Schwedische U19 – Aus in der Gruppenphase

In Norwegen findet derzeit die U19-Europameisterschaft statt und am Sonntag werden Spanien und die Niederlande das Finale bestreiten.

Die schwedische Mannschaft schied mehr oder weniger sang- und klanglos in der Gruppenphase aus. Dabei standen niht weniger als elf Spielerinnen im Aufgebot, die ihren Alltag in der Damallsvenskan haben und mit Lina Hurtig (Umeå IK) und Stina Blackstenius (Linköpings FC) zwei der wohl grössten Talente des schwedischen Fussballs. Insbesondere Hurtig wird seit Monaten von Jounalisten in die A-Nationalmannschaft geschrieben und kürzlich hat Pia Sundhage bestätigt, dass man sich Grosses von der 19-Jährigen erwartet.

Nach einem mehr oder weniger glanzlosen 2:0 gegen England zu Beginn hatte man sich noch Hoffungen auf den Einzug ins Halbfinale gemacht. Stina Blackstenius hatte das 2:0 geschossen, nachdem die Engländerinnen nach einem Eigentor in Rückstand geratem waren.

Trainer Calle Barrling, der seit vielen Jahren die U19 betreut: “Ich erkenne das wieder aus vielen anderen Turnierstarts. Machmal ist es gut, Halbzeitpausen zu haben und sich gegenseitig gut zuzuhören. Es war gut für uns, uns in der Halbzeit zu treffen. Gegen Spanien müssen wir dann aber von Anfang an besser spielen.”

Das klappte jedoch nicht und Spanien kam zu einem ungefährdeten 2:0 Sieg über die Schwedinnen. Obwohl Barrling sich hier positiv darüber äusserte, dass man die Spanierinnen in der zweiten Hälfte zurückgedrängt habe und auch drei Torchancen erspielt habe, verlangte er vor dem abschliessenden Irland-Spiel: “Wir müssen in den Zweikämpfen gegen Irland eine Stufe besser sein, sonst werden wir es nicht schaffen.”

Prophetische Worte, denn nach der Führung durch Stina Blackstenius, die somit beide schwedischen Tore bei den Turnier erzielte, wendeten die Irinnen das Spiel und zogen mit einem 2:1-Sieg ins Halbfinale gegen die Niederlande (0:4) ein.

“Die waren in Standards und in der Defensive mutiger. Ich denke, es geht hier viel um Mut und Eigeninitiative und das lassen wir in einigen Soielabschnitten vermissen. Ich habe es schon früher gesagt, man muss drei Mal 90 Minuten lang Leistung bringen, sonst fliegt man in der Gruppenphase raus. Gegen Spanien und Irland haben wir nicht das ganze Spiel über unsere Leistung abrufen können.”

Trotz des schlechte Abschneidens sieht Barrling jedoch eine gute Zukunft der Mannschaft, in der nun sieben von 18 Spielerinnen ausscheiden (Jahrgang 1995), in der aber theoretisch elf Spielerinnen Auch nächstes Jahr Wieder dabei sein könnten. Die Quali für die nächste EM beginnt bereits im Herbst, da trifft Schweden in der ersten Gruppenphase wieder auf Irland.

 

Schough nach Russland

De 23-Jährige schwedische Nationalspielerin Olivia Schough wechselt vom FC Bayern München zum russischen Club Rossiyanka.

“Ich wollte zu einem Verein in Schweden, aber alle haben ihre Kader fertig und sie hatten keinen Platz für mich,” sagte Olivia Schough der Lokalzeitung Hallands-Posten

Als der Deal mit Rossiyanka dann klar war, meldete sich Umeå IK, aber da war es bereits zu spät und der 6-Monats-Vertrag unterschrieben.

Nach Sofia Jakobsson und Linnéa Liljegärd ist Schough schon die dritte Schwedin bei dem einstigen Champions-League-Teilnehmer aus dem Nordosten Moskaus. Sowohl Jakobsson wie auch Liljegärd sind am Ende mehr oder minder “geflüchtet” ob der chaotischen Zustände im letzten Jahr. Das hat sich möglicherweise in diesem Jahr alles wesentlich gebessert.

2011 hatte der Club Schlagzeilen gemacht, als er zur “Werbung” für seine Heimspiele die Spielerinnen in knappen Bikinis posieren liess. Derzeit liegt Rossiyanka mit acht Punkten Rückstand auf Tabellenführer Zorkij auf Rang 4 der russischen Liga. Trainiert wird das Team inzwischen von der ehemaligen russischen Nationalspielerin Elvira Fomina.

Mit den meisten ihrer neuen Mannschaftskameradinnen wird sich Olivia Schough erst einmal nur mit Händen und Füssen unterhalten können, bis sie gelernt hat, fliessend Russisch zu sprechen. Sie spricht von einem “Abenteuer” und der Möglichkeit in nur drei Monaten zehn Wettkampfspiele zu absolvieren.

Pia Sundhage hat letztens u.a. Schough nicht mehr nominiert, weil diese noch keinen neuen Verein hat. Rossiyanka und Moskau zu wählen ist sicher auch darin begründet.

Ich halte die Entscheidung Olivia Schoughs zu Rossiyanka zu wechseln, für grundlegend falsch.Der Verein hat nach all den Eskapaden der letzten drei Jahre in der Branche keinen sonderlich guten Ruf mehr. Wie es Sofia Jakobsson an gleicher Stelle vor zwei Jahren erging, kann man hier nachlesen.

Hoffentlich habe ich unrecht und der Schritt bringt sie wirklich weiter. Aber offenbar stand sie auch unter enormem Druck, nicht zuletzt aufgrund des Wunsches, wieder in der Nationalmannschaft sein zu können. Ihr aklter Verein Göteborgs FC kommentierte kühl, dass man für sie keine Verwendung habe. Der Kader sei bereits gut aufgestellt und ausserdem habe Olivia Schough auch im letzten Jahr schon kaum einen Stammpatz gehabt, so Sportchef Lasse Svensson.

Mir scheint, da wurde schnell eine Sechsmonatslösung gestrickt und währenddessen soll dann nach dem Ende der schwedischen Saison ein neuer Verein gesucht. Die beiden Aufsteiger, von denen einer ziemlich sicher Mallbacken heissen wird oder ein anderer Club könnten zu diesem günstigeren Zeitpunkt vielleicht jemanden wie Schough suchen.

