Rosengård weiter, Linköping kann nachziehen

Rosengård hat mit seinem ungefährdeten 3:1 bei Ryazan bereits die Grundlage für den Einzug ins Achtelfinale der UEFA Women’s Champions League gelegt. Wohl kaum jemand setzt auch nur eine Krone darauf, dass  den Russinnen ein 3:0 in Schweden gelingen könnte.

Linköpings FC hat seinen Auftritt beim englischen Meister FC Liverpool zwar mit 1:2 verloren, aber da ist in der Linköping Arena am Donnerstag noch alles drin.

Wie lustig das Fussballerinnenleben ist, wenn man in Rosengård spielt, das zeigt Louv Brattgard in ihrer (?) Reportage über die Reise des alten und neuen schwedischen Meisters nach Moskau und weiter nah Rjazan. Wenn man die nicht enden wollenden Streiche summiert, die sich alle von der jungen Sarah Mellouk bis zur reifen Therese Sjögran untereinander spielen, liest, dann ahnt man, warum es so schwer ist, mit dem Sport aufzuhören. Weil danach nämlich das Erwachsensein lauert. So verstecken die Spielerinnen sich selber und stinkenden Fisch im Zimmer zweier junger Spielerinnen. Marta spricht von ihrem neuen Verein als vin einer Familie, da wird brasilainisch, niederländisch und Deutsch (Katrin Schmidt) gekocht.

Linköpings Trainer Martin Sjögren findet, dass die Ausgangskage nach dem 1:2 in Liverpool gut ist, vor allem dank des vorübergehenden Ausgleichstors von Kristine Minde.

“Die erste Halbzeit war ok und wir hatten mehrere Chancen, einen weiteren Treffer zu erzielen,” sagte die Norwegerin Minde nach dem Spiel. In der zweiten Halbzeit ging es ein bisschen hin und her, viele Unterbrechungen, eine komische Halbzeit. Ich bin schon jetzt heiss auf die Revanche und glaube, dass wir die schlagen werden. Wir haben iele positive Dinge gezeigt, an denen wir weiter arbeiten können,” so Kristine Minde yur Lokalzeitung Östgöta Correspondenten (‘Corren’) aus Linköping.

Bei den anderen Ergebnissen überrascht ein wenig, dass eine hochkarätige Truppe wie der 1.FFC Frankfurt nur ein 2:2 in Kasachstan erreicht, allerdings muss man hier bedenken, dass mit Sicherheit die Reise dorthin sehr strapaziös war. Apoolon Limasssols 1:0 über Dänemarks Bröndby ist nur ein weiterer Fingerzeig dafür, dass es um den dänischen Frauenfussball derzeit nicht gut bestellt ist.

Der 2:0 Sieg der Polinnen aus Konin gegen Glasgow City ist nicht unerwartet, zumal die Polinnen bereits in ihrer Qualifikationsgruppe “Kleinholz” aus dem finnischen Meister Åland United gemacht hatten.

Ansonsen keine Überraschungen, auch nicht die deutliche Niederlage der Isländerinnen Stjärnan gegen Zvezda (2:5). Ich freue mich schon auf die Rückspiele.

Vorteil Göteborg

Göteborgs Torfrau Lois Geurts schnappt sich den Ball nach einer Ecke von KIF Örebro

Göteborgs Torfrau Lois Geurts schnappt sich den Ball nach einer Ecke von KIF Örebro

Die Aufsteiger stehen fest, die Absteiger schon seit längerem. Tyresö wird im Seriensystem durchgereicht und Jitex kann in der Elitettan einen neuen Anlauf starten. Rosengård ist souverän Meister und ebenso souverän gewinnt Anja Mittag die Torschützenkrone. All das wusste man in etwa vor der Saison.

Zwei Spieltage vor Schluss steht aber noch immer nicht fest, wer den zweiten Platz belegt und damit in der Saison 2015/16 in der Champions League spielen darf.

Am Samstag verschaffte sich Favorit Kopparberg/Göteborgs FC mit einem glücklichen 1:0 Sieg beim bisherigen Zweiten KIF Örebro die beste Ausgangsposition. Punktgleich mit Örebro geht man nun aber mit 13 Toren Vorsprung in die letzten beiden Begegnungen

Ich bin eigens nach Örebro gefahren, um mir die Partie anzuschauen und auch schon mal das Stadion zu inspizieren, in dem Schweden am 29.10. Deutschland erwarten wird.

Es war ein sehr intensives Spiel, in dem beide Teams wussten, worin der jeweils andere gut ist (Göteborg: schnelle Konter, Örebro: Standards) und in dem sich beide Seiten jeweils neutralisierten. Zwei dicke Chancen nur in der ersten Halbzeit: Sarah Michael ballerte knapp neben den Kasten von Lois Geurts in der 28 Minute und zehn Minuten später hämmerte Andrine Hegerberg das Leder an die Querlatte. Insgesamt schien mir KIF Örebro harmonischer zu sein in der Koordination zwischen den Mannschaftsteilen, aber nachdem dann ein einziger Konter funktionierte und Manon Melis in der 73. Minute das Tor des Tages für die Gäste erzielte, war die Heimmannschaft doch geschockt.

Ich sprach nach dem Spiel mit Örebros Mannschaftskapitänin Elin Magnusson, die den Blick schon auf die letzten beiden Aufgaben der Saison richtete: “Noch ist nichts entschieden. Klar hätte ich heute lieber gewonnen oder wenigstens einen Punkt geholt. Aber es ist noch alles drin. Alle haben noch zwei Spiele und die Liga ist so ausgeglichen, dass du keinen Sieg im Voraus abholen kannst. Ich bin mit dem Spiel meiner Mannschaft zufrieden, natürlich nicht mit dem Ergebnis.”

KIF Örebro muss nun noch beim punktlosen Schlusslicht Jitex antreten und empfängt Eskilstuna United.

Der Aufsteiger Eskilstuna stelte heute dem Vierten Linköping ein Bein Man hatte erwartet, dass Linköping mit einem Sieg auch an Örebro vorbeiziehen würde, aber Eskilstuna holte ein 0:0. Dabei verletzte sich Linköpings Torhüterin Katie Fraine am Schienbein und musste ausgewechselt werden. Es ist fraglich, ob sie unter der Woche in der Champions League gegen den englischen Meister Liverpool Ladies eingesetzt werden kann.

Vittsjö gewann bei Jitex 2:0, AIK siegte überraschend 2:1 in Piteå und Umeå bezwang Kristianstad mit 1:0.

