Rosengård und Göteborg

Paula Radtke im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Paula Radtke im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Wenn man nach nur einem Spieltag eine Tendenz erkennen kann, was natürlich NICHT der Fall ist, aber wenn, nur mal angenommen, dann hießen die Favoriten der Saison 2014 eindeutig FC Rosengård und Kopparberg/Göteborgs FC.

Rosengård (zum letzten Mal: früher LdB FC Malmö) ging als Erster ins Rennen, auswärts bei Aufsteiger AIK und für schwedische Verhältnisse zur ungewöhnlich frühen Stunde: 12.30 Uhr Anstoß. Grund: AIKs Männermannschaft war um 15.00 Uhr in der gut einen Kilometer entfernten Friends Arena angesetzt gegen Örebro und man wollte sich nicht im Wege stehen bzw. hoffte, dass ganz Fußballverrückte zuerst zu den Frauen und dann zu den Männern gehen würden. Naja, so ganz haute das dann doch nicht hin: 466 sahen die Frauen 0:4 gegen Rosengård verlieren und 15 873 (34 mal so viel) sahen das 1:1 der Männer gegen Örebro.

Anja Mittag, Sarah Mellouk, Ramona Bachmann und Paula (Kathleen) Radtke schossen die Tore für den Meister, der sich noch besser einspielen muss, da war vieles noch nicht überzeugend, nicht ineinander verzahnt, aber die überragenden Einzelpielerinnen kriegen es dann doch irgendwie hin und zwar so, dass man sich nie fragte, ob hier etwas anderes als die gesetzte Auswärts-2 herauskommen könnte.

Später hatte es das umgekrempelte Göteborg auswärts mit Vittsjö zu tun, schon schwieriger die Aufgabe und die von Malmö nach Göteborg gewechselte Manon Melis schickt mit ihrem Hattrick zu Beginn eine Ansichtskarte nach Malmö. Natürlich ist der Wechsel von der einen (Melis) zur anderen (van de Ven) in Malmö nicht einfach nur ein Wechsel, sondern eine Schwächung. Nicht weil van de Ven keine gute Fußballerin wäre oder es an Ehrgeiz mangeln ließe. Aber Melis ist halt Weltklasse, wenn sie gut drauf ist und bei Kirsten van de Ven weiß man momentan nicht einmal, wann sie spielen kann. Statt einer Klassebank mit Spielerinnen wie Katrine Veje oder Yoreli Rincon setzt man jetzt auf eigene Talente und das mag richtig sein. Sarah Mellouk, gerade erst 15 Jahre und acht Monate alt, deutete das an. Spielte von Beginn und machte ein Kopfballtor und hatte ein paar gute Szenen. Auch Anja Mittag, Therese Sjögran und Paula Radtke gefielen, Thora Helgadottir gab bei den wenigen Bällen Rückhalt und Anita Asantes Zweikampfstärke wird Rosengård noch viel Freude machen, auch wenn AIK:s talentierte Ex-Malmöerin Sarah Storck ihr wenigstens einmal ganz schön auf der Nase herumtanzte, also bildlich gesprochen.

Neunationalspielerin Emma Lundh sah das alles von der Tribüne aus. Knieprobleme. “Ich bin magnetgeröngt worden, kriege das Ergebnis morgen. Irgendwas knackt im Meniskus,” sagte mir die Stürmerin nach dem Spiel. Auch die Routine von Maija Saari, der Mannschaftskapitänin der finnischen Nationalmannschaft wird AIK neben Malin Levenstad gut tun. Aber eben erst in einem Monat.

“Teilweise waren wir nur zu zehnt beim Training und haben mit ein paar Jungs aufgefüllt,” erzählte mir Paula Radtke nach dem Spiel. “Jetzt sind endlich alle wieder von ihren Nationalmannschaften zurück, das merkte man heute schon, dass die Abstimmung noch nicht da ist.”

Dass 79,5% der Experten Rosengård als Meister sehen, belastet Radtke nicht: “Das war ja schon letztes Jahr bei Tyresö so. Göteborg und Linköping ist das natürlich schon Recht, dass wir die Favoriten sind und sie so den Druck von sich nehmen können.”

Ob man sich denn bei vier Spielerinnen mit Muttersprache Deutsch auch mal auf Deutsch unterhalte, will ich noch wissen.

“Hast du was gehört vom Spielfeld?” fragt Paula zurück. “Manchmal rufen wir uns tatsächlich auch auf dem Platz was auf Deutsch zu, das ist ja dann schon fast Geheimsprache. Aber bei uns wird meist Schwedisch gesprochen. Ab und an erklärt der Trainer auch mal was auf Englisch.”

Sie hat ihren Platz gefunden, die Deutsche, die vom USV Jena kam. Anfangs waren viele, auch ich skeptisch, ob Paula Radtke sich beim schwedischen Topclub würde durchsetzen können, aber sie zeichnet sich durch hohe Professionalität aus und ist sehr flexibel einsetzbar, was natürlich ein großes Plus für Trainer Eidevall ist.

Göteborg und Rosengård führen die Tabelle an nach den ersten fünf Spielen. Mehr zu den anderen drei Begegnungen in einem späteren Post heute.

 

 

Damallsvenskan 2014: Mein Tipp

Upptakt29Morgen in zwei Minuten beginnt die neue Saison der Damallsvenskan auf Skytteholms IP, wenn der umgetaufte Meister FC Rosengård beim Fahrstuhlteam und wieder mal Aufsteiger AIK in Solna zu Gast ist.

Wie geht sie aus, die neue Saison? Alle Antworten darauf gibt es schon hier und heute. :)

1. FC Rosengård

Vergangenes Jahr noch ein Zweikampf, in diesem Jahr ein Durchmarsch. Man hat zwar eine Handvoll Spielerinnen abgegeben und sich eigentlich nur mit Anita Asante wirklich verstärkt, aber der Kader von Thora Helgadottir bis Anja Mittag enthält so viel Klasse und Potential, das ähnlich wie in der deutschen Männerbundesliga nach zwei Dritteln der Saison die große Langeweile eintreten wird, was den Meistertitel angeht. Ramona Bachmann ist die wohl beste Spielerin der Liga und eine der Weltbesten, ein Rätsel, warum die FIFA sie noch nie unter die Top 10 nominiert hat oder aber ein Zeichen von Inkompetenz.

2. Linköpings FC

Langfristig wird derzeit in keinem Club in der Liga so klug geplant wie in der Provinzhauptstadt von Östergötland. Trainerfuchs Martin Sjögren und Vereinsboss Anders Mäki haben eine Ansammlung von Talenten, wie es sie nirgends in Skandinavien an einem Ort konzentriert gibt. Zwar ist der kommende Weltstar Pernille Harder verletzt (Ermüdungsbruch im Fuß) und Linda Sällström ist in der Reha nach ihrem dritten (!) Kreuzbandriss innerhalb von zwei Jahren, aber aus einer von Routinier Charlotte Rohlin angeführten Abwehr mit der wohl besten Torhüterin der Liga (Katie Fraine, in vielen anderen Ländern stünde sie als Nummer 1 in der Natio) hinter sich, kommt der LFC mit viel Kreativität. Kristine Minde dürfte der interessanteste Neuzugang der Liga sein und die Holländerin Renée Slegers hatte eine Traumsaison. Wiederholt sie die, dann muss auch Rosengård sich vorsehen.

3. Kopparberg/Göteborgs FC

Wohl nur noch Lokalrivale Jitex Mölndal hatte so viele Abgänge zu verzeichnen: Die Hammarströms hörten auf, Jessica Landström verschwand sang- und klanglos (wohin eigentlich?), Anita Asante zog nach Malmö (ihre Entscheidung fiel schon, als man Christen Press fast widerstandslos ziehen ließ, wie sie mir sagte). Dennoch hat der neue Coach Stefan Rehn mit Hilfe von Sponsor und Vereinsboss Peter Bronsman die Verluste nahezu ausgeglichen. Loes Geurts im Tor, Lieke Martens und Manon Melis machen das Team zu einem Mini-Holland. Hinter Göteborg beginnt das Mittelfeld, das sich weit runter streckt.

4. KIF Örebro

Nach einer guten Vorsaison und mit Blick auf einen insgesamt ausgeglichenen Kader hat Örebro gute Chancen auf die beste Platzierung seiner Geschichte. Die Martinkova-Zwillinge im Mittefeld, vorn mit Sarah Michael die beste Targetstürmerin der Liga und Sanno Talonen, die zuletzt fünf Länderspieltore in zwei Begegnungen für Finnland machte, das alles spricht für eine Platzierung in der oberen Hälfte.

