Schützenfest in Malmö

Mit 11:1 Toren und sechs Punkten liegt Meisterfavorit FC Rosengård an der Spitze der Tabelle. Im vorgezogenen TV-Spiel besiegte der amtierende schwedische Meister die bereits am Wochenende arg gebeutelten Vittsjöerinnen mit 7:1. Zweimal Ramona Bachmann und jeweils ein Tor von Anja Mittag, Sarah Mellouk, Nathalie Persson, Sara Björk Gunnarsdottir und Ali Riley erzielten die Tore.

Vittsjö liegt am anderen Ende mit einem katastrophalen Start mit 1:12 Toren und 0 Punkten.

 

Vittsjö (Sprich: Wittschö)

Sofie Andersson

Sofie Andersson

Ich wusste auch nicht, wo Vittsjö liegt, obwohl ich schon seit beinahe 20 Jahren in Schweden lebe. Es kam mir ins Bewusstsein, als auf einmal Vittsjö GIK in die Damallsvenskan kam, in der Saison, in der ein anderer, ehemaliger Aufsteiger seinen ersten Meistertitel gewann. Tyresö FF.

Vittsjö liegt in Skåne, in Schonen, wie man früher in deutschen Büchern über Schweden zu schreiben pflegte. Es liegt in der Nähe des Eisenbahnknotenpunkts Hässleholm, gut 45 Minuten von Malmö entfernt. In Hässleholm muss man umsteigen, wenn man z.B. von Stockholm kommend, nach Kristianstad fahren will.

Es gibt Orte auf den Landkarten Europas, die sind tatsächlich aufgrund der Existenz einer Fußballmannschaft einem größeren Kreis bekannt geworden, die sonst die Existenz des Ortes zeitlebens kaum zur Kenntnis genommen hätten.

Meine Heimatstadt Mönchengladbach ist so ein Ort. Es ist immer noch so. Wohin man auch kommt, die Assoziation zu Mönchengladbach ist Borussia. Auch wenn dann viele Ausländer glauben, dass müsse in unmittelbarer Nähe zu München sein. Neiiiiiin, ist es nicht.

Vittsjö spielte eine sensationelle erste Saison in der Damallsvenskan. Von mir und nahezu allen anderen “Experten” als klarer Absteiger getippt, stand das Team sogar mal an der Tabellenspitze und brach erst dann ein, als Verletzungen das solide Innenverteidigerinnenpaar Ifeoma Dieke (Schottland) und Kendall Fletcher (USA) auseinander brachte.

Sofie Andersson schoss in jedem Spiel ein Tor, zumindest anfangs. Die heute 28-Jährige war vorher von der charismatischen, aber nicht immer einfachen Elisabet Gunnarsdottir in Kristianstad ausgemustert worden. Der kluge Thomas Mårtensson hatte nicht nur Andersson, sondern auch weitere Spielerinnen geholt, die Gunnarsdottir nicht haben wollte oder mit denen sie nicht zu Recht kam.

Am Dienstag habe ich mich mit Sofie Andersson unterhalten.

“Die letzte Saison war wirklich eine Enttäuschung, wir landeten auf einem achten Platz,” berichtet Sofie Andersson, deren Team beim Auftakttreffen der Medien mit der Liga am Dienstag als solide Mittelfeldmannschaft getippt wurde.

“Wir wollen uns definitiv verbessern gegenüber dem Vorjahr, am Ende liegen wir vielleicht wirklich im Mittelfeld, aber wenn wir ein bisschen Glück haben, dann können wir einige Teams sicher gefährden.”

In der Tat, das Mittelfeld der Liga könnte so groß sein wie lange nicht. Mein Tipp kommt noch, bevor am Sonntag die Saison beginnt.

“Letztes Jahr hatten wir einige Verletzungen, nach der Sommerpause wurde es dann besser und der Herbst war ganz ordentlich, ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können,” so Andersson.

Schwedens einziger ernstzunehmender Gegner in der WM-Qualifikation ist Schottland, das bisher verlustpunktfrei die Tabelle anführt und übrigens von den Schwedinnen Anna Signeul und Ann-Helen Grahm (Ex-Assistentin von Thomas Dennerby) trainiert wird. Im September spielen Schwedinnen und Schottinnen die entscheidenden Begegnungen. Wenn sich Pia Sundhage mehr Wissen über Schottland verschaffen will, lohnt sich ein Trip in die Provinz von Skåne.

In Vittsjö verdienen vier Schottinnen ihr Brot: Ifeoma Dieke, Jane Ross, Hayley Lauder und ganz neu Shannon Lynn, die Torhüterin, die man verpflichtet hat, weil sich Finnlands Minna Meriluoto bei einem Fall auf die Schulter im Pokalkrimi in Örebro (Vittsjö verlor im Elfmeterschießen) verletzt hat und für vier bis sechs Wochen ausfällt.

“Wir sprechen meist Englisch in Vittsjö,” berichtet Sofie Andersson. “Manchmal fällt es mir echt schwer, Jane Ross und ihren Akzent zu verstehen, ich muss ihr dann sagen, langsamer zu sprechen und deutlicher Englisch. Oft ist es ja so, dass man eine Spielerin hat, die erzählt dann Gutes über den Verein und dann kommen mehr,” erklärt mir Sofie die möglicherweise höchste schottische Präsenz außerhalb Großbritanniens.

In Vittsjö übrigens, wohne keine Spielerin, erklärt mir Sofie. Entweder lebt man in Hässleholm oder auch in Kristianstad, in der Stadt des Ligakonkurrenten also. Ich weiß, dass die Amerikanerin Danesha Adams 2012 in Vittsjö wohnte und viele ruhige Stunden mit Bücher lesen am Strand des örtlichen Sees verbracht hat.

“Die Stimmung ist immer noch toll in Vittsjö. Man kann sich da kaum im ICA (Supermarkt) sehen lassen, weil das schon sehr auffällt. Vielleicht ist der erste große Enthusiasmus weg, als wir 2012 aufgestiegen waren und auch noch sehr erfolgreich spielten. Das war was ganz Neues, aber man unterstützt uns noch immer sehr.”

