Linköpings FC gewinnt den schwedischen Pokal

Vor 1.200 Zuschauern in der heimischen Linköping Arena gewann der LFC am Donnerstagabend das Finale um den schwedischen Pokal mit 2:1 gegen Kristianstads DFF.

Ein hochverdienter Sieg, an dem es nichts zu deuteln gibt. Allerdings ist auch der Kader Linköpings wesentlich besser als der des wirtschaftlich arg gebeutelten Gastes. Mit der Dänin Janni Arnth Jensen und der Portugiesin Claudia Neto von Beginn an bot Trainer Martin Sjögren gleich zwei der vier Neuverpflichtungen aus der Sommerpause auf. Beide boten eine gute Partie und besonders Neto wusste durch brillante Technik und gute Spielübersicht zu gefallen.

Dennoch begann das Spiel denkbar schlecht. Charlotte Rohlin gab ihr Comeback in der Innenverteidigung und nach drei Minuten war klar, warum Pia Sundhage sie (noch?) nicht in den Nationalmannschaftskader berufen hat. Rohlin vertändelte den Ballin der Mitte der eigenen Hälfte gegen Susanne Moberg, die mit einem Ball in die Tiefe Marija Banusic bediente. Die 18-Jährige, die gerade wieder mal in den Nationalmannschaftskader berufen wurde, lief ein paar Schritte und spielte dann der herauseilenden amerikanischen Torhüterin Katie Fraine den Ball überlegt und eiskalt durch die Beine ins Tor.

Das hätte ein sehr schweres Spiel für den Gastgeber werden können, wenn es Kristianstad gelungen wäre, die eigenen Reihen zu schließen. Aber keine drei Minuten später leistete sich Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl einen kapitalen Fehler. Pernille Harder hatte die 20-Jährige Fridolina Rolfö in Szene gesetzt und im Nachsetzen gelang Rolfö der Ausgleich als Lindahl sträflich ihr kurzes Eck vernachlässigte.

Überhaupt war Rolfö eine der stärksten Akteure in der ersten Halbzeit und verschwand dann zunehmend in der Wärme des Abends. Mir selber hatte sie vor eineinhalb Wochen noch genau das gesagt, dass sie physisch arbeiten müsse, um ein anfangs sehr hohes Tempo auch über 90 Minuten durchhalten zu können. Junge Talente müssen kontinuierlich an die Nationalmannschaft beim nächsten Mal wieder nicht berücksichtigt werden, sagte TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Frida Östberg (früher Umeå IK und Linköpings FC) in der Pause und übte damit für schwedische Verhältnisse recht offene Kritik an der Nominierungspraxis von Pia Sundhage; ganz in dem Sinn, in dem ich mich hier auch schon vor wenigen Tagen geäußert habe.

Rolfö war gegen England dabei, bekam keine Minute Spielzeit. Jetzt ist Banusic gegen Polen dabei und vermutlich wird es ihr ebenso ergehen wie Rolfö zuletzt. Schön, dass beide Youngster am Donnerstagabend das Spiel mit ihren Toren eröffneten.

Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich der Gastgeber viele Chancen, die Lindahl teils mit großartigen Reflexen auf der Linie verhinderte. Da machte sie ihren Fehler aus der sechsten Minute mehrfach wieder gut.

In der zweiten Hälfte, als Linköping dann noch einen Gang höher schaltete, dann wieder ein Lindahl-Fehler und die Entscheidung. Pernille Harder, die allmählich wieder zu ihrer Großform zurückfindet (Vertrag läuft Ende 2014 aus für alle, die an einer der wohl besten Spielerinnen ihres Alters in Europa interessiert sind...), spielte sich auf der linken Seite durch und schoss aus spitzem Winkel aufs Tor und Hedvig Lindahl boxte den Ball fast genau vor die Füße der schräg vor ihr auftauchenden zweiten von drei Däninnen in der Startelf Linköpings, Marianne Gajhede Knudsen, die das Spiel dann entschied.

Kristianstad wechselte nur einmal aus, Trainerin Elisabet Gunnarsdottir wusste sicher auch, dass sie auf der Bank niemanden mehr hatte, der dem Spiel eine entscheidende Wendung hätte geben können. Linköping hatte alles im Griff und gewann hochverdient den Pokal zum vierten Mal. Abermals lieferte Innenverteidigerin Mia Carlsson eine tolle Partie ab.

In einem Spiel der Damallsvenskan am Donnerstagabend schlug Kopparberg/Göteborgs FC Piteå mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Lisa Ek in ihrem Comeback für Göteborg bereits nach drei Minuten. Piteås Torfrau Hilda Carlén soll die beste Spielerin auf dem Platz gewesen sein und weitere Treffer Göteborgs, in der auch Maren Mjelde ihren Pflichtspieleinstand im defensiven Mittelfeld gab, verhindert haben.

Die Tabelle:

Die Woche in Schweden

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Acht Spiele haben in der letzten Woche stattgefunden in der Damallsvenskan und nun steht noch ein Spiel an (die Ligaausgabe des Pokalfinales KIF Örebro – Linköpings FC), bevor alle Spielerinnen und Betreuer in den schwedischen Sommerurlaub gehen können.

An der Spitze breitet sich die erwartete Langeweile allmählich aus. Ich möchte leider behaupten, dass die Saison 2014 als eine Spielzeit in die Annalen eingehen wird, die man einfach voraussagen konnte.

Rosengård schlug am Mittwochabend Piteå mit 6:1 und tat einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft. Kein anderer Verein wird die Südschwedinnen auch nur annähernd gefährden können. Überragend Anja Mittag, die mit drei Toren und zwei Assists ebenfalls unangefochten Richtung Torschützenkönigin und “Stürmerin des Jahres” marschiert. Anja hat jetzt 12 Tore erzielt und auch wenn Ex-Mitspielerin Manon Melis sechs der zehn Tore von Kopparberg/Göteborgs FC gegen AIK (6:0) und Jitex (4:0 erzielte und mit elf Toren nur einen Zähler hinter Mittag rangiert, muss man anmerken, dass Manon Melis ihre Tore gegen die beiden schwächsten Teams der Liga erzielt hat, Anja dagegen immer trifft.