Die Aufsteiger stehen fest

Die Startformation von Hammarby gegen Sunnanåvor ein paar Wochen. Es fehlt Kapitänin Olga Ekblom

Die Startformation von Hammarby gegen Sunnanåvor ein paar Wochen. Es fehlt Kapitänin Olga Ekblom

Mallbacken und Hammarby heißen die Aufsteiger in die Damallsvenskan 2015. Das steht nun zwei Spieltage vor Ende der Saison in der Elitettan fest. Da Djurgården Kvarnsveden mit 4:0 schlug und auch Sunnanå unter der Woche im Nachholspiel gegen Hovås Billdal 0:1 verlor, können die beiden Teams an der Tabellenspitze auch theoretisch nicht mehr eingeholt werden.

Hammarby gewann mit 1:0 bei Brommapojkarna und Mallbacken reichte ein 1:1 gegen Sirius. Die Freude in Stockholm ist groß. Drei Jahre nach dem Abstieg und nach einem herben Spielerinnenweggang (geblieben ist nur Ersatztorhüterin Emelie Ekman und zurückgekommen Anna Lindblom) hat man nun mit einem jungen Trainer Pär Lagerström und einem großen Kader das Ziel erreicht.

Das Stadion Kanalplan, man sollte wohl eher Sportplatz sagen, genügt in keinster Weise den Anforderungen der ersten Liga, die seit 2014 gelten Man darf gespannt sein, ob Hammarby hier eine Ausnahmegenehmigung bekommt und ob die Stadt Stockholm endlich in den Frauenfußball investiert. Politisch hat es hier einen Mactwechsel gegeben bei den Wahlen im September, der die Situation eventuell begünstigt.

Und beide Teams müssen sich natürlich für die kommende Saison erheblich verstärken, um eine Chance zu haben, in der Damallsvenskan mitzuspielen und nicht nur Punktelieferant zu sein. Man darf gespannt sein, was sich auf Södermalm beim Traditionsclub Hammarby tut.

 

ffschweden im Gespräch: Annika Kukkonen

15371573452_a7bcfa613b_kAls ich zuletzt mit Annika Kukkonen gesprochen hatte, war sie gerade aus Malmö nach Stockholm umgezogen. In Malmö war es ihr nicht gelungen, sich in eine mit Stars gespickte Mannschaft zu spielen, die zudem noch Anja Mittgag und Ramona Bachmann verpflichtet hatte. Bei Djurgården konnte Annika wesentlich mehr Spielzeit sammeln, aber auch sie konnte den Abstieg des ehemaligen Meisters nicht verhindern. Im Jahr darauf spielte sie im nordschwedischen Skellefteå für Sunnanå SK und auch dort hieß es nach einer Saison Abschied nehmen, weil das Team abgestiegen war. Ich erinnere mich noch daran, das ich ihr geraten habe, sich als vierten Verein in Schweden nicht wieder einen potentiellen Absteiger auszusuchen.

Als wir am Mittwochabend ein paar Sätze ausgetauscht haben, stelle ich fest, dass Annika Kukkonen etwas aus Skellefteå mitgenommen hat: eine deutliche dialektale nordschwedische Färbung, Sie lacht, offenbar und natürlich ist das auch anderen aufgefallen. Sie habe auch noch Freunde da, sagte sie mir und bedauerte, dass Sunnanå am Abend ein Nachholspiel gegen Hovås Billdal mit 01 verloren hat und damit wohl endgültig nichts mehr mit dem Aufstieg in die Damallsvenskan zu tun hat.

“Ich habe mich de facto auch in Stockholm und Skellefteå weiterentwickelt,” sagt Annika auf die Frage, ob sie denn jetzt fußballerisch nach Hause gekommen wäre. “Ich habe sehr viel im Bereich des defensiven Spiels gelernt und gerade da war ich vorher nicht sonderlich gut.”

Es war leicht, sich bei KIF Örebro zu integrieren “Ich bin ja ein ziemlich sozialer Typ und dann ist das auch eine nette Truppe. Vor allem muss ich mich bei der “finnischen Mafia”, Lehtinen und Talonen bedanken, die mir da sehr geholfen haben.”

Auch wenn die Spielerinnen schon vor der Saison wussten, dass sie in einer guten Mannschaft spielen würden, hat wohl kaum jemand von ihnen damit gerechnet, dass sie drei Spiele vor Saisonende mit drei Punkten Vorsprung auf die großen Konkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC und Linköpings FC auf dem zweiten Champions-League-Platz stehen.

“Wir haben sehr gute Spielerinnen und es gibt eine gesunde Konkurrenz im Team, was sehr wichtig ist Dann haben ja viele aus der Mannschaft schon mehrere Jahre zusammengespielt, was auch nicht schlecht ist und unser Trainer Richard Nilsson hat das alles sehr klug und geschickt aufgebaut,” sagt Annika.

Wo die Konkurrenten Stars wie Anja Mittag, Manon Melis oder Pernille Harder haben, die Tore schießen, hat Örebro die immer noch unterschätzte und sehr ruhige Nigerianerin Sarah Michael.

“Als wir unsere tolle Serie hatten und neun Mal hintereinander gewonnen haben, da haben wir unter anderem 2:0 in Göteborg und 4:0 in Linköping gewonnen, das war totaler Wahnsinn,” sagt Annika Kukkonen und der Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.

Am Samstagnachmittag nun steht das kleine “Finale” an, KIF Örebro empfängt den Dritten aus Göteborg. Sollte Örebro es tatsächlich schaffen zu gewinnen, dann steht das Tor zur Champions League sperrangelweit offen, denn in den letzten beiden Spielen trifft man noch auf Eskilstuna und Absteiger Jitex.

“Naja, Eskilstuna hat schon eine tolle Mannschaft,” versucht es Annika Kukkonen, selbst wenn wir gegen Göteborg gewinnen sollten, dann ist da noch Eskilstuna,” sagt sie routiniert um dann zu enden: “Naja, aber gegen Jitex sollten wir dann doch gewinnen, selbst wenn wir schlechter spielen.”

“In den letzten beiden Tagen haben wir doch immer wieder über das Samstagspiel geredet,” sagt Annika Kukkonen “Ich finde, wenn man bedenkt, dass wir da völlig überraschend stehen, dann liegt der Druck doch eindeutig auf Göteborg.”

