Schweden unterliegt Japan – USA so schlecht wie nie

Ich bin nicht in Albufeira oder Faro und tagsüber sitze ich denn auch noch im Büro, während an der Algarve der gleichnamige Cup läuft. Ein Unentschieden hätte Schweden am Nachmittag gegen den Weltmeister gereicht und Linda Sembrant hatte die Blaugelben nach einem Freistoß von Therese Sjögran auch in Führung geköpft, aber Ex-Potsdamerin Yuki Ogimi und Ay Miyama drehten das Spiel. Myama verwandelte in der 89. Minute einen berechtigten Handelfmeter gegen die heute im Tor stehende Carola Söberg. Damit steht Japan im Finale gegen Deutschland und Schweden darf um Platz 3 spielen, gegen China, falls es nicht am Abend gegen Island verliert.

Die dicke Überraschung aber ist das 3:5 der USA gegen Dänemark. Da hatte ich den Däninnen nach 0 Toren in zwei Begegnungen noch fortgesetzte Unfähigkeit, das Tor zu treffen, attestiert, was auch schon in Schweden bei der EURO 2013 das Problem gewesen war – und heute antworten sie mir (SMILE). Fünf Mal musste Weltklassetorfrau Hope Solo hinter sich greifen.

Der dänische Fußballverband freut sich und titelt “Historischer Sieg gegen die USA”auf seiner Homepage. Und das mit gutem Recht. Noch NIE vorher hat eine amerikanische Frauenfußballnationalmannschaft in 90 Minuten fünf Gegentore bekommen. Katrine Veje, Nadia Nadim und Simone Boye Sørensen sorgten für eine sensationelle 3:0 Führung zur Halbzeit. Christen Press erzielte den Anschlusstreffer kurz nach der Halbzeit, bevor Dänemark mit Johanna Rasmussen auf 4:1 davon zog. Sydney Leroux verkürzte und Megan Rapinoe gab den US-Girls Hoffnung, wie so oft schon das Unmögliche möglich machen zu können, aber die eingewechselte Karoline Smidt Nielsen konterte den Amerikanerinnen den fünften Gegentreffer rein.

Nach dem abendlichen, ungefährdeten 3:1 der Deutschen gegen Norwegen gibt es nun ein Finale zwischen Deutschland und Japan. Island schlug in allerletzter Minute China mit 1:0 und schaffte den Einzug ins Spiel um Platz 3 gegen Schweden.

Die Enttäuschungen des Turniers sind definitiv der Weltranglistenerste USA, der wohl noch nie so schlecht an der Algarve abgeschnitten hat (ein Pünktchen aus drei Spielen) nund Vizeeuropameister Norwegen, das ALLE drei Spiele verlor.

Nach neun Runden

Erwartungsgemäß sind Tyresö und Malmö dem Rest des Feldes deutlich voraus. Die letzten vier Spiele des neunten Spieltags fanden vorgestern und vor allem gestern statt

Bereits am Mittwochabend führte Piteå zwar mit 1:0 gegen Linköping, aber Martin Sjögrens junge Mannschaft drehte die Begegnung und wie schon gegen Malmö am Spieltag zuvor wurde die Dänin Pernilla Harder zum Matchwinner für die Gäste. Piteå rutschte nun aufgrund der Donnerstagsergebnisse auf einen Abstiegsplatz, wo es definitiv nicht hingehört. Aber in der nördlichsten Stadt der Liga ist in der Lokalpresse jetzt schon die Devise durchhalten bis zur Sommerpause und Verstärkungen besorgen ausgegeben worden.

Piteå rutschte auf Rang 11, weil Vittsjö bei Mallbacken 3:1 gewann. Erste Niederlage der Värmländerinnen auf eigenem Platz seit zwei Jahren, der Strandvallen mit seinen fehlenden Tribünen (die Zuschauer sitzen meist auf selbst mitgebrachten Stühlen am Spielfeldrand) war eine Bastion. Er ist zudem Schwedens einziger Topfußballplatz, den man nur über eine Schotterstraße erreicht. Großes Pech für Mallbacken und noch mehr wohl fürr die finnische Nationalmannschaft:

Maija Saari, Kapitänin Finnlands und wichtiges Glied in der Abwehrkette Mallbackens, zog sich beim Training unter der Woche einen Kreuzbandriss zu. Maija ist damit schon das zehnte Opfer mit dieser Verletzung in der Damallsvenskan 2013.

Grund zur Freude hatte Finnlands Trainer Andrée Jeglertz auch gestern. Annica Sjölund, 2012 mit Kreuzbandriss ausgefallen, machte ihr erstes Spiel über 90 Minuten daheim gegen Umeå IK: Es kamen für Jitex sehr erfreuliche 900 Zuschauer und sie wurden zudem Zeugen eines eminent wichtigen 2:1 über Umeå. Zweifache Torschützin: Annica Sjölund.

Dass Kristianstad Sunnanå eine deutliche Niederlage mitgeben würde, glaubten wohl alle und tatsächlich gab es für den Aufsteiger (und wohl Absteiger) erneut ein empfindliches 5:1. Marija Banusic schoss das 1:0 schon in der ersten Spielminute, Margret Lara Vidarsdottir traf zweimal und Josefine Öqvist und Johanna Rasmussen je einmal. Mit Banusic hatte ich mich schon für Sonntag in Tyresö für ein Interview nach dem Spiel verabredet, aber die 17-Jährige sah ihre dritte gelbe Karte (wegen Wassertrinken auf dem Spielfeld!) und ist damit gegen Meister Tyresö gesperrt. Für ihre Handverletzung hat man ihr in Malmö übrigens eine Spezialmanschette angefertigt.

 

Damallsvenskan – Mein Tipp für 2013

Heute Nachmittag geht es los, die Damallsvenskan in der EM-Saison 2013 startet mit der Begegnung zwischen KIF Örebro und Mallbacken. Morgen stehen dann weitere drei Partien auf dem Programm, bis der Spieltag am Mittwoch mit Göteborg – Linköping abgeschlossen wird.

Mein Tipp steht schon seit dem letzten Wochenende, hier ist er.

1. Tyresö FF: Das Herzschlag-Finale aus dem letzten Jahr, als Malmö alles in der Hand hatte, wird es dieses Jahr nicht geben. Tyresö hat den besten Kader, mit Abstand. Das Mittelfeld mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist lässt sich nicht toppen. Die Abwehr bleibt der schwächste Mannschaftsteil hier, aber die meisten Teams werden gar nicht viel zum Angreifen gegen Tyresö kommen. Für die Champions League jedoch muss dann 2014 aufgerüstet werden. Christen Press ist die beste Verpflichtung der ganzen Liga. Sie wird Anja Mittag dieses Jahr einen heißen Kampf um die Torjägerinnenkrone liefern.