Die einzige Entscheidung, die für Spannung sorgen dürfte, ist Platz zwei, immehin relevant für einen Champions-League-Platz in der Saison 2015/16. Da hat KIF Örebro derzeit die Nase vorn, drei Punkte hinter Rosengård und drei Punkte vor Göteborg, das wie bemerkt, einiges für sein Torverhältnis getan hat. Die Westschwedinnen bekommen nach dem Urlaub auch noch Verstärkung durch Maren Mjelde (Potsdam) und Lisa Ek (Rosengård), die nach sportlich unglücklichen 1,5 Jahren (Kreuzbandriss) in Malmö wieder die Küste hinaufzieht.

Auch Linköping kann, sechs Punkte hinter Örebro, durchaus noch eingreifen in den Kampf um den zweiten Platz. Nach Tyresös Rückzug hat die UEFA ja entschieden, dass der LFC Champions League spielen darf in der kommenden Saison. Und Trainer Martin Sjögren shloss auch Verstärkungen nicht aus.

Überhaupt dürften vor allem die drei genannten Teams ihre Reihen nochmals verstärken, wobei KIF Örebro finanziell den geringsten Spielraum hat.

Denn alle anderen Plätze werden unstrittig sein oder haben keine besondere Bedeutung. Neben dem erwartungsgemäß ausgestiegenen Tyresö FF dürfte mit der Mädchenmannschaft von Jitex BK der zweite Absteiger ebenfalls feststehen. Null Punkte aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn man “nur” 33 Gegentore kassiert hat. Die Mölndaler (Mölndal ist ein Stadtteil von Göteborg) hatten wurden vor der Saison von rund 15 Spielerinnen verlassen und haben sich aus überwiegend sehr jungen Zweitligaspielerinnen ein neues Team für die erste Liga aufgebaut, der Abstieg war vorprogrammiert.

Auch wenn da noch nicht aller Tage Abend ist, mathematisch. Denn in der Theorie kann man die sieben Punkte Rückstand auf AIK durchaus aufholen, praktisch aber wäre das so, wenn der Iran bei der Herren-WM das Halbfinale erreicht hätte.

 

Örebro ist der Verfolger

Wenn es derzeit einen Verfolger vom FC Rosengård gibt, dann ist das etwas überraschend KIF Örebro. Am Montagabend gewann die Mannschaft aus der Landschaft Närke ihr Auswärtsspiel beim nun frisch gekürten CL-Teilnehmer Linköpings FC sensationell deutlich mit 4:0.

Ogonna Chukwudi hatte Örebro in der ersten Halbzeit mit einem Doppelschlag auf die Siegerstraße gebracht. “Die waren einfach viel besser als wir heute und mengtal haben sie schon nach dem ersten Tor gewonnen, so fühlt es sich an. Da haben wir unser ganzes Selbstvertrauen verloren,” sagte eine enttäuschte Magdalena Eriksso der Zeitung Östgöta Correspondenten.

“Örebro ist mit 100% in jeden Zweikampf gegangen, das haben wir nicht getan. Deshalb haben sie gewonnen und wir verloren,” so Eriksson weiter.

Unterdessen wird sich Linköping in der bald beginnenden Sommerpause mit drei Spielerinnen verstärken, eine in jedem Mannschaftsteil. Das sagte Trainer Martin Sjögren im Hinblick auf die Teilnahme an der Champions League.

Lisa Ek, die am Montag mitteilte, dass sie ihr Engagement beim FC Rosengård ab dem Sommer nicht mehr weiterführen wird, kommt aber aufgrund ihrer Verletzungsgeschichte nicht in Frage. Die 32-Jährige hat bereits drei Kreuzbandrisse und zahlreiche andere Verletzungen in ihrer Biografie.

 

“Die sind mit 100% in jede

Testspiele

Nur wenige Tage nach der 0:7 Niederlage gegen Linköping verlor KIF Örebro auch sein zweites Testspiel gegen einen Ligakonkurrenten. In Tyresö gab es ein 0:5, bei dem die gerade heimgekehrte Christen Press in der ersten Halbzeit einen Hattrick zur 3:0 Führung erzielte. Caroline Seger und Lisa Dahlkvist schossen die weiteren Treffer. Bei Tyresö gefiel neben Press insbesonders die Brasilianerin Rilany auf der rechten Abwehrposition mit Schnelligkeit, guter Technik und hervorragenden Flanken. KIF Örebro hat derzeit aber noch keinen Zugriff auf die kanadischen Nationalspielerinnen Stephanie Labbé und Marie-Eve Nault sowie die tschechischen Zwillinge Lucie und Irena Martinkova. Auch die Nigerianerin Sarah Michael ist noch nicht an Bord. Gestern wurde gerätselt, warum die Fünf in der so wichtigen Vorbereitung noch nicht dabei sind. Das kann rein finanzielle Gründe haben. Möglicherweise sind die Verträge erst ab einem späteren Datum gültig, um Geld zu sparen. Tyresö selber hat Press, Meghan Klingenberg und Whitney Engen gerade deswegen erst wieder seit dem 15.02. auf Leihbasis unter Vertrag.

Meister FC Rosengård ist in der Türkei im Trainingslager, sollte dort gegen einen türkischen Club spielen und bekam erst eine Stunde vor dem geplanten Spiel zu wissen, dass man stattdessen auf den kasachischen Meister BIIK Chimkent treffen würde. 5:2 für die Schwedinnen endete die Begegnung, in der die von Anfang an spielende Lisa Ek zwei Tore schoss und somit hoffentlich das Gespenst ihrer vielen Knieverletzungen nach anderthalb Jahren Reha vergessen machte. Amanda Ilestedt, Sarah Mellouk und Sarah Björk Gunnarsdottir schossen die übrigen Tore.