Auch das ist natürlich bewusst eingesetzt, um selber möglichst frei aufspielen zu können. Sicher ist der Göteborger Kader namhafter, aber Örebro hat wirklich diese kluge Mischung. Da sind die tschechischen Zwillingsschwestern Irene und Lucie Martinkova, nach der ehemaligen Weltklassestürmerin Pavlina Scasna die Importe zwei und drei aus Prag in Örebro, die besser einchlagen haben, als alle das erwartet haben.

Annikas Vertrag endet mit dieser Saison. Einen Wechsel nach Deutschland schließt sie aus. Obwohl sie damals in der Schule Deutsch als erste Fremdsprache gelernt hat. “Nein, danke!” sagt sie mir auf Deutsch. Sie fühle sich in Schweden so wohl und könne sich nicht vorstellen, anderso zu spielen. KIF Örebros wirtschaftliche Saison ist nicht die beste und Annika Kukkonen möchte gerne wissen, wer denn alles bleibt. Im Moment spielt sie nur Fußball, aber sie sagt mir, dass sie schon noch etwas anderes brauche. Da ist zwarf das Fernstudium in Finnland, aber Annika Kukkonen möchte gerne neben dem Fußballspielen auch etwas arbeiten, sie habe doch zu viel Freizeit und außerdem sei es gut auch etwas zu haben, dass nicht viel oder gar nichts mit Fußball zu tun hat.

Wir sprechen kurz über das Ausscheiden der Finninnen aus der WM-Qualifikation “Das schmerzt noch immer und ist traurig,” sagt sie, “gegen Frankreich haben wir am Ende eine tolle Halbzeit gespielt, in der wir bis zur 40.Minute mit 1:0 führten, das war sicher die beste Halbzeit Finnlands, seitdem ich in der A-Nationalmannschaft spiele.”

In Örebro ist Annika Kukkonen Stammspielerin geworden trotz harter Konkurrenz. Sie startete in 13 von 17 Begegnungen und wurde vier Mal eingewechselt. Das macht sic im Mittelfeld zu einem wichtigen Rädchen in einem Getriebe, das alle Gegnerinnen in der Liga stets als unbequem bezeichnen. Örebro ist ein physischer und aggressiver Gegner heißt es oft.

Morgen könnte ein wesentlicher Schritt getan werden, um die jahrelang betriebene Aufbauarbeit mit der Vizemeisterschaft zu krönen.

 

 

Ohne Lindahl gegen Deutschland

Am 29.10. spielt Schweden in Örebro gegen Deutschland. Die Begegnung wird ohne Stammtorhüterin Hedvig Lindahl stattfinden. Die 32-Jährige in Diensten von Kristianstads DFF unterzog sich am Dienstag einer Hüftoperation, bei der Knochenablagerungen entfernt wurden.

“Wenn man mit Schmerzen rumlaufen muss, dann sollte man das nicht tun. Ich glaube, dass ich eine noch bessere Torhüterin werden kann, wenn das Problem gelöst wird und habe vor, ab Januar wieder Fußball zu spielen. Ich mache das jetzt, um während der WM im nächsten Jahr in Topform zu sein,” so Lindahl auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands.

Die Tabelle

Es soll gehen, die jeweils aktuelle Tabelle der Damallsvenskan in eine andere Seite zu integrieren, aber leider funktioniert dieses nette Angebot des schwedischen Fußballverbands nicht bei WordPress. Deshalb vom schwedischen Verband hier die aktuelle Tabelle der Liga mal als Bild:

tabelle

 

Jitex steigt ab

Sarah Michael holt aus und trifft zum 3:0 für KIF Örebro

Sarah Michael holt aus und trifft zum 3:0 für KIF Örebro

Dass Jitex Mölndal BK absteigen würde, darüber waren sich die Experten schon vor der Saison einig. Und sie haben Recht behalten. 17 Spiele, 17 Niederlagen, seit Sonntag gibt es keine Chance mehr auf den Klassenerhalt in den letzten drei Begegnungen. Kristianstad gewann locker mit 3:0 gegen die zu unerfahrene Truppe aus Göteborg.

Wenn es den Fall Tyresö nicht gegeben hätte, dann wäre wohl auch AIK wieder dran gewesen. Schon vor deren Rückzug sagte mir eine Spielerin AIK:s, dass sie auf den Konkurs hoffe, denn dann würde sich ihr Club in der Liga halten können. Auch sie hatte Recht, das änderte aber nichts am 0:3 daheim gegen KIF Örebro. Die mit acht Ausländerinnen antretenden Gäste hatten anfangs Probleme, aber die Nigerianerin Sarah Michael ist eine der besten Stürmerinnen der Liga und sie ist wieder da nach einer Verletzungspause und schoss das erste und dritte Tor. Zwischendurch köpfte Irena Martinkova das 2:0. Belohnung: Am Samstag wird KIF Örebro daheim in der Behrns Arena gegen Kopparberg/Göteborgs FC eine Art Finale um Platz 2 (= Champions League) spielen dürfen. Derzeit liegt KIF überraschend auf dem CL-Platz, drei Punkte vor Göteborg und Linköping.

Da es da noch einmal richtig spannend wird, werde ich mich auf den Weg nach Öfrebro machen, um das Spiel am Samstag live vor Ort zu sehen.

 

ffschweden im Gespräch mit Weltmeisterin Manjou Wilde

Manjou Wilde (Foto: Nora Kruse)

Manjou Wilde (Foto: Nora Kruse)

Deutschland fährt seit dem letzten Jahr auf einer großen Erfolgsspur. Die deutschen Frauen gewannen die Europameisterschaft in Schweden, die deutschen Männer wurden Weltmeister in Brasilien, die U19-Männer gewannen die EM in Budapest und auch die deutschen U20-Frauen kehrten kürzlich aus Kanada als Weltmeisterinnen zurück.

Für die schwedische Seite damfotboll.com habe ich mich vor ein paar Wochen mit der frisch gebackenen Weltmeisterin Manjou Wilde unterhalten. Da das sicher auch für deutschsprachige Leser interessant ist, kommt das Interview hier ungekürzt.

“Es dauert wirklich etwas, bis man sich an den Gedanken gewöhnt hat, dass wir Weltmeister geworden sind,” sagt Manjou, als ich sie in ihrer neuen Heimatstadt Freiburg in Süddeutschland erreiche.

Die 19-Jährige hat in allen sechs Spielen der deutschen Mannschaft jeweils von Anstoß bis zum Schlusspfiff auf dem Platz gestanden und somit einen deutlichen Beitrag zum WM-Titel geleistet. Zur vor kurzem begonnenen neuen Saison in Deutschland wechselte sie von Werder Bremen in der zweiten Liga nach Süddeutschland und zum SC Freiburg in die Bundesliga.