Tyresö: Personalien

Tyresö_getrennte_wegeAcht Wochen nach dem Zusammenbruch der A-Mannschaft von Tyresö FF sind nun endlich fast alle Spielerinnen bei anderen Vereinen untergekommen.

Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Vero Boquete zog es bekanntlich alle in die amerikanische Profiliga NWSL, die Amerikanerinnen wurden zurückgerufen, die Spanierin Boquete spielt bei Nadine Angerers Team in Portland und wurde kürzlich Spielerin der Woche,

Torfrau Tinja-Riikka Korpela war nur wenige Monate in Tyresö und wird neue Nummer 1 des FC Bayern München. Dessen Torfrau Kathrin Längert wechselte zu FC Rosengård, wo sie demnächst nicht nur mit Jahrgangsschwester Anja Mittag spielen darf, sondern auch mit der fünffachen Weltfussballerin Marta, die Tyresö verliess, aber nun Malmö und nicht Paris als neuen Wohnort wählte. Gut unterrichteten Kreisen zufolge denkt Marta auch schon an die Zeit nach dem Fussball und will die schwedische Staatsbürgerschaft beantragen. Fusballerisch würde sich dieser Schritt jedoch nicht auswirken.

Caroline Seger zog es nach Paris wo PSG in der kommenden Saison einen weiteren Versich machen wird, Lyon und Wolfsburg von den jeweiligen Thronen zu stossen.

Die kleine, aber technisch feine Malin Diaz Pettersson wechselt zu Eskilstuna United und mit Lisa Dahlkvist Lisa Klinga und Zweittorfrau Carola Söberg zieht gleich ein ganzes Trio zum norwegischen Erstligisten Avaldsnes IL, Solide Personalpolitik sieht anders aus.

Madelaine Edlund hat sich entschieden, in die Heimat zurückzugehen. Sie ist zwar in Jönköping geboren aber aufgewachsen in Skellefteå und bei dessen Zweitligaclub Sunnanå SK setzt die junge Mutter ihre Karriere bewusst in Liga 2 fort.

Jungtalent Johanna Rytting Kaneryd wechselt zum Zweitligisten Älta IF, der nach den Rücktritten von Elaine Moura und Louise Schillgard (früher Fors) zwei wichtige Spielerinnen verloren hat.

Linde Röddik Hansen verstärkt die Abwehr von Meister FC Rosengård und trifft in Malmö auf die alten Tyresöer Kameradinnen Marta, Katrin Schmidt und Kirsten van de Ven.

Linda Sembrant verzichtet auf die Champions League und wechselte zum französischen Spitzenclub Montepellier, zu dem sich jetzt auch Sofia Jakobsson gesellt, die nach Moskau, London und Cloppenburg nun zum vierten Mal das Auslandsglück versucht.

Trainer Tony Gustavsson wurde erwartungsgemäss Co-Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft.

Noch unklar ist nun lediglich der Verbleib der vier Brasilianerinnen Thaysa, Rilany, Fabiana und Mayara, die Tyresö erst Anfang Februar verpflichtet hatte, als man schon wusste, dass man die Gehälter nicht zahlen können würde.

ffschweden trifft: Christen Press

Christen Press und ffschweden auf dem Norrmalmstorg in Stockholm (Foto: Vero Boquete)

Christen Press und ffschweden auf dem Norrmalmstorg in Stockholm (Foto: Vero Boquete)

Tyresö FF ist inzwischen Geschichte und aus der Konkursmasse sind beinahe alle Spielerinnen versorgt mit neuen Vereinen. Niemals hat ein schwedischer Club so viele aktuelle amerikanische Nationalspielerinnen in seinen Reihen gehabt, im letzten Herbst waren es fünf.

Eine, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und die meiner Meinung nach eine der großen Stars der Weltmeisterschaft 2015 werden könnte, ist die 25-Jährige Christen Press. Vor ihrer Abreise nach Chicago Ende Mai diesen Jahres habe ich mich mit der Stürmerin der Chicago Red Stars zu einem längeren Gespräch getroffen.

Zur Vorbereitung hatte ich mir vorgenommen, alle Texte ihres Blogs zu lesen, das sie mit ihrem Umzug nach Göteborg Anfang 2012 gestartet hatte. Aber das gab ich, vier Tage vor unserem Treffen, auf. Mehr als 150 Seiten auf A4 blieben übrig, als ich schon alle Fotos mühselig aus dem Text gelöscht hatte.

“Schreiben muss eine wichtige Rolle in deinem Leben spielen,” begann ich als wir uns am Samstag vor dem Champions-League-Finale in Lissabon in einem der inzwischen vielen Filialen von Joe & The Juice auf der Hamngatan trafen, in der Christen Press, dem Namen des Cafés gerecht, einen Smoothie schlürfte.

“Ja, das stimmt. Am Anfang war das Blog für mich ein Weg, mit meinen Verwandten und Freunden in den USA den Kontakt aufrecht zu erhalten. In meinem Jahr in Göteborg habe ich so gut wie über alles geschrieben, ich war nicht in der Nationalmannschaft, ich war raus aus dem Scheinwerferlicht. Ich war der Auffassung, dass ich so ganz gut nach Haus berichten konnte, wie es mir erging. Ich schrieb viel über all die kleinen Missgeschicke, die einem am Anfang in einem fremden Land passieren. Heute schreibe ich vielleicht nur noch einmal im Monat.

Ich habe geschrieben, seit ich ein kleines Schulkind war. Das ist etwas, das mir Freude bereitet, es ist ein Ventil für mich, aber ich denke, jetzt ist das Blog ein bisschen ernster geworden. Jetzt, wo ich in der Nationalmannschaft spiele, habe ich ein viel größeres Publikum. Mit all den dramatischen Sachen, die in letzter Zeit passiert sind, ist es auch ein bisschen mehr Nachrichtenblog geworden.”

Christen Press, Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 (Foto: Anders Henrikson)

Christen Press, Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 (Foto: Anders Henrikson)

Schreibst du deine Texte und postest du sie fast direkt oder bist du der Typ, der schreibt, noch einmal liest, korrigiert und feilt und erst dann postet?

“Ich bin jemand, der sehr viel korrigiert. Ich bin eine Amateur-Autorin und wenn ich einmal im Monat schreibe, dann schau ich mir das sieben bis acht Mal an und schicke es dann meiner Schwester. Sie redigiert das dann nochmal, also man kann schon sagen, dass ich das als Amateur-Autorin ernst nehme. An der Stanford Universität hatte ich Kommunikation als Hauptfach und da geht es viel um Berichten, die journalistische Seite davon. Ich habe auch an einer Reihe von Kursen im Kreativen Schreiben teilgenommen und auch persönliche Essays. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.”

