Pokalkrimi in Örebro

Der schwedische Pokal hat nur selten wirklich packende und dramatische Spiele bereit, zu gering ist oder war sein Status. In Örebro war das anders.

KIF Örebro (Pokalsieger 2010) schlug am Mittwochabend Vittsjö GIK mit 7:6 nach Elfmeterschiessen. Nach einer 2:0 Führung in der regulären Spielzeit glaubten die Zuschauer in der Behrns Arena (in der im Oktober Schweden gegen Deutschland antreten wird) schon an das sichere Weiterkommen. Aber Vittsjö glich aus, es ging in die Verlängerung und Vittsjö durch die Schottin Jane Ross in Führung, die dann in der 121. Minute ausgeglichen wurde.

Das abschliessende Elfmeterschiessen gewann wiederum das Heimteam, das nun als erster Halbfinalist feststeht noch bevor das letzte Achtelfinale zwischen Umeå und Piteå (Samstag) gespielt ist.

Die UEFA muss agieren

Ich habe keines der drei gestrigen Viertelfinals in der Champions League gesehen. Normalerweise wäre ich am Tyresövallen gewesen und wäre dort Zeuge gewesen, wie das wirtschaftlich angeschlagene und vermutlich nur durch einen noch nicht näher definierten arikanischen Staat und seine Enwicklungshilfe für das arme Schweden zu rettende Tyresö FF den österreichischen Meister SV Neulengbach mit 8:1 düpierte, aber ich befand mich schon auf dem Weg nach Wien und weiter nach Bologna, wo ich dieses Post schreibe.

Auf Twitter konnte ich aber den Stand in den beiden Begegnungen verfolgen. Turbine Potsdam begann nämlich nur eine Viertelstunde später beim italienischen Vertreter ASD Torres und gewann mit 8:0 – auswärts!!

Dass sich der VfL Wolfsburg dann mit einem fast mageren 3:0 gegen den FC Barcelona begnügte, könnte schon fast so gedeutet werden, dass die Wolfsburgerinnen mit angezogener Handbremse spielten, um den europäischen Frauenfussball nicht vollends der Lächerlichkeit preiszugeben.

Bitte nicht falsch verstehen. Tyresö FF, Turbine Potsdam und der VfL Wolfsburg gehören zur europäischen Elite und sind in der Lage, brillanten Fussball zu spielen – aber, es darf doch nicht angehen, dass die europäische Breite im Spitzenfussball aus 5-6 Mannschaften besteht und der Rest lediglich Kanonenfutter ist. Wer sich die Tore anschaut, die Tyresö gestern gegen Neulengbach gemacht hat, fragt sich, ob Neulengbach in der Damallsvenskan bestehen könnte. So schlecht, langsam und steif agieren nicht einmal die Abstiegskandidaten in Schweden. Ähnliches dürfte für Deutschland und Frankreich gelten.

Es müssen dringend Änderungen her: Deutschland, Frankreich und Schweden sollten mindestens jeweils drei Plätze bekommen und die dahinter stehenden Ligen wie England, Russland, Italien, Norwegen jeweils zwei. Dann muss zur nächsten Saison ein Systen her, nachdem die Teams realistisch bis zum Viertelfinale gesetzt werden. Begegnungen wie Olympique Lyonnais – Turbine Potsdam und LdB FC Malmö – VfL Wolfsburg haben in einem Achtelfinale (noch) nichts zu suchen, wenn dann bestenfalls zweitklassige Teams wie Neulengbach und Torres in ein Viertelfinale durchrutschen, in dem sie nicht den winzigsten Hauch einer Chance haben.

Dass Tyresö gestern ein Fest feierte, hinterlässt jedoch einen sehr faden Nachgeschmack, das hat ein Geschmäckle, wie meine süddeutschen Freunde sagen würden.

Eine Mannschaft, die für eine Firma spielt, die derzeit Gehälter nur vom schwedischen Steuerzahler bekommt, die durch den Grössenwahn eines im Hintergrund verschwundenen Zampanos hochgerüstet wurde, obwohl keine wirtschaftliche Grundlage dafür gegeben war, darf nicht die Champions League gewinnen. Hans Löfgren hat das Wunder Tyresö gemacht und sich durch Gründung und Administration des Stockholm Business Networks bis heute eine (weitere) goldene Nase verdient. Das ist sein Verdienst. Aber er hat es zuletzt auch gemacht wider jedwede unternehmerische Vernunft und Verantwortung. Aus welchen Gründen auch immer hat das Finanzamt der Idee mit dem afrikanischen Staat, der Tyresö fördern wird, Glauben geschenkt. Hierzulande (in Schweden) glauben viele, dass nach dem Sieg in der Champions League am 22.05. in Lissabon Schluss ist. Auch hier sollte die UEFA darauf achten, dass solche Modelle nicht Schule machen und gar belohnt werden. Der schwedische Fussballverband hält sich wie erwartet raus und wartet ab,

Maulkorb in Tyresö

Angesichts der aktuellen Lage, in der sich Schwedens Champions-League-Hoffnung Tyresö FF befindet, hat man seinen Spielerinnen einen Maulkorb umgehangen. Seit gestern sind die Mobiltelefone der Spielerinnen überwiegend abgestellt, niemand ist auf Anfragen zu erreichen oder gibt Antwort.

Auf der heutigen Pressekonferenz am Tyresövallen verbat sich Pressesprecherin Carina Johansson sämtliche Fragen, die finanzielle Situation des Vereins betreffend. “Wir kommentieren keine Fragen zur wirtschaftlichen Situation des Vereins, sondern verweisen auf Äußerungen, die früher in dieser Woche getätigt wurden,” so Johansson zu den anwesenden Journalisten.

Trainer Tony Gustavsson und Abwehrspielerin Linda Sembrant waren da, die wirklich drängenden Fragen durften aber nicht gestellt werden. Klar, dass weder Gustavsson noch Sembrant eine wirtschaftliche Rolle im Verein haben und sich mit den ballspezifischen Dingen beschäftigen sollen, aber der Maulkorb und das Verschweigen des Themas zeigt, dass Tyresö zwar einen Weltklassekader hat, den es sich nicht leisten kann, in seiner Außendarstellung ist Tyresö aber noch nicht da oben angekommen, wo man hinzugehören glaubt.

