arsenal 80:20 Favorit. Ich werde im Mai beim Finale an der Stamford Bridge sein und falls Arsenal das erreichen sollte, kann man sicher mit einem fast vollen Stadion rechnen.

Keine Probleme auch dürfte Wolfsburg gegen Rossiyanka bekommen. Der russische Meister befindet sich nach zahlreichen Spielerabgängen und Trainerwechsel in einem chaotischen Zustand und Wolfsburg ist für mich 90:10 Favorit.

Erst um 20 Uhr spielen dann Juvisy und der schwedische Pokalsieger Göteborg. Und diese Begegnung könnte relativ offen sein. Man wird sehen, was Göteborg nach dem Abgang von Christen Press noch wert ist. In der Offensive stehen dann die Norwegerin Cathrine Dyngvold und Jessica Landström. Stars bei Juvisy sind Nationalmannschaftskapitänin Sandrine Soubeyrand und Mittelfeld-As Gaetane Thiney. Göteborg hat sich im Mittelfeld mit Marie Hammarström gut verstärkt und Yael Averbuch ist immer für ein Tor gut. Ich würde Göteborg leicht favorisieren: 45-55.

 

 

 

 

Schweden spielt seine EM-Elf ein

Nach dem 1:1 gegen die USA am Montag wird Schweden heute das Spiel um Platz 3 an der Algarve gegen Norwegen mit nur einer Personalveränderung beginnen.

Für Johanna Almgren kommt Marie Hammarström in die Mannschaft. Deremn Schwester Kristin steht dann also zum vierten Mal im Tor, der Stammplatz ist somit wohl sicher. Ebenso ist die Abwehr mit Nilsson, Fischer, Berglund und Thunebro inzwischen eindeutig gesetzt. Im zentralen Mittelfeld gibt es an Dahlkvist und Fischer kein Vorbeikommen und das Sturmpaar heißt Asllani und Schelin. Antonia Göransson scheint ebenso gesetzt zu sein, lediglich der Platz, den heute Marie Hammarström bekommt, ist wohl noch zu haben.

Düster sieht es jetzt wohl für Charlotte Rohlin und Therese Sjögran aus. Pia Sundhage hat viele großartige Eigenschaften, aber wenn sie sich für etwas entschieden hat, dann ist sie kaum noch umzustimmen. Auch die Youngster Elin Rubensson und Amanda Ilestedt dürften es jetzt sehr schwer haben. Ich denke, alle vier in diesem Abschnitt genannten haben nur noch eine Chance, wenn eine der vor ihnen liegenden sich in den kommenden Wochen ernsthaft verletzt.

Heute spiele Schweden gegen Norwegen mit: 12 Kristin Hammarström – 13 Lina Nilsson, 5 Nilla Fischer, 3 Emma Berglund, 6 Sara Thunebro – 20 Marie Hammarström, 17 Caroline Seger (K), 7 Lisa Dahlkvist, 11 Antonia Göransson – 9 Kosovare Asllani, 8 Lotta Schelin.

Schweden demontiert Island

Schweden gewann am Freitagabend mit 6:1 gegen Island. Zweimal Kosovare Asllani, je einmal Sara Thunebro, Lotta Schelin, Kristin Hammarström und Susanne Moberg erzielten die Tore in einer Begegnung, die leider mehr über Island als über Schweden aussagt.

Erschreckend schwach präsentierte sich der Endrundenteilnehmer der EURO und machte deutlich, wie groß die Unterschiede im internationalen Frauenfußball noch sind. Dabei spielen fast alle Isländerinnen in europäischen Topligen, in Norwegen oder Schweden vor allem.

Und so ist dieser hohe Sieg gut für das Selbstvertrauen der Schwedinnen, aber erst am Montag, nach dem Spiel gegen die USA, werden wir sagen können, was Schweden unter Pia Sundhage bisher erreicht hat. Man darf gespannt sein, welche Spielerinnen dann zum Einsatz kommen.

Ein klares Ausrufezeichen hinter Antonia Göransson, die auf der rechten Seite wirbelte und hochmotiviert war. Auch Kosovare Asllani nutzte ihre Chance als Spitze neben Lotta Schelin. Die Abwehr, möglicherweise die Achillesferse, wurde keiner Prüfung ausgesetzt. Nilla Fischer verschätze sich einmal grob, ein Fehler, den sie sich bei Abby Wambach, Alex Morgan oder Christen Press in 72 Stunden nicht leisten darf. Was Thunebro und Lina Nilsson leisten können, wenn die Gegnerinnen Weltklasse sind, steht auch noch zu sehen aus.

