ffschweden im Gespräch mit Weltmeisterin Manjou Wilde

Manjou Wilde (Foto: Nora Kruse)

Manjou Wilde (Foto: Nora Kruse)

Deutschland fährt seit dem letzten Jahr auf einer großen Erfolgsspur. Die deutschen Frauen gewannen die Europameisterschaft in Schweden, die deutschen Männer wurden Weltmeister in Brasilien, die U19-Männer gewannen die EM in Budapest und auch die deutschen U20-Frauen kehrten kürzlich aus Kanada als Weltmeisterinnen zurück.

Für die schwedische Seite damfotboll.com habe ich mich vor ein paar Wochen mit der frisch gebackenen Weltmeisterin Manjou Wilde unterhalten. Da das sicher auch für deutschsprachige Leser interessant ist, kommt das Interview hier ungekürzt.

“Es dauert wirklich etwas, bis man sich an den Gedanken gewöhnt hat, dass wir Weltmeister geworden sind,” sagt Manjou, als ich sie in ihrer neuen Heimatstadt Freiburg in Süddeutschland erreiche.

Die 19-Jährige hat in allen sechs Spielen der deutschen Mannschaft jeweils von Anstoß bis zum Schlusspfiff auf dem Platz gestanden und somit einen deutlichen Beitrag zum WM-Titel geleistet. Zur vor kurzem begonnenen neuen Saison in Deutschland wechselte sie von Werder Bremen in der zweiten Liga nach Süddeutschland und zum SC Freiburg in die Bundesliga.

Warst du eigentlich vor dem Finale besonders angespannt?

“Ich war wirklich sehr nervös. Beim Aufwärmen war das noch so, aber als wir dann auf dem Platz standen und das Spiel losging, war das weg. Da hieß es nur noch durchatmen und spielen. Das Spiel gegen Nigeria war dann eigentlich genauso schwer wie wir das auch erwartet haben. Die Nigerianerinnen sind sehr athletisch und es gab im Turnier keine vergleichbare Mannschaft.”

Deutschland hat in letzter Zeit so viele Titel gewonnen, sowohl bei den Männern wie bei den Frauen. Ist das etwas, das euch beflügelt hat?

“Wir sind sicher alle sehr stolz, dass Deutschland so erfolgreich ist und natürlich hat auch unsere Mannschaft darüber gesprochen, aber wir haben unser eigenes Turnier in Kanada gespielt.”

Trainerin Maren Meinert hat mir einmal gegenüber den Erfolg der deutschen Teams gerade auch damit erklärt, dass die Mannschaften sich gegenseitig stimulieren und wenn eine Auswahl gewinnt, dann will die andere in nichts nachstehen. Erfolg generiert sozusagen Erfolg

Gegen Frankreich im Halbfinale (2:1) und gegen Nigeria im Endspiel (1:0 n.V.) war es dann ja auch sehr eng. Maren Meinert hat besonders auch die Französinnen nach dem Spiel sehr gelobt, war aber auch ungemein stolz auf euch. Warum gewinnt ihr diese engen Spiele am Ende doch?

“Naja, man muss sagen, dass wir in diesen knappen Partien sicher das nötige Quentchen Glück gehabt haben, um am Ende zu gewinnen. Aber da gehört siche auch viel mehr dazu und ich glaube, es ist unter anderem der Teamgeist, dass wir einfach niemals aufgeben und dass wir bereit sind, für jede andere Spielerin um jeden Meter auf dem Platz zu kämpfen, dass wir uns gegenseitig immer helfen.”

Wenn man den Namen Manjou Wilde googelt, findet man ziemlich schnell zu ihrer Facebook-Seite, die unglaubliche 10 003 “likes” hat, mehr als doppelt so viel wie Europameisterin Anja Mittags Seite (4892). Dem Gästebuch kann man entnehmen, dass Manjou Wilde auch schon lange vor der WM in Kanada viele Fans in allen Erdteilen hatte. Wie erklärst du dir das?

“Ich kann das wirklich nicht erklären,” antwortet sie. “Natürlich freue ich mich darüber, das auf meiner Seite zu lesen Ich bin glücklich und stolz, dass ich so viele Fans habe, aber warum das so ist, ich weiß es nicht.”

In der Ukraine gibt es einen Manjou-Wilde-Fanclub mit mehr als 400 Mitgliedern. Sollte die 19-Jährige auch den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen und sich in der Bundesiga etablieren, hat sie das Potential eines der neuen Gesichter des deutschen Frauenfußballs zu werden.

Was machst du außer Fußball, wie sieht so ein normaler Tag in Freiburg in deinem Leben aus?

“Ich denke darüber nach, zu studieren, aber im Moment ist es nur Fußball. Aber ich bin auch dabei meine Wohnung hier in Freiburg einzurichten, bin noch dabei Möbel auszupacken und aufzubauen. Wir trainieren hier 6-7 mal die Woche.”

Und warum der Wechsel nach Freiburg?

“Ich musste jetzt einfach von der zweiten in die erste Liga wechseln, um mich weiterzuentwickeln. Mein Ziel ist jetzt erst einmal, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen und mich dort auch zu etablieren. Die Konkurrenz auch in Freiburg ist groß. Aber ich habe mich für die Stadt Freiburg und für den SC entschieden, weil mir die Stadt sehr gefällt, sie passt zu mir und ich fühle mich hier wohl. Außerdem hat Freiburg eine sehr junge Mannschaft und hat immer wieder gut mit jungen Spielerinnen gearbeitet. Das hat man ja mit Melanie Leupolz gesehen, die jetzt nach vier Jahren in Freiburg nach München gegangen ist oder auch mit Sara Däbritz, die noch immer hier ist.”

An große, entfernte Ziele die die Olympischen Spiele in Brasilien 2016 oder die EM 2017 und die A-Nationalmannschaft denkt Manjou Wilde noch nicht. Sie sagt, dass sie jetzt erst einmal einen großen Traum verwirklicht hat und dass sie so weit noch nicht gedacht hat.

Was macht sie gerne in der Freizeit?

“Ich bin schon etwas modeverrückt und interessiere mich für schöne Klamotten, gehe gern mit Freunden aus, bin aber sicher kein Feiertyp. Als Profifußballerin muss man sich da sowieso etwas einschränken,” stimmt sie mir auf meine Frage zu, ob die notwendige Disziplin nicht manchmal schwierig ist. “Man denkt vielleicht ab und zu daran, dass man eben nicht alles machen kann und dass das schade ist, aber bei mir überwiegt der Spaß am Fußball so sehr, dass ich damit überhaupt kein Problem habe.”

Anja Mittag schiesst Rosengård zum Titel

Anja Mittag zu Beginn der Saison im Gespräch mit mir (Foto: Anders Henrikson)

Anja Mittag zu Beginn der Saison im Gespräch mit mir (Foto: Anders Henrikson)

Der FC Rosengård ist erstmals schwedischer Meister! Die Spielerinnen des ehemaligen LdB FC Malmö verteidigten am Donnerstag frühzeitig ihren Titel durch einen 3:2-Erfolg bei Kopparberg/Götebiorgs FC.