Am Sonntag kommt Kopparberg/Göteborgs FC zu Besuch. “Gegen die haben wir eine positive Bilanz und das nehmen wir natürlich mit in das Spiel. Ich denke, dass es für alle schwer sein wird, bei uns zu spielen, weil wir Naturgras haben,” so Andersson weiter.

Gegen den namhaften Gegner hat man in der noch jungen Vittsjöer Geschichte in der Damallsvenskan vier Mal gespielt. Zwei Auswärtssiege, ein Unentschieden und eine Niederlage. Aufpassen muss Göteborg vor allem auf Jane Ross und Sofie Andersson.

Carola Söbergs milde Worte

Tyresö bröckelt auseinander und die Implosion des Großprojekts hat längst begonnen, auch wenn die Spielerinnen am 22.05. die Champions-League-Trophäe in den Lissaboner Nachthimmel recken wollen.

In einem Interview mit der Zeitung Värmlands Folkblad hat Torhüterin Carola Söberg deutliche Worte gefunden.

Selbst gab der Verein am Dienstag bekannt, dass die Verträge mit Marta, Caroline Seger und Söberg aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht verlängert werden können. Carola Söberg legt Wert darauf, dass sie ihren Vertrag nicht verlängern will.

Sie sei enttäuscht über den nahezu völligen Mangel an Information den Spielerinnen gegenüber, die zu keinem frühen Zeitpunkt erfuhren, wie ernst es wirklich um den Club aussah. Dabei hatte allerdings Christen Press kürzlich in ihrem lesenswerten Blog geschrieben, dass der Verein, der allen Spielerinnen ein Auto zur Verfügung gestellt hatte, schon letzten Sommer darum bat, dass die Spielerinnen die Versteuerung selber übernehmen sollten. Söberg sagt jetzt, dass man das meiste, wie alle anderen auch, jeweils aus der Zeitung erfahren habe.

“Wir gegen den Rest,” beschreibt Söberg die aktuelle Lage. “Wir spielen für die Spielerinnen, die Mannschaftsführung und alle Fans, die an uns glauben. Dann habe ich nicht das geringste Gefühl für den Club. Leider.”

Auf die Frage des Kollegen, ob das nicht harte Worte gegenüber einem Verein wären, für den sie doch immerin 3,5 Jahre gespielt habe, antwortet Söberg: “Wenn man alles weiß, was passiert ist, dann sind das milde Worte.”

Carola Söberg, die ernsthaft erwogen hat, ihre Karriere zu beenden, sagt jedoch auch, dass sie jetzt einen neuen Verein suchen wolle, um weiterzumachen, auch weil sie immer häufiger in den Kreis der Nationalmannschaft eingeladen wurde. Zwei Hauptkonkurrentinnen, Kristin Hammarström und Sofia Lundgren haben ihre Karrieren beendet.

 

 

Tyresö gerettet – vorerst

Das Amtsgericht in Nacka hat seine Entscheidung getroffen – die Tyresö Fotboll AB darf weiterhin in der Rekonstruktion bleiben und somit weiterbestehen, was der Mannschaft erlaubt, am Sonntag gegen den SV Neulengbach anzutreten und vermutlich auch in die schwedische Saison 2014 zu gehen.

Durch ein noch nicht näher definiertes Entwicklungshilfeprojekt mit einem ebenfalls noch nicht genannten afrikanischen Land, will der Verein in den kommenden drei Jahren jeweils vier Millionen Kronen einnehmen.

Das Finanzamt, das zu Beginn der Verhandlung keine Einigung wollte und auf den Konkurs hinsteuerte, stimmte am Ende zu. Die Schulden werden auch nicht gekürzt oder gar abgeschrieben, sondern deren Tilgung mit langen Fristen versehen. Bei Kürzung oder Abschreibung hätte das gemäß § 21 der Wettbewerbsregeln des schwedischen Fußballverband bedeutet, dass der Verein 2015 in die zweite Liga zu überführen werde, unabhängig davon, welchen Platz der in der kommenden Saison belegt.

Tyresö darf nach dem Beschluss weiter in der sogenannten Rekonstruktion bleiben. Am 5. Juni wird beschlossen, ob die Rekonstruktion verlängert wird. Wenn der Verein 12 Millionen in den kommenden drei Jahren aus dem Entwicklungshilfeprojekt bekommt, muss er 7,8 Millionen an seine Gläubiger zahlen.

Die Gehaltskosten von Marta, Vero Boquete und Caroline Seger, Spielerinnen, deren Verträge Ende Juni auslaufen, belaufen sich auf rund 400.000 Kronen pro Monat. Eine Verlängerung zu gleichen Konditionen vorausgesetzt, würden diese drei Spielerinnen den Verein in diesem Jahr noch weitere 3,6 Millionen Kronen kosten.

Die weitere Rekonstruktion ist eine Chance, aber sie muss einher gehen mit einem wesentlich sparsameren Verhalten.

AIK im Viertelfinale

Mit einem ungefährdeten 5:0 über das Zweitligateam von Kvarnsveden hat Aufsteiger AIK das Viertelfinale des schwedischen Pokals erreicht und muss dort auswärts bei Kristianstads DFF antreten. Madeleine Tegström schoss bei extrem windigen Wetter sensationelle drei Tore. Sensationell, weil “Madde” als laufstarke, aufopferungswillige Mittelfeldspielerin bekannt ist, aber die 31-Jährige hatte eigentlich bislang eher Schwierigkeiten, das Tor zu treffen.

Morgen gibt es drei Spiele, am meisten interessiert das Spiel zwischen Aufsteiger Eskiltuna und Vizemeister Tyresö FF.