Am Wochenende gibt es ein Interview mit AIK:s neuem Innenverteidigerpaar Maija Saari und Malin Levenstad, das ich am Mittwochnachmittag gemacht habe.

Pia Sundhage und die Medien

Kosse

Natgionalspielerin Kosovare Asllani beim Pressetreff im Februar in der Friends Arena – zu schlank?

Ich habe es schon an anderer Stelle hier geschrieben. Pia Sundhage sagt manchmal Dinge, über die sie besser nachdenken sollte, bevor sie sie äußert. Das heißt nun nicht, dass ich sie nicht für eine insgesamt großartige Trainerin mit sehr viel Fußballwissen und vielleicht vor allem der nicht häufigen Fähigkeit, eine Mannschaft zu extremen Leistungen zu motivieren halte.

Vor drei Wochen habe ich ein langes Interview mit Lotta Schelin gemacht, das sicher hier noch Niederschlag finden wird. Aber während die 29-Jährige Schelin sehr genau weiß, was sie der Öffentlichkeit mitteilt, scheint die 53-Jährige Sundhage durchaus Beratung zu brauchen.

Es sei denn, all ihre teilweise provokanten Äußerungen sind Teil eines genialen, für die meisten Beobachter noch unverständlichen Plans.

Da waren die öffentlichen Äußerungen darüber, dass sie mehr von Lotta Schelin erwartet, sie sei der Star des Teams, sie müsse mehr leisten. Oder die anderen müssten alle für Schelin rackern und kämpfen, damit sie glänzen kann. Denn wenn sie glänze, glänze Schweden.

Da war die Äußerung über Kristin Hammarström, mit deren Fußarbeit als Torhüterin Sundhage nicht zufrieden war. “Die muss nach Hause gehen und trainieren, trainieren, trainieren.” Die Konsequenz: Hammarström spielte fortan in jedem Spiel von Anfang an.

Da war die Äußerung in Malmö, als Pia sich darüber ärgerte, dass in der Startformation Malmös acht Ausländerinnen standen und dass schwedische Talente so auf der Strecke blieben. Malmös Mittelfeldspielerin Lisa Ek hat dazu in ihrem Blog erst jetzt eine wunderbare, emotionale Antwort geschrieben.

Da die meisten Leser dieses Blogs wohl kein Schwedisch können, will ich Lisas Argumente kurz wiedergeben:

Am Beispiel von Yoreli Rincon macht Ek deutlich, dass es ausländische Spielerinnen aus durchaus schwierigen Verhältnissen in der Heimat gibt, die alles dem Ziel unterordnen, eine gute Spielerin im Ausland zu werden. Es gäbe viele schwedische Spielerinnen, die nicht bereit wären, umzuziehen, um für einen anderen Verein zu spielen, bei dem sie der Elite näher kommen könnten. Sie bleiben lieber bei ihrer Familie, ihren Freunden, ihrer Arbeit, ihrem Studium und gehen Kompromisse ein. Das sei völlig legitim, aber diese Spielerinnen bräuchten sich dann auch nicht zu wundern, wenn ihre potentiellen Plätze in anderen Clubs von Ausländerinnen besetzt würden.

“Ich bin jedes Mal glücklich und stolz, wenn ich zum Training komme und sehe, wie Anja [Mittag] einen Ball ins Eck dreht, Ramona [Bachmann] vier andere einfach wegdribbelt, [Sara] Björk [Gunnarsdottir] den Yoyo-Test macht und Elin Rubensson Salz in ihre Trinkflasche träufelt, weil sie gelernt hat, dass ihr Körper so die Flüssigkeit länger behält.[...] Es gibt eine Menge anderer Sachen, die unsere ausländischen Spielerinnen mitbringen. Die deutsche Siegermentalität, die neuseeländisch/amerikanische Einstellung, dass wir das schaffen können oder die beinharte isländische Kampfesmoral. Indem wir täglich mit all diesen Kulturen zu tun haben, werden wir nicht nur bessere Fußballspielerinnen, sondern auch bessere Menschen. Davon bin ich total überzeugt.”

Aber Pia Sundhage wettert nicht nur gegen zu viele Ausländerinnen in einer sich globalisierenden Welt. Am Wochenende erklärte sie in einem Interview mit Sydsvenska Dagbladet auch, dass einige ihrer Nationalspielerinnen zu schlank seien.

“Ich glaube nicht, dass man es schafft, sechs Spiele auf dem höchsten Niveau absolvieren kann und im gleichen Atemzug glaubt, dass man dabei schlank wie ein Strich sein kann. Es gibt eindeutig zu viel Aussehensfixierung in der Gesellschaft,”§ so Pia Sundhage.

Mit letzterem hat sie sicherlich nicht Unrecht.

“Als ich noch spielte, hörten wir oft, dass wir zu dick seien und zu männlich aussehen würden. Aber für das gibt es keinen “quick fix”, es geht um Ideale,” so Schwedens Trainerin weiter.

Einige Spielerinnen, so heißt es in dem Artikel weiter, hätten die Aufforderung bekommen, Gewicht zuzulegen.

Auch hier frage ich mich, ob dieses Thema in der Öffentlichkeit diskutiert werden muss. Dass es auch im Leistungsfußball Spielerinnen gibt, die Essstörungen haben, ist unzweifelhaft. Einigen Spielerinnen, nicht aus der Nationalmannschaft, sieht man das an, von anderen weiß man es.