Lieke Martens erzielte beide Treffer für den Gastgeber, für den alten und neuen Meister trafen Anja Mittag (2) und Marta.

Für die deutsche Nationalspielerin waren es bereits die Saisontreffer 20 und 21 und nun führt die 29-Jährige die Torschützenliste mit zehn (!!!!) Toren Vorsprung auf Manon Melis an.

Rosengård marschiert

Niemand hatte vor Beginn der Saison den geringsten Zweifel daran, dass der schwedische Meister 2014 FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö) heißen wird. Auch der heimstarke Aufsteiger Eskilstuna United vermochte die Truppe von Marcus Tilly nicht zu stoppen.

Anja Mittag brachte ihr Team mit den Saisontreffern 18 und 19 auf die Siegerstraße, bevor Kirsten van de Ven (per Kopf!!) und Ramona Bachmann zum lockeren 4:0-Sieg abrundeten und das bei einem Gegner, der noch kein Heimspiel verloren hatte. Mittag führt die Torschützenliste jetzt mit sage und schreibe acht Treffern Vorsprung auf ihre ehemalige Mannschaftskameradin Manon Melis (Göteborg) und gar zehn Treffer vor den Drittplatzierten Jenny Hjohlman, Pernille Harder und Ramona Bachmann an.

Lange Zeit war KIF Örebro Zweiter in der Tabelle und schien sensationell auf einen Champions-League-Platz zu steuern. Aber gestern gab es bei Piteå eine 0:1-Niederlage und nun haben Linköping und Göteborg die besten Karten auf den begehrenswerten Silberplatz.

AIK schoss in der 88. Minute den Tabellenletzten Jitex Mölndal erwartungsgemäß in die zweite Liga, auch wenn die in 16 Spielen jeweils als Verliererinnen vom Platz gegangenen Göteborgerinnen bei vier Siegen in den letzten vier Spielen doch noch die Klasse erhalten könnten. 1:0 endete die mäßige Partie in Solna, die bei strömendem Regen ausgetragen wurde und wegen eines starken Gewitters für 15 Minuten unterbrochen werden musste.

Rosengård kann am Donnerstag mit einem Sieg gegen Göteborg schon das Meisterstück machen. Gähnende Langeweile in dieser Saison, was Platz 1 und den Abstieg anging. Denn nach dem ebenfalls erwarteten Ausscheiden Tyresös war klar, dass die Juniorinnen von Jitex dem einstigen Löfgren-Team folgen würden.

 

Schweden in Kanada

Fast zwei Wochen Pause hatten die Damallsvenskan und die Elitettan, da die europäischen Teams ihre letzten Qualispiele für die WM in Kanada im nächsten Jahr austrugen.

Dass Schweden seine beiden Spiele gegen Bosnien-Herzegowina und Schottland erfolgreich bestreiten würde, daran hat wohl niemand gezweifelt. Die Schottinnen hätten mit drei Toren Unterschied in Göteborg gewinnen müssen, um der fortgesetzten Qualifikation der vier besten Tabellenzweiten (meiner Meinung nach ein Unding, da die Gruppen nie vergleichbar sind) noch zu entgehen und die Tickets nach Kanada direkt zu lösen.

In Kanada sind nun lediglich zwei der fünf nordeuropäischen Länder dabei, obwohl das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 ausgeweitet wurde. Dänemark blamierte sich am Mittwochj  im Jokri Park im heimischen Vejle bis auf die Knochen mit einer peinlichen 0:1 Niederlage gegen den Frauenfußballzwerg Israel. Island konnte auch trotz zweier Heimsiege am Ende nicht einen der vier besten zweiten Plätze belegen, die an Schottland, Italien, die Niederlande und die Ukraine gingen. Schwache Finninnen hatten ihre Chancen auf einen dieser Plätze bereits im Juni verspielt, als man gegen ein allmählich stärker werdendes Österreich in Wien 1:3 unterlegen war.

Pia Sundhage tanzte am Mittwoch auf dem Rasen, nachdem Schweden Schottland erwartungsgemäß mit 2:0 geschlagen hatte. Lotta Schelin steuerte einen Treffer bei und liegt nun in der “ewigen” Torschützenliste ihres Landes gleichauf mit Hanna Ljungberg auf Platz 1. Beide haben 72 Länderspieltore.

Schelin imponierte vor einer Woche am Wahlsonntag in Schweden, den sie in ihrer Heimatstadt Göteborg verbrachte. In einer Pressekonferenz zwischen den beiden Länderspielen forderte sie alle auf zur Wahl zu gehen und Fremdenhass und Rasismus eine Absage zu erteilen. Ihr Herz schlage eher auf der roten Seite, aber sie habe keine Probleme damit, wenn jemand für die bürgerliche Regierung stimmen würde, solange man nicht für eine menschenverachtende rechte Alternative stimmen würde. Genutzt hat es leider nicht viel, denn die rechten “Schwedendemokraten” bekamen 13% und wurden drittstärkste Partei,

Acht Spiele später

Es war still im Blog, viele andere Sachen sind im Augenblick zu tun. Acht Spiele in der Damallsvenskan wurden seit dem letzten Post gespielt. Heute Nachmittag fahre ich zum Spitzenspiel der Elitettan zwischen Hammarby DFF und Sunnanå SK. Vorteil Hammarby, aber sollte Sunnanå gewinnen, nähmen die Nordschwedinnen Kurs auf Aufstiegsplatz Nummer zwei.

Aber zurück zur Damallsvenskan. Es besteht sicher immer noch kein Grund daran zu zweifeln, dass der FC Rosengård seinen ersten Meistertitel gewinnen wird, obwohl man seine Überlegenheit relativieren sollte. Oder lag es an Martas verletzungsbedingtem Fehlen gegen Linköping, dass es am Mittwoch in Malmö eine hochverdiente 2:3-Heimniederlage gegen den zweiten CL-Teilnehmer gab. Linköping hat damit beide Spiele dieser Saison gegen Rosengård gewonnen. Und eindrucksvoll unterstrichen, warum man Favorit gegen Liverpool sein dürfte. Am Mittwoch wollte der LFC gewinnen, Trainer Martin Sjögren, der Malmö vielleicht (noch) besser kennt, als Rosengårds Trainer Marcus Tilly, weil er es war, der 2010 nach langer Durststrecke den ersten Titel nach Malmö holte, hatte vor dem Spiel selbstbewusst gesagt, dass man noch eine Chance auf Platz 2 hätte, wenn man alle Spiele bis Saisonende gewinnen würde, inklusive der Begegnung auf dem Malmö IP. Drei Mal gingen die Gäste in Führung. Zwei Mal konnte Malmö ausgleichen, einmal durch einen zweifelhaften Foulelfmeter, nachdem Anja Mittag im Strafraum fiel, beim zweiten Mal durch Ramona Bachmann, die durch die gesamte Hälfte Linköpings lief und fünf Gegnerinnen wie Slalomstangen stehen ließ und den Ball dann an Katie Fraine vorbeispitzelte. Das Tor des Tages. Spielerin des Tages aber eindeutig die Dänin Pernille Harder. Wo Bachmann für meinen Geschmack oft noch zu ballverliebt ist und nicht abspielt, da hat die jüngere Harder längst die richtige Mischung gefunden  Passend, dass es ihr Nachschuss nach Fridolina Rolfös Versuch war, der das Spiel entschied. Überhaupt Rolfö. Die 20-Jährige köpfte das 2:1  und wirbelte Rosengårds Abwehr mehrfach durcheinander. Und man fragt sich, warum Pia Sundhage Rolfö nicht nominiert. Fast 1,80 groß, athletisch und dynamisch. Mit einem starken linken Fuß und immer wieder überraschenden Aktionen. So eine Spielerin hat Sundhage nicht im Kader. Warum sie unverdrossen an Sofia Jakobsson und Olivia Schough festhält, darüber kann man nur spekulieren. Sportliche Gründe gibt es nicht.