2. LdB FC Malmö: Wie im Vorjahr Zweiter, dieses Mal aber auf Abstand. Malmö hat mit Manon Melis eine Weltklassestürmerin zurück “nach Hause” geholt, aber werden sich Mittag, Melis, Ramona Bachmann und Elin Rubensson da nicht auch auf den Füßen stehen. Wie klappt das Zusammenspiel? Kann man vor allem Bachmann-Mittag-Melis zu einer Einheit bringen mit sehr gutem Spielverständnis untereinander, kann Malmö sehr gefährlich werden. Therese Sjögran versucht ihr Comeback mit 36, in der Nationalmannschaft wohl zu spät. Wenn Yoreli Rincon (siehe Bachmann-Interview) sich akklimatisieren kann, dann kann sie mit ihrer einzigartigen Technik eins der Ausrufezeichen der Saison werden. Schwäche: Wie bei Tyresö die Abwehr. Zwar sind Lina Nilsson, Malin Levenstad und Amanda Ilestedt Nationalspielerinnen und auch Ali Riley für Neuseeland, keine von ihnen ist jedoch Weltklasse. Wird interessant sein zu sehen, wie Marta, Boquete und Press mit dieser Abwehr umgehen werden,

3. Kopparberg/Göteborgs FC: Jessica Landström kam für Christen Press. Kein Ersatz. Aber die später durch Vermittlung der hervorragenden Anita Asante gekommene Britin Jodie Taylor wird Landström den Startplatz streitig machen. Schnell, physisch und kopfballstark. “Von hinten sieht sie sogar wie Press aus,” scherzte Torbjörn Nilsson, mittlerweile der dienstälteste Trainer der Liga, auf dem Medientreffen am Dienstag. Die Norwegerin Cathrine Dyngvold ist ebenfalls ein großes Talent. Mit Yael Averbuch hat Göteborg darüber hinaus eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Das sieht USA-Trainer Tom Sermanni sicher genauso, denn er hat Averbuch zurück ins USWNT geholt. Es reicht für Platz 3, leider kann sich Göteborg nicht einmischen weiter oben, wo es um die CL-Plätze geht. Da hätte Supersponsor Peter Bronsman seine Versprechung aus dem Herbst Ernst machen und etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Olivia Schough hat durch die Nominierung in die schwedische Natio einen Quantensprung gemacht.

4. Kristianstads DFF: Elisabet Gunnarsdottir arbeitet sich langsam, aber sicher nach oben. Seit fünf Jahren in Schweden strickt die charismatische Isländerin weiter an ihrer Meistermannschaft. “Ein paar Spielerinnen wollten wir nicht mehr haben,” sagte sie mir am Dienstag. In den nächsten Tagen wird KDFF, wie das Team in Kurzform genannt wird, mit einem neuen Youtube-Video von sich reden machen. “Hast du Regie geführt?” fragte ich die 36-Jährige. “Darauf kannst du Gift nehmen,” sagte sie. Offensiv sieht das sensationell aus. Josefine Öqvist gibt in zwei Wochen ihr Comeback nach Babypause, das meiner Meinung nach größte schwedische Fußballtalent seit ?, Marija Banusic, wird für Furore sorgen, wenn sie auf dem Teppich bleibt. Und Beta wies mich darauf hin, dass bald dem 90-Minuten-Einsatz von Margret Lara Vidarsdottir nichts mehr im Wege stehen wird. Beta glaubt an Margret und sieht ihre Rolle hinter Öqvist und Banusic. Und dann gibt es noch die starke Dänin Johanna Rasmussen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl ist nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll im Training und wird im Mai wieder der Trainerin zur Verfügung stehen, sagt sie selber. Das kann weit reichen…

5. Linköpings FC: Voriges Jahr wollten sie mit der Brechstange nach oben. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer… Es ging in die Hose, es gab finanzielle Probleme und geblieben ist erst mal nur Fischer. Geholt hat der unter der Saison gekommene Malmöer Meistertrainer Martin Sjögren aber sehr interessante junge Spielerinnen: U19-Europameisterinnen Magdalena Eriksson und Jennie Nordin für die Abwehr und vorne nach Banusic und Umeås Lina Hurtig wohl das dritte große Talent in der Offfensive: die noch 16-Jährige Stina Blackstenius, die in den Vorbereitungsspielen im Prinzip in jedem Spiel getroffen hat. Leider hat sich Finnlands Rakete Linda Sällström den zweiten Kreuzbandriss innerhalb eines Jahres im gleichen Knie eingefangen , was den Verdacht nahelegt, dass da was falsch gemacht wurde… Im Mittelfeld und offensiv wird die Dänin Pernille Harder der Star. Ich halte Harder ohnehin für eine der begabtesten Spielerinnen Nordeuropas. Charlotte Rohlin ist zurück, mal sehen. Nilla Fischer soll Mittelfeld spielen, sagt Sjögren, entgegen Pia Sundhages ausdrücklichem Wunsch, dass sie auch im Verein in der Abwehr spielen solle.

6. Umeå IK: Ich habe Umeå in Tyresö gesehen in der Vorbereitung (1:1) und hatte wieder mal einen sehr positiven Eindruck von Joakim Blomquists Team. Sein drittes Jahr, der Psychologe tut Umeå gut. Emma Berglund steuert die Abwehr, im Mittelfeld ist man mit Hanna Folkesson enorm verstärkt im zentralen Bereich. Nach oben (1-5) fällt die Offensive trotz Hurtig etwas ab, daher nur Platz 6, denn es wird auch wieder die Downs des letzten Jahres geben, auch wenn man jetzt mit Katrin Jonsdottir Routine in die Abwehr geholt hat.

7. Piteå IF: Anna Westerlund sagte mir (siehe Interview mit ihr) am Dienstag, dass man den achten Platz des Vorjahres unbedingt verbessern wolle. Aber wegen der starken Konkurrenz springt nicht mehr als ein Platz heraus. Ein sehr internationales Team, angefangen bei der australischen Torfrau Lydia Williams, im zweiten Jahr, aber eigentlich neu, da sie sich direkt im ersten Spiel 2012 einen Kreuzbandriss zuzog. Aufgehört bei der neuen nigerianischen Stürmerin Francesca Ordega, die sich sicher erst akklimatisieren muss. In der Abwehr ist Faith Ikidi eine Bank. Ein solides Team mit gutem Publikum.

