Sunnanå wird absteigen

Dreieinhalb Spieltage in der Damallsvenskan liegen hinter uns und zumindest die Abstiegsplätze scheinen klar vergeben. Die beiden Aufsteiger Mallbacken und Sunnanå dürften kaum eine Chance haben, auch nur um den Klassenerhalt mitzuspielen.

Zum dritten Mal bekam Sunnanå heute fünf Gegentore. 2:5 Niederlage bei Jitex, das bisher auch nur einen Punkt geholt hatte. Das reicht einfach nicht. Ebensowenig hat Mallbacken bislang den Eindruck erwecken können, erstklassig zu sein. Spielerinnen wie Annika Kukkonen (Sunnanå) und Maija Saari (Mallbacken) können einem Leid tun, sind sie doch vom Regen in die Traufe gekommen.

Kristianstad gewann nicht unerwartet mit 4:1 bei Vittsjö in einem weiteren Skåne Derby. Diese Saison wird es Vittsjö bedeutend schwerer haben, ähnlich zu überraschen wie im Vorjahr. Josefine Öqvist und dreimal Margret Lara Vidarsdottir machten die Tore für die Gäste, die den Dreier auch dringend brauchten, um sich Richtung Spitze zu orientieren.

Spitzenspiel in Göteborg. Nach einer halben Stunde führte der Gastgeber vor nur 741 Zuschauern mit 2:0 gegen den Meister Tyresö FF durch Tore von Jodie Taylor (möglicherweise die “Entdeckung” der Saison, nicht zuletzt für die englische Nationaltrainerin Hope Powell) und Anita AsanteDann machte Tyresö sehr viel Druck und konnte nach zwei Abwehrfehlern durch Kirsten van de Ven und Christen Press ausgleichen. In der zweiten Halbzeit erwartete man eigentlich, dass Tyresö da weitermachen würde, wo es aufgehört hatte, aber Göteborg hielt dagegen und beide Teams hatten gute Chancen, den Siegtreffer zu erzielen. Defensiv gab es klare Fehler auf beiden Seiten, aber für Tyresö reicht die Defensive, um in der Liga Spitze zu sein. Allerdings scheint mir die Abwehr jetzt verwundbarer zu sein, wo Sara Thunebro auf der linken Abwehrseite spielt und Line Röddik Hansen in die Mitte gestellt wird. Unverständlich, dass man die beste Linksverteidigerin der Liga zugunsten einer schwedischen Nationalspielerin von ihrer Position nimmt.

Tyresö bleibt vorn

Christen Press' Schuss geht an die Unterkante der Latte

Christen Press’ Schuss geht an die Unterkante der Latte

Kannst du uns dein Tor beschreiben? fragte ich Christen Press nach dem Spiel. Welches? fragte sie. Leicht verunsichert antwortete ich Öh, das zweite.

Zu diesem Zeitpunkt wusste die Amerikanerin schon mehr als der große Teil des Publkums und die Fernsehzuschauer, nämlich, dass sie beide Tore beim 2:0 über Linköping gemacht hatte.

Es war eine aufopfernde Abwehrleistung, die Linköping zeigte und zu Beginn der zweiten Halbzeit schien das Spiel sogar Augenhöhe anzunehmen, als Jessica Samuelsson den Ball an die Latte schoss. Aber insgesamt war Tyresö die bessere Mannschaft.

Pia Sundhage war da, natürlich. Sie wollte sehen, wie ihr neues Innenverteidigerduo, das bei Linköping unter Vertrag ist, spielt. Nach dem Kreuzbandriss von Umeås Emma Berglund hat Sundhage im Prinzip keine andere Wahl, als da hinten Charlotte Rohlin und Nilla Fischer aufzustellen. Fischer ist Sundhages Favoritin, die wird auf ihre alten Tage umgeschult und in die Abwehr gestellt. Und heute überragte Fischer, gewann bis auf einen alle Zweikämpfe. Auch stark auf der linken Abwehrseite: U19-Europameisterin Magdalena Eriksson, von Djurgården Anfang des Jahres gekommen.

Tyresö wollte aber die Punkte. Und Christen Press ist wohl einer der größten Fehler Sundhages, der nur nicht auffiel, weil die USA so viele gute Spielerinnen hat. Die 24-Jährige ist eine der weltbesten Stürmerinnen und auch wenn sie heute nicht so zur Geltung kam, schoss sie am Ende doch beide Tore.

Das 1:0 in der 88. Minute aus vielleicht acht Metern, ein Schuss an die Unterkante der Latte. Auf den Fernsehbildern sieht man, dass der Ball drin war, bevor ihn die eingewechselte Kirsten van de Ven endgültig reinschießt. Offiziell führt der Fußballverband weiter van de Ven. Mal sehen, ob sich das noch ändert, denn van de Ven war abseits. Wäre Press’ Schuss nicht drin gewesen, handelte es sich um ein irreguläres Tor.

Das 2:0 dann ein Tor Prädikat absolute Weltklasse: “Ich bekam den Ball da draußen und wusste ja, dass nicht mehr lang zu spielen ist,” erzählte mir die Torschützin. Es gelang mir, hinter die Abwehrspielerin zu kommen und wenn man in so eine Situation kommt, ist es fast klar, dass das ein Tor wird. Ich finde, es ist wichtig, dass man die Energie des Spiels spürt und eine meiner Stärken ist es, zu fühlen, wenn der Gegner verletzbar ist und nachdem wir kurz vorher das erste Tor gemacht hatten, wusste ich, dass es möglich sein würde, schnell noch einen draufzulegen.” So weit Christen Press, die mit einem enormen Antritt zunächst Rohlin und Ericsson und dann Nilla Fischer ganz alt aussehen lässt, bevor sie dann, kurz nachdem sie an Fischer unwiderstehlich vorbeigezogen ist mit einem satten Schuss in die linke Ecke Sofia Lundgren keine Chance ließ.

Mit hängenden Köpfen schlichen die LFC-Spielerinnen vom Platz. Ein Spiel dauert neunzig Minuten plus eventueller Nachspielzeit, das mussten sie am Samstag schmerzlich noch einmal verinnerlichen.

Zu viele Ausländerinnen in der Damallsvenskan?

Pia Sundhage hat sich aufgeregt. Das tut sie eigentlich oft und gerne und das macht sie auch sympathisch, das sie Gefühle zeigt und voll bei der Sache ist. Manchmal allerdings frage ich mich inzwischen, ob sie sich nicht ein wenig zurückhalten sollte, zumindest in den Medien.

Denn die schnappen dankbar jede Silbe der angehenden Ehrendoktorin, Gastprofessorin, Frau des Jahres 2012, Welttrainerin des Jahres und was weiß ich nicht noch alles, auf.