Linköping hatte schon vorher gegen Kopparberg/Göteborgs FC ein weiteres Spitzenspiel mit 2:1 gewonnen. Obwohl die bessere Mannschaft gewann profitierte man hier jedoch von einem eklatanten Schiedsrichterfehler. Denn die glänzend spielende Norwegerin Kristine Minde erzielte das 2:0 für Linköping mit dem halb ausgestreckten rechten Arm, mit dem sie einen Schuss unhaltbar für Loes Geurts abfälschte.

Erfreulicherweise ist der Kampf um Platz zwei nun die spannende Frage in der Liga, in der Rosengård wohl doch durchmarschieren wird. Örebro leistete sich einen Ausrutscher beim wiedererstarkenden Vittsjö und gewann dann aber gegen Kristianstad durch einen Treffer der Finnin Sanna Talonen. Und Göteborg holte einen 0:2 Rückstand daheim gegen Eskilstuna am Donnerstagabend auf und gewann durch ein Kopfballtor von Lisa Ek doch noch mit 3:2. Alle anderen Fragen in der Liga sind entschieden. Die Abstände zwischen oben und unten mehr als deutlich.

Zwischen Platz 6 (Kristianstad) und 7 (Umeå) liegen acht Punkte, auch wenn die komplette untere Hälfte ein Spiel weniger hat als die komplettere obere Hälfte.

 

 

 

 

 

Entschieden

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Acht Spieltage vor Ende der Damallsvenskan 2014 ist die Meisterschaft zumindest aus meiner Sicht entschieden. Am Dienstagabend gewann Tabellenführer FC Rosengård mit 1:0 beim Zweiten KIF Örebro und sicherte sich damit zunächst einmal einen komfortablen 9-Punkte-Vorsprung vor dem heutigen Gegner, der allerdings ein Spiel weniger hat. Den entscheidenden Treffer erzielte Marta in der 22 Minute nach Vorlage von Ramona Bachmann. Am Ende hätte Rosengård sicher noch einen Treffer machen können, wenn Bachmann oder Anja Mittag mhr Entschlossenheit im Abschluss gezeigt hätten. Das Spiel hätte aber durchaus auch unentschieden enden können. Örebro zeigte, warum es ein unangenehmer Gegner ist und kam auch selber zu einer Reihe von Chancen, obwohl die Nigerianierin Sarah Michael zunächst auf der Bank saß. Julia Spetsmark vertrat Michael 52 Minuten lang ausgezeichnet und sorgte immer wieder für Unruhe.Bei Rosengård wurden wieder Abwehrschwächen deutlich, die im großen internationalen Konzert bestraft würden. Fehler leisteten sich Torhüterin Kathrin Längert, die zur Klasse der im Sommer zurück nach Hause gezogenen Thora Helgadottir noch ein Stück Weg vor sich hat, Line Røddik Hansen, Lina Nilsson und selbst Anita Asante Lediglich Ali Riley war nahezu fehlerfrei. Dabei war es am Ende aber wohl Asante, die den Sieg rettete mit zwei klärenden Aktionen in der zweiten Halbzeit Einmal gegen Sarah Michael, als Michael zu Fall kam. Obwohl Asante wohl den Ball gespielt zu haben scheint, brachte sie die Nigerianerin aber auch ebenso deutlich zu Fall. In jedem zweiten Fall entscheidet ein Schiedsrichter hier auf Strafstoß. Am Ende aber bedeutet das 1:0 aber wohl die Vorentscheidung´. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier noch etwas anbrennen wird und gehe davon aus, dass Rosengård auch theoretisch schon einige Spieltage vor Schluss im Ziel ist.

KIF Örebro aber wird um Platz 2 spielen und hat gute Chancen auf einen Champions League Platz. Mit seinen begrenzten Ressourcen arbeitet Trainer Richard Nilsson optimal. Das Mittelfeldzwillingspaar Irene und Lucie Martinkova aus Tschechien, das schon vergangene Saison nach Schweden kam, ist eine der klügsten Verpflichtungen der letzten Jahre. Stephanie Labbé im Tor ist inzwischen eine Klassetorhüterin, spannend wird ihr Versuch, bei der WM im eigenen Land 2015 die kanadischen Farben zu vertreten. Die Finnin Annika Kukkonen hat nach einigen eher gescheiterten Versuchen in Malmö und bei den Absteigern Djurgården und Sunnanå endlich den richtigen Club gefunden. Und Sanna Talonen und Sarah Michael habe ich schon vor drei Jahren als eines der potentiell besten Stürmerpaare der Liga bezeichnet. Jetzt ist es soweit.

Auch 1:2 ist verloren. Jitex Mölndal BK holte sich im 14. Spiel die 14. Niederlage daheim gegen Aufsteiger Eskilstuna am Dienstagabend.

Bereits am Sonntag gewann Vittsjö im “Spiel um den neunten Platz” mit 2:0 bei AIK in Solna. AIK, das die Klasse nur erhalten wird, weil Tyresö sich zurückgezogen hat. Jitex ist mit 0 Punkten der unangefochtene Jumbo und könnte tatsächlich einen neuen Minusrekord aufstellen, wenn die restlichen acht Spiele auch noch verloren werden. AIK hat nur in drei von 13 Spielen Tore erzielt und am Sonntag wurde wieder deutlich, wie schwer man sich tut. Da gibt es durchaus einige begabte Spielerinnen und mit Emma Lundh ja eine schwedische und mit Maija Saari eine finnische Nationalspielerin, aber insgesamt reicht der Kader nicht für die erste Liga Dank Tyresö wird man aber dennoch drin bleiben in der Damallsvenskan, was spätestens im nächsten Jahr mit den voraussichtlichen Aufsteigern Mallbacken und Hammarby durchaus zu einem Qualitätsverlust führen könnte.