8. Sunnanå SK: Vielleicht zu optimistisch getippt. Aber der Aufsteiger hat große Tradition in der Damallsvenskan und hat sich auch gut verstärkt. Susanne Nilsson im Tor ist wohl die beste schwedische Torfrau unter 30 (leider hat das Pia Sundhage noch nicht verstanden, Eile ist geboten, da Nilsson auch einen serbischen Pass hat) und mit Annika Kukkonen ist eine hart arbeitende zentrale Mittelfeldspielerin dazu gekommen. Die unverwüstliche und großartige Perpetua Nkwocha wird auch mit 37Jahren noch starke Akzente setzen. Und Carina Holmberg ist Nationalspielerin geworden, sie war schon immer gut, aber diese Nominierung hat ihr sicher noch zusätzlich Flügel verliehen.

9. Vittsjö GIK: Das zweite Jahr ist immer schwieriger als das erste, heißt es, wenn es einem Aufsteiger gelingt, sich in der Liga zu halten… Das klingt gemein, ist aber oft so. Leider hat die starke Amerikanerin Danesha Adams Vittsjö Richtung NWSL verlassen, aber dafür ist mit der Schottin Jane Ross gleichwertiger Ersatz gekommen, sagen die Trainer. Immerhin ist Kendall Fletcher geblieben und wenn es Ifeoma Dieke nach ihrem Kreuzbandriss wieder gelingt, die Vorjahresform zu erreichen und auch noch Sofie Andersson ihre sensationelle Hinrunde wiederholen kann… Ein bisschen zu viel wenn, um weiter oben zu landen, aber Vittsjö wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

10. Jitex BK: Leider. Das versprochene Stadion wird erst gegen Sommer fertig, anders als versprochen und nun müssen die ersten Heimspiele in Lindome gespielt werden, weit vom Schuss, vermutlich vor allem vor Freunden und Verwandten. Ein robustes, physisches Team mit zwei großen schwedischen Talenten, an die ich glaube: Fridolina Rolfö und Mimmi Löfwenius. Eine exzellente Torhüterin mit der Finnin Minna Meriluoto. Wenn Annica Sjölund nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückfindet, dann kann es besser als Rang 10 werden, aber die Konkurrenz ist stark.

11. KIF Örebro: Nochmal leider. Sie haben sich verstärkt mit dem tschechischen Zwillingspaar Lucie und Irene Martinkova, aber sie haben Marie Hammarström verloren, die wohl zentrale Spielerin des gesamten Teams. Das wird ihnen zu schaffen machen, ebenso, dass Edda Gardarsdottir, die hart schuftende Mittelfeldspielerin, mit ihrer Freundin Olina Vidarsdottir nach London gegangen ist. Sarah Michael kann an ihren guten Tagen Weltklasse sein. Örebro wird einige dieser Tage brauchen, um sich in der Liga zu halten.

12. Mallbacken: Wenn schon der eigene Trainer sagt, dass man einen äußerst dünnen Kader und auch schmale Ressourcen hat… Es gibt diese Überraschungsaufsteiger, die selber davon überrascht werden, auf einmal (wieder) in der ersten Liga zu sein. Wenn man dann nicht investieren kann, muss man auch mit dem Schlimmsten rechnen. Gerne hätte Mallbacken ja noch eine Stürmerin verpflichtet, aber Trainer Stefan Johansson sagte auf dem Pressetreffen, dass man keine gefunden habe… Ja, dann.

Zu viele Ausländerinnen in der Damallsvenskan?

Pia Sundhage hat sich aufgeregt. Das tut sie eigentlich oft und gerne und das macht sie auch sympathisch, das sie Gefühle zeigt und voll bei der Sache ist. Manchmal allerdings frage ich mich inzwischen, ob sie sich nicht ein wenig zurückhalten sollte, zumindest in den Medien.

Denn die schnappen dankbar jede Silbe der angehenden Ehrendoktorin, Gastprofessorin, Frau des Jahres 2012, Welttrainerin des Jahres und was weiß ich nicht noch alles, auf.

Am Donnerstagabend war sie wie ich auf dem Malmö IP und sprach anschließend wie immer frank und frei ins Mikrofon der Reporter von Sydsvenska Dagbladet. Dass sie mal besser nichts gesagt hätte, war ihr dabei aber offenbar schon selber klar, denn: “Das jetzt sollte ich eigentlich nicht sagen,” begann Sundhage ihre Ausführungen und echauffierte sich darüber, dass sie zu einem Champions-League-Spiel käme und alles, was sie als Nationaltrainerin beobachten könnte, wären drei Spielerinnen bei Malmö und eine Spielerin des Gegners.

In der Tat begann Malmö die Begegnung mit nicht weniger als acht Ausländerinnen: Thora Helgadottir, Ali Riley, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Manon Melis, Ramona Bachmann, Anja Mittag.

Bei Olympique Lyonnais dagegen standen in der Anfangsformation nicht weniger als neun Französinnen und lediglich Lara Dickenmann und Lotta Schelin haben einen ausländischen Pass.

Eines ist klar. Pia Sundhage hat sich nicht darin einzumischen, wie die Vereine ihre Kader bestücken und welchen Pass die Spielerinnen haben. Und wenn sie in dem oben genannten Interview sagt, dass alles noch vor 5-6 Jahren (bevor sie zuerst nach China und dann in die USA ging) anders gewesen wäre, dann muss sie eigentlich besser als viele andere wissen, dass sich Frauenfußball in 5-6 Jahren enorm entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.

“In Lyon werden ausländische Spielerinnen nur dann verpflichtet, wenn ihre Qualität definitiv besser ist als das, was man auf dem franösischen Markt bekommen kann”, schrieb mir gestern ein Fan aus Frankreich via Twitter.

In Schweden, und da hat Sundhage Recht, ist das augenscheinlich nicht der Fall, auch wohl nicht in Deutschland.

Ich habe mir die aktuellen Kader in der Damallsvenskan angesehen und komme auf folgende Liste ausländischer Spielerinnen. Es sind 66 Spielerinnen. Sie verteilen sich auf: 1. Finnland 9, 2. Island, Nigeria, USA je 7, 5. Dänemark, Holland je 5 und auf zwölf weitere Länder. Bei den Vereinen liegt Malmö klar vorn.

