Tyresö: Aus die Maus

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresö FF hat gestern am späten Nachmittag seine A-Mannschaft im Prinzip aufgelöst und mit sofortiger Wirkung (da der schwedische Fußballverband das im Handumdrehen akzeptiert hat) den Spielbetrieb der Damallsvenskan verlassen. Der Satzung des schwedischen Fußballs gemäß hat dies den Abstieg mindestens bis in die “Division 2″, der vierten Liga, zur Folge. Damallsvenskan – Elitettan – Division 1 – Division 2 und so weiter.

Niemand ist darüber nach den Ereignissen der letzten Monate sonderlich überrascht, auch wenn man vielleicht nicht gedacht hätte, dass sich Hans Lindberg freiwillig (?!?) zurückzieht.

Aber der Donnerstag bot wieder einmal für gewohnt schlechtes Theater, was den Meister von 2012 und Champions-League-Finalisten von 2014 anging.

Kurz vor Mittag die für mich überraschende Nachricht, dass Hans Lindberg tatsächlich im Amtsgericht Nacka aufgetaucht war und einen Antrag auf Fortsetzung der Rekonstruktion der von ihm geführten Tyresö Fotboll AB eingereicht hat. Da gab sich er rüstige Rentner noch trotzig und kämpferisch. Das Nigeria-Projekt (angeblich ist der nigerianische Fußballverband daran interessiert, in Tyresö Mädchen und Jugendtrainer ausbilden zu lassen) sei noch nicht gaaaanz so weit, aber man stehe kurz vor der Unterzeichnung des Vertrags. Und man erwarte noch umgerechnet 200.000 € von der UEFA als Preisgeld für das Erreichen des Champions-League-Finals in Lissabon.

Falls das Gericht dem Antrag nicht stattgebe, so müsse Tyresö Fotboll AB Konkurs anmelden. Das würde aber, so Lindberg, keinesfalls bedeuten, dass Tyresö FF nicht die Saison zu Ende spielen könnte. Das Spielrecht würde den Regeln entsprechend von der Tyresö Fotboll AB an den Verein zurückgehen und der könnte dann mit seinen Juniorinnen sowohl Damallsvenskan wie Champions League spielen.

Ein Horrorszenario, das der 71-Jährige da gewohnt frech den Medienvertretern gegenüber entwarf.

Das Gericht ließ verlauten, dass die Entscheidung über den Rekonstruktionsverlängerungsantrag am kommenden Montag verkündet werden würde.

Zwischendurch unterschrieb dann noch Caroline Seger nun auh offiziell den schon längst bekannten Deal mit Paris Saint-Germains.

Und dann sah jemand gegen 18.00 Uhr auf Tyresös Homepage. Und da teilte der Verein mit (in einer ersten Version datiert auf den 23.05., dem Tag nach dem Champions-League-Finale), dass die Tyresö Fotboll AB die Damallsvenskan mit sofortiger Wirkung verlassen werden.

“Die Entscheidung liegt darin begründet, dass die Firma nicht genügend Spielerinnen hat, um auf eine sportlich gerechte Weise die 15 ausstehenden Spieltage zu absolvieren und dass der Eigentümer der Firma, Tyresö FF, nicht die Absicht hat, Juniorinnen aus den eigenen Reihen auszuleihen,” schrieb der Verein.

Alle Spielerinnen hätten somit die Möglichkeit, mit anderen Vereinen zu verhandeln. Damit aber sei der Antrag auf Rekonstruktion nicht zurückgezogen, er würde weiterhin aufrechterhalten.

Es kann nur darüber spekuliert werden, was innerhalb weniger Stunden zum Sinneswandel von Lindberg geführt hat, vermutlich hat der schwedische Fußballverband zur Schadensbegrenzung Druck ausgeübt, denn der tiefe Fall von Tyresö ist nichts weniger als ein großer Skandal, der dem Frauenfußball in Schweden tiefen Schaden zugefügt hat.

Die Saison wird nun mit elf Mannschaften fortgesetzt. Wie erwartet. Schon im April beim Presseauftakttreffen tippte ich Tyresö als ersten Absteiger, weil abzusehen war, wie und wann die Reise endet.

Es ist ein unerhörter Skandal, dass man es diesem Konstrukt überhaupt erlaubt hat, ein Champions-League-Finale zu spielen bzw. in die Saison 2014 zu gehen. Mir gehen die Worte von Christen Press nicht aus dem Kopf, als sie mir sagte, dass sie beinahe glauben würde, dass alles so geplant war, dass es bis zum Finale geht und nicht (viel) weiter.

Auch ich habe in den letzten Monaten immer mehr mit diesem Gedanken gespielt. Das Projekt Aufstieg in die erste Liga, Meisterschaft und Champions-League-Finale war die Idee und die Vision des Hans Löfgren, der es mit allen Mitteln erreichen wollte. Danach war nichts mehr geplant in der Power-Point-Präsentation, die dem Verein vor 6-7 Jahren gezeigt wurde. Aus die Maus.

Zu sehr hatte man bereits nach den Sommerferien 2013 die Damallsvenskan vernachlässigt. Etliche Spielerwechsel und Neuzugänge im Herbst 2013: Ashlyn Harris, Alex Krieger, Caroline Graham Hansen zielten darauf ab, das Team für die Champions League zu optimieren. Dass der Abgang vieler arrivierter Spielerinnen das Gefüge durcheinanderbringen würde und den Erfolg in der Meisterschaft gefährden würde, nahm man in Kauf.

“Mein Auftrag ist es, auf allen Ebenen gut abzuschneiden, im Zweifelsfall eber die Champions-League zu priotieren;” sagte mit Tony Gustavsson vor Beginn der Saison.

Welche Spielerinnen sind jetzt noch übrig?

Line Røddik Hansen wird wohl zum Meister FC Rosengård gehen, sie saß schon am Sonntag auf der Tribüne beim Spiel gegen Göteborg.

Madelaine Edlund wird mit dem Zweitligisten Sunnanå SK in Verbindung gebracht, sie hat selber der Zeitung Norran gesagt, dass sie dort am Dienstag hinreist. Sunnanå ist der Ursprungsverin der 28-Jährigen, hier wohnt auch ihre Familie.