Aber generell bei Journalisten zu verbreiten, dass die heutigen Fußballspielerinnen wuasi ‘zu sehr auf ihre Figur’ achten und dass sie dem Ziel zuliebe, Medaillen zu gewinnen, einfach mal ein bisschen mehr futtern sollten, muss nicht in jeder Zeitung zwischen Haparanda und Ystad stehen.

Schaut man sich den aktuellen Kader der Nationalmannschaft mal unter dem Aspekt an, so kann man sehen, dass etwa Göteborgs Johanna Almgren innerhalb des letzten Halbjahres deutlich an Muskeln zugenommen hat. Ich traf Almgren auf dem Medienauftakt der Damallsvenskan Anfang April und nicht nur mir fiel auf, dass die Mittelfeldspielerin wesentlich kräftiger wirkte, als noch in der letzten Saison.

Aber insbesondere die offensiven Spielerinnen wie Kosovare Asllani, Sofia Jakobsson, aber auch Superstar Lotta Schelin sind eher schlank und möglicherweise sogar schmal. Sollen die jetzt 5-6 kg drauflegen? Keine Muskeln übrigens, sagte Pia Sundhage, denn nur Muskeln machen langsam.

Eine Diskussion, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden muss. Was die Ausländerinnen-Frage angeht, glaube ich nicht, dass sich viel ändern wird, auch wenn die Trainerin angekündigt hat, sich dem Thema nach der EM mehr zu widmen.

Göteborg will zurück

Pokalsieger und vierter Platz und ein Platz im Viertelfinale der Champions League. Die Saison endete versöhnlich für Kopparberg/Göteborgs FC, obwohl Trainer Torbjörn Nilsson im April noch von der Meisterschaft gesprochen hatte. Aber mit Malmö und Tyresö konnte man nicht mithalten.

Aber nach der Sommerpause lief es bedeutend besser für den Vizemeister des Vorjahres. Die Amerikanerinnen Christen Press, Yael Averbuch, Ingrid Wells, und Camille Levin sowie die Engländerin Anita Asante haben das Spiel belebt. Vor allem Press und Asante waren eine konstante Größe, während Averbuch, die für Lisa Ek kam, ihre schwedische Vorgängerin deutlich übertraf.

Nun hat Trainer Nilsson bereits bis einschließlich 2014 unterschrieben. Und der starke Mann des Vereins, der Besitzer der Brauerei Kopparberg, Peter Bronsman, will mehr in die Mannschaft investieren. Angeblich (wenn man der Zeitung GT glauben darf) werden Press und Asante verlängern und in den nächsten beiden Wochen sollen Neuverpflichtungen einer schwedischen und einer ausländischen Nationalspielerin bekannt gegeben werden.

Bronsmans Brauerei hat einen jährlichen Umsatz von umgerechnet 175 Millionen €, sein Cider mit Birnengeschmack ist der meistverkaufte der Welt. Wirtschaftliches Potential ist da vorhanden und ich bin gespannt, wer in der nächsten Saison zum Team gehören wird.

Kreuzbandriss: Linda Sembrant

Die Serie reißt leider nicht ab. Hedvig Lindahl, Lisa Ek, Fatmire Bajramaj und nun auch Linda Sembrant (Tyresö FF). Innerhalb von nur zwei Wochen der vierte Kreuzbandriss im schwedischen (und deutschen) Frauenfußball.

Sembrant verletzte sich am vergangenen Samstag im Spiel gegen Umeå IK, als eine Gegenspielerin auf sie auflief und sie aus dem Tritt kam, dabei das Knie verdrehte.

Die Liste der Kreuzbandrisse in der schwedischen Damallsvenskan war wohl noch nie so lang wie in dieser Saison:

Linda Sällström, Charlotte Rohlin, Gudny Björk Odinsdottir, Frida Nordin, Petronella Ekroth, Lydia Williams, Jennie Wecksell, Ifeoma Dieke, Annica Sjölund, Sara Lindén, Therese Sjögran, Hedvig Lindahl, Lisa Ek, Linda Sembrant.

Das sind 14 Spielernnen aus insgesamt neun Vereinen. Lediglich AIK, Djurgården und Umeå haben keine Opfer zu berklagen.

Lisa Ek: Kreuzbandriss – der dritte

Wie erwartet hat sich auch die 30-Jährige Mittelfeldspielerin Lisa Ek vom Meister und Tabellenführer LdB FC Malmö das Kreuzband gerissen. Ek war erst nach der Olympia-Pause von Kopparberg/Göteborgs FC nach Malmö als Ersatz für Therese Sjögran (ebenfalls Kreuzbandriss) gekommen. Sie spielte fünf Ligaspiele und ein Pokalspiel für Malmö und verletzte sich nun vor dem Champions League Spiel in Budapest.

Für Ek ist es bereits der dritte Kreuzbandriss. Mal sehen, ob die 30-Jährige zurückkommt. Ich kenne jüngere Spielerinnen, die schon an beiden Knien diese schlimme Verletzung hatten und die sagen, dass sie nicht ein drittes Mal durch die lange Reha gehen wollen…

“Echt schlimm, nun die schönen Dinge am Ende der Saison zu verpassen,” sagte Ek zu Sydsvenska Dagbladet. “Aber als es bei Training passierte, ahnte ich schon, dass es das Kreuzband war. Ich bin mit dem Bein ausgestreckt im Gras hängen geblieben.”

Hedvig Lindahl: Kreuzbandriss

In Göteborg verletzte sich Nationalkeeperin Hedvig Lindahl am Knie. Heute Abend wurde es offiziell auf der Homepage ihres Vereins Kristianstads DFF verkündet: das Kreuzband im linken Knie der 29-Jährigen ist gerissen. Damit fällt sie für den Rest der Saison aus und wohl auch weit in die kommende EURO-Saison 2013 hinein.

