Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber “ein sehr gutes Gespräch” hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Vor dem Finale 3: Alex(andra) Popp

Schon eine Woche ist es her, dass ich mit Alexandra Popp telefoniert habe. Ein lebendiges Gespräch, das ich gerne mal fortsetzen würde.

Wir begannen beim Finale vor einem Jahr, das Wolfsburg bekanntlich mit 1:0 an der Stamford Bridge gegen den hohen Favoriten Olympique Lyon gewann.

Erinnern Sie sich noch gut an das Endspiel?

“Natürlich erinnere ich mich noch sehr gern an das Finale in London im letzten Jahr,” erzählt Alexandra.

“Das war ein echtes Highlight meiner bisherigen Karriere. Wir haben eine tolle Mannschaftsleistung gezeigt, im Stadion war eine fantastische Atmosphäre.

Allein mal im Stadion Stamford Bridge zu sein, ist ja schon ein Erlebnis, aber das wir dann da spielen durften, und die Aufmerksamkeit dem Frauenfußball gehörte, das war wirklich großartig.”

Ich war im Stadion und kann mich noch gut an die Überraschung vieler Journalistenkollegen erinnern, die sich wunderten, warum Sie auf einmal auf der linken Abwehrseite spielen. Dabei war das aus meiner Sicht einer der wichtigsten Schlüssel zum Sieg?
“Für mich war das ein kurioses Spiel, weil ich mit einem Bänderriss angetreten bin. Es war vorher fraglich, ob ich überhaupt spielen kann und dann sagte mir der Trainer, dass ich hinten in der Abwehr auf der linken Seite spielen sollte. Gegen Elodie Thomis, die normalerweise über diese Seite kommt.

Gegen die hatte ich schon mal im Halbfinale der Champions League gespielt, als ich noch bei FCR Duisburg war. Es war gut, dass ich ihr in den ersten Zweikämpfen gleich zeigen konnte, wer auf dem Platz an diesem Abend das Sagen hatte. Ich denke, dass ich die Aufgabe gut gelöst habe, auch wenn sie mir dann doch ein paar Mal entwischt ist, weil sie halt so schnell ist.”

Ich habe gelesen, dass der ehemalige tschechische Nationalspieler Pavel Nedved Ihr Vorbild ist. Der spielt ja nicht gerade dieselbe Position. Aber ist er es noch immer?
“Das ist richtig. Pavel Nedved war immer mein Vorbild und ist es auch geblieben. Er war ein überragender Mittelfeldspieler, der seine eigene Spielphilosophie hatte und seinen sehr eigenen Stil. Das hat mir als Jugendliche gefallen.”

Ich denke oft, wenn ich sehe, wie kompromisslos auch mit Gedanke an Ihr eigenes Wohlergehen Sie in bestimmte Situationen hereingehen können, tatsächlich mehr an die grosse Amerikanerin Abby Wambach.

“Das ist nicht das erste Mal, das man mir sagt, dass es Ähnlichkeiten mit Abby Wambachs Spielstil bei mir gibt. Sie ist eine der weltbesten Stürmerinnen, also habe ich nichts dagegen. Ich möchte aber auch eine Stürmerin nennen, von der ich sehr viel gelernt habe und das ist Inka Grings, die jetzt gerade ihre Karriere beendet hat.”

Was wissen Sie (eine Woche vor dem Finale) über den Gegner aus Tyresö?
“Tyresö habe ich noch nicht spielen sehen. Aber wenn man Spielernamen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete hört, auch Christen Press, dann spricht das schon Bände und sagt, dass da sehr viel individuelle Klasse ist.”

Sie gelten als sehr heimatverbunden und haben lange einen Wechsel gescheut, sind dann nach Wolfsburg gegangen, wo es sehr gut läuft. Können Sie sich langfristig auch mal einen Wechsel ins Ausland vorstellen? Ich las davon, dass es mal ein Angebot aus Schweden gegeben haben soll im Jahr 2012.

“Ja, das ist richtig, das ich mal ein Angebot aus Schweden hatte. Einen Wechsel ins Ausland irgendwann in der Zukunft will ich nicht ausschließen, aber im Moment ist das überhaupt kein Thema für mich. Ich fühle mich hier sehr wohl und kann mit dem VfL Wolfsburg in eine der stärksten Ligen Europas spielen.”

 

 

 

ALGARVE CUP: Schweden oder Japan

Dass die USA in ihrer Gruppe beim Algarve-Cup kaum eine Rolle spielen würden und nach den beiden Begegnungen gegen Japan (1:1) und Schweden (0:1) nur einen von sechs möglichen Punkten auf ihrem Konto haben würden, hätte man trotz der starken Gegner vorher sicher nicht unbedingt geglaubt.

Das Finale können die Spielerinnen um Tom Sermanni nun nicht mehr erreichen, sollte Japan gegen Schweden einen Punkt holen, dann muss ein Sieg gegen Dänemark her, um nicht um den siebten Platz spielen zu müssen, was für die US-Girls, für die immer nur ein Platz zählt, nämlich der ERSTE, schon jetzt eine ziemliche Schmach ist.

Pia Sundhage dagegen könnte mit der schwedischen Mannschaft bei einem Unentschieden gegen Japan das Finale erreichen und dort wohl wieder einmal auf Welttrainerin Silvia Neid und ihre Auswahl treffen.

Gegen die USA überzeugte vor allem Torhüterin Hedvig Lindahl, die nicht nur einen Elfmeter von Abby Wambach hielt, sondern auch weitere gute Chancen des USWNT vereitelte.

Dänemark und Norwegen haben jeweils beide Begegnungen verloren. Die Norwegerinnen unterlagen China mit 0:1 und anschließend Island mit 1:2 und Dänemark, das in der Gruppe mit Schweden, USA und Japan ohnehin Außenseiter war und nach dem Rücktritt von Katrine Pedersen und dem verletzungsbedingten Ausfall von Pernille Harder sowieso Probleme hat, zeigte beim 0:2 gegen Schweden ebenso wie beim 0:1 gegen Japan, das man nach vorne, wie schon bei der EM, kaum etwas bringt. Ohne Harder so gut wie gar nichts.

So können die Isländerinnen mit einem Sieg gegen China sogar das Spiel um Platz drei erreichen – trotz der bitteren, aber standesgemäßen 0:5 Klatsche gegen Europameister Deutschland.

NWSL – News

Die dritte Version einer amerikanischen Profiliga geht irgendwie völlig an mir vorbei. Noch kein einziges Spiel habe ich mir live im Internet angeschaut, obwohl Spiele teils auf YouTube live und in sehr guter Qualität übertragen werden und dort dann auch “liegen bleiben” zum späteren Anschauen.