Am Donnerstagabend war sie wie ich auf dem Malmö IP und sprach anschließend wie immer frank und frei ins Mikrofon der Reporter von Sydsvenska Dagbladet. Dass sie mal besser nichts gesagt hätte, war ihr dabei aber offenbar schon selber klar, denn: “Das jetzt sollte ich eigentlich nicht sagen,” begann Sundhage ihre Ausführungen und echauffierte sich darüber, dass sie zu einem Champions-League-Spiel käme und alles, was sie als Nationaltrainerin beobachten könnte, wären drei Spielerinnen bei Malmö und eine Spielerin des Gegners.

In der Tat begann Malmö die Begegnung mit nicht weniger als acht Ausländerinnen: Thora Helgadottir, Ali Riley, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Manon Melis, Ramona Bachmann, Anja Mittag.

Bei Olympique Lyonnais dagegen standen in der Anfangsformation nicht weniger als neun Französinnen und lediglich Lara Dickenmann und Lotta Schelin haben einen ausländischen Pass.

Eines ist klar. Pia Sundhage hat sich nicht darin einzumischen, wie die Vereine ihre Kader bestücken und welchen Pass die Spielerinnen haben. Und wenn sie in dem oben genannten Interview sagt, dass alles noch vor 5-6 Jahren (bevor sie zuerst nach China und dann in die USA ging) anders gewesen wäre, dann muss sie eigentlich besser als viele andere wissen, dass sich Frauenfußball in 5-6 Jahren enorm entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.

“In Lyon werden ausländische Spielerinnen nur dann verpflichtet, wenn ihre Qualität definitiv besser ist als das, was man auf dem franösischen Markt bekommen kann”, schrieb mir gestern ein Fan aus Frankreich via Twitter.

In Schweden, und da hat Sundhage Recht, ist das augenscheinlich nicht der Fall, auch wohl nicht in Deutschland.

Ich habe mir die aktuellen Kader in der Damallsvenskan angesehen und komme auf folgende Liste ausländischer Spielerinnen. Es sind 66 Spielerinnen. Sie verteilen sich auf: 1. Finnland 9, 2. Island, Nigeria, USA je 7, 5. Dänemark, Holland je 5 und auf zwölf weitere Länder. Bei den Vereinen liegt Malmö klar vorn.

10 LdB FC Malmö: Thora Helgadottir, Ali Riley, Paula Radtke, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt, Yoreli Rincon, Ramona Bachmann, Manon Melis, Anja Mittag

7 Tyresö FF: Line Röddik Hansen, Meghan Klingenberg, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Vero Boquete, Christen Press, Marta

7 KIF Örebro: Stephanie Labbé, Marie-Eva Nault, Susanna Lehtinen, Irena Martinkova, Lucie Martinkova, Sanna Talonen, Sarah Michael

7 Kristianstads DFF: Brett Maron, Sif Atladottir, Nicole Sykes, Gudny Odinsdottir, Margret Lara Vidarsdottir, Johanna Rasmussen, Lorca van de Putte

6 Vittsjö GIK: Lois Geurts, Kendall Fletcher, Ifeoma Dieke, Mandy van den Berg, Kirsty Yallop, Jane Ross

6 Piteå IF: Lydia Williams, Faith Ikidi, Hallbera Gisladottir, Anna Westerlund, June Pedersen, Francesca Ordega

5 Kopparberg/Göteborgs FC: Camille Levin, Anita Asante, Yael Averbuch, Cathrine Dyngvold, Jodie Taylor

4 Linköpings FC: Marianne Gajhede, Renée Slegers, Pernille Harder, Linda Sällström

4 Umeå IK: Katrin Jonsdottir, Ogonna Chukwudi, Rita Chikwelu, Tuija Hyyrynen

4 Sunnanå SK: Carys Hawkins, Helene Ukaonu, Annika Kukkonen, Perpetua Nkwocha

3 Mallbacken: Kaitlynn Fraine, Maija Saari, Hayley Lauder,

3 Jitex BK: Minna Meriluoto, Annica Sjölund, Leena Puranen

Umeå IK stark beim 1:1 in Tyresö

Malin

Umeås Keeperin Malin Reuterwall hat das Nachsehen bei Lisa Dahlkvists Schuss 1-1

Es war das erste Heimspiel von Marta 2013, es war der mit Spannung erwartete Gastauftritt der erst 1995 geborenen Norwegerin Caroline Graham Hansen, die Tyresö derzeit testet. Aber das 1:1 vom schwedischen Meister Tyresö FF gegen Umeå IK war vor allem eine beeindruckende Demonstration der Gäste.

Sicher, die haben mit Emmelie Konradsson, Emma Berglund und Hanna Folkesson immerhin drei Spielerinnen in Pia Sundhages Algarve-Kader, aber Tyresö hat die geballte Übermacht von zahlreichen Nationalspielerinnen, einige davon zur absoluten oder erweiterten Weltklasse gehörend.

Die ersten Minuten gehörten Tyresö und vor allem die gerade 18 Jahre alt gewordene Norwegerin wollte sich von ihrer besten Seite zeigen, und das obwohl Cheftrainer Tony Gustavsson heute mit Abwesenheit glänzte und von Assi Leif Edeborg vertreten wurde. Im Publikum u.a. Pia Sundhage und Tyresös verletzte Stars Kirsten van de Ven, Christen Press und Carola Söberg.

Graham Hansen brillierte in ein paar Szenen auf rechts. Die Norwegerin ist beidfüßig, sehr technisch und hat einen beeindruckenden Antritt und gutes Spielverständnis. Viele bezeichnen sie als das größte Talent des norwegischen Fußballs seit vielen Jahren.

Aber je länger das Spiel dauerte, desto besser wurde Umeå, desto besser auch Graham Hansens Gegenspielerin in der ersten Hälfte, Elin Landgren, selber erst 21 Jahre alt.

Der Führungstreffer durch Konradsson in der neunten Minute kam noch wie eine kalte Dusche, danach hätte man erhöhen können und traf auch zum 2:0 durch Jenny Hjohlman, aber dieser Treffer wurde wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben.

Tyresö kämpfte sich zurück, traf durch Lisa Dahlkvist zum Ausgleich und schien nun auch das Kommando endgültig zu übernehmen, aber dann war Pause und in der zweiten Halbzeit war Umeå einen Tick besser, hätte in der 54. Minute Elfmeter bekommen müssen, als Hjohlmann im Strafraum von Elaine zu Boden gezogen wurde. Und hatte weitere Chancen durch u.a. Lina Hurtig. Es blieb aber beim alles in allem durchaus gerechten 1:1, ein Ergebnis, das natürlich vor allem Umeå als Positivum mitnehmen kann, das für Tyresö ein Warnsignal sein sollte. Denn eindeutig war es Umeå, das mehr wollte und die Koordination in Tyresös Abwehr, vor allem zentral, sah heute nicht so gut aus.