Deine Blogposts unterschreibst du immer mit Christen, aber auch mit dem Zusatz “rookie for life” (Ein Leben lang Anfängerin). Ist das so eine Art Lebensphilosophie für dich?

“So hab ich mich einfach gefühlt. Nach vier Jahren im College und es waren vier harte Jahre, wo ich viel gelernt habe, aber um meine Karriere kämpfen musste, war ich dabei mir ein Leben außerhalb meines Elternhauses zu bauen. Dann hab ich meine Anfänger-Saison in der Profiliga WPS gespielt, die irgendwo eine große Katastrophe war. Ich habe für magicJack gespielt, einen sehr kontroversiellen Club und danach bin ich nach Schweden gezogen und natürlich war ich auch in dieser Situation eine Anfängerin. Ein Jahr später habe ich wieder den Verein gewechselt, ich denke, dass “Anfängerin ein Leben lang” bedeutet, dass man die Wechsel im Leben willkommen heißt. Das war hart für mich mein ganzes Leben, es bedeutet aber auch eine Einstellung zu haben, dass man nett zu sich selbst ist. Wenn Sachen schief gehen und du landest in verrückten Situationen, musst du ein bisschen ruhig bleiben.”

Es gibt eine wunderbare Geschichte in deinem Blog, wo ich dachte, dass du irgendwo schon auch ein unsicherer Mensch bist, eine Geschichte, die aber auch zeigt, wie wichtig Rückhalt ist.

Du bist erst ein paar Wochen in Tyresö und weißt nicht, ob du den Erwartungen entsprechen kannst. Normalerweise machst du nach dem Training immer ein freiwilliges individuelles Schusstraining. Aber an einem Tag fühlst du dich unsicher, ob du mit den großen Spielerinnen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete mithalten kannst und du verzichtest auf das Schusstraining, willst nach Hause. Umgezogen aus der Dusche kommend begegnest du Trainer Tony Gustavsson auf dem Parkplatz, der auf dich wartet. Er sieht dich an und lächelt, gibt dir einen Klaps auf die Schulter und sagt irgendwas wie, dass es schon gutgehen wird.

Foto: Anders Henrikson

Foto: Anders Henrikson

Ein Jahr später im finanziellen Chaos fühlst du dich wieder nicht gut. Und wieder willst du nach Hause und wieder steht Tony auf dem Parkplatz und wartet auf dich, aber dieses Mal sucht er nur deinen Blick, lächelt aufmunternd und geht.

“Ich würde sagen, jeder Mensch ist irgendwo ein wenig unsicher. Ich fände es wirklich verrückt, wenn man das nicht wäre. Ich gehe immer sehr vorsichtig in eine Situation hinein. Ich versuche, ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen. Ich denke, dass ich so gepolt bin, mir Gedanken zu machen, bevor Dinge passieren. Ich denke schon Monate vorher über manche Dinge nach und dann, wenn eine Krisensituation eintrifft, bin ich ganz gut darin, damit fertig zu werden. Ich erinnere mich sehr stark an negative Dinge, also, vielleicht kommt das daher.”

Lass uns noch mal die Uhr zurücckdrehen, als du nach Europa kamst. Mir warst du schon aufgefallen, ich hatte zwei Spiele mit dir im Internet gesehen und war beeindruckt, aber soweit ich verstanden habe, hatte dein erster schwedischer Trainer Torbjörn Nilsson in Göteborg noch nichts von dir gesehen?

“Die hatten keine Ahnung, wer ich war. Und ich hatte keine Ahnung, wer die waren. Ich hatte ein Tryout bei Atlanta Beat in der WPS gemacht, aber dann brach die ganze Liga zusammen und vier Tage später schloss das Transferfenster in Europa. Ich hatte vier Tage, ein Team zu finden und ich war verzweifelt. Ich schrieb an alle meine Kontakte, Trainer, andere Agenten , Spielerinnen, die was wissen konnten. Ich versuchte, herauszufinden, ob es irgendwo Interesse gab und in dem Moment waren 50 – 100 andere Spielerinnen in derselben Situation. Es waren echt panische Zeiten für Spielerinnen, die nicht in der Nationalmannschaft waren. Ich hatte einen Kontakt, der den Besitzer von Kopparberg/Göteborgs FC kannte. Die haben mich unbesehen unter Vertrag genommen. Ich war aber schon vorher mal in Göteborg gewesen und hatte beim Kinder- und Jugendturnier Gothia-Cup mitgespielt. Daran konnte ich mich aber nicht erinnern. Aber meine Schwester und mein Vater hatten eine gute Erinnerung und meinten ‘Hey, das war doch nett da, da gibt’s doch diese Wasserwege und wir hatten eine schöne Zeit’. Was passiert, passiert und ich hatte zu den Zeitpunkt nichts zu verlieren.”

Du hattest also auch keine großen Erwartungen. Erinnerst du dich noch an die ersten Wochen?

“Als ich dahin kam, war ich so verwirrt von all den Dingen, die mit Fußball nichts zu tun hatten. Fußball war so ziemlich das einzige, was ich wiedererkannte und was mir vertraut war. Es war so kalt im Februar, ich kannte die Stadt nicht und ich wurde jeden Tag im Hotel vom Manager zum Training abgeholt. Fußball war meine Schutzburg. Ich verstand mich von Anfang an sehr gut mit Torbjörn Nilsson, er hat mir so unglaublich viel beigebracht. Mein Spiel veränderte sich, der Stil, den ich spielte, veränderte sich sehr und zwar dank ihm. Er hat ja selber als Stürmer gespielt und er sah etwas in mir und wir arbeiteten viel zusammen. Am Ende denke ich, dass dieses Jahr ungeheuer ergiebig war für meine Karriere. Ich habe mir alte Videos mit Torbjörn angeschaut und er zeigte mir seine Bewegungen. Manchmal kam er zum Trainingsplatz und dann haben wir daran gearbeitet, das richtige Timing für die Sprints zu erarbeiten. Er war sehr detailversessen.”

Was nimmst du an Eindrücken mit, was hat dich geprägt?