 

Tyresö: Hochmut und Gier kommen vor dem Fall

Nicht immer schaffe ich es, während einer normalen Arbeitswoche, mich so umfassend und zeitnah über aktuelle Ereignisse zu informieren, wie ich das gerne tun würde. Im Fall der Tyresö Fotboll AB, jener angeblich vollständig vollzogenen Abkopplung vom Restverein Tyresö FF, haben die schwedischen Medien in dieser Woche etliche Artikel und Berichte produziert. Acht Tage vor dem Viertelfinalhinspiel gegen den österreichischen Meister SV Neulengbach, der Tyresö einen Schritt weiter auf einem vor langer Zeit vorgezeichneten Weg zum Champions-League-Finale nach Lissabon am 22. Mai 2014 bringen soll, ist das Luftschloss zumindest leck geschlagen und wir alle wissen, was passiert, wenn sich ein kleines Loch in einem Ballon bildet oder hineingestochen wird: die Luft entweicht, manchmal langsam, meistens jedoch relativ schnell.

Angefangen hat das Märchen, das nun vermutlich kein glückliches Ende nehmen wird, im Herbst 2005. Die Frauenmannschaft war gerade in die vierte Liga abgestiegen, die Stimmung unter den damaligen Spielerinnen auf dem Tiefpunkt. Denn in den 90er Jahren hatte Tyresö tatsächlich einmal in der ersten Liga gespielt und da hatten internationale Stars wie die Amerikanerinnen Michelle Akers und Kristine Lilly das rotgelbe Trikot getragen.

Der damals 39-Jährige Unternehmer Hans Löfgren hatte einen Sohn und eine Tochter, die beide im Verein spielten. Beide Teams trainierte Löfgren. Er war Teil des Vereins und bekam mit, was der Frauenmannschaft passierte. Wie er mir 2010 selber erklärte, war das der Zeitpunkt, in dem die Idee entstand. Eines Abends setzte sich Hans Löfgren an seinen Computer und verfasste eine 24-seitige Power-Point-Präsentation über die mögliche, nähere Zukunft des Vereins, an deren Ende der Gewinn der schwedischen Meisterschaft 2012 und der Sieg in der Champions League 2014 standen.

In den Jahren nach 2006-2013 entwickelte sich in und um Tyresö ein fast beispielloses Spielerinnenkarussell. Mit jedem Aufstieg, zuerst in die dritte, dann die zweite und schließlich die erste Liga, trennte man sich von einem wesentlichen Teil des Kaders, der den Ansprüchen in der nächsthöheren Stufe nicht mehr genügte. 41 Spielerinnen hat der Verein innerhalb von nur vier Jahren verpflichtet, wenn die Zeitung Dagens Nyheter richtig gezählt hat. Am Ende stand dann irgendwann eine Spielertruppe, die von vielen Missgönnern des Vereins etwas verächtlich Real Tyresö genannt wurde. Torhüterin Carola Söberg genügte unlängst beim Algarve-Cup den Ansprüchen von Pia Sundhage für die schwedische Nationalmannschaft, in Tyresö setzte man ihr letzten Herbst Ashlyn Harris und nun Tinja-Riikka Korpela vor die Nase.

 

Hans Löfgren erhielt den Spitznamen “Hasse Plånbok” (Hasse Brieftasche). Der Sportchef des Vereins bestimmte fast alles und machte auch fast alles. Er fuhr vor den Heimspielen zu den Botschaften der ausländischen Spielerinnen und lieh sich dort große Fahnen aus, die er dann am Spieltag ausgewählten Fans übergab, die sie schwenken mussten, besonders heftig dann, wenn es Fernsehübertragungen gab und die Kamera auf die neugebaute, teure Gegentribüne gerichtet war. Da konnte man sehen, wie Löfgren das Handzeichen zum Fahneschwingen gab.

Um die Mannschaft wurde ein vielmaschiges Netz aus kleinen und mittleren lokalen Unternehmen gebildet, die den Verein auf seinem Weg an die europäische Spitze unterstützen sollten und wollten. Löfgren ist ein Meister der Überredungskunst, meist redet er ohnehin selber. Den Verein mit seiner lokalen Identität zu einer Angelegenheit für die Heimatgemeinde zu machen – das war an und für sich eine großartige Idee. Der Lebensmittelladen der Kette ICA im Einkaufszentrum von Tyresö unterstützt den Verein ebenso wie das Fotostudio und der Blumenladen, dessen Sträuße Löfgren immer noch nach jedem Spiel an das Schiedsrichterteam verteilt und ab und an Jubilaren für ihr 50. oder 100. Länderspiel in die Hand drückt. Allerdings braucht man in der europäischen Spitze dann irgendwann, auch im Frauenfußball, viel mehr Geld, als kleine Blumenhändler, Fotostudios und Lebensmittelgeschäfte haben.

2011 passierte der erste GAU. Tyresö hatte sich für 2012 gerade verpflichtet, die Frauenrechtsinitiative UN Women der Vereinten Nationen auf die Trikots drucken zu lassen. Aktiv wollte man sich für die Rechte unterdrückter Frauen in der Welt einsetzen und dem Verein somit eine sehr positive Assoziation geben. Hans Löfgren kaufte sich im Herbst 2011 die Dienste einer Prostituierten in Stockholm und wurde erwischt. Anders als in Deutschland nämlich, wo das Laufhaus und das Bordell inzwischen rechtlich dem Friseurladen und der Bäckerei gleichgestellt sind, ist der Kauf sexueller Dienste in Schweden strafbar.

Ein paar Wochen vor dem Beginn der Saison 2012, in der man nun endlich die Meisterschaft gewinnen wollte und für die man Marta und Vero Boquete neben anderen Stars verflichtet hatte, kam die erste Meldung, dass der Sportchef eines Frauenfußballvereins aus dem Stockholmer Raum wegen des Kaufs sexueller Dienste zu einer Geldstrafe verurteilt worden sei. Einen Tag später war der Name in den Zeitungen. Caroline Seger ließ sich damals zu der dümmlichen Äußerung verleiten, dass das Löfgrens Privatsache sei. Eine Frau, die Vorbild sein will. Aber nur wenige beißen die Hand, die einen füttert. Löfgren war offiziell schon nicht mehr Sportchef des Vereins. Er hat das Amt offenbar offiziell im Herbst 2011 abgegeben, als er wusste, dass eine Verurteilung auf ihn zukommen wird.

