Pia Sundhage und die Medien

Kosse

Natgionalspielerin Kosovare Asllani beim Pressetreff im Februar in der Friends Arena – zu schlank?

Ich habe es schon an anderer Stelle hier geschrieben. Pia Sundhage sagt manchmal Dinge, über die sie besser nachdenken sollte, bevor sie sie äußert. Das heißt nun nicht, dass ich sie nicht für eine insgesamt großartige Trainerin mit sehr viel Fußballwissen und vielleicht vor allem der nicht häufigen Fähigkeit, eine Mannschaft zu extremen Leistungen zu motivieren halte.

Vor drei Wochen habe ich ein langes Interview mit Lotta Schelin gemacht, das sicher hier noch Niederschlag finden wird. Aber während die 29-Jährige Schelin sehr genau weiß, was sie der Öffentlichkeit mitteilt, scheint die 53-Jährige Sundhage durchaus Beratung zu brauchen.

Es sei denn, all ihre teilweise provokanten Äußerungen sind Teil eines genialen, für die meisten Beobachter noch unverständlichen Plans.

Da waren die öffentlichen Äußerungen darüber, dass sie mehr von Lotta Schelin erwartet, sie sei der Star des Teams, sie müsse mehr leisten. Oder die anderen müssten alle für Schelin rackern und kämpfen, damit sie glänzen kann. Denn wenn sie glänze, glänze Schweden.

Da war die Äußerung über Kristin Hammarström, mit deren Fußarbeit als Torhüterin Sundhage nicht zufrieden war. “Die muss nach Hause gehen und trainieren, trainieren, trainieren.” Die Konsequenz: Hammarström spielte fortan in jedem Spiel von Anfang an.

Da war die Äußerung in Malmö, als Pia sich darüber ärgerte, dass in der Startformation Malmös acht Ausländerinnen standen und dass schwedische Talente so auf der Strecke blieben. Malmös Mittelfeldspielerin Lisa Ek hat dazu in ihrem Blog erst jetzt eine wunderbare, emotionale Antwort geschrieben.

Da die meisten Leser dieses Blogs wohl kein Schwedisch können, will ich Lisas Argumente kurz wiedergeben:

Am Beispiel von Yoreli Rincon macht Ek deutlich, dass es ausländische Spielerinnen aus durchaus schwierigen Verhältnissen in der Heimat gibt, die alles dem Ziel unterordnen, eine gute Spielerin im Ausland zu werden. Es gäbe viele schwedische Spielerinnen, die nicht bereit wären, umzuziehen, um für einen anderen Verein zu spielen, bei dem sie der Elite näher kommen könnten. Sie bleiben lieber bei ihrer Familie, ihren Freunden, ihrer Arbeit, ihrem Studium und gehen Kompromisse ein. Das sei völlig legitim, aber diese Spielerinnen bräuchten sich dann auch nicht zu wundern, wenn ihre potentiellen Plätze in anderen Clubs von Ausländerinnen besetzt würden.

“Ich bin jedes Mal glücklich und stolz, wenn ich zum Training komme und sehe, wie Anja [Mittag] einen Ball ins Eck dreht, Ramona [Bachmann] vier andere einfach wegdribbelt, [Sara] Björk [Gunnarsdottir] den Yoyo-Test macht und Elin Rubensson Salz in ihre Trinkflasche träufelt, weil sie gelernt hat, dass ihr Körper so die Flüssigkeit länger behält.[...] Es gibt eine Menge anderer Sachen, die unsere ausländischen Spielerinnen mitbringen. Die deutsche Siegermentalität, die neuseeländisch/amerikanische Einstellung, dass wir das schaffen können oder die beinharte isländische Kampfesmoral. Indem wir täglich mit all diesen Kulturen zu tun haben, werden wir nicht nur bessere Fußballspielerinnen, sondern auch bessere Menschen. Davon bin ich total überzeugt.”

Aber Pia Sundhage wettert nicht nur gegen zu viele Ausländerinnen in einer sich globalisierenden Welt. Am Wochenende erklärte sie in einem Interview mit Sydsvenska Dagbladet auch, dass einige ihrer Nationalspielerinnen zu schlank seien.

“Ich glaube nicht, dass man es schafft, sechs Spiele auf dem höchsten Niveau absolvieren kann und im gleichen Atemzug glaubt, dass man dabei schlank wie ein Strich sein kann. Es gibt eindeutig zu viel Aussehensfixierung in der Gesellschaft,”§ so Pia Sundhage.

Mit letzterem hat sie sicherlich nicht Unrecht.

“Als ich noch spielte, hörten wir oft, dass wir zu dick seien und zu männlich aussehen würden. Aber für das gibt es keinen “quick fix”, es geht um Ideale,” so Schwedens Trainerin weiter.

Einige Spielerinnen, so heißt es in dem Artikel weiter, hätten die Aufforderung bekommen, Gewicht zuzulegen.

Auch hier frage ich mich, ob dieses Thema in der Öffentlichkeit diskutiert werden muss. Dass es auch im Leistungsfußball Spielerinnen gibt, die Essstörungen haben, ist unzweifelhaft. Einigen Spielerinnen, nicht aus der Nationalmannschaft, sieht man das an, von anderen weiß man es.

Aber generell bei Journalisten zu verbreiten, dass die heutigen Fußballspielerinnen wuasi ‘zu sehr auf ihre Figur’ achten und dass sie dem Ziel zuliebe, Medaillen zu gewinnen, einfach mal ein bisschen mehr futtern sollten, muss nicht in jeder Zeitung zwischen Haparanda und Ystad stehen.

Schaut man sich den aktuellen Kader der Nationalmannschaft mal unter dem Aspekt an, so kann man sehen, dass etwa Göteborgs Johanna Almgren innerhalb des letzten Halbjahres deutlich an Muskeln zugenommen hat. Ich traf Almgren auf dem Medienauftakt der Damallsvenskan Anfang April und nicht nur mir fiel auf, dass die Mittelfeldspielerin wesentlich kräftiger wirkte, als noch in der letzten Saison.

Aber insbesondere die offensiven Spielerinnen wie Kosovare Asllani, Sofia Jakobsson, aber auch Superstar Lotta Schelin sind eher schlank und möglicherweise sogar schmal. Sollen die jetzt 5-6 kg drauflegen? Keine Muskeln übrigens, sagte Pia Sundhage, denn nur Muskeln machen langsam.

Eine Diskussion, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden muss. Was die Ausländerinnen-Frage angeht, glaube ich nicht, dass sich viel ändern wird, auch wenn die Trainerin angekündigt hat, sich dem Thema nach der EM mehr zu widmen.

Örebro und Malmö gleichauf

Ja, den Tipp, dass KIF Örebro gegen den Abstieg spielt und sogar in die Elitettan absteigt, den können wir hiermit einstampfen. Nach dem dritten Spieltag hat das Team nämlich schon sieben Punkte und liegt damit gleichauf mit LdB FC Malmö an der Spitze der Liga. Besser gesagt, knapp dahinter.

Vittsjö gastierte in der Behrns Arena in Örebro und nach sechs Minuten lag man durch zwei Tore durch die von Tyresö gekommene Helén Eke mit 0:2 hinten. Zur Halbzeit stand es 1:3, dabei blieb es dann.

Dass Aufsteiger Mallbacken in Malmö keine Chance haben dürfte, das sahen die Spielgesellschaften alle so mit entsprechend extrem niedrigen Quoten auf einen Sieg Malmös. Es wurde kein Kantersieg, den manche erwartet hatten, aber beim 3:0 durch Treffer von Sara Björk Gunnarsdottir, Anja Mittag und Katrine Veje ließ Malmö nichts anbrennen.