Derzeit bezahlt der Steuerzahler die Gehälter der Mannschaft und des Trainerstabs. Durch ein nicht näher definiertes Entwicklungshilfeprojekt mit einem noch unbekannten afrikanischen Staat wird der Verein nach eigenen Angaben aber bald bis zu vier Millionen Kronen pro Jahr netto einnehmen.

Rettet Äquatorialguinea Tyresö?

Heute meldet die Zeitung Expressen unter Berufung auf Quellen, die dem Verein nahestehen, was es mit dem geheimnisumwobenen afrikanischen Entwicklungshilfeprojekt auf sich hat, zu dem der in Personalunion als Vorsitzende von Tyresö FF und gleichzeitig Chef der in der Rekonstruktion befindlichen TYresö Fotboll AB agierende Hans Lindberg nichts sagen wollte.

4 Millionen Kronen Nettoeinnahmen pro Jahr sollen Tyresö nun retten. Geld, das offenbar aus Äquatorialguinea stammt, das nach einem Militärputsch im Jahr 1979 von Teodoro Obiang autoritär regiert wird. Obiang wurde zuletzt 2009 mit überzeugenden 95,4% der Stimmen als Präsident vom Volk wiedergewählt. Der 71-Jährige gilt als eines der reichsten Staatsoberhäupter Afrikas.

Das mit Tyresö gemeinsame Projekt soll schon am Tag nach dem CL-Viertelfinale in Neulengbach beginnen. Am Sonntag wird bereits eine Delegation aus Äquatorialguinea das Spiel Tyresö FF – SV Neulengbach besuchen. In Tyresö soll eine Fußballakademie gegründet werden, zu der in mehreren Lehrgängen innerhalb der kommenden vier Jahre Mädchen aus Äquatorialguinea kommen, um in Tyresö zur Schule zu gehen und sich im Fußballspielen weiter ausbilden lassen sollen.

Wegen dieses Projektes hat das Finanzamt Tyresö weitere Zeit eingeräumt, an der Rekonstruktion zu arbeiten. Pikanterweise ist die Frist verlängert bis zum 72. Geburtstag des mutmaßlichen Diktators am 05. Juni 2014. Der Vertreter der Finanzbehörde Göran Källqvist zu Expressen: “Weil es jetzt ein Projekt gibt, das Tyresö Geld bringen kann, geben wir Tyresö drei Monate, um herauszufinden, ob das Projekt eine Zukunft hat.”

Ob das denn nicht ein bisserl gewagt sei, da ja noch nichts offiziell sei um das Projekt mit Äquatorialguinea, wollte Expressen wissen. Källqvist: “Wir verlassen uns darauf, dass wir es mit einem ehrenwerten Vorsitzenden zu tun haben und dass das Projekt das Geld bringt, von dem die Rede ist.

Expressens Konkurrent Aftonbladet behauptet zu wissen, dass es sich nicht um Äquatorialguinea, sondern um ein anderes afrikanisches Land handele und beruft sich auf zuverlässige Quellen aus dem Verein. Wir dürfen weiterhin gespannt sein.

Leider verpasse ich das Spiel in Tyresö am Sonntag, da ich beruflich verhindert bin.

Tyresö gerettet – vorerst

Das Amtsgericht in Nacka hat seine Entscheidung getroffen – die Tyresö Fotboll AB darf weiterhin in der Rekonstruktion bleiben und somit weiterbestehen, was der Mannschaft erlaubt, am Sonntag gegen den SV Neulengbach anzutreten und vermutlich auch in die schwedische Saison 2014 zu gehen.

Durch ein noch nicht näher definiertes Entwicklungshilfeprojekt mit einem ebenfalls noch nicht genannten afrikanischen Land, will der Verein in den kommenden drei Jahren jeweils vier Millionen Kronen einnehmen.

Das Finanzamt, das zu Beginn der Verhandlung keine Einigung wollte und auf den Konkurs hinsteuerte, stimmte am Ende zu. Die Schulden werden auch nicht gekürzt oder gar abgeschrieben, sondern deren Tilgung mit langen Fristen versehen. Bei Kürzung oder Abschreibung hätte das gemäß § 21 der Wettbewerbsregeln des schwedischen Fußballverband bedeutet, dass der Verein 2015 in die zweite Liga zu überführen werde, unabhängig davon, welchen Platz der in der kommenden Saison belegt.

Tyresö darf nach dem Beschluss weiter in der sogenannten Rekonstruktion bleiben. Am 5. Juni wird beschlossen, ob die Rekonstruktion verlängert wird. Wenn der Verein 12 Millionen in den kommenden drei Jahren aus dem Entwicklungshilfeprojekt bekommt, muss er 7,8 Millionen an seine Gläubiger zahlen.

Die Gehaltskosten von Marta, Vero Boquete und Caroline Seger, Spielerinnen, deren Verträge Ende Juni auslaufen, belaufen sich auf rund 400.000 Kronen pro Monat. Eine Verlängerung zu gleichen Konditionen vorausgesetzt, würden diese drei Spielerinnen den Verein in diesem Jahr noch weitere 3,6 Millionen Kronen kosten.

Die weitere Rekonstruktion ist eine Chance, aber sie muss einher gehen mit einem wesentlich sparsameren Verhalten.

Geht Tyresö heute in Konkurs?

Die Nachrichtenlage am Donnerstag ist hektisch. Vor einer knappen Stunde meldeten viele Medien, darunter seriöse Zeitungen wie Dagens Nyheter oder Sportportale wie der große Fotbollskanalen, dass die Tyresö Fotboll AB heute in Konkurs versetzt wurde bzw. wird. Das würde den Zusammenbruch der Mannschaft noch vor dem Viertelfinale in der Champions League am Sonntag bedeuten. Offenbar ist das schwedische Finanzamt Skatteverket nicht bereit, die mehreren Millionen Steuerschulden zu erlassen bzw. eine Lösung dafür zu finden.