Vittsjö müsste eigentlich deutlich besser spielen, aber das Team brauchte mehr als eine halbe Stunde, um sich warm zu spielen und leistete sich in der verlängerten Aufwärmphase zahlreiche eklatante Abspielfehler und Missverständnisse. Dabei gibt es mit den drei schottischen Nationalspielerinnen Ifeoma Dieke, Hayley Lauder und Jane Ross wirklich Talente. Ross machte auch das 1:0 per Kopf und Emma Sjödahl ebenfalls mit dem Kopf erzielte den 2:0-Endstand. Antonia Göransson machte vor allem in der zweiten Halbzeit einen guten Eindruck auf der linken Seite, aber die vor zwei Jahren so famos aufspielende Kapitänin Sofie Andersson blieb relativ blass. Im Tor hat man mit der Finnin Minna Meriluoto eine der besten Torhüterinnen der Liga, die in ihrer Karriere mit Umeå Södra, Hammarby, Jitex und jetzt einem eher mediokren Vittsjö immer Vereine weit unter Wert verstärkt hat. Potential ist durchaus da beim Tabellenneunten, aber es wird schwer, sich wirklich nach oben zu verbessern, auch wenn das gut gestartete Piteå jetzt deutlich schwächelt. Am Sonntag leistete man sich daheim in der schwer zu erobendern LF-Arena eine 2:3 Niederlage gegen Kristianstad, für das die zurückgekehrte Amerikanerin Becky Edwards bereits ihren ersten Treffer erzielte.

Lösbare Aufgaben

Liver

Die Champions-League der Frauen beginnt Anfang Oktober und gestern wurde in Nyon sowohl die Runde der besten 32 und gleich auch mal schon das Achtelfinale gelost – für mich eine Unsitte, die sehr viel Spannung nimmt und im ungleich größeren Männerfußball undenkbar wäre.

Gesetzt wurde auch nur in der ersten der beiden Runden, trotz der katastrophalen Ergebnisse im vergangenen Jahr als etwa Turbine Potsdam in seinem Viertelfinale den Gegnerinnen aus Sardinien 16 Tore einschenkte. Solche Klassenunterschiede in der Runde der letztenAcht sollten vermieden werden, auch das die acht Tore vom dann erwartungsgemäß in Konkurs gegangenen schwedischen Vertreter Tyresö FF gegen Neulengbach im Viertelfinale zeigten, dass es noch keine sonderliche Leistungsdichte gibt.

Aberf die UEFA hat keine Konsequenzen gezogen – schon im Achtelfinale kommt es mit 99%-iger Wahrscheinlichkeit zum Aufeinandertreffen der beiden französischen und europäischen Topclubs Olympique Lyonnais und PSG.

Der schwedische Meister FC Rosengård (eigentlich hieß er ja LdB FC Malmö) trifft auf den russischen Vertreter Ryazan VDV, eine mehr als lösbare Aufgabe, geradezu ein Muss, hier weiterzukommen und zwar durch zwei souveräne Siege.

Ryazan, in Deutschland oft Rjazan geschrieben, liegt 200 km südöstlich von Moskau. Die Mannschaft besteht aus russischen und ukrainischen Spielerinnen, lediglich eine Weißrussin kommt zu den beiden Nationen hinzu. Die bekanntesten Spielerinnen sind die Russinnen Olga Petrova (letzte Saison kurz in Wolfsburg), Elena Danilova und Ksenia Tsybutovich, allesamt Nationalspielerinnen für Russland.

Schwieriger wird es dann wohl für Linköpings FC, den Dritten des Vorjahres in Schweden, der sich in Tyresö bedanken darf, dass man seine Mannschaft zurückgezogen hat, denn dem Reglement zufolge hätte Tyresö jetzt auch seine neue A-Mannschaft nach Europa schicken können. Die hat ein Durchschnittsalter von siebzehn Jahren und drei Monaten und liegt derzeit in der dritten Liga (Gruppe Södra Svealand) auf einem Abstiegsplatz. Vereinsvorsitzender Hans Lindberg hatte im Frühjahr zwischenzeitlich “gedroht”, dass man den Platz in der Champions League behalten könne, unabhängig davon, was mit der unbezahlbaren und unbezahlten ersten Mannschaft geschieht. Aber vermutlich hat der schwedische Fußballverband hier sehr nachdrücklich um Rückzug “gebeten”, denn eine Teilnahme des Drittligisten hätte dem schwedischen Fußball wohl sehr geschadet.

Gegner von Ersatzteam Linköping sind nun die Liverpool Ladies, der englische Meister von 2013. Zunächst geht es nach England und am 15./16.10. steht dann das Rückspiel in Schweden an. In der acht Mannschaften umfassenden englischen FA/WSL liegen die “Reds” derzeit auf Platz drei, zwei Punkte hinter Tabellenführer Birmingham City Ladies, der allerdings zwei Spiele weniger hat und also davonziehen könnte.

Nicht mehr im Kader von Liverpool ist die Schwedin Louise Schillgard (geb. Fors), die in diesem Frühjahr geheiratet hat und jetzt auch ein Baby erwartet. Ihr Einsatz wäre pikant gewesen, denn “Lollo” hat auch eine Vergangenheit in Linköping, wo sie 2012 noch aktiv war.

Mit Corina Schröder und Nicole Roiser wird Linköping auch auf zwei deutsche Spielerinnen treffen.

Hier die komplette Auslosung und mein Tip fürs Weiterkommen ist jeweils gefettet:

KKPK Medyk Konin (POL) – Glasgow City LFC (SCO)
60:40 für Konin, das in seiner Quali-Gruppe alle Gegner hinwegfegte

Ryazan-VDV (RUS) v FC Rosengård (SWE)
95:5 für Rosengård

ACF Brescia (ITA) – Olympique Lyonnais (FRA)
95:5 für Lyon

Clube Atlético Ouriense (POR) – Fortuna Hjørring (DEN)
10:90 für Hjørring

SK Slavia Praha (CZE) – FC Barcelona (ESP)
15:85 für Barcelona

Raheny United (IRL) – Bristol Academy WFC (ENG)
30:70 für Bristol

FC BIIK-Kazygurt (KAZ) – 1. FFC Frankfurt (GER)
1:99 für Frankfurt

Gintra Universitetas (LTU) – AC Sparta Praha (CZE)
5:95 für Prag

ŽNK Pomurje (SVN) – ASD Torres Calcio (ITA)
5:95 für Torres

Stabæk FK (NOR) – VfL Wolfsburg (GER)
10:90 für Wolfsburg

Apollon LFC (CYP) – Brøndby IF (DEN)
30:70 für Brøndby

MTK Hungária FC (HUN) – SV Neulengbach (AUT)
20:80 für Neulengbach

ŽNK Osijek (CRO) – FC Zürich Frauen (SUI)
10:90 für Zürich

Liverpool LFC (ENG)  – Linköpings FC (SWE)
35:65 für Linköping

FC Twente (NED) – Paris Saint-Germain FC (FRA)
5:95 für PSG

Stjarnan (ISL) v WFC Zvezda-2005 Perm (RUS)
30:70 für Zvezda

 

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Das Achtelfinale (mit den Tipps von ffschweden):

Zürich – Medyk Konin
70:30 für Zürich

Rosengård – Hjørring
85:15 für Rosengård

Paris – Lyon
60:40 für PSG

Wolfsburg – Neulengbach
95:5 für Wolfsburg

Linköping – Zvezda-2005
80:20 für Linköping

Barcelona – Bristol
70:30 für Barcelona

Frankfurt – Torres
95:5 für Frankfurt

Brøndby – Sparta
70:30 für Brøndby

 

 

ffschweden trifft (3): Madelaine Edlund

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Vor drei Monaten noch stand sie im Finale der UEFA Women’s Champions League in Lissabon und spielte mit ihrem Verein Tyresö FF gegen den VfL Wolfsburg. Doch sowohl das 3:4 gegen Wolfsburg wie auch die mit Stars gespickte A-Mannschaft von Tyresö ist längst Geschichte.