Warst du eigentlich vor dem Finale besonders angespannt?

“Ich war wirklich sehr nervös. Beim Aufwärmen war das noch so, aber als wir dann auf dem Platz standen und das Spiel losging, war das weg. Da hieß es nur noch durchatmen und spielen. Das Spiel gegen Nigeria war dann eigentlich genauso schwer wie wir das auch erwartet haben. Die Nigerianerinnen sind sehr athletisch und es gab im Turnier keine vergleichbare Mannschaft.”

Deutschland hat in letzter Zeit so viele Titel gewonnen, sowohl bei den Männern wie bei den Frauen. Ist das etwas, das euch beflügelt hat?

“Wir sind sicher alle sehr stolz, dass Deutschland so erfolgreich ist und natürlich hat auch unsere Mannschaft darüber gesprochen, aber wir haben unser eigenes Turnier in Kanada gespielt.”

Trainerin Maren Meinert hat mir einmal gegenüber den Erfolg der deutschen Teams gerade auch damit erklärt, dass die Mannschaften sich gegenseitig stimulieren und wenn eine Auswahl gewinnt, dann will die andere in nichts nachstehen. Erfolg generiert sozusagen Erfolg

Gegen Frankreich im Halbfinale (2:1) und gegen Nigeria im Endspiel (1:0 n.V.) war es dann ja auch sehr eng. Maren Meinert hat besonders auch die Französinnen nach dem Spiel sehr gelobt, war aber auch ungemein stolz auf euch. Warum gewinnt ihr diese engen Spiele am Ende doch?

“Naja, man muss sagen, dass wir in diesen knappen Partien sicher das nötige Quentchen Glück gehabt haben, um am Ende zu gewinnen. Aber da gehört siche auch viel mehr dazu und ich glaube, es ist unter anderem der Teamgeist, dass wir einfach niemals aufgeben und dass wir bereit sind, für jede andere Spielerin um jeden Meter auf dem Platz zu kämpfen, dass wir uns gegenseitig immer helfen.”

Wenn man den Namen Manjou Wilde googelt, findet man ziemlich schnell zu ihrer Facebook-Seite, die unglaubliche 10 003 “likes” hat, mehr als doppelt so viel wie Europameisterin Anja Mittags Seite (4892). Dem Gästebuch kann man entnehmen, dass Manjou Wilde auch schon lange vor der WM in Kanada viele Fans in allen Erdteilen hatte. Wie erklärst du dir das?

“Ich kann das wirklich nicht erklären,” antwortet sie. “Natürlich freue ich mich darüber, das auf meiner Seite zu lesen Ich bin glücklich und stolz, dass ich so viele Fans habe, aber warum das so ist, ich weiß es nicht.”

In der Ukraine gibt es einen Manjou-Wilde-Fanclub mit mehr als 400 Mitgliedern. Sollte die 19-Jährige auch den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen und sich in der Bundesiga etablieren, hat sie das Potential eines der neuen Gesichter des deutschen Frauenfußballs zu werden.

Was machst du außer Fußball, wie sieht so ein normaler Tag in Freiburg in deinem Leben aus?

“Ich denke darüber nach, zu studieren, aber im Moment ist es nur Fußball. Aber ich bin auch dabei meine Wohnung hier in Freiburg einzurichten, bin noch dabei Möbel auszupacken und aufzubauen. Wir trainieren hier 6-7 mal die Woche.”

Und warum der Wechsel nach Freiburg?

“Ich musste jetzt einfach von der zweiten in die erste Liga wechseln, um mich weiterzuentwickeln. Mein Ziel ist jetzt erst einmal, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen und mich dort auch zu etablieren. Die Konkurrenz auch in Freiburg ist groß. Aber ich habe mich für die Stadt Freiburg und für den SC entschieden, weil mir die Stadt sehr gefällt, sie passt zu mir und ich fühle mich hier wohl. Außerdem hat Freiburg eine sehr junge Mannschaft und hat immer wieder gut mit jungen Spielerinnen gearbeitet. Das hat man ja mit Melanie Leupolz gesehen, die jetzt nach vier Jahren in Freiburg nach München gegangen ist oder auch mit Sara Däbritz, die noch immer hier ist.”

An große, entfernte Ziele die die Olympischen Spiele in Brasilien 2016 oder die EM 2017 und die A-Nationalmannschaft denkt Manjou Wilde noch nicht. Sie sagt, dass sie jetzt erst einmal einen großen Traum verwirklicht hat und dass sie so weit noch nicht gedacht hat.

Was macht sie gerne in der Freizeit?

“Ich bin schon etwas modeverrückt und interessiere mich für schöne Klamotten, gehe gern mit Freunden aus, bin aber sicher kein Feiertyp. Als Profifußballerin muss man sich da sowieso etwas einschränken,” stimmt sie mir auf meine Frage zu, ob die notwendige Disziplin nicht manchmal schwierig ist. “Man denkt vielleicht ab und zu daran, dass man eben nicht alles machen kann und dass das schade ist, aber bei mir überwiegt der Spaß am Fußball so sehr, dass ich damit überhaupt kein Problem habe.”

Anja Mittag schiesst Rosengård zum Titel

Anja Mittag zu Beginn der Saison im Gespräch mit mir (Foto: Anders Henrikson)

Anja Mittag zu Beginn der Saison im Gespräch mit mir (Foto: Anders Henrikson)

Der FC Rosengård ist erstmals schwedischer Meister! Die Spielerinnen des ehemaligen LdB FC Malmö verteidigten am Donnerstag frühzeitig ihren Titel durch einen 3:2-Erfolg bei Kopparberg/Götebiorgs FC.

Lieke Martens erzielte beide Treffer für den Gastgeber, für den alten und neuen Meister trafen Anja Mittag (2) und Marta.

Für die deutsche Nationalspielerin waren es bereits die Saisontreffer 20 und 21 und nun führt die 29-Jährige die Torschützenliste mit zehn (!!!!) Toren Vorsprung auf Manon Melis an.

Rosengård marschiert

Niemand hatte vor Beginn der Saison den geringsten Zweifel daran, dass der schwedische Meister 2014 FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö) heißen wird. Auch der heimstarke Aufsteiger Eskilstuna United vermochte die Truppe von Marcus Tilly nicht zu stoppen.