“Die größte Lektion, die ich hier in Europa gelernt habe, ist, dass kontinuierlicher Druck dir nicht notwendigerweise die besten Ergebnisse gibt. Und ich habe hier durh meine Erfahrungen gelernt, dass es gut ist, manchmal die Dinge laufen zu lassen und weniger extrem zu sein. In Amerika sind wir so fokussiert darauf, immer die Besten zu sein. In Schweden ist es meh so, dass man die Dinge nimmt wie sie kommen. Ich mag wirklich das schwedische Wort “lagom”, ich mag den Gedanken dahinter. Dass du die Dinge laufen lässt und dass du trotzdem glücklich werden kannst und Dinge schätzen kannst.”

Was würdest du amerikanischen Spielerinnen sagen, die nicht das Privileg haben oder hatten, im Ausland spielen zu können?

“In den USA gibt es so viel Antrieb, so viel Fokus auf das Ziel. Hier in Schweden schätzen die Menschen mehr den Weg. Sie verstehen die Aufs und Abs einer Karriere. Sie lassen sich nicht dadurch definieren. in Schweden geht es mehr darum Spiel für Spiel zu absolvieren, Moment für Moment zu leben, es zu genießen, wenn die Sonne scheint. Wenn die Sonne scheint, lässt du alles auch mal liegen und genießt die Sonne. Ich habe hier erfahren, dass Spielerinnen mehr Spaß am Fußball haben. Sie verstehen das Spiel besser, sie leben es mehr und ich hoffe wirklich, dass ich ein bisschen davon nach Chicago mitnehmen kann. Ich denke, dass ich da in meinem neuen Team mehr eine Führungsrolle haben werde und wenn ich jüngeren Spielerinnen, die ihere Karrieren gerade beginnen, etwas vermitteln könnte, dass sie das Spiel mehr genießen lässt und dass sie dann erfolgreicher sein können, dann wäre ich zufrieden. Hört auf, euren Fokus auf den Erfolg zu setzen! Fokussiert auf das, was ihr könnt und der Erfolg wird kommen!”

Lass mich bitte noch einmal auf deine Unsicherheit zurückkommen. Es gibt einen Moment in Tyresö, wo sich der Kreis schließt, ein Moment, in dem gerade diese Unsicherheit auf immer verschunden sein muss, den du als den stolzesten Moment deiner Fußballkarriere beschrieben hast. Würdest du uns davon erzählen?

Marta (links), Christen Press (Foto: Anders Henrikson)

Marta (links), Christen Press (Foto: Anders Henrikson)

“Das war das dritte Tor im Champions-League-Halbfinale gegen Birmingham. Birmingham spielte unfair, Marta war respektlos angemacht worden vor dem Elfmeter, den sie dann verschoss. Sie ist eine ungeheuer emotionale Spielerin. Sie nimmt das mit, wenn sie spielt und du kannst es in ihrem Gesicht sehen. Wir führten mit 2:0 und wir würden gewinnen, aber man konnte es trotzdem in ihrem Gesicht sehen, dass sie fühlte, sie hätte uns im Stich gelassen, als sie den Elfmeter verschoss. Das Schöne an diesem Sport ist, dass es nicht nur um dich geht, es geht darum, mit anderen Menschen Verbindungen zu schaffen. Im letzten Moment des Spiels, wir waren in der Nachspielzeit schnappte ich mir den Ball und dachte eigentlich nicht, dass etwas Großes passieren würde. Marta und ich kommunizierten nie viel auf dem Platz, sie sagt mir nie, wenn ich passen soll, sie sagt mir nicht wo sie ist. Sie ist eine stille Spielerin, die stillste, mit der ich je gespielt habe und sie spricht niemals Englisch. Wenn sie was sagt, dann Spanisch, das ist ihre dritte Sprache und meine sehr schlechte Zweite. Am Ende des Spiels dann aber spielte sie mir den Ball zurück und sie rief ‘Wait!’, weil sie das auf Englisch sagte, war mir klar, dass es ihr sehr ernst war und dann setzte sie zum Sprint an und ich spielte ihr den Ball zurück und sie schoss das 3:0. Als sie zu mir kam liefen ihr Tränen übers Gesicht und sie war so dankbar, dass wir diesen gemeinsamen Moment und diese Verbindung hatten. Sie sagte ‘Thank you!’ Dieser Moment gab mir ein unglaubliches Glücksgefühl, ich fühlte mich so stark als Spielerin und so stolz als Mannschaftskameradin.”

Christen, wir müssen kurz über Tyresö reden, man würde mich sonst für verrückt halten. Aber ich will keine geheimen Details wissen, sondern mehr, wie das alles dein zukünftiges Verhalten beeinflusst und ob du glaubst, noch einmal vorbehaltlos Vertrauen zu einem Verein haben zu können?

“Nun, ehrlich gesagt, war ich sehr überrascht, dass so etwas in Schweden passieren konnte. Die Situation war insgesamt sehr ähnlich der, die ich schon mal mit magicJack erlebt habe. Da gab es kein Vertrauen in die Organisation, die Umwelt war hart gegen uns, das war absolut unakzeptables Benehmen und kaum zu ertragen. Die Liga ging kaputt und Teams gingen rechts und links kaputt. Es gab keinen Spielraum für Vertrauen mehr. Als ich nach Schweden kam, fühlte ich mich geborgen. Diese Mannschaften würden nirgends hingehen {magicJack verlegte seinen Standort von Washington DC nach Florida}, die sind schon lange hier, das ist stabil. Also, als das mit Tyresö dann losging war das schon ein Schlag. Ich glaube, dass ich jetzt in den USA nicht mehr dasselbe Vertrauen empfinden kann, dass ich einmal hatte.”

In Tyresö habt auch ihr immer sehr viel erst aus den Medien erfahren und wurdet nicht vom Arbeitgeber informiert. Du hast geschrieben, dass jed E-Mail vom Verein Angst ausgelöst hat und du erst einmal gewartet hast, bis du sie aufgemacht hast.

“Es geht ja nicht nur um das Geld. Es geht darum, wie wir behandelt wurden, man hat uns ausgenutzt. Wir haben viele Nachrichten aus den Medien bekommen, vieles davon war dann auch noch falsch. Aber weil wir keine Infos vom Verein bekamen, wussten wir gar nicht, was falsch war und was nicht. Wir fühlten alle, dass man uns eiskalt ausgenutzt hat. Die wussten genau, wieviel uns die Champions League bedeutete. Sie wussten, dass sie uns nicht bezahlen konnten und haben es durchgezogen.”