Vielerorts wurde spekuliert, ob die neue schwedische Trainerin Pia Sundhage sportlich an der nicht unumstrittenen Lindahl festhalten würde, die sieben Jahre lang die unumstrittene Nummer 1 von Thomas Dennerby gewesen war. Nun löst sich diese Frage auf sehr unglückliche Weise. Vermutlich wird Sundhage im Oktober in Växjö gegen die Schweiz auf Sofia Lundgren und Kristin Hammarström zurückgreifen.

In Malmö zittert derweil Lisa Ek um den Zustand ihres Knies. Die 30-Jährige war erst während der Sommerpause von Göteborg nach Malmö gewechselt und dort als Verstärkung für die durch Kreuzbandriss ausgefallene Therese Sjögran geholt worden. Nun verdrehte sich Ek das Knie beim Training vor der Abreise nach Ungarn, ein MTR-Termin soll am Montag Gewissheit bringen, ob Lisa Ek eventuell ebenfalls das Kreuzband gerissen hat. Bei ihr wäre das bereits der dritte Riss im Knie in ihrer Karriere.

 

 

Pflichtsieg in Malmö

Ramona Bachmann sieht gelb von Schiedsrichterin Ifeoma Kulmala – Malmös Kapitänin Malin Levenstad versucht zu vermitteln

LdB FC Malmö bleibt an der Spitze der Liga, aber der 2:0-Erfolg daheim auf dem Malmö IP gegen Jitex BK versprühte keinen Glanz. Für die Galavorstellungen in der Liga ist derzeit Tyresö zuständig.

Es war das, was man gemeinhin einen Arbeitssieg nennt. Vor knapp 850 Zuschauern in einem sonnigen, aber windigen Malmö gelang lediglich der 17-Jährigen Sofia Anker-Kofoed ein Treffer in der ersten Halbzeit. Es war die einzig wirklich überzeugende Aktion des schwedischen Meisters. Die Neuseeländerin Ali Riley hatte dabei auf der linken Seite einen Pass wenige Zentimeter vor der Außenlinie noch erreicht und dann nach innen geflankt wo Anker-Kofoed den Ball volley nahm und in den Winkel beförderte. Ansonsten war wenig attraktiver Fußball zu sehen. Jitex schaffte es mit seinem physisch geprägten Fußball das Spiel von Malmö im Keim zu ersticken. Aber da war auch zu wenig Bewegung im Spiel von LdB und Glück verhinderte den Ausgleich noch vor der Pause, als die Finnin Leena Puranen lediglich die Querlatte des wie immer von Thora Helgadottir gehüteten Tores traf.

Auch in der zweiten Halbzeit gab es wenig Veränderung. Malmö hatte tendenziell mehr vom Spiel, aber zwingende Chancen waren Seltenheit. Einmal hämmerte Anja Mittag den Ball aus sehr guter Position ein paar Meter übers Tor und ärgerte sich nicht wenig über die vertane Gelegenheit. Ein Kopfball aus kurzer Distanz von Lisa Ek wurde mit einer unglaublichen Reaktion von Jitex’ Torfrau Minna Meriluoto abgewehrt. Am Ende dann schoss doch noch Ramona Bachmann das 2:0 in der Nachspielzeit in einer Begegnung, von der in ein paar Wochen lediglich die Statistik übrig ist.

Naja, für alle außer Sofia Anker Kofoed, die nur zum Einsatz von Anfang an, weil sich die Dänin Katrine Veje beim Warmmachen verletzte. Somit konnte die 17-Jährige ihr erstes Tor in der Damallsvenskan machen.

LdB Malmö kritisierte nach der Begegnung die finnische Schiedsrichterin Ifeoma Kulmala. Trainer Peter Moberg behauptete, die Finnin habe weder Schwedisch noch Englisch gekonnt und erzürnte sich darüber, dass Ramona Bachmann wegen eines zu früh getretenen Freistoßes die gelbe Karte sah. Der Trainer der gegnerischen Mannschaft, der ehemalige Nationalspieler Stefan Rehn hingegen, lobte die Unparteiische ausdrücklich: “Es war vielleicht etwas schwierig mit ihr zu kommunizieren, aber sie hat internationale Klasse gepfiffen. Schwedische Schiedsrichterinnen lassen gewöhnlich nur sehr wenig körperbetontes Spiel zu, international dagegen geht es anders zu,” so Rehn.

Linnéa Liljegärd verlässt Göteborg

2009 gewann Linnéa Liljegärd mit acht Toren Vorsprung die Torjägerliste der Damallsvenskan. Sie hatte 22-mal getroffen und lag damit vor Spielerinnen wie Ramona Bachmann (damals Umeå) und Victoria Svensson (Djurgården). Die letzte Saison lief nicht so gut für die heute 23-Jährige und auch in diesem Jahr saß sie immer wieder mal auf der Bank.

Gestern nun wurde mitgeteilt, dass Liljegärd mit sofortiger Wirkung Göteborg verlässt und sich dem russischen Meister Rossiyanka anschließt. Dort, eine knappe Stunde nordöstlich von Moskau, wird Liljegärd Mannschaftskameradin von Sofia Jakobsson, die zuletzt unter anderem bei LdB FC Malmö sowie Turbine Potsdam im Gespräch gewesen sein soll.

“Das wird ein fantastisches Abenteuer werden. Da konnte ich einfach nicht nein sagen,” so Linnéa zur lokalen Göteborgs Posten.

Erst gestern habe ich mich noch mit einer Spielerin darüber unterhalten, dass es im Frauenfußball kaum jemals Ablösesummen gibt und Spielerinnen (leider) nicht aus bestehenden Verträgen freigekauft werden. Rossiyanka hat Liljegärd aus dem Vertrag in Göteborg herausgekauft, “Ich will nicht über die Summe sprechen. Aber der Club hat Linnéa herausgekauft und für uns ist das das größte Geschäft, seit Lotta Schelin nach Lyon gegangen ist”, so Göteborgs Präsident Peter Bronsman.