Als ich Madelaine Edlund traf, trug sie das Trikot ihres neuen Vereins Sunnanå SK, Tabellenfünfter der zweiten Liga, der Elitettan.

Ich war mit der 29-Jährigen verabredet, um von ihr selbst zu hören, warum sie den Schritt zurück vom europäischen Parkett in die nordschwedische Provinz getan hat und nicht etwa ihre Karriere in der Damallsvenskan oder im Ausland fortgesetzt hat.

“Ich habe mir überlegt, das ich einfach alles schon mehr oder weniger gemacht habe im Fußball,” sagte mir Madde Edlund nach dem 3:3 ihres Teams beim Tabellenvierten Djurgården in Stockholm.

“Ich habe in Umeå gespielt, stand drei Mal im Finale der Champions League und hab auch ein bisschen in der Nationalmannschaft gespielt. Ich habe wirklich das Meiste gemacht und ich bin nicht mehr so ganz jung, vielleicht sogar irgendwo am Ende meiner Karriere als Fußballspielerin. Und dann bin ich auch Mutter. Ich bin ja in Jönköping geboren, aber aufgewachsen bin ich in Skellefteå und wie du sicher weißt, habe ich die ersten Jahre für Sunnanå gespielt, bevor ich nach Umeå ging.”

In Umeå gewann Madelaine Edlund zwei Mal die schwedische Meisterschaft, bis der Club in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet. Marta ging zu Los Angeles Sol in die amerikanische Profiliga WPS und viele andere Spielerinnen verließen den Verein. Edlund und die Brasilianerin Elaine Estrela Moura folgten Marta in die USA und heuerten bei St. Louis Athletica an, eine Manschaft, die aber schon nach wenigen Monaten zurückgezogen wurde, weil ihr Eigentümer begriffen hatte, dass Frauenfußball ihm keine Gewinne verschaffen würde.

Der umtriebige Unternehmer Hans Löfgren holte Elaine und Madelaine nach Tyresö. 2012 holte Tyresö sein erstes und Madde Edlund ihr drittes Gold in der schwedischen Meisterschaft. Im alles entscheidenden Spiel Anfang November 2012 in Malmö verschoss Anja Mittag zunächst einen Elfmeter und vergab damit dkie große Chance auf die Vorentscheidung zugunsten der Gastgeber. Stattdessen war es Madde Edlund, die in der 81. Minute das Blatt wendete. Ihr 0:1 war das Tor des Tages und meisterschaftsentscheidend.

Mir scheint es, als ob du jetzt nach Hause gekommen bist, Madelaine?

“Sunnanå war immer in meinem Herzen,” antwortet Madelaine Edlund “Ich habe etliche Jahre in der Damallsvenskan gespielt und jetzt wollte ich zu einem Team, das durchaus in die Damallsvenskan aufsteigen will und ich wollte dabei sein, zu versuchen, das Team nach oben zu bringen. Denn der Ehrgeiz aufzusteigen, den gibt es hier.”

Was aber, wenn es Sunnanå tatsächlich gelingen sollte, aufzusteigen? Dann würde sich das Trainingspensum wieder erhöhen.

“Ich weiß nicht, was ich dann machen würde. Aber das hat bis nach dem Ende der Saison Zeit. Aber mir geht es in Skellefteå wirklich gut.”

Hast du lange überlegt, bis du dich entschlossen hast, diesen Schritt zurück zu machen?

“Nein, eigentlich gar nicht. Es war einfach. Ich habe eine Tochter und da hast du eine andere Perspektive auf das Leben. Ich bin im Ausland gewesen und habe so viel erlebt und gemacht, jetzt ging es darum, nach Hause zu kommen. Jetzt spielen andere Dinge in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle. Der Fußball ist nach wie vor wichtig, aber für mich ist das jetzt und hier ideal. Ich will wirklich was mit dieser Mannschaft erreichen.”

Ich frage Madelaine, ob das lange und schlimme Ende der Topmannschaft Tyresö FF für sie letzten Endes nicht irgendwo positiv war.

“Ja, so kann man das durchaus sehen,” stimmt sie mir zu. “Ich war halt gezwungen, mir etwas Neues zu suchen. Aber es ist schon merkwürdig, es ist alles nicht einmal drei Monate her und wir sind in alle Winde in der ganzen Welt verstreut.”

Ob die junge Familie in Nordschweden bleibt, hängt laut Madd Edlund vor allem davon ab ob sie und ihr Freund einen Job dort finden Madelaine ist von ihrem Arbeitsplatz in Stockholm beurlaubt und ihre Freund ist im Elternurlaub, hat seine Arbeit ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Aber allen gefällt es gut im Norden wo Madde wieder bei ihren Eltern wohnt, vorübergehend zumindest.

Sie gibt ein gutes Beispiel dafür, wie man eine Karriere allmählich würdevoll und klug abschließen kann Die großen Ambitionen sind nicht mehr da und teilweise auch erfüllt. Es gibt eine Zeit nach dem Fußball. Das sieht Madelaine Edlund ganz schmerzfrei und das imponiert mir

 

 

Ausgesprochen

Es war denn dann wohl doch zu brisant, was sich gestern nach dem Spiel Polen – Schweden zwischen Trainerin Pia Sundhage und Spielerin Kosovare Asllani abgespielt hat. Asllani beklagte sich Journalisten gegenüber, dass sie nicht spielen durfte und sagte unter anderem, dass sie wohl gespielt hätte, wenn sie einen gewissen anderen Namen hätte und singen und tanzen würde (gemeint war Ex-Bayern-Spielerin Olivia Schough).

Sundhage wurde noch im Stadion von Journalisten darauf angesprochen.

Der schwedische Fußballverband beschloss, die Sache schnell zu lösen und schon im Hotel gab es ein Gespräch zwischen Trainerin und Spielerin und spät am Abend dann eine Nachricht auf der Homepage des Verbands: ‘Sundhage: “Es war ein gutes Gespräch.”‘

“Die Fragen, die ich nach dem Spiel bekam, erstaunten mich. Das führte zu einem Gespräch mit Kosse und es war ein gutes Gespräch,” so Sundhage.