 

Damallsvenskan – Mein Tipp für 2013

Heute Nachmittag geht es los, die Damallsvenskan in der EM-Saison 2013 startet mit der Begegnung zwischen KIF Örebro und Mallbacken. Morgen stehen dann weitere drei Partien auf dem Programm, bis der Spieltag am Mittwoch mit Göteborg – Linköping abgeschlossen wird.

Mein Tipp steht schon seit dem letzten Wochenende, hier ist er.

1. Tyresö FF: Das Herzschlag-Finale aus dem letzten Jahr, als Malmö alles in der Hand hatte, wird es dieses Jahr nicht geben. Tyresö hat den besten Kader, mit Abstand. Das Mittelfeld mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist lässt sich nicht toppen. Die Abwehr bleibt der schwächste Mannschaftsteil hier, aber die meisten Teams werden gar nicht viel zum Angreifen gegen Tyresö kommen. Für die Champions League jedoch muss dann 2014 aufgerüstet werden. Christen Press ist die beste Verpflichtung der ganzen Liga. Sie wird Anja Mittag dieses Jahr einen heißen Kampf um die Torjägerinnenkrone liefern.

2. LdB FC Malmö: Wie im Vorjahr Zweiter, dieses Mal aber auf Abstand. Malmö hat mit Manon Melis eine Weltklassestürmerin zurück “nach Hause” geholt, aber werden sich Mittag, Melis, Ramona Bachmann und Elin Rubensson da nicht auch auf den Füßen stehen. Wie klappt das Zusammenspiel? Kann man vor allem Bachmann-Mittag-Melis zu einer Einheit bringen mit sehr gutem Spielverständnis untereinander, kann Malmö sehr gefährlich werden. Therese Sjögran versucht ihr Comeback mit 36, in der Nationalmannschaft wohl zu spät. Wenn Yoreli Rincon (siehe Bachmann-Interview) sich akklimatisieren kann, dann kann sie mit ihrer einzigartigen Technik eins der Ausrufezeichen der Saison werden. Schwäche: Wie bei Tyresö die Abwehr. Zwar sind Lina Nilsson, Malin Levenstad und Amanda Ilestedt Nationalspielerinnen und auch Ali Riley für Neuseeland, keine von ihnen ist jedoch Weltklasse. Wird interessant sein zu sehen, wie Marta, Boquete und Press mit dieser Abwehr umgehen werden,

3. Kopparberg/Göteborgs FC: Jessica Landström kam für Christen Press. Kein Ersatz. Aber die später durch Vermittlung der hervorragenden Anita Asante gekommene Britin Jodie Taylor wird Landström den Startplatz streitig machen. Schnell, physisch und kopfballstark. “Von hinten sieht sie sogar wie Press aus,” scherzte Torbjörn Nilsson, mittlerweile der dienstälteste Trainer der Liga, auf dem Medientreffen am Dienstag. Die Norwegerin Cathrine Dyngvold ist ebenfalls ein großes Talent. Mit Yael Averbuch hat Göteborg darüber hinaus eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Das sieht USA-Trainer Tom Sermanni sicher genauso, denn er hat Averbuch zurück ins USWNT geholt. Es reicht für Platz 3, leider kann sich Göteborg nicht einmischen weiter oben, wo es um die CL-Plätze geht. Da hätte Supersponsor Peter Bronsman seine Versprechung aus dem Herbst Ernst machen und etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Olivia Schough hat durch die Nominierung in die schwedische Natio einen Quantensprung gemacht.

4. Kristianstads DFF: Elisabet Gunnarsdottir arbeitet sich langsam, aber sicher nach oben. Seit fünf Jahren in Schweden strickt die charismatische Isländerin weiter an ihrer Meistermannschaft. “Ein paar Spielerinnen wollten wir nicht mehr haben,” sagte sie mir am Dienstag. In den nächsten Tagen wird KDFF, wie das Team in Kurzform genannt wird, mit einem neuen Youtube-Video von sich reden machen. “Hast du Regie geführt?” fragte ich die 36-Jährige. “Darauf kannst du Gift nehmen,” sagte sie. Offensiv sieht das sensationell aus. Josefine Öqvist gibt in zwei Wochen ihr Comeback nach Babypause, das meiner Meinung nach größte schwedische Fußballtalent seit ?, Marija Banusic, wird für Furore sorgen, wenn sie auf dem Teppich bleibt. Und Beta wies mich darauf hin, dass bald dem 90-Minuten-Einsatz von Margret Lara Vidarsdottir nichts mehr im Wege stehen wird. Beta glaubt an Margret und sieht ihre Rolle hinter Öqvist und Banusic. Und dann gibt es noch die starke Dänin Johanna Rasmussen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl ist nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll im Training und wird im Mai wieder der Trainerin zur Verfügung stehen, sagt sie selber. Das kann weit reichen…

5. Linköpings FC: Voriges Jahr wollten sie mit der Brechstange nach oben. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer… Es ging in die Hose, es gab finanzielle Probleme und geblieben ist erst mal nur Fischer. Geholt hat der unter der Saison gekommene Malmöer Meistertrainer Martin Sjögren aber sehr interessante junge Spielerinnen: U19-Europameisterinnen Magdalena Eriksson und Jennie Nordin für die Abwehr und vorne nach Banusic und Umeås Lina Hurtig wohl das dritte große Talent in der Offfensive: die noch 16-Jährige Stina Blackstenius, die in den Vorbereitungsspielen im Prinzip in jedem Spiel getroffen hat. Leider hat sich Finnlands Rakete Linda Sällström den zweiten Kreuzbandriss innerhalb eines Jahres im gleichen Knie eingefangen , was den Verdacht nahelegt, dass da was falsch gemacht wurde… Im Mittelfeld und offensiv wird die Dänin Pernille Harder der Star. Ich halte Harder ohnehin für eine der begabtesten Spielerinnen Nordeuropas. Charlotte Rohlin ist zurück, mal sehen. Nilla Fischer soll Mittelfeld spielen, sagt Sjögren, entgegen Pia Sundhages ausdrücklichem Wunsch, dass sie auch im Verein in der Abwehr spielen solle.

6. Umeå IK: Ich habe Umeå in Tyresö gesehen in der Vorbereitung (1:1) und hatte wieder mal einen sehr positiven Eindruck von Joakim Blomquists Team. Sein drittes Jahr, der Psychologe tut Umeå gut. Emma Berglund steuert die Abwehr, im Mittelfeld ist man mit Hanna Folkesson enorm verstärkt im zentralen Bereich. Nach oben (1-5) fällt die Offensive trotz Hurtig etwas ab, daher nur Platz 6, denn es wird auch wieder die Downs des letzten Jahres geben, auch wenn man jetzt mit Katrin Jonsdottir Routine in die Abwehr geholt hat.

7. Piteå IF: Anna Westerlund sagte mir (siehe Interview mit ihr) am Dienstag, dass man den achten Platz des Vorjahres unbedingt verbessern wolle. Aber wegen der starken Konkurrenz springt nicht mehr als ein Platz heraus. Ein sehr internationales Team, angefangen bei der australischen Torfrau Lydia Williams, im zweiten Jahr, aber eigentlich neu, da sie sich direkt im ersten Spiel 2012 einen Kreuzbandriss zuzog. Aufgehört bei der neuen nigerianischen Stürmerin Francesca Ordega, die sich sicher erst akklimatisieren muss. In der Abwehr ist Faith Ikidi eine Bank. Ein solides Team mit gutem Publikum.