Zu haben sind noch:

Tinja-Riikka Korpela, die finnische Nationaltorhüterin, die einen Zweijahresvertrag hatte und nur einen Monat (!!) Gehalt bekam.

Linda Sembrant, die 27-Jährige Innenverteidigerin und Nationalspielerin hat sich mit konstanten Leistungen nach ihrem Kreuzbandriss wieder in die Auswahl Pia Sundhages zurückgespielt.

Lisa Klinga, 22 Jahre alt, Tyresöer Eigengewächs. Hat unter anderem auch schon für Linköping und Piteå gespielt. Lisa Klinga ist vielfach einsetzbar, gelernte Stürmerin, die aber in letzter Zeit immer wieder in der Defensive außen gespielt hat.

Lisa Dahlkvist, 27 Jahre. Mittelfeldspielerin auch in der Nationalmannschaft. Wechselte mit Linda Sembrant von Göteborg nach Tyresö

Malin Diaz Pettersson, 20 Jahre alt. Kleine, hoch technische Mittelfeldspielerin, die noch an ihrer Physis arbeiten muss, um internationale Topklasse zu haben, die aber ein enormes Spielverständnis mitbringt.

Die drei Brasilianerinnen Thaysa, Mayara und Rilany und deren Landsfrau Fabiana, die aufgrund einer fehlenden Arbeitserlaubnis nicht spielen durfte.

Ungewiss ist noch der Verbleib von Marta, die aber schon längst nicht mehr zur “Firma” gehörte.

 

 

 

Das letzte Aufgebot

Der achte Spieltag der Damallsvenskan wurde heute Abend mit der Begegnung Linköpings FC – Tyresö FF abgeschlossen. Das Spiel endete mit einem klaren 3:0-Sieg für Linköping, für das Pernille Harder erstmals nach ihrer Ermüdungsfraktur im Fuß wieder spielte und gleich wenige Minuten nach ihrer Einwechslung das 2:0 köpfte.

Ein höherer Sieg wäre möglich gewesen, aber die Finnin Tinja-Riikka Korpela machte ein großes Spiel und rettete mehrere Großchancen der Gastgeber. Die Schussstatistik endete mit 19:2 für Linköping, daran sieht man, wie sehr sich das Team Tyresös seit der Finalniederlage gegen Wolfsburg in Lissabon vor zwei Wochen geändert hat.

Um seine Juniorinnen, die er einsetzen musste, nicht zu Kanonenfutter werden zu lassen, ließ Tony Gustavsson neben Lisa Klinga, Linda Sembrant und Line Røddik Hansen ausnahmsweise Madelaine Edlund (!) in der Rechtsverteidigung auflaufen. Malin Diaz und Lisa Dahlkvist im Mittelfeld und der Sturm bestand nicht mehr aus Marta, Christen Press undEdlund, sondern aus Emelie Högman, Lina Sundelin und Rebecca Nyberg. Eingewechselt wurden später Astrid Wemö Larsson, Hanna Mohammed und Linda Tzelidis. Das zeigt, wie sich der Kader verändert hat. Wie bereits früher berichtet, befinden sich Rilany, Thaysa und Mayara mit der brasilianischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat, Fabiana hat meines Wissens nie eine Arbeitserlaubnis bekommen.

Vorsitzender Hans Lindberg bleibt immer noch cool. Morgen muss er Papiere beim Antsgericht einreichen, die dann Grundlage für drei Monate Forsetzung der Rekonstruktion bedeuten. Aber selbst im Falle eines Konkurses gedenkt Lindberg nicht, aus der Liga zu verschwinden. Er machte darauf aufmerksam, dass das Spielrecht in der Damallsvenskan dann juristisch von der Firma Tyresö Fotboll AB an den Verein Tyresö FF zurückgehen würde. Theoretisch könne man dann den Rest der Saison mit Juniorinnen in der höchsten Spielklasse Schwedens bestreiten.

Die professionellen Spielerinnen hingegen sind alle in Kontakt mit Vereinen. In den nächsten Wochen werden wir viele Wechsel erleben. Auch in Deutschland soll es Interesse an Spielerinnen des Champions-League-Finalisten geben.

 

 

Tyresö – das Ende naht

Vor zwei Wochen noch stand eine erstklassige Mannschaft von Tyresö FF im Finale der Champions League in Lissabon und hatte den Favoriten VfL Wolfsburg am Rande der Niederlage.

Gestern Nachmittag sollen acht Spielerinnen beim Training gewesen sein. Seit Januar gibt es kein Geld mehr für die Akteure und heute bestätigte der schwedische Fußballverband auch den 2015 erfolgenden Abstieg des Vereins, weil man auch in der Widerspruchsfrist keinen wirtschaftlichen Jahresbericht für 2013 eingereicht hat, obwohl der 71-Jährige Vorsitzende Hans Lindberg noch mit Widerspruch getönt hatte, als die Entscheidung vor einigen Wochen verkündet wurde.

Am Donnerstag gibt es vor dem Gericht in Nacka eine weitere Verhandlung darüber, ob der die A-Mannschaft betreibenden Tyresö Fotboll AB eine weitere Dreimonatsfrist eingeräumt wird, die Rekonstruktion fortzusetzen.

Seit Januar haben die Spielerinnen kein Gehalt mehr bekommen und nach Angaben des schwedischen Fernsehens SVT sind beim Amtsgericht Nacka noch keine neuen Unterlagen eingegangen. Angeblich soll die Firma über ein Projekt mit dem nigerianischen Fußballverband vier Millionen Kronen netto jährlich bekommen.

Alle rechnen mit dem Konkursbescheid am Donnerstag und dem Rückzug des Teams aus der laufenden Damallsvenskan. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Warum hat der Vorsitzende Lindberg störrisch immer wieder behauptet, dass sich alles regeln werde? Hat jemand vom Erreichen des Finals in Lissabon ökonomisch Nutzen gezogen?

In meinem Gespräch mit Christen Press fünf Tage vor dem Finale (das Interview kommt noch) sagte mir Christen, nachdem das Mikrofon abgeschaltet war, dass sie überlege, ob nicht alles schon seit langem so geplant war, dass alles nach dem Finale zerplatzen soll…

Unterdessen erklärte heute Abwehrspielerin Linda Sembrant, dass sie damit rechne, in einem Monat nicht mehr für Tyresö zu spielen.