Interviews nach dem Spiel waren leider nicht drin. Ich hätte gern etwas länger mit Umeå-Spielerinnen gesprochen, aber wie mir Emma Berglund sagte, müsse man schon bald wieder zum Flughafen. Man war eine Stunde vor dem Spiel angekommen und wollte eine halbe Stunde nach Abpfiff schon wieder zurück, um ins eine Stunde nördlich gelegene Umeå nach Hause zu fliegen.

Mit Umeå wird in der kommenden Saison zu rechnen sein. Nicht als Topteam, das werden wieder nur Tyresö und Malmö sein, aber in der oberen Hälfte müsste dieses starke Team landen können. Wie es dem Club gelungen ist, gute Talente selber zu entwickeln (Beispiel: Konradsson) oder andere Talente an sich zu binden (Beispiel: Hurtig), das ist beeindruckend. Trainer Joakim Blomkvist macht im dritten Jahr exzellente Arbeit in Umeå. Man darf darauf gespannt sein, wie sich das Team bei der Premiere der Damallsvenskan präsentieren wird. Dann geht es auswärts gegen – Tyresö FF.

Zugänge und Abgänge (Stand: 05.01.2013)

So allmählich füllen sich die Kader der Vereine in der Damallsvenskan. Es ist Zeit für einen ersten Überblick. Hier kommen die 12 Teams der Saison 2012 plus die beiden Neulinge.

Tyresö FF

Zugänge: Christen Press (Kopparberg/Göteborgs FC), Malin Diaz (AIK)

Abgänge: Helén Eke (Verein steht noch nicht fest)

Kommentar: Erstmals auf seiner Reise von der vierten Liga zum Meistertitel gibt es in Tyresö keine wesentlichen Personalwechsel. Marta, Vero Boquete, Caroline Seger hatten allesamt laufende Verträge auch für 2013, obwohl es um Marta wieder einmal Wechselgerüchte gab und auch noch gibt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Brasilianerin Tyresö in diesem Jahr verlässt. Für die USA ist ihr Marktwert nicht groß genug und keiner der neuen Vereine könnte sie mit den erlaubten Budgets bezahlen. Christen Press wird den Stammplatz von Madelaine Edlund gefährden. Sowohl deren wie Elaines auslaufender Vertrag wurde verlängert. Tyresö ist ein Topteam mit erstklassigen Alternativen auf der Bank. Auch Meghan Klingenberg hat verlängert. Wunschelf (Linda Sembrant in der Reha nach Kreuzbandriss):

Carola Söberg, Meghan Klingenberg, Johanna Frisk, Karin Lissel, Line Röddik Hansen, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete, Marta, Kirsten van de Ven, Christen Press.

Bank: Annica Svensson, Elaine, Malin Diaz, Madelaine Edlund, Jessica Höglander.

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LdB FC Malmö

Zugänge: Yoreli Rincon (XV de Piracicaba), Zecira Musovic (Stattena), Manon Melis (Linköping)

Abgänge: Emma Wilhelmsson (Jitex), Christina Öyangen Örntoft (Bröndby), Hilda Carlén (noch unbekannt)

Kommentar: Nach der finanziellen Rettung durch Milliardär Dan Olofsson nimmt auch Malmö Kurs auf den Meistertitel. Die Liga wird (wenn sich nichts wesentlich ändert) zu einem Zweikampf Malmö – Tyresö werden, in dem Tyresö abermals klarer Favorit ist, trotz der Verpflichtung von Melis. Rincon überrascht, riskant, eine 19-Jährige Kolumbianerin zu integrieren. Die 1,54 m kleine Filigrantechnikerin wurde mit Marta verglichen, muss das aber noch beweisen. Malmö hat aber immer gut eingekauft…

Voraussichtlich:

Thora Helgadottir, Lina Nilsson, Malin Levenstad, Amanda Ilestedt, Ali Riley, Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran, Ramona Bachmann, Elin Rubensson, Anja Mittag, Manon Melis.

Reserve:

Zecira Musovic, Frida Nordin, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Yoreli Rincon, Sofi Anker Kofoed.

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Linköpings FC

Zugänge: Lina Rinshamre (Sundsvalls DFF), Magdalena Ericsson (Djurgården), Stina Blackstenius (Vadstena GoIF), Renée Slegers (Djurgården), Emma Lennartsson (IFK Norrköping)

Abgänge: Manon Melis (LdB FC Malmö), Lisa DeVanna (Perth Glory), Emma Lundh (noch unbekannt, Hammarby?), Karen Bardsley (Lincoln LFC), Louise Fors (Western Sydney Wanderers, ab Frühjahr FC Liverpool Ladies), Nora Holstad Berge (Arna-Björnar), Matilda Agné (Hammarby DFF), Ingrid Schjelderup (Vålerenga), Josefine Alfsson (Kisa BK)

Kommentar: Linköping beendet nach einem Jahr seinen Versuch, mit Tyresö und Malmö zu konkurrieren und hat Sparmaßnahmen eingeführt. Neun Spielerinnen verlassen den Verein und fünf kommen neu hinzu, im Gespräch ist immer noch AIK:s U19-Europameisterin Jennie Nordin. Mit Ringshamre und Ericsson hat man zwei weitere junge Europameisterinnen verpflichtet. Linda Sällström, die gegen Ende der Saison noch gehen wollte (Jitex war eine Option), bleibt nun doch, vermutlich, weil die Konkurrenz in der Offensive nach ihrer Rehazeit nach dem Abgang von DeVanna, Melis und Lundh deutlich entspannter geworden ist. Linköping ist auch immer noch das bessere Team. Wichtig, dass Trainer Martin Sjögren zwei weitere Jahre bleibt.

Voraussichtlich:

Sofia Lundgren, Maja Krantz, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Marianne Gajhede Knudsen, Renée Slegers, Petra Larsson, Pernille Harder, Jonna Andersson, Linda Sällström.

Hier und bei den weiteren Clubs erspare ich mir die potentielle Bankbesetzung, da lediglich Malmö und Tyresö um die Meisterschaft spielen werden.

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Kopparberg/Göteborgs FC

Zugänge: Jessica Landström (Djurgården), Marie Hammarström (KIF Örebro), Cathrine Dyngvold (Klepp),

Abgänge: Christen Press (Tyresö FF), Ingrid Wells (noch unbekannt)

Göteborg wollte eigentlich angreifen. Dann kam der Abgang von Press dazwischen. Tyresös Zampano Hans Löfgren schnappte die Amerikanerin den Göteborgern vor der Nase weg. Landström ist vom Typ her kein Press-Ersatz, aber sie ist eine Kämpfernatur mit einer enormen fysischen Kraft. Dennoch muss sich das Angriffsspiel ändern. Torbjörn Nilsson hat seinen Trainervertrag um 2 Jahre verlängert, weil ihm versichert wurde, dass die Mannschaft sukzessiv verstärkt wird. Mindestens eine Klassespielerin muss noch kommen.