8. Sunnanå SK: Vielleicht zu optimistisch getippt. Aber der Aufsteiger hat große Tradition in der Damallsvenskan und hat sich auch gut verstärkt. Susanne Nilsson im Tor ist wohl die beste schwedische Torfrau unter 30 (leider hat das Pia Sundhage noch nicht verstanden, Eile ist geboten, da Nilsson auch einen serbischen Pass hat) und mit Annika Kukkonen ist eine hart arbeitende zentrale Mittelfeldspielerin dazu gekommen. Die unverwüstliche und großartige Perpetua Nkwocha wird auch mit 37Jahren noch starke Akzente setzen. Und Carina Holmberg ist Nationalspielerin geworden, sie war schon immer gut, aber diese Nominierung hat ihr sicher noch zusätzlich Flügel verliehen.

9. Vittsjö GIK: Das zweite Jahr ist immer schwieriger als das erste, heißt es, wenn es einem Aufsteiger gelingt, sich in der Liga zu halten… Das klingt gemein, ist aber oft so. Leider hat die starke Amerikanerin Danesha Adams Vittsjö Richtung NWSL verlassen, aber dafür ist mit der Schottin Jane Ross gleichwertiger Ersatz gekommen, sagen die Trainer. Immerhin ist Kendall Fletcher geblieben und wenn es Ifeoma Dieke nach ihrem Kreuzbandriss wieder gelingt, die Vorjahresform zu erreichen und auch noch Sofie Andersson ihre sensationelle Hinrunde wiederholen kann… Ein bisschen zu viel wenn, um weiter oben zu landen, aber Vittsjö wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

10. Jitex BK: Leider. Das versprochene Stadion wird erst gegen Sommer fertig, anders als versprochen und nun müssen die ersten Heimspiele in Lindome gespielt werden, weit vom Schuss, vermutlich vor allem vor Freunden und Verwandten. Ein robustes, physisches Team mit zwei großen schwedischen Talenten, an die ich glaube: Fridolina Rolfö und Mimmi Löfwenius. Eine exzellente Torhüterin mit der Finnin Minna Meriluoto. Wenn Annica Sjölund nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückfindet, dann kann es besser als Rang 10 werden, aber die Konkurrenz ist stark.

11. KIF Örebro: Nochmal leider. Sie haben sich verstärkt mit dem tschechischen Zwillingspaar Lucie und Irene Martinkova, aber sie haben Marie Hammarström verloren, die wohl zentrale Spielerin des gesamten Teams. Das wird ihnen zu schaffen machen, ebenso, dass Edda Gardarsdottir, die hart schuftende Mittelfeldspielerin, mit ihrer Freundin Olina Vidarsdottir nach London gegangen ist. Sarah Michael kann an ihren guten Tagen Weltklasse sein. Örebro wird einige dieser Tage brauchen, um sich in der Liga zu halten.

12. Mallbacken: Wenn schon der eigene Trainer sagt, dass man einen äußerst dünnen Kader und auch schmale Ressourcen hat… Es gibt diese Überraschungsaufsteiger, die selber davon überrascht werden, auf einmal (wieder) in der ersten Liga zu sein. Wenn man dann nicht investieren kann, muss man auch mit dem Schlimmsten rechnen. Gerne hätte Mallbacken ja noch eine Stürmerin verpflichtet, aber Trainer Stefan Johansson sagte auf dem Pressetreffen, dass man keine gefunden habe… Ja, dann.

Zu viele Ausländerinnen in der Damallsvenskan?

Pia Sundhage hat sich aufgeregt. Das tut sie eigentlich oft und gerne und das macht sie auch sympathisch, das sie Gefühle zeigt und voll bei der Sache ist. Manchmal allerdings frage ich mich inzwischen, ob sie sich nicht ein wenig zurückhalten sollte, zumindest in den Medien.

Denn die schnappen dankbar jede Silbe der angehenden Ehrendoktorin, Gastprofessorin, Frau des Jahres 2012, Welttrainerin des Jahres und was weiß ich nicht noch alles, auf.

Am Donnerstagabend war sie wie ich auf dem Malmö IP und sprach anschließend wie immer frank und frei ins Mikrofon der Reporter von Sydsvenska Dagbladet. Dass sie mal besser nichts gesagt hätte, war ihr dabei aber offenbar schon selber klar, denn: “Das jetzt sollte ich eigentlich nicht sagen,” begann Sundhage ihre Ausführungen und echauffierte sich darüber, dass sie zu einem Champions-League-Spiel käme und alles, was sie als Nationaltrainerin beobachten könnte, wären drei Spielerinnen bei Malmö und eine Spielerin des Gegners.

In der Tat begann Malmö die Begegnung mit nicht weniger als acht Ausländerinnen: Thora Helgadottir, Ali Riley, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Manon Melis, Ramona Bachmann, Anja Mittag.

Bei Olympique Lyonnais dagegen standen in der Anfangsformation nicht weniger als neun Französinnen und lediglich Lara Dickenmann und Lotta Schelin haben einen ausländischen Pass.

Eines ist klar. Pia Sundhage hat sich nicht darin einzumischen, wie die Vereine ihre Kader bestücken und welchen Pass die Spielerinnen haben. Und wenn sie in dem oben genannten Interview sagt, dass alles noch vor 5-6 Jahren (bevor sie zuerst nach China und dann in die USA ging) anders gewesen wäre, dann muss sie eigentlich besser als viele andere wissen, dass sich Frauenfußball in 5-6 Jahren enorm entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.

“In Lyon werden ausländische Spielerinnen nur dann verpflichtet, wenn ihre Qualität definitiv besser ist als das, was man auf dem franösischen Markt bekommen kann”, schrieb mir gestern ein Fan aus Frankreich via Twitter.

In Schweden, und da hat Sundhage Recht, ist das augenscheinlich nicht der Fall, auch wohl nicht in Deutschland.

Ich habe mir die aktuellen Kader in der Damallsvenskan angesehen und komme auf folgende Liste ausländischer Spielerinnen. Es sind 66 Spielerinnen. Sie verteilen sich auf: 1. Finnland 9, 2. Island, Nigeria, USA je 7, 5. Dänemark, Holland je 5 und auf zwölf weitere Länder. Bei den Vereinen liegt Malmö klar vorn.

10 LdB FC Malmö: Thora Helgadottir, Ali Riley, Paula Radtke, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt, Yoreli Rincon, Ramona Bachmann, Manon Melis, Anja Mittag

7 Tyresö FF: Line Röddik Hansen, Meghan Klingenberg, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Vero Boquete, Christen Press, Marta

7 KIF Örebro: Stephanie Labbé, Marie-Eva Nault, Susanna Lehtinen, Irena Martinkova, Lucie Martinkova, Sanna Talonen, Sarah Michael

7 Kristianstads DFF: Brett Maron, Sif Atladottir, Nicole Sykes, Gudny Odinsdottir, Margret Lara Vidarsdottir, Johanna Rasmussen, Lorca van de Putte

6 Vittsjö GIK: Lois Geurts, Kendall Fletcher, Ifeoma Dieke, Mandy van den Berg, Kirsty Yallop, Jane Ross

6 Piteå IF: Lydia Williams, Faith Ikidi, Hallbera Gisladottir, Anna Westerlund, June Pedersen, Francesca Ordega

5 Kopparberg/Göteborgs FC: Camille Levin, Anita Asante, Yael Averbuch, Cathrine Dyngvold, Jodie Taylor

4 Linköpings FC: Marianne Gajhede, Renée Slegers, Pernille Harder, Linda Sällström

4 Umeå IK: Katrin Jonsdottir, Ogonna Chukwudi, Rita Chikwelu, Tuija Hyyrynen

4 Sunnanå SK: Carys Hawkins, Helene Ukaonu, Annika Kukkonen, Perpetua Nkwocha

3 Mallbacken: Kaitlynn Fraine, Maija Saari, Hayley Lauder,

3 Jitex BK: Minna Meriluoto, Annica Sjölund, Leena Puranen

Malmö verliert zum zweiten Mal in acht Tagen und üble Verletzung in Göteborg

In den letzten Tagen bin ich wenig dazu gekommen, hier aktuell zu sein. Zuerst war ich in Kalmar am Dienstag und Mittwoch und durfte unter anderem einen Blick in das völlig zugeschneite Stadion Guldfågeln Arena werfen, das dann im Juli Kalmar Arena heißen muss und in dem Deutschland auf Norwegen treffen wird.

