Marta wird Schwedin

Marta Vieira da Silva hat einen Antrag auf schwedische Staatsbürgerschaft gestellt und wird somit in wenigen Monaten Schwedin werden, sollten keine triftigen Gründe dagegen sprechen, was nicht anzunehmen ist.

Nach schwedischem (seit 2001) und brasilianischem (seit 1994) Recht ist es möglich, beide Staatsbürgerschaften zu besitzen. Marta kann also Schwedin werden und dennoch für Brasilien bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 antreten.

“Ich habe Schweden gewählt, weil ich hier bleiben will,” sagte die 28-Jährige der Zeitung Kvällsposten.

“Es geht hier nicht nur um Fussball. Ich bin gerne in Schweden und mag das Leben abseits des Fusballplatzes hier. Vielleicht hätte ich das schon früher machen sollen, aber als ich noch in Umeå spielte, habe ich nicht daran gedacht. und auch nicht verstanden, was es bedeuten¨würde.”

Martas Popularität in Schweden und in der Damallsvenskan dürfte dieser Antrag nun noch weiter steigern, auch wenn Spiele mit der schwedischen Nationalmannschaft ausgeschlossen sind, da Marta in allen Jugendauswahlen und in der A-Mannschaft für Brasilien gespielt hat.

Gewohnt bescheiden fügt sie hinzu: “Schweden hat ja auch so eine gute Mannschaft, dass ich vielleicht gar nicht gebraucht worden wäre.” Sie lacht jedoch, nachdem sie das gesagt hat, als ob sie sich vielleicht doch eines anderen besonnen hätte

Der gestrige Trainingsauftakt in Malmö für ihren neuen Club Rosengård wurde von ungewöhnlich vielen Journalisten begleitet, die vor allem mit der Brasilianerin und baldigen Schwedin sprechen wollten.

Wechsel

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Das Transferkarussell in Schweden ist in diesen ersten Tagen recht bescheiden, das liegt wohl daran, dass die meisten Entscheidungen mehr oder weniger klar sind und auch, dass der Schock des Verschwindens von Tyresö auch andere wirztschaftlich klamme Vereine zur Zurückhaltung mahnt.

Lisa Dahlkvist, einer der letzten übrig gebliebenen Restposten aus der Konkursmasse von Tyresö, geht nun zum ambitionierten norwegischen Topclub Avaldsnes IL. Dessen starker Mann Arne Utvik ist offenbar in Kroatien im Badeurlaub und postet seit 24 Stunden jeden erreichbaren Link, der über die Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin berichtet. Avaldsnes liegt nach der Hälfte der Spielzeit in Norwegen auf einem eher enttäuschenden siebten Rang, zwölf Punkte hinter den führenden LSK Kvinner. Die wiederum haben sich die Dienste der in Potsdam ein Jahr früher scheidenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir im Tor gesichert.

‘Gugga’ bekam in Potsdam zuletzt keine Spielzeit mehr und der Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen vor ein paar Wochen aufgelöst.

Unklar noch der Verbleib von Malin Diaz und Carola Söberg sowie Lisa Klinga.

Nach einem halben Jahr Ausleihe an AIK, beendet Malin Levenstad vertragsgemäß ihre Sejour in Solna. Es heißt jedoch, dass sie nicht zu dem sie entleihenden Verein FC Rosengård zurückkehrt, sondern erst einmal ohne Verein nach Paris zieht, wo Freundin Caroline Seger ab der kommenden Saison unter Vertrag ist.

Für AIK ein herber Verlust, aber andererseits hat man bei sieben Punkten Vorsprung auf Jitex Mölndal auf dem elften Platz den Klassenerhalt so gut wie sicher.

 

Die Woche in Schweden

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Acht Spiele haben in der letzten Woche stattgefunden in der Damallsvenskan und nun steht noch ein Spiel an (die Ligaausgabe des Pokalfinales KIF Örebro – Linköpings FC), bevor alle Spielerinnen und Betreuer in den schwedischen Sommerurlaub gehen können.

An der Spitze breitet sich die erwartete Langeweile allmählich aus. Ich möchte leider behaupten, dass die Saison 2014 als eine Spielzeit in die Annalen eingehen wird, die man einfach voraussagen konnte.

Rosengård schlug am Mittwochabend Piteå mit 6:1 und tat einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft. Kein anderer Verein wird die Südschwedinnen auch nur annähernd gefährden können. Überragend Anja Mittag, die mit drei Toren und zwei Assists ebenfalls unangefochten Richtung Torschützenkönigin und “Stürmerin des Jahres” marschiert. Anja hat jetzt 12 Tore erzielt und auch wenn Ex-Mitspielerin Manon Melis sechs der zehn Tore von Kopparberg/Göteborgs FC gegen AIK (6:0) und Jitex (4:0 erzielte und mit elf Toren nur einen Zähler hinter Mittag rangiert, muss man anmerken, dass Manon Melis ihre Tore gegen die beiden schwächsten Teams der Liga erzielt hat, Anja dagegen immer trifft.

Die einzige Entscheidung, die für Spannung sorgen dürfte, ist Platz zwei, immehin relevant für einen Champions-League-Platz in der Saison 2015/16. Da hat KIF Örebro derzeit die Nase vorn, drei Punkte hinter Rosengård und drei Punkte vor Göteborg, das wie bemerkt, einiges für sein Torverhältnis getan hat. Die Westschwedinnen bekommen nach dem Urlaub auch noch Verstärkung durch Maren Mjelde (Potsdam) und Lisa Ek (Rosengård), die nach sportlich unglücklichen 1,5 Jahren (Kreuzbandriss) in Malmö wieder die Küste hinaufzieht.

Auch Linköping kann, sechs Punkte hinter Örebro, durchaus noch eingreifen in den Kampf um den zweiten Platz. Nach Tyresös Rückzug hat die UEFA ja entschieden, dass der LFC Champions League spielen darf in der kommenden Saison. Und Trainer Martin Sjögren shloss auch Verstärkungen nicht aus.

Überhaupt dürften vor allem die drei genannten Teams ihre Reihen nochmals verstärken, wobei KIF Örebro finanziell den geringsten Spielraum hat.