Anja Mittag brachte ihr Team mit den Saisontreffern 18 und 19 auf die Siegerstraße, bevor Kirsten van de Ven (per Kopf!!) und Ramona Bachmann zum lockeren 4:0-Sieg abrundeten und das bei einem Gegner, der noch kein Heimspiel verloren hatte. Mittag führt die Torschützenliste jetzt mit sage und schreibe acht Treffern Vorsprung auf ihre ehemalige Mannschaftskameradin Manon Melis (Göteborg) und gar zehn Treffer vor den Drittplatzierten Jenny Hjohlman, Pernille Harder und Ramona Bachmann an.

Lange Zeit war KIF Örebro Zweiter in der Tabelle und schien sensationell auf einen Champions-League-Platz zu steuern. Aber gestern gab es bei Piteå eine 0:1-Niederlage und nun haben Linköping und Göteborg die besten Karten auf den begehrenswerten Silberplatz.

AIK schoss in der 88. Minute den Tabellenletzten Jitex Mölndal erwartungsgemäß in die zweite Liga, auch wenn die in 16 Spielen jeweils als Verliererinnen vom Platz gegangenen Göteborgerinnen bei vier Siegen in den letzten vier Spielen doch noch die Klasse erhalten könnten. 1:0 endete die mäßige Partie in Solna, die bei strömendem Regen ausgetragen wurde und wegen eines starken Gewitters für 15 Minuten unterbrochen werden musste.

Rosengård kann am Donnerstag mit einem Sieg gegen Göteborg schon das Meisterstück machen. Gähnende Langeweile in dieser Saison, was Platz 1 und den Abstieg anging. Denn nach dem ebenfalls erwarteten Ausscheiden Tyresös war klar, dass die Juniorinnen von Jitex dem einstigen Löfgren-Team folgen würden.

 

Schweden in Kanada

Fast zwei Wochen Pause hatten die Damallsvenskan und die Elitettan, da die europäischen Teams ihre letzten Qualispiele für die WM in Kanada im nächsten Jahr austrugen.

Dass Schweden seine beiden Spiele gegen Bosnien-Herzegowina und Schottland erfolgreich bestreiten würde, daran hat wohl niemand gezweifelt. Die Schottinnen hätten mit drei Toren Unterschied in Göteborg gewinnen müssen, um der fortgesetzten Qualifikation der vier besten Tabellenzweiten (meiner Meinung nach ein Unding, da die Gruppen nie vergleichbar sind) noch zu entgehen und die Tickets nach Kanada direkt zu lösen.

In Kanada sind nun lediglich zwei der fünf nordeuropäischen Länder dabei, obwohl das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 ausgeweitet wurde. Dänemark blamierte sich am Mittwochj  im Jokri Park im heimischen Vejle bis auf die Knochen mit einer peinlichen 0:1 Niederlage gegen den Frauenfußballzwerg Israel. Island konnte auch trotz zweier Heimsiege am Ende nicht einen der vier besten zweiten Plätze belegen, die an Schottland, Italien, die Niederlande und die Ukraine gingen. Schwache Finninnen hatten ihre Chancen auf einen dieser Plätze bereits im Juni verspielt, als man gegen ein allmählich stärker werdendes Österreich in Wien 1:3 unterlegen war.

Pia Sundhage tanzte am Mittwoch auf dem Rasen, nachdem Schweden Schottland erwartungsgemäß mit 2:0 geschlagen hatte. Lotta Schelin steuerte einen Treffer bei und liegt nun in der “ewigen” Torschützenliste ihres Landes gleichauf mit Hanna Ljungberg auf Platz 1. Beide haben 72 Länderspieltore.

Schelin imponierte vor einer Woche am Wahlsonntag in Schweden, den sie in ihrer Heimatstadt Göteborg verbrachte. In einer Pressekonferenz zwischen den beiden Länderspielen forderte sie alle auf zur Wahl zu gehen und Fremdenhass und Rasismus eine Absage zu erteilen. Ihr Herz schlage eher auf der roten Seite, aber sie habe keine Probleme damit, wenn jemand für die bürgerliche Regierung stimmen würde, solange man nicht für eine menschenverachtende rechte Alternative stimmen würde. Genutzt hat es leider nicht viel, denn die rechten “Schwedendemokraten” bekamen 13% und wurden drittstärkste Partei,

Acht Spiele später

Es war still im Blog, viele andere Sachen sind im Augenblick zu tun. Acht Spiele in der Damallsvenskan wurden seit dem letzten Post gespielt. Heute Nachmittag fahre ich zum Spitzenspiel der Elitettan zwischen Hammarby DFF und Sunnanå SK. Vorteil Hammarby, aber sollte Sunnanå gewinnen, nähmen die Nordschwedinnen Kurs auf Aufstiegsplatz Nummer zwei.

Aber zurück zur Damallsvenskan. Es besteht sicher immer noch kein Grund daran zu zweifeln, dass der FC Rosengård seinen ersten Meistertitel gewinnen wird, obwohl man seine Überlegenheit relativieren sollte. Oder lag es an Martas verletzungsbedingtem Fehlen gegen Linköping, dass es am Mittwoch in Malmö eine hochverdiente 2:3-Heimniederlage gegen den zweiten CL-Teilnehmer gab. Linköping hat damit beide Spiele dieser Saison gegen Rosengård gewonnen. Und eindrucksvoll unterstrichen, warum man Favorit gegen Liverpool sein dürfte. Am Mittwoch wollte der LFC gewinnen, Trainer Martin Sjögren, der Malmö vielleicht (noch) besser kennt, als Rosengårds Trainer Marcus Tilly, weil er es war, der 2010 nach langer Durststrecke den ersten Titel nach Malmö holte, hatte vor dem Spiel selbstbewusst gesagt, dass man noch eine Chance auf Platz 2 hätte, wenn man alle Spiele bis Saisonende gewinnen würde, inklusive der Begegnung auf dem Malmö IP. Drei Mal gingen die Gäste in Führung. Zwei Mal konnte Malmö ausgleichen, einmal durch einen zweifelhaften Foulelfmeter, nachdem Anja Mittag im Strafraum fiel, beim zweiten Mal durch Ramona Bachmann, die durch die gesamte Hälfte Linköpings lief und fünf Gegnerinnen wie Slalomstangen stehen ließ und den Ball dann an Katie Fraine vorbeispitzelte. Das Tor des Tages. Spielerin des Tages aber eindeutig die Dänin Pernille Harder. Wo Bachmann für meinen Geschmack oft noch zu ballverliebt ist und nicht abspielt, da hat die jüngere Harder längst die richtige Mischung gefunden  Passend, dass es ihr Nachschuss nach Fridolina Rolfös Versuch war, der das Spiel entschied. Überhaupt Rolfö. Die 20-Jährige köpfte das 2:1  und wirbelte Rosengårds Abwehr mehrfach durcheinander. Und man fragt sich, warum Pia Sundhage Rolfö nicht nominiert. Fast 1,80 groß, athletisch und dynamisch. Mit einem starken linken Fuß und immer wieder überraschenden Aktionen. So eine Spielerin hat Sundhage nicht im Kader. Warum sie unverdrossen an Sofia Jakobsson und Olivia Schough festhält, darüber kann man nur spekulieren. Sportliche Gründe gibt es nicht.