Einen Spieltag vor Ende der Saison und vor Start der Halbfinalbegegnungen liegt der FC Kansas City drei Punkte vor einem Verfolgertrio, bestehend aus Western New York Flash, dem FC Sky Blue und den Portland Thorns.

Ganz am Ende der Tabelle und hoffnungslos abgeschlagen liegt Washington Spirit, dessen Spielerinnen Ashlyn Harris und Ali Krieger nach der letzten Begegnung gegen Sky Blue am kommenden Sonntag am Dienstag schon in Tyresö erwartet werden.

Boston, Chicago und auch Seattle haben ebenfalls keine Chance mehr auf das Halbfinale, das zwischen Kansas, Portland, Sky Blue und Western New York ausgetragen wird.

Sollte Western New York wieder den Titel holen wäre das der vierte in vier Jahren in vier verschiedenen Ligen.

Die Scorerliste führt übrigens weder Abby Wambach noch Alex Morgan an sondern eine gewisse Lauren Holiday von Tabellenführer Kansas City, die es in 17 Spielen auf immerhin 12 Tore und sieben Assists gebracht hat. Vielen dürfte Holiday unter ihrem Mädchennamen Cheney ein besserer Begriff sein. Lauren hat in diesem Jahr den Basketballprofi Jrue Holiday geheiratet.

Dann kommen Sidney Leroux und Wambach, dahinter die Kanadierin Diane Matheson mit acht Treffern. Ebenfalls Top 10 die Mexikanerin Monica Ocampo von Sky Blue.

Tabellenführer Kansas City spielt im heimischen Verizon Wireless Field im Overland Park vor in der Regel um die 5.000 Zuschauer. In Portland sahen vor zwei Wochen 17.619 den 3:2-Auswärtssieg von Kansas. Wesentlich geringer das Interesse für die Boston Breakers, die meist vor 2-3.000 spielen, das wären aber in Schweden immer noch großartige Zahlen.

Und wer mal ein Spiel sehen möchte. Hier gibt es Kansas City – Boston Breakers komplett.

Schweden demontiert Island

Schweden gewann am Freitagabend mit 6:1 gegen Island. Zweimal Kosovare Asllani, je einmal Sara Thunebro, Lotta Schelin, Kristin Hammarström und Susanne Moberg erzielten die Tore in einer Begegnung, die leider mehr über Island als über Schweden aussagt.

Erschreckend schwach präsentierte sich der Endrundenteilnehmer der EURO und machte deutlich, wie groß die Unterschiede im internationalen Frauenfußball noch sind. Dabei spielen fast alle Isländerinnen in europäischen Topligen, in Norwegen oder Schweden vor allem.

Und so ist dieser hohe Sieg gut für das Selbstvertrauen der Schwedinnen, aber erst am Montag, nach dem Spiel gegen die USA, werden wir sagen können, was Schweden unter Pia Sundhage bisher erreicht hat. Man darf gespannt sein, welche Spielerinnen dann zum Einsatz kommen.

Ein klares Ausrufezeichen hinter Antonia Göransson, die auf der rechten Seite wirbelte und hochmotiviert war. Auch Kosovare Asllani nutzte ihre Chance als Spitze neben Lotta Schelin. Die Abwehr, möglicherweise die Achillesferse, wurde keiner Prüfung ausgesetzt. Nilla Fischer verschätze sich einmal grob, ein Fehler, den sie sich bei Abby Wambach, Alex Morgan oder Christen Press in 72 Stunden nicht leisten darf. Was Thunebro und Lina Nilsson leisten können, wenn die Gegnerinnen Weltklasse sind, steht auch noch zu sehen aus.

Aber immerhin ist man auf dem richtigen Weg. Wie weit, das kann man eben nach dem heutigen Kantersieg nicht sagen.

Aus jeder Lage schießen

 

Christen Press

Christen Press auf dem Tyresövallen im Juni 2012

Vor einer guten Woche habe ich ein wenig über Anja Mittag und ihre Saison geschrieben, nun ist Christen Press an der Reihe.

Die gerade 24 Jahre alt gewordene Stürmerin stammt aus Kalifornien, aus der Nähe von Los Angeles und zum ersten mal wurde ich auf sie aufmerksam, als sie in der WPS bei magicJack spielte, zusammen mit Abby Wambach und Hope Solo. Pro Woche wurde ein Spiel live und gratis im Internet übertragen und meistens war das sonntags um Mitternacht unserer Zeit. Press hat 2011 in 17 Spielen acht Tore geschossen und schnitt damit hervorragend ab, denn Marta, die in ihren drei WPS-Jahren die Torjägerinnenliste in drei verschiedenen Clubs gewann (!), hatte lediglich zwei Tore mehr erzielt.

Aber Christen Press war schon 2011 keine Unbekannte. Sie hatte an der renommierten Stanford University in der Nähe von San Francisco studiert und auch für das Fußballteam gespielt. 2010, in ihrem letzten Jahr an der Uni, gewann sie die sogenannte Hermann-Trophy, den Preis für die beste College-Spielerin in den USA. Vor ihr holten u.a. Christine Sinclair, Anne Mäkinen, Mia Hamm und Kristine Lilly die begehrte Trophäe.

Und für ihr erstes Jahr in der amerikanischen Profiliga wurde sie neben Alex Morgan und Sydney Leroux für den Preis “beste Newcomerin der Liga” nominiert und irgendwie habe ich immer gedacht, Morgan hätte den Preis bekommen.

Als ich Christen Press am Rande der Fotbollsgalan im November 2012 in Stockholm in der Mixed Zone traf und sie auf einen vereinbarten Fototermin mit Anja Mittag wartete, bemühte ich mich, etwas Small Talk zu machen und sagte, dass ich die Nominierung ganz toll gefunden hatte, dass aber ja Morgan den Preis bekommen hätte.

Sie lächelte: “No, it was actually me, who won the award.” So kann man ins Fettnäpfchen treten und lernt daraus, beim nächsten Mal alles genauer im Vorfeld zu lesen.

Ein nächstes Mal schien es dann aber doch erst einmal nicht zu geben, denn Christen und ihr Verein Kopparberg/Göteborgs FC trennten sich. Gerne hätte man die schnelle und schussstarke Goalgetterin behalten, die nicht nur 17 Tore in der Liga schoss, sondern auch im Pokalfinale gegen Tyresö (Göteborg gewann 2:1 nach Verlängerung) entscheidenden Anteil daran gehab hatte, die Trophäe in Göteborg behalten. Aber Christen wollte zu den Lagern der amerikanischen Nationalmannschaft, die alle paar Wochen stattfinden, eine Freigabe bekommen und dazu war Göteborg nicht bereit. Was man verstehen kann, denn so hätte die Amerikanerin bei vielen Spielen gefehlt und wäre ständig zwischen USA und Schweden hin- und hergeflogen.