Und am Donnerstag- und Freitagabend war ich auf Konzerten bei The Killers und Villagers, über die ich an anderer Stelle schreiben werde.

Heute dann habe ich Wache ei damfotboll.com geschoben, erstmals eigentlich, da meine Kollegen Thorsten Frennstedt (derzeit krank, gute Besserung!) und Anette Börjesson verhindert waren.

Wache schieben bedeutete heute, dafür zu sorgen, dass wir alle Ergebnisse von Testspielen reinbekommen, an denen Teams aus der Damallsvenskan und der Elitettan beteiligt sind. Und auch die Torschützinnen, was nicht immer einfach ist. Aber da muss ich mich bedanken bei den vielen Spielerinnen, die heute per SMS, Twitter, Facebookmail immer sehr schnell geantwortet haben. Toll! Das war eine neue Erfahrung, die aber wieder mal zeigt, dass der Frauenfußball eine recht kleine Szene ist.

Malmö spielte heute in Frankfurt. Ein echter Test vor dem Algarve-Cup im Vereinstrikot. Denn danach ist dann nur noch wenig Zeit zur Vorbereitung auf das Hinspiel bei Olympique Lyonnais am 20.03., gegen die scheinbar übermächtig starken Französinnen. Die gewannen am Abend ihr Spitzenspiel gegen Paris SG mit 3:0 und Lotta Schelin in Weltklasseform sorgte mit ihren beiden Toren für die Entscheidung.

Frankfurt schlug Malmö mit 2:1. Ich habe nach dem Spiel mit Erling Nilsson, dem Fußballverantwortlichen von Malmö gesprochen und später dann auch mit Anja Mittag. Beide waren zufrieden mit der Leistung. Individuelle Fehler hatten zu den Gegentoren von Kerstin Garefrekes und Tameka Butt geführt. Ramona Bachmann hatte den Anschlusstreffer gemacht und Sara Björk Gunnarsdottir die Latte per Kopfball getroffen. Anja lobte auch die Leistung von Frankfurts Torfrau Desi Schumann, die exzellent gehalten hätte. Erling Nilsson sagte, man habe Chancen gehabt, auszugleichen und sei in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft gewesen. Anja relativierte das etwas, weil sie einräumte, dass Frankfurt auch sicher etwas aus de Rhythmus gekommen wäre, da man oft ausgewechselt habe.

In Göteborg gewann Jitex gegen Falköping mit 5:0 und normalerweise würdet ihr das Ergebnis lediglich oben unter TESTSPIELE 2013 finden, aber in diesem Spiel verletzte sich die neue Außenverteidigerin Linn Andersson von Jitex schwer. Die 24-Jährige ging nach einem Tackling zu Boden und nach Angaben von Zuschauern sowie Mitspielerinnen glaubt man, dass sie sich das Schienbein gebrochen hat. Das Spiel wurde nach 82 Minuten abgebrochen. Die Spielerin durfte nicht weggegtragen werden, sondern wurde vom Platz direkt mit Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Unter den ca 20 Zuschauern ging sogar das Gerücht, dass man den Knochen hätte sehen können. Wir wünschen gute Besserung!

Und aus Tyresö noch schnell die Nachricht, dass Donnerstagabendgegner KIF Örebro beim überraschenden 3:3 die tschechischen Zwillinge Irena und Lucie Martinkova einsetzte und beide offenbar einen hervorragenden Eindruck hinterließen. Ich habe mich schon öfter gefragt, warum Vereine nicht häufiger Spielerinnen aus Mittelost- und Osteuropa einladen, denn dort sind einige sehr talentierte, entwicklungsfähige Spielerinnen zu finden. Bei den Martinkovas hat Örebros frühere tschechische Weltklassespielerin Pavlina Scasna Novikova mitgeholfen.

 

Die Woche

Eine relativ ruhige Woche geht allmählich dem Ende entgegen. Vizeemeister LdB FC Malmö hat sich mit zwei Spielerinnen verstärkt: Yoreli Rincon, dessen Kommen seit mehr als einem Monat allen bekannt war außer dem Verein selber:) – am Ende hat die beharrlich twitternde Kolumbianerin Recht behalten. Kathleen Radtke, eine etwas überraschende Verpflichtung für die Abwehr, wird in gut einem Monat aus Jena dazustoßen. Die 28 Jahre alte Innenverteidigerin dürfte es schwer haben, einen Stammplatz zu erobern, solange die arrivierten Amanda Ilestedt und Malin Levenstad gesund sind. Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und steigert bei manchem auch das Leistungsvermögen.

Testspiele fanden statt. Göteborg gewann das Lokalderby gegen Jitex mit 2:0, dabei erzielte Jessica Landström einen Treffer und Johanna Almgren überragte. Gar mit 4:0 gewann Malmö in der großen Halle in Växjö ein anderes Derby, das um Skåne gegen Kristianstad. Anja Mittag war unter den vier Torschützen. Diese Ergebnisse sowie die Torschützinnen waren schon unter TESTSPIELE im Menü dieser Seite am Mittwochabend zu finden. Nicht unter den Toschützinnen, deshalb erst hier erwähnt, ist das Comeback von Josefine Öqvist im roten Dress von Kristianstad. Sie war zufrieden mit dem ersten Spiel nach Mammapause, beklagte sich darüber, dass die Mannschaft zu weit auseinander gewesen sei, was dazu geführt hätte, dass man sehr viel habe laufen müssen. Elisabet Gunnarsdottir, Trainerin von KDFF, sprach davon, dass man sich unbedingt noch in der Abwehr verstärken müsse. Das Transferfenster in Schweden ist bis zum 31.03. geöffnet, da kann noch viel passieren, obwohl die meisten Kader wohl gefüllt erscheinen.

Was man von Absteiger Djurgården nicht sagen kann. Mit Matilda Rosqvist ist jetzt offiziell die dreizehnte Spielerin (!) der letzten Saison verschwunden, zum Aufsteiger Sunnanå. Dennoch hat sich das sehr junge Team den Ergebnissen nach beim Turnier der Meister in Potsdam recht achtbar geschlagen und wurde nur vom späteren Turniersieger Bröndby aus Kopenhagen so richtig abgewatscht. Es sprang ein siebter Platz heraus, den man durch einen Sieg gegen den finnischen Vertreter FC Honka errang.

Probleme hatte KIF Örebros athletische Stürmerin Sarah Michael. Die Nigerianerin mit Vergangenheit in Piteå und bei Djurgården hing in ihrer Heimat fest und wartete auf eine neue Arbeitserlaubnis für Schweden. Das bürokratische Problem hat sich jedoch jetzt gelöst und am Dienstag wird die Stürmerin in Örebro erwartet – hoffentlich ohne das deutliche Übergewicht, das sie im letzten Jahr mitbrachte und das Gespräch unter den Spielerinnen war.

Eidevall: Wir wollen zu den Besten in Europa gehören

LdB FC Malmös Trainer Jonas Eidevall, der seit November das Zepter am Malmö IP hinter dem Konzerthaus und vor dem Pildams-Park schwingt, ist mit seinen 29 Jahren jünger als manche seiner Spielerinnen. Therese Sjögran etwa ist sechs Jahre älter als Eidevall, dessen eigene aktive Fußballerkarriere abrupt mit 18 nach einer bösen Knieverletzung endete.