 

Jonas Eidevall hat gekündigt

Es war eine große Überraschung für Vorstand und Spielerinnen – am Samstag hat Rosengårds Meistertrainer Jonas Eidevall gekündigt; bereits Anfang Juli wird er den Verein verlassen. Sportchef Erling Nilsen erzählte der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, dass Eidevall ihm am Samstag unterrichtet hätte, dass er von einer Vertragsklausel Gebrauch machen möchte.

Das brachte Nilsen etwas in Verlegenheit, denn  am Wochenende war Tyresös dänisch Nationalspielerin Line Røddik Hansen zu Gast wegen eines offenbar unmittelbar bevorstehenden Engagements (da die Spielerinnen Tyresös seit Januar kein Geld mehr vom Verein bekommen, können sie ihre Verträge nach Gewerkschaftsauskunft als gegenstandsls betrachten). Nilsen saß am Sonntag mit Røddik auf der Tribüne und die Dänin fragte ihn, was denn Trainer Eidevall von ihr halten würde. Es sei blöd gewesen, aber er hätte Røddik nichts sagen dürfen, weil man die Veröffentlichung der Kündigung für Montag geplant hatte und weil die Spielerinnen auf dem Feld nichts davon wussten.

Wohin es den höchst ehrgeizigen 31-Jährigen zieht, wollte und konnte er noch nicht bekanntgeben. Hier wird spekuliert, dass er nach “Europa” gehen könnte, wo es eine andere Saison gibt als in Schweden. Möglich aber auch, dass er zu einem Männerverein in Schweden wechseln wird.

Anja Mittags Hattrick am achten Spieltag

Fünf Begegnungen standen am achten Spieltag auf dem Programm. Das “Fernsehspiel” war die Begegnung zwischen dem FC Rosengård und Kopparberg/Göteborgs FC, das am Ende eine unerwartet klare Angelegenheit für den Meister wurde. Nach der Niederlage in Tyresö vor Wochenfrist präsentierte sich Jonas Eidevalls Mannschaft wesentlich entschlossener und gewann mit 5:0 gegen den Gast aus Westschweden. Wobei also Anja Mittag die Treffer 2, 3 und 5 erzielte. Therese Sjögran per Elfmeter und Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir erzielten die übrigen Treffer für den alten und neuen Tabellenführer, der die Liga mit drei Punkten anführt.

Rang zwei belegt überraschend KIF Örebro, das die Schwächeperioden von Linköping und Göteborg ausgenutzt hat. Lucie Martinkova erzielte den einzigen Treffer beim eigentlich mageren 1:0 gegen AIK in der hemischen Behrns Arena, aber drei Punkte sind nun mal drei Punkte.

Umeå verpasste dem Sensationsaufsteiger Eskiltuna mit dem 6:1 den ersten richtig derben Rückschlag. Zweimal trafen die Finnin Emmi Alanen und die schwedische Nationalspielerin Jenny Hjohlman.

Ein weiteres 1:0 gab es für Kristianstad bei Abstiegskandidat Jitex, den Treffer erzielte Marija Banusic in der 15. Minute.

Auch Piteå gewann mit 1:0 gegen das krisengeschüttelte Vittsjö, das mit dem elften Platz deutlich unter Wert in der Tabelle steht. Bei beiden Teams bestätigt sich wie wichtig ein guter bzw. wie verheerend ein schlechter Saisonauftakt sein kann, denn béi beiden Mannschaften hält die Tendenz aus dem ersten Spiel an.

Olivia Schough verlässt Bayern

Olivia_SchoughNach knapp einem halben Jahr nur verlässt Olivia Schough den FC Bayern München. Das meldet die Zeitung Expressen am Sonntag. Die Zeitung hatte bereits vor einigen Wochen in einem Interview mit Schough herausgearbeitet, dass sich die Schwedin zwar in München wohlfühle, sich aber an den rauheren Umgangston in Deutschland erst noch gewöhnen müsse.

Ob das nun die Ursache für den kurzen Aufenthalt ist, bleibt dahingestellt. Expressen gegenüber sagte Schough jedenfalls, dass sie Sorge habe, ihren Nationalmannschaftsplatz bei zu wenig Spielzeit in München nicht behaupten zu können. Mit der Begründung für zu wenig Spielzeit im Verein fand ganz aktuell Antonia Göransson (Turbine Potsdam) keine Berücksichtigung bei Pia Sundhage.

München  sei eine tolle Stadt und Bayern ein tolles Team, aber sie müsse nun leider gehen. Alles kann demnach nicht so toll gewesen sein, denn die Knieverletzung und die Halsinfektion hätten sie überall anders auch gestoppt. Ein neuer Verein steht noch nicht fest, sagte Schough. In Schweden dürfte wohl Linköping nach Verstärkung suchen und auch ihr Ex-Verein Göteborg hat nach gutem Start jetzt seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen.

PS: Gustavsson in die USA

Tony Gustavsson wird Assistenztrainer der amerikanischen Frauenfußballnationalmannshaft und wird schon Mitte Juni bei den beiden Spielen gegen Frankreich dabei sein. Das gab am Abend der amerikanische Fußballverband auf seiner Homepage bekannt.

Damit wird Tyresö schon übernächste Woche keinen Cheftrainer mehr haben. Der Zerfall des Projekts geht wie erwartet schnell voran.

Tony Gustavsson verlässt Tyresö

Im Gespräch mit Tony Gustavsson im Februar 2014 (Foto: Anders Henrikson)

Im Gespräch mit Tony Gustavsson im Februar 2014 (Foto: Anders Henrikson)

Der Exodus hat begonnen. Zwar schrieb gestern die Lokalzeitung Mitt i noch, dass es angeblich bald konkrete Details zu den Nigeria-Millionen geben soll, die Tyresö retten werden, aber ernsthaft daran glauben tue ich nicht.

Heute bestätigte Trainer Tony Gustavsson, dass er ab Juli einen neuen Arbeitgeber haben wird. Nennen dürfe er ihn noch nicht, so Gustavsson gegenüber dem schwedischen Fernsehen SVT.

“Ich bleibe bis zum Sommer. Der wahrscheinliche Weg für den Verein wird sein, dass man langfristig mit der Entwicklung eigener, lokaler Talente arbeiten muss,” so Gustavsson weiter.