“Alles ging sehr schnell.Rossiyanka hat vor ein paar Wochen Kontakt mit mir aufgenommen und da habe ich noch drüber gelacht. Aber am Samstag passte auf einmal alles,” sagt Liljegärd.

Schon nächste Woche wird die Stürmerin ihre Sachen packen und nach Moskau ziehen. “Ich hoffe, dass das hier ein Schritt auf dem Weg zurück sein kann. Weil ich in Göteborg meist auf der Außenposition im Mittelfeld spielen musste, konnte ich nicht mehr um einen Platz als Stürmerin in der Nationalmannschaft konkurrieren. Aber der deutsche (?!) Trainer von Rossiyanka hat mich ein paar Jahre lang beobachtet und will mich als Stürmerin verwenden,” so Liljegärd weiter zu Göteborgs Posten. Der Vertrag läuft 1 + 1 Jahre.

Göteborg hat somit innerhalb dieser Saison drei Spielerinnen verloren: Liljegärd, Jane Törnqvist (Rücktritt vom Leistungssport) und Lisa Ek (LdB FC Malmö). Hinzu kommt noch der Kreuzbandriss von Stürmerin Sara Lindén vergangene Woche. Mit dem Abgang von Linnéa Liljegärd wurde aber auch ein Neuzugang vermeldet. Ab Januar 2013 steht die Norwegerin Cathrine Dyngvold für zwei Jahre unter Vertrag. Die Laufzeit deutet an, dass der Verein offenbar seine frühere Policy aufgegeben hat, wonach alle Spielerinnen immer nur einen Einjahresvertrag bekommen. Dyngvold ist 23 Jahre alt und kommt vom norwegischen Erstligisten Klepp IL und hat dort bislang 13 Tore geschossen.

Jetzt geht’s wieder los – vor dem 13. Spieltag

In gut zwei Stunden mache ich mich auf den Weg nach Soina zum Spiel AIK – Kopparberg/Göteborgs FC in der Damallsvenskan. Nachdem zwei Nachholspiele (Djurgården-Malmö 1:2, Umeå – AIK 3:1) am Mittwoch und Donnerstag absolviert wurden, steht nun nach der langen Sommer- und Olympiapause der 13. Spieltag der Damallsvenskan bevor. Eine vorläufige Zusammenfassung der Saison für jeden einzelnen Verein habe ich bereits gegeben.

Malmö spielt heute zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen gegen Djurgården, dieses Mal daheim und wohl wieder mit Anja Mittag, die mir gestern noch am Telefon sagte, dass ihrem Einsatz wohl nichts im Wege stehen wird. In der Truppe für das Spiel steht auch Gudbjörg Gunnarsdottir, deren Schulter nach dem unglückseligen Zusammenprall mit Landsfrau Sara Björk Gunnarsdottir (keinesfalls ihre Schwester, der Name ist in dieser Generation häufig auf Island) zwar unerhört wehtat, die aber offenbar das Wohl der Mannschaft über das eigene Wohlergehen steht. Aus diesem Holz sind wohl Sieger geschnitzt, obschon ich das für unvernünftig halte, denn die drei Punkte bleiben so oder so in Malmö.

KIF Örebro wäre das Team auf Platz 10, das sowohl AIK wie auch Djurgården “angreifen” müssten. Vier Punkte gutmachen und noch einen mehr, um dem Abstieg doch noch zu entgehen. Für Örebro beginnt die gefühlte Rückrunde in Kristianstad bei noch einer Gunnarsdottir, nämlich Trainerin Elisabet. Deren Team spielt sehr launisch und hat es nicht geschafft, ein gleichbleibendes Niveau nach oben oder unten zu erreichen. Das muss die größte Kritik an Gunnarsdottir sein, denn selber wollte Beta ganz hoch hinaus. Das Potential ist zweifelsfrei hoch und Kristianstads Ziel dürfte Platz 3 sein, denn Malmö und Tyresö werden weiter enteilen. Ein Spiel, in dem alles möglich ist, aber am wahrscheinlichsten scheint dann doch ein Heimsieg auf Vilans IP.

Offen ist wohl auch Jitex – Linköping. Das geht schon um 15 Uhr los und heute Morgen war auf Twitter zu lesen, dass Linköping ohne Nilla Fischer kommen muss, deren Wehwehchen von der Olympiade doch langwieriger sind als gehofft. Das ist natürlich ein herber Verlust, denn der Defensivbereich hatte sich gerade mit Fischers Rücktritt von Mittelfeld in die Abwehr stabilisiert. Jitex kommt mit einem Sieg gegen Göteborg (Freundschaftsspiel 1:0) und einem Pokalsieg in Piteå nach Verlängerung (3:2) mit einer ordentlichen Portion Kampfesmut, was gerade beim wohl physischsten aller Teams in der ersten Liga dem Gegner zu denken geben sollte. Alles drin mit leichter Tendenz zu Jitex aufgrund des Fischer-Fehlens.

AIK – Göteborg. Vermutlich stehen fünf Amerikanerinnen auf dem Feld, wenn Lori Chalupny (AIK) und Yael Averbuch (Göteborg) ihre Arbeitserlaubnis bekommen haben. Averbuch tweetete gestern, dass sie spielen werde. Es wird sehr schwer für den Vorletzten, auch wenn Lisa Ek und Jane Törnqvist nicht mehr für Göteborg spielen. Ob Chalupny die Chancenhäufigkeit erhöhen kann und man endlich Tore, Tore schießt mit einem ansonsten hochtalentierten und jungen Team wird sich zeigen. Nach dem sang- und klanglosen 1:3 in Umeå am Donnerstag bin ich sehr skeptisch. Alles spricht für Göteborg.