Vielleicht kann man Eidevall denn auch aufgrund seines für Übungsleiter einer nationalen Spitzenmannschaft geringen Alters so etwas wie jugendlichen Leichtsinn attestieren. Denn wie aus einem Interview mit dem regionalen Sydsvenska Dagbladet heute hervorgeht, will es mit dem zweimaligen Champions-League-Sieger Olympique Lyonnais nicht nur aufnehmen, man will die Französinnen aus dem Wettbewerb kicken.

Zwei Monate und zwei Tage noch, so Eidevall, dann sollen alle Spielerinnen die maximale Höchstform erreicht haben, denn “wir werden zur europäischen Spitze gehören”, sagt er in dem Interview. “Ich sage nicht, dass wir zwei Jahre Zeit haben, um die Spitze zu erreichen. Wir müssen da so schnell wie möglich hin, aber nicht auf Kosten der langfristigen Entwicklung.”

Das ist nicht unbedingt ohne Widersprüchlichkeit, schnellstens nach oben, aber nicht auf Kosten der langfristigen Entwicklung. Kann man noch schneller als schnellstens nach oben?

Die Verpflichtung von Manon Melis, so Eidevall, sei bestens dazu geeignet, die Konkurrenz im Team zu erhöhen und somit noch mehr Leistung aus den Spielerinnen abzurufen bzw. herauszupressen. Beide Verben funktionieren, wobei das eine positiver klingt als das andere, es kommt aber dasselbe dabei heraus.

Melis und Anja Mittag, so sieht man gemeinhin die neue Sturmformation mit Ramona Bachmann und Elin Rubensson auf den Außenbahnen im Mittelfeld. “Die Formation, die man in den Zeitungen sehen kann, ist nicht interessant für mich”, sagt Jonas Eidevall, “für mich sieht sie so lediglich beim Anstoß aus. Interessanter ist dann, wie sie aussieht, wenn wir das Spiel spielen.”

Da tut sich dann ein neuerliches Fragezeichen auf. Beim Anstoß könnten Melis und Mittag also vorn sein, Rubensson und Bachmann auf den Außen, in der zwanzigsten Minute aber nicht mehr? Häufige Beweglichkeit, ständiges Verändern der Positionen. Natürlich ist das mit diesem exzellenten Personal möglich.

Aber Eidevall spricht auch von der Notwendigkeit einer Verstärkung. Man sucht nach einer Spielerin für die Defensive und auch im zentralen Mittelfeld wäre noch was drin. Da geht ja seit Wochen schon das Gerücht, dass die 19-Jährige Kolumbianerin Yoreli Rincon kommen wird. Die twittert schon ihre neu eingekaufte lange Unterwäsche für das kalte Schweden und jubelte dieser Tage, dass sie nun positiven Bescheid von der schwedischen Botschaft in Bogota habe. LdB FC Malmö gibt dazu keinen Kommentar ab. Vielleicht plant Rincon ja, als Au Pair nach Malmö zu gehen und setzt ein Jahr mit dem Fußball aus.

Aus jeder Lage schießen

 

Christen Press

Christen Press auf dem Tyresövallen im Juni 2012

Vor einer guten Woche habe ich ein wenig über Anja Mittag und ihre Saison geschrieben, nun ist Christen Press an der Reihe.

Die gerade 24 Jahre alt gewordene Stürmerin stammt aus Kalifornien, aus der Nähe von Los Angeles und zum ersten mal wurde ich auf sie aufmerksam, als sie in der WPS bei magicJack spielte, zusammen mit Abby Wambach und Hope Solo. Pro Woche wurde ein Spiel live und gratis im Internet übertragen und meistens war das sonntags um Mitternacht unserer Zeit. Press hat 2011 in 17 Spielen acht Tore geschossen und schnitt damit hervorragend ab, denn Marta, die in ihren drei WPS-Jahren die Torjägerinnenliste in drei verschiedenen Clubs gewann (!), hatte lediglich zwei Tore mehr erzielt.

Aber Christen Press war schon 2011 keine Unbekannte. Sie hatte an der renommierten Stanford University in der Nähe von San Francisco studiert und auch für das Fußballteam gespielt. 2010, in ihrem letzten Jahr an der Uni, gewann sie die sogenannte Hermann-Trophy, den Preis für die beste College-Spielerin in den USA. Vor ihr holten u.a. Christine Sinclair, Anne Mäkinen, Mia Hamm und Kristine Lilly die begehrte Trophäe.

Und für ihr erstes Jahr in der amerikanischen Profiliga wurde sie neben Alex Morgan und Sydney Leroux für den Preis “beste Newcomerin der Liga” nominiert und irgendwie habe ich immer gedacht, Morgan hätte den Preis bekommen.

Als ich Christen Press am Rande der Fotbollsgalan im November 2012 in Stockholm in der Mixed Zone traf und sie auf einen vereinbarten Fototermin mit Anja Mittag wartete, bemühte ich mich, etwas Small Talk zu machen und sagte, dass ich die Nominierung ganz toll gefunden hatte, dass aber ja Morgan den Preis bekommen hätte.

Sie lächelte: “No, it was actually me, who won the award.” So kann man ins Fettnäpfchen treten und lernt daraus, beim nächsten Mal alles genauer im Vorfeld zu lesen.

Ein nächstes Mal schien es dann aber doch erst einmal nicht zu geben, denn Christen und ihr Verein Kopparberg/Göteborgs FC trennten sich. Gerne hätte man die schnelle und schussstarke Goalgetterin behalten, die nicht nur 17 Tore in der Liga schoss, sondern auch im Pokalfinale gegen Tyresö (Göteborg gewann 2:1 nach Verlängerung) entscheidenden Anteil daran gehab hatte, die Trophäe in Göteborg behalten. Aber Christen wollte zu den Lagern der amerikanischen Nationalmannschaft, die alle paar Wochen stattfinden, eine Freigabe bekommen und dazu war Göteborg nicht bereit. Was man verstehen kann, denn so hätte die Amerikanerin bei vielen Spielen gefehlt und wäre ständig zwischen USA und Schweden hin- und hergeflogen.

Ende November reiste sie mit ihrer Schwester nach Peru und wanderte in den Anden zur Festung Macchu Picchu und am 27. November schrieb Christen in ihrem Blog: “Jetzt, wo ich an der Peripherie der amerikanischen Nationalmannschaft bin und die Profiliga vor der Tür steht, zögere ich etwas meine persönlichen und  beruflichen Ziele in Schweden aus Angst um meine amerikanischen Fußballträume weiter zu verfolgen. Theoretisch scheint es ein tolles Jahr zu sein, um im Ausland zu spielen, denn es stehen keine großen Turniere für das USWNT an, aber drei Faktoren stören meine Überzeugung: 1) Mit einem neuen Trainer Tom Semanni und einer neuen Leitung scheint das nächste Jahr eines zu werden, dass “neuen” Spielerinnen die Möglichkeit gibt, gesehen zu werden. 2) Eine starke, eigene Liga ist sehr wichtig für die Entwicklung des Frauenfußballs in den USA, weil es eine Umgebung mit starkem Wettbewerb braucht, in der neue Spielerinnen gesehen werden können und um Plätze im team konkurrieren können. 3) In der neuen Liga zu spielen ist eine Art und Weise, an der wachsenden Bedeutung des Fußballs bei uns Anteil zu nehmen. Ein paar Tage, bevor wir in die Anden aufbrachen, fragte mich jemand, warum ich den Inka-Pfad gehen wolle und ich sagte, dass meine Überlegungen vielleicht klarer würden während der Wanderung.”