Aber immerhin ist man auf dem richtigen Weg. Wie weit, das kann man eben nach dem heutigen Kantersieg nicht sagen.

Sundhages Startformation gegen Island

Traditionsgemäß geben schwedische Trainer am Abend vor dem Spiel ihre Startformation auch der Öffentlichkeit bekannt – jedenfallsm, was Freundschaftsspiele angeht. Das hat Thomas Dennerby so gehalten und auch Pia Sundhage macht damit weiter.

Heute Abend um 18.00 Uhr Ortszeit (19.00 MEZ) wiord Schweden gegen Island mit folgender Formation auflaufen:

12 Kristin Hammarström – 13 Lina Nilsson, 3 Emma Berglund, 5 Nilla Fischer, 6 Sara Thunebro – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 7 Lisa Dahlkvist, 20 Marie Hammarström – 9 Kosovare Asllani, 8 Lotta Schelin.

Für viele Beobachter ist Sundhage damit sehr nah an der voraussichtlichen Startformation, mit der sie die EM bestreiten will. Nilla Fischer ist endgültig von der 6 zur Innenverteidigerin mutiert. Ob Charlotte Rohlin noch zurückkommt, scheint fraglich, denn Sundhage setzt auf Fischer, obwohl deren Positionsspiel noch oft zu wünschen übrig lässt und beim Gegentreffer gegen China auch ursächlich war. Auf den Außenbahnen in der Abwehr ist Sara Thunebro gesetzt und Lina Nilsson scheint sich im Konkurrenzkampf gegen Annica Svensson durchzusetzen. Schweden ist hier gut, aber keinesfalls mit internationaler Klasse besetzt. Überhaupt scheint mir die Abwehr noch ein Sorgenkind zu sein, denn mit einer ungelernten Fischer in zentraler Position, einer keine Spielzeit im Verein bekommenden Thunebro auf links und einer international eher durchschnittlichen Besetzung auf rechts sieht das nicht sonderlich überzeugend aus.

Im Mittelfeld sind Seger und Dahlkvist gesetzt. Positiv natürlich, dass die Beiden auch im Verein auf denselben Positionen spielen und jede Menge Zeit zum Einspielen hatten und sich sehr gut kennen. Lisa Dahlkvist allerdings ist meilenweit von ihrer Bestform entfernt und Caroline Seger war im letzten Jahr eine Spielerin, die oft 20 Minuten glänzte und 70 verschwand.

Auf den offensiven Außenbahnen kommen heute Göransson und Hammarström zum Einsatz. Göransson hat sich in Potsdam zu einer Rakete entwickelt. Hammarström ist eher die defensive Balance dazu. Offensiv stärker wäre Schweden mit Sofia Jakobsson oder Johanna Almgren.

Lotta Schelin ist die einzige völlig indiskutable Spielerin. Die einzige, der ich uneingeschränkt das Prädikat absolute Weltklasse geben würde. Sie hat das gerade erst am Wochenende noch im Spitzenspiel gegen Paris Saint-Germains unter Beweis gestellt, wo sie mit ihren beiden Toren das Spiel entschied.

Daneben bekommt Kosovare Asllani wieder eine Chance. Mal sehen wie das heute läuft, auch hier wäre natürlich Jakobsson eine Alternative, aber die neue Stürmerin von Chelsea London (im Mai werde ich sie bei Chelsea besuchen und dann auch hier darüber schreiben) ist meiner Meinung nach von der Spielanlage Schelin zu ähnlich und hat nicht so viele Überraschungsmomente wie die quirlige Asllani zu bieten.

Sundhages Algarve-Kader

Rubensson

Nachdenklich – Elin Rubensson ist nicht im Algarve-Kader von Pia Sundhage

Pia Sundhage hat mehrere Monate lang mit der schwedischen Nationalmannschaft Lehrgänge durchgeführt. Einige Namen fehlten, einige neue kamen hinzu. Gespielt wurde monatelang nur gegen Jungenmannschaften. Bald geht es an die Algarve zum Traditionsturnier im portugiesischen Frühjahr und da stehen dann vier Länderspiele auf dem Programm, man spielt gegen China (06.03.), Island (08.03.) und gegen Olympiasieger USA (11.03.) sowie gegen einen noch unbekannten Gegner (je nachdem wo man in der eigenen Gruppe landet) am 13. März.