10 LdB FC Malmö: Thora Helgadottir, Ali Riley, Paula Radtke, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt, Yoreli Rincon, Ramona Bachmann, Manon Melis, Anja Mittag

7 Tyresö FF: Line Röddik Hansen, Meghan Klingenberg, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Vero Boquete, Christen Press, Marta

7 KIF Örebro: Stephanie Labbé, Marie-Eva Nault, Susanna Lehtinen, Irena Martinkova, Lucie Martinkova, Sanna Talonen, Sarah Michael

7 Kristianstads DFF: Brett Maron, Sif Atladottir, Nicole Sykes, Gudny Odinsdottir, Margret Lara Vidarsdottir, Johanna Rasmussen, Lorca van de Putte

6 Vittsjö GIK: Lois Geurts, Kendall Fletcher, Ifeoma Dieke, Mandy van den Berg, Kirsty Yallop, Jane Ross

6 Piteå IF: Lydia Williams, Faith Ikidi, Hallbera Gisladottir, Anna Westerlund, June Pedersen, Francesca Ordega

5 Kopparberg/Göteborgs FC: Camille Levin, Anita Asante, Yael Averbuch, Cathrine Dyngvold, Jodie Taylor

4 Linköpings FC: Marianne Gajhede, Renée Slegers, Pernille Harder, Linda Sällström

4 Umeå IK: Katrin Jonsdottir, Ogonna Chukwudi, Rita Chikwelu, Tuija Hyyrynen

4 Sunnanå SK: Carys Hawkins, Helene Ukaonu, Annika Kukkonen, Perpetua Nkwocha

3 Mallbacken: Kaitlynn Fraine, Maija Saari, Hayley Lauder,

3 Jitex BK: Minna Meriluoto, Annica Sjölund, Leena Puranen

Josefine Öqvist spielt für Kristianstad

So allmählich setzt sich das Puzzle der nächsten Saison zusammen. Nachdem am Freitag schon einige spektakuläre Wechsel bekannt wurden, stellte Kristianstads DFF heute am frühen Nachmittag die 70-fache Nationalspielerin Josefine Öqvist als Neuzugang vor.

Öqvist und Kristianstad kommt mehr als erwartet, denn nach der Geburt ihrer Tochter Stella im Juli war die Stürmerin nach Malmö zu ihrem Freund Stefan Lassen gezogen. Lassen steht bei den Malmö Redhawks als Eishockeyprofi unter Vertrag.

Da bei LdB FC Malmö alle Plätze im Angriff besetzt sind, kamen als potentielle Spielorte der 29-Jährigen  nur Vittsjö und Kristianstad in Frage, wenn die Familie zusammen bleiben wollte. Vittsjö war zwar Sechster als Aufsteiger, aber Kristianstad hat das etabliertere Team und dort wird die schnelle Angreiferin nun neben Johanna Rasmussen, Susanne Moberg und Jungstar Marija Banusic eine starke Offensive bilden.

Wie üblich spare ich mir die formelhaften Aussagen auf Pressekonferenzen bei der Vorstellung neuer Spielerinnen.

Das Wunder von Kristianstad blieb aus

In Kristianstad konnte Djurgården das Wunder von Berlin nicht wiederholen. Jetzt kann nur noch eine Steigerung des Begriffes den Traditionsverein vor dem Abstieg retten. Nach 48 Minuten lag Djurgården gegen die Gastgeberinnen von Kristianstads DFF mit 0:3 hoffnungslos zurück.

Emelie Johnsson, Margret Lara Vidarsdottir und Johanna Rasmussen hatten getroffen und als die Niederländerin Renée Slegers den Anschlusstreffer erzielte, schien das eher ein Ehrentreffer zu sein, denn Rasmussen erhöhte kurz darauf auf 4:1.

Djurgården, das schon ab der sechsten Minute Sofia Nilsson durch Anna Lindblom ersetzen musste, warf nun alles nach vorne und kam in der Tat zum Erfolg. Nochmal Slegers und Mia Jalkerud und sieben Minuten vor dem Ende hieß es nur noch 3:4 aus Sicht der Stockholmerinnen, dabei blieb es aber dann.

Der Abstieg dürfte die Konsequenz sein und was dann aus den Schlüsselspielern Gudbjörg Gunnarsdottir, Sofia Nilsson, Katrin Jonsdottir, Renée Slegers, Annika Kukkonen, Jessica Landström und Susan Varli wird, wird man abwarten können. Jonsdottir hat vor kurzem gesagt, dass sie auf jeden Fall die EURO 2013 für Island spielen will. Dazu braucht sie aber dann einen guten Verein. In Stockholm wird sie nicht mehr erstklassig spielen können. Gleiches gilt für Kukkonen und Slegers, die für Finnland und Holland EM spielen wollen. Susan Varli hat kürzlich beim D23-Länderspielsieg gegen Norwegen beide Tore geschossen und dürfte ebenfalls auf sich aufmerksam gemacht haben. Und auch Kapitänin Gunnarsdottir sollte nach vier Jahren Stockholm wohl die Koffer packen, wenn sie sich fußballerisch weiterentwickeln will. Sie ist bei vier Jahren Altersunterschied die designierte Nachfolgerin der Klassetorhüterin Thora Helgadottir in der isländischen Nationalmannschaft.

Aus die Maus

Nach dem Weggang von Kosovare Asllani zu dem Verein, der Europas Nr. 1 im Männer- UND Frauenfußball werden will (Paris St. Germains), der rätselhaften Ohnmacht von Susanne Moberg im Spiel gegen Göteborg sowie dem Kreuzbandriss von Hedvig Lindahl, dazu noch dem Lapsus, dass man in der Vereinsführung “übersehen” hatte, dass die meisten Verträge vor Ende der Saison auslaufen (wir haben über jede einzelne Nachricht hier berichtet), fuhr der Tabellenelfte AIK nicht ohne Hoffnung nach Südschweden. Drei Punkte hier und die Jagd auf einen Platz in der Liga 2013 wäre noch einmal spannend geworden.

Aber Islands Trainerfüchsin Elisabet Gunnarsdottir nutzte all die negativen Nachrichten der letzten Tage aus, um ihre Mannschaft so richtig heiß zu machen. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase übernahm Kristianstad das Kommando und gab es bis zum Schluss nicht mehr ab.

Für Susanne Moberg natürlich ein Riesending, nach einer zittrigen Woche und zahlreichen Untersuchungen im Krankenhaus, in der 23. Minute das 1:0 zu machen. Die Schützin des 2:0 per Foulfelfmeter braucht ebenfalls Selbstbewusstsein: Margret Lara Vidarsdottir gelang das 2:0 und am Ende sorgte die Dänin Johanna Rasmussen dafür, dass AIK wieder ans Tabellenende rückte und wohl endgültig 2013 in der neuen Liga 2 sein Glück versuchen muss. Theoretisch ist noch immer alles möglich, Artikel hierzu folgt später.