Dennoch blieb er der Strippenzieher, der Zampano, der alles entschied. Zwei Heimspiele blieb er fern, dann tauchte er wieder auf, verteilte Blumensträuße an Aktive, übernahm manchmal auch das Mikro der Stadionsprecherin Gunilla Pajkull und verhandelte mit Agenten und Beratern über neue Einkäufe und Verträge, die seine Schöpfung Tyresö zur Nummer 1 in Europa machen sollten.

In den Medien tauchte seit 2012 aber nur noch der Vereinsvorsitzende Hans Lindberg auf. Der 71-Jährige Lindberg, selber Unternehmer wie Löfgren, war auch mal Bürgermeister von Tyresö und hat nach wie vor Aufsichtsratsposten in einem guten Dutzend Firmen, darunter auch der ominösen Tyresö Fotboll AB, die sich gegründet hat, um eine wirtschaftliche Trennung zwischen der A-Mannschaft und dem Rest des Vereins Tyresö FF zu erzielen.

Nun ist die Tyresö Fotboll AB also mit 7,8 Millionen Kronen in der Kreise, hat Rekonstruktion beantragt und bewilligt bekommen. Muss alle Ausgaben in bar bestreiten und hat einen Verwalter vom Amtsgericht zugeteilt bekommen, der alles überwachen muss. Beantragt die Firma während der Rekonstruktionszeit, die nun maximal bis Anfang September 2014 dauern darf, die Abschreibung oder Teilabschreibung der immensen Schulden bei den Gläubigern, hat der schwedische Fußballverband nach § 21 seiner Wettbewerbsregeln für 2014 keine andere Wahl, als den Verein 2015 in die Elitettan zu schicken, die zweite Liga.

Sollte die Rekonstruktion der Tyresö Fotboll AB misslingen, muss die Firma Konkurs beantragen. Die Chancen auf eine Rekonstruktion angesichts der immens hohen Verbindlichkeiten, müssen wohl eher als gering eingeschätzt werden. Beim Scheitern der Rekonstruktion wird die Firma somit in den Konkurs geführt werden. Allerdings hat der schwedische Fußballverband somit, einen Monat vor dem Start der neuen Saison ein Riesenproblem, denn es wird nicht mehr gehen, die Mannschaft aus dem Spielbetrieb zu nehmen. Man fühlt sich an den Fall des Zweitligisten Dalsjöfors erinnert, der sich 2011 maßlos übernahm, während der Saison dann vom Konkursverwalter aus dem Spielbetrieb genommen wurde. Die Saison wurde mit elf statt zwölf Vereinen zu Ende gespielt, nachdem sich der aufgeblasene Tabellenführer nach der Hälfte der Saison ins Konkursverfahren verabschiedet hatte.

Nachdem wir aufgrund einer Spielerflucht und eher zweitklassiger Verstärkungen bislang Jitex BK als den ersten Abstiegskandidaten auf der Liste hatten, gesellt sich nun Tyresö FF als wahrscheinlich zweiter Absteiger hinzu, unabhängig davon, wie und mit welcher Mannschaft man 2014 abschneidet. Das ist noch Spekulation. Aber wer ist bereit, der Tyresö Fotboll AB jetzt 7,8 Millionen zu geben und den weiteren monatlichen Betrieb zu gewährleisten, mit allen Ausgaben für teils unverantwortliche Gehälter, Reisen zu Auswärtsspielen etc.?

Vergangenes Jahr präsentierte Tyresö wie immer vollmundig “den umfassendsten Sponsorenvertrag in der Geschichte des schwedischen Frauenfußballs”. Man hatte die Firma Prioritet Finans jetzt als fettgedruckten Namen auf den Trikots und auf beiden Seiten hinter den Toren. Der Besitzer der Firma, der nicht unumstrittene Unternehmer Nils Wiberg, sagte der Seite Fotbollskanalen von TV4: “Das kam wie ein Schock, ungefähr so, wenn man einen Hammer gegen den Kopf bekommt.”

Und er sagt weiter, dass seine Firma künftig Vorsicht walten lassen wird, wen man wie unterstützt: “In Zukunft werden wir die Sportvereine, die wir unterstützen mit der Lupe kontrollieren. Wir werden nicht mehr in verdammte Konkursmassen investieren. Wenn der Sport sich nicht am Riemen reißt, dann wird er viele Sponsoren verlieren.”

Die Gehälter in Tyresö sind dieser Tage öffentlich geworden. Ich hatte in diesem Blog einige genannt, aber inzwischen sind alle publiziert worden. Hans Löfgren sagte mir im Frühjahr 2010, dass Tyresös Konzept sei, keine besonders hohen Gehälter zu zahlen. Man setze viel mehr auf eine Kombination aus Fußball & Beruf oder Ausbildung plus Wohnung und wolle somit die Gehaltskosten überschaubar halten. Hier ist die Liste der aktuellen Gehälter in der Tyresö Fotboll AB:

1. Marta Vieira da Silva 168.000 Kronen/Monat (18.943 €)
2. Veronica Boquete 165.550 (18.667 €)
3. Caroline Seger 70.000 (7.893 €)
4. Fabiana 69.970 (7890 €)
5. Lisa Dahlkvist 39.000 (4.397)
6. Rilany 37.170 (4.191)
7. Tinja-Riikka Korpela 33.000 (3.721)
8. Thaisa 32.687 (3.685)
9. Christen Press 32.247 (3636)
10. Mayara 30.980 (3.493)
11. Madelaine Edlund, Linda Sembrant je 30.000 (3.382)
13. Line Røddik Hansen 25.000 (2.818)
14. Whitney Engen 20.000 (2.255)
15. Malin Diaz 15.000 (1.691)
16. Johanna Rytting Kaneryd 10.000 (1.127)

Die Trainer Tony Gustavsson (75.000 SEK / 8.456 €) und Peter Olsson (15.000 / 1.691) komplettieren die Liste, die also lediglich die Mannschaft umfasst. Das macht pro Monat 898 000 Kronen (101.258 €).