Würden die Schulden erlassen, so bedeutete dies nach schwedischem Recht den sogenannten “ackord” und damit den Abstieg des Teams 2015. Man muss also eine Zwischenlösung finden, die das Schuldenproblem löst, ohne dass die Schulden abgeschrieben werden.

Den gemeldeten Konkurs dementierte Tyresö FF inzwischen auf das Heftigste und hat wohl auch Recht. Die Entscheidung des Gerichts fällt erst um 15.00 Uhr.

Hans Lindberg, Vorsitzender sowohl von Tyresö FF als auch von der ominösen Tyresö Fotboll AB, um die es jetzt geht, sagte inzwischen der Zeitung Aftonbladet, dass man zuversichtlich ist, durch ein Projekt im Rahmen humanitärer Zusammenarbeit mit einem afrikanischen Staat vier Millionen Kronen pro Jahr auf drei Jahre zu bekommen und dass man über diesen Weg die Rettung der Gesellschaft versuche.

Es bleibt also spannend.

Linköping ins Viertelfinale

Im Achtelfinale des schwedischen Pokals gewann Linköping am Abend das Spitzenspiel gegen Kopparberg/Göteborgs FC mit 3:1. Torschützen: Renée Slegers, Stina Blackstenius und Emma Lennartsson für die Gastgeberinnen und am Ende dann noch Göteborgs teurer Neuzugang Manon Melis.

Alle Toren fielen in der zweiten Halbzeit. Linköpings Trainer Martin Sjögren auf der Homepage des Vereins: “Wir haben in der ersten Halbzeit zögerlich und abwartend gespielt anstatt zu agieren. Nach der Halbzeit wurde das anders, wo wir Stina gebracht haben, die eine große Gefahr ist. Aber am Wichtigsten war, dass wir endlich agiert haben, längere Angriffe gespielt haben und uns näher an deren Tor begeben haben.”

Mit Stina meint Sjögren Stina Blackstenius, eines der wohl größten schwedischen Sturmtalente – Anfang Februar gerade mal 18 Jahre alt geworden. Merkt euch den Namen.

Trainerstimmen zum Fall Tyresö

Elisabet Gunnarsdottir gibt Tyresö 2-3 Monate

Elisabet Gunnarsdottir gibt Tyresö 2-3 Monate

Nicht jeder antwortete so cool wie der Trainer des FC Rosengård, Jonas Eidevall, der über Twitter verlautbarte, dass die Zeitung Aftonbladet ihn wegen der Tyresö-Affäre angerufen hätte und ihn nach seiner Meinung befragt habe. Eidevall muss geantwortet haben, dass ihn das weniger interessiere als das Haltbarkeitsdatum seiner Milch im Kühlschrank. Hat er das aus einem Film, den ich noch nicht kenne? Im Ernst, lieber Jonas, falls du das hier lesen solltest, so ganz nehme ich dir das nicht vorhandene Interesse an DEM Thema im schwedischen Frauenfußball nicht ab. Sei’s drum.

Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson hatte sich bereits gestern im Lokalblatt Norra Skåne geäußert und gefordert, dass der schwedische Fußballverband Tyresö noch vor dem Start der Serie aus der Liga entfernen müsse.

Viktor Eriksson trainiert den Aufsteiger Eskilstuna, der erst gestern mit 0:2 im Pokal gegen Tyresö unterlag. Er sagt zu Aftonbladet: “Um die Lizenz, in der Elite zu spielen, gibt es ein Regelwerk. Ich denke, dass das Regelwerk angewendet werden sollte, dafür gibt es ja einen Grund. Das wird zu einer Form von wirtschaftlichen Doping.”

Die einzige Frau unter elf Männern, seit Jahren ist das die Isländerin Elisabet “Beta” Gunnarsdottir. Die Trainerin von Kristianstads DFF sagt: “Wenn die nicht in zwei, drei Monaten bezahlen können, sollen sie absteigen. Ich sehe absolut keinen Sinn darin, dass die Spiele absolvieren können und ihre Spielerinnen nicht bezahlen können. Da kann ich mir doch jetzt auch Spielerinnen holen, die ich nicht zu bezahlen gedenke, nur um zu gewinnen.”

Umeås neuer Trainer Jonas Wikström zu der Boulevardzeitung: “Die Regeln sind deutlich, es gelten dieselben Dinge wie in einem Fußballspiel. Es gibt Regeln und dann sollen sie auch befolgt werden.”

Martin Sjögren ist mit dem LdB FC Malmö 2010 schwedischer Meister geworden und trainiert inzwischen Linköpings FC. Ein Team, das vor allem mit jungen, hochtalentierten Spielerinnen versucht, langfristig etwas aufzubauen, ohne sich massiv zu verschulden.

Sjögren zu Aftonbladet: “Man kann nicht so weitermachen, als ob nichts passiert´wäre. Es geht hier um Moral und Ethik. Wenn man weiß, dass man mit fast acht Millionen im Minus liegt und dann noch mehrere Neuverpflichtungen tätigt, dann ist das kein ethisches Handeln.”

Die anderen Trainer der Liga haben sich sehr vorsichtig oder aber wie Eidevall sehr cool und scheinbar desinteressiert geäußert. Lediglich AIK:s Mattias Eriksson schließt einen Abstieg für Tyresö aus: “Es wäre komisch, wenn die aus der Serie genommen werden. Mir fällt es schwer, das zu glauben.” Ob es denn nicht ungerecht sei, dass der Ligakonkurrent Spielerinnen gekauft habe, die man sich nicht leisten könne, wird Eriksson gefragt und er antwortet Aftonbladet: “Nein, das ist nicht ungerecht. Eine schlechte wirtschaftliche Situation ist etwas, das alle Mannschaften treffen kann.”

Am Donnerstag findet vor dem Amtsgericht Nacka eine Versammlung der Gläubiger statt. Am Abend sollte man schon wieder mehr wissen.

