Sjögran spielt

Eine Sache muss ich noch richtig stellen, wo ich gerade therese Sjögran in der Startformation Malmös im laufenden Spiel in Örebro sehe. Sie hat nicht, wie am Wochenende hier behauptet, die gelbrote Karte gesehen. Die Satistiker des schwedischen Fußballverbands sind derzeit alles andere als glaubwürdig. Es ist nicht der erste Fehler in dieser Saison.

Spanischer Abend in Tyresö

Sara Thunebro im Spiel gegen Piteå nominell im Mittelfeld

Sara Thunebro im Spiel gegen Piteå nominell im Mittelfeld

Die erste Hälfte des fünften Spieltags wurde gestern Abend gespielt. Damit ist schon fast wieder ein Viertel der Saison absolviert.

In Tyresö hatten gestern Abend die Eltern aller Kinder und Jugendlichen, die im Verein spielen, freien Eintritt, wenn sie die Mitgliedskarte ihrer Sprösslinge im Gepäck hatten. Trotzdem kamen offiziell nur eher schwache 912 Zuschauer, realistisch gesehen wohl mindestens 200 weniger, die Zahlen werden weiterhin geschönt, nicht nur in Stockholm, auch anderswo.

Das ist schon bitter, denn die Zuschauerzahlen der Liga dümpeln seit Jahren vor sich hin und obwohl dieses Jahr Europameisterschaft ist und zwar hier im Lande, gibt es keine erkennbare Steigerung.

Zum Fußball. Tyresös Mannschaftsaufstellung (in Schweden bekommt die Presse auch immer ein Exemplar der taktischen Aufstellung) war gestern auf dem Papier 3-4-3. Neben den beiden Innenverteidigerinnen Johanna Frisk und Line Röddik Hansen firmierte auch Lisa Dahlkvist in der Dreierkette. Beide Außenverteidigerinnen Meghan Klingenberg und Sara Thunebro wurden nach oben gezogen und waren also Bestandteil des Mittelfelds.

Diese starren Formationsgerüste sind meiner Meinung nach in einem laufenden Spiel dann auch oft fließend, mal abgesehen von der klassischen Viererkette. Tyresö hat für gewöhnlich sehr viel Ballbesitz und die meisten Gegner auf dem heimischen Tyresövallen (eigentlich Bollmoravallen) konzentrieren sich wesentlich auf das Vermeiden von Gegentoren und kommen nur sehr selten weiter in die Hälfte Tyresös hinein.

So war es denn auch gestern Abend gegen Piteå, das nach einer enttäuschenden 0:3-Klatsche bei Aufsteiger Mallbacken einiges wiedergutzumachen hatte. Tyresö machte zwei Tore nach schönen Kombinationen, erstmals traf Jennifer Hermoso Fuentes, der spanische Neuzugang und weil Vero Boquete ihr da nicht nachstehen wollte, erzielte sie in der 36. Minute das 2:0 mit einem schönen Weitschuss nach einer Kombination über 5-6 Spielerinnen.

Das war aber im Wesentlichen schon die halbe Herrlichkeit bei Tyresö. Wer in der zweiten Halbzeit den oft hier erfolgten Zusammenbruch des Gegners erwartet hatte, weil Tyresö halt wesentlich mehr trainiert und eine bessere Physis hat als die meisten Gegnerinnen, der sah sich getäuscht.

Im Gegenteil. Piteå kam durch die Finnin Anna Westerlund zum Anschlusstreffer nach einer knappen Stunde und hatte vielleicht zwei weitere Möglichkeiten. Der Meister dagegen hätte durchaus sieben oder acht Tore schießen können, tat es aber nicht. Das Spiel der mit Abstand besten Truppe der Liga überzeugt nach wie vor nur sporadisch, da ist noch viel Luft nach oben. Aber solange man trotzdem immer drei Punkte mitnimmt, muss man sich wenig Sorgen machen. Ich bin sicher, dass Tyresö im Laufe der Saison an mannschaftlicher Geschlossenheit gewinnt. Man fragt sich allerdings, ob Trainer Tony Gustavsson nicht allmählich mit ein bisschen Rotation für Stimmung im Kader sorgen sollte, denn Spielerinnen wie Annika Svensson, Kirsten van de Ven, Elaine, die in anderen Teams Stammspielerinnen wären, bekommen derzeit in Tyresö kaum mehr als zwanzig Minuten die Woche.

Zu den anderen Mittwochspielen eine Zusammenfassung im gleichen Post mit den Donnerstagsspielen heute Abend. Dann kommt auch ein Interview mit Piteås Abwehrstar Faith Ikidi, das ich gestern Abend gemacht habe.