5. Umeå IK

Auch in Umeå wird (wie in Linköping) auf die Jugend gesetzt. Heißt der Star dort Harder, so ist es hier Lina Hurtig, die 18-Jährige hat ihren Vertrag trotz eines Angebots von Paris SG bei den Nordschwedinnen verlängert und will sich noch etwas in der Heimat entwickeln, bevor sie den Schritt ins Ausland tut. Zusammen mit Jenny Hjohlman wird sie nach vorn für viel Kraft sorgen, während hinten die nach ihrem Kreuzbandriss genesene Emma Berglund die Abwehr zusammenhält.

6. Vittsjö GIK

Das Mini-Schottland in Skåne (siehe Interview mit Sofie Andersson) hat sih endgültig in der Liga etabliert. Jane Ross würde Anja Mittag den Titel als Torschützenkönigin streitig machen können, wenn sie noch mehr Klasse um sich hätte, aber die gute und fruchtbare Arbeit von Coach Tomas Mårtensson führt das Team dennoch zu einem guten sechsten Platz.

7. Eskilstuna United

Der Überraschungssieger der ersten Auflage der Elitettan hat mit einer lokalen Bank einen guten Sponsor gefunden und sich hervorragend verstärkt. Mit einer Abwehr aus lauter Nationalspielerinnen (Annica Svensson, Sara Thunebro auf den Außenbahnen und dem irischen Duo Louise Quinn und Vaila Barsley in der Mitte, deren Stärke unlängst selbst die deutsche Nationalmannschaft zu spüren bekam) haben sie eine solide Grundlage, auf die sich aufbauen lässt. Kann die kamerunische Nationalspielerin und Torjägerin Gaelle Enganamouit ihren Trend aus der Vorsaison fortsetzen, dann wird Eskilstuna für mehr als eine Überraschung sorgen.

8. Kristianstads DFF

Kaum etwas hat sich im Kader zur Vorsaison geändet bei Beta Gunnarsdottir. Die isländische Filiale ist ins Stocken gekommen und die Schwangerschaft von Margrét Lara Vidarsdottir ist schön für sie, aber ihre dadurch bedingte Abwesenheit für die Mannschaft ein herber Verlust. Vieles hängt davon ab, ob Megatalent Marija Banusic den Durchbruch schafft. Im Vorjahr war sie immer wieder leicht verletzt und fiel alle paar Wochen für ein paar Spiele aus. Gunnarssdottir sprach auf dem Pressetreff am Dienstag beiläufig von “Mädchenproblemen” und der Hoffnung, in diesem Jahr davon verschont zu bleiben. Ob es sich da um Beziehungsprobleme handelte oder Cliquenbildung, ließ sie dahingestellt, aber offenbar war da am Betriebsklima nicht alles in Ordnung. Platz 8 für Kristianstad, das auch ökonomisch zumindest leicht wackelt.

9. Piteå IF

Sie haben immer noch Faith Ikidi, die beste Abwehrspielerin Afrikas und der Damallsvenskan. Aber eine Reihe wichtiger Spielerinnen hat den Norden verlassen, nicht zuletzt Sofie Persson, die manchmal etwas unscheinbare Klassespielerin im Mittelfeld. Gespannt bin ich auf die Saison von Jungtorhüterin Hilda Carlén, die vom Zweitligisten Hammarby kam. Schweden braucht dringend Nachwuchs auf der Nr 1 in der Natio, die mit Hedvig Lindahl nicht erstklassig besetzt ist und das seit Jahren.

10. AIK

Die Fahrstuhlmannschaft der letzten Jahre schafft den Verbleib im Oberhaus. Norwegische Torhüterin und Malin Levenstad als Stabilisatorin in der Innenverteidigung. Mit Finnlands Maija Saari habe ich Dienstag noch kurz gesprochen, sie ist vielleicht im Mai wieder dabei (Kreuzbandriss 2013) und dann hätte AIK ein richtig gutes Paar in der zentralen Abwehr. Ich traf Malin und Maija zu einem längeren Gespräch im Februar und stellte schon da die Frage, wer denn die Tore machen soll und Levenstad nannte die hochtalentierte, aber sehr verletzungsanfällige Sarah Storck und natürlich Neunationalspielerin Emma Lundh (“die beste, mit der ich je Fußball gespielt habe”, sagte mir einmal Potsdams Gudbjörg Gunnarsdottir VOR ihrer Zeit in Deutschland). Aber nach vorn wird es dennoch schwierig.

11. Jitex Mölndal BK

Abstieg jetzt mit einer komplett ausgewechselten Mannschaft, in der nun hauptsächlich Spielerinnen stehen, die aus der zweiten Liga gekommen sind. Finanzielle Probleme bis zuletzt, aber nun auf einmal zwei Sponsoren (ein Badmodenhersteller und die Gemeinde, die auch die Namensänderung in letzter Minute veranlasste). Filippa Curmark und Co. werden Erfahrung sammeln und im nächsten Jahr, wenn sie denn zusammenbleiben, in der Elitettan aufräumen. Und mit neuen Sponsoren kommen vielleicht noch einige etablierte Gesichter hinzu. In diesem Jahr jedoch hat man mit diesem Mädchenkader keine Chance.

12. Tyresö FF

Fast kein Kommentar nötig. Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Marta, Carola Söberg und Caroline Seger gehen schon nach wenigen Spielen und am 5. Juni trifft man sich wieder vor dem Amtsgericht Nacka. Champions-League-Sieg am 22. Mai in Lissabon und danach die Explosion. Konkurs. Herausnahme des Teams aus dem laufenden Spielbetrieb nach rücksichtslos, verantwortungsloser Politik von Vereinspräsident Hans Lindberg und dem starken Mann im Hintergrund, Hans Löfgren. Noch ist es nicht sicher, aber ich glaube nicht mehr an das noch unbekannte afrikanische Land, das mit vier Millionen Kronen netto jährlich das Team wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Ach ja, und Tony Gustavsson dürfte sehr gute Chancen haben, Nationaltrainer der USA zu werden.

 

Linköping ins Viertelfinale

Im Achtelfinale des schwedischen Pokals gewann Linköping am Abend das Spitzenspiel gegen Kopparberg/Göteborgs FC mit 3:1. Torschützen: Renée Slegers, Stina Blackstenius und Emma Lennartsson für die Gastgeberinnen und am Ende dann noch Göteborgs teurer Neuzugang Manon Melis.

Alle Toren fielen in der zweiten Halbzeit. Linköpings Trainer Martin Sjögren auf der Homepage des Vereins: “Wir haben in der ersten Halbzeit zögerlich und abwartend gespielt anstatt zu agieren. Nach der Halbzeit wurde das anders, wo wir Stina gebracht haben, die eine große Gefahr ist. Aber am Wichtigsten war, dass wir endlich agiert haben, längere Angriffe gespielt haben und uns näher an deren Tor begeben haben.”

Mit Stina meint Sjögren Stina Blackstenius, eines der wohl größten schwedischen Sturmtalente – Anfang Februar gerade mal 18 Jahre alt geworden. Merkt euch den Namen.

Und Göteborg will es wissen

Wie oft wird Göteborg 2014 jubeln?

Wie oft wird Göteborg 2014 jubeln?

Tyresö hat einen Plan, der alle Nervosität zerstreuen wird und Göteborg setzt auf die Meisterschaft und die Erde ist eine Scheibe,

Auch aus Westschweden heute eine beruhigende Nachricht. Nach dem Abgang von Kristin Hammarström, Marie Hammarström, Anita Asante, Yael Averbuch und Olivia Schough brauchen wir uns überhaupt keine Gedanken darüber machen, dass Kopparberg/Göteborgs FC nicht nach dem Meistertitel greifen würde. Bitte?

Man hat ja Manon Melis und Loes Geurts geholt, dazu ein paar erstligaerfahrene Spielerinnen vom Lokalkonkurrenten Jitex rübergelockt. Lieke Martens ist schon seit Wochen im Gespräch und auch eine weitere Niederländerin, aber bei denen hat jetzt sicher auch Tyresö angerufen und treibt den Preis in die Höhe.

Rehn hofft auf noch mehr Spielerinnen” lautet die Überschrift eines Artikels in Göteborgs Posten. Und noch mehr ist gut, denn er hat gerade mal 16 nach Angaben der Zeitung. Nicht gerade 16, mit denen man etwa über 22 Spiele gegen Rosengård oder Linköping konkurrieren könnte. Wahrscheinlich reicht es auch nicht für Tyresö oder Umeå im Moment.

“Wir haben einiges am Laufen,” sagt Rehn der Zeitung. “Wir diskutieren mit Spielerinnen, wir kriegen Besuch zum Probetraining. Aber nichts ist entschieden. Wir brauchen Verstärkung in allen Mannschaftsteilen, am meisten in der Mitte,” so Rehn.