Ende November reiste sie mit ihrer Schwester nach Peru und wanderte in den Anden zur Festung Macchu Picchu und am 27. November schrieb Christen in ihrem Blog: “Jetzt, wo ich an der Peripherie der amerikanischen Nationalmannschaft bin und die Profiliga vor der Tür steht, zögere ich etwas meine persönlichen und  beruflichen Ziele in Schweden aus Angst um meine amerikanischen Fußballträume weiter zu verfolgen. Theoretisch scheint es ein tolles Jahr zu sein, um im Ausland zu spielen, denn es stehen keine großen Turniere für das USWNT an, aber drei Faktoren stören meine Überzeugung: 1) Mit einem neuen Trainer Tom Semanni und einer neuen Leitung scheint das nächste Jahr eines zu werden, dass “neuen” Spielerinnen die Möglichkeit gibt, gesehen zu werden. 2) Eine starke, eigene Liga ist sehr wichtig für die Entwicklung des Frauenfußballs in den USA, weil es eine Umgebung mit starkem Wettbewerb braucht, in der neue Spielerinnen gesehen werden können und um Plätze im team konkurrieren können. 3) In der neuen Liga zu spielen ist eine Art und Weise, an der wachsenden Bedeutung des Fußballs bei uns Anteil zu nehmen. Ein paar Tage, bevor wir in die Anden aufbrachen, fragte mich jemand, warum ich den Inka-Pfad gehen wolle und ich sagte, dass meine Überlegungen vielleicht klarer würden während der Wanderung.”

So muss es dann gewesen sein, denn im Dezember galt es dann als offenes Geheimnis, dass Press doch nicht in die USA zurückkehren würde, sondern beim schwedischen Meister Tyresö das Dream Team noch weiter verstärken würde.

Ich habe Christen Press bei allen Auswärtsspielen in Stockholm getroffen 2012. Die erste Begegnung war nach dem Spiel gegen Tyresö, das 1:3 verloren ging. Das war kurz vor den Olympischen Spielen in London, wo Press und ihre künftige Mannschaftskameradin Meghan Klingenberg als Reserven von Pia Sundhage nominiert waren. Damals herrschte noch die Vorfreude auf das Olympische Dorf, in dem sie nur wenige Tage verbringen würden, da die USA außerhalb von London den Weg zum Finale finden musste.

Bei allen drei Spielen in Stockholm, von denen zwei verloren gingen, beeindruckte mich Press enorm. Nicht über die gesamte Distanz von 270 Minuten, aber sie ist enorm schnell, hat einen sehr gute Ballannahme und wie mir Vero Boquete über sie sagte: “Mir gefällt, dass sie wirklich aus allen Lagen schießt.” Und Press’ Schussversuche sind gut und kommen mit einer blitzschnellen Reaktionszeit. Das macht sie zu einer der besten Stürmerinnen, die derzeit in Europa Fußball spielen. Ausschnitte aus dem Pokalfinale und ein Interview gibt es im verlinkten YouTube-Video weiter unten.

“Ich bin nach Schweden gekommen, um eine bessere Fußballspielerin zu werden,” sagte sie mir dann später in der Saison am Telefon. “Als ich hierher kam, wusste ich nicht recht, was mich erwarten würde, aber ich muss sagen, dass ich sehr positiv überrascht war. Meine Mannschaftskameradinnen waren sehr nett und haben mich sofort ins Team aufgenommen. Und als ich mich dann allmählich an die Spiel- und Lebensweise mehr angepasst habe, da bin ich nicht zuletzt als Fußballspielerin doch sehr gewachsen.”

Torbjörn Nilsson, Press Trainer in Göteborg, sagte nach der Verpflichtung der Amerikanerin, er habe sie nicht selber gesehen, aber dieses Mal habe er sich einfach auf Aussagen von Leuten verlassen, die viel vom Fußball verstehen. Für Christen war der Schritt nach Schweden einfach: “Als die WPS ihren Betrieb einstellte, wusste ich, dass ich jetzt ins Ausland gehen wollte. In Frage kamen da vor allem Schweden und auch Deutschland, weil man weiß, das die sehr gujte Ligen haben. Göteborg gefällt mir sehr gut, es ist eine nette Stadt, die Leute sind sehr hilfsbereit und wie ich gern sage, es sind die Leute, die ausmachen, wie ein Ort ist.”

Fahrrad gefahren, wie ihre englische Teamkameradin Anita Asante, ist sie aber nicht in der zweitgrößten Stadt Schwedens. Und sportlich? “Es war eine Saison, in der es rauf und runter ging und uns hat definitiv die Stabilität gefehlt. Jetzt ist es an der Zeit, das die Mannschaft ein Level nach oben kommt, beständiger spielt, um in der nächsten Saison unter die besten Zwei zu kommen,” sagte Christen Press.

Am Ostermontag wird sie ihr Debüt in einem Wettkampfspiel geben, da geht es beim Supercup ausgerechnet gegen ihre alten Mannschaftskameradinnen.

Alex Morgan und Christine Sinclair nach Portland

Am Nachmittag lokaler Zeit wurde in den USA jetzt die Verteilung der US-amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Nationalspielerinnen auf die acht Mannschaften der NWSL bekanntgegeben. Wie immer hatte man offenbar einen ganzen Katalog von Kriterien erarbeitet, dazu kamen erfreulicherweise auch erstmals Interessen der Spielerinnen, die aber sicher nicht in allen Fällen erfüllt werden konnten.

Das neu gegründete Team der Portland Thorns schießt dabei meiner Meinung nach den Vogel ab. Denn mit Alex Morgan und Christine Sinclair bekommt das Team zwei der allerbesten Stürmerinnen der Welt, die übrigens 2011 schon bei Western New York Flash zusammengespielt haben.

Abby Wambach, die ich mal in Western New York und dann auch in Portland vermutet hatte, wird nun doch für Western New York Flash in Rochester spielen. Da kommt ihre Familie her, auch wenn sie mit ihrer zukünftigen Frau kürzlich erst ein großes Haus in Portland gekauft hat, gibt es noch einmal ein Jahr im Staate New York. Wambach ist eine von nur zwei Amerikanerinnen, die WNYF bekam, die andere ist die zweifache Torschützin des olympischen Finales, Carli Lloyd. Wäre Meghan Klingenberg nicht dieses Jahr in Tyresö, wäre sie wohl die dritte Spielerin in New York gewesen.