Denn alle anderen Plätze werden unstrittig sein oder haben keine besondere Bedeutung. Neben dem erwartungsgemäß ausgestiegenen Tyresö FF dürfte mit der Mädchenmannschaft von Jitex BK der zweite Absteiger ebenfalls feststehen. Null Punkte aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn man “nur” 33 Gegentore kassiert hat. Die Mölndaler (Mölndal ist ein Stadtteil von Göteborg) hatten wurden vor der Saison von rund 15 Spielerinnen verlassen und haben sich aus überwiegend sehr jungen Zweitligaspielerinnen ein neues Team für die erste Liga aufgebaut, der Abstieg war vorprogrammiert.

Auch wenn da noch nicht aller Tage Abend ist, mathematisch. Denn in der Theorie kann man die sieben Punkte Rückstand auf AIK durchaus aufholen, praktisch aber wäre das so, wenn der Iran bei der Herren-WM das Halbfinale erreicht hätte.

 

Im Schatten Brasiliens

Natürlich überschattet die Männer-WM in Brasilien dieser Tage alles andere und nicht zuletzt das laufende Geschehen im Frauenfußball. Das schwedische Fernsehen überträgt trotz Abwesenheit der eiegenn Mannschaft alle Spiele und ist mit einem üppigen Team von “Experten” vertreten, denen eine Brasilien-Reise im schwedischen Sommer 2014 nicht sonderlich unangenehm ist.

Im staatlichen SVT hat Nationaltrainer Erik Hamrén in den ersten beiden Wochen trocken, langweilig und immer voller Lampenfieber zusammen mit dem geschwätzigen, ehemaligen China- und Norwegenprofi Daniel Nannskog. Der bekommt jetzt jedoch sehr ernste Konkurrenz, denn wie geplant wurde Hamrén nach der ersten Hälfte der WM ersetzt durch Nationalspielerin Lotta Schelin, deren Ankunft und erster Einsatz in Rio bereits heute von den schwedischen Medien gefeiert wurde. Bereits bei der EM vor zwei Jahren hatte Schelin Bestnoten bekommen und ist dieses Mal auch vor Ort in Brasilien bis zum Finale dabei.

Unter der Woche wurde auch in der ersten Liga gespielt. Rosengård mühte sich zu einem 1:0 gegen Abstiegskandidat Jitex, KIF Örebro gewann bei Kristianstad und Göteborg siegte vor 2.000 Zuschauern (freier Eintritt) in Piteå mit 1:0. Die Auswirkungen auf die Tabelle habe ich jetzt erst übernommen, da ich dienstlich fast die gesamte letzte Woche in München verbringen musste.

Am heutigen Sonntag wird nicht nur Achtelfinale in Brasilien gespielt, sondern auch dreimal Damallsvenskan. Die Ergebnisse kommen dieses Mal zeitnäher ins Blog.

Anja Mittags Hattrick am achten Spieltag

Fünf Begegnungen standen am achten Spieltag auf dem Programm. Das “Fernsehspiel” war die Begegnung zwischen dem FC Rosengård und Kopparberg/Göteborgs FC, das am Ende eine unerwartet klare Angelegenheit für den Meister wurde. Nach der Niederlage in Tyresö vor Wochenfrist präsentierte sich Jonas Eidevalls Mannschaft wesentlich entschlossener und gewann mit 5:0 gegen den Gast aus Westschweden. Wobei also Anja Mittag die Treffer 2, 3 und 5 erzielte. Therese Sjögran per Elfmeter und Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir erzielten die übrigen Treffer für den alten und neuen Tabellenführer, der die Liga mit drei Punkten anführt.

Rang zwei belegt überraschend KIF Örebro, das die Schwächeperioden von Linköping und Göteborg ausgenutzt hat. Lucie Martinkova erzielte den einzigen Treffer beim eigentlich mageren 1:0 gegen AIK in der hemischen Behrns Arena, aber drei Punkte sind nun mal drei Punkte.

Umeå verpasste dem Sensationsaufsteiger Eskiltuna mit dem 6:1 den ersten richtig derben Rückschlag. Zweimal trafen die Finnin Emmi Alanen und die schwedische Nationalspielerin Jenny Hjohlman.

Ein weiteres 1:0 gab es für Kristianstad bei Abstiegskandidat Jitex, den Treffer erzielte Marija Banusic in der 15. Minute.

Auch Piteå gewann mit 1:0 gegen das krisengeschüttelte Vittsjö, das mit dem elften Platz deutlich unter Wert in der Tabelle steht. Bei beiden Teams bestätigt sich wie wichtig ein guter bzw. wie verheerend ein schlechter Saisonauftakt sein kann, denn béi beiden Mannschaften hält die Tendenz aus dem ersten Spiel an.

Vor dem Abschied

In knapp zwei Stunden fahre ich bei fantastisch sonnigem Wetter nach Tyresö zu dem, was 2012 und 2013 noch das absolute Topspiel der Liga war. Tyresö FF, gerade heimgekehrt von einem grandiosen, aber verlorenen CL-Finale, trifft auf den Meister FC Rosengård.

Heute steht aber das Wort Abschied über allem anderen. Zumindest für die Gastgeber. Abschied von Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Christen Press und Vero Boquete, die heute ihr letztes Spiel machen im rotgelben Dress.

Am Mittwoch ist dann noch Pokal daheim gegen Umeå und am 04.06. ein Auswärtsspiel in Linköping. Danach dann der Gerichtstermin, von dem alle glauben, dass er mit dem Bescheid enden wird, dass man Tyresö Fotboll AB in Konkurs versetzen wird.

Für Meister Rosengård geht es um drei Punkte, den Abstand zu vergrößern. Die Verfolger haben Federn gelassen. Gestern. Kopparberg/Göteborgs FC mit den ehemaligen Bundesliga-Spielerinnen Andrine Hegerberg und Lieke Martens verlor gestern gegen die starke Mannschaft von KIF Örebro zu Hause mit 0:2. Und Vittsjö verpasste Jitex beim 2:;1 Heimsieg die siebte Niederlage im siebten Spiel.

Eskilstuna an der Spitze

Eine Entdeckung - Eskilstunas kamerunische Stürmerin Gaelle Engamanouit

Eine Entdeckung – Eskilstunas kamerunische Stürmerin Gaelle Engamanouit

Nach dem vierten Spieltag der Damallsvenskan übernimmt Aufsteiger Eskilstuna United überraschend die Tabellenführung in Schweden. Nach drei Spielen, die man jeweils mit 2:0 gewonnen hatte, gab es zwar gestern Nachmittag das erste Gegentor durch die Nigerianerin Francesca Ordega in Piteå, aber man nahm aus der in Spielerinnenkreisen durchaus gefürchteten LF-Arena im hohen Norden immerhin einen Punkt mit. Die Kamerunerin Gaelle Engamanouit hatte Eskilstuna mit dem Halbzeitpfiff in Führung gebracht. Statistisch gesehen hat Eskilstuna das Auswärtsspiel durchaus dominiert und kam auf 19:5 Abschlüsse. Piteå kommt nun auf acht, Eskilstuna auf zehn Punkte in der laufenden Saison. Beide Teams wurden nicht so weit oben erwartet.