Nach dem Aufbruch zu den Topplatzierungen sieht das bei aller Liebe noch nicht aus. Eine Melis macht noch keinen Sommer, schrieb ich hier vor sechs Wochenund dabei bleibt es.

 

Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis’ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren “sammeln” offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

ARTIKEL 2013: Lotta Schelin

Lotta01Lotta Schelins Karriere habe ich über die Jahre hinweg beobachtet. Ich sah sie als junge Spielerin bei Kopparberg/Göteborgs FC, einem Verein, der zu ihren Zeiten im oberen Mittelfeld der Liga spielte, für den sie aber Tor um Tor schoss. International ließ ihr Durchbruch auf sich warten. Ich war überzeugt, dass er irgendwann kommt und nach einem Spiel bei Hammarby, bei dem sie beide Tore schoss, habe ich sie mit Thierry Henry verglichen. Das Tabu sozusagen gebrochen. Dass man nicht vergleichen darf. Umso erleichterter war ich, als ich später in einem Interview las, dass Lotta Schelin eine DVD besitzt, auf der weit über hundert Tore Henrys hintereinander geschnitten sind.

Zum ersten Mal mit ihr geredet habe ich dann 2007 im November. Es war nach dem Spiel Schweden – Dänemark im Råsunda-Stadion von Stockholm. Schweden qualifizierte sich in einem Play-Off für die Olympischen Spiele in China im Jahr darauf. Schon da fiel sie mir als angenehme Gesprächspartnerin auf, es war kein Interview, wir waren in der Mixed Zone und sprachen knapp 20 Minuten angeregt über die abgelaufene Saison, die Olympiade und die Zukunft des Frauenfußballs.

In Deutschland zweifelte man immer an ihrem möglichen Durchbruch zum Weltstar, den ich erhoffte, weil ich das große Talent der damals 23-Jährigen schon mehrfach mit eigenen Augen auf den Fußballplätzen der Damallsvenskan hatte sehen können. Sie ging nach Frankreich zu Olympique Lyon, eine Entscheidung, die viele kritisierten, auch ich war sehr skeptisch, ob das der richtige Schritt sein könnte, denn Lyon war zwar ein gutes Team, aber viel zu überlegen in Frankreich und um sich als Fußballspielerin zu entwickeln, brauchte man regelmäßige Spiele gegen die Besten, glaubte ich.

Lotta Schelin behielt Recht, sie gewann zahlreiche Meistertitel mit Lyon und nach zwei verlorenen Duellen mit deutschen Mannschaften in der Champions League, holten sie sich dann auch den Titel und niemand zweifelte mehr daran, dass Lyon Europas beste Mannschaft ist. Lotta entwickelte sich zu einer der Leistungsträgerinnen dieser Mannschaft und in Schweden immer mehr zur Führungsspielerin der Nationalmannschaft.

Lotta2Im Februar 2013 traf ich sie kurz in der Friends Arena, in der die Natio trainierte, weil Pia Sundhage den Traum, hierhin zu einem EM-Finale zurückzukehren, nähren wollte. Es wurde nichts draus, wie wir alle wissen.

Tiffany Weimer, Chefredakteurin von OurGameMagazine und gleichzeitig Spielerin beim dänischen Fußballclub Fortuna Hjørring kontaktierte mich, und fragte, ob ich nicht ein langes Interview mit Lotta machen könne, im Vorfeld der EM. Sie selber hätten vergeblich aus den USA versucht, in Kontakt zu kommen.

Ich besaß lediglich Lotta Schelins alte, schwedische Handynummer, hatte aber unverschämtes Glück. Über eine gute Freundin der Nationalspielerin kam ich dann doch in Kontakt und als ich dann schließlich eine Mail aus Lyon bekam mit dem ok und einer französischen Handynummer, jubelte ich innerlich. Wir mussten dann mehrfach verschieben, aber irgendwann Anfang Mai war es dann soweit und aus unserem ca. 45-minütigen Gespräch entstand der Artikel für OurGameMagazine, den ich hier jetzt erstmals auf Deutsch, leicht gekürzt, veröffentliche.

Lotta Schelin. Stürmerin. 29 Jahre alt. Geboren in Trångsund, außerhalb von Stockholm, aber aufgewachsen in Göteborg. Jetziger Verein: Olympique Lyonnais, nach Ansicht vieler Experten die beste Frauenfußballmannschaft der Welt.

Lotta Schelin. 118 Länderspiele für Schweden. 51 Tore. Dreifache Gewinnerin des “Diamantballs” für die beste schwedische Spielerin des Jahres. Zweifache Gewinnerin der Champions League. Fünffache französische Meisterin. Notorische Torschützin. Sehr schnell, technisch, elegant, gefährlich.

Es gibt wenig Zweifel daran, dass Lotta Schelin gegenwärtig zu den besten Fußballspielerinnen der Welt gehört und sie spielt für eine Mannschaft, in der sich viele gar nicht erinnern können, wann sie zuletzt verloren haben. “Ich glaube, irgendwann 2010,” sagte Lotta in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen im März als Lyon nach einem vernichtenden 5:0 Sieg gegen das schwedische Topteam LdB FC Malmö auch das Rückspiel mit 3:0 gewann, ein Spiel, bei dem Lotta das 1:0 auf sehr typische Weise erzielte. Ein perfekter Pass von Camille Abily und Lotta bewegt sich schnell und scharf wie eine Rasierklinge durch die Malmöer Abwehr und legt den Ball lässig und elegant in die Ecke des von Thora Helgadottir gehüteten Tores.

Obwohl man zusammengerechnet 0:8 verloren hatte, gab es viele, die behaupteten, dass man gar nicht so weit weg gewesen sei vom französischen Gegner, dass der Unterschied nicht so groß sei, wie das Ergebnis glauben lässt. Als ich ein paar Wochen nach den Spielen mit der Schweizer Stürmerin Ramona Bachmann redete, hob sie hervor, dass der größte Unterschied zwischen Malmö und Lyon der Umstand sei, dass Lyon jetzt eine Mannschaft habe, die mehrere Spielzeiten zusammen gewesen wäre.

Ist es so einfach, dass Lyon eine Reihe von Weltklassespielerinnen hat, die ein paar Jahre zusammen gespielt haben oder steckt doch mehr dahinter? Ich fragte Lotta Schelin.

“Ja, ich denke, dass das einer der Gründe ist. Aber ich glaube, dass ein weiterer Unterschied ist, dass wir so viele Nationalspielerinnen auf dem allerhöchsten Niveau haben. Das bedeutet, dass wir unsere Startformation ändern können, so dass jeder mal spielen kann und die Möglichkeit bekommt, auszuruhen, wenn es mal nötig ist. Solche Sachen sind wichtig. Ich glaube auch, dass wir viele Topeigenschaften haben. Wir haben technische Fähigkeiten, wir sind sehr schnell, wir haben Spielerinnen, die Tore machen können, wir sind bei Kopfbällen sehr gut. Ich glaube, das ist wirklich speziell und wenn du alle diese Teile zusammenbekommst, dann hast du eine wirklich gute Mischung.”

Lotta3Als du nach Frankreich gekommen bist, war die Mannschaft noch nicht so gut wie heute. Was hat euch an die Spitze gebracht?

“Ich geb dir Recht,” sagt Lotta. “Wir waren noch nicht so weit, noch nicht. Wir hatten ein paar Probleme in der Abwehr. Wir haben nicht auf demselben Niveau gespielt damals, hatten Hochs und Tiefs. Heute denke ich, dass wir ein sehr hohes Niveau haben, auch in der Abwehr. Ich glaube, die letzte Zutat, die wir brauchten, war unser Trainer Patrice Lair. Er kam, änderte ein paar Dinge und er brachte auch ein paar Spielerinnen mit. Französische Spielerinnen auf einem hohen Niveau. Anstatt acht oder neun ausländischer Spielerinnen, hatten wir auf einmal nur noch drei. Patrice kam und hat allen Spielerinnen Druck gemacht, selbst denen, die glaubten, sie hätten sichere Plätze in der Startelf. Louisa Necib zum Beispiel, sie war eine Startspielerin, aber sie hatte so viel mehr zu geben. Sie hat sich unter Patrice um einiges weiterentwickelt, weil er Druck gemacht hat und es ihr ermöglichte, ihren besten Fußball zu spielen. Das heißt natürlich nicht, dass Farid Benstiti, der Lyon neun Jahre vorher trainiert hat, kein guter Trainer war. Aber das Team brauchte vielleicht einen Neuen. Patrice ist ein ganz besonderer Mensch. Er verlangt unglaublich viel von seinen Spielerinnen. Und ich denke, das war das letzte Puzzleteilchen, das wir brauchten, um ganz nach oben zu kommen.”