Voraussichtlich: Kristin Hammarström, Catrine Johansson, Anna Ahlstrand, Stina Segerström, Camille Levin, Yael Averbuch, Anita Asante, Johanna Almgren, Olivis Schough, Cathrine Dyngvold, Jessica Landström.

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Kristianstads DFF

Zugänge: Josefine Öqvist (vereinslos), Marija Banusic (IK Sirius), Brett Maron (Valur), Elin Borg (AIK)

Abgänge: Elin Nilsen (Vittsjö), Katrin Ómarsdóttir, Becky Edwards (beide unbekannt), Emelie Johnsson (Borens IK),  Moa Pettersson (Wä IF), Anna Persson (Glimåkra IF), Lisa Petersson, Julia Molin (AIK)

Auf den Plätzen 5-12 und bei den Aufsteigern erspare ich mir die mögliche Aufstellung am ersten Spieltag. Maron wird sicher in den ersten Monaten im Tor stehen, da Hedvig Lindahl in der Reha nach dem Kreuzbandriss ist. Trainerin Beta Gunnarsdottir ist wie immer super ambitioniert und will sicher Meister werden. Mit der Verpflichtung von Banusic ist ihr ein Coup gelungen. Für mich das größte Talent im schwedischen Fußball VOR der allenthalben gepriesenen Lina Hurtig (Umeå). Dass Josefine Öqvist letztlich der Offensive maßgebliches Gewicht verleihen wird, steht außer Frage. Kristianstad hat jetzt den drittbesten Angriff der Liga.

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Vittsjö GIK

Zugänge: Elin Nilsen (Kristianstad), Jane Ross (Glasgow City)

Abgänge: Emma Kullberg (Umeå Södra), Josefine Mårtensson (Glimåkra IF)

Das zweite Jahr ist immer das Schwerste. Das wird auch für Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK gelten. Niemand hätte das Team aus Skåne auf Rang 6 erwartet. Die Verpflichtung von Jane Ross deutet eventuell darauf hin, dass Danesha Adams geht. Die Amerikanerin war sehr wichtig. Möglich, dass Vittsjö, wie immer, von Beta Gunnarsdottir geschasste Spielerinnen überimmt. Becky Edwards?

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Umeå IK

Zugänge: Hanna Folkesson (AIK)

Abgänge: Erica Carlén (Morön)

Wenig passierte in Umeå. Keeperin Caroline Jönsson hat ihr Karriereende zur Saisonmitte angekündigt. Da braucht es Ersatz.

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Piteå IF

Zugänge: Clara Markstedt (AIK), Johanna Andersson (Assi)

Abgänge: Camilla Johansson, Jessica Olovsson (unbekannt), Ann-Mari Dovland (Klepp), Jennifer Nobis (Karriereende)

Piteå hat zwar die beste Torschützin Nobis durch Clara Markstedt ersetzt, aber es fehlt an einer weiteren offensiven Spielerin, die dem Angriff mehr Durchschlagskraft verleiht. Faith Ikidi hat ihren Vertrag bis einschließlich 2015 verlängert, eine finanzielle Deckung dafür gibt es noch nicht.

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Jitex BK

Zugänge: Emma Wilhelmsson (LdB FC Malmö)

Abgänge: Katri Nokso-Koivisto (LSK Kvinner), Nanna Jansson (Hovås Billdal), Caroline Lindblad (unbekannt)

Jitex wird weder schwächer noch stärker.

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KIF Örebro

Zugänge: Fehlanzeige

Abgänge: Marie Hammarström (Kopparbergs/Göteborg FC), Emelie Lundberg (Eskilstuna United), Hanna Ågren-Åhbom, Nina Fellbrant,  Fanny Persson (hören auf), Edda Garðarsdóttir,  Ólína Viðarsdóttir (beide zurück nach Island, , Linda Fransson (noch nicht klar)

Das sieht wieder nicht gut aus für Örebro, das erhebliche finanzielle Probleme hat.

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Sunnanå SK

Zugänge: Anikka Kukkonen (Djurgården), Hanna Glas (Sundsvalls DFF),  Carys Hawkins (Perth Glory

Abänge: Anna Bodén (Morön),  Yanru Zhang (China)

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Mallbacken

Zugänge: Sarah Bergman, Emmie Johansson (beide QBIK), Maija Saari (AIK), Hayley Lauder (Åland United)

Abgänge: Anna Arnfeldt (Karriereende)

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Djurgården

Abgänge: Gudbjörg Gunnarsdottir, Mia Jalkerud, Freja Hellenberg (alle Avaldsnes IL), Jessica Landström (Göteborgs FC), Renée Slegers (Linköping), Anna Lindblom (Hammarby), Katrine Petrous, Natalia Rickne, Annika Kukkonen (Sunnanå), Katrin Jonsdottir, Caroline Frånberg.

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AIK

Zugänge: Lisa Pettersson, Julia Molin (beide Kristianstad)

Abgänge: Maija Saari (Mallbacken), Elin Borg (Kristianstad), Nazanin Vaseghpanah (hört auf), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz (Tyresö), Clara Markstedt (Piteå), Lori Chalupny (unbekannt)

Freaky Friday: Christen Press und Malin Diaz nach Tyresö

cp

Christen Press – schnell und schussstark

Heute war was los. Der Transfermarkt in Schweden, der sich schläfrig von einem Jahr ins andere bewegt hatte, bekam auf einmal volle Fahrt.

Christen Press hätte man in Göteborg gerne behalten, kein Wunder, die Amerikanerin gehört zu den besseren Stürmerinnen der Welt und hat in ihrem ersten Jahr in Schweden 17 Tore in der Liga gemacht und im Pokalfinale im Grunde genommen das Spiel entschieden. Auch in der Champions League spielte sie eine wichtige Rolle. Aber Press sagte in den Vertragsverhandlungen, dass sie (wenn sie denn nominiert wird) an den Trainingslagern der USA unter dem neuen Trainer Tom Sermanni teilnehmen möchte und das war Göteborg dann zu viel, so oft will man seine Topstürmerin nicht freigeben.

Dass Press mit Tyresö verhandelte, wusste man schon im Dezember. Heute meldete ihr neuer Verein, dass die Amerikanerin die ohnehin schon starke Truppe von Trainer Tony Gustavsson, der ebenfalls zwei weitere Jahre unterschrieben hat, verstärkt. Hans Löfgren hat in seinem Power-Point-Vortrag vor fünf Jahren den Vereinsforderen den Sieg in der Champions League 2014 versprochen und dementsprechend rüstet man weiter auf.