Linköping hatte schon vorher gegen Kopparberg/Göteborgs FC ein weiteres Spitzenspiel mit 2:1 gewonnen. Obwohl die bessere Mannschaft gewann profitierte man hier jedoch von einem eklatanten Schiedsrichterfehler. Denn die glänzend spielende Norwegerin Kristine Minde erzielte das 2:0 für Linköping mit dem halb ausgestreckten rechten Arm, mit dem sie einen Schuss unhaltbar für Loes Geurts abfälschte.

Erfreulicherweise ist der Kampf um Platz zwei nun die spannende Frage in der Liga, in der Rosengård wohl doch durchmarschieren wird. Örebro leistete sich einen Ausrutscher beim wiedererstarkenden Vittsjö und gewann dann aber gegen Kristianstad durch einen Treffer der Finnin Sanna Talonen. Und Göteborg holte einen 0:2 Rückstand daheim gegen Eskilstuna am Donnerstagabend auf und gewann durch ein Kopfballtor von Lisa Ek doch noch mit 3:2. Alle anderen Fragen in der Liga sind entschieden. Die Abstände zwischen oben und unten mehr als deutlich.

Zwischen Platz 6 (Kristianstad) und 7 (Umeå) liegen acht Punkte, auch wenn die komplette untere Hälfte ein Spiel weniger hat als die komplettere obere Hälfte.

 

 

 

 

 

Entschieden

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Acht Spieltage vor Ende der Damallsvenskan 2014 ist die Meisterschaft zumindest aus meiner Sicht entschieden. Am Dienstagabend gewann Tabellenführer FC Rosengård mit 1:0 beim Zweiten KIF Örebro und sicherte sich damit zunächst einmal einen komfortablen 9-Punkte-Vorsprung vor dem heutigen Gegner, der allerdings ein Spiel weniger hat. Den entscheidenden Treffer erzielte Marta in der 22 Minute nach Vorlage von Ramona Bachmann. Am Ende hätte Rosengård sicher noch einen Treffer machen können, wenn Bachmann oder Anja Mittag mhr Entschlossenheit im Abschluss gezeigt hätten. Das Spiel hätte aber durchaus auch unentschieden enden können. Örebro zeigte, warum es ein unangenehmer Gegner ist und kam auch selber zu einer Reihe von Chancen, obwohl die Nigerianierin Sarah Michael zunächst auf der Bank saß. Julia Spetsmark vertrat Michael 52 Minuten lang ausgezeichnet und sorgte immer wieder für Unruhe.Bei Rosengård wurden wieder Abwehrschwächen deutlich, die im großen internationalen Konzert bestraft würden. Fehler leisteten sich Torhüterin Kathrin Längert, die zur Klasse der im Sommer zurück nach Hause gezogenen Thora Helgadottir noch ein Stück Weg vor sich hat, Line Røddik Hansen, Lina Nilsson und selbst Anita Asante Lediglich Ali Riley war nahezu fehlerfrei. Dabei war es am Ende aber wohl Asante, die den Sieg rettete mit zwei klärenden Aktionen in der zweiten Halbzeit Einmal gegen Sarah Michael, als Michael zu Fall kam. Obwohl Asante wohl den Ball gespielt zu haben scheint, brachte sie die Nigerianerin aber auch ebenso deutlich zu Fall. In jedem zweiten Fall entscheidet ein Schiedsrichter hier auf Strafstoß. Am Ende aber bedeutet das 1:0 aber wohl die Vorentscheidung´. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier noch etwas anbrennen wird und gehe davon aus, dass Rosengård auch theoretisch schon einige Spieltage vor Schluss im Ziel ist.

KIF Örebro aber wird um Platz 2 spielen und hat gute Chancen auf einen Champions League Platz. Mit seinen begrenzten Ressourcen arbeitet Trainer Richard Nilsson optimal. Das Mittelfeldzwillingspaar Irene und Lucie Martinkova aus Tschechien, das schon vergangene Saison nach Schweden kam, ist eine der klügsten Verpflichtungen der letzten Jahre. Stephanie Labbé im Tor ist inzwischen eine Klassetorhüterin, spannend wird ihr Versuch, bei der WM im eigenen Land 2015 die kanadischen Farben zu vertreten. Die Finnin Annika Kukkonen hat nach einigen eher gescheiterten Versuchen in Malmö und bei den Absteigern Djurgården und Sunnanå endlich den richtigen Club gefunden. Und Sanna Talonen und Sarah Michael habe ich schon vor drei Jahren als eines der potentiell besten Stürmerpaare der Liga bezeichnet. Jetzt ist es soweit.

Auch 1:2 ist verloren. Jitex Mölndal BK holte sich im 14. Spiel die 14. Niederlage daheim gegen Aufsteiger Eskilstuna am Dienstagabend.

Bereits am Sonntag gewann Vittsjö im “Spiel um den neunten Platz” mit 2:0 bei AIK in Solna. AIK, das die Klasse nur erhalten wird, weil Tyresö sich zurückgezogen hat. Jitex ist mit 0 Punkten der unangefochtene Jumbo und könnte tatsächlich einen neuen Minusrekord aufstellen, wenn die restlichen acht Spiele auch noch verloren werden. AIK hat nur in drei von 13 Spielen Tore erzielt und am Sonntag wurde wieder deutlich, wie schwer man sich tut. Da gibt es durchaus einige begabte Spielerinnen und mit Emma Lundh ja eine schwedische und mit Maija Saari eine finnische Nationalspielerin, aber insgesamt reicht der Kader nicht für die erste Liga Dank Tyresö wird man aber dennoch drin bleiben in der Damallsvenskan, was spätestens im nächsten Jahr mit den voraussichtlichen Aufsteigern Mallbacken und Hammarby durchaus zu einem Qualitätsverlust führen könnte.