Tyresö empfängt morgen den Aufsteiger Vittsjö und das ist dann die Liga-Premiere für den neuen Trainer Tony Gustavsson, der die letzten Monate als Pia Sundhages Assistent der amerikanischen Nationalelf verbracht hat. Vermutlich deshalb hat er auch die Handynummern aller amerikanischer Olympiasiegerinnen. Denn es geht das Gerücht, Tyresö und sein inzwischen unsichtbarer Zampano Hans Löfgren hätten noch einen Mediencoup für den Herbst vor. Von Hope Solo oder Abby Wambach ist die Rede. Das kann ein Körnchen Wahrheit enthalten, kann aber auch ein geschickt lanciertes Gerücht sein, um klar zu machen, dass es KEINEN Namen mehr gibt, der nicht für Tyresö in Frage käme. Die amerikanischen Frauen jedenfalls müssen ja noch die äusserst wichtige Victory-Tour spielen, in der es am 1. September in Abbys Heimatstadt Rochester gegen Costa Rica geht (11 000 Tickets sind schon weg) und am 16. September dann in Carson (Kalifornien) gegen Australien. Danach gibt es in Schweden nur noch sechs Spieltage.

Dienstag schliesst das Nordderby Umeå – Piteå die 13. Runde ab. Wir können einen heissen Kampf vor vielen Zuschauern erwarten. Ausgang offen.

Niclas Carlnén redet (schon wieder) vom Konkurs für LdB FC Malmö

Der Clubchef des zweifachen Meisters LdB FC Malmö Niclas Carlnén gab gestern allenthalben Interviews. Nachdem er bereits im Frühjahr der Öffentlichkeit mitgeteilt hatte, dass Malmö in Konkurs gehen könne, wenn nicht die Gemeinde massiv unterstützen würde, wiederholte der 42-Jährige gestern seine düsteren Prognosen. Es fehlten 1,5 Millionen Kronen (mittlerweile 182.000 €). Bis zur Monatswende Oktober/November hätte man Geld, danach sei Schicht, Ende.

Man habe sich verkalkuliert, mit höheren Zuschauereinnahmen gerechnet, aber es seien nur 900 Zuschauer im Schnitt gekommen, so Carlnén. Auch Sponsoreneinnahmen seien geringer ausgefallen.

Was macht man, wenn man feststellt, dass man weniger Geld hat als erwartet und sich bestimmte Dinge nicht mehr leisten kann? Man spart. Nicht so Carlnén und LdB FC Malmö.

Als sich Verteidigerin Frida Nordin das Kreuzband riss, verpflichtete man im Frühjahr die Neuseeländerin Ali Riley. Als auch noch Therese Sjögran dieselbe schlimme Verletzung ereilte, dauerte es ein paar Wochen, ehe man Lisa Ek aus Göteborg als Neuverpflichtung präsentierte. Verletzte Spielerinnen werden nicht durch den eigenen Kader ersetzt, obwohl man zu jedem Zeitpunkt über die prekäre Lage Bescheid wusste. Das Wettrüsten mit Tyresö, das Malmö als Markführer im schwedischen Frauenfußball gewaltig im Nacken sitzt, geht unverdrossen weiter.

Es könne durchaus sein, dass man Anfang November als frischgebackerner Meister Konkurs anmelden müsse, so Carlnén gestern. Sich von einer oder mehreren der teuren Spielerinnen zu trennen (allein acht Ausländerinnen spielen in Malmö) komme nicht in Frage, denn eventuell könne man ja vielleicht in der CL im Herbst Einnahmen machen. Eventuell und vielleicht.

Das sind Worte, die wir in dieser Saison im schwedischen Frauenfußball gehört haben. Dalsjöfors wollte zurück in die erste Liga und eventuell konnte man vielleicht Geld aus dem allgemeinen Erbfond bekommen.

Malmös Geschäftsgebahren mit der zweiten Konkursandrohung innerhalb von weniger als fünf Monaten ist mehr als unseriös. Wir wollen Meister werden, können das zwar selber nicht finanzieren, nun kommt mal her und gebt uns Geld. Umeå und Djurgården waren die Topvereine in der Damallsvenskan, bis ihnen fast gleichzeitig Geld und Sponsoren abgingen. Umeå ist heute Neunter und Djurgården Zwölfter der Tabelle, aber beide Vereine existieren noch.

Die Spielerinnen werden natürlich darauf angesprochen. Ramona Bachmann sagte gestern, sie würden sich auf das Fußballspielen konzentrieren. Ich hoffe wirklich, dass das eine Äußerung war, die keinen Wahrheitsgehalt hat. Denn die Spielerinnen tragen teilweise auch eine Mitschuld an der Entwicklung im Frauenfußball mit Unwissen über die wirtschaftliche Situation des Clubs und teils (damit ist beileibe nicht Bachmann gemeint) völlig unrealistischen Vorstellungen, was der Verein zahlen kann.

Frauenfußball auf hohem Niveau kostet Geld. Viel Geld. Und vergleichsweise wenig davon kommt zurück. Es ist für die meisten Akteure ein Verlustgeschäft: für die vielen Spielerinnen ohne Nationalmannschaft, die in der höchsten Liga für ein Taschengeld spielen und praktisch alle Abende und Wochenenden opfern. Die Mannschaft als neue Familie. Es ist nicht gewinnbringend für die meisten Trainer, Zeugwarte, Platzwarte und auch nicht für die Sponsoren. Und viel über Frauenfußball wissen, schreiben, interviewen bringt auch wenig bis gar kein Geld, aber wir alle in diesem Geschäft haben viel Freude, sonst wären wir nicht in der einen oder anderen Rolle dabei. Dabei könnte man es belassen.

Aber ohne Geld kein Meistertitel, kein Klassenerhalt. Tyresö holte zur neuen Saison Caroline Seger, Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist, Vero Boquete und Marta. Das war eine klare Ansage an Malmö. Das sich nicht hätte leisten können, auf diese Aufrüstung zu antworten. Aber der Ehrgeiz lässt das Blut kochen und die Gedanken an Sicherheit werden zurückgedrängt. Die laufen uns den Rang ab, wenn wir nicht reagieren.