Alle diese Gehälter fallen aufgrund der Rekonstruktion unter die sogenannte “staatliche Gehaltsgarantie“. Das bedeutet, dass nicht die Tyresö Fotboll AB die Gehälter während der Rekonstruktion bezahlt, sondern der schwedische Steuerzahler, mit anderen Worten: auch ich finanziere derzeit Martas Gehalt…

Allerdings: Nach den Regeln der staatlichen Gehaltsgarantie werden niemandem mehr als 4 sogenannte Grundbeträge ausbezahlt. Der Grundbetrag für 2014 liegt bei 44.400 SEK. Mehr als insgesamt 177.600 SEK (20.026 €). Marta und Vero Boquete werden also keine zwei Monatsgehälter aus dieser staatlichen Garantie beziehen können, Caroline Seger und Fabiana keine drei, ebenso wie Trainer Tony Gustavsson. Das könnte bedeuten, dass die beiden Topspielerinnen des Vereins im Mai gratis beim Champions-League-Finale auflaufen?

Im Übrigen besagen die Regeln, dass im Falle einer positiv ausgehenden Rekonstruktion die Gehälter vom Arbeitgeber an den Staat zurückgezahlt werden müssen. Dagens Nyheter nennt diese Maßnahme “künstliche Beatmung”.

Simon Bank, einer der bekanntesten Sportjournalisten Schwedens und Sportchef bei Aftonbladet schreibt heute einen deutlichen Kommentar:

“Natürlich wäre es schön gewesen, zu sehen, wie eine Mannschaft den Weg von einem sympathischen Außenseiter aus dem Nirgendwo bis hin zur Greifweite europäischer Pokale geht. Auf der anderen Seite war es auch sympathisch, zu sehen, wie Johan Mühlegg Ski gelaufen ist, bevor er des Dopings überführt wurde.”

“Es ist nicht schade um Tyresö”, so Bank weiter. “Es ist schade um die anderen Vereine, die ihren Betrieb nach ihren Möglichkeiten gestaltet haben, Verantwortung für ihr Budget übernommen haben und schließlich von einer gelben, gedopten Lokomotive überholt wurden.”

Und kritisiert mit Recht, dass durch die staatliche Gehaltsgarantie jetzt sogar das fast perverse Faktum eintrete, dass die anderen Vereine und ihre Spielerinnen mit ihren Steuern die völlig uferlos gewordenen Einkommen Tyresös mitfinanzieren müssten.

“Die neuen Berichte aus Tyresö zeigen, wie die Vereinsverantwortlichen jedwede Verantwortung für den Verein über Bord geworfen haben für die Chance, sich im Glanz in Europa zu sonnen. Sportmoralisch gesehen ist das nichts anderes als kriminell. Es ist leicht zu sagen, dass sie verloren haben. Sie hätten nicht einmal spielen dürfen,” lautet das harte Urteil von Simon Bank.

Möglich, dass 2014 ein Team die Champions League gewinnt, dass dann 2015 bei seiner nächsten Champions League-Teilnahme mit einem wesentlich billigeren Kader in der zweiten Liga spielt.

Unterdessen hört man schon von anderen Vereinen hinter vorgehaltener Hand, dass sich völlig verunsicherte Spielerinnen Tyresös melden und fragen, ob man denn möglicherweise Interesse an ihnen hätte, falls das leckgeschlagene Schiff Tyresö doch schneller sinkt, als erwartet.

Man fragt sich auch, wieso der schwedische Fußballverband eigentlich nichts gemerkt hat, denn Tyresö FF hätte unter den gegebenen Voraussetzungen in der Damallsvenskan 2014 nichts zu suchen. Dennoch hat man die Lizenz bekommen, die nun nicht zurückzuziehen ist, ohne dass das gesamte Ligagefüge ins Wanken gerät.

 

 

 

 

 

 

 

 

Susan Varli macht Schluss

Susan Varli (links)

Susan Varli (links)

Susan Varli hat mit 22 die Fußballschuhe an den Nagel gehangen. Susan who? Varli war eine talentierte Spielerin mit Migrationshintergrund. Ihre Eltern sind Syrianer aus der Türkei. Das wird weiter unten noch Bedeutung bekommen. Varli spielte bei allen drei Stockholmer Traditionsvereinen: bei AIK, Hammarby und Djurgården. Verließ Hammarby vor ein paar Jahren gemeinsam mit Daniella Chamoun und Nazanin Vaseghpanah mitten in der Saison, da wurde viel geredet über die sheinbar Abtrünnigen, die obwohl unter Vertrag bei Hammarby den Rest des Jahres mit AIK trainierten und dann im Jahr drauf bei AIK spielten. Varli wurde dann 2012 bei AIK mitten in der Saison aussortiert, sie wechselte zu Djurgården und ging dann 2013 zu Hammarby in die zweite Liga.

Im Oktober 2012 als es richtig gut lief, debütierte Susan Varli in der U23-Nationalmannschaft für Schweden. Spielte gegen Norwegen, man lag 0:1 hinten und schoss dann beide Tore zum 2:1-Endstand für Schweden.

Damals trainierte noch Lillie Persson die U23, dann ging sie zu Pia Sundhage, Nachfolger wurde U19-Trainer Calle Barling.

Anfang 2013 als es darum ging, das U23-Team für das traditionelle Turnier in la Manga zu nominieren, war Varli Reserve, bekam einen Anruf von Barrling, den sie nun der Länstidning in Södertälje wiedergab.

Barrling soll gesagt haben, dass Varli ja mehr Möglichkeiten habe als andere. Schließlich habe sie türkische Eltern und könne ja auch für die Türkei spielen. Sie möge doch mal mit Leyla Güngör in Malmö Kontakt aufnehmen, die habe ähnliche Erfahrungen. Barrling hob in dem Gespräch angeblich auf die andere Mentalität Varlis ab und meinte, diese sei ja nicht wie “wir Schweden”.

Auf das Telefonat von der Zeitung angesprochen, sagte Calle Barling: “Das schreibst du nicht. Das sollst du wissen.”