So muss es dann gewesen sein, denn im Dezember galt es dann als offenes Geheimnis, dass Press doch nicht in die USA zurückkehren würde, sondern beim schwedischen Meister Tyresö das Dream Team noch weiter verstärken würde.

Ich habe Christen Press bei allen Auswärtsspielen in Stockholm getroffen 2012. Die erste Begegnung war nach dem Spiel gegen Tyresö, das 1:3 verloren ging. Das war kurz vor den Olympischen Spielen in London, wo Press und ihre künftige Mannschaftskameradin Meghan Klingenberg als Reserven von Pia Sundhage nominiert waren. Damals herrschte noch die Vorfreude auf das Olympische Dorf, in dem sie nur wenige Tage verbringen würden, da die USA außerhalb von London den Weg zum Finale finden musste.

Bei allen drei Spielen in Stockholm, von denen zwei verloren gingen, beeindruckte mich Press enorm. Nicht über die gesamte Distanz von 270 Minuten, aber sie ist enorm schnell, hat einen sehr gute Ballannahme und wie mir Vero Boquete über sie sagte: “Mir gefällt, dass sie wirklich aus allen Lagen schießt.” Und Press’ Schussversuche sind gut und kommen mit einer blitzschnellen Reaktionszeit. Das macht sie zu einer der besten Stürmerinnen, die derzeit in Europa Fußball spielen. Ausschnitte aus dem Pokalfinale und ein Interview gibt es im verlinkten YouTube-Video weiter unten.

“Ich bin nach Schweden gekommen, um eine bessere Fußballspielerin zu werden,” sagte sie mir dann später in der Saison am Telefon. “Als ich hierher kam, wusste ich nicht recht, was mich erwarten würde, aber ich muss sagen, dass ich sehr positiv überrascht war. Meine Mannschaftskameradinnen waren sehr nett und haben mich sofort ins Team aufgenommen. Und als ich mich dann allmählich an die Spiel- und Lebensweise mehr angepasst habe, da bin ich nicht zuletzt als Fußballspielerin doch sehr gewachsen.”

Torbjörn Nilsson, Press Trainer in Göteborg, sagte nach der Verpflichtung der Amerikanerin, er habe sie nicht selber gesehen, aber dieses Mal habe er sich einfach auf Aussagen von Leuten verlassen, die viel vom Fußball verstehen. Für Christen war der Schritt nach Schweden einfach: “Als die WPS ihren Betrieb einstellte, wusste ich, dass ich jetzt ins Ausland gehen wollte. In Frage kamen da vor allem Schweden und auch Deutschland, weil man weiß, das die sehr gujte Ligen haben. Göteborg gefällt mir sehr gut, es ist eine nette Stadt, die Leute sind sehr hilfsbereit und wie ich gern sage, es sind die Leute, die ausmachen, wie ein Ort ist.”

Fahrrad gefahren, wie ihre englische Teamkameradin Anita Asante, ist sie aber nicht in der zweitgrößten Stadt Schwedens. Und sportlich? “Es war eine Saison, in der es rauf und runter ging und uns hat definitiv die Stabilität gefehlt. Jetzt ist es an der Zeit, das die Mannschaft ein Level nach oben kommt, beständiger spielt, um in der nächsten Saison unter die besten Zwei zu kommen,” sagte Christen Press.

Am Ostermontag wird sie ihr Debüt in einem Wettkampfspiel geben, da geht es beim Supercup ausgerechnet gegen ihre alten Mannschaftskameradinnen.

Ein neues Jahr

Elaine_Anja

Brasiliens Nationalspielerin Elaine versucht Anja Mittag den Weg abzuschneiden (Spiel: LdB FC Malmö – Tyresö FF am 03.11.2012)

Das hätte sich Anja Mittag so auch nicht träumen lassen. Vor gut einem Jahr packte sie ihre Siebensachen und machte sich auf nach Malmö, um ihrer Karriere, die durch die Nichtnominierung zur WM 2011 einen herben Knick bekommen hatte, neue Impulse zu geben.

In den Vorbereitungsspielen zeigte die Chemnitzerin mit zweiter Heimat Potsdam, dass mit ihr zu rechnen sein wird und obwohl sie nicht serienweise Tore schoss, sagte ihr neuer Trainer Peter Moberg beharrlich, dass Anja schon noch treffen würde und zwar sehr oft.

Moberg hätte wetten sollen. Am Ende sprangen 21 Tore in 21 Spielen raus. Souveräner Sieg in der Torschützenliste vor einer absoluten Weltklassestürmerin wie Christen Press, die man in Deutschland noch entdecken muss und wird. Das Prädikat “Weltklasse” wurde mehrfach benutzt, um die Leistungen der 27-Jährigen zu etikettieren und Kristianstads Trainerin, die charismatische Isländerin Elisabet “Beta” Gunnarsdottir sagte gar: “Anja Mittag ist eine meiner absoluten Lieblingsspielerinnen, eine der intelligentesten Stürmerinnen der Welt.”

Wow. Wer Anja Mittag mal getroffen hat, der weiß, dass sie solches Lob zwar schmeichelt, dass sie es aber auch sehr bescheiden aufnimmt. “Ja, das ist schon schön zu hören,” sagte sie mir im September, als wir für das Goethe-Institut ein Interview mit ihr drehten, das voraussichtlich im März zu sehen sein wird, als kleines Warm-Up vor der herannahenden Europameisterschaft. “Ja, das ist schon schön zu hören.” Dem folgt in der Regel dann sofort etwas Relativierendes. Dass es auch andere gäbe, die total gut wären. Nein, Mittag ist nichts Besonderes, sie will es jedenfalls nicht sein und ist es vielleicht auch gerade deswegen. Umeås ehemaliger Trainer Mika Sankari sagte mir mal in einem Interview, dass es für eine Spielerin, die zu den allerbesten der Welt gehören will, neben allem spielerischen Können, neben aller Athletik noch eine Charaktereigenschaft brauche. Auf Schwedisch heißt das “ödmjukhet” und das ist eine Mischung aus Bescheidenheit, Respekt vor anderen und auch Demut.

Im Oktober habe ich mich noch einmal “offiziell” mit Anja Mittag unterhalten, ich schrieb an einer Geschichte über die drei besten neuen Spielerinnen der Damallsvenskan. Die beiden anderen waren die vorhin schon erwähnte Christen Press und Tyresös Mittelfeldvirtuosin, die Spanierin Vero Boquete, auch die in Deutschland zu Unrecht zu wenig bekannt, für mich schon heute eine der weltbesten Mittelfeldspielerinnen.

Das Interview, aus dem ich jetzt zitiere, liegt also schon länger zurück, es ist aber nicht weniger aktuell.

Warum sie weg gegangen ist aus Potsdam, wollte ich wissen. “Ich war einfach müde nach zehn Jahren in Potsdam.” Zehn Jahre in der Tat vom Teenager zur Frau, vom Talent zur arrivierten Nationalspielerin. Man kennt jedes Training schon im Vorfeld, kann den Weg von der Wohnung zum Luftschifffahrthafen schlafwandelnd zurücklegen, hat viele andere kommen und gehen sehn. Hat alles gewonnen, alles gespielt, alles probiert. Das sind meine Worte, meine Überlegungen, nicht ihre.

Die Karriere hatte auch einen Knicks bekommen. Das einst größte Talent im offensiven Bereich im deutschen Fußball spielte immer noch gut, wäre immer noch eine Startspielerin in vielen europäischen Vereinen gewesen. Aber in der Nationalmannschaft etwa kam sie an Birgit Prinz, an Inka Grings einfach nicht vorbei vor der WM 2011. Am Ende flog sie aus dem Kader von Silvia Neid. Ausgerechnet bei der WM zu Hause. Wo man vor allen Freunden, der Familie spielen will, dabei sein will bei diesem Fest, das man nur einmal im Leben erleben kann.