 

Dänemark scheitert erneut

Die Schweiz hat sich erstmals für die Teilnahme an einem Endrundenturnier und als erstes europäisches Land für die WM in Kanada 2015 qualifiziert. U.a.  Rosengårds Ramona Bachmann erzielte zwei Tore beim souveränen 9:0 über Israel in Niedermatten. Die Schussstatistik von 36:1 (!!!) für die Mannschaft der deutschen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg deutet an, dass es nach wie vor immense Unterschiede im europäischen Frauenfußball gibt. Theoretisch könnte Island noch Punktgleichheit mit der Schweiz erreichen, aber in diesem Fall würde der direkte Vergleich hinzugezogen werden und in dem haben die Schweizerinnen mit dem 2:0 auf Island und dem 3:0 daheim eine blütenreine Weste.

Schlechter sieht es dagegen aus für die beiden nordeuropäischen Teilnehmer Island und vor allem Dänemark in der Schweizer Gruppe. Das 1:1 in Vejle ist zwar ergebnistechnisch ein Erfolg für die Isländerinnen, aber einer der bestplatzierten Zweiten zu werden, um in die Playoffs zu gelangen, in denen ein weiterer Platz an Europa vergeben wird, dürfte schwer werden.

Österreich besiegte schwache Finninnen mit 3:1, wobei Tyresös ehemalige Torfrau Tinja-Riikka Korpela des Feldes verwiesen wurde und Feldspielerin Emmi Alanen (Umeå IK) als Torhüterin eingesetzt werden musste und immerhin einen Elfmeter hielt.

Norwegen hatte bereits am Samstag den Griechinnen mit einem deutlichen 6:0 die Grenzen aufgezeigt und marschiert sicher Richtung Kanada. An der WM nehmen aber vermutlich lediglich Schweden und Norwegen aus Nordeuropa teil. Bei der EM in Schweden waren im 12er-Feld noch alle nordeuropäischen Länder gewesen.

Deutschland führt Gruppe 1 mit neun Punkten an. Spanien liegt mit drei Punkten in Gruppe 2 vorn. Die Schweiz hat Gruppe 3 bereits gewonnen. In Gruppe 4 führen die Schottinnen mit einem Spiel mehr punktgleich vor Schweden (sie müssen noch in Schweden antreten, wohin sie jetzt als großer Außenseiter fahren). Gruppe 5 führt Norwegen nach sieben Siegen aus gleich vielen Spielen an. England hart fünf Punkte Vorsprung in Gruppe 6 und die Französinnen haben in der 7er-Gruppe sechs Punkte auf Finnland.

Die Tabelle der Gruppenzweiten (wobei die Begegnungen gegen den jeweils Gruppensechsten gestrichen werden):

1. Italien 16 (18:5)
2. Finnland 15 (14:4)
3. Niederlande 13 (25:4)
4. Schweden 12 (11:1)
5. Wales 10 (8:4)
6. Russland 9 (6:11)
7. Island 7 (4:7)

 

Rosengård marschiert durch

Mit einem überzeugenden 4:2 Sieg gegen Umeå IK tat Rosengård am Sonntag einen weiteren Schritt in Richtung Titelgewinn bzw. Titelverteidigung. Anja Mittag erzielte dabei ihren neunten Saisontreffer. Der Vorsprung des Meisters beträgt nunmehr sechs Punkte auf den Zweiten Örebro, der am Montagabend ein schweres Auswärtsspiel bei Linköpings FC hat. Im Prinzip scheint es nur noch Spannung um den zweiten Platz in der Champions League zu geben. Der bald scheidende Trainer Jonas Eidevall war mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft außerordentlich zufrieden und sprach von der besten Halbzeit in den zweieinhalb Jahren, seit er in Malmö arbeitet. Katrin Schmidt erzielte das zweite Tor für Rosengård.

Aus mehreren Quellen verlautet, dass der Wechsel von Antonia Göransson von Turbine Potsdam zum FC Rosengård nur noch eine Formsache sein soll. Göransson hatte kaum noch spielen dürfen und bekanntlich und verständlich will Pia Sundhage in der Nationalmannschaft auf Spielerinnen setzen, die in ihren Vereinen regelmäßig zum Einsatz kommen. Göranssons Verpflichtung wäre im Kontext der Kopfprobleme zu sehen, die Rosengårds Neuzugang Kirsten van de Ven schon seit mehr als einem Jahr begleiten. Nach zwei leichten Gehirnerschütterungen in ihrer Zeit in Tyresöhat die sympathische Niederländerin immer wieder Probleme.

Lina Nilsson, Außenverteidigerin in Diensten von Rosengård, musste ihre Teilnahme an den kommenden Länderspielen gegen Schottland und die Färöer-Inseln verletzungsbedingt absagen. Sie wird ersetzt durch Annica Svensson (Eskilstuna), die erstmals nach mehr als einem Jahr wieder Berücksichtigung bei Sundhage findet.

Englands neuer Trainer Mark Simpson hat überraschend Anita Asante aus seinem Kader gestrichen. Das regte Jonas Eidevall dermaßen auf, dass er Simpson anrief. “Anita ist eine der besten Innenverteidigerinnen in Europa. Ich habe Simpson kontaktiert und wir hatten ein gutes Gespräch. Dann ist es natürlich seine souveräne Entscheidung, aber ich glaube, zukünftig hat er einen besseren Überblick,” so Eidevall zu Sydsvenska Dagbladet.

Eidevall selber wird seine sportliche Zukunft in dieser Woche bekanntgeben, gestern sagte er, dass der Trainer, den er ersetzen wird, noch nicht Bescheid wisse, dass er seinen Job verlieren wird. Ui.

Eskilstuna gewann das Spiel der Aufsteiger erwartungsgemäß sicher mit 3:0 gegen AIK auf dem heimischen Tunavallen vor mehr als 3.000 Zuschauern. Eskilstuna muss schon in der Liga bleiben, damit der Zuschauerdurchschnitt aufpoliert wird.

Und am Samstag trennten sich im Skåne-Derby Kristianstad und Vittsjö 0:0 unentschieden. Eigentlich sogar ein Lokalderby, denn viele Spielerinnen von Vittsjö wohnen im größeren, aber immer noch nett provinziellen Kristianstad.

 

 

 

 

Tyresö: Die unmittelbaren Folgen

Die Tyresö Fotboll AB hat ihre Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus der Damallsvenskanurückgezogen und der Verband hat das akzeptiert.