Wir sprechen über den Beginn in Frankreich und die Kritik am Wechsel dorthin aus Schweden.

“Nach meinen Gesprächen mit Lyon war ich sicher, dass die wirklich etwas bewegen wollten. Die investierten einiges, nicht nur um weiterhin die beste Mannschaft in Frankreich zu sein, sondern um die beste Mannschaft Europas zu werden. Sie mochten Spielerinnen aus den nordischen Ländern und in meinem Fall war es gut, dass ich aus Schweden kam und eine ordentliche Torproduktion zu dieser Zeit. Sie mochten die nordeuropäische Mentalität, die diese Spielerinnen mitbrachten. Heute, nach viereinhalb Jahren und dem Erfolg, den das Team gehabt hat, ist es wohl klar, dass ich sehr glücklich bin, 2008 diese Entscheidung getroffen zu haben.”

Nicht nur Olympique Lyon hat sich seitdem verbessert, auch andere Teams wie Juvisy, Montpellier oder Paris Saint-Germains haben sich zu den besseren Mannschaften des Kontinents gesellt. Obwohl es Lotta Schelin wichtig ist, zu unterstreichen, dass selbst Paris ihrer Mannschaft – bisher – noch nicht richtig auf den Pelz gerückt ist.

In Frankreich zu leben und zu spielen, hieß auch, sich an eine neue Sprache und Kultur zu gewöhnen. Was den Fußball angeht, auch eine andere Art, das Spiel zu spielen. Lotta erklärt mir, dass es eine Weile gedauert hat, dass man in Frankreich erwartet, dass eine Stürmerin den Ball mit dem Rücken zum Tor des Gegners annimmt, während man in Schweden Wert darauf legt, dass man in Torrichtung steht.

Ein weiterer Unterschied war die Berichterstattung der Medien über Frauenfußball, wenigstens am Anfang. In einem schwedischen Radioprogramm im Sommer 2012 erwähnte Lotta Schelin eine Fernsehreportage, die sie zusammen mit Mitspielerinnen machen sollte. Der Journalist bat sie, in einem Einkaufszentrum durch ein paar Geschäfte zu bummeln, was Lotta eigentlich nicht wollte, dann aber doch tat. Als der Beitrag gesendet wurde, sagte der Reporter, dass obwohl sie Fußballspielerinnen seien, würden sie natürlich gerne das tun, was jede Frau gern tut – shoppen. Ich spreche sie darauf an und sie erzählt mir, dass sich das geändert hat.

“Ja, das war vor ein paar Jahren. Die mussten auf etwas Bezug nehmen, dass ihnen vertraut war, weil sie noch nicht so viel über uns wussten. Heute finde ich, dass es viel besser ist. Die Journalisten in Frankreich wissen, dass wir die beste Mannschaft Europas sind und bei Interviews geht es mehr darum, was wir auf dem Platz leisten. Aber das kann auch schon wieder passieren. Damals dachte ich, dass es so falsch war, uns in diesen Kontext zu stellen.”

Immer wenn man dich sieht oder auch trifft, bist du sehr freundlich, nett und aufmerksam. Ich frage mich, was dich wütend machen kann und ob das überhaupt möglich ist?

“Naja”, antwortet Lotta Schelin und lacht. “Es gibt wirklich eine Menge Dinge, die mich wütend machen können. Etwas, das mich wirklich in Gang setzt, das ist Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit in jeder Form. Dann Dinge, die die Rolle der Frau in der Gesellschaft betreffen oder wenn Menschen schlecht behandelt werden. Armut. Aber Ungerechtigkeit ist wirklich etwas, das mich wütend macht. Die französischen Spielerinnen in unserem Team besuchen oft Schulen und treffen junge Mädchen und gerade letzte Woche war ich auch in einer Schule und wir haben über das Recht auf Gleichberechtigung mit den jungen Mädchen gesprochen. Das ist wirklich etwas Gutes, das wir ab und zu machen können.”

Wir sprechen über den bevorstehenden Sommer, die EM in der Heimat und das Faktum, dass Lotta überall auf den Titelseiten und in den Fernsehprogrammen zu sehen ist. Ob das zwar stressig, aber nicht auch eine schöne Anerkennung sei, will ich wissen.

“Ich versuche, es tatsächlich so zu sehen. Dann setzt es mich natürlich auch ganz schön unter Druck und auch wie Pia über mich gesprochen hat, hat Druck auf mich gelegt, aber ich versuche wirklich, es so zu sehen wie du sagst. Ich habe so viele jahre gespielt und so viel von mir selber gegeben. Ich sehe das positiv. Ich hoffe, das wir gut vorbereitet sein werden, daran hab ich eigentlich keinen Zweifel. Hoffentlich können wir diesen Sommer etwas Herrliches schaffen. Für uns, aber auch für den Frauenfußball allgemein.”

[...]

In einer Talskhow mit dem norwegischen Fernsehmoderator Frederik Skavlan ist Lotta eine intelligente und humorvolle Gesprächspartnerin und ich finde, sie hat den Frauenfußball auf die bestmögliche Weise vertreten. Du musst eine große innere Stärke haben, all das so zu schaffen. Auf dem Platz, aber auch in den Medien. Woher kommt das?

“Ich bin menschlich in jeder Hinsicht,” lacht sie. “Ich bion aktiv in einem Sport, der sehr viel Hier und Jetzt passiert. Es ist sehr schwer, auf alten Lorbeeren zu ruhen. Ich denke, dass ich durch das älter werden viele Erfahrungen gesammelt habe und mit dem Hintergrund was ich in den letzten Jahren erreicht habe, weiß ich, dass du Sachen schaffen kannst, solange du gut in Form bist. Und ich hab auch gelernt, dass es meist gut wird, wenn ich mein Bestes gebe.”

“Du kannst immer alle Situationen analysieren und überlegen, was du hättest noch besser machen können oder was du beim nächsten Mal besser machen musst. Aber ich denke, dass das Wichtigste ist, dass du mit dir selber klarkommst. Dass du weißt, was du tun kannst. Dann kannst du auch sagen, oh, das heute war nicht gut. Damit hab ich kein Problem. Diese Leistung bin nicht ich, das ist nicht Lotta, nicht einmal die Fußball-Lotta. Es ist sehr wichtig, dass du das trennen kannst. Ich habe kein Problem, meine Leistung zu diskutieren, aber das bedeutet nicht, dass ich keine gute Fußballspielerin bin. Ich weiß, dass ich ein gewisses Potential habe. Du wirst immer weniger gute Spiele machen, eine weniger gute Saison spielen, aber es wichtig, dass du Abstand dazu haben kannst.”

Mit diesem Denken hat Lotta auch eine Strategie für das Kämpfen gegen die Migräneanfälle entwickelt, die sie seit Jahren quälen?

“Es war total wichtig für mich, diese Diagnose zu bekommen, Wissen über die Krankheit anzusammeln und wissen wie ich mich verhalten kann. Wenn du weißt, woran du leidest und wenn es möglich ist, etwas dagegen zu tun, wird es viel einfacher. Ich habe immer noch schlechte Tage, aber ich habe gelernt, wie ich damit umgehen kann. Ich weiß zum Beispiel, dass ich bestimmte Sachen beim Kopfballtraining nicht machen darf. “

Bisher bist du das Gesicht der kommenden EM. Welche anderen Spielerinnen können ebenfalls in den Mittelpunkt rücken?

 “Da gibt es viele. Camille Abily zum Beispiel, meine Mitspielerin aus Lyon. Sie ist eine der besten Fußballerinnen Europas. Wendy Renard, Innenverteidigerin. Schwer jemand zu finden, der auf ihrem Level spielt. Und natürlich gibt es andere. Einige die in Schweden spielen. Manon Melis und Anja Mittag zum Beispiel.”

 Wir beenden unser langes Gespräch, in dem wir etwas über die private Lotta reden. Welche Musik sie mag, welche Serien sie sich anschaut. Während ihres Radioprogramms im Sommer 2012 spielte sie vorwiegend ruhige Popmusik, oft mit Sängerinnen. Florence & The Machine war dabei, Birdy. Und Bruce Springsteen mit “Paradise” einem langsamen Stück von seinem Album “The Rising.”

 “Ich bin nicht wirklich gut darin, meine Musik upzudaten,” gibt sie zu. “Vor kurzem hab ich Musik von [Caroline] Seger bekommen, sie ist der DJ der Nationalmannschaft, wenn du so willst. Vor Spielen hören wir oft R’n’B, uptempo-Stücke. Ich höre so ziemlich alles, aber wie du gesagt hast, wenn ich selber höre, ist es oft ziemlich ruhige Musik.”