Höchstwahrscheinlich heißt der neue Arbeitgeber US Soccer und sein Job dürfte der eines fast gleichberechtigten Assistenztrainers der US-nationalmannschaft sein. Die Spielerinnen loben Gustavsson in den höchsten Tönen und mehrere haben sich öffentlich für ihn ausgesprochen.

Ein Sprecher der Spieler(innen)gewerkschaft, Magnus Erlingmark sagte unterdessen heute, dass die Spielerinnen von Tyresö sich alle neue Vereine suchen könnten, wenn sie das möchten. Seit Januar bekämen sie kein Gehalt mehr vom Verein. Danach war der Staat mit zwei Monatsgehältern eingesprungen und seit Anfang Mai gibt es nichts mehr. Damit erfülle der Verein nicht seinen Teil des Vertrags und man könne sich einen neuen Arbeitgeber suchen, allerdings erst im kommenden Transferfenster.

Lisa Dahlkvist sagte abermals, dass es eine unmögliche Situation sei, wenn man Miete zahlen muss und Lebensmittel kaufen muss und man für seine Arbeit nichts mehr bekommt.

7: Topteams geben Punkte ab

Christen Press holt aus zum Tor des Monats gegen Rosengård (Foto: Anders Henrikson)

Christen Press holt aus zum Tor des Monats gegen Rosengård (Foto: Anders Henrikson)

Der siebte Spieltag der Damallsvenskan markiert das Ende des ersten Drittels der Saison. Und alle Topteams gaben Punkte ab.

Meister Rosengård verlor seinen Auftritt bei Champions-League-Finalist Tyresö FF mit 1:2. Verdienter Sieg der Elf, die zum letzten Mal in dieser Formation zusammen spielte. Marta hat die Mannschaft bereits am Donnerstagabend nach dem Finale verlassen und wird nicht mehr nach Tyresö zurückkehren.

Auf dem Feld standen aber die drei amerikanischen Nationalspielerinnen und Vero Boquete. Rosengård begann stark und nach achtzehn Minuten spielte Ramona Bachmann wunderbar auf Elin Rubensson, die mit einem geraden, strammen Schuss der am Sonntag stehenden Tinja-Riikka Korpela keine Chance ließ. Alles schien seinen Gang zu gehen.

Aber Malmö oder Rosengård kam Sand ins Getriebe. Und Tyresö hatte (doppelte Bedeutung) Christen Press. In der 28. Minute bekam sie einen Ball im Strafraum und machte die schwedische Nationalspielerin Lina Nilsson buchstäblich schwindlig und nass. Mit zwei Körpertäuschungen brachte sie Nilsson wie eine Anfängerin aus dem Glechgewicht und zu Fall und verwandelte trocken aus nun schussfreier Bahn zum Ausgleich.

Zwar blieb Rosengård im Spiel und hatte Chancen, meisterlich sah das aber nicht aus. In der 63. Minute wurde dann Caroline Seger für Malin Diaz ausgewechselt Die Umarmungen zwischen Seger und Diaz und Seger und Trainer Tony Gustavsson ließen mehr auf einen unmittelbar bevorstehnden Abschied schließen, offiziell macht Seger jedoch noch einen Monat weiter.

Immer wieder setzte Christen Press die überforderte Amanda Ilestedt unter Druck, die mehrfach ihre Nervosität zeigte und Fehler machte, die Anita Asante ausbügeln musste. Nilsson hatte bereits in der ersten Halbzeit das Nachsehen gegen die 25-Jährige Amerikanerin gehabt, die sich dann in der 85. Minute einen fantastischen Abgang verschaffte. Anspiel, kurze Wende und dann aus 25 Metern der Schuss in den Winkel. Tony Gustavsson hielt es nicht mehr, er rannte vor Begeisterung die Linie rauf und runter, der Sieg war ihm sehr wichtig in diesem wohl letzten Spiel der dann vielleicht doch besten Mannschaft Schwedens, zumindest an diesem Tag. Hungriger wirkte Tyresö, weil sich Press und Boquete mit einem guten Spiel verabschieden wollten.

Wie es jetzt weitergeht: Mittwoch Pokalviertelfinale gegen Umeå daheim, ohne mindestens fünf Leistungsträgerinnen und vielleichtauch ohne Caroline Seger. Dann Linköping auswärts und dann Nacka – Gerichtstermin. Und wohl das Aus, wenn kein Wunder geschieht und Hans Löfgren mit einem Geldkoffer über die Oberfläche des Mälarsees spazieret kommt.

Seger machte aus ihrem Herzen nach dem Spiel keine Mördergrube und sagte dem Fernsehsender TV4Sport, dass sie sich nun überlegen würde wie es weitergeht. “Wenn du die ganze Zeit für jemanden was tust, der seinerseits nichts für dich tust, dann fängst du an nachzudenken. Seit März kriegen wir kein Gehalt mehr.”

Vor dem Spiel überreichte Präsident Hans Lindberg den Spielerinnen Wimpel und auch hier sagte Seger, dass sie sich bei der Übergabe sehr unwohl gefühlt habe und am liebsten weggegangen wäre. “Fünf Monate lang habe ich nichts von ihm gehört und dann kommt er und will uns Wimpel überreichen.”

Im zweiten Spitzenspiel teilten sich Eskilstuna und Linköping die Punkte und weiter überzeugt der Aufsteiger aus Eskilstuna vor allem mit solider Abwehrarbeit. 1:1 hieß es am Ende vor 1.500 Zuschauern.

Nach dem Sieg bei Abstiegskandidat Jitex gewann AIK am Sonntag auch gegen Piteå. Dieses Mal 2:1 und AIK entfernte sich damit sogar von den Abstiegsplätzen.

Kristianstad schlug Umeå durch einen von Linnéa Liljegärd in der ersten Minute erzielten Treffer mit 1:0.

 

Vor dem Abschied

In knapp zwei Stunden fahre ich bei fantastisch sonnigem Wetter nach Tyresö zu dem, was 2012 und 2013 noch das absolute Topspiel der Liga war. Tyresö FF, gerade heimgekehrt von einem grandiosen, aber verlorenen CL-Finale, trifft auf den Meister FC Rosengård.