Sundhages Kader

Pia Sundhage bat zur Pressekonferenz nach Solna und gab den Kader für das WM-Qualifikationsspiel am 5. April im Shamrock Park zu Portadown (knapp 40 km südwestlich von Belfast) bekannt. Nominiert sind:

Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Nilla Fischer, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro, Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran.

Rosengårds Elin Rubensson erhielt ein Sonderlob Sundhages für ihr tolles Spiel gegen die USA beim Algvarve-Cup, wo sie Heather O’Reilly einen schweren Stand bereitete.

“Elin war ein sehr angenehmes und nettes Ausrufezeichen an der Algarve,” so Sundhage auf der Homepage des SvFF. Wir finden, dass sie sowohl links wie rechts spielen kann. Dann werden wir mal sehen, wo sie im Verein landet. Aber sie kann unglaublich gut werden,” so Sundhage voller Anerkennung.

Elin Rubensson hat auch schon im Verein von ihrer angestammten Stürmerposition kommend als Außenverteidigerin spielen dürfen (müssen). In der Nationalmannschaft startete Schweden zuletzt mit Elin Rubensson und Jessica Samuelsson auf den Außenverteidigerpositionen. Möglicherweise wird die Luft für Lina Nilsson und die bald 35-Jährige Sara Thunebro dünner.

Am 8. Mai findet dann das Rückspiel gegen die Nordirinnen in Växjö statt. Alles andere als sechs Punkte ohne Gegentor wäre eine große Überraschung.

Pia Sundhage fasste auch das Turnier an der Algarve kurz zusammen: “Es gab gleihermaßen Wein wie Wasser an der Algarve. Man kann sagen, dass ein Eindruck war, dass Motivation gegen Klasse gewinnt. Das sage ich und denke dabei sowohl an unseren Sieg über die USA wie auch den Sieg Islands über uns.”

Mårtensson ist sauer

Die meisten Clubs der Damallsvenskan halten sich bedeckt, was offene Meinungsäußerungen über die Situation von Tyresö FF oder besser der Firma Tyresö Fotboll AB angeht, die derzeit mit 7,8 Millionen Kronen Schulden (Tendenz: steigend) dasteht und sich in der Rekonstruktion befindet.

Wer im Glashaus sitzt, wird wohl kaum den ersten Stein werfen. Das erklärt beispielsweise die Solidarität von Meister Malmö bzw. Rosengårds Vorsitzendem Håkan Wifvesson. LdB FC Malmö hat bei seinem Namenswechsel zum FC Rosengård eine Steuerschuld in Höhe von 6,5 Millionen Kronen mitgenommen. “Wir werden das Geld einsammeln”, sagte Wifvesson im Januar. Tyresös Steuerschulden sind schließlich “nur” 1,3 Millionen höher, aber dem Stockholmer Vorstadtverein fehlt der Milliardär im Hintergrund, den Malmö nun als Rosengård in Dan Olofsson hat.

Einer, der nicht mit seiner Meinung über den Zustand Tyresös hinter den Berg hält, ist Vittsjö GIKs Trainer Thomas Mårtensson, der am Wochenende in einem Interview mit der Regionalzeitung Norra Skåne mehr als deutliche Worte findet.

“Das ist ökonomisches Doping!”, sagt Mårtensson und ist wütend: “Ich bin stinksauer, dass wir als Steuerzahler jetzt eingreifen müssen und Tyresös völlig überzogene Gehälter finanzieren. Das ist ehrlich gesagt zum Kotzen. Die sind doch völlig blind. Ich bin wirklich sehr enttäuscht. Man arbeitet nicht mit Geld, das man nicht hat. Das hüllt die ganze Damallsvenskan in ein parodistisches Scheinwerferlicht.”

Mårtensson betont, dass er das Interview als Trainer von Vittsjö gibt und nicht die Meinung des Vereins damit zum Ausdruck bringt.

“Wenn das eine normale Firma wäre, müssten sie auf ein paar Maschinen verzichten und Leute entlassen. Jetzt behalten sie ihre Leute und tun so, als ob nichts passiert wäre. Ich hoffe wirklich, dass der Verband etwas dagegen unternimmt. Tut man es nicht, ja warum sollen dann andere Clubs sich an die Regeln halten? Wird Tyresö nicht für sein wirtschaftliches Gebaren bestraft, kann sich der Lizenzausschuss des Verbandes gerne auflösen,” so Mårtensson weiter zu Norra Skåne.

 

Tyresö, Vittsjö und Sirius im Viertelfinale

Drei Spiele des Achtelfinales im schwedischen Pokal wurden am Sonntagnachmittag absolviert. Es gewannen jeweils die Favoriten.

Der in den letzten Tagen in den Schlagzeilen befindliche Tyresö FF gewann sein Spiel bei Aufsteiger Eskilstuna United leicht mit 2:0. Dabei brachte Christen Press das Team aus dem Stockholmer Süden in Führung und Marta erzielte kurz vor Schluss per Foulelfmeter das 2:0. Nicht im Aufgebot waren Vero Boquete und Fabiana.

Ebenfalls 2:0 endete das zweite Spiel zwischen zwei Teams der ersten Liga. Dabei musste Vittsjös neue Torhüterin Minna Meriluoto gleich gegen ihr altes Team Jitex antreten, bei dem sie 2012 und 2013 gespielt hat. Die schottischer Nationalspielerin Jane Ross schoss beide Tore für Vittsjö in der ersten Viertelstunde, den Führungstreffer per Strafstoß.

250 Zuschauer sahen das Spiel zweier Zweitligisten, bei dem Älta gegen Sirius mit 1:2 unterlag.

Zwei Achtelfinals stehen noch aus. Das Viertelfinale wurde bereits gelost und sieht wie folg aus:

Kristianstads DFF – AIK
Sirius IK – Linköpings FC/Kopparberg Göteborgs FC
Umeå IK/Piteå IF – Tyresö FF
KIF Örebro – Vittsjö GIK

Die Viertelfinals müssen bis spätestens 15.05. absolviert sein, eine Woche vor dem Champions-League-Finale in Lissabon. Für Tyresö bedeutet das Los eine Flugreise in den Norden Schwedens. Denkbar ungünstig im Angesicht der finanziellen Situation der Firma, die die Mannschaft trägt.