Vittsjö müsste eigentlich deutlich besser spielen, aber das Team brauchte mehr als eine halbe Stunde, um sich warm zu spielen und leistete sich in der verlängerten Aufwärmphase zahlreiche eklatante Abspielfehler und Missverständnisse. Dabei gibt es mit den drei schottischen Nationalspielerinnen Ifeoma Dieke, Hayley Lauder und Jane Ross wirklich Talente. Ross machte auch das 1:0 per Kopf und Emma Sjödahl ebenfalls mit dem Kopf erzielte den 2:0-Endstand. Antonia Göransson machte vor allem in der zweiten Halbzeit einen guten Eindruck auf der linken Seite, aber die vor zwei Jahren so famos aufspielende Kapitänin Sofie Andersson blieb relativ blass. Im Tor hat man mit der Finnin Minna Meriluoto eine der besten Torhüterinnen der Liga, die in ihrer Karriere mit Umeå Södra, Hammarby, Jitex und jetzt einem eher mediokren Vittsjö immer Vereine weit unter Wert verstärkt hat. Potential ist durchaus da beim Tabellenneunten, aber es wird schwer, sich wirklich nach oben zu verbessern, auch wenn das gut gestartete Piteå jetzt deutlich schwächelt. Am Sonntag leistete man sich daheim in der schwer zu erobendern LF-Arena eine 2:3 Niederlage gegen Kristianstad, für das die zurückgekehrte Amerikanerin Becky Edwards bereits ihren ersten Treffer erzielte.

Lösbare Aufgaben

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Die Champions-League der Frauen beginnt Anfang Oktober und gestern wurde in Nyon sowohl die Runde der besten 32 und gleich auch mal schon das Achtelfinale gelost – für mich eine Unsitte, die sehr viel Spannung nimmt und im ungleich größeren Männerfußball undenkbar wäre.

Gesetzt wurde auch nur in der ersten der beiden Runden, trotz der katastrophalen Ergebnisse im vergangenen Jahr als etwa Turbine Potsdam in seinem Viertelfinale den Gegnerinnen aus Sardinien 16 Tore einschenkte. Solche Klassenunterschiede in der Runde der letztenAcht sollten vermieden werden, auch das die acht Tore vom dann erwartungsgemäß in Konkurs gegangenen schwedischen Vertreter Tyresö FF gegen Neulengbach im Viertelfinale zeigten, dass es noch keine sonderliche Leistungsdichte gibt.

Aberf die UEFA hat keine Konsequenzen gezogen – schon im Achtelfinale kommt es mit 99%-iger Wahrscheinlichkeit zum Aufeinandertreffen der beiden französischen und europäischen Topclubs Olympique Lyonnais und PSG.

Der schwedische Meister FC Rosengård (eigentlich hieß er ja LdB FC Malmö) trifft auf den russischen Vertreter Ryazan VDV, eine mehr als lösbare Aufgabe, geradezu ein Muss, hier weiterzukommen und zwar durch zwei souveräne Siege.

Ryazan, in Deutschland oft Rjazan geschrieben, liegt 200 km südöstlich von Moskau. Die Mannschaft besteht aus russischen und ukrainischen Spielerinnen, lediglich eine Weißrussin kommt zu den beiden Nationen hinzu. Die bekanntesten Spielerinnen sind die Russinnen Olga Petrova (letzte Saison kurz in Wolfsburg), Elena Danilova und Ksenia Tsybutovich, allesamt Nationalspielerinnen für Russland.

Schwieriger wird es dann wohl für Linköpings FC, den Dritten des Vorjahres in Schweden, der sich in Tyresö bedanken darf, dass man seine Mannschaft zurückgezogen hat, denn dem Reglement zufolge hätte Tyresö jetzt auch seine neue A-Mannschaft nach Europa schicken können. Die hat ein Durchschnittsalter von siebzehn Jahren und drei Monaten und liegt derzeit in der dritten Liga (Gruppe Södra Svealand) auf einem Abstiegsplatz. Vereinsvorsitzender Hans Lindberg hatte im Frühjahr zwischenzeitlich “gedroht”, dass man den Platz in der Champions League behalten könne, unabhängig davon, was mit der unbezahlbaren und unbezahlten ersten Mannschaft geschieht. Aber vermutlich hat der schwedische Fußballverband hier sehr nachdrücklich um Rückzug “gebeten”, denn eine Teilnahme des Drittligisten hätte dem schwedischen Fußball wohl sehr geschadet.

Gegner von Ersatzteam Linköping sind nun die Liverpool Ladies, der englische Meister von 2013. Zunächst geht es nach England und am 15./16.10. steht dann das Rückspiel in Schweden an. In der acht Mannschaften umfassenden englischen FA/WSL liegen die “Reds” derzeit auf Platz drei, zwei Punkte hinter Tabellenführer Birmingham City Ladies, der allerdings zwei Spiele weniger hat und also davonziehen könnte.

Nicht mehr im Kader von Liverpool ist die Schwedin Louise Schillgard (geb. Fors), die in diesem Frühjahr geheiratet hat und jetzt auch ein Baby erwartet. Ihr Einsatz wäre pikant gewesen, denn “Lollo” hat auch eine Vergangenheit in Linköping, wo sie 2012 noch aktiv war.

Mit Corina Schröder und Nicole Roiser wird Linköping auch auf zwei deutsche Spielerinnen treffen.

Hier die komplette Auslosung und mein Tip fürs Weiterkommen ist jeweils gefettet:

KKPK Medyk Konin (POL) – Glasgow City LFC (SCO)
60:40 für Konin, das in seiner Quali-Gruppe alle Gegner hinwegfegte

Ryazan-VDV (RUS) v FC Rosengård (SWE)
95:5 für Rosengård

ACF Brescia (ITA) – Olympique Lyonnais (FRA)
95:5 für Lyon

Clube Atlético Ouriense (POR) – Fortuna Hjørring (DEN)
10:90 für Hjørring

SK Slavia Praha (CZE) – FC Barcelona (ESP)
15:85 für Barcelona

Raheny United (IRL) – Bristol Academy WFC (ENG)
30:70 für Bristol

FC BIIK-Kazygurt (KAZ) – 1. FFC Frankfurt (GER)
1:99 für Frankfurt

Gintra Universitetas (LTU) – AC Sparta Praha (CZE)
5:95 für Prag

ŽNK Pomurje (SVN) – ASD Torres Calcio (ITA)
5:95 für Torres

Stabæk FK (NOR) – VfL Wolfsburg (GER)
10:90 für Wolfsburg

Apollon LFC (CYP) – Brøndby IF (DEN)
30:70 für Brøndby

MTK Hungária FC (HUN) – SV Neulengbach (AUT)
20:80 für Neulengbach

ŽNK Osijek (CRO) – FC Zürich Frauen (SUI)
10:90 für Zürich

Liverpool LFC (ENG)  – Linköpings FC (SWE)
35:65 für Linköping

FC Twente (NED) – Paris Saint-Germain FC (FRA)
5:95 für PSG

Stjarnan (ISL) v WFC Zvezda-2005 Perm (RUS)
30:70 für Zvezda

 