Hier ist der heute in der EURO2013-Stadt Norrköping bekannt gegebene Kader:

Tor: Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Carola Söberg

Abwehr: Emma Berglund, Nilla Fischer, Malin Levenstad, Lina Nilsson, Jessica Samuelsson, Annica Svensson, Sara Thunebro

Mittelfeld und Angriff: Johanna Almgren, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Carina Holmberg, Sofia Jakobsson, Emmelie Konradsson, Susanne Moberg, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger.

Mit Folkesson, Holmberg und Schough enthält der Kader drei potentielle Debütantinnen. Etwas überraschend nicht dabei sind Malmös junge U19-Europameisterinnen Elin Rubensson und Amanda Illestedt. Meine Spekulation: Entweder will Malmö sie vor dem CL-Viertelfinale gegen Lyon extra schonen oder aber sie sind nicht mehr aktuell, weil Oldtimer wie Charlotte Rohlin und Therese Sjögran nach ihren Kreuzbandverletzungen auf dem Weg zurück sind.

Schaut man sich die Vereinsbilanz an, dann sind die 23 Spielerinnen aus insgesamt beeindruckenden zwölf Vereinen. Jeweils vier Spielerinnen kommen von Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC (K Hammarström, M Hammarström, Almgren und Schough) und Meister Tyresö (Söberg, Svensson, Dahlkvist und Seger). Fünf (Jakobsson, Thunebro, Asllani, Schelin und Göransson) spielen im Ausland.

Die älteste Spielerin im Kader ist Frankfurts Abwehrspielerin Sara Thunebro (33) und die jüngste Jessica Samuelsson (21) aus Linköping. Das Team hat ein Durchschnittsalter von 26,3 Jahren beim Start des Turniers. Sechs Spielerinnen (K Hammarström, M Hammarström, Lundgren, Söberg, Svensson, Thunebro) sind über 30 Jahre alt.

Pia Sundhage reduziert von 28 auf 23

Olivia_Schough

Olivia Schough (Göteborg) immer noch dabei – sie könnte die eigentliche Überraschung im Kader Pia Sundhages werden

Waren im Januar noch 28 Spielerinnen in einem erweiterten Kreis beim Trainingslager im Leistungszentrum auf Bosön, so werden es vom 9.-14. Februar nur noch 23 sein. Der Kreis wird enger und die EURO rückt näher.

Mit dabei: Olivia Schough aus Göteborg, die unter Vorgänger Thomas Dennerby kein einziges Mal nominiert wurde. Die 21-Jährige wurde bei der Bekanntgabe des Kaders von Sundhage speziell erwähnt: “Jetzt bin ich sehr gespannt, welche Spielerinnen in diesem Lager bereit sind, den nächsten Schritt zu machen. Olivia Schough zum Beispiel hat ein gutes Spielverständnis, exzellente Ballannahme und lässt andere gut aussehen,” so Sundhage auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands SvFF.

Die Nominierungen.

Tor: Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Carola Söberg

Abwehr: Emma Berglund, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson, Jessica Samuelsson, Annica Svensson, Sara Thunebro

Mittelfeld: Johanna Almgren, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Carina Holmberg, Emmelie Konradsson, Susanne Moberg, Caroline Seger

Angriff: Sofia Jakobsson, Elin Rubensson, Lotta Schelin, Olivia Schough.

Im Vergleich mit der 28er-Gruppe von Mitte Januar sind Malin Levenstad, Hanna Folkesson, Malin Diaz, Lina Hurtig und Julia Spetsmark nicht mehr dabei. Überraschend ist das höchstens bei Levenstad, die anderen vier Spielerinnen bekamen wohl ein Lob durch die Nominierung und die anderen etwas mehr Druck im Training.

Ebenfalls nicht dabei sind Madelaine Edlund und Stina Segerström, die ihre Nominierung im Januar wegen Verletzungen abgesagt hatten. Beide sind damit möglicherweise endgültig aus dem Rennen um einen Platz bei der EURO. Edlund wird bei ihrem Verein Tyresö FF überdies um ihren Stammplatz bangen müssen, jetzt wo man Christen Press hat.

Die beiden Routiniers Charlotte Rohlin und Therese Sjögran versuchen sich unterdessen, nach ihren Kreuzbandverletzungen wieder heranzuarbeiten. Chancenlos sind sie nicht, aber es dürfte schwer werden, sehr schwer, denn Pia Sundhage scheint nur eines zu bewerten: die aktuelle Leistung.