Die PSG-Stürmerin selber wird zitiert: “Es war gut, mit Pia zu reden. Bei mir haben Gefühle die Oberhand bekommen. Jetzt haben wir das geklärt.”

Das klingt, bei aller Liebe zu Sundhage und Asllani, wie vom Pressereferat ausgedacht, um der Öffentlichkeit eine Einheit vorzuspielen, die so doch nicht existieren kann.

Asllanis Äußerung in Richtung Schough ist damit nicht aus der Welt. In der Tat gibt es seit längerem kritische Stimmen, die Nominierungspraxis der Trainerin betreffend. Kritische Stimmen, zu denen auch dieses Blog zählt.

Es ist in der Tat unverständlich, warum eine Handvoll Spielerinnen trotz alles andere als überragender Leistungen jedes Mal nominiert und gar aufgestellt wird, während junge Talente mal ein- dann wieder ausfgeladen werden und keine klare Perspektive für sich sehen.

Die Kaderzusammensetzung ist mittlerweile auch häufiger Gesprächsthema unter Spielerinnen der Damallsvenskan. Erfahrene Spielerinnen können durchaus einschätzen, welche Nominierungen unverständlich sind und sich fragen, warum andere Spielerinnen einfach nicht nominiert werden. Ich habe in letzter Zeit selber mehrfach erlebt, dass Spielerinnen mich (?!)  gefragt haben, ob ich ihnen erklären könnte, warum Spielerin X oder Spielerin Y jedes Mal in die Nationalmannschaft berufen würde. Das ist kein gutes Signal und der jüngste Eklat sollte beim Trainerteam zu Nach- und Umdenken führen, denn es gilt, das beste Team nach Kanada zu schicken.

Asllani sauer trotz 4:0-Sieg

Erwartet einfach gestaltete sich das drittletzte WM-Qualispiel der schwedischen Nationalmannschaft. Mit einem ungefährdeten 4:0-Sieg kam dabei die Equipe von Pia Sundhage dem Ziel Kanada 2015 einen weiteren Schritt näher.Lotta Schelin hatte in der ersten Halbzeit das Spiel schon nach acht Minuten im Prinzip entschieden, Treffer von Schelin, Kosovare Asllani und Linda Sembrant machten dann in der Nähe von Gdansk noch eine klare Sache draus.

Nun bleiben noch Spiele gegen Bosnien-Herzegowina und Schottland in Göteborg Mitte September. Sollten die Schwedinnen aus diesen Begegnungen mindestens vier Punkte holen, dann sind sie für die WM direkt qualifiziert.

Aber trotz des Erfolgs kam es zum Eklat. Denn nach dem Spiel zeigte sich PSG-Stürmerstar Kosovare Asllani sauer darüber, dass sie nicht von Anfang an spielen durfte.

“Wenn ich anders heißen würde und gelacht und getanzt hätte, dann hätte ich wohl von Beginn an gespielt,” so Asllani nach dem Spiel. Eine deutliche Anspielung auf die heute überraschend von Anfang an eingesetzte Olivia Schough, die nach Aussage von Sundhage im Training den besseren Eindruck gemacht hatte.

Kosovare Asllani ging noch weiter und sagte auch, dass sie glaube, dass Sundhage ein persönliches Problem mit ihr habe. “Da ist was zwischen uns und das ist seit einer Weile so. Es ist ein Fragezeichen. Bei der WM will man ja dabei sein, aber danach müssen wir weitersehen.”

Pia Sundhage zeigte sich von der unerwarteten Kritik Asllanis überrascht. Sie lobte die in Paris spielende Stürmerin auch für ihren Einsatz in der zweiten Halbzeit und meinte, das Gesagte müsse für Asllani stehen. Sundhage sagte weiter, sie glaube nicht, dass es vor den letzten beiden Spielen eine Spaltung in der Nationalmannschaft geben werde.

Aber der deutliche Seitenhieb Asllanis auf Schough wird zumindest das Binnenverhältnis der beiden Spielerinnen nicht gerade verbessern.

Dass Pia Sundhage wie gewohnt mit jungen Spielerinnen umgeht, nämlich Supertalent Marija Banusic wie erwartet nicht einmal auf der Bank sitzen durfte, ist typisch. Vermutlich wird die 18-Jährige auch gegen Bosnien und Schottland gar nicht wieder nominiert. Das Ein- und Ausladen ist seit geraumer Zeit gängige Praxis.

Wichtiger ist es jedoch, dass sich Pia Sundhage und Kosovare Asllani zusammensetzen und ihre Probleme bereinigen. Denn die Spielerdecke der ersten Garnitur ist dünn und Asllani gehört definitiv dazu.

 

 

Linköpings FC gewinnt den schwedischen Pokal

Vor 1.200 Zuschauern in der heimischen Linköping Arena gewann der LFC am Donnerstagabend das Finale um den schwedischen Pokal mit 2:1 gegen Kristianstads DFF.

Ein hochverdienter Sieg, an dem es nichts zu deuteln gibt. Allerdings ist auch der Kader Linköpings wesentlich besser als der des wirtschaftlich arg gebeutelten Gastes. Mit der Dänin Janni Arnth Jensen und der Portugiesin Claudia Neto von Beginn an bot Trainer Martin Sjögren gleich zwei der vier Neuverpflichtungen aus der Sommerpause auf. Beide boten eine gute Partie und besonders Neto wusste durch brillante Technik und gute Spielübersicht zu gefallen.

Dennoch begann das Spiel denkbar schlecht. Charlotte Rohlin gab ihr Comeback in der Innenverteidigung und nach drei Minuten war klar, warum Pia Sundhage sie (noch?) nicht in den Nationalmannschaftskader berufen hat. Rohlin vertändelte den Ballin der Mitte der eigenen Hälfte gegen Susanne Moberg, die mit einem Ball in die Tiefe Marija Banusic bediente. Die 18-Jährige, die gerade wieder mal in den Nationalmannschaftskader berufen wurde, lief ein paar Schritte und spielte dann der herauseilenden amerikanischen Torhüterin Katie Fraine den Ball überlegt und eiskalt durch die Beine ins Tor.

Das hätte ein sehr schweres Spiel für den Gastgeber werden können, wenn es Kristianstad gelungen wäre, die eigenen Reihen zu schließen. Aber keine drei Minuten später leistete sich Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl einen kapitalen Fehler. Pernille Harder hatte die 20-Jährige Fridolina Rolfö in Szene gesetzt und im Nachsetzen gelang Rolfö der Ausgleich als Lindahl sträflich ihr kurzes Eck vernachlässigte.

Überhaupt war Rolfö eine der stärksten Akteure in der ersten Halbzeit und verschwand dann zunehmend in der Wärme des Abends. Mir selber hatte sie vor eineinhalb Wochen noch genau das gesagt, dass sie physisch arbeiten müsse, um ein anfangs sehr hohes Tempo auch über 90 Minuten durchhalten zu können. Junge Talente müssen kontinuierlich an die Nationalmannschaft beim nächsten Mal wieder nicht berücksichtigt werden, sagte TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Frida Östberg (früher Umeå IK und Linköpings FC) in der Pause und übte damit für schwedische Verhältnisse recht offene Kritik an der Nominierungspraxis von Pia Sundhage; ganz in dem Sinn, in dem ich mich hier auch schon vor wenigen Tagen geäußert habe.