Heute steht aber das Wort Abschied über allem anderen. Zumindest für die Gastgeber. Abschied von Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Christen Press und Vero Boquete, die heute ihr letztes Spiel machen im rotgelben Dress.

Am Mittwoch ist dann noch Pokal daheim gegen Umeå und am 04.06. ein Auswärtsspiel in Linköping. Danach dann der Gerichtstermin, von dem alle glauben, dass er mit dem Bescheid enden wird, dass man Tyresö Fotboll AB in Konkurs versetzen wird.

Für Meister Rosengård geht es um drei Punkte, den Abstand zu vergrößern. Die Verfolger haben Federn gelassen. Gestern. Kopparberg/Göteborgs FC mit den ehemaligen Bundesliga-Spielerinnen Andrine Hegerberg und Lieke Martens verlor gestern gegen die starke Mannschaft von KIF Örebro zu Hause mit 0:2. Und Vittsjö verpasste Jitex beim 2:;1 Heimsieg die siebte Niederlage im siebten Spiel.

Werbung für Frauenfußball

Verteidigt. Wolfsburg gewinnt verdient gegen Tyresö (Foto: Marion Kehren)

Verteidigt. Wolfsburg gewinnt verdient gegen Tyresö (Foto: Marion Kehren)

Sieben Tore und eine dramatische Wende. Individuelle Kabinettstücke. Das Champions-League-Fnale zwischen dem VfL Wolfsburg und Tyresö FF gestern Abend war eine grandiose Werbung für den Fauenfußball.

Ein Spielbericht wäre überflüssig. Aber ein bisschen Analyse und Meinung.

Der VfL Wolfsburg ist die beste Vereinsmannschaft Europas. Vielleicht der Welt. Aber in den USA wird auch gut gespielt. Es war eine amerikanische Leistung, wie sie das gestern gedreht haben.

Marta ist für mich die beste Spielerin, die je gegen einen Ball getreten hat. Dabei bleibt es. Ihre beiden Tore zeigten deutlich ihr überragendes Können. Auch wenn es vielen in Deutschland nicht passt, ihre Klasse ist einzigartig. Vieles in ihrem Wesen auf dem Platz kommt von ihrer Kindheit in dem armen Städtchen Dois Riachos und ihr unbändiger Kampfwille aus der Zeit, wo sie sich behaupten musste, um zu überleben, um den Traum weiterzuleben.

Der Assist von Nadine Keßler zum Siegtreffer ist ein Fußballmoment, den ich nicht vergessen werde. Was für eine geniale, wunderbare Aktion!! Absolute Weltklasse!!! Dass Lena Goeßling trotz der Platzwunde in der ersten Halbzeit weitermachen würde, wenn es nur igendwie geht, war mir klar. Dass sie dann in der zweiten Halbzeit noch ein so grandioses Spiel machen würde, war keine Selbstverständlichkeit. Das alles spricht dafür, dass Deutschland eine ziemlich gute WM spielen kann, nächstes Jahr.

Und wieder ziehe ich den Hut vor Ralf Kellermann. Der Mann hat Wolfsburg seit 2008 geformt, natürlich profitiert er vom Willen des Vereins, besser und am besten zu werden und zu sein. Aber du musst so ein Kollektiv auch führen können. Und vor allem eine Taktik formulieren, und eine Halbzeitansprache halten.

Wolfsburg hat sich gewandelt. Vor einem Jahr zeigte man eine geschlossene, große kämpferische Leistung gegen Lyon. Zerstörte das Spiel der Französinnen, die rein spielerisch besser waren. Und gewann durch einen Handelfmeter, den man nicht geben musste.

Heuer hat Wolfsburg extrem nach vorne gespielt. Man hat neue Möglichkeiten und hart dafür gearbeitet. Ralf Kellermann sagte mir, dass er seine Spielerinnen im Training eher bremsen als motivieren muss. Damit sie nicht zu viel machen.

Stehtz immer hinter seinen Spielerinnen: Tony Gustavsson gestern Abend (Foto: Marion Kehren)

Stehtz immer hinter seinen Spielerinnen: Tony Gustavsson gestern Abend (Foto: Marion Kehren)

Immer ziehe ich meinen Hut für Tony Gustavsson. Ich bin ganz sicher, dass er schon bald mitteilen wird, dass er in die USA geht als Assistent von Jill Ellis.USSOCCEr wäre schön blöd, wenn es sich diesen Knöpfedrücker nicht besorgen würde. Den Menschenversteher und Motivator, der immer schmunzelt und lacht, wenn er mit dir redet. Die Spielerinnen verehren ihn. Christen Press schrieb in ihrem Blog, dass sie sich nach den ersten Wochen in Tyresö unsicher fühlte und nach einem Training in die Kabine ging, wo sie sonst noch außer der Reihe Schüsse aufs Tor übte. Sie sei sich unsicher gewesen, ob sie in diesem Starkollektiv die Anforderungen erfüllen würden könne. Als sie auf den Parkplatz kam, wartete da Tony auf sie. Sprach mit ihr, fragte ob es ihr gutgehe. Gab ihr einen Klaps auf den Oberarm und ging. Vor dem Spiel gegen Birmingham, inmitten all des Chaos des drohenden Konkurses ging es Christen wieder nicht gut und sie machte nicht die eigenen Schussübungen. Und ein Jahr nach der ersten Begegnung wartete Tony wieder auf dem Parkplatz. Aber dieses Mal, so erzählte sie, schaute er sie nur freundlich an, lächelte, nickte ihr zu und ging. Spätestens da weißt du, dass dein Trainer dich sieht und dass er für dich da ist, falls du ihn brauchst. Rückhalt. Das ist stark. Gustavsson hat sein Team stark eingestellt gestern.

Mit Christen Press hatte ich letzten Samstag darüber gesprochen, ob es nicht riskant sei, dass Tyresö die Liga so nebenbei laufen lässt, viel rotiert und hatte mit ihr auch über die Männer von Bayern München gesprochen und Pep Guardiolas gigantischen Fehler, dass er nach der Meisterschaft im März die Zügel schleifen ließ aus Überheblichkeit. Statt seine Mannschaft weiter zu pushen und ihnen zu sagen, wir wollen den absoluten Bundesligarekord ohne eine einzige Niederlage, verlor man in Augsburg und der Zug stotterte vor sich hin. Und holte sich eine Klatsche gegen Real Madrid, war chancenlos. Als es dann wieder statt 70 auf 120% hätte gehen müssen.