Die Nummer 1 im Tor, sagt sie, ist noch nicht gefunden. Alle drei Keeperinnen haben noch die Chance. Rechtzeitig vor der EM werde sie sich entscheiden, aber momentan sei eben keine deutlich besser als die anderen.

 

Die Woche in Schweden

Zur Zeit ist es weiterhin relativ ruhig. In Stockholm schneit es und Fußballtraining draußen scheint im Moment Lichtjahre weit entfernt zu sein. Dennoch tut sich das eine oder andere und ich liefere es euch hier in der Wochenzusammenfassung. Sollten große Nachrichten kommen, gibt es selbstverständlich aktuelle Posts. Es sind auch diverse Interviews in Vorbereitung bzw. abgeschlossen, die ich in den nächsten Wochen hier einstreuen werde. Ich habe mich länger mit Anja Mittag, Christen Press und Vero Boquete unterhalten für einen Artikel, der jetzt gerade in der schwedischen Frauenfußballzeitschrift MARTA fotbollsmagasin erschienen ist und obwohl die Gespräche länger zurückliegen, haben viele Antworten daraus einen eher Saison-zusammenfassenden Charakter, weshalb sie sicher noch interessant sein dürften. Das kommt vielleicht schon nächste Woche.

Ein paar aktuellere Interviews wird es auch noch geben. Außerdem will ich noch für mich und für euch auf die Saison 2012 in Schweden zurückblicken und schon eine kleine Vorschau auf 2013 wagen, auf das wir uns besonders freuen, denn hier wird, wie alle wissen, die EURO stattfinden.

Eine meiner Lieblingsspielerinnen (ja, auch als schreibender und meist zumindest nach außen neutraler Mensch muss man sowas haben dürfen) hat ihren Vertrag mit Linköpings FC nun doch verlängert. Finnlands zweimalige Fußballerin des Jahres Linda Sällström bleibt und geht doch nicht, wie Gerüchte besagten nach Mölndal zu Jitex BK. Die 24-Jährige, die sicher ohne Übertreibung zu den schnellsten Spielerinnen der Welt gehört, ist nach ihrem Kreuzbandriss im Frühjahr wieder im vollen Training und mir sagte sie kurz, dass sie nach ausführlichen Überlegungen doch eine bessere sportliche Zukunft in Linköping sieht. Und Recht hat sie. Denn auch wenn Linköping zwar deutliche Schnitte in seinem außergewöhlich starken Kader gemacht hat, ich werde all die Abgänge nicht mehr hier auflisten, so sieht das Team mit Stützen wie Sofia Lundgren, Charlotte Rohlin, Nilla Fischer und nicht zuletzt dem dänischen Supertalent Pernille Harder immer noch recht stark aus und sollte in der oberen Hälfte der Tabelle locker mitspielen können.

Nicht nur “Sällis” bleibt in Linköping, sondern auch der mitten in der Saison gekommene Trainer Martin Sjögren. Der Mann, der Malmö zu zwei Meistertiteln geführt hat, hat einen 2+1 Vertrag unterschrieben. Für alle bislang erwähnten dürfte es sicher auch eine tolle Saison in einem funkelnagelneuen Stadion werden, das nächstes Jahr bei der EURO von der Frankreich-Gruppe bespielt werden wird.

Eine, die Linköping nach nur einer, für sie missglückten, Saison verlässt ist Matilda Agné. Sie geht zurück zu ihrem früheren Verein Hammarby und sie ist nicht alleine. Ein paar Tage vorher unterschrieb auch Anna Lindblom nach einem Intermezzo bei Djurgården in der zweiten Liga bei ihrem früheren Verein, der durch diese beiden Verstärkungen offenbar Ambitionen hat, um die Spitzenplätze der neugegründeten Elitettan zu spielen. Nach einer Saison in Linköping geht ja auch Emma Lundh zurück nach Stockholm und auch wenn ihr neuer Club noch nicht feststeht, ein Wechsel zu Hammarby würde die grünweiße Traditionsmannschaft zu den Mitfavoriten um den Aufstieg machen…

Emma hat schon bei allen wichtigen Teams in Stockholm gespielt. Sie war bei AIK, Hammarby, Tyresö, Brommapojkarna und auch bei Djurgården. Der ehemalige Meister und Women’s Cup Finalist geht ungewissen Zeiten entgegen. Inzwischen hat wohl die gesamte Startformation des letzten Spiels gegen Piteå am 03.11. den Verein verlassen. Gestern wurde bekannt, dass Norwegens Aufsteiger Avaldsnes mit Abwehrspielerin Freja Hellenberg nach Gudbjörg Gunnarsdottir und Mia Jalkerud die dritte Spielerin aus Stockholm nach Westnorwegen importiert. Der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist die Tatsache, dass sich mit Sofia Nilsson, einer der auffälligsten Spielerinnen Djurgårdens, die achtzehnte Spielerin der Liga im vorletzten Spiel gegen Kristianstad einen Kreuzbandriss zuzog. Noch offiziell bei Djurgården, da nichts anderes verlautet ist, sind Jessica Landström und Susan Varli, aber beide dürften für viele andere Vereine interessant sein und wohl 2013 anderswo spielen.