Hätte der amtierende Meister FC Rosengård gegen ein Linköping in Bestbesetzung antreten müssen, wäre eine Niederlage nicht überraschend gewesen. Aber nun fehlen einmal Ex-Malmö-Trainer Martin Sjögren sowohl Magdalena Ericsson und Charlotte Rohlin in der Abwehr, Pernille Harder im Mittelfeld und Linda Sällström im Angriff, während Rosengård weitgehend in Bestbesetzung antreten konnte. Am Ende gewann der Gastgaber Linköping vor 1.024 Zuschauern durch Tore von Jennie Nordin und Stina Blackstenius mit 2:0. Schon 2013 war es Linköping gelungen, den späteren Meister mit 3:1 zu schlagen. Martin Sjögren ist für seine taktischen Finessen bekannt und gestern blieb ihm nichts anderes übrig als die offensive Mittelfeldspielerin Christine Minde aus Norwegen auf die Position neben Jennie Nordin in der Innenverteidigung zu stellen – ein offenbar genialer Schachzug. Nordin zeigte eine fehlerfreie Leistung und handelte sich ein Sonderlob Sjögrens ein: “Macht sie so weiter, glaube ich, dass sie einen weiteren Schritt Richtung Nationalmannschaft tut,” so Sjögren über die U19-Europameisterin von 2012. Dass ihre Europameisterkollegin Fridolina Rolfö eine der besten Neuerwerbungen innerhalb der Liga war, konnte man annehmen. Gestern sorgten Rolfö und die noch jüngere Blackstenius ständig für Gefahr. Die 18-Jährige hat 23 Spiele in der Liga absolviert und 14 Tore geschossen, ein sensationelles Resultat. Linköpings kluge EInkaufspolitik der vergangenen zwei Jahre kann man wohl Sjögren zuschreiben, der sich mit der Amerikanerin Katie Fraine auch die meiner Meinung nach beste Torhüterin der Liga (trotz der Nationaltorfrauen Lindahl, Helgadottir) geholt hat. “Sie standen hoch und zwangen uns, weite Bälle zu schlagen. Wir haben unser Niveau heute nicht erreicht,” so Rekordnationalspielerin Therese Sjögran nach dem Spiel.

 

Piteå und Eskilstuna

Neben dem Halbfinale der Champions League, das dem schwedischen Fußball de facto seinen größten Erfolg auf Vereinsebene seit 2008 (als Umeå IK zuletzt im Finale des Women’s Cup stand) bescherte, verblasste in den schwedischen Medien natürlich alles andere.

Dabei fanden drei Spiele der Damallsvenskan statt und zwei Überraschungsmannschaften gewannen erneut.

Aufsteiger Eskilstuna United beendet auch das dritte Spiel der ersten Saison im Oberhaus mit einem 2:0 Sieg und hat jetzt also eine blütenweiße Weste, kein Gegentor und neun Punkte. Mir war schon vorher klar, dass die Abwehrkette mit Annica Svensson, Sara Thunebro, Vaila Barsley und Louise Quinn schwer zu überwinden sein wird. Eskilstuna hatte beim Erfolg gegen den Abstiegskandidaten Jitex sensationell gute 2400 Zuschauer. Da ist erfreulicherweise eine ganze Stadt im Frauenfußballfieber.

Auch Piteå setzte seine Erfolgsserie fort und hat nun sieben Punkte nach dem überraschenden 1:0 Sieg bei Kristianstad, dessen Sieg gegen Tyresöim ersten Spiel nun etwas relativiert wird.

Im Spitzenspiel der beiden vermeintlich stärksten Konkurrenten Rosengårds um den Meistertitel trennten sich Göteborg und Linköping 1:1. Linköoing hat nun bereits fünf Punkte Rückstand auf den Meister, nachdem man ja schon in Piteå verloren hatte. Rosengård muss schon am Donnerstag nach Linköping, da muss dann für die Heimmannschaft ein Sieg her, will man nicht schon jetzt entscheidend an Boden verlieren. Vor allem Pernille Harder fehlt an allen Ecken und Enden.

 

Auftakt nach Maß

Wenig überraschend gelang Eskilstuna United ein Auftakt nach Maß. Der Aufsteiger lockte am Montagabend 1853 Zuschauer auf den heimischen Tunavallen zum ersten Spiel in der Damallsvenskan in seiner Vereinsgeschichte. Und die bejubelten frenetisch die Tore von Kim Arodin und Felicia Karlsson zum 2:0 Heimsieg gegen die stark eingeschätzten Gäste von KIF Örebro.

Der erste Spieltag hat damit dank Eskilstuna einen Zuschauerschnitt von 863.

Bereits heute Abend tritt das deutsche Trio Anja Mittag, Katrin Schmidt und Paula Radtke gegen den Regionalrivalen Vittsjö GIK an.

Damallsvenskan 2014: Mein Tipp

Upptakt29Morgen in zwei Minuten beginnt die neue Saison der Damallsvenskan auf Skytteholms IP, wenn der umgetaufte Meister FC Rosengård beim Fahrstuhlteam und wieder mal Aufsteiger AIK in Solna zu Gast ist.

Wie geht sie aus, die neue Saison? Alle Antworten darauf gibt es schon hier und heute. :)

1. FC Rosengård

Vergangenes Jahr noch ein Zweikampf, in diesem Jahr ein Durchmarsch. Man hat zwar eine Handvoll Spielerinnen abgegeben und sich eigentlich nur mit Anita Asante wirklich verstärkt, aber der Kader von Thora Helgadottir bis Anja Mittag enthält so viel Klasse und Potential, das ähnlich wie in der deutschen Männerbundesliga nach zwei Dritteln der Saison die große Langeweile eintreten wird, was den Meistertitel angeht. Ramona Bachmann ist die wohl beste Spielerin der Liga und eine der Weltbesten, ein Rätsel, warum die FIFA sie noch nie unter die Top 10 nominiert hat oder aber ein Zeichen von Inkompetenz.

2. Linköpings FC

Langfristig wird derzeit in keinem Club in der Liga so klug geplant wie in der Provinzhauptstadt von Östergötland. Trainerfuchs Martin Sjögren und Vereinsboss Anders Mäki haben eine Ansammlung von Talenten, wie es sie nirgends in Skandinavien an einem Ort konzentriert gibt. Zwar ist der kommende Weltstar Pernille Harder verletzt (Ermüdungsbruch im Fuß) und Linda Sällström ist in der Reha nach ihrem dritten (!) Kreuzbandriss innerhalb von zwei Jahren, aber aus einer von Routinier Charlotte Rohlin angeführten Abwehr mit der wohl besten Torhüterin der Liga (Katie Fraine, in vielen anderen Ländern stünde sie als Nummer 1 in der Natio) hinter sich, kommt der LFC mit viel Kreativität. Kristine Minde dürfte der interessanteste Neuzugang der Liga sein und die Holländerin Renée Slegers hatte eine Traumsaison. Wiederholt sie die, dann muss auch Rosengård sich vorsehen.

3. Kopparberg/Göteborgs FC

Wohl nur noch Lokalrivale Jitex Mölndal hatte so viele Abgänge zu verzeichnen: Die Hammarströms hörten auf, Jessica Landström verschwand sang- und klanglos (wohin eigentlich?), Anita Asante zog nach Malmö (ihre Entscheidung fiel schon, als man Christen Press fast widerstandslos ziehen ließ, wie sie mir sagte). Dennoch hat der neue Coach Stefan Rehn mit Hilfe von Sponsor und Vereinsboss Peter Bronsman die Verluste nahezu ausgeglichen. Loes Geurts im Tor, Lieke Martens und Manon Melis machen das Team zu einem Mini-Holland. Hinter Göteborg beginnt das Mittelfeld, das sich weit runter streckt.

4. KIF Örebro

Nach einer guten Vorsaison und mit Blick auf einen insgesamt ausgeglichenen Kader hat Örebro gute Chancen auf die beste Platzierung seiner Geschichte. Die Martinkova-Zwillinge im Mittefeld, vorn mit Sarah Michael die beste Targetstürmerin der Liga und Sanno Talonen, die zuletzt fünf Länderspieltore in zwei Begegnungen für Finnland machte, das alles spricht für eine Platzierung in der oberen Hälfte.

5. Umeå IK

Auch in Umeå wird (wie in Linköping) auf die Jugend gesetzt. Heißt der Star dort Harder, so ist es hier Lina Hurtig, die 18-Jährige hat ihren Vertrag trotz eines Angebots von Paris SG bei den Nordschwedinnen verlängert und will sich noch etwas in der Heimat entwickeln, bevor sie den Schritt ins Ausland tut. Zusammen mit Jenny Hjohlman wird sie nach vorn für viel Kraft sorgen, während hinten die nach ihrem Kreuzbandriss genesene Emma Berglund die Abwehr zusammenhält.

6. Vittsjö GIK

Das Mini-Schottland in Skåne (siehe Interview mit Sofie Andersson) hat sih endgültig in der Liga etabliert. Jane Ross würde Anja Mittag den Titel als Torschützenkönigin streitig machen können, wenn sie noch mehr Klasse um sich hätte, aber die gute und fruchtbare Arbeit von Coach Tomas Mårtensson führt das Team dennoch zu einem guten sechsten Platz.

7. Eskilstuna United

Der Überraschungssieger der ersten Auflage der Elitettan hat mit einer lokalen Bank einen guten Sponsor gefunden und sich hervorragend verstärkt. Mit einer Abwehr aus lauter Nationalspielerinnen (Annica Svensson, Sara Thunebro auf den Außenbahnen und dem irischen Duo Louise Quinn und Vaila Barsley in der Mitte, deren Stärke unlängst selbst die deutsche Nationalmannschaft zu spüren bekam) haben sie eine solide Grundlage, auf die sich aufbauen lässt. Kann die kamerunische Nationalspielerin und Torjägerin Gaelle Enganamouit ihren Trend aus der Vorsaison fortsetzen, dann wird Eskilstuna für mehr als eine Überraschung sorgen.

8. Kristianstads DFF

Kaum etwas hat sich im Kader zur Vorsaison geändet bei Beta Gunnarsdottir. Die isländische Filiale ist ins Stocken gekommen und die Schwangerschaft von Margrét Lara Vidarsdottir ist schön für sie, aber ihre dadurch bedingte Abwesenheit für die Mannschaft ein herber Verlust. Vieles hängt davon ab, ob Megatalent Marija Banusic den Durchbruch schafft. Im Vorjahr war sie immer wieder leicht verletzt und fiel alle paar Wochen für ein paar Spiele aus. Gunnarssdottir sprach auf dem Pressetreff am Dienstag beiläufig von “Mädchenproblemen” und der Hoffnung, in diesem Jahr davon verschont zu bleiben. Ob es sich da um Beziehungsprobleme handelte oder Cliquenbildung, ließ sie dahingestellt, aber offenbar war da am Betriebsklima nicht alles in Ordnung. Platz 8 für Kristianstad, das auch ökonomisch zumindest leicht wackelt.

9. Piteå IF

Sie haben immer noch Faith Ikidi, die beste Abwehrspielerin Afrikas und der Damallsvenskan. Aber eine Reihe wichtiger Spielerinnen hat den Norden verlassen, nicht zuletzt Sofie Persson, die manchmal etwas unscheinbare Klassespielerin im Mittelfeld. Gespannt bin ich auf die Saison von Jungtorhüterin Hilda Carlén, die vom Zweitligisten Hammarby kam. Schweden braucht dringend Nachwuchs auf der Nr 1 in der Natio, die mit Hedvig Lindahl nicht erstklassig besetzt ist und das seit Jahren.

10. AIK

Die Fahrstuhlmannschaft der letzten Jahre schafft den Verbleib im Oberhaus. Norwegische Torhüterin und Malin Levenstad als Stabilisatorin in der Innenverteidigung. Mit Finnlands Maija Saari habe ich Dienstag noch kurz gesprochen, sie ist vielleicht im Mai wieder dabei (Kreuzbandriss 2013) und dann hätte AIK ein richtig gutes Paar in der zentralen Abwehr. Ich traf Malin und Maija zu einem längeren Gespräch im Februar und stellte schon da die Frage, wer denn die Tore machen soll und Levenstad nannte die hochtalentierte, aber sehr verletzungsanfällige Sarah Storck und natürlich Neunationalspielerin Emma Lundh (“die beste, mit der ich je Fußball gespielt habe”, sagte mir einmal Potsdams Gudbjörg Gunnarsdottir VOR ihrer Zeit in Deutschland). Aber nach vorn wird es dennoch schwierig.

11. Jitex Mölndal BK

Abstieg jetzt mit einer komplett ausgewechselten Mannschaft, in der nun hauptsächlich Spielerinnen stehen, die aus der zweiten Liga gekommen sind. Finanzielle Probleme bis zuletzt, aber nun auf einmal zwei Sponsoren (ein Badmodenhersteller und die Gemeinde, die auch die Namensänderung in letzter Minute veranlasste). Filippa Curmark und Co. werden Erfahrung sammeln und im nächsten Jahr, wenn sie denn zusammenbleiben, in der Elitettan aufräumen. Und mit neuen Sponsoren kommen vielleicht noch einige etablierte Gesichter hinzu. In diesem Jahr jedoch hat man mit diesem Mädchenkader keine Chance.

12. Tyresö FF

Fast kein Kommentar nötig. Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Marta, Carola Söberg und Caroline Seger gehen schon nach wenigen Spielen und am 5. Juni trifft man sich wieder vor dem Amtsgericht Nacka. Champions-League-Sieg am 22. Mai in Lissabon und danach die Explosion. Konkurs. Herausnahme des Teams aus dem laufenden Spielbetrieb nach rücksichtslos, verantwortungsloser Politik von Vereinspräsident Hans Lindberg und dem starken Mann im Hintergrund, Hans Löfgren. Noch ist es nicht sicher, aber ich glaube nicht mehr an das noch unbekannte afrikanische Land, das mit vier Millionen Kronen netto jährlich das Team wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Ach ja, und Tony Gustavsson dürfte sehr gute Chancen haben, Nationaltrainer der USA zu werden.

 

Rosengård haushoher Favorit

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fast 80% der Teilnehmer am traditionellen “Anstoß”-Treffen der Damallsvenskan, dem medialen Kick-Off, tippten am Dienstagvormittag den FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö, ehemals Malmö FF) als alten und neuen schwedischen Meister. Linköping wird Zweiter und Tresö Dritter, wenn man den Experten glauben schenken darf.

Der schwedische Fußballverband und der Elitföreningen Damfotboll (Interessenvereinigung der ersten und zweiten Liga) hatten zum dritten Mal nacheinander in die prächtigen Berns Salonger in Stockholm eingeladen. Am Vormittag parlierten eine Moderatorin von TV4 und die ehemalige Weltklassespielerin und jetzige Expertin Hanna Marklund mit Trainerpaaren und dann sechs Spielerinnen über die kommende Saison.

Ein Höhepunkt hätte die Begegnung zwischen Jitex’ ehemaligem Sportchef und neuen Trainer Anders Holmvén und Jitex’ ehemaligem Trainer und nun Göteborgs Trainer Stefan Rehn werden können. Rehn hatte den Lokalrivalen Jitex verlassen und darüber hinaus auch noch gleich eine Handvoll Spielerinnen mitgenommen. Aber die Beiden beließen es dabei, sich mehr oder weniger zu ignorieren.

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Als dann die ersten sechs Spielerinnen die Bühne betraten und befragt wurden, sah man auf einmal wie Rosengårds Therese Sjögran (die heute ihren 37. Geburtstag feierte) Piteås Stürmerin Hanna Pettersson von der Bühne führen wollte. Pettersson sackte dann schon fast zusammen, es ging ihr offenbar nicht gut, und begleitet von Sjögran und einem Funktionär wurde sie in den Nebenraum geführt. Nur zwei Minuten später war die 26-Jährige wieder da. Von der Moderatorin befragt, ob denn wirklich alles wieder in Ordnung sei, sagte Pettersson: “Ja, danke. Man tut halt alles, um Aufmerksamkeit zu erregen.”

Und das war auch schon der Witz des Tages. Als dann die zweite Liga ihren 20-minütigen Auftritt hatte, kam die 19-Jährige Torhüterin Fanny Edström mit Gitarre und Mikrofon auf die Bühne und wenn man sich in die Nationalmannschaft singen könnte, dann wäre Edström wohl im nächsten Aufgebot, denn die nicht gerade unmusikalische Pia Sundhage wiegte sich begeistert im Takt.

Wie immer gab es eine Menge interessanter und weniger interessanter Umfragen, die wir Anwesenden mit unseren Abstimmungsgeräten klären sollten. Und da ergaben sich nicht weniger als 79,5%, die auf Rosengård als Meister tippen. Stefan Edberg, nein, nicht der Tennisspieler, sondern sein Namensvetter von der staatlichen Lotteriegesellschaft Svenska Spel, die sich zum wichtigsten Sponsor entwickelt hat, gab die Langzeitquoten bekannt. Rosengård bringt lediglich 1,7 als Meister, man ist bei der Lotterie aber optimistisch, was Tyresö angeht, denn die sollen Zweiter werden. Glaubt man Edberg, dann wird Anja Mittag zum zweiten Mal nach 2012 Torschützenkönigin.

Und obwohl Tyresö am Vormittag nicht auf die Bühne musste, dominierte es doch an der Nachrichtenfront. Auf Facebook gab Präsident Hans Lindberg bekannt, dass man in der jetzigen Situation nicht imstande sei, die im Sommer auslaufenden Verträge von Marta und Caroline Seger zu verlängern. Man könne sich vorstellen, die Spielerinnen schon Ende Mai freizugeben, damit sie z.B. in die USA wechseln könnten.

Marta wird schon seit einigen Tagen in der norwegischen Presse mit Tyresö-Nachahmer Avaldsnes IL in Verbindung gebracht. Arne Utvik, der Löfgren aus Norwegen, bestätigte gegenüber dem norwegischen Fernsehen auch, dass er mal eine Anfrage von Martas Agent bekommen habe, aber es sei daraufhin nichts weiter geschehen. Viel Rauch um fast gar nichts in dieser Norwegen-Spur, scheint mir.

Caroline Seger wurde dann gleich mal vom schwedischen Fernsehen angerufen und zeigte sich gelinde gesagt, empört. Sie hatte um die Mittagszeit, vor oder nach der Facebooknachricht des Clubs, eine E-Mail bekommen, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie sich wohl einen neuen Verein suchen müsse. “Ich weiß nicht so recht, was passiert. Enttäuscht ist zu wenig gesagt. All das ist in sehr kurzer Zeit geschehen und mit dem Gedanken an die Champions League ist das sicher nicht optimal,” so Seger.

Sie wolle weg, sagte sie denn auch erstmals so deutlich wie nie zuvor. “Das einzige, was ich weiß, ist, dass mein nächster Verein nicht solche Probleme haben wird. Es wird ein professioneller Club sein und eine Organisation, die das erledigt, was erledigt werden muss, damit ich mich auf den Fußball konzentrieren kann. Das ist das einzige, was ich über meine Zukunft weiß.”

Auch Carola Söbergs Vertrag läuft aus und auch ihr legt man keine Steine in den Weg, um Gehaltskosten zu sparen.

Interessierte deutsche Vereine können sich also umgehend bei Caroline Seger oder Marta melden… Tyresö würde sie ab dem 31.05. freistellen, was mit dem Gedanken an die Saison in Deutschland oder Frankreich sicher nicht optimal ist.

Trainer Tony Gustavsson sprach dann später von der weißen Linie, innerhalb derer sich die Mannschaft bewege. Man sei noch enger zusammengewachsen und es klingt fast als sei das Team und die Trainer auf der einen Seite und die Welt auf der anderen. Freundschaftlich scheint da niemand mehr dem Vorstand mit Hans Lindberg verbunden zu sein. Lindberg saß denn auch alleine beim Mittagessen. Über das Afrika-Projekt, das den Verein angeblich in der ersten Liga halten kann, konnte er noch immer nichts bekanntgeben. Man arbeite daran.

Als die junge Malin Diaz auf der Bühne stand, Trainer Gustavsson hatte sie vorher noch als eine der besten Kunstrasenspielerinnen Schwedens bezeichnet, da sprachen die Blicke der Konkurrentinnen Bände, dabei kann die kleine, junge Malin natürlich nichts für die Misere, in die gierige und unkundige Funktionäre den Verein reingewirtschaftet haben.

Zuviel Tyresö.

Was gab es sonst noch? Interessant, dass sich Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir sehr selbstkritisch gab und vor allem für 2014 weniger “Mädchenprobleme” wünschte. Ein zarter Hinweis darauf, dass es in der Mannschaft 2013 betriebsklimatische Probleme gab, die zum schlechten Abschneiden beitrugen.

Man fragt sich ja immer, warum es in der ersten und zweiten Liga jeweils nur eine Trainerin unter lauter Männern gibt. Vielleicht haben Gunnarsdottir und die Zweitligatrainerin und Ex-Nationalspielerin Linda Fagerström (Trainerin bei Jennifer Meiers letztem Verein Bollstanäs SK) darauf eine Antwort gegeben, denn auch Fagerström sagte, dass es “verdammt schwer” sei, “eine Truppe Mädels zu bändigen”.

Über das Publikumsproblem wurde diskutiert und Victoria Sandell Svensson meinte, darüber würdn wir jedes Jahr reden und dabei sei es einfach so, dass viele Schweden im Sommer zu ihren Hütten fahren und den Fußball sein ließen. Ihr Ex-Clubchef und jetzige Präsident des EFD Per Darnell sagte, man habe eigentlich schon alles probiert und wisse auch nicht so genau, woran es liegt, man habe tolle Stadien… Hallo?

Ich habe keine Probleme mit den Sportplätzen und Stadien, aber vom Wohlfühlfaktor der bei der EM letztes Jahr benutzen Männerstadien sind die Frauenarenen doch noch weit entfernt. Aber vielleicht ist es Murphy’s Gesetz. Da sagte einer, er ginge nicht hin, weil da so wenig Zuschauer seien und auf die Frage, ob er denn selber hingehe, sagte er nein.

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage hatte einen Auftritt und beschrieb den Weg der Nationalelf nach Kanada. Sie wolle enger mit den Vereinen zusammenarbeiten und will alle Clubs besuchen und auch das Training anschauen. Eigentlich wünscht sie sich, dass Blöcke der Nationalelf in schwedischen Vereinen spielen, aber sie ahnt wohl, dass das nicht mehr geht.

Und so endete der Tag dann mit der Gelegenheit, Interviews zu machen und die streue ich in den nächsten Tagen hier ein.

Am Sonntag spielt dann Meister Rosengård in Solna bei Aufsteiger AIK und die Liga startet in die neue Saison.

Alle gegen Sundhage

Vom 12.-16. Januar hat der schwedische Fußballverband den ersten Lehrgang für die A-Nationalmannschaft angesetzt. In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die eine Gastprofessur in den USA wahrnimmt, wird Assistentin Lillie Persson Lehrgangsleiterin sein. Insgesamt 65 Tage wollen Sundhage und Persson 2014 mit ihren Nationalspielerinnen verbringen, um das Team zu schweißen, das bei der WM 2015 in Kanada um die Medaillen mitspielen soll.

Die Vereine sind alles andere als begeistert und nach Angaben von Anders Nilsson, Blogger bei der Boulevardzeitung Aftonbladet, sieht es so aus, als ob die Spielerinnen von Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö), Linköpings FC und Umeå IK nicht zum Lehrgang nach Växjö fahren dürfen.

Damit wären zehn der insgesamt 25 nominierten Spielerinnen aus dem Rennen: Malin Reuterwall, Magdalena Ericsson, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Hanna Folkesson, Therese Sjögran, Lina Hurtig und Elin Rubensson.

“Unser Ziel ist, das Regelwerk zu befolgen und die Spielerinnen lediglich von den von der FIFA bestimmten Spielterminen freizugeben,” wird Rosengårds Sportchef Niclas Carlnén zitiert. Es gehe nicht darum, dass man gegen die Nationalmannschaft sei, so Carlnén weiter, aber es müsse ein besseres Gleichgewicht geben und man müsse die Belastung für die Spielerinnen zu gewissen Zeiten verringern.