Damit wird Tyresö an 12. und letzter Stelle geführt. Alle bisherigen Spiele von Tyresö FF werden annulliert, Punkte, die Vereine gegen Tyresö gewonnen haben, werden abgezogen: Linköping, Eskilstuna und Kristianstad verlieren drei, Göteborg einen Punkt. Alle gegen Tyresö erzielten Tore werden ebenfalls gestrichen. Pernille Harders Comebacktor am Mittwoch etwa hat offiziell nun nicht stattgefunden.

Sportlich gesehen ist der Auszug Tyresös auch eine Katastrophe. Der Abstiegskampf ist praktisch entschieden. Tyresö ist Letzter und Jitex, das mit 0 Punkten nun Vorletzter ist, könnte sich nur durch die Verpflichtung eines halben Dutzend routinierter Spielerinnen in der Sommerpause noch einmal auf den Weg machen, AIK oder Vittsjö zu gefährden. Das wird nicht passieren. Schon vor Wochen sagte mir eine AIK-Spielerin, dass sie hoffe, dass Tyresö crashen würde, weil das dern Klassenerhalt bedeuten könnte. Tut es.

Rosengård wird vorn unangefochten seine Kreise ziehen, lediglich um Platz zwei könnte so etwas wie Spannung entstehen, da kommen nach den Eindrücken der ersten Wochen mit Kopparberg/Göteborg (gestern Abend 8:0 gegen Jitex), Linköpings FC und KIF Örebro, möglicherweise auch Umeå IK gleich vier Teams in Frage.

Der Champions-League-Platz von Tyresö im Herbst ist weg. Für Schweden. Die Statuten der UEFA besagen, dass es keinen Ersatz gibt, falls in einem Land der qualifizierte Vertreter zurückzieht. Linköpings FC, der Dritte des Vorjahres, wird das sicher schon vorher nachgesehen haben.

Tyresö – das Ende naht

Vor zwei Wochen noch stand eine erstklassige Mannschaft von Tyresö FF im Finale der Champions League in Lissabon und hatte den Favoriten VfL Wolfsburg am Rande der Niederlage.

Gestern Nachmittag sollen acht Spielerinnen beim Training gewesen sein. Seit Januar gibt es kein Geld mehr für die Akteure und heute bestätigte der schwedische Fußballverband auch den 2015 erfolgenden Abstieg des Vereins, weil man auch in der Widerspruchsfrist keinen wirtschaftlichen Jahresbericht für 2013 eingereicht hat, obwohl der 71-Jährige Vorsitzende Hans Lindberg noch mit Widerspruch getönt hatte, als die Entscheidung vor einigen Wochen verkündet wurde.

Am Donnerstag gibt es vor dem Gericht in Nacka eine weitere Verhandlung darüber, ob der die A-Mannschaft betreibenden Tyresö Fotboll AB eine weitere Dreimonatsfrist eingeräumt wird, die Rekonstruktion fortzusetzen.

Seit Januar haben die Spielerinnen kein Gehalt mehr bekommen und nach Angaben des schwedischen Fernsehens SVT sind beim Amtsgericht Nacka noch keine neuen Unterlagen eingegangen. Angeblich soll die Firma über ein Projekt mit dem nigerianischen Fußballverband vier Millionen Kronen netto jährlich bekommen.

Alle rechnen mit dem Konkursbescheid am Donnerstag und dem Rückzug des Teams aus der laufenden Damallsvenskan. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Warum hat der Vorsitzende Lindberg störrisch immer wieder behauptet, dass sich alles regeln werde? Hat jemand vom Erreichen des Finals in Lissabon ökonomisch Nutzen gezogen?

In meinem Gespräch mit Christen Press fünf Tage vor dem Finale (das Interview kommt noch) sagte mir Christen, nachdem das Mikrofon abgeschaltet war, dass sie überlege, ob nicht alles schon seit langem so geplant war, dass alles nach dem Finale zerplatzen soll…

Unterdessen erklärte heute Abwehrspielerin Linda Sembrant, dass sie damit rechne, in einem Monat nicht mehr für Tyresö zu spielen.

 

Jonas Eidevall hat gekündigt

Es war eine große Überraschung für Vorstand und Spielerinnen – am Samstag hat Rosengårds Meistertrainer Jonas Eidevall gekündigt; bereits Anfang Juli wird er den Verein verlassen. Sportchef Erling Nilsen erzählte der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, dass Eidevall ihm am Samstag unterrichtet hätte, dass er von einer Vertragsklausel Gebrauch machen möchte.

Das brachte Nilsen etwas in Verlegenheit, denn  am Wochenende war Tyresös dänisch Nationalspielerin Line Røddik Hansen zu Gast wegen eines offenbar unmittelbar bevorstehenden Engagements (da die Spielerinnen Tyresös seit Januar kein Geld mehr vom Verein bekommen, können sie ihre Verträge nach Gewerkschaftsauskunft als gegenstandsls betrachten). Nilsen saß am Sonntag mit Røddik auf der Tribüne und die Dänin fragte ihn, was denn Trainer Eidevall von ihr halten würde. Es sei blöd gewesen, aber er hätte Røddik nichts sagen dürfen, weil man die Veröffentlichung der Kündigung für Montag geplant hatte und weil die Spielerinnen auf dem Feld nichts davon wussten.

Wohin es den höchst ehrgeizigen 31-Jährigen zieht, wollte und konnte er noch nicht bekanntgeben. Hier wird spekuliert, dass er nach “Europa” gehen könnte, wo es eine andere Saison gibt als in Schweden. Möglich aber auch, dass er zu einem Männerverein in Schweden wechseln wird.

Olivia Schough verlässt Bayern

Olivia_SchoughNach knapp einem halben Jahr nur verlässt Olivia Schough den FC Bayern München. Das meldet die Zeitung Expressen am Sonntag. Die Zeitung hatte bereits vor einigen Wochen in einem Interview mit Schough herausgearbeitet, dass sich die Schwedin zwar in München wohlfühle, sich aber an den rauheren Umgangston in Deutschland erst noch gewöhnen müsse.

Ob das nun die Ursache für den kurzen Aufenthalt ist, bleibt dahingestellt. Expressen gegenüber sagte Schough jedenfalls, dass sie Sorge habe, ihren Nationalmannschaftsplatz bei zu wenig Spielzeit in München nicht behaupten zu können. Mit der Begründung für zu wenig Spielzeit im Verein fand ganz aktuell Antonia Göransson (Turbine Potsdam) keine Berücksichtigung bei Pia Sundhage.