AIK im Viertelfinale

Mit einem ungefährdeten 5:0 über das Zweitligateam von Kvarnsveden hat Aufsteiger AIK das Viertelfinale des schwedischen Pokals erreicht und muss dort auswärts bei Kristianstads DFF antreten. Madeleine Tegström schoss bei extrem windigen Wetter sensationelle drei Tore. Sensationell, weil “Madde” als laufstarke, aufopferungswillige Mittelfeldspielerin bekannt ist, aber die 31-Jährige hatte eigentlich bislang eher Schwierigkeiten, das Tor zu treffen.

Morgen gibt es drei Spiele, am meisten interessiert das Spiel zwischen Aufsteiger Eskiltuna und Vizemeister Tyresö FF.

 

Kirsten van de Ven hat Kopfprobleme

Die 28-Jährige Holländerin Kirsten van de Ven hat das sinkende Schiff Tyresö, die “gedopte gelbe Lokomotive” (Simon Bank) rechtzeitig verlassen und sich dem Hauptkonkurrenten FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö, ehemals Malmö FF) angeschlossen.

Dennoch hat ihr der Wechsel bislang leider noch kein Glück gebracht. 2011, in einem Pokalspiel gegen den Zweitligisten Bollstanäs zog sich Kirsten eine Gehirnerschütterung zu. Eine Gegenspielerin kam zu spät in ein Kopfballduell, traf die Nase van de Vens. Die brach und der Zusammenprall war so heftig, dass die Haut um die Nase herum aufplatzte. Die Verletzung schien zu verheilen, aber noch in Tyresö gab es eine erneute Kopfverletzung und es dauerte Wochen, bis van de Ven wieder spielen konnte. Während dieser Woche habe ich die sympathische Holländerin immer wieder auf der Tribüne getroffen und immer wieder hieß es “ah, bald geht es besser” oder “nein, ich muss noch was warten”. Gefunden hat man nichts, aber Kopfverletzungen sind manchmal offenbar mysteriös.

In Potsdam gab es beim Aufwärmtraining für den neuen Verein, Anfang Februar, wieder einen Schlag gegen den Kopf und wieder ist van de Ven mitgenommen und wie der Club mitteilte, wird sie wohl am 13.04. bei AIK noch nicht spielen können. Ein Monat bis dahin.

“Ich muss einfach nur Geduld haben, darf das nicht herbeistressen,” sagte die niederländische Nationalspielerin der Zeitung Sydsvenskan. Kopfschmerzen und Schwindel seien die bisherigen Symptome gewesen, jetzt wäre dazugekommen, dass Kirsten ab und an mit jemandem redet und plötzlich merkt, dass sie eigentlich abwesend ist. Das klingt alles andere als gut. “Es sticht in den Augen, wenn ich zu starkem Licht ausgesetzt bin und ich kann auch nicht lange in Geschäfte gehen, dann werde ich im Kopf müde von allen Eindrücken,” so Kirsten van de Ven.

Wenn sie zurückkommt, dann wird sie wieder, wie früher schon zeitweise in Tyresö, einen Kopfschutz tragen. Da werden Erinnerungen an die Isländerin Guðrún Sóley Gunnarsdottir wach, die bei Djurgården spielte und die bei der EM 2009 mit einer Französin in der Luft zusammenprallte. Gunnarsdottir musste schliesslich ihre Karriere beenden, obwohl die Ärzte keinen Befund erstellen konnten. Immer wieder wurde die heute 32-Jährige von starken Kopfschmerzen geplagt.

 

Tyresö: Hochmut und Gier kommen vor dem Fall

Nicht immer schaffe ich es, während einer normalen Arbeitswoche, mich so umfassend und zeitnah über aktuelle Ereignisse zu informieren, wie ich das gerne tun würde. Im Fall der Tyresö Fotboll AB, jener angeblich vollständig vollzogenen Abkopplung vom Restverein Tyresö FF, haben die schwedischen Medien in dieser Woche etliche Artikel und Berichte produziert. Acht Tage vor dem Viertelfinalhinspiel gegen den österreichischen Meister SV Neulengbach, der Tyresö einen Schritt weiter auf einem vor langer Zeit vorgezeichneten Weg zum Champions-League-Finale nach Lissabon am 22. Mai 2014 bringen soll, ist das Luftschloss zumindest leck geschlagen und wir alle wissen, was passiert, wenn sich ein kleines Loch in einem Ballon bildet oder hineingestochen wird: die Luft entweicht, manchmal langsam, meistens jedoch relativ schnell.

Angefangen hat das Märchen, das nun vermutlich kein glückliches Ende nehmen wird, im Herbst 2005. Die Frauenmannschaft war gerade in die vierte Liga abgestiegen, die Stimmung unter den damaligen Spielerinnen auf dem Tiefpunkt. Denn in den 90er Jahren hatte Tyresö tatsächlich einmal in der ersten Liga gespielt und da hatten internationale Stars wie die Amerikanerinnen Michelle Akers und Kristine Lilly das rotgelbe Trikot getragen.

Der damals 39-Jährige Unternehmer Hans Löfgren hatte einen Sohn und eine Tochter, die beide im Verein spielten. Beide Teams trainierte Löfgren. Er war Teil des Vereins und bekam mit, was der Frauenmannschaft passierte. Wie er mir 2010 selber erklärte, war das der Zeitpunkt, in dem die Idee entstand. Eines Abends setzte sich Hans Löfgren an seinen Computer und verfasste eine 24-seitige Power-Point-Präsentation über die mögliche, nähere Zukunft des Vereins, an deren Ende der Gewinn der schwedischen Meisterschaft 2012 und der Sieg in der Champions League 2014 standen.