Rolfö war gegen England dabei, bekam keine Minute Spielzeit. Jetzt ist Banusic gegen Polen dabei und vermutlich wird es ihr ebenso ergehen wie Rolfö zuletzt. Schön, dass beide Youngster am Donnerstagabend das Spiel mit ihren Toren eröffneten.

Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich der Gastgeber viele Chancen, die Lindahl teils mit großartigen Reflexen auf der Linie verhinderte. Da machte sie ihren Fehler aus der sechsten Minute mehrfach wieder gut.

In der zweiten Hälfte, als Linköping dann noch einen Gang höher schaltete, dann wieder ein Lindahl-Fehler und die Entscheidung. Pernille Harder, die allmählich wieder zu ihrer Großform zurückfindet (Vertrag läuft Ende 2014 aus für alle, die an einer der wohl besten Spielerinnen ihres Alters in Europa interessiert sind...), spielte sich auf der linken Seite durch und schoss aus spitzem Winkel aufs Tor und Hedvig Lindahl boxte den Ball fast genau vor die Füße der schräg vor ihr auftauchenden zweiten von drei Däninnen in der Startelf Linköpings, Marianne Gajhede Knudsen, die das Spiel dann entschied.

Kristianstad wechselte nur einmal aus, Trainerin Elisabet Gunnarsdottir wusste sicher auch, dass sie auf der Bank niemanden mehr hatte, der dem Spiel eine entscheidende Wendung hätte geben können. Linköping hatte alles im Griff und gewann hochverdient den Pokal zum vierten Mal. Abermals lieferte Innenverteidigerin Mia Carlsson eine tolle Partie ab.

In einem Spiel der Damallsvenskan am Donnerstagabend schlug Kopparberg/Göteborgs FC Piteå mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Lisa Ek in ihrem Comeback für Göteborg bereits nach drei Minuten. Piteås Torfrau Hilda Carlén soll die beste Spielerin auf dem Platz gewesen sein und weitere Treffer Göteborgs, in der auch Maren Mjelde ihren Pflichtspieleinstand im defensiven Mittelfeld gab, verhindert haben.

Die Tabelle:

ffschweden trifft (2): Fridolina Rolfö

FridolinaAm Sonntag trifft die schwedische Nationalmannschaft in Hartlepool auf England. Vorbereitungsspiel für die im Herbst anstehenden WM-Qualispiele gegen u.a. Polen und Schottland.

Zwei Debütanten hat Pia Sundhage im Aufgebot: Elin Wahlström und Fridolina Rolfö. Da ich das Wochenende in Linköping war, habe ich mich mit der 20-Jährigen U19-Europameisterin von 2012, Fridolina Rolfö getroffen.

In Schweden ist es dieser Tage wesentlich wärmer als normal. Die Temperaturen im östlichen Landesteil stiegen Ende letzter Woche auf über 30 Grad und das staatliche metereologische Institut SMHI gab sogar erstmals eine Hitzewarnung heraus.

Am letzten Freitag nahm Champions-League-Teilnehmer und Pokalfinalist Linkpings FC das Training wieder auf und Fridolina kam pünktlich von zwei Woche Urlaub in Griechenland zurück. Als wir uns Samstagmittag in einem ihrer Lieblingscafés in der Mitte Linköpings trafen, lag bereits eine Traningseinheit hinter ihr, eine weitere Laufeinheit stand bevor.

Wie trainiert man bei diesen fast schon tropischen Temperaturen, wollte ich wissen?

“Naja, eigentlich nicht anders als sonst. Es kann ja sein, dass wir bei der Hitze auch mal spielen müssen,” sagt Fridolina. Natürlich mache man häufiger Trinkpausen als sonst. So richtig sagt ihr das heisse Wetter aber für das Training nicht zu. “Die Füsse werden sehr heiss und man kriegt auch Blasen.”

Dass die Westschwedin jetzt im Kader von Sundhage dabei ist, war für einige überraschend, für andere überfällig. Rolfö hat alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen und mit dem Wechsel vom Abstiegskandidaten Jitex zum Topclub Linköping einen klugen und wichtigen Schritt getan.

Es gab mehrere Angebote, verrät sie mir, aber sie habe gesagt, wenn Linköping dabei sein sollte, dann “nehmen wir das” und so gab es keine weiteren Verhandlungen, zumal Fridolina in Schweden bleiben wollte.

2012 war ein sehr guter U19-Jahrgang für Schweden. Die nicht erfolgsverwöhnten Blaugelben unter der Leitung von Calle Barrling holten sich ausnahmsweise den Titel in der Türkei mit einem 1:0 Sieg über Spanien. Einige der Europameisterinnen von vor zwei Jahren haben inzwischen den Weg nach Linköping gefunden. Die Abwehrspielerinnen Jennie Nordin und Magdalena Ericsson etwa, aber auch Torhüterin Lina Ringshamre (die allerdings gerade zu Hammarby in die zweite Liga gewechselt ist). Junge, entwicklungsfähige Spielerinnen sind überhaupt das tragende Konzept in Linköping geworden. Die “Chaos”-Saison vor zwei Jahren als man mit viel Geld und teuren Spielerinnen wie Manon Melis, Nilla Fischer und Lisa DeVanna ganz nach oben strebte, die individuellen Charaktere aber nicht geordnet bekam, wurde abgelöst von einer anderen Strategie, kombiniert mit (Malmös) Meistertrainer Martin Sjögren, der an einem tollen Team bastelt, in dem vergangenes Jahr die Dänin Pernille Harder die beste Torschützin war, in der aber vor allem die Niederländerin Renée Slegers im zentralen Mittelfeld in den Olymp der besten Spielerinnen der Liga aufstieg.

Mit Spielerinnen wie Nordin, Ericsson und nicht zuletzt auch Rolfö versucht man eine langfristige Topmannschaft aufzubauen. In diesem Jahr lief nicht alles so rund, Linda Sällströms Kreuzband riss zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren und auch Star Pernille Harder hatte mit einem Ermüdungsbruch zu laborieren. Aber dank Tyresös Rückzug aus allen Wettbewerben steht Linköping nun in der Champions League und wird dort sogar gesetzt. Am 7. August gibt es überdies daheim das Pokalfinale gegen Kristianstad. Für Fridolina läuft es rund.

Und so ist die 20-Jährige auch guter Dinge. Der Salat, den sie sich in der Trainingspause gönnt, zeugt davon, dass man ihr von guter Ernährung nichts mehr erzählen muss.

“Ich hatte eine gute Frühjahrssaison,” sagt Fridolina. “Ich fühle mich bereit für die Nationalmannschaft, ich denke das wird sehr viel Spass machen. Aber es war auch eine Riesenüberraschung, als ich erfuhr, dass ich dabei bin. Pia Sundhage hatte versucht mich anzurufen, aber ich war in Urlaub in Griechenland und ihre Nachricht landete auf meiner Mailbox. Direkt erfahren habe ich es deshalb von Amanda Ilestedt, die mich anrief und mir eine SMS schickte.”