Nun dürfte es für die beste schwedische Torschützin der Liga, Nationalspielerin Madelaine Edlund, schwer werden, ihren Stammplatz zu behaupten. Aber das zeichnet Vereine wie Tyresö eben auch im negativen Sinn aus. Hier kann (fast) jede von einem auf das andere Jahr von der Stammspielerin zur Reservistin werden.

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Malin Diaz (links) im Zweikampf mit Ali Riley (Malmö)

Keinen Stammplatz in Tyresö dürfte erst einmal die zweite Neuverpflichtung, Malin Diaz, bekommen. Die U19-Europameisterin, die im Finale in der Türkei den entscheidenden Treffer erzielte, gilt als großes technisches Talent im Mittelfeld und hatte bei anderen Clubs der Liga Probetrainingseinheiten absolviert, sich dann aber für den Meister entschieden. Da wird sie wohl die Bank (wenn überhaupt) drücken und bestenfalls 20 Minuten pro Spiel bekommen. Diaz begründete den Wechsel nach Tyresö damit, dass sie im Training mit den besten Spielerinnen Chancen zur Weiterentwicklung sieht. Das kann man verstehen, auch kann sie so daheim bei den Eltern wohnen bleiben, aber eher kann man sich fragen was Tyresö eigentlich mit Malin Diaz will, denn in einem Mittelfeld, in dem Marta, Elaine, Kirsten van de Ven, Caroline Seger, Vero Boquete und Lisa Dahlkvist spielen können, gibt es nun eine siebte Spielerin, die noch sehr viel zu lernen hat, Spielpraxis in einem Mittelklasseverein wäre da sicher besser gewesen – für beide Seiten.

Theoretisch noch alles drin da unten

Vittsjös Torhüterin Lois Geurts beim Warmmachen vor dem Spiel gegen Djurgården

In einer halben Stunde wird der 20. Spieltag der Liga mit der Begegnung Erster gegen Letzter LdB FC Malmö gegen AIK abgeschlossen, da bleibt nicht viel Zeit, die gestrigen fünf Begegnungen zu summieren.

Hanna Persson, Ersatz für Kristianstads kreuzbandverletzte Nationalkeeperin Hedvig Lindahl, hielt gegen Tyresö FF einige fulminante Schüsse und musste dennoch nach zehn Minutenmit einer Fußverletzung hinkend das Spielfeld verlassen. Reserve? Fehlanzeige. Elisabet Gunnarsdottir entschied, dass Mittelfeldspielerin Katrin Omarsdottir sich mal schnell umziehen musste und das gegen das torgefährlichste Team der Liga. Am Ende gewann Tyresö verdient nach zwei Toren von Kirsten van de Ven mit 2:0 und hielt damit den Kampf um die Meisterschaft einigermaßen offen.

Kristianstads Torwarttrainer Benny Johansson war voll des Lobes über die unfreiwillige Torhüterin Omarsdottir: “Sie hat sich selbst übertroffen. Dass sie das Spiel so gut lesen konnte, war keine Überraschung, aber das Spiel in der Luft war euine große Überraschung. Sie zeigte Mut, Sprungkraft und Timing bei fast allen Ecken und Standards von denen.” Gleichzeitig äußerte er Mitleid mit Hanna Persson im Interview mit Kristianstadsbladet: “Sie hat lange auf so eine Chance gewartet und dann gleich im dritten Spiel selber verletzt zu werden, das ist bitter.”

Omarsdottir sagte, dass sie lieber im Mittelfeld spiele, aber falls Persson bis zum Ende der Saison ausfiele, würde sie da spielen wo Elisabet Gunnarsdottir sie haben will, notfalls auch im Tor. Wie eine Reihe Zuschauer bereits auf Twitter äußerten, war auch Katrin Omarsdottir der Ansicht, dass die 1:0-Führung Tyresös ein klares Abseitstor war.

Kristianstads Vorsitzender Mikael Forsberg glaubt, dass die Liga am 12. November in Stockholm mit Sicherheit über die angestrengte wirtschaftliche Situation vieler Vereine reden wird. “Dass die Liga in einer Saison, in der wieder viele der besten Spieler der Welt in der Liga spielen Zuschauer verliert, ist beunruhigend. Diesen Trend müssen wir wenden. Wir selber können jetzt auch nur den nächsten Schritt nach oben mit einer breiter angelegten Organisation schaffen,” so Forsberg.

In Göteborg trennten sich Jitex und Umeå 1:1. Umeå ging durch Ogonna Chukwudi in Führung und Sofia Skog glich wenig später aus. “Dieser Punkt kann wichtig sein,” sagte Jitex’ Trainer Stefan Rehn zu Göteborgs Posten. 174 Zuschauer bei Jitex bedeuteten wieder einmal die Minuskulisse der Liga. Jitex spielt und wenig mehr als Eltern, Geschwister und Freunde interessiert es. Schade.

99 Zuschauer zählte ich selber im Stockholmer Olympiastadion, fünf Minuten bevor das Spiel begann. Dabei schien die Sonne, aber das Wetter war sehr wechselhaft in den 90 Minuten, in denen Djurgården seinen dritten Heimsieg in Folge landen wollte. Aber Aufsteiger Vittsjö ging schnell mit 1:0 in Führung durch einen Treffer von Kapitänin Sofie Andersson. Keine sechs Minuten waren gespielt als Danesha Adams gute Vorarbeit leistete und Andersson einen Abpraller verwertete.

Daach hatte es Djurgården sehr schwer, erst in der zweiten Halbzeit kam man in Fahrt und dominierte die Begegnung und es dauerte bis zur 72. Minute, ehe Matilda Rosqvist der Ausgleich gelang. Die abschließende Druckperiode (Jessica Landström kämpfte um jeden Ball in Abwehr und Angriff) brachte dennoch keine klaren Torchancen mehr und der Punktgewinn gegen Vittsjö scheint zu wenig, besonders, wenn man die Punktgewinne der Konkurrenten Jitex und Piteå sieht und das Schlussprogramm von Djurgården und Hauptkonkurrent Örebro.