Das klingt wie Nordkorea mitten in Schweden. Varli sagt, sie hätte nach dem Gespräch mit Barrling geweint, weil der sie quasi als unschwedisch bezeichnet habe und dies als einen der Gründe für ihre Nichtnominierung angegeben habe.

Spielerinnen mit Migrationshintergrund, so der Tenor des Artikels, hätten in Schweden so gut wie keine Chance. Wäre Zlatan Ibrahimovic ein Mädchen gewesen, so Varli, wäre er in Liga 5 steckengeblieben.

So ähnlich habe ich das 2012 auch von Nazanin Vaseghpanah gehört, die damals mir als erstem Journalisten mitteilte, dass sie mit dem Fußball aufhören würde. Ihr wäre immer gesagt worden, dass sie zu viel wolle, sagte “Naza” mir damals. Ihre Freundin Susan Varli benutzt eineinhalb Jahre später fast dieselben Worte.

Dass Varli, Vaseghpanah und Chamoun als Trio sicher nicht immer einfach in einer Mannschaft zu hantieren waren, habe ich von anderen Spielerinnen gehört, aus mehreren Quellen.

Dass ändert jedoch nichts daran, dass Barrling sich offenbar in dieser Angelegenheit alles andere als souverän und abgeklärt verhalten hat. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass man in den schwedischen U-Teams nicht aus der Masse heraustreten darf. Mädchen haben tüchtig (“duktig”) zu sein. Offenbar gehört leider auch dazu, dass man immer den Mund hält. Dass Barling auch der Journalistin von Länstidningen i Södertälje den Mund verbieten wollte, sieht nicht gut aus. Es stinkt zum Himmel, auch wenn jetzt Journalisten wie Anders Nilsson dem Fußballehrer zur Seite springen und bekunden, dass dies nicht der Calle Barrling sein könne, den Nilsson seit zehn Jahren kenne.

Testspiele

Auch am vergangenen Wochenende gab es wieder eine Reihe von Testspielen in Schweden und im Ausland unter Beteiligung schwedischer Mannschaften. Letztes Jahr habe ich die Ergebnisse aller Testspiele gesammelt, in diesem Jahr scheint mir das nicht mehr so sinnvoll, da die Aussagekraft solcher Tests sehr begrenzt ist und manchmal halbe oder ganze Mannschaften ausgewechselt werden, eine oder mehrere Leistungsträger aus welchen Gründen auch immer fehlen etc.

Vittsjö GIK schlug den Zweitligisten LB 07 mit 5:0. In einem Spiel zweier erstklassiger Mannschaften gewann Aufsteiger Eskilstuna United gegen KIF Örebro mit 2:1. Annica Svensson und Gaelle Enganamouit trafen dabei für Eskilstuna. Für Örebro die dritte Niederlage im dritten Testspiel, aber eben ohne seine ausländischen Leistungsträgerinnen, Sanna Talonen mal ausgenommen, die das zwischenzeitliche Führungstor schoss. AIK zeigte sich in Schusslaune, man schlug den guten Zweitligisten Kvarnsveden mit 6:0. Elin Sjölander, gerade mal 17 Jahre alt und Mitte letzter Saison aus Örebro gekommen, gelang dabei ein lupenreiner Hattrick in der zweiten Halbzeit.

Piteå siegte beim finnischen Erstligisten Merilappi United in Kemi mit 2:1. CL-Viertelfinalist Tyresö FF besiegte daheim den wie im Vorjahr schnell mal zum Testspiel angeflogenen Umeå IK mit 4:1. Dabei zeigte sich die gerade vor einer Woche zurückgekehrte Christen Press erneut in bester Torlaune. Nach drei Treffern gegen KIF Örebro legte sie gegen Umeå noch mal zwei hinterher. Vero Boquete und Lisa Dahlkvist trafen des weiteren für die Gastgeber. Umeå hatte durch einen Elfmeter von Linnéa Ågren vorübergehend ausgeglichen. Linköpings FC kommt mit zwei Siegen aus Finnland zurück. Nach einem 8:0 Kantersieg gegen den finnischen Meister Åland United gab es gestern in Eerikilä bei Helsinki ein 2:1 gegen das Hauptstadtteam von PK-35. Supertalent Stina Blackstenius und Emma Lennartsson schossen dir Tore für den Tabellendritten der letzten Saison.

 

 

Testspiele

Nur wenige Tage nach der 0:7 Niederlage gegen Linköping verlor KIF Örebro auch sein zweites Testspiel gegen einen Ligakonkurrenten. In Tyresö gab es ein 0:5, bei dem die gerade heimgekehrte Christen Press in der ersten Halbzeit einen Hattrick zur 3:0 Führung erzielte. Caroline Seger und Lisa Dahlkvist schossen die weiteren Treffer. Bei Tyresö gefiel neben Press insbesonders die Brasilianerin Rilany auf der rechten Abwehrposition mit Schnelligkeit, guter Technik und hervorragenden Flanken. KIF Örebro hat derzeit aber noch keinen Zugriff auf die kanadischen Nationalspielerinnen Stephanie Labbé und Marie-Eve Nault sowie die tschechischen Zwillinge Lucie und Irena Martinkova. Auch die Nigerianerin Sarah Michael ist noch nicht an Bord. Gestern wurde gerätselt, warum die Fünf in der so wichtigen Vorbereitung noch nicht dabei sind. Das kann rein finanzielle Gründe haben. Möglicherweise sind die Verträge erst ab einem späteren Datum gültig, um Geld zu sparen. Tyresö selber hat Press, Meghan Klingenberg und Whitney Engen gerade deswegen erst wieder seit dem 15.02. auf Leihbasis unter Vertrag.

Meister FC Rosengård ist in der Türkei im Trainingslager, sollte dort gegen einen türkischen Club spielen und bekam erst eine Stunde vor dem geplanten Spiel zu wissen, dass man stattdessen auf den kasachischen Meister BIIK Chimkent treffen würde. 5:2 für die Schwedinnen endete die Begegnung, in der die von Anfang an spielende Lisa Ek zwei Tore schoss und somit hoffentlich das Gespenst ihrer vielen Knieverletzungen nach anderthalb Jahren Reha vergessen machte. Amanda Ilestedt, Sarah Mellouk und Sarah Björk Gunnarsdottir schossen die übrigen Tore.