Pia Sundhage verbindet Nominierungen neuer Spielerinnen oft mit einer Reihe von Kommentaren für die Medien. In Rolfös Fall hiess es, dass sie einen exzellenten linken Fuss habe, sehr oft für Überraschungen gut sei, dass sie aber ihr Tempo erhöhen müsste

“Ich finde es gut, dass sie sehr klar und deutlich sagt, was sie denkt,” meint Fridolina. “Mir hat sie das bisher noch nicht gesagt, ich kenne das nur aus den Medien, aber sie hat Recht. Ich muss an meiner Physis arbeiten. 60 Minuten schaffe ich ohne Problem, aber auch in den restlichen 30 Minuten muss ich hohes Tempo gehen können. Auch am ersten Touch kann ich noch arbeiten. Das will ich auch tun.”

Fridolina Rolfö macht einen gesetzten, reifen Eindruck, sie hat das System viele Jahre lang durchlaufen und bringt eine gehörige Portion Disziplin mit. Als sie in den vergangenen Jahren bei Jitex in Göteborg spielte, hatte sie bei dem stets in der unteren Tabellenregion spielenden Club am Ende eine tragende Rolle. Das hat sich in Linköping geändert, wo sie nun mit Stars wie Charlotte Rohlin oder Pernille Harder zusammenspielt. Aber Rolfö bleibt auf dem Teppich und ist sich ihrer Rolle bewusst.

“Sicher hatte ich eine grössere Rolle bei Jitex, aber das das anders sein kann, wusste ich schon aus den verschiedenen Nationalmannschaften. Ich habe sowohl Verantwortung übernehmen dürfen wie auch eine von allen anderen sein können. Ich finde es eigentlich nur gut, wenn andere mehr Raum bekommen, dann kann ich ohne Druck spielen und vielleicht überraschen.”

In einem zwei Jahre alten Interview, da war sie 18, hat Fridolina gesagt, dass sie sich in der Freizeit eigentlich nicht für Fussball interessiere.

“Das ist irgendwie falsch rüber gekommen damals. Aber alle Leute, die über mich recherchieren, lesen das jetzt. Ich schaue mir sicher nicht jedes Fussballspiel an, aber die schwedische Nationalmannschaft Männer wie Frauen immer und auch von der WM jetzt habe ich einiges gesehen Wir hatten in der Mannschaft auch einen grossen Tippwettbewerb, haben alle Spiele getippt, da musste man schon den Durchblick haben.”

Mit Deutschland habe wirklich die beste Mannschaft gewonnen, sie hatte auch auf Deutschland getippt, sagt sie. “Mir hat der moderne Fussball bei dem Turnier sehr gefallen. Viele Mannschaften spielen sehr schnell und sind voll auf die Zuückeroberung des Balles eingestellt

Kann man beim Frauenfussball etwas lernen vom Männerfussball ider ist das völlig tabu?

“Ja natürlich kann man was lernen. Wenn man die Ganzheitsperspektive hat, sich die Lösungen und die Systeme anschaut. Ich erinnere mich daran, dass Martin [Sjögren; LInköpings Trainer] uns vor einem Spiel gesagt hat, wir sollten uns ganz besonders anschauen, wie die Kolumbianer sich den Ball zurückholen.”

Die anderen in der A-Nationalmannschaft kennt sie nicht alle, zunächst sollte sie sogar die einzige aus Linköping sein, aber da Elin Rubensson absagen musste, kam Magdalena Ericsson ins Team. Gemeinsam mit Lotta Schelin zu tranieren, das wird schon was, sagte sie mir, schliesslich habe man ja gerade Lotta schon seit vielen Jahren verfolgt.

Fridolina Rolfö ist schon die nächste Generation hinter Lotta Schelin, die dieses Jahr 30 Jahre alt wurde. Therese Sjögran ist 37 und denkt nicht ans Aufhören. Sara Thunebro hat ihre Rücktrittspläne vergangenes Jahr verschrottet und will mit nun 35 um einen WM-Platz kämpfen. Aber mit Rubensson und Ericsson, Diaz, Hurtig, Marija Banusic und eben Fridolina Rolfö klopft die nächste Generation schon an die Tür.

 

 

Wieder ohne Asante

14820660203_586b8ee146_kWenn England am Sonntag in Hartlepool auf Schweden trifft, wird Rosengårds Klassespielerin Anita Asante abermals nicht dabei sein. Trainer Mark Sampson strich die 29-Jährige, als er aus seinem 23er-Kader 18 Spielerinnen auswählte. Verletzt ist die Abwehr- und Mittelfeldspielerin nicht, erzielte am Mittwoch noch ein Tor in Umeå für Rosengård Aber offenbar hat sie bei dem neuen Coach schlechte Karten, denn so überragend ist das Angebot englischer Klassespielerinnen keineswegs, als dass man auf Asante verzichten könnte oder sollte.

Absage von Olivia

Olivia Schough musste ihre Teilnahme am Länderspiel Schweden gegen England, für das sie nachträglich nominiert worden war leider am Mittwoch absagen. Die 23-Jährige in Diensten des russischen Ersligisten Rossiyanka besitzt derzeit nur ein Visum, das zur zweimaligen Einreise nach Russland berechtigt. Sie hat aber bereits beide Einreisen “verbraucht” und kann daher Russland erst dann verlassen, wenn sie das beantragte Arbeitsvisum bekommt.

Pia Sundhage nominierte anstelle von Schough Schnell die ehemalige Potsdamerin Antonia Göransson (Vittsjö) nach.

Rosengård gewinnt in Umeå

Heute, am 30.07. begann in Schweden die Herbstsaison, wie sie hier genannt wird, der zweite Teil der diesjährigen Serie der Damallsvenskan.

Zum Auftakt empfing Umeå Tabellenführer Rosengård, der durch Tore von Anja Mittag und Anita Asante erwartungsgemäss seinen Vorsprung in der Tabelle auf KIF Örebro auf nun drei Punkte ausbaute. Marta wurde wegen einer Verletzung zunächst auf der Bank geschont und gab dann etwas mehr als 20 Minuten vor Schluss ihr Debüt für den nun dritten schwedischen Verein ihrer Karriere.

Den Gegentreffer besorgte Megatalent Lina Hurtig, ebenfalls eingewechselt.

Es war nicht nur Martas Debüt, Auch das von Trainer Marcus Tilly, Linksverteidigerin Line Röddik Hansen und Keeperin Kathrin Längert.

Als Marta in der 70. Minute eingewechselt wurde, gab es grossen Applaus vom Umeåer Publikum. Vor gut elf Jahren hat hier die Weltkarriere der Brasilianerin begonnen. In ihrem ersten Einsatz sah man, dass das Zusammenspiel noch nicht optimal ist, sie bekam nur wenig Bälle.