 In ihrer Freizeit in Lyon geht sie gerne auswärts essen und Lotta weist darauf hin, dass es in der Stadt, in der sie lebt, wirklich sehr gute Restaurants gibt. “Ich bin sehr gerne zu Hause und koche da. Aber ich kann auch sozial sein, bin jemand der gern andere trifft und draußen Spaß hat. Es gibt nicht so viele Partys, vielleicht mal, wenn wir etwas gewonnen haben.”

 In einem Interview für das amerikanische Studio 90 des amerikanischen Fußballverbands US-Soccer zusammen mit Hope Solo, hast du mal gesagt, dass du gerne Desperate Housewives siehst. Siehst du gerade irgendwelche Serien?

 “Es gibt tatsächlich recht viele. Besonders, wenn du so wie wir, viel in Bussen, Zügen oder Flugzeugen unterwegs bist, wir haben immer sowas dabei. Im Moment schaue ich Dexter, die Sopranos und Girls, aber es gibt nicht den Favoriten.”

 Es ist fast Zeit, dieses lange Interview mit Lotta Schelin zu beenden. Zwei Fragen stehen noch auf meiner Liste.

 Wo ist der Frauenfußball in zehn Jahren?

 “Ich glaube wirklich an den Frauenfußball,” antwortet Lotta. “Ich bin zum Beispiel fünf Jahre hier in Lyon gewesen und ich hab gesehen, welche Entwicklung dieses Projekt genommen hat. Jetzt haben andere Vereine reagiert. Jemand von der FIFA hat gesagt, dass man den Männerfußball nicht mehr so groß weiterentwickeln kann, dass der Frauenfußball aber sehr viel Potential hat. Da gibt es noch so viel zu tun und so viel zu erreichen. Wenn die großen Clubs mehr investieren, werden wir eine positive Entwicklung haben. Schau dir Lyon an. Wir gehören zu den besten Teams der Welt und das Vereinslogo geht um die Welt. Die schwedische Liga steht auf sehr soliden Füßen. Eine Sache, die wir überlegen solten, wäre die Spielzeit an Frankreich und Deutschland anzupassen, um dieselbe Mannschaft in einer Champions-League-Saison behalten zu können und somit besser vorbereitet in die Viertelfinals zu gehen, aber ich finde, dass die Damallsvenskan ein recht ausgeglichenes Niveau hat.”

Und wo wird Lotta Schelin in zehn Jahren sein?

“Wo ich in zehn Jahren bin? Naja, wahrscheinlich werde ich nicht mehr Fußball spiuelen. Schwer zu sagen, aber ich glaube, ich werde wieder in Schweden sein. Ich hab daran gedacht mit einer guten Freundin ein Café zu eröffnen. Sehr wahrscheinlich werde ich Verbindung zum Fußball haben. Ich werde immer auf die eine oder andere Weise mit Fußball zu tun haben.”

Manon Melis wird Großverdienerin

Naja, etwas übertrieben ist die Überschrift. Aber im Frauenfußball sind 75.000 Kronen im Monat ein sehr ordentliches Gehalt. So viel soll die Holländerin Manon Melis nach Angaben von Sydsvenska Dagbladet bei ihrem neuen Arbeitgeber Kopparberg/Göteborgs FC bekommen. Malmös Sportchef Erling Nilsson erklärte, man habe eine Gehaltspolicy, an die man sich halte und da sei Göteborgs Angebot nun einmal in einer anderen Liga. 8.400 Euro im Monat, da dürfte dann nur noch Marta besser verdienen als die 27-Jährige Niederländerin.

Göteborg hat einen Neubeginn angekündigt und das Ziel, mit den beiden Großen in Schweden, LdB FC Malmö/Rosengård und Tyresö FF zu konkurrieren, gesteckt.

Da macht eine Melis noch keinen Sommer, insbesondere dann, wenn man auf der Minusseite die Hammarström-Zwillinge, Yael Averbuch und Anita Asante hat.

Deshalb wurde neben der spektakulären Neuverpflichtung noch mehr enthüllt. Annica Sjölund verließ zwar Jitex, bleibt aber in Göteborg und geht ebenfalls zum Lokalkonkurrenten wie auch Kathlene Fernström. Für die Schluss machende schwedische Nationaltorhüterin holte man sich Hollands Nummer 1 Lois Geurts von Vittsjö GIK.

Hier ein Video von der Pressekonferenz am Freitag:

https://www.youtube.com/watch?v=HL_XUi3n7oM#t=19

Therese Sjögran kritisiert Schiedsrichter

Einen Tag nach der mehr als fragwürdigen Schiedsrichterinnenentscheidung von Katalin Kulcsár aus Ungarn, Elfmeter für Wolfsburg gegen Malmö nach einem völlig normalen Zweikampf zu geben – ein Elfmeter der möglicherweise das Aus für Malmö bedeutet, kritisiert Malmös Mittelfeldspielerin Therese Sjögran in einem Interview mit der Zeitung Expressen: “Wenn weibliche Schiedsrichter in Europa nicht gut genug sind – weshalb müssen wir dann weibliche Schiedsrichter haben?”

Mit diesem Interview spricht Sjögran ein Tabuthema an. Denn viele Vertreter, die den Frauenfußball zu fördern glauben, sprechen sich grundsätzlich für weibliche Schiedsrichter aus, sehen das als einen Akt notwendiger Gleichberechtigung.

“Malin geht genau richtig in den Zweikampf hinein,” beschrieb Trainer Jonas Eidevall die gestrige Szene. “Aber anstatt belohnt zu werden, wird sie bestraft.”

“Champions League ist das größte, was du spielen kannst,” so Sjögran zu Expressen. “Und dann hast du da Schiedsrichterinnen, die einfach nicht das Niveau haben. Die besten Schiedsrichter sollen die besten Turniere pfeifen. Unabhängig vom Geschlecht.”

Und Mannschaftskameradin Manon Melis fügte hinzu: “Mir ist es scheißegal, ob eine Frau pfeift oder ein Mann. Das Wichtigste ist, dass es ein guter Schiedsrichter ist.”

Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen Spielerinnen über diese Frage gesprochen und noch niemanden unter den Aktiven getroffen, der Sjögran oder Melis widersprechen würde. Im Gegenteil: Einige haben sich eher für männliche Schiedsrichter ausgesprochen.

Das ist aber leider in Funktionärskreisen alles andere als populär, ein Thema, das tunlichst nicht diskutiert wird. Dem Frauenfußball erweist man damit einen Bärendienst, wenn man nicht auf seine Spielerinnen hört.

 

Tyresö mit einem Bein weiter, Malmö mit einem Bein draußen

Im Grunde genommen war das nicht unerwartet. Tyresö gewann durch zwei Tore von, na wem schon, Christen Press mit 2:1 beim dänischen Tabellenführer Fortuna Hjørring und dürfte damit im Rückspiel alles für das Viertelfinale im März 2014 klar machen können.

Stimmen

Christen Press, die nun alle vier Tore in der Champions League geschossen hat, auf die Frage, wie sie das denn so mache: “Naja, es liegt natürlich daran, dass ich nun mal ganz vorne bin und die zentrale Spielerin bin. Meine Aufgabe ist, es die Angriffe abzuschließen. Heute haben wir etwas direkter gespielt, in der Vergangenheit etwas mehr aus Ballbesitz. Ich weiß nicht, ob es besser für das Team wäre, wenn auch jemand anders trifft. Es ist doch egal wer Tore schießt, wir haben eine Reihe gefährlicher Spielerinnen, die alle einen reinmachen können und unsere Gegner müssen sich Gedanken über einige Spielerinnen bei uns machen. Ich denke, das macht meine Arbeit einfacher und meine Tore helfen den anderen. Ich denke es war ein hartes Spiel heute, keine einfachen Bedingungen, aber wenn du in der Champions League bestehen willst, dann musst du dich daran gewöhnen, dass es auswärts schwierig ist. Je weiter wir kommen, desto wichtiger wird es werden, dass wir auswärts gewinnen. Heute haben wir das geschafft, weil wir uns an unseren Spielplan gehalten haben. Ich fand, das Spiel ähnelte dem im vorigen Jahr, das ich hier mit Göteborg gemacht habe. Wir hoffen, dass wir weit kommen, aber wir nehmen ein Spiel nach dem anderen und nach dem Spiel am Donnerstag haben wir eine lange Pause.”

Mit Christen Press habe ich vorgestern gesprochen, das Interview kommt morgen hier.

Tony Gustavsson: “Natürlich ist es gut, wenn man zur Halbzeit 2:1 führt und man dann ein Spiel zu Hause hat. Hier gab es einiges was nicht so gut war, auf dem Platz konnte man kaum spielen. In der ersten Halbzeit waren wir zu umständlich, die haben uns eine Viertelstunde lang ganz schön unter Druck gesetzt. Aber wir haben in der ersten Halbzeit nicht das getan, was wir tun wollten. Hjørring ist sehr gut zusammengewachsen, die kämpfen unglaublich gut zusammen. Aber auf dem Kunstrasen in Tyresö sollten wir mehr Kontrolle bekommen.”