Am Wochenende gibt es ein Interview mit AIK:s neuem Innenverteidigerpaar Maija Saari und Malin Levenstad, das ich am Mittwochnachmittag gemacht habe.

Norwegischer Fußballverband unternimmt nichts im Fall Eide

In den letzten Wochen nach der Affäre um den norwegischen Trainer Øyvind Eide und den amtierenden Meister und Pokalsieger Stabæk hat der norwegische Fußballverband NFF unlängst erwartungsgemäß mitgeteilt, dass man nichts weiter unternehmen wird.

Das schrieb die lokale Osloer Zeitung Budstikka. “Wir sind froh darüber, dass der Ausschuss des norwegischen Fußballverbands zur selben Schlussfolgerung gelangt wie wie,” sagte denn auch Abteilungsleiter Lars Hjorth bei Stabæk. Dabei hat der Verein in der Affäre um Eide so gut wie nichts richtig gemacht.

Trainer Eide hatte Leni Larsen Kaurin (früher u.a. Turbine Potsdam und VfL Wolfsburg) nach Auffasung Kaurins wiederholt sexuell belästigt. Für mehrere der Annäherungsversuche Eides gegenüber Kaurin gab es Beweise, der Verein verschlampte angeblich versehentlich das wichtigste Beweisstück, den von Eide angerfertigten Gutschein über eine erotische Massage. Bereits vor dem Fall Eide hatte es in anderen Mannschaften des Vereins zwei weitere Fälle von sexueller Belästigung gegeben, ein Trainer wurde gar zu mehreren Monaten Haft verurteilt.

Der Fußballverband konstatierte nun in seiner Auswertung, dass sich Trainer Eide eindeutig unpassend und ungebührlich verhalten habe, dass dies aber nicht so gravierend gewesen sei, dass es zu Konsequenzen seitens des Verbandes führen würde.

Hjorth schloss mit der Bemerkung, dass Stabæk nun davon ausgehe, dass die Sache abgeschlossen und erledigt sei. Das ist es denn wohl auch juristisch. Aber der Ruf des Vereins ist schwer beschädigt und solange dort Øyvind Eide im Amt ist, solange sollten sich Eltern überlegen, ob sie minderjährige Töchter dorthin schicken wollen und solange sollten sich erwachsene Spielerinnen nicht zu nahe an den Mann heranwagen, der offenbar Schwierigkeiten hat, die Grenzen zwischen Dienst und Privatleben zu ziehen.

Testspiele

Selten gibt es in der Saisonvorbereitung ein Spiel zweier Teams der oberen Hälfte in der Damallsvenskan, das so deutlich endet. KIF Örebro empfing Linköpings FC und handelte sich eine in der Höhe doch leicht sensationelle 0:7 Klatsche ein. Neuzugang Kristine Minde aus Norwegen schoss zwei Tore, je einmal trafen Magdalena Ericsson, Venera Rexhi, Mariann Gajhede, Emilia Larsson und Pernille Harder.

Drittligist Mariebo IK verlor noch höher, 0:13 gegen Kopparberg/Göteborgs FC. Dabei trafen Manon Melis und Sara Lindén jeweils drei Mal. Andrine Hegerberg und Marlene Sjöberg erzielten je zwei Tore, die restlichen drei Volltreffer konnten Anna Ahlstrand, Lieke Martens und Cathrine Dyngvold verbuchen.

Nach eineinhalb Jahren Verletzungspause ist die 31-Jährige Lisa Ek endlich wieder auf dem Feld aktiv gewesen. Beim 2:0 Sieg von Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö) gegen den dänischen CL-Vertreter Fortuna Hjørring spielte Ek eine halbe Stunde. Rosengårds Tore schossen Anja Mittag und Natalie Svenssson.

Der von vielen als klarer Abstiegskandidat eingestufte Jitex BK unterlag gestern dem Zweitlisten Hovås Billdal mit 0:1. Schlimmer noch als das Ergebnis jedoch, dass sich Kapitänin Robyn Decker einen Kreuzbandriss zuzog und damit für den größten Teil der Saison ausfallen wird.

Nach der Finnin Linda Sällström ist Robyn Decker schon die zweite Spielerin mit einem Kreuzbandriss alleine in der Saisonvorbereitung. Sällström hatte sich beim Trainingslager ihrer Vereinsmannschaft Linköpings FC in Thailand vor wenigen Wochen den dritten Kreuzbandriss (!) innerhalb von nur zwei Jahren zugezogen.

Testspiele

Am Wochenende wurden trotz des Länderspiels in Amiens mehrere Testspiele mit Beteiligung der Damallsvenskan ausgetragen. Sieben Teams waren auf dem Feld bzw. (in Luleå) in der Halle.

KIF Örebro – IFK Norrköping 1:0

Kopparberg/Göteborgs FC – Hovås Billdal 3:0

Eskilstuna United - Åland United (FIN) 3:0

Piteå IF – Umeå IK 1:0 (in Luleå)

FC Rosengård - LB 07 6:0

Jitex BK – Halmia 4:0

Testspiele

Am Wochenende fanden mehrere Testspiele für die in zwei Monaten beginnende Damallsvenskan statt.

Meister FC Rosengård fuhr nach Deutschland und verlor beim Bundesligisten Turbine Potsdam deutlich mit 1:4. In der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen, in der zweiten Halbzeit dominierten die Gastgeberinnen deutlich, berichtete mir Turbines neue Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir, die in den ersten 45 Minuten spielte. Führung für den Gast durch Katrin Schmidt, Potsdam drehte den Spieß um nach Toren von Stefanie Draws, Asana Nagasato, Genoveva Anonma und Jennifer Zietz um. Rosengårds Trainer Jonas Eidevall sagte Sydsvenska Dagbladet, dass man sich in einer intensiven Trainingsphase der Vorsaison befände, während Potsdam mitten in der Saison sei. Außerdem habe man auf einige wichtige Spielerinnen verzichten müssen. Es sei aber wichtig für sein Team, innerhalb des letzten Jahres so viele europäische Spitzenmannschaften getroffen zu haben.