Die große Leere - hier bei Vero Boquete (Foto: Marion Kehren)

Die große Leere – hier bei Vero Boquete (Foto: Marion Kehren)

Das war auch Tyresös Problem. Neulengbach und Birmingham waren keine richtigen Gegner. Und in der ersten Halbzeit sah man auch wie der sichere Sieger aus. Als dann auf einmal die Wolfsburger Walze aus der Kabine kam, da konnte Tyresö keine Gegenwehr auf Augenhöhe abrufen, man war es einfach nicht gewöhnt auf einen jetzt so starken Gegner zu treffen. Marta versuchte es noch mal, sie muss das gespürt haben und wie ich das schon so oft von ihr gesehen habe, in entscheidenden Momenten, wenn die anderen alle durchhängen, da macht sie ein Traumtor und bringt ihr Team noch einmal in Führung. Als dann der unglückliche Ausgleich fiel, als Wolfsburg nicht Fairness zeigte und den Ball wieder zurückspielte nach einer Verletzungsunterbrechung für Meghan Klingenberg, da war klar, dass das 3:4 nur eine Frage der Zeit war.

Ich bin sicher, dass sich Wolfsburg jetzt auch den Meistertitel holen wird. Und Tyresö? Am Sonntag sollen alle Stars spielen gegen den FC Rosengård. So hieß es vor dem Finale. Ich bin ziemlich sicher, dass es das letzte Spiel sein wird. Vielleicht wird schon das Pokalspiel gegen Umeå nicht mehr durchgeführt. Aber das ist Spekulation. Dennoch, die Leere muss groß gewesen sein gestern.

Vielen Dank für die tollen Fotos an Marion Kehren, die natürlich alle Rechte an den Bildern hat.

 

 

Vor dem Finale 5: Christen Press

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Ein Finale braucht Torschützen, am besten in der regulären Spielzeit oder Verlängerung, wenn am Ende nicht ein Elfmeterschießen einen eher glücklichen Sieger ermitteln soll.

Eine, die Tore schießen kann, die Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 war und auch die Torjägerliste der Champions League 2013/14 mit bislang neun Treffern anführt, ist Tyresös 25-Jährige amerikanische Nationalspielerin Christen Press. Am vergangenen Samstag habe ich mich mit der Weltklassestürmerin getroffen, um ausführlich über ihre Zeit in Europa zu sprechen. Das kommt in einem zweiten Teil in der kommenden Woche. Am Anfang unseres Gesprächs drehte es sich natürlich um das heutige Finale.

Christen, in fünf Tagen ist das große Finale (wir sprachen also letzten SAMSTAG) und morgen geht es nach Lissabon. Schläfst du noch gut?

“Als ich jünger war, konnte ich schon einen Monat vor einem Spiel kaum noch schlafen. Weißt du, meine Mutter erzählt da eine Geschichte aus der Zeit, als ich etwa 10 war. Wir standen vor einem entscheidenden Spiel und ich schlief kaum noch. Kam nachts um zwei und fragte, ob wir denn nicht bald losfahren müssten zum Spiel. Um vier Uhr wieder, Nein, sagte Mom, wir haben noch Zeit, du kannst dich wieder hinlegen, Christen. Heute bin ich viel entspannter. Ich werde einfach genießen, die Stadt genießen und mich entspannen und an das Spiel denke ich wenn Training angesagt ist oder das Spiel.”

Während Tyresö es in den letzten Wochen fußballerisch etwas ruhiger angehen ließ mit viel Rotationund Spielerinnen ausruhen lassen, musste Wolfsburg voll ran in der Meisterschaft. Ist das für irgendeine Seite von Vor- oder Nachteil?

“Naja, erst mal denke ich, dass die Saison mit ihrem Verlauf die Teams aus Deutschland und Frankreich bevorzugt, weil wir in Schweden halt die Saison von April bis Oktober haben. Für Wolfsburg ist das eine harte Zeit, weil sie sich ja noch für die Champions League qualifizieren müssen und auf einen der ersten beiden Plätze kommen müssen oder aber uns schlagen. Für uns war es in der tat möglich, uns nur auf die Champions League zu konzentrieren.”

Man hat ja den Entscheidungen des Trainers Tony Gustavsson über wer in der Liga spielen durfte, aber auch eurem Spiel angemerkt, dass die Liga nicht so wichtig ist?

“Der Club ist in so einer Situation, dass die Ressourcen stark begrenzt sind und man hat alles auf die Champions League gesetzt und natürlich gibt es da ein hohes Risiko. Wir haben vielleicht 70% der Energie in die Ligaspiele investiert und nicht voll durchgespielt. Aber ich bin damit einverstanden, dass wir ein Risiko eingehen. Wir werden die Liga dieses Jahr nicht beenden [!] und wir mussten all unsere Energie auf etwas verwenden, dass wir abschließen können. Und es hat sich, wie zuletzt gegendie Birmingham Ladies gezeigt, dass es funktioniert, dass wir unser bestes Niveaui dennoch erreichen können, so wie Tony es will.”

Wenn man sich an das Spiel gegen Eskilstuna erinnert, ich schrieb an dm tag, dass tyresö die beste Ersatzbank der Welt hatte mit dir, Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz, Ohne euch war das ein ausgeglichenes Spiel, ihr lagt 0:1 hinten, dann kamen du und Seger rein, später Vero, aber ihr konntet an der Dramaturgie des Spiels nichts mehr drehen, die Rollen waren verteilt?

“Ja, das hast du gut analysiert. Es war etwas frustrierend. Man saß da auf der Bank und dachte, ah, wenn ich gleich reinkomme, dann muss ich einen Unterschied machen, ein Tor machen. Aber es gab nur einen kleinen, kurzen Effekt auf das Spiel, dann ging es wie vorher weiter und die schossen sogar das 2:0. Das war überraschend und negativ. Aber ein paar Tage danach haben wir auch das Halbfinale gegen Birmingham dann ganz souverän gespielt.”