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Das Achtelfinale (mit den Tipps von ffschweden):

Zürich – Medyk Konin
70:30 für Zürich

Rosengård – Hjørring
85:15 für Rosengård

Paris – Lyon
60:40 für PSG

Wolfsburg – Neulengbach
95:5 für Wolfsburg

Linköping – Zvezda-2005
80:20 für Linköping

Barcelona – Bristol
70:30 für Barcelona

Frankfurt – Torres
95:5 für Frankfurt

Brøndby – Sparta
70:30 für Brøndby

 

 

ffschweden trifft (3): Madelaine Edlund

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Vor drei Monaten noch stand sie im Finale der UEFA Women’s Champions League in Lissabon und spielte mit ihrem Verein Tyresö FF gegen den VfL Wolfsburg. Doch sowohl das 3:4 gegen Wolfsburg wie auch die mit Stars gespickte A-Mannschaft von Tyresö ist längst Geschichte.

Als ich Madelaine Edlund traf, trug sie das Trikot ihres neuen Vereins Sunnanå SK, Tabellenfünfter der zweiten Liga, der Elitettan.

Ich war mit der 29-Jährigen verabredet, um von ihr selbst zu hören, warum sie den Schritt zurück vom europäischen Parkett in die nordschwedische Provinz getan hat und nicht etwa ihre Karriere in der Damallsvenskan oder im Ausland fortgesetzt hat.

“Ich habe mir überlegt, das ich einfach alles schon mehr oder weniger gemacht habe im Fußball,” sagte mir Madde Edlund nach dem 3:3 ihres Teams beim Tabellenvierten Djurgården in Stockholm.

“Ich habe in Umeå gespielt, stand drei Mal im Finale der Champions League und hab auch ein bisschen in der Nationalmannschaft gespielt. Ich habe wirklich das Meiste gemacht und ich bin nicht mehr so ganz jung, vielleicht sogar irgendwo am Ende meiner Karriere als Fußballspielerin. Und dann bin ich auch Mutter. Ich bin ja in Jönköping geboren, aber aufgewachsen bin ich in Skellefteå und wie du sicher weißt, habe ich die ersten Jahre für Sunnanå gespielt, bevor ich nach Umeå ging.”

In Umeå gewann Madelaine Edlund zwei Mal die schwedische Meisterschaft, bis der Club in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet. Marta ging zu Los Angeles Sol in die amerikanische Profiliga WPS und viele andere Spielerinnen verließen den Verein. Edlund und die Brasilianerin Elaine Estrela Moura folgten Marta in die USA und heuerten bei St. Louis Athletica an, eine Manschaft, die aber schon nach wenigen Monaten zurückgezogen wurde, weil ihr Eigentümer begriffen hatte, dass Frauenfußball ihm keine Gewinne verschaffen würde.

Der umtriebige Unternehmer Hans Löfgren holte Elaine und Madelaine nach Tyresö. 2012 holte Tyresö sein erstes und Madde Edlund ihr drittes Gold in der schwedischen Meisterschaft. Im alles entscheidenden Spiel Anfang November 2012 in Malmö verschoss Anja Mittag zunächst einen Elfmeter und vergab damit dkie große Chance auf die Vorentscheidung zugunsten der Gastgeber. Stattdessen war es Madde Edlund, die in der 81. Minute das Blatt wendete. Ihr 0:1 war das Tor des Tages und meisterschaftsentscheidend.

Mir scheint es, als ob du jetzt nach Hause gekommen bist, Madelaine?

“Sunnanå war immer in meinem Herzen,” antwortet Madelaine Edlund “Ich habe etliche Jahre in der Damallsvenskan gespielt und jetzt wollte ich zu einem Team, das durchaus in die Damallsvenskan aufsteigen will und ich wollte dabei sein, zu versuchen, das Team nach oben zu bringen. Denn der Ehrgeiz aufzusteigen, den gibt es hier.”

Was aber, wenn es Sunnanå tatsächlich gelingen sollte, aufzusteigen? Dann würde sich das Trainingspensum wieder erhöhen.

“Ich weiß nicht, was ich dann machen würde. Aber das hat bis nach dem Ende der Saison Zeit. Aber mir geht es in Skellefteå wirklich gut.”

Hast du lange überlegt, bis du dich entschlossen hast, diesen Schritt zurück zu machen?

“Nein, eigentlich gar nicht. Es war einfach. Ich habe eine Tochter und da hast du eine andere Perspektive auf das Leben. Ich bin im Ausland gewesen und habe so viel erlebt und gemacht, jetzt ging es darum, nach Hause zu kommen. Jetzt spielen andere Dinge in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle. Der Fußball ist nach wie vor wichtig, aber für mich ist das jetzt und hier ideal. Ich will wirklich was mit dieser Mannschaft erreichen.”

Ich frage Madelaine, ob das lange und schlimme Ende der Topmannschaft Tyresö FF für sie letzten Endes nicht irgendwo positiv war.

“Ja, so kann man das durchaus sehen,” stimmt sie mir zu. “Ich war halt gezwungen, mir etwas Neues zu suchen. Aber es ist schon merkwürdig, es ist alles nicht einmal drei Monate her und wir sind in alle Winde in der ganzen Welt verstreut.”

Ob die junge Familie in Nordschweden bleibt, hängt laut Madd Edlund vor allem davon ab ob sie und ihr Freund einen Job dort finden Madelaine ist von ihrem Arbeitsplatz in Stockholm beurlaubt und ihre Freund ist im Elternurlaub, hat seine Arbeit ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Aber allen gefällt es gut im Norden wo Madde wieder bei ihren Eltern wohnt, vorübergehend zumindest.

Sie gibt ein gutes Beispiel dafür, wie man eine Karriere allmählich würdevoll und klug abschließen kann Die großen Ambitionen sind nicht mehr da und teilweise auch erfüllt. Es gibt eine Zeit nach dem Fußball. Das sieht Madelaine Edlund ganz schmerzfrei und das imponiert mir