Caroline Seger: “Natürlich hätte man gern zu Null gespielt, aber 2:1 ist ein gutes Ergebnis. Die erste Halbzeit war nicht so gut, wir haben umständlich gespielt, in der zweiten geändert und nehmen zwei Auswärtstore mit. Wir wussten, dass die Platzverhältnisse schlecht waren, aber das gilt für beide Teams. Hjørring war genauso, wie wir das gehört haben vorher, unser Trainer kann sehr gut analysieren und taktische Hinweise geben, der hat uns gut vorbereitet.”

Malmö versiebte viele Chancen und verlor am Ende gegen den hohen Favoriten VfL Wolfsburg erwartungsgemäßg mit 1:2. Man darf mit erhobenem Haupt nach Wolfsburg fahren, es gab keine bösen Klatsche wie gegen Lyon im Frühjahr, aber die europäische Spitze ist trotzdem noch ein Stückerl weit weg.

Manon Melis: Ich glaube, die Torchancen werden mich heute in den Schlaf verfolgen. Ich bin enttäuscht, dass ich meine Möglichkeiten nicht genutzt habe. Wir waren die bessere Mannschaft und wir brauchen keine Angst haben vor dem Rückspiel. Jonas wusste alles über Wolfsburg und wir wussten auch, wo wir sie angreifen konnten. Die sind alle sehr physisch, groß und stark, aber ich denke wir spielen den besseren Fußball. Die wissen jetzt, dass wir sehr schnell sind, aber wenn die eine Ecke haben und wir den Ball gewinnen, dann können sie nicht so schnell gegen unsere Schnelligkeit machen. Der Elfmeter war sehr komisch, denn ich dachte, dass die Wolfsburg-Spielerin auf Malin draufgelaufen ist. Es wird jetzt sehr schwer, aber wir glauben an uns selber und wenn wir ein frühes Tor machen können, weiß man nicht. Wir müssen positiv denken und dass am Mittwoch mitnehmen, dass wir wirklich heute die bessere Mannschaft waren.”

Nilla Fischer: “Ich denke, dass LdB heute sehr gut war und die hatten mehrere Chancen, da kann man nichts sagen. Wir hatten Probleme und können mit drei Punkten sehr zufrieden sein. Heute haben wir unsere Chancen genutzt, wir hatten nicht so viele. Aber im nächsten Spiel kann das anders sein. Der Elfmeter war billig, von da aus, wo ich stand. Wir müssen am Mittwoch unsere beste Leistung zeigen, aber natürlich haben wir mit einem Auswärtssieg und zwei Auswärtstoren eine gute Ausgangsposition.”

Alle Interviews hier wurden vom schwedischen Rundfunk geführt.

 

 

LdB FC Malmö – Schwedischer Meister 2013

Amanda Ilestedt setzt sich den goldenen Hut auf

Amanda Ilestedt setzt sich den goldenen Hut auf

Vor einem Jahr fast, am 3. November 2012, verlor Malmö seinen Titel im eigenen Stadion gegen den direkten Konkurrenten Tyresö FF.

Heute holte sich LdB FC Malmö den Titel an gleicher Stelle zurück. Nach dem 2:0 gegen Umeå setzten sich die Spielerinnen die in Schweden traditionellen goldenen Hüte auf und ließen den Sekt spritzen. Manon Melis und Sara Björk Gunnarsdottir schossen beide Tore bereits in der ersten Halbzeit.

Erstmals gewannen damit auch gleich drei deutsche Spielerinnen den Meistertitel in Schweden: Anja Mittag, Katrin Schmidt und Kathleen “Paula” Radtke. Für Mittag und Schmidt sicherlich eine besondere Genugtuung. Anja verschoss vor einem Jahr gegen Tyresö den Elfmeter, der ihre Mannschaft auf den Weg hätte bringen können und Katrin wurde vor zwei Jahren von Tyresö für nicht mehr gut genug befunden und mehr oder weniger ausgemustert zugunsten von Lisa Dahlkvist.

Schmidt hatte nun wesentlichen Anteil daran mit ihrem unermüdlichen Einsatz im zentralen defensiven Mittelfeld. Eine Ballgewinnerin, deren Rolle oft und meistens unterschätzt wird.

Natürlich ist Malmös offensives Spiel das Aushängeschild. Entscheidend für die Siegesserie im Herbst, dass Manon Melis in Gang kam. Auch ich hatte die Niederländerin schon im Frühjahr kritisiert, gefordert, dass Trainer Jonas Eidevall sie mal auf die Bank setzt, denn sie fand nicht hinein in das Zusammenspiel mit Anja Mittag und Ramona Bachmann. Ganz anders im Herbst, in dem Melis’ Tore lebenswichtig für Malmö waren. Die Niederländerin profitierte aber sicher auch von der Rückkehr Therese Sjögrans in die Stammformation. Sjögran und Melis kennen sich bestens aus den Jahren vor Melis Wechsel nach Linköping.

 

Malmö bald gegen Wolfsburg

Nach dem gestrigen 3:1 beim (noch)norwegischen Meister Lilleström SK nach Toren von Therese Sjögran, Manon Melis und Ramona Bachmann ist der wohl baldige schwedische Meister fast ebenso sicher im Achtelfinale gegen den Titelverteidiger im Wettbewerb wie die Wolfsburgerinnen nach dem schon eher (für den Wettbewerb) peinlichen 14:0 in Estland.

“Sie haben in den ersten zehn Minuten richtig gut gespielt und hohes Pressing ausgeübt. Als wir dann unser Zuspiel unter Kontrolle bekamen, haben wir sie allmählih zurückgedrängt und als wir dann in die Tiefe gespielt haben, lief es richtig gut,” fasste Malmös Trainer Jonas Eidevall zufrieden zusammen.

“Ein tolles Resultat. Vor dem Spiel habe ich gesagt, es wäre gut, wenn wir ein Ergebnis bekommen würden, das sie zwingt, in Malmö zu gewinnen. Das 3:1 zwingt sie, drei Tore zu machen. So ist es noch besser.”

Beim Rückspiel kommende Woche kann Malmö schon als frisch gebackener schwedischer Meister einlaufen, falls man am Sonntag auch zu Hause gegen Umeå IK wenigstens ein Unentschieden holen sollte.

Alles entschieden in Schweden?

Zwei Spieltage vor dem Ende der Saison 2013 scheinen alle relevanten Entscheidungen in der Damallsvenskan gefallen zu sein. Im Fokus steht ab heute erst einmal die erste Hauptrunde der Champions League.

Nach dem gestrigen 1:1 von (Ex-?)Meister Tyresö FF bei Piteå konnte Malmö heute mit einem Heimsieg auf sechs Punkte davon ziehen.

Im Fernsehspiel dieser Runde gewann Malmö denn auch mit 4:2 über KIF Örebro. Ein ereignisreiches Spiel. In der ersten Halbzeit stand Anja Mittag mehrfach im Mittelpunkt des Geschehens vor lediglich 805 Zuschauern.

Aber erst einmal fiel das 1:0 für Malmö, eine typische Szene als Therese Sjögran sich auf der linken Seite auf engstem Raum gegen mehrere Gegenspielerinnen durchsetzte und dann schräg zurück nach innen passte. Da sah Manon Melis, was Sjögran vorhatte, lief in die Lücke und schoss das Führungstor.

Anja Mittag hätte dann auf 2:0 erhöhen können, wurde leicht am Arm gezogen und flog dann in hohem Bogen durch den Strafraum. Pernilla Larsson war aufgrund des Falls wohl überzeugt worden, zeigte auf den Elfmeterpunkt und Mittag lief selber an, schoss besser als vor Jahresfrist gegen Tyresö und Carola Söberg, aber Stephanie Labbé rettete mit einem beherzten Satz in die linke Ecke.

Vier Minuten später konnte Anja sich dann wieder bei Larsson bedanken. Nach einem Zweikampf mit der Nigerianerin Sarah Michael gingen beide zu Boden und reflexartig trat Anja der Nigerianerin leicht gegen den Oberschenkel. Etwas, das sie später in der Halbzeitpause schon arg bedauerte und zum Fernsehsender TV4 Sport sagte sie, dass sie sich selber gewundert habe, dass Pernilla Larsson ihr nur die gelbe Karte zeigte. Auch Michael reagierte zurück und sah ebenfalls nur gelb.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff zeigte Malmö dann seine Stärke, ein blitzschneller Angriff, ein brillanter Pass von Ramona Bachmann nach rechts außen auf Lina Nilsson, die aus vollem Lauf nach innen flankte und dort stand Kathleen “Paula” Radtke und versenkte das Leder zum 2:0. Ähnlich schnell ging es zu, als Manon Melis dann Bachmann gar zum 3:0 auflegte. Und alles sah rosig aus.