KIF Örebro kann nicht mehr nur von einer verkorksten Saison sprechen. Sie ist grottenschlecht und völlig misslungen. Früher und das ist höchstens ein Jahr her, konnte sich Örebro einer der besten Abwehrketten der Liga rühmen. Es war schwer gegen KIF Tore zu machen. 2012 aber ist der Tabellenzehnte die Schießbude der Liga mit den meisten Gegentoren. Zwar ging man gestern daheim gegen Mitkonkurrent Piteå (beide 19 Punkte vor dem Spiel) durch Linda Hallin mit 1:0 in Führung, zwar hielt Stephanie Labbé sogar einen Elfmeter von Piteå, aber am Ende stand dann doch 1:2 auf der Anzeigentafel. June Pedersen und Jennifer Nobis wendeten das Blatt und damit dürfte Piteå für dieses Mal gerettet sein. Örebro spielt nun in Göteborg (Djurgården in Kristianstad) und noch daheim gegen AIK (Djurgården gegen Piteå). Das Schlussprogramm verlangt von Djurgården mindestens vier Punkte, um die drei aufholen zu können. KIF Örebro wird wohl mit dem Schrecken davon kommen und Djurgården wird AIK Gesellschaft leisten beim Gang in die neue zweite Liga, die nun wohl Elitettan heißen wird, nachdem man Damettan nur als Arbeitsnamen geoutet hat.

Im Spitzenspiel des Tages schlug Linköping Göteborg mit 3:2. Nur zwei freie Tage zwischen den 120 Minuten Pokalfinale gegen Tyresö waren zu wenig für Göteborg. Aber Linköping ist mit dem neuen Trainer Martin Sjögren zu Saisonende auch gut drauf. Manon Melis schoss die Führung für Linköping und nachdem Christen Press mit zwei Toren das Spiel gedreht hatte, kam dann Lisa DeVanna immer besser in Form Zuerst besorgte die Norwegerin Nora Holstad Berge den Ausgleich und dann gelang DeVanna der Siegtreffer in einer sehenswerten Partie vor 407 (!) Zuschauern. Ein echtes Problem das kaum vorhandene Publikumsintereresse ein Jahr vor der EM. Hier schwant mir nichts Gutes.

 

 

Djurgården mit neuer Hoffnung

Renée Slegers

Lange, lange sah es so aus, als ob Djurgården mehr oder weniger sang- und klanglos den Weg in die neue, einteilige zweite Liga würde antreten müssen. Aber nach zwei Heimsiegen in Folge (3:1 gegen KIF Örebro und 2:0 gegen Tyresö FF) stehen 15 Punkte auf dem Konto der Stockholmerinnen. Vier Punkte davor rangieren plötzlich drei Mannschaften, die noch in den Abstiegskampf einbezogen werden: Piteå IF, Jitex BK und KIF Örebro. Örebro und Piteå spielen Sonntag gegeneinander und werden sich Punkte abnehmen.

Gelegenheit für Djurgården, gegen den jetzt schwächelnden Aufsteiger Vittsjö einen weiteren Schritt auf die drei Teams zu tun. Ich habe mich mit Djurgårdens holländischer Nationalspielerin Renée Slegers getroffen und über die aktuelle Situation, Frauenfußball in Holland, Kreuzbandverletzungen und vieles mehr gesprochen.

Lass uns noch einmal zurückblicken auf euren sensationellen Sieg gegen Tyresö letzten Samstag. Irgendwo hörte ich, dass ihr euch vorgenommen hattet, zu gewinnen?

Nein, so war das nicht. Ich habe auch im Internet gelesen, dass unsere Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir gesagt haben soll, dass wir Tyresö schlagen werden. Aber wir wissen, dass Tyresö eine wesentlich bessere Truppe hat als wir. Wir haben einfach gesagt, dass wir unser Bestes geben wollen. Alle haben erwartet, dass wir dieses Spiel verlieren. Jeder Punkt ist wichtig in unserer Situation, wir haben drei geholt und das war total verrückt.
Tyresö hat viele Spielerinnen, die sehr gerne dribbeln und wir haben uns darauf konzentriert, dass wir einander helfen, also wenn eine von denen an einer vorbeikam, dann sollte da schon die nächste von uns stehen.

Vor ein paar Wochen wollte ich schon einmal mit Renée sprechen. Damals lehnte sie ab. Das Team stand auf dem letzten Tabellenplatz, mehr oder weniger hoffnungslos und sie sagte, dass sie kaum positive Dinge würde sagen können, deshalb solle ich mich später mal bei ihr melden. Ich erwähnte das in unserem Gespräch, das wir in einem Stockholmer Café führten und fragte die Niederländerin, was sich denn nun eigentlich geändert habe?

Ich glaube, wir haben unsere Sichtweise geändert. Wir wollten immer schönen Fußball spielen, mussten aber einsehen, dass wir so keine Spiele gewinnen können. Jetzt haben wir auch Susan Varli in der Mannschaft. Sie ist jemand, der den Ball halten kann. Wenn wir den Ball nach vorne schlagen, dann kann sie ihn da im Spiel halten oder sogar selber etwas machen.

Renée Slegers im Zweikampf mit Landsfrau Kirsten van de Ven im Spiel gegen Tyresö

Nun spielt ihr am Sonntag gegen Vittsjö? Deine Gedanken zu dem Spiel?

Naja, die haben seit der Sommerpause nicht so viele Punkte gewonnen. Als wir unser Auswärtsspiel da absolviert haben, waren wir besser als die, aber haben verloren. Man muss die ganze Zeit sehr eng bei denen sein. Das haben wir damals nicht gemacht, jetzt aber sind wir als Team viel besser.

Es gab tatsächlich Momente, da dachte Renée Slegers über die nächste Saison nach und dass sie sich vermutlich anders orientieren müsse.

Ich glaube, das ist ganz natürlich. Aber wenn ich bei Djurgården bin, dann ist der Fokus ganz auf das Team eingestellt. Ich bin Fußballspielerin und will mich noch weiterentwickeln.

Mit Sichherheit gehört ein großes internationales Turnier zur Weiterentwiucklung einer Fußballspielerin. Holland hat sich als bester Gruppenzweiter aberals für die EURO qualifiziert, die 2013 in Schweden stattfinden wird.

Als wir gegen Schweden gespielt haben [1:2 in Göteborg], spielten später am Abend Wales und Schottland. Wenn Wales da gewonnen hätte, wären wir schon bester Gruppenzweiter gewesen und hätten eine Party gemacht. Aber nun hat unser Trainer Roger Reijners uns alle nach Hause zu sich eingeladen, da werden wir ein bisschen nach unserem Spiel nächste Woche gegen Frankreich feiern.

Wie denn der holländische Frauenfußball dasteht will ich wissen.

Gerade erst heute morgen rief mich mein Vater an und erzählte, dass in den Medien bei uns immer mehr über Frauenfußball geschrieben wird. Das ist ganz anders als vor ein paar Jahren. Und du hast vielleicht gehört, dass jetzt auch Ajax und PSV mehr in den Frauenfußball investieren wollen und ich glaube, dass das ein sehr wichtiger Schritt ist. Für alle kleinen Mädchen, die irgendwo in Holland Fußball spielen und jetzt träumen, dass sie einmal bei Ajax spielen könnten.