Pia Sundhage und die Medien

Kosse

Natgionalspielerin Kosovare Asllani beim Pressetreff im Februar in der Friends Arena – zu schlank?

Ich habe es schon an anderer Stelle hier geschrieben. Pia Sundhage sagt manchmal Dinge, über die sie besser nachdenken sollte, bevor sie sie äußert. Das heißt nun nicht, dass ich sie nicht für eine insgesamt großartige Trainerin mit sehr viel Fußballwissen und vielleicht vor allem der nicht häufigen Fähigkeit, eine Mannschaft zu extremen Leistungen zu motivieren halte.

Vor drei Wochen habe ich ein langes Interview mit Lotta Schelin gemacht, das sicher hier noch Niederschlag finden wird. Aber während die 29-Jährige Schelin sehr genau weiß, was sie der Öffentlichkeit mitteilt, scheint die 53-Jährige Sundhage durchaus Beratung zu brauchen.

Es sei denn, all ihre teilweise provokanten Äußerungen sind Teil eines genialen, für die meisten Beobachter noch unverständlichen Plans.

Da waren die öffentlichen Äußerungen darüber, dass sie mehr von Lotta Schelin erwartet, sie sei der Star des Teams, sie müsse mehr leisten. Oder die anderen müssten alle für Schelin rackern und kämpfen, damit sie glänzen kann. Denn wenn sie glänze, glänze Schweden.

Da war die Äußerung über Kristin Hammarström, mit deren Fußarbeit als Torhüterin Sundhage nicht zufrieden war. “Die muss nach Hause gehen und trainieren, trainieren, trainieren.” Die Konsequenz: Hammarström spielte fortan in jedem Spiel von Anfang an.

Da war die Äußerung in Malmö, als Pia sich darüber ärgerte, dass in der Startformation Malmös acht Ausländerinnen standen und dass schwedische Talente so auf der Strecke blieben. Malmös Mittelfeldspielerin Lisa Ek hat dazu in ihrem Blog erst jetzt eine wunderbare, emotionale Antwort geschrieben.

Da die meisten Leser dieses Blogs wohl kein Schwedisch können, will ich Lisas Argumente kurz wiedergeben:

Am Beispiel von Yoreli Rincon macht Ek deutlich, dass es ausländische Spielerinnen aus durchaus schwierigen Verhältnissen in der Heimat gibt, die alles dem Ziel unterordnen, eine gute Spielerin im Ausland zu werden. Es gäbe viele schwedische Spielerinnen, die nicht bereit wären, umzuziehen, um für einen anderen Verein zu spielen, bei dem sie der Elite näher kommen könnten. Sie bleiben lieber bei ihrer Familie, ihren Freunden, ihrer Arbeit, ihrem Studium und gehen Kompromisse ein. Das sei völlig legitim, aber diese Spielerinnen bräuchten sich dann auch nicht zu wundern, wenn ihre potentiellen Plätze in anderen Clubs von Ausländerinnen besetzt würden.

“Ich bin jedes Mal glücklich und stolz, wenn ich zum Training komme und sehe, wie Anja [Mittag] einen Ball ins Eck dreht, Ramona [Bachmann] vier andere einfach wegdribbelt, [Sara] Björk [Gunnarsdottir] den Yoyo-Test macht und Elin Rubensson Salz in ihre Trinkflasche träufelt, weil sie gelernt hat, dass ihr Körper so die Flüssigkeit länger behält.[...] Es gibt eine Menge anderer Sachen, die unsere ausländischen Spielerinnen mitbringen. Die deutsche Siegermentalität, die neuseeländisch/amerikanische Einstellung, dass wir das schaffen können oder die beinharte isländische Kampfesmoral. Indem wir täglich mit all diesen Kulturen zu tun haben, werden wir nicht nur bessere Fußballspielerinnen, sondern auch bessere Menschen. Davon bin ich total überzeugt.”

Aber Pia Sundhage wettert nicht nur gegen zu viele Ausländerinnen in einer sich globalisierenden Welt. Am Wochenende erklärte sie in einem Interview mit Sydsvenska Dagbladet auch, dass einige ihrer Nationalspielerinnen zu schlank seien.

“Ich glaube nicht, dass man es schafft, sechs Spiele auf dem höchsten Niveau absolvieren kann und im gleichen Atemzug glaubt, dass man dabei schlank wie ein Strich sein kann. Es gibt eindeutig zu viel Aussehensfixierung in der Gesellschaft,”§ so Pia Sundhage.