Bei Tyresö fehlten die drei amerikanischen Nationalspielerinnen und Marta, die zu einem Benefizspiel in der Schweiz ist. Trotzdem hatte man nicht die geringste Mühe das finnische Topteam FC Honka mit 5:0 zu schlagen. Vero Boquete gelang ein Hattrick, Malin Diaz und Madelaine Edlund schossen die weiteren Tore. Edlund ließ eine Reihe guter Chancen liegen, heißt es aus Tyresö.

Kopparberg/Göteborgs FC gewann seine beiden Testspiele in Dänemark gegen Brøndby und Fortuna Hjørring. Dabei erzielte Sara Lindén insgesamt drei, Manon Melis zwei Treffer.

Kurznachrichten

Nach einem Jahr in Kristianstad wechselt die Abwehrspielerin Elin Borg zurück nach Stockholm, aber zum Zweitligisten Djurgården.

Josefine Öqvist hat ihre Teilnahme am Länderspiel gegen Frankreich am 8. Februar absagen müssen. Für sie wurde Josefin Johansson voin Piteå IF nachnominiert.

Julia Spetsmark verlässt erwartungsgemäß Absteiger Sunnanå SK und unterschrieb einen Vertrag bei KIF Örebro.

Vom finnischen Meister Åland United kommt Karolin Pettersson zum Mölndaler Club Jitex BK, eine dringend notwendige Verstärkung eines immer noch eher unroutiniert aussehenden Kaders.

 

Richard Jansen: “Es ist Lüge, dass ich das nicht ernst genommen haben soll”

In der unseligen Affäre um den norwegischen Spitzenclub Stabæk hat gestern auch der Sportchef des Vereins der Zeitung VG ein Interview gegeben. Es war Richard Jansen, dem sich Leni Larsen Kaurin im Dezember 2013 anvertraut hatte und dem sie advon berichtete, von Cheftrainer Øyvind Eide sexuell belästigt worden zu sein.

Jansen übergab Leni auch den Gutschein für eine “erotische Massage mit Happy-End”, den sie von Eide bei einem gemeinsamen Abendessen nebst einem Strauß roter Rosen bekommen hatte. Nun stellte sich heraus, dass Richard Jansen den Gutschein verschlampt haben will. Aufgrund eines Büroumzugs könne er das Papier nicht mehr finden.

Jetzt wendet sich Jansen in heftigen Worten gegen die ehemalige Spielerin: “Es ist Lüge, zu behaupten, dass ich das nicht Ernst genommen hätte. Wir haben sogar vereinbart, wie wir weiter verfahren würden. Ich sollte mich mit Øyvind treffen. Das tat ich auch ganz nach Absprache und teile Leni per SMS mit, dass das geschehen sei,” so Jansen zu VG.

“Dann sollte sie mit mir Kontakt aufnehmen, es sollte darum gehen, was der Verein  sagen sollte, wenn sie aufhört. Nach 13 Tagen erinnerte ich sie daran, da hatte sie noch nicht geantwortet.”

Und den “Gutschein” betreffend erklärt Jansen in dem Interview: “Ich hatte keine Absicht, das Ding zu verschlampen. Ich habe viel Zeit aufgewendet, die Karte wieder zu finden. Nicht zuletzt, weil Leni den Inhalt schlimmer darstellt als was er war. Ich fragte sie bei unserem Treffen, ob ich die Karte behalten könne, um ihm damit zu konfrontieren. ‘Ja’, antwortete sie. Es schien mir, dass das eine Kopie war und dass si9e nach wie vor das Original hatte. Im Übrigen weiß ich, dass Øyvind weiterhin das Geschenk hat, das er von Leni bekommen hat: nämlich eine Massagemaschine.”

Lisa Marie Woods, die mit ihrem Blogpost alles öffentlich ausgelöst hatte, berichtete inzwischen, dass sie von rund einem Dutzend Fußballspielerinnen kontaktiert worden sei, die ähnliche Dinge wie Leni Larsen Kaurin erlebt hätten. In ihrem Blog erzählt Woods auch davon, dass sie Nachrichten bekommen habe, in denen sie aufgefordert wurde, mit ihren Posts aufzuhören, sonst würde man Geschichten über sie veröffentlichen.

Jorunn Sundgot-Borgen, Professorin an der norwegischen Sporthochschule in Oslo sagte dem norwegischen Fernsehen NRK, dass sie glaube, dass es künftig jungen Frauen und Männern, die Ähnliches wie Leni Kaurin erlebt hätten, noch schwerer fallen würde, über das Erlebte zu berichten. Wenn man sieht, wie man im Verein mit dieser Geschichte umgegangen sei, som Sundgot-Borgen, dann würde man sich vermutlich nicht mehr seiner Vereinsführung anvertrauen.

Im Gespräch mit VG sagte Stabæks Vorsitzender Espen Moe etwas Interessantes: “Ich unterstreiche, dass wir nur die Lage bei Stabæk untersucht haben, nicht die Anklagen, die in anderen Zusammenhängen gegen ihn geäußert wurden.”

Andere Anklagen gegen Eide? Gibt es also doch noch mehr und hat der Verein das außer Acht gelassen? Es gab in einem norwegischen Forum den Hinweis darauf, dass es schon zur Zeit Eides als Männertrainer von Kongsvinger Vorkommnisse gegeben habe.

Im Blog von Lisa Marie Woods gibt es Hinweise auf E-Mails und SMS. Habt ihr die gesehen? wird Moe von VG gefragt.

“Nein, das haben wir nicht.”

Habt ihr denn danach gefragt, die sehen zu dürfen?

“Das will ich nicht kommentieren. Das, was mit Kaurin in dem 2-Stundengespräch am letzten Dienstag herauskam, ist vertraulich,” sagt Espen Moe.