In den Jahren nach 2006-2013 entwickelte sich in und um Tyresö ein fast beispielloses Spielerinnenkarussell. Mit jedem Aufstieg, zuerst in die dritte, dann die zweite und schließlich die erste Liga, trennte man sich von einem wesentlichen Teil des Kaders, der den Ansprüchen in der nächsthöheren Stufe nicht mehr genügte. 41 Spielerinnen hat der Verein innerhalb von nur vier Jahren verpflichtet, wenn die Zeitung Dagens Nyheter richtig gezählt hat. Am Ende stand dann irgendwann eine Spielertruppe, die von vielen Missgönnern des Vereins etwas verächtlich Real Tyresö genannt wurde. Torhüterin Carola Söberg genügte unlängst beim Algarve-Cup den Ansprüchen von Pia Sundhage für die schwedische Nationalmannschaft, in Tyresö setzte man ihr letzten Herbst Ashlyn Harris und nun Tinja-Riikka Korpela vor die Nase.

 

Hans Löfgren erhielt den Spitznamen “Hasse Plånbok” (Hasse Brieftasche). Der Sportchef des Vereins bestimmte fast alles und machte auch fast alles. Er fuhr vor den Heimspielen zu den Botschaften der ausländischen Spielerinnen und lieh sich dort große Fahnen aus, die er dann am Spieltag ausgewählten Fans übergab, die sie schwenken mussten, besonders heftig dann, wenn es Fernsehübertragungen gab und die Kamera auf die neugebaute, teure Gegentribüne gerichtet war. Da konnte man sehen, wie Löfgren das Handzeichen zum Fahneschwingen gab.

Um die Mannschaft wurde ein vielmaschiges Netz aus kleinen und mittleren lokalen Unternehmen gebildet, die den Verein auf seinem Weg an die europäische Spitze unterstützen sollten und wollten. Löfgren ist ein Meister der Überredungskunst, meist redet er ohnehin selber. Den Verein mit seiner lokalen Identität zu einer Angelegenheit für die Heimatgemeinde zu machen – das war an und für sich eine großartige Idee. Der Lebensmittelladen der Kette ICA im Einkaufszentrum von Tyresö unterstützt den Verein ebenso wie das Fotostudio und der Blumenladen, dessen Sträuße Löfgren immer noch nach jedem Spiel an das Schiedsrichterteam verteilt und ab und an Jubilaren für ihr 50. oder 100. Länderspiel in die Hand drückt. Allerdings braucht man in der europäischen Spitze dann irgendwann, auch im Frauenfußball, viel mehr Geld, als kleine Blumenhändler, Fotostudios und Lebensmittelgeschäfte haben.

2011 passierte der erste GAU. Tyresö hatte sich für 2012 gerade verpflichtet, die Frauenrechtsinitiative UN Women der Vereinten Nationen auf die Trikots drucken zu lassen. Aktiv wollte man sich für die Rechte unterdrückter Frauen in der Welt einsetzen und dem Verein somit eine sehr positive Assoziation geben. Hans Löfgren kaufte sich im Herbst 2011 die Dienste einer Prostituierten in Stockholm und wurde erwischt. Anders als in Deutschland nämlich, wo das Laufhaus und das Bordell inzwischen rechtlich dem Friseurladen und der Bäckerei gleichgestellt sind, ist der Kauf sexueller Dienste in Schweden strafbar.

Ein paar Wochen vor dem Beginn der Saison 2012, in der man nun endlich die Meisterschaft gewinnen wollte und für die man Marta und Vero Boquete neben anderen Stars verflichtet hatte, kam die erste Meldung, dass der Sportchef eines Frauenfußballvereins aus dem Stockholmer Raum wegen des Kaufs sexueller Dienste zu einer Geldstrafe verurteilt worden sei. Einen Tag später war der Name in den Zeitungen. Caroline Seger ließ sich damals zu der dümmlichen Äußerung verleiten, dass das Löfgrens Privatsache sei. Eine Frau, die Vorbild sein will. Aber nur wenige beißen die Hand, die einen füttert. Löfgren war offiziell schon nicht mehr Sportchef des Vereins. Er hat das Amt offenbar offiziell im Herbst 2011 abgegeben, als er wusste, dass eine Verurteilung auf ihn zukommen wird.

Dennoch blieb er der Strippenzieher, der Zampano, der alles entschied. Zwei Heimspiele blieb er fern, dann tauchte er wieder auf, verteilte Blumensträuße an Aktive, übernahm manchmal auch das Mikro der Stadionsprecherin Gunilla Pajkull und verhandelte mit Agenten und Beratern über neue Einkäufe und Verträge, die seine Schöpfung Tyresö zur Nummer 1 in Europa machen sollten.

In den Medien tauchte seit 2012 aber nur noch der Vereinsvorsitzende Hans Lindberg auf. Der 71-Jährige Lindberg, selber Unternehmer wie Löfgren, war auch mal Bürgermeister von Tyresö und hat nach wie vor Aufsichtsratsposten in einem guten Dutzend Firmen, darunter auch der ominösen Tyresö Fotboll AB, die sich gegründet hat, um eine wirtschaftliche Trennung zwischen der A-Mannschaft und dem Rest des Vereins Tyresö FF zu erzielen.

Nun ist die Tyresö Fotboll AB also mit 7,8 Millionen Kronen in der Kreise, hat Rekonstruktion beantragt und bewilligt bekommen. Muss alle Ausgaben in bar bestreiten und hat einen Verwalter vom Amtsgericht zugeteilt bekommen, der alles überwachen muss. Beantragt die Firma während der Rekonstruktionszeit, die nun maximal bis Anfang September 2014 dauern darf, die Abschreibung oder Teilabschreibung der immensen Schulden bei den Gläubigern, hat der schwedische Fußballverband nach § 21 seiner Wettbewerbsregeln für 2014 keine andere Wahl, als den Verein 2015 in die Elitettan zu schicken, die zweite Liga.