Mit letzterem hat sie sicherlich nicht Unrecht.

“Als ich noch spielte, hörten wir oft, dass wir zu dick seien und zu männlich aussehen würden. Aber für das gibt es keinen “quick fix”, es geht um Ideale,” so Schwedens Trainerin weiter.

Einige Spielerinnen, so heißt es in dem Artikel weiter, hätten die Aufforderung bekommen, Gewicht zuzulegen.

Auch hier frage ich mich, ob dieses Thema in der Öffentlichkeit diskutiert werden muss. Dass es auch im Leistungsfußball Spielerinnen gibt, die Essstörungen haben, ist unzweifelhaft. Einigen Spielerinnen, nicht aus der Nationalmannschaft, sieht man das an, von anderen weiß man es.

Aber generell bei Journalisten zu verbreiten, dass die heutigen Fußballspielerinnen wuasi ‘zu sehr auf ihre Figur’ achten und dass sie dem Ziel zuliebe, Medaillen zu gewinnen, einfach mal ein bisschen mehr futtern sollten, muss nicht in jeder Zeitung zwischen Haparanda und Ystad stehen.

Schaut man sich den aktuellen Kader der Nationalmannschaft mal unter dem Aspekt an, so kann man sehen, dass etwa Göteborgs Johanna Almgren innerhalb des letzten Halbjahres deutlich an Muskeln zugenommen hat. Ich traf Almgren auf dem Medienauftakt der Damallsvenskan Anfang April und nicht nur mir fiel auf, dass die Mittelfeldspielerin wesentlich kräftiger wirkte, als noch in der letzten Saison.

Aber insbesondere die offensiven Spielerinnen wie Kosovare Asllani, Sofia Jakobsson, aber auch Superstar Lotta Schelin sind eher schlank und möglicherweise sogar schmal. Sollen die jetzt 5-6 kg drauflegen? Keine Muskeln übrigens, sagte Pia Sundhage, denn nur Muskeln machen langsam.

Eine Diskussion, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden muss. Was die Ausländerinnen-Frage angeht, glaube ich nicht, dass sich viel ändern wird, auch wenn die Trainerin angekündigt hat, sich dem Thema nach der EM mehr zu widmen.

Malmö wieder vorn

Malmö hat Tyresö nach vier Runden die Tabellenführung abgeluchst. Mit einem 2:1 in Umeå am Sonntag (Siegtreffer durch Neuzugang Yoreli Rincon) setzte sich der Vizemeister dank der mehr geschossenen Tore an die Tabellenspitze. Dabei flog Therese Sjögran nach zwei gelben Karten vom Platz.

Ereignis des Tages aber wohl die Stadioneröffnung in Linköping. Das neue Stadion für die Europameisterschaft gebaut wird Heimstatt für Linköpings FC sein. Freier Eintritt und schönes Wetter und eine Rekordkulisse von 5300 Zuschauern, vermutlich ein Saisonrekord, den keiner in der Liga überbieten wird. Und wieder sorgte Örebro für eine Überraschung, lag 2:0 in Führung, ehe am Ende die Abwehrspielerinnen Charlotte Rohlin und Magdalena Eriksson noch für das dritte Unentschieden in Folge für Linköping sorgten.

Und Mallbacken strafte mich Lügen. Nachdem ich am Samstag nach dem neuerlichen Debakel Sunnanås noch behauptete, dass beide Aufsteiger sang- und klanglos absteigen würden, gewann das Team sein zweites “Heimspiel” in Munkfors mit 3:0 gegen das bislang starke Piteå.

Aber auch trotz dieses sporadischen Erfolgs kann ich so recht nicht daran glauben, dass Mallbacken mit seinem bescheidenen Kader in der Liga bleibt.

Kreuzbandriss Nummer 6: Hanna Petterssons Knieschmerzen aus einem Training vor dem Spiel in Mallbacken rührten von einem gerissenen Kreuzband her. Saison zu Ende. Auch diese Saison werden wohl wieder 20-25 Spielerinnen mit dieser Diagnose von Magnetröntgenuntersuchungen nach Hause kommen.

Sunnanå wird absteigen

Dreieinhalb Spieltage in der Damallsvenskan liegen hinter uns und zumindest die Abstiegsplätze scheinen klar vergeben. Die beiden Aufsteiger Mallbacken und Sunnanå dürften kaum eine Chance haben, auch nur um den Klassenerhalt mitzuspielen.