München  sei eine tolle Stadt und Bayern ein tolles Team, aber sie müsse nun leider gehen. Alles kann demnach nicht so toll gewesen sein, denn die Knieverletzung und die Halsinfektion hätten sie überall anders auch gestoppt. Ein neuer Verein steht noch nicht fest, sagte Schough. In Schweden dürfte wohl Linköping nach Verstärkung suchen und auch ihr Ex-Verein Göteborg hat nach gutem Start jetzt seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen.

PS: Gustavsson in die USA

Tony Gustavsson wird Assistenztrainer der amerikanischen Frauenfußballnationalmannshaft und wird schon Mitte Juni bei den beiden Spielen gegen Frankreich dabei sein. Das gab am Abend der amerikanische Fußballverband auf seiner Homepage bekannt.

Damit wird Tyresö schon übernächste Woche keinen Cheftrainer mehr haben. Der Zerfall des Projekts geht wie erwartet schnell voran.

Vor dem Finale 5: Christen Press

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Ein Finale braucht Torschützen, am besten in der regulären Spielzeit oder Verlängerung, wenn am Ende nicht ein Elfmeterschießen einen eher glücklichen Sieger ermitteln soll.

Eine, die Tore schießen kann, die Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 war und auch die Torjägerliste der Champions League 2013/14 mit bislang neun Treffern anführt, ist Tyresös 25-Jährige amerikanische Nationalspielerin Christen Press. Am vergangenen Samstag habe ich mich mit der Weltklassestürmerin getroffen, um ausführlich über ihre Zeit in Europa zu sprechen. Das kommt in einem zweiten Teil in der kommenden Woche. Am Anfang unseres Gesprächs drehte es sich natürlich um das heutige Finale.

Christen, in fünf Tagen ist das große Finale (wir sprachen also letzten SAMSTAG) und morgen geht es nach Lissabon. Schläfst du noch gut?

“Als ich jünger war, konnte ich schon einen Monat vor einem Spiel kaum noch schlafen. Weißt du, meine Mutter erzählt da eine Geschichte aus der Zeit, als ich etwa 10 war. Wir standen vor einem entscheidenden Spiel und ich schlief kaum noch. Kam nachts um zwei und fragte, ob wir denn nicht bald losfahren müssten zum Spiel. Um vier Uhr wieder, Nein, sagte Mom, wir haben noch Zeit, du kannst dich wieder hinlegen, Christen. Heute bin ich viel entspannter. Ich werde einfach genießen, die Stadt genießen und mich entspannen und an das Spiel denke ich wenn Training angesagt ist oder das Spiel.”

Während Tyresö es in den letzten Wochen fußballerisch etwas ruhiger angehen ließ mit viel Rotationund Spielerinnen ausruhen lassen, musste Wolfsburg voll ran in der Meisterschaft. Ist das für irgendeine Seite von Vor- oder Nachteil?

“Naja, erst mal denke ich, dass die Saison mit ihrem Verlauf die Teams aus Deutschland und Frankreich bevorzugt, weil wir in Schweden halt die Saison von April bis Oktober haben. Für Wolfsburg ist das eine harte Zeit, weil sie sich ja noch für die Champions League qualifizieren müssen und auf einen der ersten beiden Plätze kommen müssen oder aber uns schlagen. Für uns war es in der tat möglich, uns nur auf die Champions League zu konzentrieren.”

Man hat ja den Entscheidungen des Trainers Tony Gustavsson über wer in der Liga spielen durfte, aber auch eurem Spiel angemerkt, dass die Liga nicht so wichtig ist?

“Der Club ist in so einer Situation, dass die Ressourcen stark begrenzt sind und man hat alles auf die Champions League gesetzt und natürlich gibt es da ein hohes Risiko. Wir haben vielleicht 70% der Energie in die Ligaspiele investiert und nicht voll durchgespielt. Aber ich bin damit einverstanden, dass wir ein Risiko eingehen. Wir werden die Liga dieses Jahr nicht beenden [!] und wir mussten all unsere Energie auf etwas verwenden, dass wir abschließen können. Und es hat sich, wie zuletzt gegendie Birmingham Ladies gezeigt, dass es funktioniert, dass wir unser bestes Niveaui dennoch erreichen können, so wie Tony es will.”

Wenn man sich an das Spiel gegen Eskilstuna erinnert, ich schrieb an dm tag, dass tyresö die beste Ersatzbank der Welt hatte mit dir, Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz, Ohne euch war das ein ausgeglichenes Spiel, ihr lagt 0:1 hinten, dann kamen du und Seger rein, später Vero, aber ihr konntet an der Dramaturgie des Spiels nichts mehr drehen, die Rollen waren verteilt?

“Ja, das hast du gut analysiert. Es war etwas frustrierend. Man saß da auf der Bank und dachte, ah, wenn ich gleich reinkomme, dann muss ich einen Unterschied machen, ein Tor machen. Aber es gab nur einen kleinen, kurzen Effekt auf das Spiel, dann ging es wie vorher weiter und die schossen sogar das 2:0. Das war überraschend und negativ. Aber ein paar Tage danach haben wir auch das Halbfinale gegen Birmingham dann ganz souverän gespielt.”

In den schwedischen Medien ist Wolfsburg Favorit. Die Wolfsburgerinnen, mit denen ich sprach, sehen eher ein 50/50 Spiel heute Abend. Wie sieht das Christen Press?

“Wenn du dir die Mannschaften und deren Geschichte anguckst, dann ist Wolfsburg doch Favorit. Wenn du aber dann schaust, wer da im einzelnen auf dem, Platz stehen wird, dann ist es schwer, uns nicht als Favoriten zu sehen. Ich glaube, dass all die Perobleme, die wir mit unserem Club gehabt haben, dass uns das alles zu Außenseitern machen sollte. Als Außenseiter gehst du normal in ein Spiel und denkst, hier muss was Großes passieren, damit wir gewinnen, die anderen müssen schlecht spielen, wir brauchen ein Wunder. Das brauchen wir nicht. Wir wissen, dass wir gewinnen können, wenn wir unser bestes Spiel spielen. Ich sehe uns nicht als Außenseiter. SDie Umstände um das Spiel machen sie zum Favoriten, die haben in ihrer Organisation immerhin Stabilität und Beständigkeit, kümmern sich bereits um die nächste Saison – aber auf dem Spielfeld sind wir gleich stark.”