Sollte die Rekonstruktion der Tyresö Fotboll AB misslingen, muss die Firma Konkurs beantragen. Die Chancen auf eine Rekonstruktion angesichts der immens hohen Verbindlichkeiten, müssen wohl eher als gering eingeschätzt werden. Beim Scheitern der Rekonstruktion wird die Firma somit in den Konkurs geführt werden. Allerdings hat der schwedische Fußballverband somit, einen Monat vor dem Start der neuen Saison ein Riesenproblem, denn es wird nicht mehr gehen, die Mannschaft aus dem Spielbetrieb zu nehmen. Man fühlt sich an den Fall des Zweitligisten Dalsjöfors erinnert, der sich 2011 maßlos übernahm, während der Saison dann vom Konkursverwalter aus dem Spielbetrieb genommen wurde. Die Saison wurde mit elf statt zwölf Vereinen zu Ende gespielt, nachdem sich der aufgeblasene Tabellenführer nach der Hälfte der Saison ins Konkursverfahren verabschiedet hatte.

Nachdem wir aufgrund einer Spielerflucht und eher zweitklassiger Verstärkungen bislang Jitex BK als den ersten Abstiegskandidaten auf der Liste hatten, gesellt sich nun Tyresö FF als wahrscheinlich zweiter Absteiger hinzu, unabhängig davon, wie und mit welcher Mannschaft man 2014 abschneidet. Das ist noch Spekulation. Aber wer ist bereit, der Tyresö Fotboll AB jetzt 7,8 Millionen zu geben und den weiteren monatlichen Betrieb zu gewährleisten, mit allen Ausgaben für teils unverantwortliche Gehälter, Reisen zu Auswärtsspielen etc.?

Vergangenes Jahr präsentierte Tyresö wie immer vollmundig “den umfassendsten Sponsorenvertrag in der Geschichte des schwedischen Frauenfußballs”. Man hatte die Firma Prioritet Finans jetzt als fettgedruckten Namen auf den Trikots und auf beiden Seiten hinter den Toren. Der Besitzer der Firma, der nicht unumstrittene Unternehmer Nils Wiberg, sagte der Seite Fotbollskanalen von TV4: “Das kam wie ein Schock, ungefähr so, wenn man einen Hammer gegen den Kopf bekommt.”

Und er sagt weiter, dass seine Firma künftig Vorsicht walten lassen wird, wen man wie unterstützt: “In Zukunft werden wir die Sportvereine, die wir unterstützen mit der Lupe kontrollieren. Wir werden nicht mehr in verdammte Konkursmassen investieren. Wenn der Sport sich nicht am Riemen reißt, dann wird er viele Sponsoren verlieren.”

Die Gehälter in Tyresö sind dieser Tage öffentlich geworden. Ich hatte in diesem Blog einige genannt, aber inzwischen sind alle publiziert worden. Hans Löfgren sagte mir im Frühjahr 2010, dass Tyresös Konzept sei, keine besonders hohen Gehälter zu zahlen. Man setze viel mehr auf eine Kombination aus Fußball & Beruf oder Ausbildung plus Wohnung und wolle somit die Gehaltskosten überschaubar halten. Hier ist die Liste der aktuellen Gehälter in der Tyresö Fotboll AB:

1. Marta Vieira da Silva 168.000 Kronen/Monat (18.943 €)
2. Veronica Boquete 165.550 (18.667 €)
3. Caroline Seger 70.000 (7.893 €)
4. Fabiana 69.970 (7890 €)
5. Lisa Dahlkvist 39.000 (4.397)
6. Rilany 37.170 (4.191)
7. Tinja-Riikka Korpela 33.000 (3.721)
8. Thaisa 32.687 (3.685)
9. Christen Press 32.247 (3636)
10. Mayara 30.980 (3.493)
11. Madelaine Edlund, Linda Sembrant je 30.000 (3.382)
13. Line Røddik Hansen 25.000 (2.818)
14. Whitney Engen 20.000 (2.255)
15. Malin Diaz 15.000 (1.691)
16. Johanna Rytting Kaneryd 10.000 (1.127)

Die Trainer Tony Gustavsson (75.000 SEK / 8.456 €) und Peter Olsson (15.000 / 1.691) komplettieren die Liste, die also lediglich die Mannschaft umfasst. Das macht pro Monat 898 000 Kronen (101.258 €).

Alle diese Gehälter fallen aufgrund der Rekonstruktion unter die sogenannte “staatliche Gehaltsgarantie“. Das bedeutet, dass nicht die Tyresö Fotboll AB die Gehälter während der Rekonstruktion bezahlt, sondern der schwedische Steuerzahler, mit anderen Worten: auch ich finanziere derzeit Martas Gehalt…

Allerdings: Nach den Regeln der staatlichen Gehaltsgarantie werden niemandem mehr als 4 sogenannte Grundbeträge ausbezahlt. Der Grundbetrag für 2014 liegt bei 44.400 SEK. Mehr als insgesamt 177.600 SEK (20.026 €). Marta und Vero Boquete werden also keine zwei Monatsgehälter aus dieser staatlichen Garantie beziehen können, Caroline Seger und Fabiana keine drei, ebenso wie Trainer Tony Gustavsson. Das könnte bedeuten, dass die beiden Topspielerinnen des Vereins im Mai gratis beim Champions-League-Finale auflaufen?

Im Übrigen besagen die Regeln, dass im Falle einer positiv ausgehenden Rekonstruktion die Gehälter vom Arbeitgeber an den Staat zurückgezahlt werden müssen. Dagens Nyheter nennt diese Maßnahme “künstliche Beatmung”.

Simon Bank, einer der bekanntesten Sportjournalisten Schwedens und Sportchef bei Aftonbladet schreibt heute einen deutlichen Kommentar:

“Natürlich wäre es schön gewesen, zu sehen, wie eine Mannschaft den Weg von einem sympathischen Außenseiter aus dem Nirgendwo bis hin zur Greifweite europäischer Pokale geht. Auf der anderen Seite war es auch sympathisch, zu sehen, wie Johan Mühlegg Ski gelaufen ist, bevor er des Dopings überführt wurde.”