Letztes Mal Halbfinale bei der EURO in Finnland. Wie hoch sind die Erwartungen jetzt?

Ich denke, wir sind Underdogs. Aber Schweden können wir zum Beispiel schlagen, das haben wir in Göteborg gelernt. Deutschland dagegen ist sicher noch ein gutes Stück voraus, da haben wir letztes Jahr 0:5 und vorletztes gar 0:6 verloren. Aber immerhin sind wir jetzt 14. der Weltrangliste.

Wir reden über einen Artikel, den Max Wiman dieser Tage in Sydsvenska Dagbladet geschrieben hat. Während die Männervereine 8,6 Millionen Euro als Startgeld für die Champions League bekommen, erhalten die Frauen 20 000. Da sind wir uns einig, dass zwar ein größerer Unterschied aufgrund des Öffentlichkeitsinteresses berechtigt ist. Aber auch Renée findet, dass die UEFA schon allein aus politischen Gründen mehr in die Entwicklung des Frauenfußballs investieren sollte.

Seit dem Frühjahr ist die 23-Jährige jetzt wieder im Spiel nach einem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr. Die hohe Zahl der Kreuzbandrisse in Schweden (16 bislang nur in der Damallsvenskan) kann sie auch nicht erklären. Ich habe von einigen ausländischen Spielerinnen gehört, dass in Schweden mehr mit Maschinen auf Kraft trainiert wird als in den jeweiligen Heimatländern. Das kann Renée Slegers bestätigen. Auch in Holland werden mehr natürliche Übungen gemacht als hier. Ein wesentlicher Grund aber dürfte auch sein, dass die medizinischen Abteilungen im Frauenfußball oftmals lediglich aus einer Person bestehen. Letztlich also wieder eine Frage des Geldes.

Am Sonntag spielt Renée Slegers im Stockholmer Stadion gegen Vittsjö. Das Stadion ist das alte Olympiastadion von 1912 und fasst rund 30.000. Meist sind aber höchstens 500 da. Ist das nicht etwas deprimierend?

Nein, ich spiele da sehr gerne. Es ist ein toller Rasen und ein sehr schönes Stadion. Der Platz aber ist ein bisschen groß.

Das bringt mich auf das abschließende Thema, ob Frauen nicht doch andere Regeln implementieren sollten, um den Fußball attraktiver zu machen. Man hat über kleinere Tore gesprochen, ein Thema allerdings bei dem Torfrauen allergisch werden.

Ich glaube auch nicht, dass kleinere Tore gebraucht werden. Aber ich habe tatsächlich durchaus daran gedacht, dass man den Platz für uns etwas kleiner machen könnte. Das wäre vielleicht eine Option.

Vom Spiel Djurgården – Vittsjö könnt ihr morgen Abend in diesem Blog lesen.

Göteborg holt den Pokal – und Tyresö geht wohl leer aus

Mit einem durchaus verdienten 2:1 nach Verlängerung gewann gestern Abend Kopparberg/Göteborgs FC den schwedischen Pokal 2012 und verteidigte damit seinen Titel gegen denselben Gegner wie im Vorjahr an gleicher Stelle.

Wieder ging es in die Verlängerung. Christen Press hatte hoch konzentriert aufspielende Gastgeberinnen schon in der neunten Minute in Führung gebracht. Die erste Halbzeit endete mit einem klaren Punktsieg Göteborgs, dass vor allem durch exzellente Defensivarbeit bestach. Zwar hatte Tyresö mehr Ballbesitz und durchaus auch Chancen, aber Göteborg hätte etwa durch einen Freistoß von Yael Averbuch auf 2:0 erhöhen können, aber die nach leichten Rückenproblemen zurückgekehrte Carola Söberg rettete das Millionenteam von Hans Löfgren mit einer Glanzparade vor der Vorentscheidung.

Marta erzielte in der zweiten Halbzeit, das ein deutlich stärkeres Tyresö sah, dann mit einem für sie typischen Treffer den Ausgleich, beide Seiten hätten das Spiel entscheiden können. Press und Kirsten van de Ven hatten weitere Möglichkeiten, am Ende gab es aber ein Unentschieden nach 90 Minuten und wie im Vorjahr Verlängerung.

In der brachte Elaine, die nach er Auswechslung von Emilia Appelquist als Innenverteidigerin eingesetzt wurde, Christen Press regelwidrig zu Fall und die insgesamt schlecht, sehr schlecht pfeifende Unparteiische Linn Andersson zeigte auf den Elfmeterpunkt. Eine vertretbare Entscheidung in diesem Fall. Mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck ließ Marlene Sjöberg Söberg keine Chance. Sjöberg war auch die auffälligste Spielerin auf dem Platz. Sie zeigte eine herausragende Leistung in der Abwehr und bereitete Marta einen eher unerfreulichen Abend. Die Brasilianerin meckerte auch immer wieder und beschwerte sich über Schiedsrichterentscheidungen, manchmal zu Recht, aber oft eben auch leider zu Unrecht.

“Ein tolles Gefühl, den Pokal wieder zu gewinnen. Das war ja unser Ziel und wir haben es geschafft,” sagte Marlene Sjöberg nach dem Spiel zum schwedischen Radio. “Das war ein spezielles Gefühl mit dem Elfmeter. Ich bin ja die Elfmeterschützin der Mannschaft und als wir den Elfer bekamen, habe ich mich nur gefreut. Eine echte Traumsituation, toll. Ich denke wir haben das ganze Spiel wie eine Mannschaft gekämpft. Wir wissen, dass Tyresö individuell so stark ist und dass man die ganze Zeit über sehr aufmerksam sein muss. Aber wir haben wirklich toll gekämpft. Immer wenn sie eine von uns ausgespielt haben, war schon die nächste da und dann so weiter und irgendwann war Schluss.”

“Die haben zwei Tore geschossen und wir eins,” sagte Tyresös Mittelfeldspielerin Caroline Seger nach dem Spiel auf die Frage warum Göteborg gewonnen hat. “Die haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht, aber ich denke das haben wir auch getan. Das war ein Spiel, in dem jeder seine Vorteile hatte. Wir haben bis zur letzten Sekunde gekämpft, dann denke ich, dass wir in den letzten Minuten einen Handelfmeter hätten bekommen müssen, aber da kann man nichts machen. Schade, dass das spielentscheidend ist. Wir sind eine Mannschaft die mit Rückenwind gut spielt und Schwierigkeiten hat, wenn wir Gegenwind bekommen und da haben wir einiges, woran wir arbeiten müssen. Ich glaube, dass viele bei uns frustriert werden und einfach den Kopf hängen lassen, wenn wir Schiedsrichterentscheidungen gegen uns bekommen.”