 

Halbzeit (9): Umeå IK

Joakim Blomkvist wirkt etwas ratlos

Als ich anfing, über Frauenfußball in Schweden zu schreiben, gab es eine Mannschaft, die alles dominierte: Umeå IK. Sie waren das Maß aller Dinge, sie hatten den “vinnarskalle”, den Sieger(innen)schädel, und setzten sich am Ende immer wieder durch. Manchmal auch schon viel früher mit gehörigem Abstand zum Rest des Feldes, das nur ehrfürchtig und bewundernd gen Norden blicken konnte, immerhin liegt die 100.000-Einwohnerstadt gut 800 km oder eine Flugstunde nördlich von Stockholm.

Damals hieß der Sportdirektor Roland Arnqvist, im Team gab es Spielerinnen wie Malin Moström, Anna Sjöström, Marta, Elaine, Maria Bergkvist und last but not least Hanna Ljungberg.

Das ist noch nicht so furchtbar lange her, aber wenn man UIK nach der Hälfte der Saison an neunter Stelle wiederfindet, dann weiß man, das es bergab gegangen ist. 2009 setzte die große Spielerinnenflucht ein, da verschwanden nach Marta auch Ramona Bachmann, Johanna Rasmussen, Mami Yamaguchi, Madelaine Edlund und Elaine Richtung USA, es gab ein mittelmäßiges Jahr, aber letztes Jahr war Umeå fast bis zum Ende der Saison imstande Meister zu werden. Ramona war zurück in der Stadt, die für sie neben Luzern als zweite Heimat erschien und Umeå spielte unter seinem jungen Trainer Joakim Blomqvist einen herzerfrischenden, attraktiven Fußball.

Zu dieser Saison gingen dann wieder einige. Bachmann wollte CL spielen und folgte dem Lockruf Malmös, Sofia Jakobsson ließ sich im Nordosten Moskaus in Rubel bezahlen und mit Hanna Pettersson verschwand eine weitere Goalgetterin, in diesem Falle nördlich nach Piteå. Und Umeå spielt wieder eine mittelmäßige Saison. Es fing so gut an mit dem 4:1 gegen Vittsjö, dem darauf folgenden Auswärtssieg in Örebro.

Da dachte man, dass man Umeå und seinen vielbeschworenen Kampfgeist wieder einmal unterschätzt hatte. Leider war es nicht so. Die Doppelklatsche am vierten und fünften Spieltag mit dem 1:7 in Malmö und danach daheim 1:5 gegen Tyresö versetzte dem Team einen Schock, von dem es sich nicht mehr erholte. Nach beiden Niederlagen sprach ich mit Kapitänin Emma Berglund, die heute Abend gegen Südafrika wohl von Beginn an für Schweden auflaufen wird, und Emma versicherte mir, dass man diese beiden Spiele abhaken würde und dass man nach vorne blicken würde. Es folgte das 0:1 bei Abstiegskandidat Djurgården.

Lediglich der Sieg bei Kristianstad machte zwischendurch etwas Mut. Absteigen wird Umeå nicht und auch wenn sich von den in der Tabelle weiter zurückliegenden Stockholmer Vereinen AIK und Djurgården einige Hoffnung machen, dass man just Umeå einholen könne, dann denke ich, dass man sich irrt. Das Spielermaterial, wie man so unschön sagt, reicht aus, um in der Damallsvenskan zu bestehen. Vor dem nächsten Jahr wird sich dann jedoch die Frage stellen, wohin Umeå gehen wird bzw. kann. Langfristig bedarf es Investitionen um die Klasse zu erhalten und sich nach oben zu orientieren.

Elfer in der 93. Minute entscheidet

Mit einem in der dritten Minute der Nachspielzeit erzielten Tor per Foulelfmeter gelang es Kristianstads DFF gestern Abend einen zweimaligen Rückstand mit 0:1 und 1:2 noch in einen 3:2 Sieg umzuwandeln und damit den vierten Platz in der Tabelle vor der Sommerpause zu stabilisieren.

Ausgerechnet die aus Kristianstad nach Tyresö und weiter nach Piteå gezogene Sofie Persson versenkte den Ball nach drei Minuten per Freistoß im Netz zur Gästeführung. Johanna Rasmussen konnte ausgleichen, ehe abermals Piteå durch die Norwegerin June Pedersen die Gäste drohten, etwas überraschend drei Punkte mit in den hohen Norden zu nehmen. Aber Becky Edwards mit ihrem ersten Tor in der Damallsvenskan und Kosovare Asllanis verwandelter Elfer drehten das Spiel, das Trainerin Beta Gunnarsdottir zum wichtigsten Spiel des Jahres erkoren hatte, weil es für sie darum ging, Richtung Spitze zu kommen und sich vom Mittelfeld abzusetzen.

“Dass wir zweimal zurücklagen, spiegelt meiner Meinung nach das Spiel überhaupt nicht. Die hatten zwei Chancen und haben zwei Tore gemacht,” so die Isländerin zu Norra Skåne.

Piteås Assistenztrainer Lennart Hedkvist war sehr unzufrieden mit der Schiedsrichterleistung. Bei allen Toren Kristianstads hatte er Regelwidrigkeiten gesehen. Gunnarsdottir reagierte darauf: “Ich bin überhaupt nicht seiner Meinung. Wir waren das klar dominierende Team auf dem Platz. Das erste, was ich gemacht habe, bevor ich zur Pressekonferenz rauf kam, war mir das Video mit dem Elfmeter anzusehen. Das war ein klarer Elfmeter. Ich kann nicht verstehen, wie man sich darüber aufregen kann.”

Die breite Mitte

Das Mittelfeld in dieser Saison ist groß. Bald wird auch der Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK dazugehören, der heute mal wieder ein Spiel verlor, erst die dritte Niederlage im zehnten Spiel bei sieben Siegen. Immerhin 2.700 Zuschauer kamen zum Skåne-Derby nach Kristianstad und nach dem Tor durch Emma Sjödahl in der 58. Minute ging man scheinbar in Richtung Sieg Nummer acht.