Heute kann sie froh sein, dass sie nicht nominiert wurde. Das bittere Aus gegen Japan blieb ihr erspart. Die verpasste Chance, diese gigantische, verpasste Chance war nicht ihre verpasste Gelegenheit. Andere würden sicher leise Genugtuung empfinden. Selber schuld, wenn ihr mich nicht mitgenommen habt. Jetzt habt ihr den Salat. Nicht Anja Mittag. Das macht eben ihre Größe aus.

Silvia Neid hat sie zurückgeholt. Nach der WM. Nach dem Rücktritt der Unersetzbaren. Nach dem späteren Ausstieg von Inka Grings. Inzwischen bildet sie mit Celia Okoyino da Mbabi das erfolgreichste Angriffspaar seit Jahren, das haben wir letztes Jahr mehrfach gesehen.

Wie ist das neue Leben in Schweden? “Eigentlich gibt es zwischen Schweden und Deutschland keine besonderen Unterschiede,” sagt Anja mir auf einer Telefonleitung, die mich vermuten lässt, dass sie in Malmö in einem Atomschutzbunker mit eingeschränktem Empfang sitzt. Dabei sind wir beide zu Hause. “Was mich manchmal stört ist der Wind. Der ist hier einfach immer da.”

Stimmt. Der Wind in Malmö. Im September, bei meinem ersten Besuch bei LdB FC Malmö und auch im November, bei der zweiten Reise zum Malmö IP, merke ich das auch. Der Wind vom nahe gelegenen Öresund, der Meeresenge in der Ostsee, auf dren anderer Seite Kopenhagen liegt, ist tatsächlich immer gegenwärtig.

“Die Leute hier sind sehr hilfsbereit und alle sind freundlich,” erzählt Anja Mittag und fährt fort, dass es ihr auch aufgefallen sei, dass man hier vielleicht Regeln nicht ebenso streng befolgt wie in Deutschland.

Ob denn ihre enormen Erfolge hier in Schweden ein Echo in Deutschland gefunden haben. “Ja, schon. Als ich zur Ebba gewählt wurde {Auszeichnung zur wertvollsten Spielerin der Liga durch den Verein Elitensport Frauenfußball}, da gab es doch einige, die das in Deutschland berichtet haben, unter anderem auch der DFB.”

Das Spiel hier in Schweden, ist das anders? “Oh ja, es ist vor allem viel physischer. Es gibt praktisch kein Spiel mehr, nach dem ich nicht ein paar blaue Flecken irgendwo habe,” sagt sie und ich erinnere mich, dass mir Ariane Hingst und Nadine Angerer vor ein paar Jahren schon  mal ungefähr das gleiche erzählt haben, als sie für Djurgården spielten.

“Einer der größten Unterschiede, der mir in der Organisation auffällt, ist, dass wir in Deutschland in vielen Teams einfach einen größeren Kader haben. Viele haben ja eine zweite Mannschaft, das gibts hier gar nicht.” Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC etwa hat das letzte Drittel der Saison auf dem Zahnfleisch gehend mit 14 Spielerinnen im Kader beendet. Man nahm nur drei Reserven zu einigen Auswärtsspielen mit.

In Malmö ist Anja Mittag in einer hochprofessionellen Umgebung gelandet. Im Mannschaftskader hat sie mit Ramona Bachmann und Katrin Schmidt zwei Spielerinnen mit derselben Muttersprache, das erleichtert den Einstieg, selbst dann, wenn man Profi ist.

Und nun die EURO in Schweden. Wie sie denn ihre Chancen sieht, im Kader von Silvia Neid zu stehen? Sie lacht und sagt, dass sie dass keineswegs für selbstverständlich hält, dass sie alles auf sich zukommen lässt und sich aber in jedem Fall auf das EM-Turnier freut.

In Stockholm holte sie sich dann alle beiden Preise ab, für die sie nominiert war. Irgendwie typisch. Nach dem ersten Preis traf ich sie backstage, wo die Spielerinnen sich Journalisten stellen müssen, wir unterhielten uns etwas, bis ich sagte, ich glaub du musst wieder raus, denn gleich wird schon wieder was verliehen. Nö, wir können doch noch n bisschen reden, meinte sie. Und ich sah noch mal aufs Programm. Nein, das steht jetzt ist die Verleihung des Preises für die wichtigste Spielerin der Saison. Sie ging wieder in die Halle und kam gerade an ihrem Platz an, als ihr Name aufgerufen wurde.

Zugänge und Abgänge (Stand: 05.01.2013)

So allmählich füllen sich die Kader der Vereine in der Damallsvenskan. Es ist Zeit für einen ersten Überblick. Hier kommen die 12 Teams der Saison 2012 plus die beiden Neulinge.

Tyresö FF

Zugänge: Christen Press (Kopparberg/Göteborgs FC), Malin Diaz (AIK)

Abgänge: Helén Eke (Verein steht noch nicht fest)

Kommentar: Erstmals auf seiner Reise von der vierten Liga zum Meistertitel gibt es in Tyresö keine wesentlichen Personalwechsel. Marta, Vero Boquete, Caroline Seger hatten allesamt laufende Verträge auch für 2013, obwohl es um Marta wieder einmal Wechselgerüchte gab und auch noch gibt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Brasilianerin Tyresö in diesem Jahr verlässt. Für die USA ist ihr Marktwert nicht groß genug und keiner der neuen Vereine könnte sie mit den erlaubten Budgets bezahlen. Christen Press wird den Stammplatz von Madelaine Edlund gefährden. Sowohl deren wie Elaines auslaufender Vertrag wurde verlängert. Tyresö ist ein Topteam mit erstklassigen Alternativen auf der Bank. Auch Meghan Klingenberg hat verlängert. Wunschelf (Linda Sembrant in der Reha nach Kreuzbandriss):

Carola Söberg, Meghan Klingenberg, Johanna Frisk, Karin Lissel, Line Röddik Hansen, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete, Marta, Kirsten van de Ven, Christen Press.

Bank: Annica Svensson, Elaine, Malin Diaz, Madelaine Edlund, Jessica Höglander.

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LdB FC Malmö

Zugänge: Yoreli Rincon (XV de Piracicaba), Zecira Musovic (Stattena), Manon Melis (Linköping)

Abgänge: Emma Wilhelmsson (Jitex), Christina Öyangen Örntoft (Bröndby), Hilda Carlén (noch unbekannt)

Kommentar: Nach der finanziellen Rettung durch Milliardär Dan Olofsson nimmt auch Malmö Kurs auf den Meistertitel. Die Liga wird (wenn sich nichts wesentlich ändert) zu einem Zweikampf Malmö – Tyresö werden, in dem Tyresö abermals klarer Favorit ist, trotz der Verpflichtung von Melis. Rincon überrascht, riskant, eine 19-Jährige Kolumbianerin zu integrieren. Die 1,54 m kleine Filigrantechnikerin wurde mit Marta verglichen, muss das aber noch beweisen. Malmö hat aber immer gut eingekauft…

Voraussichtlich:

Thora Helgadottir, Lina Nilsson, Malin Levenstad, Amanda Ilestedt, Ali Riley, Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran, Ramona Bachmann, Elin Rubensson, Anja Mittag, Manon Melis.

Reserve:

Zecira Musovic, Frida Nordin, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Yoreli Rincon, Sofi Anker Kofoed.