Zum dritten Mal bekam Sunnanå heute fünf Gegentore. 2:5 Niederlage bei Jitex, das bisher auch nur einen Punkt geholt hatte. Das reicht einfach nicht. Ebensowenig hat Mallbacken bislang den Eindruck erwecken können, erstklassig zu sein. Spielerinnen wie Annika Kukkonen (Sunnanå) und Maija Saari (Mallbacken) können einem Leid tun, sind sie doch vom Regen in die Traufe gekommen.

Kristianstad gewann nicht unerwartet mit 4:1 bei Vittsjö in einem weiteren Skåne Derby. Diese Saison wird es Vittsjö bedeutend schwerer haben, ähnlich zu überraschen wie im Vorjahr. Josefine Öqvist und dreimal Margret Lara Vidarsdottir machten die Tore für die Gäste, die den Dreier auch dringend brauchten, um sich Richtung Spitze zu orientieren.

Spitzenspiel in Göteborg. Nach einer halben Stunde führte der Gastgeber vor nur 741 Zuschauern mit 2:0 gegen den Meister Tyresö FF durch Tore von Jodie Taylor (möglicherweise die “Entdeckung” der Saison, nicht zuletzt für die englische Nationaltrainerin Hope Powell) und Anita AsanteDann machte Tyresö sehr viel Druck und konnte nach zwei Abwehrfehlern durch Kirsten van de Ven und Christen Press ausgleichen. In der zweiten Halbzeit erwartete man eigentlich, dass Tyresö da weitermachen würde, wo es aufgehört hatte, aber Göteborg hielt dagegen und beide Teams hatten gute Chancen, den Siegtreffer zu erzielen. Defensiv gab es klare Fehler auf beiden Seiten, aber für Tyresö reicht die Defensive, um in der Liga Spitze zu sein. Allerdings scheint mir die Abwehr jetzt verwundbarer zu sein, wo Sara Thunebro auf der linken Abwehrseite spielt und Line Röddik Hansen in die Mitte gestellt wird. Unverständlich, dass man die beste Linksverteidigerin der Liga zugunsten einer schwedischen Nationalspielerin von ihrer Position nimmt.

Jitex in Schwierigkeiten

Die Probleme von Jitex BK aus Mölndal bei Göteborg sind noch immer nicht gelöst. Zuerst hatte die Gemeinde vor einigen Wochen mitgeteilt, dass das neue seit Jahren versprochene Stadion nicht rechtzeitig zur Saisoneröffnung fertig wird, sondern vermutlich erst zur Sommerpause.    

Jitex muss seine ersten “Heimspiele” nun im 11 km südlich gelegenen Lindome austragen, was bei den ohnehin nicht rosigen Zuschauerzahlen katastrophal ist und ausserdem direkte Auswirkungen auf das Engagement von lokalen Sponsoren hat.

Der Verein bettelte die Gemeinde um 1,2 Millionen SEK (rund 145.000 €) an, um finanziell die entstehenden Verluste decken zu können und den laufenden Betrieb aufrecht erhalten zu können, Aber wie schon in der Arena-Frage gab es vonseiten der Lokalpolitiker die kalte Schulter und beinahe spiessbürgerlich dumme Antworten.

Weil das Stadion nicht fertig wurde, bietet die Gemeinde an, dass Jitex für den gesamten Rest des Jahres keine Platzmiete für den noch nicht fertigen Åbyvallen zahlen muss. Pro Spiel würde die Gemeinde somit auf gut 230 € (!!) verzichten. Sehr grosszügig, aber keine Lösung und nicht einmal entfernt das, womit man beim sechsfachen schwedischen Meister gerechnet hatte.

“Bekommen wir keine Kompensation für all die entstehenden Verluste, weiss ich nicht, wie wir das Jahr überstehen sollen,” sagt denn auch Clubchef Anders Holmvén ratlos.

Elitettan 4

Djurg_AIKDa die Elitettan im Gegensatz zur Damallsvenskan aus 14 Teams besteht, muss jede Mannschaft 26 Spiele absolvieren, weshalb man den 1. Mai zu einem kompletten Spieltag der zweiten Liga nutzte. Die Ergebnisse:

Sundsvalls DFF – LB 07 2:2
Eskilstuna United – IK Sirius 0:2
Umeå Södra FF – Älta IF 3:0
QBIK – Hovås Billdal 2:2
IFK Kalmar – Östers IF 3:1
Hammarby DFF – Kvarnsvedens IK 1:0
Djurgården – AIK 1:4

Ex-Meister Djurgården ist durch die heutige Niederlage gegen AIK (bei der vier ! Spielerinnen vom Platz getragen wurden) auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht.