Malmö wieder vorn

Malmö hat Tyresö nach vier Runden die Tabellenführung abgeluchst. Mit einem 2:1 in Umeå am Sonntag (Siegtreffer durch Neuzugang Yoreli Rincon) setzte sich der Vizemeister dank der mehr geschossenen Tore an die Tabellenspitze. Dabei flog Therese Sjögran nach zwei gelben Karten vom Platz.

Ereignis des Tages aber wohl die Stadioneröffnung in Linköping. Das neue Stadion für die Europameisterschaft gebaut wird Heimstatt für Linköpings FC sein. Freier Eintritt und schönes Wetter und eine Rekordkulisse von 5300 Zuschauern, vermutlich ein Saisonrekord, den keiner in der Liga überbieten wird. Und wieder sorgte Örebro für eine Überraschung, lag 2:0 in Führung, ehe am Ende die Abwehrspielerinnen Charlotte Rohlin und Magdalena Eriksson noch für das dritte Unentschieden in Folge für Linköping sorgten.

Und Mallbacken strafte mich Lügen. Nachdem ich am Samstag nach dem neuerlichen Debakel Sunnanås noch behauptete, dass beide Aufsteiger sang- und klanglos absteigen würden, gewann das Team sein zweites “Heimspiel” in Munkfors mit 3:0 gegen das bislang starke Piteå.

Aber auch trotz dieses sporadischen Erfolgs kann ich so recht nicht daran glauben, dass Mallbacken mit seinem bescheidenen Kader in der Liga bleibt.

Kreuzbandriss Nummer 6: Hanna Petterssons Knieschmerzen aus einem Training vor dem Spiel in Mallbacken rührten von einem gerissenen Kreuzband her. Saison zu Ende. Auch diese Saison werden wohl wieder 20-25 Spielerinnen mit dieser Diagnose von Magnetröntgenuntersuchungen nach Hause kommen.

Örebro und Malmö gleichauf

Ja, den Tipp, dass KIF Örebro gegen den Abstieg spielt und sogar in die Elitettan absteigt, den können wir hiermit einstampfen. Nach dem dritten Spieltag hat das Team nämlich schon sieben Punkte und liegt damit gleichauf mit LdB FC Malmö an der Spitze der Liga. Besser gesagt, knapp dahinter.

Vittsjö gastierte in der Behrns Arena in Örebro und nach sechs Minuten lag man durch zwei Tore durch die von Tyresö gekommene Helén Eke mit 0:2 hinten. Zur Halbzeit stand es 1:3, dabei blieb es dann.

Dass Aufsteiger Mallbacken in Malmö keine Chance haben dürfte, das sahen die Spielgesellschaften alle so mit entsprechend extrem niedrigen Quoten auf einen Sieg Malmös. Es wurde kein Kantersieg, den manche erwartet hatten, aber beim 3:0 durch Treffer von Sara Björk Gunnarsdottir, Anja Mittag und Katrine Veje ließ Malmö nichts anbrennen.

 

Nach Runde 2

Noch steht das Lokalderby zwischen den beiden Göteborger Teams (heute Abend) auf einem Fußballplatz außerhalb Göteborgs (weil Jitex’ trotz gegenteiliger Versprechungen seiner Heimatgemeinde Mölndal noch kein funktionsfähiges Stadion hat) aus.

Und nach zwei Spieltagen sollte man keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen. Aber gestern Abend kam LdB FC Malmö mit einem dunkelblauen Auge in Piteå davon. Zwar ging man durch Anja Mittag mit 1:0 in Führung und alles schien seinen Gang zu gehen, aber das Spiel der Südschwedinnen mit großer internationaler Verstärkung war alles andere als meisterlich. Ein grober Schnitzer der eingewechselsten Therese Sjögran, die den Ball vor die Füße von Sofie Persson im Strafraum stolperte brachte den Ausgleich. Persson drosch sofort knallhart drauf und Thora Helgadottir hatte nicht den Hauch einer Chance. Dann ging Piteå gar noch durch Victoria Forsmark in Führung. Zwar griff Malmö daraufhin immer wieder an, aber Piteå blieb bei Kontern gefährlich.

Am besten bei Malmö gestern: Katrin Schmidt, die enormen Einsatz im zentralen Mittelfeld leistete, viele Bälle gewann und am Ende auch dicke Chancen hatte. Ihr Kopfball wurde von Piteås Lydia Williams mit einer fantastischen Parade zur Ecke gelenkt.

Den Ausgleich erzielte dann die eingewechselte Kathleen Radtke. Die bekam den Ball an der Strafraumkante und zog in der 93. Minute ab.

Aber trotzdem gingen die Spielerinnen aus Malmö alles andere als zufrieden vom Platz, denn man hat schon sehr früh zwei Punkte verloren, die am Ende, wenn abgerechnet wird gegen Tyresö, bitter fehlen dürften.

Ramona Bachmann im Gespräch

RamonaGestern war ich, wie schon berichtet, auf dem Presseauftakt der Damallsvenskan und hatte Gelegenheit, mit ein paar Spielerinnen etwas länger zu reden.

Ramona Bachmann ist schon sowas wie eine alte Bekannte für mich. Das erste Interview mit der hochtalentierten Schweizerin habe ich tatsächlich schon 2007 gemacht, als Ramona damals gerade 16 Jahre alt war und vom damals besten europäischen Fußballclub Umeå IK geholt wurde.

Inzwischen hat Ramona nach ein paar Jahren in Umeå auch ein Jahr in den USA bei Atlanta Beat verbracht, dann wieder ein brillantes Jahr in Umeå (2011) gespielt, wo sie zur besten Spielerin der Liga gewählt wurde. Seit letztem Jahr ist sie für LdB FC Malmö aktiv.

Die Schweiz hat gerade vor einer Woche mit dem 3:1 gegen ein wiedererstarkendes Norwegen einen sehr wichtigen Sieg vor der bald schon wieder anstehenden WM-Qualifikation errungen.

“Wir haben jetzt endlich mal ein gutes Resultat bekommen”, sagt Ramona Bachmann. “Wir haben in Zypern wirklich schon sehr gut gespielt, haben gegen Finnland auch ein gutes Resultat geholt, bei den anderen Spielen haben wir einfach die Tore nicht erzielt, aber wir haben viele Chancen rausgespielt. Jetzt hat sich wirklich einiges geändert, auch mit Martina Voss als unserer neuen Trainerin.”

Was hat Martina Voss geändert?

“Sie hat einfach etwas Neues mitgebracht. Beatrice [von Siebenthal; ffschweden] war, ich glaube sieben Jahre Trainerin, sie hat einen guten Job gemacht, aber es brauchte halt wirklich etwas Neues. Martina kommt schon mit der deutschen Mentalität, die bei einigen von uns in der Schweiz manchmal fehlt.”

Was meinst du damit? Härteres Training, ist sie strenger?

“Nein, sie ist selbstbewusster. Wir haben auch ein neues Spielsystem, das sehr gut zu uns passt. Dadurch schaffen wir viele Chancen, wir müssen vielleicht defensiv etwas stabiler werden. Schade, dass wir nicht bei der EM dabei sind. Wir haben richtig gute Spielerinnen, Ana-Maria Crnogorcevic, Sandy Maendli, Vanessa Bernauer, Lara Dickenmann sowieso und einige, die noch nicht so bekannt sind, aber ein hohes Niveau haben.”

Die Qualifikation zur WM 2015 in Kanada, die bald ausgelost wird, ist natürlich für die knapp an der EURO gescheiterten Schweizerinnen ein großes Ziel, zumal es bei der nächsten WM und 24 Ländern zwei zusätzliche Plätze für Europa geben wird.

Kommen wir mal zu Malmö, in der Vorbereitung habt ihr nicht nur gegen Lyon die ersten beiden Wettkampfspiele verloren, sondern auch jeweils 1:2 bei Bröndby und dem 1.FFC Frankfurt. Nicht so gut?

“In der Vorbereitung schaut man ja nicht unbedingt nur auf das Resultat, sondern man will auch das Team zusammenbringen. Da kann schon mal ne Niederlage passieren. Wie dann auch gegen Lyon haben wir einfach zu viele individuelle Fehler gemacht. Die werden natürlich gegen so gute Gegner gleich ausgenutzt.”

Vorhin habt ihr (in Stockholm sind auch Trainer Jonas Eidevall und Sara Björk Gunnarsdottir dabei) gesagt, dass Lyon akzentuell besser ist, der Abstand aber nicht riesengroß ist. Ich habe beide Spiele gesehen und finde trotzdem einen Klassenunterschied.

“Lyon ist ein Team, das jetzt schon mehrere Jahre zusammenspielt, das sieht man auch. Die spielen ja auch fast alle in der französischen Nationalmannschaft zusammen. Das fehlt uns sicher auch noch.”

Sowohl bei Tyresö wie auch bei Malmö könnte man sagen, dass die Offensiven hervorragend besetzt sind, es aber in der Abwehr Verbesserungspotential gibt. Was sagst du dazu?

“Es ist auf jeden Fall so, dass wir offensiv sehr gut besetzt sind. Wir haben manchmal zu viele individuelle Fehler in der Defensive, die müssen wir minimieren, sonst kann das auch von Tyresö oder Göteborg ausgenutzt werden.”

Aber: Ziel ist und bleibt die Meisterschaft?

“Ich denke, das ist absolut möglich mit dem Team, das wir haben und mit den Leistungen, die wir letztes Jahr gezeigt haben. Das haben wir uns selber ein bisschen versaut, die letzte Saison zu gewinnen. Wir müssen uns nicht vor Tyresö verstecken.”

Diese Vorlage mit dem “selbst versauen” muss ich natürlich ausnutzen. Ramona Bachmann hat im vorletzten Spiel der Saison 2012 in Umeå durch zweimaliges absichtliches Handspiel in der ersten und zweiten Halbzeit die gelb-rote Karte gesehen. Hätte Malmö das Spiel gewonnen, hätte man die Meisterschaft vorzeitig gesichert. So endete das Spiel von 10 gegen 11 mit 1:1 und Tyresö konnte im Schlussspurt noch das bereits sicher als Meister geltende Malmö abfangen.

Du hast ja selber diese beiden Handspiele in Umeå gemacht. Denkst du daran noch manchmal zurück, wenn du über 2012 reflektierst?

“Es war natürlich sehr enttäuschend und einfach dumm. Ich konnte mir das ja selber nicht erklären und kann es jetzt auch noch nicht erklären. Das einzige, was mir einfällt, ist, dass ich vielleicht übermotiviert war, das war ein sehr spezielles Spiel und es ging um sehr viel und dass das im Unterbewusstsein Reflexe ausgelöst wurden, aber es bringt ja nichts, sich den Kopf zu zerbrechen über das, was passiert ist. Wir haben das ausdiskutiert und für mich ist das wichtig, das ich was daraus lerne.”

Du giltst schon immer als jemand, der ein heftiges Temperament auf dem Platz haben kann.

“Was mir halt auffällt, ist, dass es in den Spielen, wo es um viel geht, da komme ich manchmal negativ in die Schlagzeilen. Ich hab viel mit dem Mentaltrainer gearbeitet und ich bin halt in manchen Situationen übermotiviert, weil ich zu viel will und dann das Hirn mal ausschaltet und ich schon mal dumme Sachen mache. Aber ich bin schon viel ruhiger geworden, aber es darf natürlich einer Weltspielerin auf diesem Niveau nicht passieren.”

Ramona Bachmann ist trotz der großen Erfahrung, die sie hat, erst 22 Jahre alt und ich bin sicher, dass sie in ihrer mentalen Einstellung noch viel besser werden wird. In ihren besten Momenten und Spielen ist die Schweizerin für mich eine der weltbesten Stürmerinnen.

Am Sonntag geht es am ersten Spieltag der Saison gegen Jitex, ein Team, das als sehr physisch gilt. Was denkst du darüber?

“Jitex ist bekannt dafür, die sind sehr athletisch und spielen einen aggressiven Fußball, das wissen wir und ich denke, gegen solche Teams ist es vor allem wichtig, dass wir den Ball laufen lassen und gar nicht zu sehr in die Zweikämpfe reingehen, dass sie gar nicht spüren, dass sie uns nahe kommen können.”

Zum Schluss noch eine Frage zu Yoreli Rincon, eurem kolumbianischen Neuzugang, der man fantastische Technik nachsagt. Was macht sie für einen Eindruck?

“Rincon ist eine sehr junge Spielerin mit sehr viel Potential, tolle Ballbehandlung. Was bei ihr ganz einfach wichtig ist, denke ich, ist, dass sie sich erst einmal findet. Ich kann mich relativ gut in sie hineinversetzen, weil ich dasselbe durchgemacht habe, als ich mit 15 nach Umeå kam. Das ist eine schwere Zeit, aber es stärkt”

 

 

 

Frankreich – Schweden 12:1

DSC05586Zählt man die beiden Begegnungen des Champions-League-Viertelfinals zusammen, dann haben die fanzösischen Mannschaften vier Siege und 12:1 Tore gegen die beiden schwedischen Teams LdB FC Malmö und Kopparberg/Göteborgs FC eingefahren.

Auch das letzte Aufeinandertreffen dieser Viertelfinalsuite gestern Abend auf dem Malmö IP endete mit einem letztlich souveränen 3:0-Sieg von Oympique Lyonnais. Dabei hatte sich der schwedische Vizemeister etwas vorgenommen. Wollte sich rehabilitieren für das 0:5 aus Frankreich. Trainer Jonas Eidevall hatte sein Team auf lediglich zwei Positionen umgestellt: Katrine Veje kam für Elin Rubensson und Amanda Ilestedt für Paula Radtke. Beide Veränderungen verbesserten die Qualität. Lyon begann verhalten, sah den Ausflug ins bitterkalte Schweden (Temperatur um den Gefrierpunkt, aber eisiger Wind) wohl vor allem als notwendiges Trainingsspiel. Lotta Schelin äußerte sich auch nach dem Spiel dahingehend, dass man die erste Halbzeit zu passiv gespielt habe. Malmö hatte Chancen. Meist war Katrine Veje daran beteiligt. Aber das Tor und den Beweis seiner Klasse – den lieferte der Titelverteidiger. Camille Abily spielte einen tödlichen Pass zwischen Ilestedt und Kapitänin Malin Levenstad und Lotta Schelin schaltete auf Turbo, zog den beiden Landsfrauen spielend davon und plazierte den Ball fast schon lässig arrogant, aber vor allem eiskalt an der herauseilenden Thora Helgadottir vorbei zur Führung.

In der zweiten Halbzeit steigerte sich Lyon dann und übernahm immer mehr die volle Kontrolle über das Geschehen. Megan Rapinoe wurde wieder eingewechselt (wie im Hinspiel) und schoss den Ball an die Querlatte. Die Fernsehaufnahmen zeigen mehr als deutlich, dass das Leder NICHT hinter der Linie war, aber es stand dennoch 2:0, weil es keine Torkameras gibt und die Linienrichterin sich sicher war. Aber es gab auch schon keine großen Proteste mehr. Malmö ergab sich jetzt seinem Schicksal. Das 3:0 lag am Ende in der Luft und es kam auch nach einem Kopfball von Wendie Renard.

Die Interviews waren leider nicht möglich, weil die UEFA jegliche Medienaktivitäten (außer Fernsehen) auf dem Platz verbietet und weil Malmö auch über keine Mixed Zone verfügt. Die Spielerinnen beeilten sich, in den Bus zu kommen. Pflicht erfüllt. Das Interesse an diesem Spiel war aber auch enttäuschend gering: Nur 1.256 Zuschauer wollten die beste Mannschaft Europas, vielleicht der Welt sehen. Und auch von den Medien war zwar das schwedische Fernsehen mit Live-Übertragung da, aber außer der Pflichtbesetzung von Sydsvenska Dagbladet waren nur wenige Journalisten und noch weniger Fotografen gekommen, zwei davon Fans aus Deutschland, die den weiten Weg nach Schweden in dieser unwirtlichen Jahreszeit gemacht hatten, um sowohl Göteborg wie auch Malmö zu sehen und zwischendurch noch ein Spiel in Kopenhagen zwischen Bröndby und Hjörring.

Winter in Malmö gefährdet Rückspiel

Einem Bericht der Regionalzeitung Sydsvenska Dagbladet zufolge könnte es passieren, dass Malmö IP als Austragungsort des Rückspiels zwischen LdB FC Malmö und Olympique Lyonnais (Hinspiel: 0:5) nicht in Frage kommt. Da der Kunstrasen in Malmö nicht beheizt wird, soll er sich angeblich in schlechtem Zustand befinden.

Sportchef Niclas Carlnén sagte der Zeitung, dass die Stadt jedoch versprochen habe, den Platz bis Mittwoch hinzubekommen. Mittwoch, weil dann Lyon das Recht hat, auf dem Platz zu trainieren. Im schlimmsten Fall müsste das Spiel auf Naturgras im Malmöer Stadion stattfinden, wo eigentlich die Männer von Malmö FF am Mittwoch und Donnerstag trainieren wollen. Oder auf dem Kunstrasen in Borås, rund 200 km weiter nördlich, aber da hat man noch nicht angefragt,

Frankreich stärker als Schweden

Eines ist an diesem Champions-League-Mittwochabend deutlich geworden. Zwischen den Spitzenclubs der französischen Liga und der Damallsvenskan gibt es einen deutlichen Unterschied. Zählt man beide Spiele zusammen landen wir bei einem Torverhältnis von 6:0 für Lyon/Juvisy gegen Malmö/Göteborg, aber wenn man sieht, dass die Schussstatistik für Göteborgs Spiel ein deutliches 11:1 für die Gastgeber ausweist, dann ahnt man, dass Kristin Hammarström im Tor ein tolles Spiel gemacht hat (sie boxte einen Elfmeter gegen den Pfosten und hielt mehrere andere Schüsse) und dass die Französinnen insgesamt deutlich überlegen waren.

Selber sah ich lediglich das Spiel Olympique Lyonnais – LdB FC Malmö am Computerbildschirm. Und Lyon war noch deutlicher überlegen, als ich das angenommen hatte. Nach den beiden Toren von Elodie Thomis und der überragenden Lotta Schelin brach der Widerstand Malmös zusammen.

Zu offensiv hatte Neutrainer Jonas Eidevall sein Team gegen die wohl beste Vereinsmannschaft der Welt aufgestellt. Gegen Lyons pfeilschnelle und spielstarke Offensivkräfte offensiv agieren zu wollen und damit seine Defensivkräfte immer wieder 1:1 Situationen auszusetzen, denen sie nicht gewachsen sind, das kam sportlichem Selbstmord gleich. Jonas Eidevall hat nach dem Spiel trotzig behauptet, dass sei schon die richtige Einstellung gewesen. Nein, das war es nicht.

Lara Dickenmann hatte auf der linken Seite sehr leichtes Spiel mit Nationalspielerin Lina Nilsson, das müsste eine Alarmglocke bei Pia Sundhage ausgelöst haben. Symbolisch irgendwie, als Dickenmann Nilsson den Ball zwischen die Beine schob und ganz einfach an ihr vorbeispazierte. Es war nicht die einzige Szene. Als dann Lyon auswechselte und Megan Rapinoe (was für eine Einwechslung!!) für Dickenmann kam, wurde es nicht gerade besser für Schwedens erste Wahl auf der rechten Abwehrposition.

Neuverpflichtung Kathleen “Paula” Radtke musste von Beginn an ran, weil Jugendeuropameisterin Amanda Ilestedt wegen leichter Verletzung nicht neben Malin Levenstad spielen konnte. Leider stellte sich heraus, dass man vom USV Jena kommend im Viertelfinale der Champions League gegen das weltbeste Team vielleicht doch nicht richtig am Platz war. Radtke war an einigen Toren der Gegnerinnen beteiligt und hatte auch mit Fehlpässen im Aufbauspiel, die zu sofortigen schnellen Angriffen Lyons führten nicht unmaßgeblichen Anteil an der hohen Niederlage.

Aber ihr den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre ungerecht und würde es nicht treffen. Lediglich Sara Björk Gunnarsdottir hat mir an diesem Abend gefallen. Die Isländerin wuchtete sich wie gewohnt mit vollem Einsatz in die Zweikämpfe und stemmte sich gegen die Übermacht an – vergeblich.

Der entscheidende Punkt ist neben der völlig verfehlten Taktik aber auch die Personalpolitik Malmös. Man hat vor der Saison mit Manon Melis und Yoreli Rincon zwei weitere Spielerinnen für die Offensive geholt, die mit Anja Mittag, Ramona Bachmann, Elin Rubensson schon stark besetzt war, in der Abwehr allerdings hat man keine Weltklassespielerin verpflichtet.

Die Viererkette bestehend aus Nilsson, Ilestedt, Levenstad und Ali Riley ist international bei allem Respekt bestenfalls durchschnittlich. Da nützt es wenig, wenn dahinter mit Thora Helgadottir eine der besseren Torhüterinnen der Welt steht. Das haben wir am Mittwoch gesehen, wie selbst das Tor einer Weltklassefrau beinahe zur Schießbude gerät, wenn der Mannschaftsteil vor ihr hoffnungslos überfordert ist.

Nun hat Malmö sich für as Rückspiel vorgenommen, die mehr als 100 Spiele anhaltende Serie ohne Niederlage Lyons zu brechen. Ein sehr ehrgeiziges Vorhaben. Nicht zuletzt auch, weil nämlich die Abwehr der Französinnen Weltklasse ist und seit fast einem Jahr in der Champions League kein Gegentor mehr gefangen hat. Damals war es Bianca Schmidt mit dem 1:5-Ehrentreffer für Turbine Potsdam in Lyon. (In einer ersten Version dieses Artikels hatte ich irrtümlich zwei Jahre geschrieben. Siehe dazu den Kommentar.)

Malmö verliert zum zweiten Mal in acht Tagen und üble Verletzung in Göteborg

In den letzten Tagen bin ich wenig dazu gekommen, hier aktuell zu sein. Zuerst war ich in Kalmar am Dienstag und Mittwoch und durfte unter anderem einen Blick in das völlig zugeschneite Stadion Guldfågeln Arena werfen, das dann im Juli Kalmar Arena heißen muss und in dem Deutschland auf Norwegen treffen wird.

Und am Donnerstag- und Freitagabend war ich auf Konzerten bei The Killers und Villagers, über die ich an anderer Stelle schreiben werde.

Heute dann habe ich Wache ei damfotboll.com geschoben, erstmals eigentlich, da meine Kollegen Thorsten Frennstedt (derzeit krank, gute Besserung!) und Anette Börjesson verhindert waren.

Wache schieben bedeutete heute, dafür zu sorgen, dass wir alle Ergebnisse von Testspielen reinbekommen, an denen Teams aus der Damallsvenskan und der Elitettan beteiligt sind. Und auch die Torschützinnen, was nicht immer einfach ist. Aber da muss ich mich bedanken bei den vielen Spielerinnen, die heute per SMS, Twitter, Facebookmail immer sehr schnell geantwortet haben. Toll! Das war eine neue Erfahrung, die aber wieder mal zeigt, dass der Frauenfußball eine recht kleine Szene ist.

Malmö spielte heute in Frankfurt. Ein echter Test vor dem Algarve-Cup im Vereinstrikot. Denn danach ist dann nur noch wenig Zeit zur Vorbereitung auf das Hinspiel bei Olympique Lyonnais am 20.03., gegen die scheinbar übermächtig starken Französinnen. Die gewannen am Abend ihr Spitzenspiel gegen Paris SG mit 3:0 und Lotta Schelin in Weltklasseform sorgte mit ihren beiden Toren für die Entscheidung.

Frankfurt schlug Malmö mit 2:1. Ich habe nach dem Spiel mit Erling Nilsson, dem Fußballverantwortlichen von Malmö gesprochen und später dann auch mit Anja Mittag. Beide waren zufrieden mit der Leistung. Individuelle Fehler hatten zu den Gegentoren von Kerstin Garefrekes und Tameka Butt geführt. Ramona Bachmann hatte den Anschlusstreffer gemacht und Sara Björk Gunnarsdottir die Latte per Kopfball getroffen. Anja lobte auch die Leistung von Frankfurts Torfrau Desi Schumann, die exzellent gehalten hätte. Erling Nilsson sagte, man habe Chancen gehabt, auszugleichen und sei in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft gewesen. Anja relativierte das etwas, weil sie einräumte, dass Frankfurt auch sicher etwas aus de Rhythmus gekommen wäre, da man oft ausgewechselt habe.

In Göteborg gewann Jitex gegen Falköping mit 5:0 und normalerweise würdet ihr das Ergebnis lediglich oben unter TESTSPIELE 2013 finden, aber in diesem Spiel verletzte sich die neue Außenverteidigerin Linn Andersson von Jitex schwer. Die 24-Jährige ging nach einem Tackling zu Boden und nach Angaben von Zuschauern sowie Mitspielerinnen glaubt man, dass sie sich das Schienbein gebrochen hat. Das Spiel wurde nach 82 Minuten abgebrochen. Die Spielerin durfte nicht weggegtragen werden, sondern wurde vom Platz direkt mit Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Unter den ca 20 Zuschauern ging sogar das Gerücht, dass man den Knochen hätte sehen können. Wir wünschen gute Besserung!

Und aus Tyresö noch schnell die Nachricht, dass Donnerstagabendgegner KIF Örebro beim überraschenden 3:3 die tschechischen Zwillinge Irena und Lucie Martinkova einsetzte und beide offenbar einen hervorragenden Eindruck hinterließen. Ich habe mich schon öfter gefragt, warum Vereine nicht häufiger Spielerinnen aus Mittelost- und Osteuropa einladen, denn dort sind einige sehr talentierte, entwicklungsfähige Spielerinnen zu finden. Bei den Martinkovas hat Örebros frühere tschechische Weltklassespielerin Pavlina Scasna Novikova mitgeholfen.

 

Finanzielles aus Linköping und Malmö

Zwei Zeitungen berichten heute über die finanzielle Situation “ihres” Clubs. Östgöta Correspondenten (im Volksmund Corren genannt) befasst sich mit Linköpings FC und teilt mit, dass der LFC seine Anteile an einem Trainingsplatz verkaufen musste, damit die wirtschaftliche Balance des Vereins für 2012 nicht negativ ausfiel.

“Wir mussten einen Rettungsring anwenden, den wir jetzt nicht mehr haben und deshalb ist es wichtig, mit einem exakten Budget in die neue Saison zu gehen. Unsere Zielsetzung ist jedoch weiterhin hoch, wir wollen Frauenfußball auf Weltklasseniveau spielen, wir müssen ganz einfach effektiver werden,” sagt der starke Mann des Clubs, Anders Mäki, der Zeitung.

Mit Spielerinnen wie Manon Melis und Lisa DeVanna hatte Linköping neben der gebliebenen Nationalspielerin Nilla Fischer mindestens drei teure Angestellte auf der Gehaltsliste.

“Es war eine Fehleinschätzung von meiner Seite und vielleicht auch vom Frauenfußball insgesamt, dass wir von der Anziehungskraft der Nationalmannschaftserfolge bei der WM profitieren würden. Wir bekamen keinen vergleichbaren Aufschwung wie 2003 und leider scheint es so zu sein, dass die Leute Frauenfußball den Rücken zuwenden, wenn sie sich für etwas in unserer stressigen Informationsgesellschaft engagieren sollen,” so Mäki weiter zu der Zeitung.

Für die neue Saison wurden Gehälter gekürzt. Der Verein setzte 10,1 Millionen Kronen um, etwa 1,2 Millionen €.

Die in Malmö fusionierenden Vereine LdB FC Malmö und FC Rosengård werden ab 2014 FCR Malmö heißen. Das schreibt Sydsvenska Dagbladet in einem Bericht über weitere Vereinsversammlungen, die die Fusion vorantreiben sollen.

Jeweils zwei Mitglieder aus beiden Vereinsvorständen sollen dann im neuen, gemeinsamen Vorstand sitzen. “Für 2013 haben wir ein Budget von 17,5 Millionen Kronen,” sagte Clubchef Niclas Carlnén. Knapp 2 Millionen Euro also hat Malmö verplant. 2012 habe man 14,2 Millionen Kronen umgesetzt, am Ende sei sogar trotz aller Unkenrufe (am lautesten rief Carlnén jeweils selbst) ein kleines Plus herausgekommen.

 

Die Woche

Eine relativ ruhige Woche geht allmählich dem Ende entgegen. Vizeemeister LdB FC Malmö hat sich mit zwei Spielerinnen verstärkt: Yoreli Rincon, dessen Kommen seit mehr als einem Monat allen bekannt war außer dem Verein selber:) – am Ende hat die beharrlich twitternde Kolumbianerin Recht behalten. Kathleen Radtke, eine etwas überraschende Verpflichtung für die Abwehr, wird in gut einem Monat aus Jena dazustoßen. Die 28 Jahre alte Innenverteidigerin dürfte es schwer haben, einen Stammplatz zu erobern, solange die arrivierten Amanda Ilestedt und Malin Levenstad gesund sind. Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und steigert bei manchem auch das Leistungsvermögen.

Testspiele fanden statt. Göteborg gewann das Lokalderby gegen Jitex mit 2:0, dabei erzielte Jessica Landström einen Treffer und Johanna Almgren überragte. Gar mit 4:0 gewann Malmö in der großen Halle in Växjö ein anderes Derby, das um Skåne gegen Kristianstad. Anja Mittag war unter den vier Torschützen. Diese Ergebnisse sowie die Torschützinnen waren schon unter TESTSPIELE im Menü dieser Seite am Mittwochabend zu finden. Nicht unter den Toschützinnen, deshalb erst hier erwähnt, ist das Comeback von Josefine Öqvist im roten Dress von Kristianstad. Sie war zufrieden mit dem ersten Spiel nach Mammapause, beklagte sich darüber, dass die Mannschaft zu weit auseinander gewesen sei, was dazu geführt hätte, dass man sehr viel habe laufen müssen. Elisabet Gunnarsdottir, Trainerin von KDFF, sprach davon, dass man sich unbedingt noch in der Abwehr verstärken müsse. Das Transferfenster in Schweden ist bis zum 31.03. geöffnet, da kann noch viel passieren, obwohl die meisten Kader wohl gefüllt erscheinen.

Was man von Absteiger Djurgården nicht sagen kann. Mit Matilda Rosqvist ist jetzt offiziell die dreizehnte Spielerin (!) der letzten Saison verschwunden, zum Aufsteiger Sunnanå. Dennoch hat sich das sehr junge Team den Ergebnissen nach beim Turnier der Meister in Potsdam recht achtbar geschlagen und wurde nur vom späteren Turniersieger Bröndby aus Kopenhagen so richtig abgewatscht. Es sprang ein siebter Platz heraus, den man durch einen Sieg gegen den finnischen Vertreter FC Honka errang.

Probleme hatte KIF Örebros athletische Stürmerin Sarah Michael. Die Nigerianerin mit Vergangenheit in Piteå und bei Djurgården hing in ihrer Heimat fest und wartete auf eine neue Arbeitserlaubnis für Schweden. Das bürokratische Problem hat sich jedoch jetzt gelöst und am Dienstag wird die Stürmerin in Örebro erwartet – hoffentlich ohne das deutliche Übergewicht, das sie im letzten Jahr mitbrachte und das Gespräch unter den Spielerinnen war.