Malmö muss beschlossen haben, alles auf eine Karte zu setzen. Augen zu und durch. Wir versuchen es. Wenn wir gewinnen, kommen vielleicht auch mehr Zuschauer. Wenn wir Losglück haben, kommen wir in der CL weiter. Dalsjöfors findet hier auf einem höheren Niveau statt.

Der ursprüngliche Sponsor und Namensgeber von LdB FC Malmö ist der Unternehmer Kent Widding Persson. Ihm gehörte die Kosmetikmarke LdB, die vor ein paar Jahren den Verein schon einmal vor dem Konkurs rettete, als er als Malmö FF vor dem Ende stand. Widding Persson pumpte Geld in die Organisation, hat aber inzwischen die Marke LdB an den Konzern Cederroth AB verkauft. Der kein so ausgeprägtes Interesse mehr am Frauenfussball hat. Auch das belastet heute den Club. Da steht zwar der Name LdB im Verein, aber LdB ist nicht mehr das goldene Kalb. Schreckt vielleicht auch andere interessierte Sponsoren ab, die ja bereits einen Firmennamen im Vereinsnamen sehen. Hätte HOECHST ein Interesse Bayer Leverkusen zu sponsorn, wenn Bayer sich weitgehend zurückzöge, der Name aber bliebe?

Ein Konkurs von Malmö ein paar Monate vor der EURO 2013 wäre eine Katastrophe für den schwedischen Frauenfußball. Auch darauf spekuliert Niclas Carlnén. Ich glaube nicht, dass er wirklich Ende Oktober zum Amtsgericht Malmö geht und den Konkursantrag einreicht. Alle Fans von Anja Mittag brauchen das nicht zu fürchten. Carlnén schreit nach Geld. Auf diese Weise, weil ihm die Ideen ausgegangen sind und die Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Es waren aber mehr Seifenblasen als Hoffnungen. LdB FC Malmö ruft nach Geld, zum zweiten Mal. Hoffentlich auch zum letzten Mal, denn auch wenn man die Spitzenposition im Frauenfußball nicht verloren hat, hat man mit dem gestrigen Tag eine gute Portion Glaubwürdigkeit verloren.

Malmö, Göteborg und Jitex im Halbfinale

Am Sonntag schon erreichte LdB FC Malmö durch einen knappen 1:0-Sieg über Umeå IK das Halbfinale des schwedischen Pokals. Die 17 Jahre alte Sofie Anker Kofoed erzielte den einzigen Treffer des Spiels. Ramona Bachmann wurde geschont und offenbar hat sich Anja Mittag leicht verletzt, denn sie fehlt heute Abend in der Truppe die Malmö nach Stockholm geschickt hat zum Nachholspiel gegen Djurgården. Ebenfalls nicht dabei Al Riley.

In Piteå kam es, wieder mal, zu einem spannenden Spiel gegen Jitex aus Mölndal bei Göteborg. Zwar sorgten Josefine Johansson und Hanna Pettersson für eine schnelle 2:0-Führung der Gastgeberinnen nach nur elf Minuten, aber der Anschlusstreffer von Elin Karlsson kurz vor der Pause war ungeheuer wichtig für die Gäste, die vor der Sommerpause eine Niederlagenserie hatten. Elin Sandgren schoss in der 64. Minute den Ausgleich und in der sechsten Minute der Verlängerung gelang Leena Puranen der Siegtreffer für die Gäste, die im Halbfinale in zwei Wochen auf den Sieger der heutigen Begegnung zwischen Zweitligatabellenführer Mallbacken und Tyresö treffen werden.

Auf Meister Malmö trifft im Halbfinale Pokaltitelverteidiger Kopparbergs/Göteborg. Nach den Abgängen von Lisa Ek und Jane Törnqvist vor der Sommerpause setzte man sich überraschend deutlich mit 3:0 gegen Kristianstad durch. Zweimal Christen Press und Linnéa Liljegärd die Tore für den Gastgeber, bei dem die neuen Amerikanerinnen Camille Levin und Yael Averbuch noch nicht zum Einsatz kamen.

Die vierte Amerikanerin – Yael Averbuch nach Göteborg

Annike Krahn war ein ganz heißes Gerücht, als Abwehrspielerin Jane Törnqvist merkwürdigerweise inmitten der Saison ihre Karriere beendete. Es kam die junge Amerikanerin Camilla Levin nach Göteborg.

Als sich jetzt auch Lisa Ek nach sechseinhalb Jahren aus dem Staub machte, zunächst in Deutschland gewähnt wurde, dann aber gestern als Neuzugang für Meister LdB FC Malmö präsentiert wurde (Konkurrenz für Katrin Schmidt), musste Göteborg reagieren und es ging schnell.

Heute Nachmittag gab der Club auf seiner Webseite bekannt, dass die 25-Jährige Amerikanerin Yael Averbuch einen 1,5-Jahresvertrag in Westschweden unterschrieben hat. Averbuch hatte zuletzt einige Wochen Champions League beim russischen Verein Rossiyanka gespielt.

In ihrem nebenbei bemerkt sehr lesenswerten Blog in der New York Times wird Averbuch schon zitiert: “Ich werde am 6. August nach Schweden fliegen und mein Blog dann mit Abenteuern auf und jenseits des Fußballplatzes anreichern. Falls ihr irgendwelche Empfehlungen habt, was ich in Schweden sehen oder tun sollte dann kommentiert bitte.”

Göteborg hat vor dem Start in die CL im Herbst also nun mit Camilla Levin, Ingrid Wells, Christen Press, Yael Averbuch sowie der Engländerin Anita Asante gleich fünf Spielerinnen mit Englisch als Muttersprache.