Dazu kommt dann noch der Trainerfuchs Tony Guistavsson, der aus der negativen Ausgangsbasis etwas Positives für das Mannschaftsgefühl ziehen wollte, was ihm gelang. Allenthalben hört man, dass die Mannschaft sich so nahe ist wie nie zuvor.

Und als ich Christen Press erzähle, wie ich mir vorstelle, dass Tony Gustavsson ihnen von diesem speziellen Abend des 22.05. in Lissabon erzählt hat, wie er sie damit motiviert, dass es das letzte Mal sein wid, da wird Christen Press’s Lächeln immer breiter und größer und ich ahne, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe.

“Weißt du,” sagt sie mir da, “ich kann mir ehrlich gesagt, sehr gut vorstellen, wie Tony in seinem Haus sitzt und diesen Abend für uns plant, bis ins kleinste Detail.”

Den großen zweiten Teil des Interviews mit Christen Press, was sie über ihre Zeit in Europa sagt und was sie von Schweden nicht so erwartet hätte und einiges mehr, in der nächsten Woche.

 

 

Rosengård wieder vorn

Linda Sembrant (Tyresö) köpft das 2:0 gegen KIF Örebro

Linda Sembrant (Tyresö) köpft das 2:0 gegen KIF Örebro

Nach fünf Spieltagen hat sich der Favorit wieder an die Spitze des Feldes gesetzt. Rosengård kam zu einem glücklichen 2:1-Sieg bei Kristianstads DFF im Skåne-Derby. Aber nachdem Johanna Rasmussen in der 89. Minute für die Gastgeber die Führung durch Anja Mittag ausgeglichen hatte, schoss Therese Sjögran postwendend in der 90. Minute die neuerliche Führung.

Zweiter, vormals Erster, ist Aufsteiger Eskilstuna, der immer noch ungeschlagen ist. Heute kamen mehr als 1500 auf den Tunavallen und sahen das 1:1 gegen das Topteam aus Göteborg.

Linköping siegte 2:1 bei Vittsjö, das sich sicherlich einen besseren Saisonstart gedacht hatte und nun immer noch knapp über dem Strich steht, unter dem man absteigt.

Selber sah ich das schlechtbesuchteste Spiel. Nur 250 kamen noch zu Europapokalfinalist Tyresös Spiel gegen KIF Örebro, in dem mich die Gäste enttäuschten. Die Spielidee bestand vor allem darin, lange Bälle auf Sarah Michael zu schlagen. Tyresö hatte den Ball und das Spiel und machte trotz des Fehlens von Marta und Vero Boquete die Tore. Ausnahmsweise nur schwedische Torschützinnen: ein schöner Treffer von Caroline Seger, nach brillanter Vorarbeit von Meghan Klingenberg, ein vermeidbares Kopfballtor von Linda Sembrant und in der Nachspielzeit Madelaine Edlund. Tyresö gewinnt 3:0 und vermutlich werden wir die Amerikanerinnen nicht mehr in Tyresö spielen sehen, wenn sie denn direkt nach dem CL-Finale weiter müssen.

 

Tränen in Kvarnsveden

Kvarnsveden liegt in der Landschaft Dalarna und hat seit mehreren Jahren ein gutes Zweitligateam, das meist im oberen Drittel der Liga spielt, aber ohne reelle Chancen auf den Aufstieg in die Damallsvenskan.

Dort spielt Darcel Mollon aus Trinidad & Tobago. Die 29-Jährige ist eine Weltreisende in Sachen Fußball, war schon bei Djurgården, spielte in den USA und auf Island und ist nun nach einer Pause wieder bei Kvarnsveden gelandet. Im April erzählte sie noch vom tragischen Herztod von zwei Mitspielerinnen aus der Nationalmannschaft von Trinidad & Tobago, gerade mal 22 und 30 Jahre alt.

Am Freitag nun starb ihre 22-Jährige Schwester in der Heimat bei der Geburt ihres ersten Kindes. Mollon spielte trotzdem oder gerade deswegen gestern gegen QBIK und erzielte auch den einzigen Treffer des Spiels. Die Flaggen standen auf Halbmast, die Spielerinnen trugen Trauerflor, um ihren Respekt zu erweisen. Keine schöne Nachricht, aber so ist das Leben.

Tyresö: Es ist Nigeria

Seit Ende März rätseln wir in Schweden, wer denn nun der afrikanische Staat ist, der den arg gebeutelten schwedischen Champions-League-Finalisten Tyresö FF vor dem Ruin retten soll. Besser die Tyresö Fotboll AB, die Betreiber der A-Mannschaft ist. Man muss das fast immer erwähnen, wenn man sich nicht den Zorn der Mitglieder des “normalen” Vereins zuziehen will, die es fürchterlich finden, dass der Name ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung in den Schmutz gezogen wird. Einfach ist das nicht.

Nachdem Expressen im März noch an Äquatorial-Guinea glaubte, wissen wir seit gestern, dass es Nigeria ist. Ausgerechnet.

Im Frauenfußball gibt es die eine oder andere Beziehung zwischen Spielerinnen, das ist ein offenes Geheimnis und das ist vermutlich auch in Tyresö so. Wenn es den Sport nicht tangiert, dann interessiert mich das nicht die Bohne. Wenn sich aber nun Tyresö offenbar von einem Staat jährlich mit vier Millionen Kronen fördern lassen will, der Homosexualität unter Strafe stellt, dann ist das gelinde sagt, merkwürdig. In den zwölf nördlichen Provinzen Nigerias, die muslimisch sind in der Mehrheit, gelten die Gesetze der Sharia und dort droht Schwulen wie Lesben im Falle der Verurteilung die Todesstrafe durch Steinigung. Wesentlich “liberaler” ist man in den südlichen Provinzen und an der Küste, wo die ehemalige Hauptstadt Lagos liegt: Dort kommt man mit maximal 14 Jahren Gefängnis davon.

Es war offenbar Trainer Tony Gustavsson, der den Kontakt nach Nigeria etabliert hat. Er hat dort eine Niederlassung seiner Fußballschule TikiTaka-Academy gegründet, was auch nicht von ungefähr kommt, da Gustavssons Vater Börje eine nigerianische Frau hat und seit vielen Jahren Beziehungen zu dem westafrikanischen Land unterhält.

Den möglicherweise zu unterschreibenden Vertrag mit Nigeria, das also angeblich Trainer wie Spielerinnen in Tyresö ausbilden lassen will, sollte man sich gut überlegen und genauestens durchlesen.