Hope Solo wird erwartungsgemäß das Tor der neuen Mannschaft Seattle Reign hüten. Dorthin wird auch Megan Rapinoe gehen, wenn ihre sechs Monate in Lyon vorbei sind.

Die Kanadierin Sophie Schmidt, die gerüchteweise immer noch mit Kristianstad in Verbindung gebracht wurde, wo sie vergangenes Jahr ein paar Wochen spielte, wird nicht in Schweden spielen, sondern für Sky Blue FC in New Jersey.

Nun haben alle Teams 6-7 Spielerinnen und damit den Stamm der Truppe. In der nächsten Woche wird dann das Drafting der College-Spielerinnen stattfinden und ein weiteres Kontingent auf die Teams zukommen.

Die komplette “allocation”-Liste gibt es unter anderem bei Equalizer Soccer auch schon mit ersten Wertungen.

Am Freitagabend

werden wir erfahren, wo die 55 US-amerikanischen, kanadischen und mexikanischen Nationalspielerinnen landen werden, deren Namen gestern von der neuen Profiliga NWSL veröffentlicht worden sind.

U.a. Jeff Kassouf hat die Liste gestern Abend veröffentlicht. Die 55 werden auf die acht Mannschaften verteilt und heute war zu lesen, dass man sich wieder mal auf ein ausgeklügeltes System geeinigt hätte, nach dem die acht Clubs dann endlich zu Spielerinnen kommen.

Alle 18 Spielerinnen, die in London Gold für die USA gewannen, sind übrigens dabei, auch Megan Rapinoe, die in der ersten Jahreshälfte ihr Französisch aufpoliert beim 2fachen CL-Sieger Olympique Lyonnais.

Das komplette kanadische Bronze-Team aus London ist ebenfalls dabei, auch die von einigen gejagte Christine Sinclair, die, wenn nur Skandinavien gewählt hätte, Weltfußballerin des Jahres geworden wäre. Einzige Ausnahme: die in Schweden durch Einsätze für Piteå und Dalsjöfors bekannte Melissa Tancredi, die ein Jahr Pause macht, um ihr Studiumn abzuschließen.

Abby Wambach hatte ich bisher bei Western New York Flash verortet, aber nachdem ich hörte, dass sie sich im August ein Haus in Portland gekauft hat, scheint Oregon zum neuen Heimatstaat der 32-Jährigen zu werden.

Wambach: USWNT wird in NWSL spielen

Abküfi nannte man das früher und ich bitte auch gleich um Entschuldigung, aber ich hätte es sonst nicht in eine kurze Überschrift bekommen und außerdem sieht es auch witzig aus…

Auf der Pressekonferenz vor der Verleihung des goldenen Balls sagte Abby Wambach gestern in Zürich, dass sich die gesamte amerikanische Nationalmannschaft (USWNT = United States Women National Team) dazu verpflichtet hätte, in der sich neu gegründeten Profiliga NWSL (= North American Women Soccer League) zu spielen.

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Megan Rapinoe wurde jetzt auch offiziell als Zugang von Olympique Lyonnais bestätigt, wobei ihr Vertrag aber offenbar nur bis zur Sommerpause (Champions League inklusive) läuft. Meghan Klingenberg und Christen Press spielen bekanntlich für den schwedischen Meister Tyresö FF. Inwieweit die beiden dem Kader von Tom Sermanni angehören, wird man sehen. Beide sind sicherlich Weltklasse und wären in den meisten anderen Ländern gesetzt, aber in den USA hat man bekanntermaßen eine große Auswahl. In der Offensive eben außer und derzeit vor Press wohl Wambach, Alex Morgan und Sydney Leroux, die schon als Wambach-Nachfolgerin gehandelt wird.

Noch aber hat keine der acht Mannschaften, die die neue Liga bilden werden, auch nur eine einzige Spielerin unter Vertrag. Da ist Handlungsbedarf. Übernächste Woche bereits sollen die besten College-Spielerinnen “gedraftet” werden.

Die Liga wird aus vier alten und vier neuen Teams bestehen. Wobei alt im amerikanischen Sinn sehr relativ ist… Ältestes Team sind demnach die Chicago Red Devils und der Sky Blue FC, die immerhin schon fünf Jahre auf dem Buckel haben. Dazu noch die Boston Breakers und der dreifache amerikanische Meister (in drei verschiedenen Ligen; reif fürs Buch der Rekorde…) Western New York Flash.

Neu gegründet für die Liga wurden der FC Kansas City, Portland Thorns FC, Washington Spirit (nicht Freedom wie ursprünglich angenommen, weil man Angst hatte, dass Freedom-Käufer und magicJack-Besitzer Dan Borislow wieder vor Gericht ziehen könnte) und Seattle Reign. In Seattle im Nordwesten der USA setzte sich dabei Eigentümer Bill Predmore gegen die bereits seit 1970 existierenden Seattle Sounders durch. Die Sounders hatten 2012 noch den zweiten Platz in der E-WSL belegt und Hope Solo, Megan Rapinoe, Alex Morgan und Sydney Leroux hatten für die Sounders gespielt.

Predmore gab der Lokalzeitung Seattle Times ein aufschlussreiches Interview: “Unsere Erwartung ist, dass es hier einen Wettbewerb mit Weltklasseniveau geben wird. Jedes Team wird mindestens drei amerikanische Nationalspielerinnen haben, zwei Kanadierinnen und eine Mexikanerin. Bei einer so kleinen Kerngruppe von acht Mannschaften ist das gleichmäßige Niveau sehr wichtig. Wir glauben auch, dass wir Talente von außerhalb Nordamerika anlocken.”

Bill Predmore erklärte auch, dass einige Spielerinnen wohl wählen würden, wo sie spielen wollen. Gemeinhin wird Abby Wambach etwa in Western New York erwartet, Hope Solo und Sydney Leroux in Seattle, Megan Rapinoe (wenn sie denn kommt, in Portland).

Noch hat die Liga nicht einmal eine eigene Homepage, bei zwei Teams stehen auch die Spielorte noch nicht fest. Aber in den nächsten Wochen wird es vermutlich schnell gehen. Im Wesentlichen wird es in den ersten Jahren (wenn es Jahre werden…) darum gehen, eine stabile Organisation aufzubauen, die man ausbauen kann. Ausbauen zu mehr Teams, von Los Angeles ist wieder die Rede, auch von Hartford in Connecticut. Noch gibt es keine ernst zu nehmenden Gerüchte über eventuelle kanadische Teams, nachdem sich die Vancouver Whitecaps schon vor geraumer Zeit aus den Diskussionen verabschiedet hatten.