Auf außerordentlichen Jahreshauptversammlungen haben die beiden Vereine LdB FC Malmö und FC Rosengård die Fusion beschlossen. Wie schon vorher berichtet, soll der neue Verein FC Rosengård heißen und dann eben Männer- wie Frauenfußball unter seinem Dach vereinen. Bei Rosengård war das bisher schon so, aber LdB war ein reiner Frauenfußballverein. Die Fusion ist Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben von LdB als Spitzenverein. Neben seinem neuen Cheftrainer Jonas Eidevall hat Anja Mittags Team nun auch einen neuen Assistenztrainer: Markus Tilly, 36 Jahre alt, kommt aus der Region vom Männerfußballverein Ängelholm.

Hauptkonkurrent und Meister Tyresö FF hat bislang keine Neuverpflichtungen bekanntegeben, aber in der Szene ist bekannt, dass Tyresö an einer offensiven Verstärkung interessiert ist und auch Gespräche geführt hat und führt. Manon Melis geht nach Malmö und Christen Press allem Anschein nach zurück in die USA, aber mit beiden hat Tyresö gesprochen. Ein heißer Name ist der der kanadischen Sportlerin des Jahres Christine Sinclair, aber auch das dürfte schwer werden, da der kanadische Fußballverband wie früher berichtet, 16 Spielerinnen seiner A-Mannschaft voll in der neuen amerikanischen Profiliga finanzieren wird. Abby Wambach dagegen dürfte ganz kalt sein, denn Wambach wird mit großer Sicherheit für Western New York Flash spielen und nächstes Jahr auch eine Familie gründen und seßhaft werden. Alles deutet auf Rochester im Staat New York hin, wo Wambach auch aufgewachsen ist.

Viel wichtiger aber die Nachricht, dass sich Tyresö FF in eine Gesellschaft verwandeln wird. Wichtigster Punkt dabei nach dem Vorsitzenden Hans Lindberg ist, dass man die Frauenmannschaft vom Breitensport im Verein juristisch trennen will. Zwei Clubs haben das schon einmal gemacht in der Damallsvenskan, nämlich Bälinge IF und Djurgården/’Älvsjö und beide Clubs sind in Konkurs gegangen. Djurgården lebte als Djurgården damfotboll weiter. Inzwischen hat Tyresö mit 15 Millionen Kronen (1,714 Millionen €) den höchsten Umsatz in der Damallsvenskan. Der große Zampano des Vereins, der scheinbar im Hintergrund agierende Hans Löfgren, hat ein einzigartiges Netzwerk aus rund 150 kleinen, mittleren und großen Firmen gebastelt, das die Frauenmannschaft unterstützt und damit den Weg von der vierten Liga zum Meistertitel geschafft. “Für uns bedeutet das auch eine Sicherheit für die restlichen Aktivitäten des Vereins, wenn das Spitzenteam des Frauenfußballs getrennt ist. Wir werden nach der nächsten Saison evaluieren, im Augenblick glaube ich aber, dass dies die beste Lösung ist,” so Hans Lindberg. Tyresö ist eben ein großer Verein mit Dutzenden von Kinder- und Jugendmannschaften.

Eines der ewigen Talente des schwedischen Frauenfußballs wechselt zu einem Verein, dessen Name vor allem im Männerfußball große Geschichte hat. Louise “Lollo” Fors, die vielleicht den besten Linksfuß der Damallsvenskan hat, ist nach einer enttäuschenden Saison bei Linköpings FC gegenwärtig in Australien, hat aber jetzt für den FC Liverpool Ladies unterschrieben. Fors wurde früher bei ihrem ersten Verein in der Damallsvenskan Lollodinho genannt, weil sie immer wieder brasilianisch anmutende geniale Momente hatte. Leider ist ihr Talent über die Jahre nicht richtig entwickelt worden. Die ersten Spiele mit ihr habe ich gesehen, als sie mit 15 in der Damallsvenskan debütierte. Inzwischen ist Fors 23 und noch immer könnte sie den entscheidenden Schritt tun.