In den schwedischen Medien ist Wolfsburg Favorit. Die Wolfsburgerinnen, mit denen ich sprach, sehen eher ein 50/50 Spiel heute Abend. Wie sieht das Christen Press?

“Wenn du dir die Mannschaften und deren Geschichte anguckst, dann ist Wolfsburg doch Favorit. Wenn du aber dann schaust, wer da im einzelnen auf dem, Platz stehen wird, dann ist es schwer, uns nicht als Favoriten zu sehen. Ich glaube, dass all die Perobleme, die wir mit unserem Club gehabt haben, dass uns das alles zu Außenseitern machen sollte. Als Außenseiter gehst du normal in ein Spiel und denkst, hier muss was Großes passieren, damit wir gewinnen, die anderen müssen schlecht spielen, wir brauchen ein Wunder. Das brauchen wir nicht. Wir wissen, dass wir gewinnen können, wenn wir unser bestes Spiel spielen. Ich sehe uns nicht als Außenseiter. SDie Umstände um das Spiel machen sie zum Favoriten, die haben in ihrer Organisation immerhin Stabilität und Beständigkeit, kümmern sich bereits um die nächste Saison – aber auf dem Spielfeld sind wir gleich stark.”

Dazu kommt dann noch der Trainerfuchs Tony Guistavsson, der aus der negativen Ausgangsbasis etwas Positives für das Mannschaftsgefühl ziehen wollte, was ihm gelang. Allenthalben hört man, dass die Mannschaft sich so nahe ist wie nie zuvor.

Und als ich Christen Press erzähle, wie ich mir vorstelle, dass Tony Gustavsson ihnen von diesem speziellen Abend des 22.05. in Lissabon erzählt hat, wie er sie damit motiviert, dass es das letzte Mal sein wid, da wird Christen Press’s Lächeln immer breiter und größer und ich ahne, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe.

“Weißt du,” sagt sie mir da, “ich kann mir ehrlich gesagt, sehr gut vorstellen, wie Tony in seinem Haus sitzt und diesen Abend für uns plant, bis ins kleinste Detail.”

Den großen zweiten Teil des Interviews mit Christen Press, was sie über ihre Zeit in Europa sagt und was sie von Schweden nicht so erwartet hätte und einiges mehr, in der nächsten Woche.

 

 

Rosengård sucht Torfrau

Thora Helgadottir (Archivbild) verlässt Malmö und Rosengård

Thora Helgadottir (Archivbild) verlässt Malmö und Rosengård

Es kam nicht unerwartet. Die 33 Jahre alte Isländerin Thora Helgadottir teilte gestern offiziell mit, dass sie den schwedischen Meister FC Rosengård nach vier Jahren verlassen wird. Es werde ihr schwerfallen, aber sie müsse sich nun auch mal allmählich um einen Job neben dem Fußball kümmern, ließ sie ausrichten und wird zurück auf die schöne Insel im Nordatlantik gehen und wohl eine Alternative wählen, in der sie noch spielen, aber auch schon arbeiten kann.

In Malmö ist damit ein interssanter Arbeitsplatz frei. Wer bewirbt sich? Carola Söberg muss ja Tyresö verlassen, ist aber sicheren Quellen zufolge schon bei einem anderen Verein gebucht. Sollte Tyresö in Konkurs gehen (das kann spätestens am 05.06. passieren), dann wäre urplötzlich auch die finnische Nationaltorhüterin Tinja-Riikka Korpela frei. Gudbjörg Gunnarsdottir hat in Potsdam zwar noch ein Jahr Vertrag, aber in letzter Zeit musste die gerade 29 Jahre alt gewordene Isländerin immer wieder auf die Bank und dafür ist sie sicher nicht gekommen. Sofia Lundgren will nach ihrem bandscheibenvorfall 2013 langsam wieder einsteigen, sucht aber nach eigener Aussage erstmal eher etwas in der zweiten Liga. die Australierin Lydia Williams war mal bei Piteå, wurde aber im März wegen der Verletzung der Stammtorhüterin kurzfristig von Western New York Flash in die NWSL geholt.

Vor dem Finale 4: Tyresös schuldengepflasterter Weg nach Lissabon

tyresöDer schwedische Rundfunk bringt heute eine 24 Minuten lange Sendung mit dem Titel “Tyresö FF:s skuldkantade väg till Lissabon” (Übersetzung in der Überschrift). Ein sehr lesenswerter Artikel und eine hörenswerte Sendung.

Leider kann ich das hier nicht en detail beschreiben, man darf nicht eine ganze Sendung übersetzen und es wäre auch sehr zeitaufwändig. Über einiges habe ich hier schon im Blog berichtet in früheren Posts. Aber mir hat es dennoch den Atem verschlagen bei einigen Details, die ich noch nicht wusste.

Die Journalistin Linn Ninzén hat alle Fakten zusammengetragen. Und schildert den Aufstieg, den der Verein durch Hans Löfgren gemacht hat. Und auch den gigantischen Abstieg.

Es heisst immer wieder, dass der Verein Tyresö FF durch de Gründung der Firma Tyresö Fotbolls AB, in der Hans Lindberg der Vorsitzende ist, in beiden also, keinen Verlust gemacht habe. Die Frauenmannschaft sei komplett der neuen Aktiengesellschaft zugeordnet. Damit der Breitensportverein geschützt sei, falls vielleicht einmal etwas passieren würde.

Der Artikel von Nenzén weist nach, dass der Verein eine Million Kronen (ca. 110 000 €) verloren hat, die der Frauentopmannschaft zugeflossen sind. Als Folge hat man den Mitgliederbeitrag im Verein Tyresö FF von 100 auf 200 Kronen verdoppelt.

Löfgren baute auf und zog sich zurück, hatte angeblich dann keine Rolle mehr beim Verein, obwohl er immer auf der Brücke stand, die man kennt, wenn man mal am Tyresövallen war. Er überreichte Blumensträusse an Schiedsrichterinnen, Preise an de besten Spielerinnen von Gast- und Heimmannschaft, verhandelte nach Auskunft von Agenten über neue Spielerinnen, er und niemand anders, hatte aber keine Rolle im Verein.

Seit Januar ist Löfgren bei der Tyresö Fotbolls AB angestellt mit einem Monatseinkommen von 50.000 Kronen (ca. 5.600 €). So viel verdient niemand anders in einem schwedischen Frauenfussballverein, der hinter den Kulissen arbeitet.