Abstimmung

Gestern Abend holte sich Abby Wambach endlich einmal den goldenen Ball (Ballon d’Or) in Zürich ab als beste Spielerin der Welt 2012. Hätte man nur auf die Leistungen des Jahres geschaut, wäre Alex Morgan die bessere Wahl gewesen, aber Morgan ist klug genug, anzuerkennen, dass Wambach einfach dran war. Ihre eigene Zeit wird kommen.

Stimmberechtigt bei der Wahl sind übrigens die Nationalmannschaftskapitäninnen und Trainer sowie ausgewählte Journalisten. Einige geben wirklich bisweilen bizarre Stimmen ab. Wie anders wäre zu erklärten, dass Marta noch vor Alex Morgan auf Platz 2 landete.

Wie anders wäre zu erklären, dass die 2011 überragende, aber 2012 lange verletzte und bei Olympia eher unscheinbare Honore Sawa ganz knapp hinter Marta und Morgan auf Rang vier landete?

Hier einige prominente Wählerinnen und ihre Wahl. Die gesamte Liste könnt ihr hier sehen:

Melissa Barbieri / Australien wählte: Alex Morgan
Marta / Brasilien: Aya Miyama
Christine Sinclair / Kanada: Aya Miyama
Pu Wei / China: Homare Sawa
Castillo Dayana / Kolumbien: Marta
Katrine Pedersen / Dänemark: Carli Lloyd
Casey Stoney /
England: Christine Sinclair
Maija Saari / Finnland: Alex Morgan
Sandrine Soubeyrand / Frankreich: Abby Wambach
Nadine Angerer / Deutschland: Abby Wambach
Katrin Jonsdottir / Island: Christine Sinclair
Aya Myama / Japan: Homare Sawa
Maribel Dominguez / Mexico: Christine Sinclair
Daphne Koster / Niederlande: Carli Lloyd
Rebecca Smith / Neuseeland: Homare Sawa
Ingvild Stensland / Norwegen: Christine Sinclair
Ksenia Tsibujtovich / Russland: Abby Wambach
Precious Dede / Nigeria: Abby Wambach
Nilla Fischer / Schweden: Christine Sinclair
Christie Rampone / USA: Alex Morgan

Die Woche in Schweden

Zur Zeit ist es weiterhin relativ ruhig. In Stockholm schneit es und Fußballtraining draußen scheint im Moment Lichtjahre weit entfernt zu sein. Dennoch tut sich das eine oder andere und ich liefere es euch hier in der Wochenzusammenfassung. Sollten große Nachrichten kommen, gibt es selbstverständlich aktuelle Posts. Es sind auch diverse Interviews in Vorbereitung bzw. abgeschlossen, die ich in den nächsten Wochen hier einstreuen werde. Ich habe mich länger mit Anja Mittag, Christen Press und Vero Boquete unterhalten für einen Artikel, der jetzt gerade in der schwedischen Frauenfußballzeitschrift MARTA fotbollsmagasin erschienen ist und obwohl die Gespräche länger zurückliegen, haben viele Antworten daraus einen eher Saison-zusammenfassenden Charakter, weshalb sie sicher noch interessant sein dürften. Das kommt vielleicht schon nächste Woche.

Ein paar aktuellere Interviews wird es auch noch geben. Außerdem will ich noch für mich und für euch auf die Saison 2012 in Schweden zurückblicken und schon eine kleine Vorschau auf 2013 wagen, auf das wir uns besonders freuen, denn hier wird, wie alle wissen, die EURO stattfinden.

Eine meiner Lieblingsspielerinnen (ja, auch als schreibender und meist zumindest nach außen neutraler Mensch muss man sowas haben dürfen) hat ihren Vertrag mit Linköpings FC nun doch verlängert. Finnlands zweimalige Fußballerin des Jahres Linda Sällström bleibt und geht doch nicht, wie Gerüchte besagten nach Mölndal zu Jitex BK. Die 24-Jährige, die sicher ohne Übertreibung zu den schnellsten Spielerinnen der Welt gehört, ist nach ihrem Kreuzbandriss im Frühjahr wieder im vollen Training und mir sagte sie kurz, dass sie nach ausführlichen Überlegungen doch eine bessere sportliche Zukunft in Linköping sieht. Und Recht hat sie. Denn auch wenn Linköping zwar deutliche Schnitte in seinem außergewöhlich starken Kader gemacht hat, ich werde all die Abgänge nicht mehr hier auflisten, so sieht das Team mit Stützen wie Sofia Lundgren, Charlotte Rohlin, Nilla Fischer und nicht zuletzt dem dänischen Supertalent Pernille Harder immer noch recht stark aus und sollte in der oberen Hälfte der Tabelle locker mitspielen können.

Nicht nur “Sällis” bleibt in Linköping, sondern auch der mitten in der Saison gekommene Trainer Martin Sjögren. Der Mann, der Malmö zu zwei Meistertiteln geführt hat, hat einen 2+1 Vertrag unterschrieben. Für alle bislang erwähnten dürfte es sicher auch eine tolle Saison in einem funkelnagelneuen Stadion werden, das nächstes Jahr bei der EURO von der Frankreich-Gruppe bespielt werden wird.

Eine, die Linköping nach nur einer, für sie missglückten, Saison verlässt ist Matilda Agné. Sie geht zurück zu ihrem früheren Verein Hammarby und sie ist nicht alleine. Ein paar Tage vorher unterschrieb auch Anna Lindblom nach einem Intermezzo bei Djurgården in der zweiten Liga bei ihrem früheren Verein, der durch diese beiden Verstärkungen offenbar Ambitionen hat, um die Spitzenplätze der neugegründeten Elitettan zu spielen. Nach einer Saison in Linköping geht ja auch Emma Lundh zurück nach Stockholm und auch wenn ihr neuer Club noch nicht feststeht, ein Wechsel zu Hammarby würde die grünweiße Traditionsmannschaft zu den Mitfavoriten um den Aufstieg machen…

Emma hat schon bei allen wichtigen Teams in Stockholm gespielt. Sie war bei AIK, Hammarby, Tyresö, Brommapojkarna und auch bei Djurgården. Der ehemalige Meister und Women’s Cup Finalist geht ungewissen Zeiten entgegen. Inzwischen hat wohl die gesamte Startformation des letzten Spiels gegen Piteå am 03.11. den Verein verlassen. Gestern wurde bekannt, dass Norwegens Aufsteiger Avaldsnes mit Abwehrspielerin Freja Hellenberg nach Gudbjörg Gunnarsdottir und Mia Jalkerud die dritte Spielerin aus Stockholm nach Westnorwegen importiert. Der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist die Tatsache, dass sich mit Sofia Nilsson, einer der auffälligsten Spielerinnen Djurgårdens, die achtzehnte Spielerin der Liga im vorletzten Spiel gegen Kristianstad einen Kreuzbandriss zuzog. Noch offiziell bei Djurgården, da nichts anderes verlautet ist, sind Jessica Landström und Susan Varli, aber beide dürften für viele andere Vereine interessant sein und wohl 2013 anderswo spielen.