Manchmal sind auch Vertragsverlängerungen wichtige Nachrichten. Zwei will ich hier hervorheben: Sofie Andersson bleibt in Vittsjö, sie war die herausragende Akteurin der letzten beiden Jahre beim Aufsteiger und ihre Bedeutung ist unstrittig. Ebenso wichtig, dass Nationalspielerin Sara Larsson in Örebro bleibt. Bei dem wirtschaftlich und sportlich in diesem Jahr gebeutelten Tabellenzehnten könnte dies ein Signal für andere Spielerinnen sein, ebenfalls zu Kugelschreiber zu greifen und zu bleiben, nachdem mit  Marie Hammarström bereits eine Schlüsselspielerin gegangen ist (nach Göteborg).

 

 

 

Pia Sundhage überrascht

Na endlich. Nachdem das erste Aufgebot für das Länderspiel gegen die Schweiz eher enntäuschend war, ist die 28 Frauen starke Truppe, die Pia Sundhage für ein Trainingslager auf Bosön in der Nähe von Stockholm nominiert hat mit einigen Überraschungen gespickt.

Dabei ist die größte Überraschung sicher Mittelfeldspielerin Carina Holmberg. Die 29-Jährige war zuletzt zwei Jahre in der zweiten Liga aktiv bei Aufsteiger Sunnanå und wird erst nächstes Jahr wieder erstklassigen Fußball spielen. Holmberg hat auch bislang sehr wenig Berührung mit dem Fußballverband SvFF, lediglich einmal war sie in der U19, aber das ist schon mehr als zehn Jahre her. Allerdings wurde Carina Holmberg diese Saison zur wertvollsten Spielerin der zweiten Liga Nord gewählt.

Eine weitere Überraschung ist U19-Europamneisterin Malin Diaz. Die 18-Jährige erinnert an den spanischen Fußball nicht nur wegen ihres Namens, sondern vor allem aufgrund ihrer technischen Spielweise. Physisch sehen viele Diaz noch als steigerungsfähig. Aber nun wird Malin Diaz ebenso eine Woche mit den arrivierten Spielerinnen unter Sundhage trainieren wie auch Göteborgs Olivia Schough. Eine dritte Überraschung – die Göteborgerin war zwar in der D23-Auswahl, aber stand sicher bei vielen nicht auf dem Schirm für die A-Mannschaft.

Linköpings junge Außenverteidigerin Jessica Samuelsson sehen viele als eine Zukunftslösung, sie hatte zwar schon ein Länderspiel unter Dennerby, ist aber jetzt nach längerer Pause wieder dabei.

Hier sind alle 28 Namen:

Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Carola Söberg

Emma Berglund, Emmelie Konradsson, Amanda Ilestedt, Sara Larsson, Malin Levenstad, Lina Nilsson, Jessica Samuelsson, Stina Segerström, Annica Svensson, Sara Thunebro

Johanna Almgren, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Nilla Fischer, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Sofia Jakobsson, Caroline Seger, Malin Diaz, Carina Holmberg, Olivia Schough

Madelaine Edlund, Jessica Landström, Susanne Moberg, Elin Rubensson

Nicht dabei Lotta Schelin, die mit Olympique Lyon eine Japan-Tournee macht.

 

Marie Hammarström verlässt KIF Örebro

14 Jahre hat Marie Hammarström für KIF Örebro gespielt. In dieser Saison wollte sie mehr als den fünften Platz, auf den der Verein in den vergangenen Jahren abonniert schien, am Ende wurde Rang 10 daraus. Gleichzeitig war man kurz vor dem Konkurs, lediglich ein unbefristeter Kredit der Stadt rettete das Team unter der Saison.

Sparmaßnahmen wurden angekündigt vor 2013 und all das veranlasste Marie Hammarström nun, ihren Abschied aus Örebro bekannt zu geben. Gemeinhin wird erwartet, dass sich die Schützin des goldenen Tores für Schweden im Spiel um Platz 3 bei der WM 2011 in Deutschland wie schon ihre Zwillingsschwester Kristin und Innenverteidigerin Stina Segerström vor ein paar Jahren gen Göteborg auf den Weg macht. Dort wurde auch bereits von der Verpflichtung einer schwedischen und einer ausländischen Nationalspielerin gesprochen.