Nilson behauptet in seinem Blog ebenfalls, dass zehn der zwölf Vereine der Damallsvenskan einen Brief an Fußballchefin Marika Domanski Lyfors geschrieben hätten, in dem sie mitteilen, ihre Spielerinnen lediglich zu den von der FIFA bestimmten Terminen freigeben wollen.

westAls ich gestern auf Twitter etwas provokant fragte, ob man sich nicht mehr an der Nationalmannschaft orientieren müsse, da die Öffentlichkeit die Spiele der Nationalmannschaft verfolgt, aber kaum jemand zur Damallsvenskan gehe, antwortete mir Umeås Sportchef Niklas Westman: “Meinst du das Ernst? Sollen die Clubs der Damallsvenskan den Spielerinnen Gehälter zahlen für eine Menge Fysio-Tests im Januar?”.

Das zeigt, dass es auch noch um etwas anderes geht als Ruhe für die Spielerinnen. Westman bringt das finanzielle Argument ins Spiel. Wenn die Nationalmannschaft die Spielerinnen 65 Tage lang im Jahr in Beschlag nehmen will, dann zahlen die Vereine etwas mehr als zwei Monatsgehälter trotz Abwesenheit ihrer besten Mitarbeiterinnen.

Aber ist nicht eine Möglichkeit, die Publikumsmisere der letzten Jahre, in denen die Liga Zuschauer in großem Maße verloren hat, anzugehen, die Nationalmannschaft noch opulärer zu machen? Oder geht Frauenfußball und großes Publikum vielleicht nur im Rahmen von Länderwettbewerben und großen internationalen Meisterschaften zusammen?

Könnte nicht ein amerikanisches Modell, in dem der Fußballverband zumindest ansatzweise die Gehälter seiner 25 wichtigsten Spielerinnen übernimmt und damit auch das Recht hat, die Spielerinnen zu Lehrgängen einzuberufen eine interessante Variante sein?

Oder wollen wir im Klein-Klein weiterwurschteln und uns auch in drei Jahren noch darüber ärgern, dass zu den meisten Spielen höchsten fünfhundert Zuschauer kommen, wenn man dann auch noch den Zeugwart, alle Spielerinnen und Ordner mitgezählt hat?

In jedem Fall scheint Pia Sundhage mit ihrem Team allmählich die Grenzen von dem zu erreichen, was die Vereine mit ihr bereit sind, mitzumachen. Das ist für den schwedischen Fußball kaum eine gute Entwicklung.

Das Argument Carlnéns, dass die Spielerinnen nicht mehr belastet werden können, verfängt doch auch nicht. Die Damallsvenskan hat 22 Spiele. Die Spielzeit dauert sieben Monate, davon ist ein guter Monat spielfrei. Auch hier muss man darüber nachdenken, ob man den Spielbetrieb nicht ausdehnt, zum Beispiel im März beginnt und im November aufhört. Wir reden hier über hauptamtlich vergütete Spielerinnen, die zwar nicht viel Geld verdienen, aber im Wesentlichen doch Profis sind. Und die sind sozusagen ein halbes Jahr auf der Bühne, während sie den Rest des Jahres auf mehr schlecht als recht beleuchteten Trainingsplätzen für das andere halbe Jahr üben und infolgedessen von der Öffentlichkeit, die letztlich die notwendige Lebensnahrung (Geld) zuführen soll, nicht wahrgenommen wird.

Statt zumindest neues Denken zu ermöglichen, verschanzen sich die Clubs, deren Zuschauerränge immer leerer werden, aber lieber hinter dem Argument, dass die Spielerinnen bitte vor allem und in erster Linie ihnen gehören. Ist das der Weg in die Zukunft?

 

 

Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis’ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren “sammeln” offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

Frauenfußball – Sport ohne Zuschauer

Djurgårdens Tove Enblom - Abstoß vor gähnend leeren Rängen

Djurgårdens Tove Enblom – Abstoß vor gähnend leeren Rängen

Der Zuschauerschwund in der Damallsvenskan setzt sich fort. Sechs Spiele stehen am Sonntag noch aus, sechs Spiele, in denen es um nichts mehr geht, da alle Entscheidungen gefallen sind.

Malmö ist Meister, Tyresö bekommt den zweiten CL-Platz, Linköping ist Dritter und die Absteiger heißen Mallbacken und Sunnanå.

Nicht unbedingt angetan, um noch einmal extra Zuschauer zu locken.

Der Schnitt nach 21 Spieltagen liegt nun bei bescheidenen 755 Zuschauern pro Begegnung und lediglich Tyresö FF hat noch einen Schnitt, der über 1.000 pro Spiel liegt.

Dabei hatte man hierzulande natürlich gehofft, dass die Europameisterschaft im Sommer einen großen Aufschwung auch für die Liga bedeuten könnte. Ausverkaufte Schweden-Spiele, aber auch ausverkauft bei Spielen wie Deutschland – Norwegen oder Norwegen – Spanien in Kalmar sowie Dänemark – Norwegen in Norrköping.

Dies alles hat keine Fortsetzung gefunden im Alltag der Liga. Im Gegenteil, es sind sogar Zuschauer verschwunden. 836 Zuschauer kamen 2012 im Durchschnitt, in seinem Meisterjahr hatte Tyresö 1998 Zuschauer daheim verglichen mit jetzt nur noch 1235. Mehr als 30% beträgt der Rückgang, obwohl das Team in diesem Jahr in der Champions League spielt.

2011 hatten wir noch 924 Zuschauer pro Spiel, da gab es aber neben Tyresö auch noch sowohl Malmö wie Umeå und Piteå über der 1000er-Grenze. Gegenüber diesem ersten Meisterjahr hat LdB FC Malmö rund 400 Zuschauer verloren – pro Spiel, auch etwa 30%. In beiden Jahren wurde man Meister, es liegt also nicht am fehlenden sportlichen Erfolg. Auch Piteå hat etwa ein Drittel seit 2011 verloren.

Will man mit Statistiken glänzen, kann man immerhin behaupten, dass die Damallsvenskan im Vergleich zu 2010 heute rund 100 Zuschauer mehr pro Spiel hat, denn 2010 war ein trostloses Jahr mit 653 Zuschauern, aber Piteå war nicht erstklassig. Piteå hat in den Jahren darauf, trotz sinkender Zahlen viel dazu beigetragen, den Gesamteindruck noch zu verschönern.

2009 (824), 2008 (892), 2007 (976), 2006 (814), 2005 (1110), 2004 (1127) und 2003 (922) sah es jeweils besser aus.

Faktum ist, dass wir 2013 also den zweitschlechtesten Schnitt der letzten zehn Jahre verzeichnen müssen und das, obwohl sich der Sport weiterentwickelt hat. Hat Frauenfußball auf Vereinsebene in Schweden also doch kein Publikum?