Dass es heute nicht Anja Mittags Tag war, bescherte uns dann aber das Tor des Tages und wer kann so etwas besser schießen als Sarah Michael? Ein Kopfball zurück in die eigene Defensive von Anja landete vor den Füßen der Nigerianerin, die nicht fackelte und aus 22 Metern direkt und knallhart in den linken Winkel abzog.

Fast im Gegenzug dann das 4:1 durch ein Eigentor, wieder nach einer blitzartigen Attacke. Das sieht gut aus.

Was nicht gut aussieht vor der Champions-League ist, dass Örebro in den letzten 20 Minuten immer wieder Chancen bekam. Mittag und Bachmann gingen, für sie kamen Elin Rubensson und Yoreli Rincon. Und dann verletzte sich Lina Nilsson auch noch. Die Rechtsverteidigerin wurde ersetzt durch die erst 15-Jährige Sarah Mellouk.

Örebro kam zu mehreren Chancen, weil Malmö unter Druck durchaus anfällig ist für Flüchtigkeitsfehler. Hat der Gegner eine Klassestürmerin wie es Michael ist und auf europäischer Ebene gibt es mehr davon, dann ist Malmö verwundbar.

In der 87. Minute hat man das Spiel schon gewonnen und ist mit dem Gedanken in der Kabine oder gar zu Hause auf dem Sofa. Da gibt es Freistoß für Örebro und Marina Pettersson Engström zirkelt den von rechts in den Strafraum. Da steigt Malmös Ali Riley hoch, um sie herum aber drei (!) Örebroerinnen, die nur eine Gegnerin haben und Elin Magnusson kann schön zum 2:4 einköpfen.

Die Meisterschaft ist verdient. Die Meisterschaft MUSS in noch zwei ausstehenden Spielen nun mit einem Pünktchen gegen Umeå oder in Mallbacken gesichert werden, aber spätestens im Achtelfinale der Champions League gegen den VfL Wolfsburg braucht Malmö mehr als es in den letzten drei Spielen gezeigt hat. Die Spielerinnen sind jedoch fokussiert auf Lilleström SK, das gerade im norwegischen Pokal knapp an Stabæk gescheitert ist.

Auch der dritte Platz ist vergeben. Denn Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC versemmelt ein Spiel nach dem anderen und bezog heute eine bittere 0:3-Pleite bei Umeå IK. 0:7 Tore und ein Punkt aus den letzten vier Spielen, da kann man bei dem zwar kleinen, aber doch guten Kader schon von Krise sprechen und sollte Ursachenforschung betreiben. Die Verletzung von Johanna Almgren und vor allem der Weggang von Jodie Taylor haben das Team geschwächt. Aber was sagt das über Jessica Landström und Cathrine Dyngvold aus?

Den dritten Platz sicher hat Linköping nach seinem 2:1 Sieg bei Vittsjö. 16:3 Tore und 15 Punkte aus den letzten fünf Spielen, da hat man Göteborg elf Zähler abgenommen und holt sich das sogenannte “kleine Silber” in Schweden. Theoretisch wäre auh noh Platz 2 drin, aber da müsste Tyresö völlig einbrechen und daheim gegen just Göteborg verlieren.

Und ganz unten ist auch fast alles entschieden. Denn zwei Runden vor Schluss liegt Jitex jetzt dank des Siegtores von Annica Sjölund gegen Kristianstad fünf Punkte vor Mallbacken, das sollte es also gewesen sein.

Zwei Runden vor Schluss. Zwölf Spiele stehen noch aus in der Liga und leider haben die Zuschauer kaum noch Dramatik zu erwarten. Malmös Meisterfeier müsste allem Ermessen nach am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Umeå besiegelt werden.

Vorher warten aber noch die LSK Kvinner und auf Tyresö am Mittwochabend Paris Saint-Germains. Am Dienstagnachmittag besuche ich die Pressekonferenz der Französinnen und halte euch auf dem Laufenden.

Spielerin der Woche: Pernille Harder (Interview)

 

Pernille Harder (Foto: Mirko Kappes)

Pernille Harder (Foto: Mirko Kappes)

Ich komme derzeit nicht ganz nach. Denn der 18. Spieltag läuft schon, vier von sechs Spielen sind absolviert (später dazu) und ich küre in diesem Post meine Spielerin der Runde 17.

Das ist etwas Neues und doch nicht, denn diese amerikanische “EInrichtung” ist etwas Schönes, lenkt sie doch die Aufmerksamkeit auf eine konkrete Spielerin und trägt damit dazu bei, die Atrraktionskraft und das Interesse für den Frauenfußball zu erhöhen. Ich verstehe nicht, dass man so etwas Einfaches nicht auch offiziell in der Damallsvenskan einführt.

In Runde 17 schoss sie alle vier Tore für Linköpings FC beim Tabellenletzten Sunnanå. Damit erhöhte sie ihre Trefferquote auf 13 und zog an Anja Mittag vorbei auf Platz 2 der Torschützenliste.

Vor 2-3 Jahren habe ich Pernille Harder erstmals gesehen, damals im Dress der dänischen Nationalmannschaft und auf irgendeinem illegalen Live-Stream. Ich war tief beeindruckt von der jungen, hellblonden Stürmerin und erfreut, als sie dann vor gut einem Jahr auf einmal in die Damallsvenskan geworben wurde. Am Freitag habe ich mich mit Pernille unterhalten.

Warum bist du ausgerechnet nach Schweden und nach Linköping gegangen?

“Ich wollte im Ausland spielen, um neue Herausforderungen zu finden. Ich wusste natürlich, dass die schwedische Liga einen sehr guten Standard hat und gleichzeitig war ich mir darüber im Klaren, dass der Umzug nach Schweden als einem anderen skandinavischen Land, kein so großer Schritt sein würde. Natürlich gibt es Unterschiede, aber keine sehr großen und ich dachte, dass es nicht so schwer sein würde, mich gerade hier zu akklimatisieren.”

Wenn du die dänische 3F-Liga mit der Damallsvenskan vergleichen sollst?

“Die schwedische Liga ist ausgeglichener, in Dänemark gibt es zwei Mannschaften, die allen anderen überlegen sind und jedes Spiel mit vier, fünf Toren gewinnen. Es ist mehr Konkurrenz hier, auch wenn wir Malmö und Tyresö haben, aber in Schweden musst du wirklich in jedem Spiel hart arbeiten und das entwickelt dich als Spielerin. Und wir haben auch mehr Zuschauer in Schweden. In Dänemark liegen wir oft um die 100 Zuschauer und selbst während der EM, wo wir ja immerhin das Halbfinale erreicht haben, war anfangs das Interesse der Medien sehr gering. Das änderte sich aber dann, als wir ins Viertel- und dann ins Halbfinale eingezogen sind. Ich hoffe, dass wir eine gute Quali für die WM in Kanada spielen werden und damit dann mehr Leute für den dänischen Frauenfußball interessieren.”

Obwohl es mehr Konkurrenz in Schweden gibt, schien mir doch das Leistungsvermögen beider Nationalmannschaften relativ gleich stark zu sein. Ihr habt ein tolles 1:1 bei der EM gegen Schweden in Göteborg holt?

“Das war eine fantastische Erfahrung. Mit 17 000 Zuschauern die schreien und brüllen. Es war eine tolle Atmosphäre und ja, wir haben ein gutes Turnier gespielt, das natürlich noch besser gewesen wäre, wenn ich ein Tor geschossen hätte.

Ja und dann gab es nach der Gruppenphase die Auslosung zwischen Dänemark und Russland. Wie hast du das erlebt?

“Das war wirklich unglaublich, wir waren alle so nervös. Wir waren in Göteborg und hatten uns das Spiel England – Frankreich im Fernsehen angeschaut und dann vom Ergebnis Spanien – Russland gehört. Es dauerte unglaublich lange, bestimmt zwei Stunden, bevor ausgelost wurde. Die Auslosung fand in Linköping statt und die einzige Verbindung, die wir hatten, war eine Telefonleitung.”

Pernille, viele sehen dich als das größte Talent des dänischen Fußballa seit vielen Jahren und einige glauben, dass du eine der besten Spielerinnen der Welt werden kannst. Wie kommst du damit zu Recht?