Aber die Dänin Johanna Rasmussen drehte den Spieß um. Der Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß und dann auch das 3:1 nach einer “verunglückten” Flanke gingen auf ihr Konto, dazwischen bediente sieKatrin Omarsdottir, die den Führungstreffer erzielte. Nach dem Rückstand spielte Kristianstad mit einer Dreierkette und setzte alles auf Offensive.

Ex-Kristianstadspielerin Sofie Andersson: “Wenn man nicht sein normales Niveau erreicht, muss es wohl so ausgehen.”

Dass KIF Örebro kein Team ist, das im Abstiegsstrudel beheimat sein sollte, hatte man zuletzt bei zwei Heimniederlagen gezeigt (!). Sowohl gegen Vittsjö wie gegen LdB FC Malmö hatte es jeweils ein 3:4 gegeben, gegen Malmö verlor man erst in der Nachspielzeit. In einem ausgeglichenen Spiel in Göteborg gegen Jitex konnte man heute den Erfolg ernten. Linda Franssons Tor blieb das einzige der Begegnung, Örebro ist immer noch Zehnter mit nun zehn Punkten, aber wieder auf Tuchfühlung zum Mittelfeld, in dem Jitex mit 12 Punkten nun näher gekommen ist. Nationalspielerin Sara Larssón wurde nach ihrer Fersen-OP erstmals wieder eingewechselt, sie spielte sieben Minuten. Einige glauben, dass Thomas Dennerby die Innenverteidigerin noch diese Woche in seinen Olympia-Kader berufen könnte, was sicher sehr gewagt wäre.

Umeå und Göteborg trennen doch Welten mittlerweile. Umeå bleibt auf dem neunten Platz nach einem nie gefährdeten 3:0 Sieg Göteborgs in der T3-Arena in Umeå. Sara Lindén, Linnéa Liljegärd und Olivia Schough machten die Tore. Im Mittelfeld gibt es doch Unterschiede. Göteborg führt es auf Platz vier an und Umeå ist Neunter.

 

Potsdam und Wolfsburg wollen Rasmussen

Die fürKristianstads DFF spielende Dänin Johanna Rasmussen ist sowohl für Turbine Potsdam wie auch für den VfL Wolfsburg interessant.

Dies meldet die Lokalzeitung Kristianstadsbladet. “Wir werden neue Spielerinnen brauchen und in Kristianstad gibt es mehrere talentierte und gute Spielerinnen, die in die Bundesliga passen würden,” wird Potsdams Trainer Bernd Schröder zitiert.

Der hat bereits Antonia Göransson und Margret Lara Vidarsdottir nach Deutschland geholt. Besonders Göransson steigert sich von Spiel zu Spiel und ist sowohl bei Potsdam wie auch in der schwedischen Nationalmannschaft zu einer gesetzten Größe geworden.

Rasmussen hingegen sagt, dass man mit ihr noch keinen Kontakt aufgenommen habe. Auch der VfL Wolfsburg soll Interesse haben. Trainerin Beta Gunnarsdottir scheint das gelassen zu sehen. “Keine Spielerin wird vor dem Ende der Saison den Verein verlassen,” sagt die Isländerin.

Silly Season (3): Kristianstad und Djurgården

So richtig in Gang gekommen ist das neue Jahr im schwedischen Frauenfussball noch nicht. Das Transferfenster steht offen, aber passiert ist noch nicht viel. Heute die vorläufige Zusammenfassung für zwei Clubs, die schon den einen oder anderen Neuzugang verbucht haben.

Kristianstads DFF belegte letzten Endes doch wieder “nur” den siebten Tabellenplatz. Aber von finanziellen Turbulenzen wie 2010 war dieses Mal aus Skåne wenig zu lesen, lediglich Steuerschulden in Höhe von rund 3.000 € tauchten in der Öffentlichkeit auf, die der Verein nach eigener Aussage sofort beglich. Was allerdings aus Kristianstad zu hören war, waren Streitigkeiten und Rücktritte innerhalb der Vereinsführung. Auf der einen Seite Trainerin Elisabet “Beta” Gunnarsdottir aus Island und auf der anderen Seite Vereinsboss Pierre Persson und Kanzleichef Markus Nilsson. Beide Männer haben den Verein inzwischen verlassen. Es hieß, dass das Verhältnis zwischen Trainerin und Vereinsboss lange infiziert gewesen sei. Das war soweit gegangen, dass man schon mehr oder minder offen mit Linköpings Trainer Jörgen Pettersson um die Nachfolge Gunnarsdottirs verhandelt hatte. Die Isländerin zu der Angelegenheit: “Wenn man einen Verfein unzufrieden verlässt, denke ich, dass das ganz schön mies ist. Dann ist man zu weit gegangen,” sagte sie im November der Zeitung Kristianstadsbladet.

Aus mehreren Quellen war zu hören gewesen, dass Elisabet Gunnarsdottir einigen Spielerinnen Katzenfutter ins Essen beigemischt habe. “Natürlich habe ich als Cheftrainerin einer Spitzenmannschaft dem Essen kein Katzenfutter beigemischt. Das war ein interner Scherz, an dem kein Fünkchen Wahrheit war. Man muss mit seiner Mannschaft Witze machen können ohne dass jemand vor der Tür steht und zuhört. Viel zu viele mussten sich diesen Scheiß anhören. Es ist ja wirklich ernst, wenn Leute solche Sachen glauben.”

Wie auch immer. Nachdem Persson den Verein verlassen hat, ist Elisabet Gunnarsdottirs Position in Kristianstad wohl unangefochten. Sie ist sehr ehrgeizig, die einzige weibliche Trainerin der Damallsvenskan und für die neue Saison hat sie einige Verstärkung bekommen. Zum einen hat die starke Dänin Johanna Rasmussen ihren Vertrag verlängert. Sie war gegen Ende der Spielzeit vom WPS-Club magicJack gekommen und sie wird 2012 bleiben, auch weil der Weg in die dänische Heimat kurz ist. In der Offensive wird Kristianstad verstärkt durch Kosovare Asllani. Nach einer durchwachsenen Saison konnte sich die 22-Jährige nicht in den WM-Kader Thomas Dennerbys spielen und auch in Linköping kam sie mit der Vereinsführung nicht überein. Man wollte ihr einen Einjahresvertrag geben, hieß es, sie wollte mehr. Also bot sich die Chance, die 31-fache schwedische Nationalspielerin abzuwerben. Elisabet Gunnarsdottir setzte sich der Legende nach ins Auto und fuhr 350 km nach Linköping und sprach drei Stunden lang mit der Spielerin, die manchmal Dinge sagt, die man besser nicht sagen soillte (etwa “Ich schaue mir nie Frauenfußballspiele an, das ist einfach zu langweilig”), dann war die Sache klar. Der schmerzende Abgang von Margret Lara Vidarsdottir, Gunnarsdottirs isländischer Landsfrau und Fußballerin des Jahres 2011 auf der Vulkaninsel, war kompensiert. Ist er das? Wohl kaum wird Asllani ähnlich viele Tore erzielen wie Vidarsdottir, aber mit Neunationalspielerin Moberg, Asllani und Rasmussen verfügt Kristianstad dennoch über eine interessante Offensive.