Es sieht immer noch viel besser aus als etwa in Norwegen, wo man schon von einem sehr gut besuchten Spiel sprechen kann, wenn die 200er-Grenze passiert wird. Aber auch in Schweden kommen kaum mehr Leute als die Verwandten, Eltern und Freunde und Bekannten der Spielerinnen. Die Szene ist sehr klein, man kennt sich.

Per Darnell, Generalsekretär des Elitföreningen Damfotboll, der Interessenvereinigung der Clubs der ersten und zweiten Liga, sagte in einem Interview mit der Zeitung Göteborgs Posten, dass man im Grunde genommen ratlos sei. Man wisse einfach nicht, woran es liege. Zuschauerbefragungen werden seit Jahren gemacht, es wird auf den jährlichen Presseauftakttreffen der Damallsvenskan, die ich nun auch schon seit sechs Jahren regelmäßig besuche, immer wieder davon gesprochen, dass man wisse, dass der Durchschnittszuschauer eines Frauenfußball-Erstligaspiels um die 60 und männlich ist.

Die Familien, die so oft anvisiert werden, das klassische Ehepaar mit zwei Kindern, sieht man so gut wie nie in den Arenen. Frauen sollen angelockt werden. Aber wollen Frauen zwischen 18-49, die keine besondere Beziehung zum Frauenfußball haben, wirklich Frauenfußball sehen und wie soll man sie anlocken? Verrückt ist, dass man nicht einmal die Mädchen und Frauen in die Stadien und auf die Sportplätze bekommt, die selber in irgendeiner vierten oder fünften Liga Fußball spielen.

Es gibt ja auch keine wirklichen Vorbilder. Ich habe in den letzten beiden Jahren immer wieder vom Cup Kommunal berichtet, einem Turnier für die besten 16-Jährige Mädchen der jeweiligen geographischen Regionen. Ich traf dort Marija Banusic und dieses Jahr Emma Jansson (Hammarby) und Adelisa Grabus (KIF Örebro). Alle drei habe ich nach ihren Vorbildern gefragt und die Antworten lauten immer Messi, Ronaldo. Nazanin Vaseghpanah, die ehemalige Spielerin von AIK und Hammarby, sagte mir, ihr Vorbild sei Diego Maradona. Nie ist in den vielen Gesprächen auch mit erwachsenen Fußballerinnen mal der Name Mia Hamm, Birgit Prinz oder Hanna Ljungberg gefallen. Die Vorbilder auch der Mädchen sind männlich. Da ist also noch viel zu tun, auch medial.

 

 

 

Drei Tage bis zum Showdown

Verkehrte Welt: Josefine Öqvist leistet Abwehrarbeit gegen Annica Svensson

Verkehrte Welt: Josefine Öqvist leistet Abwehrarbeit gegen Annica Svensson

Volle Spieltage sind die Ausnahme in Schweden. Am Sonntag gab es mal wieder einen. Sechs Spiele des zehnten Spieltags:

In Tyresö bilanziert man nach sechs Heimspielen: 6 Siege, 18 Punkte, 23:4 Tore. Die letzte Heimniederlage gab es vergangene Saison gegen Kristianstads DFF. Genau die mussten am Sonntag nach Tyresö und fuhren mit einer deftigen 1:5 Schlappe nach Hause. Wie von mir vorausgesagt, schießt Christen Press für Tyresö Tor um Tor, lieferte heute einen lupenreinen Hattrick ab und liegt nun bei beeindruckenden 12 Toren (eigentlich sogar 13, aber die Statistiker des Fußballverbands korrigieren sich nie, auch wenn Fernsehbilder das Gegenteil beweisen, wie beim 1:0 von Press gegen Linköping, ein Tor, das man nach wie vor Kirsten van de Ven zu Buche schreibt, die den Ball überdies aus Abseitsposition ins Tor beförderte, als er schon längst drin gewesen war). 12 Tore aus neun Spielen für Press also. Vero Boquete mit einem Tor des Monats und Caroline Seger erzielten die übrigen Treffer beim indiskutabel hochverdienten Sieg des Meisters, dessen Trainer Tony Gustavsson in einer erstmals auch dem Publikum zugänglichen Pressekonferenz (sehr gute Initiative) sagte, dass die Demut der gefährlichste Gegner Tyresös auf dem Weg zu einem weiteren Gold sei. Wenn man es an Demut und Respekt dem Gegner mangeln ließe, dann wäre man durch jede Mannschaft verwundbar, bislang allerdings, so Gustavsson, hätte die Mannschaft das bestens beherzigt.

Am Mittwoch muss Tyresö dahin, wo es sich die Meisterschaft letztes Jahr holte: nach Malmö. LdB FC gewann erwartet souverän 3:0 beim Schlusslicht Sunnanå. Anja Mittag machte ihren sechsten Saisontreffer. Am Dienstag gibt es hier den 1:1-Vergleich, die exklusive Gegenüberstellung beider Topteams.

Linköping bleibt Dritter, nachdem die Dänin Pernille Harder trotz drückender Überlegenheit den einzigen Treffer gegen Mallbacken geschossen hat. 1:0 gegen den Aufsteiger.

Göteborg stieß Piteå IF in ernste Abstiegssorgen. Vorletzter ist man nun und hat doch in Faith Ikidi die beste Abwehrspielerin der Liga und insgesamt einen Kader, der einfach mehr als nur sechs Punkte haben MÜSSTE. Marie Hammarström und Anita Asante hatten schon in der ersten Halbzeit alles klar gemacht. 2:0 für Göteborg.

Umeå muss dreimal hintereinander auswärts spielen und bislang sieht diese Tour nicht gut aus. Dem 1:2 bei Jitex folgte am Sonntag ein 0:3 beim wohl endlich wach gewordenen Vittsjö, das nun sechs Punkte aus zwei Spielen holte und damit die Abstiegsränge verließ.

Und auch der rosige Saisonauftakt von KIF Örebro gehört der Vergangenheit an. Sofia Andersson gelang nach Pass von Leena Puranen in der 89. Minute das goldene Tor für Jitex, das ebenfalls sechs Punkte in der letzten Woche geholt hat.

Morgen Abend kommt das Interview mit Schwedens Supertalent Marija Banusic und bald auch an anderer Stelle mein Gespräch mit Pia Sundhage am Rande des heutigen Spiels.