“Naja, ich versuche immer so hart wie möglich zu arbeiten. Ich suche immer neue Herausforderungen und mein Ehrgeiz ist es, jeden Tag eine bessere Fußballspielerin zu werden. Wenn Leute so etwas über mich sagen, dann ist das natürlich ein tolles Kompliment und natürlich gefällt mir das. Aber Talent alleine reicht nicht aus, wenn du nicht hart arbeitest und das ist es, was ich versuche, zu tun. Alles, was ich tun kann, ist weitermachen und arbeiten.”

Ihr Trainer in Linköping, Martin Sjögren, der mit Malmö zwei Meistertitel gewonnen hat, sagt über sie: “Sie hat das meiste, was eine Spielerin braucht. Sie hat den Speed, sie kann mit beiden Füßen schießen und sie hat ein gutes Spielverständnis.”

Die schwedische Nachrichtenagentur TT schrieb nach Pernille Harders “Quattrick” in Sunnanå, di 20-Jährige Dänin habe ein Feuerwerk abgebrannt.

Mit noch einem Jahr Vertrag in Linköping, wie siehst du die Entwicklung deiner Mannschaft, Pernille?

“Es ist sehr schwer, mit Malmö oder Tyresö zu konkurrieren, die haben beide einfach viel mehr Geld. Schau die einfach nur mal Malmös Offensive an mit Anja Mittag, Ramona Bachmann und Manon Melis. Aber wir haben eine junge Mannschaft mit vielen Talenten und wenn die alle beim Verein bleiben, dann kann das richtig gut werden.”

Was sie denn außer ihrem Freund, der Familie und den Freunden am meisten vermisse in Dänemark, will ich wissen. Die Antwort braucht einen Moment und dann sagt Pernille Harder: “Frisch gebackenes Roggenbrot. Das ist so gut und das gibt es hier einfach nicht.”

Malmö siegt im TV-Spiel

Dienstags um 19.20 Uhr gibt es einen freien Slot beim Sender TV4 Sport. Deshalb wird das Spiel der Woche oft zu dieser Zeit ausgetragen.

Gestern Abend waren LdB FC Malmö und Linköpings FC an der Reihe. Die Story ist schnell geschrieben. Nach dem Weggang von Nilla Fischer wirkte die Abwehr von Linköping unsicherer und Malmö kombinierte blitzschnell, ließ den Gegner gar nicht erst zu Zweikämpfen kommen, der Ball war immer schon weg, wenn eine Abwehrspielerin an ihre Gegnerin ran wollte.

1:0 Anja Mittag, ein blitzschneller Schuss nach einem herrlichen Zuspiel von Ramona Bachmann.
2:0 Manon Melis in einer für sie typischen Weise, 1-1 Situation nach Pass in die Tiefe, Lob über Torhüterin Lina Ringshamre
3:0 Ramona Bachmann nach Vorarbeit von Therese Sjögran auf dem linken Flügel und diagonaler Hereingabe in die Mitte
4:0 Katrin Schmidt mit einem herrlichen Schuss aus der Drehung an den Pfosten und von da ins Tor kurz vor Schluss.

Anja Mittag hatte noch einen Schuss, den Ringshamre an die Querlatte retten konnte. Große Überlegenheit Malmös, das jetzt nur noch vermeintlich leichte Gegner hat bis zum Saisonende und zwei Punkte vor und zwei Tore hinter Tyresö liegt.

Malmö liegt zweimal zurück, Ilestedt sieht rot und Tyresö verliert

Es war ein verrücktes Spiel vor der Rekordkulisse (für Tyresö) von 2.800 Zuschauern. LdB FC Malmö gewinnt mit 3:2 bei Tyresö FF und hält damit den Zweikampf um die Meisterschaft in Schweden offen. Beide Teams liegen nun punktgleich an der Spitze.

Marta konnte tatsächlich nicht spielen, ihre Rückenprobleme erwiesen sich inzwischen als Bandscheibenvorfall und damit die erste ernste Verletzung für die fünffache Weltfußballerin des Jahres. Möglicherweise fällt sie bis Saisonende aus, möglicherweise ist die in 5-6 Wochen wieder dabei, bei der Bandscheibe kann man keine sicheren Prognosen treffen.

Aber Trainer Tony Gustavsson hatte der Presse nach der knappen Niederlage doch noch ein Zuckerl zu verkünden: Man verstärkt sich noch einmal und zwar mit der amerikanischen Nationalspielerin Ali Krieger, die vom Tabellenletzten der NWSL, den Washington Spirits nach Schweden wechselt. Erst einmal bis zum Ende der Saison.

Krieger ist dann die fünfte Amerikanerin im Kader von Tyresö nach Christen Press, Meghan Klingenberg, Ashlyn Harris und Whitney Engen.

Das Spiel am Tyresövallen fand auch noch statt und in der ersten Halbzeit war das alles andere als Spitzenklasse, auch wenn Hans Löfgren dem Publikum mehrfach mit sich überschlagender Stimme bekanntgab, dass heute 15 Spielerinnen auf dem Platz stehen würden, die an der EM teilgenommen hätten und dass das Garant für absolute Weltklasse am Tyresövallen sei.

Doch Weltklasse sieht anders aus. Malin Levenstad spielte eine kümmerliche Partie, in der ersten Halbzeit war auch Lina Nilsson technisch oft überfordert. Symptomatisch für eine schwache Malmöer Leistung Manon Melis, die nur noch ein Schatten ihrer Selbst ist und die kaum noch etwas von dem Selbstvertrauen übrig hat, das sie einst zur besten Schützin der Liga machte.

Zehn Minuten waren gespielt, da ging ein besseres, weil hungriger auftretendes Tyresö in Führung. Jennifer Fuentes Hermoso zirkelte den Ball von halbrechts in die linke untere Ecke und meiner Meinung nach stand Thora Helgadottir da falsch, aber sie mag den Ball auch spät gesehen habe.

Die ganze erste Halbzeit sah Tyresö souverän und gekont verteidigen gegen unbewegliche Malmöer. Und so begann auch die zweite Hälfte, in der man sich dringend die Auswechslung Elin Rubensson für Manon Melis wünschte. Was kam, war dann Katrin Schmidt für Katrine Veje und die Auswechslung veränderte das Spiel zum Besseren. Da war mehr Gewicht im Mittelfeld an der zentralen Nahtstelle und Tyresö geriet ins Hintertreffen.

Der Ausgleich kam wie aus heiterem Himmel. Anja Mittag bediente Ramona Bachmann, die endlich aufgewacht war aus einem 45-minütigen Dornröschenschlaf und es stand 1:1. Das Spiel schien nun zu kippen, einige Minuten lang, bis, ja bis Malin Levenstad nicht zum ersten Mal in diesem Spiel einen fahrlässigen Fehler machte, Christen Press in hoher Geschwindigkeit sich auf in Richtung Helgadottir machte und von Amanda Ilestedt gestoppt wurde. Gerempelt. Schiedsrichterin Jenny Palmquist nahm die rote Karte schon in zwanzig Meter Entfernung zu Ilestedt aus der Brusttasche und da war Malmö noch zu zehnt.

Freistoß Tyresö. Line Røddik Hansen gelingt ein Volltreffer und Tyresö führt wieder mit einer Frau mehr.

Aber abermals gelingt Malmö der Ausgleich. Bei einem Freistoß von Lina Nilsson steigt Katrin Schmidt hoch und ausgerechnet die Ex-TYresöspielerin befördert den Ball zum 2:2 in der 78. Minute ins Netz. Sechs Minuten später dann ein Bilderbuchangriff von Malmö: Therese Sjögran auf der rechten Seite flankt nach innen zu Anja Mittag, die sofort weiterleitet zu Ramona Bachmann, die sich in hoher Geschwindigkeit dem linken Torpfosten näherte und den Ball dann mit ausgetrecktem Fuß an der nicht gut aussehenden Carola Söberg vorbei zum Siegtreffer für Malmö ins Netz bugsiert.

“In der ersten Halbzeit waren wir sehr passiv und haben die das so machen lassen, wie sie das wollten. In der zweiten Halbzeit haben wir dann einfach wesentlich besseres Pressing gespielt. Naja, und als Amanda dann vom Platz gestellt wurde, da haben wir uns auf eine andere Weise zusammengerissen, wie wir das nicht vorher gemacht haben,” sagte Therese Sjögran.

“Das bedeutet sehr viel hier heute zu gewinnen und die drei Punkte aufzuholen, denn sechs Punkte wären schon viel gewesen. In diesen Spielen steht immer viel auf dem Spiel, Tyresö ist eine gute Mannschaft und das sind wir auch. Wir haben gesagt, dass wir unser Verteidigungsspiel tief starten wollen und deshalb waren wir passiv. Wir sind einfach besser ins Spiel gekommen. Ich glaube schon, dass uns dieser Sieg Selbstvertrauen gibt für die kommenden Aufgaben”, so Sjögran weiter.