Auf außerordentlichen Jahreshauptversammlungen haben die beiden Vereine LdB FC Malmö und FC Rosengård die Fusion beschlossen. Wie schon vorher berichtet, soll der neue Verein FC Rosengård heißen und dann eben Männer- wie Frauenfußball unter seinem Dach vereinen. Bei Rosengård war das bisher schon so, aber LdB war ein reiner Frauenfußballverein. Die Fusion ist Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben von LdB als Spitzenverein. Neben seinem neuen Cheftrainer Jonas Eidevall hat Anja Mittags Team nun auch einen neuen Assistenztrainer: Markus Tilly, 36 Jahre alt, kommt aus der Region vom Männerfußballverein Ängelholm.

Hauptkonkurrent und Meister Tyresö FF hat bislang keine Neuverpflichtungen bekanntegeben, aber in der Szene ist bekannt, dass Tyresö an einer offensiven Verstärkung interessiert ist und auch Gespräche geführt hat und führt. Manon Melis geht nach Malmö und Christen Press allem Anschein nach zurück in die USA, aber mit beiden hat Tyresö gesprochen. Ein heißer Name ist der der kanadischen Sportlerin des Jahres Christine Sinclair, aber auch das dürfte schwer werden, da der kanadische Fußballverband wie früher berichtet, 16 Spielerinnen seiner A-Mannschaft voll in der neuen amerikanischen Profiliga finanzieren wird. Abby Wambach dagegen dürfte ganz kalt sein, denn Wambach wird mit großer Sicherheit für Western New York Flash spielen und nächstes Jahr auch eine Familie gründen und seßhaft werden. Alles deutet auf Rochester im Staat New York hin, wo Wambach auch aufgewachsen ist.

Viel wichtiger aber die Nachricht, dass sich Tyresö FF in eine Gesellschaft verwandeln wird. Wichtigster Punkt dabei nach dem Vorsitzenden Hans Lindberg ist, dass man die Frauenmannschaft vom Breitensport im Verein juristisch trennen will. Zwei Clubs haben das schon einmal gemacht in der Damallsvenskan, nämlich Bälinge IF und Djurgården/’Älvsjö und beide Clubs sind in Konkurs gegangen. Djurgården lebte als Djurgården damfotboll weiter. Inzwischen hat Tyresö mit 15 Millionen Kronen (1,714 Millionen €) den höchsten Umsatz in der Damallsvenskan. Der große Zampano des Vereins, der scheinbar im Hintergrund agierende Hans Löfgren, hat ein einzigartiges Netzwerk aus rund 150 kleinen, mittleren und großen Firmen gebastelt, das die Frauenmannschaft unterstützt und damit den Weg von der vierten Liga zum Meistertitel geschafft. “Für uns bedeutet das auch eine Sicherheit für die restlichen Aktivitäten des Vereins, wenn das Spitzenteam des Frauenfußballs getrennt ist. Wir werden nach der nächsten Saison evaluieren, im Augenblick glaube ich aber, dass dies die beste Lösung ist,” so Hans Lindberg. Tyresö ist eben ein großer Verein mit Dutzenden von Kinder- und Jugendmannschaften.

Eines der ewigen Talente des schwedischen Frauenfußballs wechselt zu einem Verein, dessen Name vor allem im Männerfußball große Geschichte hat. Louise “Lollo” Fors, die vielleicht den besten Linksfuß der Damallsvenskan hat, ist nach einer enttäuschenden Saison bei Linköpings FC gegenwärtig in Australien, hat aber jetzt für den FC Liverpool Ladies unterschrieben. Fors wurde früher bei ihrem ersten Verein in der Damallsvenskan Lollodinho genannt, weil sie immer wieder brasilianisch anmutende geniale Momente hatte. Leider ist ihr Talent über die Jahre nicht richtig entwickelt worden. Die ersten Spiele mit ihr habe ich gesehen, als sie mit 15 in der Damallsvenskan debütierte. Inzwischen ist Fors 23 und noch immer könnte sie den entscheidenden Schritt tun.

Manchmal sind auch Vertragsverlängerungen wichtige Nachrichten. Zwei will ich hier hervorheben: Sofie Andersson bleibt in Vittsjö, sie war die herausragende Akteurin der letzten beiden Jahre beim Aufsteiger und ihre Bedeutung ist unstrittig. Ebenso wichtig, dass Nationalspielerin Sara Larsson in Örebro bleibt. Bei dem wirtschaftlich und sportlich in diesem Jahr gebeutelten Tabellenzehnten könnte dies ein Signal für andere Spielerinnen sein, ebenfalls zu Kugelschreiber zu greifen und zu bleiben, nachdem mit  Marie Hammarström bereits eine Schlüsselspielerin gegangen ist (nach Göteborg).

 

 

 

Noch ein Sieg

44 Sekunden dauerte es, bis die USA im Rahmen ihrer Fan Tribute Tournee mit 1:0 gegen Irland in Führung gingen. Und Torschützin war Alex Morgan, die es wohl verdient hätte, Weltfußballerin des Jahres zu werden, die es aber wohl doch nicht werden wird. 2012 hat Morgan die meisten Tore im US-Team erzielt: beeindruckende 28 Länderspieltore, erfolgreicher innerhalb eines Jahres waren nur Abby Wambach 2004 mit 31 Treffern und ganz vorne Michelle Akers mit schier uneinholbaren 39 Treffern im Jahr 1991.

Das Spiel fand in Glendale im Bundesstaat Arizona statt und immerhin kamen etwas über 11.000, um den 2:0-Sieg zu bejubeln. Den zweiten Treffer erzielte Megan Rapinoe nach 38 Minuten.

Nun stehen noch drei Heimspiele gegen China an (die erste Begegnung ist am 8. Dezember in Detroit, danach geht es weiter nach Houston/Texas und zum Abschluss nach Boca Raton/Florida) und nach zu erwartendenden weiteren drei Siegen ist dann die Tournee beendet.

Erstmals in der Geschichte der amerikanischen Nationalmannschaft wurden innerhalb eines Spiels drei Torhüterinnen eingesetzt: Hope Solo spielte 22 Minuten und wurde dann durch Jill Loyden ersetzt, in den zweiten 45 Minuten spielte Nicole Barnhart. Am beeindruckendsten aber die Leistung der vierten Keeperin auf dem Platz: Emma Byrne von Arsenal London war es allein zu verdanken, dass die USA nur 2:0 gewann. Mit mehreren spektakulären Glanzparaden, unter anderem holte sie einen 30-Meter-Schuss von Carli Lloyd aus dem rechten Winkel, bewahrte sie ihre irische Mannschaft vor einem weiteren Debakel.