Djurgårdens große Zeiten scheinen auf unabsehbare Zeit vorbei zu sein. Dennoch hat der neue Trainer Patrick “Putte” Eklöf Ambitionen. Er will die Mannschaft zumindest wieder in die obere Hälfte der Tabelle führen, wo sie einmal zu Hause war, zuletzt immerhin 2009. Aber aus der Startformation, die am 01. November 2009 die Meisterschaft zugunsten Linköpings entschied, sind lediglich Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir und Abwehrspielerin Freja Hellenberg übrig. Emma Lundh ist gestern nach Linköping umgezogen und ihr Weggang stellt Eklöf offensiv vor gewisse Probleme. Denn das Duo Jalkerud – Lundh hatte dafür gesorgt, dass man mit dem Abstieg 2011 gar nichts zu tun hatte. Die 22-Jährige adäquat zu ersetzen, dürfte schwer sein. Vielleicht soll es ja die 21-Jährige Jessy Sharro werden, die in dieser Saison bei Absteiger Hammarby früh nach einem Kreuzbandriss ausfiel und die wie zwei weitere Spielerinnen zu Djurgården “übergelaufen” sind. Anna Lindblom ist vielleicht die beste Neuverpflichtung auf kürzere Sicht. Langfristig ist es wohl Magdalena Ericsson. Lindblom und Ericsson verstärken die Abwehr von Djurgården. Im Mittelfeld wird die Holländerin Renée Slegers nach ihrem Kreuzbandriss zurückkommen, bislang nicht bekannt ob die beiden Isländerinnen Katrin Jonsdottir und Dora Maria Larusdottir ihre Verträge verlängern. Jonsdottir ist Ärztin, der Aufenthalt in Stockholm passt in die Familienplanung der 34-Jährigen. Matilda Mörn macht mit 22 Jahren mindestens eine Pause vom Spitzenfußball, Ellinor Lindbom macht die gegenläufige Bewegung und geht zu Hammarby in die zweite Liga und Caroline Lundberg zieht zurück nach Uppsala.

Erster Saisonsieg für Hammarby

Katie Kelly, Tino Katsoulakis, Elisabet Gunnarsdottir, Susanne Moberg auf der Pressekonferenz nach dem Spiel

Eigentlich war es am Sonntag gelaufen. Auch im zweiten Spiel gegen Konkurrent Piteå hatte es eine Niederlage gegeben, 1:2. Das rettende Ufer war sieben Punkte weg. Wie motiviert man eine Mannschaft, die in 13 Spielen nicht gewonnen hat dafür, dann das 14. Spiel zu gewinnen?

“Da gibt es nur ein Wort und das ist Hammarby,” sagte Trainer Tino Katsoulakis nach dem 1:0 Sieg gegen Kristianstads DFF. “Wir haben Erfahrung aus allen möglichen Situationen und wir wissen, dass es mal so aussehen kann. Wir geben niemals auf, wir gehen einfach raus und spielen. Wir werden das Äusserste tun, um uns zu retten.”

Es war ein kampfbetontes Spiel und als ich gut fünf Minuten vor Anpfiff auf dem Hammarby IP eintraf, war ich gelinde gesagt geschockt, Torhüterin Minna Meriluoto in zivilen Kamotten ausserhalb der Caféteria zu sehen. “Was machst du denn hier?” rutschte mir dann raus. Die Finnin hat sich im letzten Spiel gegen Piteå eine Verletzung des musculus iliopsoas zugezogen. Auf Schwedisch nennt man das funktional “höftböjare”, den Hüftbeuger, der im Unterbauch sitzt und die Beweglichkeit von Hüfte, Bein und Bauch garantiert. Ein ziemlich zentraler Muskel, das könnte ein paar Wochen dauern, bis Minna wieder fit ist. Und das in der prekären Situation ihres Teams.

Tino Katsoulakis weiss, was er an Minna Meriluoto hat. Sie ist nun zum zweiten Mal in dieser Saison verletzt (sie hatte einen komplizierten Daumenbruch vor der Sommerpause) und wieder rückte Veronica Arneflod kurzfristig ein. Sie gehört nicht zum Kader, sie trainiert auch nicht, aber Tino ruft sie an, wenn Not an der Frau ist. Arneflod machte ihre Sache erneut sehr gut.

Torchancen hatte Kristianstad ein halbes Dutzend. Glasklare Chancen, meinte deren Trainerin Elisabet Gunnarsdottir in der Pressekonferenz. “Ich bin sehr enttäuscht von meinem Team. Wir hatten sechs, sieben Riesenchancen, meist aus zwei Meter Entfernung und bringen den Ball nicht rein. So enttäuscht war ich in den ganzen drei Jahren in Schweden noch nicht,” sagte die Isländerin.

Dabei war ihr Team nicht so überlegen, wie sie nachher analysierte. Auch Hammarby hätte so gesehen mehr Tore machen können. Das Spiel war relativ ausgeglichen mit leichten Vorteilen Kristinstads. Aber Johanna Rasmussen kam nicht o zum Zuge wie noch gegen Djurgården am Sonntag, Und “Hammarbys Spielerin im rechten äusseren Mittelfeld” habe ihrem Team immer wieder zu schaffen gemacht, sagte Gunnarsdottir. Das war Leena Puranen, die eine hervorragende Leistung zeigte. Das Tor aber machte Neuzugang Katie Kelly.

“Der Ball kam an die Strafraumgrenze zu mir und genau da soll ich stehen, um Abpraller aufzunehmen,” sagte Katie nach dem Spiel. “Als das Ding dann kam, schoss ich mit links und wollte flach schiessen und hart, vielleich einen Abpraller produzieren und der Ball ging durch alle hindurch und die Torhüterin hat ihn gar nicht gesehen,” so Kelly stolz.