“Es ist nicht schade um Tyresö”, so Bank weiter. “Es ist schade um die anderen Vereine, die ihren Betrieb nach ihren Möglichkeiten gestaltet haben, Verantwortung für ihr Budget übernommen haben und schließlich von einer gelben, gedopten Lokomotive überholt wurden.”

Und kritisiert mit Recht, dass durch die staatliche Gehaltsgarantie jetzt sogar das fast perverse Faktum eintrete, dass die anderen Vereine und ihre Spielerinnen mit ihren Steuern die völlig uferlos gewordenen Einkommen Tyresös mitfinanzieren müssten.

“Die neuen Berichte aus Tyresö zeigen, wie die Vereinsverantwortlichen jedwede Verantwortung für den Verein über Bord geworfen haben für die Chance, sich im Glanz in Europa zu sonnen. Sportmoralisch gesehen ist das nichts anderes als kriminell. Es ist leicht zu sagen, dass sie verloren haben. Sie hätten nicht einmal spielen dürfen,” lautet das harte Urteil von Simon Bank.

Möglich, dass 2014 ein Team die Champions League gewinnt, dass dann 2015 bei seiner nächsten Champions League-Teilnahme mit einem wesentlich billigeren Kader in der zweiten Liga spielt.

Unterdessen hört man schon von anderen Vereinen hinter vorgehaltener Hand, dass sich völlig verunsicherte Spielerinnen Tyresös melden und fragen, ob man denn möglicherweise Interesse an ihnen hätte, falls das leckgeschlagene Schiff Tyresö doch schneller sinkt, als erwartet.

Man fragt sich auch, wieso der schwedische Fußballverband eigentlich nichts gemerkt hat, denn Tyresö FF hätte unter den gegebenen Voraussetzungen in der Damallsvenskan 2014 nichts zu suchen. Dennoch hat man die Lizenz bekommen, die nun nicht zurückzuziehen ist, ohne dass das gesamte Ligagefüge ins Wanken gerät.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tyresö hat 882.000 € Schulden – kommt der Zwangsabstieg?

Marta am Boden. Caroline Seger will helfen. Zusammen verdienen sie 28.000 € im Monat in einem hochverschuldeten Verein

Marta am Boden. Caroline Seger will helfen. Zusammen verdienen sie 28.000 € im Monat in einem hochverschuldeten Verein

Das Amtsgericht in Nacka hat einen Rekonstruktionsverwalter auserkoren, der jetzt dabei ist, die finanzielle Situation der Tyresö Fotboll AB zu untersuchen, die die A-Mannschaft von Tyresö FF betreibt. Hans Ödén heißt der und der Zeitung Expressen sagte Ödén nun, dass sich die Verbindlichkeiten nicht auf die bislang genannten 4,5 Millionen Kronen beschränken, sondern vielmehr 7,8 Millionen (882.000 €) betragen.

Alle Ausgaben, die der Verein während der maximal sechs Monate dauernden Zeit der Rekonstruktion hat, müssen nach den Regeln in bar getätigt werden. Momentan hat man kein Bargeld, Rechnungen sind verschickt und die Tyresö Fotboll AB, deren Vorsitzender Hans Lindberg gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins Tyresö FF ist, hofft, dass die Rechnungen bald bezahlt werden, damit man für das in neun Tagen bevorstehende Heimspiel in der Champions League gegen den SV Neulengbach einkaufen kann.

Hans Löfgren (mit Mütze) bedankt sich mit Blumensträußen bei den Schiedsrichtern nach dem letzten Heimspiel gegen Göteborg im Oktober 2013 - offiziell hat er keine Rolle im Verein

Hans Löfgren (mit Mütze) bedankt sich mit Blumensträußen bei den Schiedsrichtern nach dem letzten Heimspiel gegen Göteborg im Oktober 2013 – offiziell hat er keine Rolle im Verein

Der Mann im Hintergrund, Hans Löfgren, hält sich derweil äußerst bedeckt. Seit seiner im April Verurteilung 2012 für den in Schweden verbotenen Kauf sexueller Dienste, tritt Löfgren in den Medien selten bis gar nicht in Erscheinung. Es ist jedoch in Frauenfußballkreisen in Schweden unstrittig, dass keine Entscheidung in Tyresö ohne Löfgren gefällt wird. Der 48-Jährige ist Gründer und Chef des Stockholm Business Network, einer Wirtschaftsvereinigung, die hinter dem Verein Tyresö FF steht, von der Webseite des Vereins verlinkt ist. Löfgren hat auch nach seinem angeblichen Rückzug weiterhin Verhandlungen mit Spielerinnenagenten geführt, Fanfahnen getragen und verteilt und ist bei jedem Spiel der Mannschaft Regisseur und Strippenzieher. Hans Löfgren müsste jetzt Geld locker machen, die Frage ist, ob ihm das gelingt. Ob er es überhaupt will, nachdem nun wohl allmählich klar wird, dass das große Geld nicht mehr weiter zu verdienen ist?

Die Bestimmungen des schwedischen Fußballverbands sehen vor, dass ein Verein, der im Laufe einer Rekonstruktion die Abschreibung der Schulden beantragt, in der nächsten Saison eine Klasse tiefer spielen muss.

Rekonstrukteur Hans Ödén: “Die werden niemals alle Schulden bezahlen können, es wird wohl auf einen Antrag auf Abschreibung hinauslaufen müssen.” Behält Odén Recht, muss Tyresö 2015 eine Klasse runter.

Die Verträge von Marta, Veronica Boquete und Caroline Seger laufen bis Ende Juni. Ende Mai, spätestens Ende Mai, verlassen Christen Press, Meghan Klingenberg und Whitney Engen den Verein. Die vier Brasilianerinnen Rilany, Thaysa, Fabiana und Mayara haben zwar alle einen Zweijahresvertrag mit einem monatlichen Gehalt um 3.500 € pro Nase, aber keine einzige von ihnen dürfte den Schritt in die zweite Liga mitmachen.