Am Donnerstag gab der amerikanische Fußballverband US Soccer bekannt, dass Cheryl Bailey Geschäftsführerin der neuen Profiliga wird, die im nächsten Jahr ihren Betrieb aufnehmen soll. Bailey war von 2007 bis 2011 Managerin der amerikanischen Nationalmannschaft. Die neue Liga, deren Name noch nicht offiziell feststeht, ist nach Angaben der Zeitung Examiner ein Joint Venture der Fußballverbände der USA, Kanadas und Mexikos, wird aber von US Soccer betrieben.

“Cheryl war eine sehr angesehene Mitarbeiterin von US Soccer während ihrer fünf Jahre mit der Nationalmannschaft,” sagte der Präsident von US Soccer, Suni Gulati, in einer Presseerklärung. “Cheryl war eine von vielen Pionierinnen für die sportlichen Universitätswettbewerbe und war fünf Jahre im inneren Kreis der Nationalmannschaft. Wir sind begeistert, dass wir sie an Bord haben werden.”

Selber sagte Bailey: “Die neue Liga ist ein lebenswichtiger Teil für das weitere Wachstum dieses Sports in den Vereinigten Staaten. Unsere wichtigste Aufgabe wird sein, den Spielerinnen einen Ligabetrieb mit starker Konkurrenz zu ermöglichen, in der sie spielen können und etwas schaffen können, das insbesondere für junge Mädchen ein Ziel werden kann.”

Wie schon früher hier berichtet hat sich US Soccer verpflichtet, die Gehälter von bis zu 24 amerikanischen Nationalspielerinnen in der Liga zu übernehmen. Kanada wird bis zu 16 Spielerinnen finanzieren und Mexiko bis zu 12.

Acht Mannschaften wird es in der neuen Liga geben: Western New York Flash, Boston Breakers, Chicago Red Devils und FC Sky Blue. Diese vier Teams haben alle eine WPS-Vergangenheit. Neu hinzu kommen der FC Kansas City (eine Neugründung), ein neues Team in Washington, D.C., das entgegen erster Meldungen wohl nicht wieder Freedom heißen wird wie sein Vorgänger. Und an der Westküste wird es zwei Teams geben, in Portland und Seattle. Das führt natürlich in einem Land von der Größe der USA zu häufigen weiten Reisen, die Geld verschlingen. Aber da rund 50 Spielerinnen von den Fußballverbänden der USA, Kanadas und Mexikos finanziert werden und dazu noch das Hauptbüro der Liga mit seiner gesamten Infrastruktur durch den amerikanischen Verband bezahlt wird, besteht die Hoffnung, dass das neue Mobil lebensfähiger sein könnte als die WUSA und die WPS.

Die 50 Spielerinnen, die von den Verbänden finanziert werden, sollen in den nächsten Wochen nach Absprachen mit den Spielerinnen, Vereinen und Verbänden verteilt werden.

Victor Montagliani, Präsident des kanadischen Fußballverbands erklärte: “Nachdem klar war, dass Sunil und der amerikanische Verband hier die Führungsrolle übernehmen, sind wir schnell auf den Zug aufgesprungen. Wir sind über diese Entwicklung sehr glükclich. Wir sind Gastgeber der nächsten Weltmeisterschaft 2015 und für uns ist das eine große Möglichkeit, uns auf dieses Ereignis vorzubereiten, dabei wissend, dass unsere Spielerinnen sich in einer hochklassigen Liga darauf vorbereiten können.”

Trotz der Begeisterung in Kanada und Mexiko gibt es aber wie man sieht noch keine Clubs in diesen Ländern. Kanada sei noch nicht so weit, so Montagliani, aber auszuschließen sei nicht, dass es auch in Kanada in Zukunft ein Engagement auf Mannschaftsebene geben werde.

Hattrick von Alex Morgan, Hope Solos Ehemann verhaftet

Die amerikanische Nationalmannschaft gewann gestern Abend in Portland gegen Irland mit 5:0 im Rahmen ihrer Celebration-Tour, einer Tournee, die das Team durch verschiedene Teile der USA führt und bei der die Goldmedaillengewinnerinnen von London vorgestellt und gefeiert werden.

Dabei erzielte Alex Morgan, die heute erstmals neben Abby Wambach und Marta unter die drei besten Spielerinnen der Welt von der FIFA nominiert wurde, ihren ersten waschechten Hattrick im geringelten weiß-roten Trikot. Die beiden anderen Treffer besorgte Sydney Leroux.

Schlagzeilen machte wieder einmal Torhüterin Hope Solo. Die spielte eine Halbzeit und wurde wie vereinbart in den zweiten 45 Minuten von Jill Loyden abgelöst. Schlagzeilen produzierte nicht Solo selber, aber ihr frischgebackener Ehemann Jerramy Stevens. Der wurde in Florida wegen des Verdachts des Verstoßes gegen ddie Bewährungsauflagen verhaftet. Stevens hat eine Strafe auf Bewährung wegen eines Cannabis-Vergehens und seine Festnahme in der Nacht vor der Hochzeit mit Hope Solo wegen des Verdachts auf Körperverletzung sorgte jetzt dafür, dass man in Florida der Ansicht ist, der Zweimetermann habe gegen Bewährungsauflagen verstoßen.

Nochmal Solo

Nachdem sie letzte Woche Schlagzeilen wegen ihrer Hochzeit mit dem nicht unumstrittenen Footballspieler Jerramy Stevens machte, der sie in der Nacht vor der Eheschließung misshandelt haben soll, gibt es nun abermals Gerüchte, dass die Amerikanerin auf dem Weg nach Europa sein soll.

Wenn sich das Transferfenster öffnet, so heißt es, wird sich der neue französische Superclub Paris SG auf dem amerikanischen Markt nach Fußballspielerinnen umschauen. Der Verein hat verschiedene arabische Investoren als Besitzer und einer davon, der Geschäftsführer der Agentur BeIN SportJean-Claude Blanc, äußerte sich kürzlich dahingehend, dass das Frauenteam von Paris SG die Speerspitze sein solle, mit der man sich in den USA einen Namen machen will. BeIN Sport gehört der Qatar Investment Agency und dem Nachrichtensender Al-Jazeera.

Hope Solo steht relativ weit oben auf der Wunschliste, ebenso Abby Wambach. Geld ist nicht unbedingt ein Problem in Paris.