Marta hingegen übte in einem Interview mit der Zeitung Aftonbladet scharfe Kritik an der Schiedsrichterin. “Wir waren 100mal besser als die. Und die Schiedsrichter dürfen nicht auf einem so niedrigen Niveau pfeifen. Ich bin sehr enttäuscht,” so Marta nach dem Spiel.

Nun sieht es so aus, als ob das wohl teuerste Team der Liga am Ende der Saison 2012 “lediglich” die Qualifikation für die Champions League 2013/14 in den Händen halten wird. Die Meisterschaft MUSS LdB FC Malmö mit fünf Punkten Vorsprung bei drei ausstehenden Spielen einfahren, der Pokal wurde gestern Abend wieder im Trophäenschrank in Göteborg eingeschlossen. Mal schaun, wie es am Tyresövallen 2013 weitergeht.

Die Verträge von Elaine, Madelaine Edlund, Annica Svensson und anderen laufen aus. Marta, Caroline Seger, Vero Boquete sind auch nächstes Jahr vertraglich gebunden.

Möglicherweise wird Löfgren versuchen, noch einmal aufzurüsten, um dann das Gold wirklich ganz sicher zu holen und auch perspektivisch die Champions League gewinnen zu können. Man wird wohl versuchen, Meghan Klingenberg zu behalten. Die Amerikanerin hat sich als Glücksgriff erwiesen und die offensiv weniger starke Annica Svensson auf die Bank verdrängt. Im Tor sehen manche Beobachter noch “Luft”, aber Carola Söberg ist aus meiner Sicht eine sehr stabile und sichere Torfrau. Madelaine Edluind hat ihre große Qualitäten, ist sehr laufstark und mannschaftsdienlich, aber sie lässt einfach zu viele Chancen aus. Zwar hat sie elf Tore in der Liga gemacht, aber andere Stürmerinnen in Spitzenvereinen hätten aus den erstklassigen Vorlagen von nicht zuletzt Marta sicher fast doppelt so viele Tore erzielt.

In der Viererkette hat man mit Röddik Hansen und Klingenberg erstklassige Außen, aber in der Mitte könnte man nach dem Kreuzbandriss von Linda Sembrant auch noch jemanden holen. Fraglich ist nur, ob die Sponsoren des geschickt geknüpften Netzwerks weiterhin bereit sind, tief in die Tasche zu greifen, wenn die Titel ausbleiben, mit denen sie ihre Namen verknüpfen wollen.

Landström schießt Tyresö ab

Debriefing nach dem 0:2 bei Djurgården – Marta und Elaine

Es war die wohl größte Überraschung der Saison.Man kann fast das seltsam zu gebrauchende Wort Sensation in den Mund nehmen.

Der haushohe Favorit Tyresö FF verlor am Samstagnachmittag in einem strahlend sonnigen Stadion in Stockholm gegen den Tabellenvorletzten Djurgården mit 0:2 und es sieht ganz so aus, als ob dieses Spiel die Meisterschaft in Schweden entschieden haben könnte.

“Wir haben darüber gesprochen, dass wir Tyresö schlagen werden. Niemand hat an uns geglaubt, aber wir selber haben das wirklich getan,” so Trainer Patrick Eklöf nach dem Spiel in einer Pressekonferenz, in der vier Vertreter zweier Vereine zwei Journalisten gegenübersaßen. In einem Raum, der sicher 120 – 150 Quadratmeter groß war. Regeln sind Regeln. Der Verband hat den Vereinen mitgeteilt, dass sie Pressekonferenzen abhalten sollen, egal wie viele Medienvertreter anwesend sind. Aber das ist ein anderes Thema.

Djurgården war wirklich bis in die Haarspitzen geladen. Man sieht es auf den Bildern, die ich gemacht habe. Man sah es auf dem Feld, in den Dialogen der Spielerinnen untereinander. Aber Tyresö hatte wesentlich mehr Chancen. Caroline Seger, Marta, Kirsten van de Ven und natürlich immer wieder Madelaine Edlund. Aber die Abwehr kämpfte schon fast heldenhaft. Noch nie habe ich Annika Kukkonen so stark gesehen. Die kleine Finnin stand Marta auf den Füßen, verfolgte sie auf Schritt und Tritt und brachte sie manchmal an den Rand der Verzweiflung. Katrin Jonsdottir brachte ihre Routine aus mehr als 110 Länderspielen für Island in die Waagschale und selbst eine Stürmerin wie Jessica Landström arbeitete defensiv wie selten zuvor.

Apropos, Landström. Selten habe ich die 27-Jährige so gut gesehen wie gestern. Rackerte in der Defensive und warf sich vorne in die Zweikämpfe und – wichtig für eine Stürmerin: Sie schoss die Tore. Caroline Segers Schuss streifte die Querlatte in der 55. Minute, knapp 90 Sekunden später schoss Landström Djurgården in Führung und brachte damit Tyresö in große Verlegenheit. Meist hatte man diese Spiele klar gewonnen, wo man am Anfang Probleme hatte, weil halt alle gegen Tyresö ihr Kämpferherz auspacken. Aber irgendwann ließ die Kraft nach bei den Gegnern. Am Samstag war das anders.

“Wir wussten, dass Tyresö irgendwann einen schlechten Tag haben würde. einen Tag, an dem es bei denen nicht so läuft. Das war heute und wir haben das ausgenutzt,” so Eklöf weiter nach der Begegnung.

Auf der Tribüne stützte Tyresös starker Mann Hans Löfgren in der letzten halben Stunde seinen Kopf auf die Arme auf und als Jessica Landström in der 71. Minute gar auf 2:0 erhöhte, war dem ehemaligen Sportchef wohl klar, dass man heute drei Punkte liegen lassen würde.

Tony Gustavsson versuchte es. Verordnete der Mannschaft eine Dreierkette, aber Marta handelte sich noch eine gelbe Karte ein, die für sie die Sperre im Match gegen Kristianstad am kommenden Wochenende bedeutet.

Gudbjörg Gunnarsdottir. Eine fehlerlose Leistung der 27-´Jährigen Keeperin, die mit einigen unglaublichen Reaktionen wesentlich Anteil daran hatte, dass Djurgården am Ende gewann.

Jessica Höglander. Im Tor von Tyresö stand die U19-Europameisterin und nicht Stammtorfrau Carola Söberg. Aber an Landströms platzierten Schüssen in die rechte Ecke hätte wohl kaum jemand etwas machen können.

Mit dieser Niederlage ist Tyresös Traum von der Meisterschaft wohl ausgeträumt, vorausgesetzt, dass Malmö am Sonntag in Göteborg gewinnt. Während Djurgården, das alle auf der Absteigerliste hatten nun auf einmal wieder Tuchfühlung nach oben bekommen hat nach seinen Heimsiegen gegen Örebro und Tyresö.