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Linköpings FC

Zugänge: Lina Rinshamre (Sundsvalls DFF), Magdalena Ericsson (Djurgården), Stina Blackstenius (Vadstena GoIF), Renée Slegers (Djurgården), Emma Lennartsson (IFK Norrköping)

Abgänge: Manon Melis (LdB FC Malmö), Lisa DeVanna (Perth Glory), Emma Lundh (noch unbekannt, Hammarby?), Karen Bardsley (Lincoln LFC), Louise Fors (Western Sydney Wanderers, ab Frühjahr FC Liverpool Ladies), Nora Holstad Berge (Arna-Björnar), Matilda Agné (Hammarby DFF), Ingrid Schjelderup (Vålerenga), Josefine Alfsson (Kisa BK)

Kommentar: Linköping beendet nach einem Jahr seinen Versuch, mit Tyresö und Malmö zu konkurrieren und hat Sparmaßnahmen eingeführt. Neun Spielerinnen verlassen den Verein und fünf kommen neu hinzu, im Gespräch ist immer noch AIK:s U19-Europameisterin Jennie Nordin. Mit Ringshamre und Ericsson hat man zwei weitere junge Europameisterinnen verpflichtet. Linda Sällström, die gegen Ende der Saison noch gehen wollte (Jitex war eine Option), bleibt nun doch, vermutlich, weil die Konkurrenz in der Offensive nach ihrer Rehazeit nach dem Abgang von DeVanna, Melis und Lundh deutlich entspannter geworden ist. Linköping ist auch immer noch das bessere Team. Wichtig, dass Trainer Martin Sjögren zwei weitere Jahre bleibt.

Voraussichtlich:

Sofia Lundgren, Maja Krantz, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Marianne Gajhede Knudsen, Renée Slegers, Petra Larsson, Pernille Harder, Jonna Andersson, Linda Sällström.

Hier und bei den weiteren Clubs erspare ich mir die potentielle Bankbesetzung, da lediglich Malmö und Tyresö um die Meisterschaft spielen werden.

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Kopparberg/Göteborgs FC

Zugänge: Jessica Landström (Djurgården), Marie Hammarström (KIF Örebro), Cathrine Dyngvold (Klepp),

Abgänge: Christen Press (Tyresö FF), Ingrid Wells (noch unbekannt)

Göteborg wollte eigentlich angreifen. Dann kam der Abgang von Press dazwischen. Tyresös Zampano Hans Löfgren schnappte die Amerikanerin den Göteborgern vor der Nase weg. Landström ist vom Typ her kein Press-Ersatz, aber sie ist eine Kämpfernatur mit einer enormen fysischen Kraft. Dennoch muss sich das Angriffsspiel ändern. Torbjörn Nilsson hat seinen Trainervertrag um 2 Jahre verlängert, weil ihm versichert wurde, dass die Mannschaft sukzessiv verstärkt wird. Mindestens eine Klassespielerin muss noch kommen.

Voraussichtlich: Kristin Hammarström, Catrine Johansson, Anna Ahlstrand, Stina Segerström, Camille Levin, Yael Averbuch, Anita Asante, Johanna Almgren, Olivis Schough, Cathrine Dyngvold, Jessica Landström.

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Kristianstads DFF

Zugänge: Josefine Öqvist (vereinslos), Marija Banusic (IK Sirius), Brett Maron (Valur), Elin Borg (AIK)

Abgänge: Elin Nilsen (Vittsjö), Katrin Ómarsdóttir, Becky Edwards (beide unbekannt), Emelie Johnsson (Borens IK),  Moa Pettersson (Wä IF), Anna Persson (Glimåkra IF), Lisa Petersson, Julia Molin (AIK)

Auf den Plätzen 5-12 und bei den Aufsteigern erspare ich mir die mögliche Aufstellung am ersten Spieltag. Maron wird sicher in den ersten Monaten im Tor stehen, da Hedvig Lindahl in der Reha nach dem Kreuzbandriss ist. Trainerin Beta Gunnarsdottir ist wie immer super ambitioniert und will sicher Meister werden. Mit der Verpflichtung von Banusic ist ihr ein Coup gelungen. Für mich das größte Talent im schwedischen Fußball VOR der allenthalben gepriesenen Lina Hurtig (Umeå). Dass Josefine Öqvist letztlich der Offensive maßgebliches Gewicht verleihen wird, steht außer Frage. Kristianstad hat jetzt den drittbesten Angriff der Liga.

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Vittsjö GIK

Zugänge: Elin Nilsen (Kristianstad), Jane Ross (Glasgow City)

Abgänge: Emma Kullberg (Umeå Södra), Josefine Mårtensson (Glimåkra IF)

Das zweite Jahr ist immer das Schwerste. Das wird auch für Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK gelten. Niemand hätte das Team aus Skåne auf Rang 6 erwartet. Die Verpflichtung von Jane Ross deutet eventuell darauf hin, dass Danesha Adams geht. Die Amerikanerin war sehr wichtig. Möglich, dass Vittsjö, wie immer, von Beta Gunnarsdottir geschasste Spielerinnen überimmt. Becky Edwards?

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Umeå IK

Zugänge: Hanna Folkesson (AIK)

Abgänge: Erica Carlén (Morön)

Wenig passierte in Umeå. Keeperin Caroline Jönsson hat ihr Karriereende zur Saisonmitte angekündigt. Da braucht es Ersatz.

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Piteå IF

Zugänge: Clara Markstedt (AIK), Johanna Andersson (Assi)

Abgänge: Camilla Johansson, Jessica Olovsson (unbekannt), Ann-Mari Dovland (Klepp), Jennifer Nobis (Karriereende)

Piteå hat zwar die beste Torschützin Nobis durch Clara Markstedt ersetzt, aber es fehlt an einer weiteren offensiven Spielerin, die dem Angriff mehr Durchschlagskraft verleiht. Faith Ikidi hat ihren Vertrag bis einschließlich 2015 verlängert, eine finanzielle Deckung dafür gibt es noch nicht.

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Jitex BK

Zugänge: Emma Wilhelmsson (LdB FC Malmö)

Abgänge: Katri Nokso-Koivisto (LSK Kvinner), Nanna Jansson (Hovås Billdal), Caroline Lindblad (unbekannt)

Jitex wird weder schwächer noch stärker.

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KIF Örebro

Zugänge: Fehlanzeige

Abgänge: Marie Hammarström (Kopparbergs/Göteborg FC), Emelie Lundberg (Eskilstuna United), Hanna Ågren-Åhbom, Nina Fellbrant,  Fanny Persson (hören auf), Edda Garðarsdóttir,  Ólína Viðarsdóttir (beide zurück nach Island, , Linda Fransson (noch nicht klar)

Das sieht wieder nicht gut aus für Örebro, das erhebliche finanzielle Probleme hat.

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Sunnanå SK

Zugänge: Anikka Kukkonen (Djurgården), Hanna Glas (Sundsvalls DFF),  Carys Hawkins (Perth Glory

Abänge: Anna Bodén (Morön),  Yanru Zhang (China)

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Mallbacken

Zugänge: Sarah Bergman, Emmie Johansson (beide QBIK), Maija Saari (AIK), Hayley Lauder (Åland United)

Abgänge: Anna Arnfeldt (Karriereende)

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Djurgården

Abgänge: Gudbjörg Gunnarsdottir, Mia Jalkerud, Freja Hellenberg (alle Avaldsnes IL), Jessica Landström (Göteborgs FC), Renée Slegers (Linköping), Anna Lindblom (Hammarby), Katrine Petrous, Natalia Rickne, Annika Kukkonen (Sunnanå), Katrin Jonsdottir, Caroline Frånberg.

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AIK

Zugänge: Lisa Pettersson, Julia Molin (beide Kristianstad)

Abgänge: Maija Saari (Mallbacken), Elin Borg (Kristianstad), Nazanin Vaseghpanah (hört auf), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz (Tyresö), Clara Markstedt (Piteå), Lori Chalupny (unbekannt)