Was macht er dafür? “Ich habe eine Sache auf meinen Schultern, mit der ich gearbeitet habe. Da geht es um ein bisschen Verkaufen und Marketing,” sagte er dem Radio.

Für das “bisschen” bekam er ein grosszügiges Gehalt. Und seit Tyresö in der Rekonstruktion ist, zahlt man ihm das Gehalt nicht mehr. Nein, da begann ich, zusammen mit vielen anderen Steuerzahlern Schwedens, das Gehalt Löfgrens zu zahlen. Das ist dann schon ein sehr starkes Stück. Denn glaubt man Menschen in Tyresö, dann waren es Lindberg und vor allem Löfgren, die die Tyresö Fotboll AB ins Verderben gestürzt haben. Und dass lässt sich Löfgren jetzt sogar aus Steuergeldern bezahlen.

Was Hans Löfgren denn für sein Geld tue, fragte das Radio den Vorsitzenden Lindberg?

“Er hat im Verkauf des Stockholm Business Network gearbeitet”

Macht er das immer noch?

“Im Moment arbeitet Hans nicht damit. Die Firma ist in einer Verwaltungsphase.”

Aber auf der Homepage des Stockholm Business Network steht er als Hauptverantwortlicher?

“Ja, jo, er hat da eine Verbindung, aber die ist heute rudimentär.”

Was bedeutet das?

“Ein sehr geringer Umfang.”

Arbeitet er gar nicht für Tyresö?

“Jo, er steht auf der Liste der Mitarbeiter”

Ganztags?

“Ja, mehr oder weniger.”

Wie viel verdient Tyresö an diesem Netzwerk?

“Eine Anzahl Kohle. Wir veröffentlichen keine Einzelheiten.”

So der vielsagende Dialog zwischen der Journalistin und dem Vorsitzenden der Tyresö Fotboll AB, Hans Lindberg, über die Beschäftigung des Hans Löfgren.

 

 

 

 

Vor dem Finale 3: Alex(andra) Popp

Schon eine Woche ist es her, dass ich mit Alexandra Popp telefoniert habe. Ein lebendiges Gespräch, das ich gerne mal fortsetzen würde.

Wir begannen beim Finale vor einem Jahr, das Wolfsburg bekanntlich mit 1:0 an der Stamford Bridge gegen den hohen Favoriten Olympique Lyon gewann.

Erinnern Sie sich noch gut an das Endspiel?

“Natürlich erinnere ich mich noch sehr gern an das Finale in London im letzten Jahr,” erzählt Alexandra.

“Das war ein echtes Highlight meiner bisherigen Karriere. Wir haben eine tolle Mannschaftsleistung gezeigt, im Stadion war eine fantastische Atmosphäre.

Allein mal im Stadion Stamford Bridge zu sein, ist ja schon ein Erlebnis, aber das wir dann da spielen durften, und die Aufmerksamkeit dem Frauenfußball gehörte, das war wirklich großartig.”

Ich war im Stadion und kann mich noch gut an die Überraschung vieler Journalistenkollegen erinnern, die sich wunderten, warum Sie auf einmal auf der linken Abwehrseite spielen. Dabei war das aus meiner Sicht einer der wichtigsten Schlüssel zum Sieg?
“Für mich war das ein kurioses Spiel, weil ich mit einem Bänderriss angetreten bin. Es war vorher fraglich, ob ich überhaupt spielen kann und dann sagte mir der Trainer, dass ich hinten in der Abwehr auf der linken Seite spielen sollte. Gegen Elodie Thomis, die normalerweise über diese Seite kommt.

Gegen die hatte ich schon mal im Halbfinale der Champions League gespielt, als ich noch bei FCR Duisburg war. Es war gut, dass ich ihr in den ersten Zweikämpfen gleich zeigen konnte, wer auf dem Platz an diesem Abend das Sagen hatte. Ich denke, dass ich die Aufgabe gut gelöst habe, auch wenn sie mir dann doch ein paar Mal entwischt ist, weil sie halt so schnell ist.”

Ich habe gelesen, dass der ehemalige tschechische Nationalspieler Pavel Nedved Ihr Vorbild ist. Der spielt ja nicht gerade dieselbe Position. Aber ist er es noch immer?
“Das ist richtig. Pavel Nedved war immer mein Vorbild und ist es auch geblieben. Er war ein überragender Mittelfeldspieler, der seine eigene Spielphilosophie hatte und seinen sehr eigenen Stil. Das hat mir als Jugendliche gefallen.”

Ich denke oft, wenn ich sehe, wie kompromisslos auch mit Gedanke an Ihr eigenes Wohlergehen Sie in bestimmte Situationen hereingehen können, tatsächlich mehr an die grosse Amerikanerin Abby Wambach.

“Das ist nicht das erste Mal, das man mir sagt, dass es Ähnlichkeiten mit Abby Wambachs Spielstil bei mir gibt. Sie ist eine der weltbesten Stürmerinnen, also habe ich nichts dagegen. Ich möchte aber auch eine Stürmerin nennen, von der ich sehr viel gelernt habe und das ist Inka Grings, die jetzt gerade ihre Karriere beendet hat.”

Was wissen Sie (eine Woche vor dem Finale) über den Gegner aus Tyresö?
“Tyresö habe ich noch nicht spielen sehen. Aber wenn man Spielernamen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete hört, auch Christen Press, dann spricht das schon Bände und sagt, dass da sehr viel individuelle Klasse ist.”

Sie gelten als sehr heimatverbunden und haben lange einen Wechsel gescheut, sind dann nach Wolfsburg gegangen, wo es sehr gut läuft. Können Sie sich langfristig auch mal einen Wechsel ins Ausland vorstellen? Ich las davon, dass es mal ein Angebot aus Schweden gegeben haben soll im Jahr 2012.

“Ja, das ist richtig, das ich mal ein Angebot aus Schweden hatte. Einen Wechsel ins Ausland irgendwann in der Zukunft will ich nicht ausschließen, aber im Moment ist das überhaupt kein Thema für mich. Ich fühle mich hier sehr wohl und kann mit dem VfL Wolfsburg in eine der stärksten Ligen Europas spielen.”