Hedvig Lindahl hatte am Treffer keine Schuld. Aber in der ersten Halbzeit hätte es beinahe eine Neuauflage des 1:3 Tores Japans gegen Schweden bei der WM gegeben. Lindahl ging zu weit aus dem Tor, bolzte den Ball weg und aus knapp 30 Metern versuchte sich Mannschaftskapitänin Matilda Agné und ihr Versuch ging einen halben Meter übers Tor, Lindahl hätte keine Chance gehabt.

Hammarby ist jetzt fünf Punkte hinter Piteå und Jitex, noch immer eine Art “mission impossible”. Yamaguchi ist wieder da, Meriluoto weg, das gleicht sich leider aus. Nächster Gegner ist Tyresö auswärts. Die Konkurrenz Piteå und Jitex spielt in Nordschweden gegeneinander.

Für Dalsjöfors auf dem letzten Platz ist der Spieltag natürlich ein Rückschlag. Man liegt jetzt fünf Punkte hinter dem Vorletzten und zehn Punkte hinter dem angestrebten zehnten Platz.

 

 

Viermal Fussball am Mittwoch – Vorschau

Heute Abend um 19.00 Uhr gibt es vier Spiele in der Damallsvenskan. Dafür ist am kommenden Wochenende spielfrei, da das Wochenende Platz für Länderspiele lassen sollte. Schweden allerdings spielt nicht, noch gibt es in der zweiten Jahreshälfte keinen offiziellen Länderspielgegner oder -termin. Im Gegensatz zu etwa Deutschland ist Schweden für die Olympiade 2012 in London qualifiziert und muss ausserdem keine Qualifikation für die EM 2013 im eigenen Land spielen.

Da Schweden nicht spielt am Wochenende haben Dalsjöfors und Göteborg ihr Spiel auf Samstagnachmittag verlegt. Alle anderen spielen jedoch heute und morgen.

Der frischgebackene Tabellenführer Umeå IK empfängt im “Lokalderby” Piteå IF. Lokalderby in Anführungszeichen, weil die Spielerinnen aus Piteå immerhin 213 km Busfahrt vor sich haben, aber 213 km sind in Nordschweden keine Entfernung.

Piteå hat vermutlich durch seinen Heimsieg am Sonntag gegen Hammarby den Klassenerhalt gesichert und durch die beiden Neuzugänge Carmelina Moscato und Melissa Tancredi neues Selbsbewusstsein getankt. Sicher kann sich Umeå nicht fühlen, weil die nordschwedische Konkurrenz in der Tat immer Derbycharakter hat. Dennoch, am Gammliavallen in Umeå dürfte eine Zuschauerzahl von 2.000 zustande kommen und mit ihren international hervorragenden Spitzen Bachmann/Jakobsson sollte Umeå gewinnen. ffschweden tippt: 3:1.

Malmö sieht sich nun in der Rolle des Jägers. Fast schon ein wenig Verzeiflung spricht aus den Worten von Clubdirektor Niklas Carlnén, wenn er Therese Sjögran diese Woche noch nach Malmö beordert und davon spricht, dass man in jedem Fall eine weitere Verstärkung noch holen wird – wenn sich die Gerüchte um Caroline Seger zerstreuen sollten, jemand anders. In dieser Situation kommt ein Gegner wie Jitex gerade recht. Spielerisch nicht sonderlich gewieft, kämpferisch stark, aber in der schwierigen zweiten Saison. Malmö bis auf Öyangen Örntoft in Bestbesetzung. ffschweden tippt: 4:0.

Linköping und Örebro. Das riecht förmlich nach einem weiteren 0:0. Aber beide Teams haben Ambitionen nach oben und können sich kein Unentschieden leisten. Linköping muss klettern, um die Sponsoren schon mit Blick auf 2012 spendabel zu stimmen. Beide Teams sind in etwa gleich stark. Linda Sällström entscheidet. ffschweden tippt: 1:0.

Tabellenvorletzter Hammarby ist der Verein ganz unten, der sich nur mit einer Spielerin verstärkt hat. Katie Kelly kann es alleine auch nicht aus dem Feuer holen, aber offenbar fehlen Geld und leider auch Engagement, um die Mannschaft noch zu retten. An den Spielerinnen und am Trainer liegt es nicht, aber sie brauchen Hilfe. Kristianstad kommt mit seiner fussballbesessenen Trainerin Beta Gunnarsdottir und der wieselflinken Dänin Johanna Rasmussen. Leider. ffschweden tippt: 0:2.

Gameday

Vier Spiele schliessen heute den 13. Spieltag der Damallsvenskan ab. Bis auf eines ausnahmslos wichtige und möglicherweise vorentscheidende Spiele.

Bereits in acht Minuten startet die Begegnung zwischen Jitex und Umeå IK in Mölndal. Jitex hängt noch mit einem halben Bein im Abstiegsstrudel auf Rang 9, ist aber relativ sicher. Umeå dagegen hat nach zwei Unentschieden in Folge gegen den Meister Malmö weiterhin nur ein Pünktchen Rückstand. Will man Meister werden, muss man heute auswärts gewinnen. Effektivität Umeås siegt. ffschweden tippt: 1:3.

Um 16.00 Uhr dann steigt in der LF Arena in Piteå das möglicherweise alles entscheidende Spiel gegen den Abstieg für vor allem Hammarby. Eine Niederlage und man ist mit ziemlicher Sicherheit draussen. Ein Unentschieden wäre auch das eine denkbar schlechte Ausgangsbasis für die letzten neun Spiele. Also muss ein Sieg her. Piteå mit den neuen Kanadierinnen Carmelina Moscato und Melissa Tancredi, Hammarby mit Katie Kelly, aber immer noch ohne Mami Yamaguchi. ffschweden tippt: 2:0.

Um dieselbe Zeit treffen zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen die beiden “isländischen Clubs” der schwedischen Liga aufeinander. Kristianstad und Djurgården. Die Dänin Johanna Rasmussen debütiert auf Vilans IP, Djurgården ist ein Muster an Effektivität. ffschweden tippt: 2:2.

Last but not least muss Meister Malmö beim Vizemeister Göteborg antreten. Hinspiel 1:1 in Malmö. Gewinnt Malmö, marschiert es wohl wieder Richtung Titel, denn wenn die WPS zu Ende ist kommt Therese Sjögran zurück (heute Abend wichtiges Spiel ihres Vereins Sky Blue gegen Boston) und möglicherweise auch noch Caroline Seger vom Tabellenführer Western New York Flash. Aber Göteborg darf nicht verlieren, sonst ist die Saison endgültig verkorkst. ffschweden tippt: 1:1.

Schaun mer mal. Spielberichte, Ergebnisse usw. heute Abend an dieser Stelle.