Gelesen: Hope Solo – A Memoir Of Hope

31 Jahre alt ist die Torhüterin der amerikanischen Nationalmannschaft und hat schon ihre Memoiren geschrieben. Na gut, andere machen das schon mit 21. Hope Solo hat das Buch, das sie zusammen mit der amerikanischen Sportjournalistin Ann Killion gemacht hat, Anfang September veröffentlicht. Es sollte schon vor der Olympiade in London erscheinen, aber angeblich hat Pia Sundhage sich die Veröffentlichung vor dem Turnier verbeten.

Und das kann man auch gut verstehen. Es ist ein gutes Buch, eine beeindruckende Geschichte, die die charismatische, aber auch sehr eigenwillige Weltklassetorfrau aus Richmond im Bundesstaat Washington erzählt. Einiges wusste man schon. “Happy Ends in meiner Familie gibt es nicht,” sagt sie ziemlich zu Anfang und wenn man nun in epischer Breite liest, wie Solo aufgewachsen ist, dann wundert es nicht, dass am Ende eine starke Persönlichkeit herangereift ist. Obwohl es hätte ganz anders kommen können.

Hope Solos Vater kam immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, war viele Jahre lang obdachlos, verschwand immer wieder monatelang, einmal jahrelang von der Bildfläche und kam doch immer wieder um seine Tochter Baby Hope, wie er sie nannte, bei Fußballspielen zuzusehen. Die Beziehung zu ihrem Bruder Marcus ist in Kindheit und Jugend ebenfalls nicht einfach, immer wieder kommt es zu Misshandlungen der Kinder untereinander, erst im Erwachsenenalter wird aus den Geschwistern eine starke Einheit. Es ist Marcus, den Hope Solo noch vom Spielfeld aus China nach dem Olympiasieg 2008 anruft (das Telefon hatte sie in einem Handtuch neben dem Tor), eine Geste, die einige Mannschaftskameraden als egoistisch gesehen haben.

Überhaupt, die Mannschaftskameraden. Womit wir beim Thema wären, warum Sundhage natürlich Angst hatte, dass das Buch für Wirbel im Lager der amerikanischen Mannschaft führt. Hope Solo beschreibt ausführlich den Schatten, den die sogenannten 99er (die amerikanische Mannschaft, die 1999 Weltmeister wurde) auf sie geworfen haben. Die Hackordnung in der Mannschaft, in der Hope Solo dann später spielte, wurde von Kristine Lilly, Brandy Chastain und später Abby Wambach bestimmt. Wambach gehört zwar nicht zu den 99ern, solidarisierte sich aber mit ihnen.

2007 bei der WM in China kam es zum Eklat. Solo spielte in der Vorrunde und im Viertelfinale. Vor dem Halbfinale teilte ihr Trainer Greg Ryan mit, dass sie im Halbfinale gegen Brasilien auf der Bank sitzen müsse, weil Brianna Scurry eine bessere Bilanz gegen Brasilien hätte. Die USA verloren das Halbfinale mit 0:4, die WM wurde zum Fiasko. Hope Solo gab einem Journalisten ein Interview nach dem Spiel und kritisierte Ryans Entscheidung, Scurry spielen zu lassen und sagte auch, dass sie zwei der vier Tore verhindert hätte.

Diese unbedachte öffentliche Äußerung wurde zum großen Theater. Hope Solo flog aus der Mannschaft, durfte nicht zum Spiel um Platz 3 mitreisen, nicht mehr mit den anderen Spielerinnen zusammen essen und wurde von Lilly, Wambach & Co. regelrecht gemobbt und aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Lediglich Carli Lloyd habe weiter zu ihre gehalten. In den Monaten nach dem Turnier wurd Ryan entlassen, aber die Mehrheit der Spielerinnen verhielt sich nach wie vor sehr feindlich gegen Hope Solo. Wenn die im Mannschaftshotel einen Fahrstuhl betrat, in dem schon 4-5 andere Spielerinnen waren, verließen die anderen demonstrativ den Fahrstuhl.

Erst Pia Sundhage machte deutlich, dass sie Solo haben will und bereitete ihr den Weg zurück ins Team. Mit Wambach versteht sich Solo inzwischen besser, eine Freundschaft jedoch wird das wohl nie werden, zumal Wambach zu denen gehört haben soll, die vor dem Spiel gegen Brasilien Trainer Ryan nahegelegt hatten, Solo aus dem Team zu nehmen. Nach dem Spiel ging Wambach auf dem Rasen auf Solo zu und sagte “Sorry, Hope. Ich hatte unrecht.” Hope Solo notiert das geht aber an Wambach vorbei zu ihrer Familie. Zu tief sitzt die Verletzung.

Es ist eine freimütige und offene Lebensbeichte, in der viele Details verraten werden und das idealistische Bild, das sich viele Frauenfußballfans von großen Mannschaften machen, ordentlich zertrümmert wird. In ihren schlimmsten Momenten kommt einem das amerikanische Team lediglich als eine überehrgeizige Ansammlung von gefühllosen Zicken vor.

Dabei ist klar, dass Hope Solo kein einfacher Charakter ist. Sie beschreibt auch die Beziehung zu ihrem langjährigen Freund Adrian – zwei Personen, die sich immer wieder treffen, auch wenn beide andere Partner haben, die nicht voneinander lassen können und doch nicht zueinander finden. Und fragt sich, ob sie die Schwierigkeiten, sich richtig zu binden, von ihrem Vater geerbt hat.

Ein Buch, das sehr gut geschrieben ist von Ann Killion und in dem man den Weg der amerikanischen Nationalmannschaft von 2000-2011 aus der subjektiven Sicht einer ihrer Stars geschildert bekommt. Solo beschreibt auch in sehr positiven Abschnitten ihre Saison beim schwedischen Club Kopparberg/Göteborgs FC, es hat ihr hier sehr gut gefallen, viel besser als bei Olympique Lyon, wo es nur zu einer kurzen Sejour kam.

Solos Geschichte aber macht auch Mut. Es ist die Geschichte einer großen Vater-Tochter-Liebe bei allen Schwierigkeiten. Die Geschichte einer der besten Torhüterinnen aller Zeiten, die hart, sehr hart gearbeitet hat, um dahin zu kommen wo sie ist – u.a., als zweifache Olympia-Siegerin. Ich erkenne auch einiges wieder – die Bereitschaft, die eigene Gesundheit für die Ziele aufs Spiel zu setzen. Monatelang kann Hope Solo nur mit sehr starken Schmerzmitteln das Pochen in ihrer Schulter aushalten. Die Analyse des Scheiterns der WUSA und der WPS ist sehr zutreffend. Ein lesenswertes Buch, das neugierig macht, diesen Menschen einmal zu treffen.