Auftakt nach Maß

Wenig überraschend gelang Eskilstuna United ein Auftakt nach Maß. Der Aufsteiger lockte am Montagabend 1853 Zuschauer auf den heimischen Tunavallen zum ersten Spiel in der Damallsvenskan in seiner Vereinsgeschichte. Und die bejubelten frenetisch die Tore von Kim Arodin und Felicia Karlsson zum 2:0 Heimsieg gegen die stark eingeschätzten Gäste von KIF Örebro.

Der erste Spieltag hat damit dank Eskilstuna einen Zuschauerschnitt von 863.

Bereits heute Abend tritt das deutsche Trio Anja Mittag, Katrin Schmidt und Paula Radtke gegen den Regionalrivalen Vittsjö GIK an.

Damallsvenskan 2014: Mein Tipp

Upptakt29Morgen in zwei Minuten beginnt die neue Saison der Damallsvenskan auf Skytteholms IP, wenn der umgetaufte Meister FC Rosengård beim Fahrstuhlteam und wieder mal Aufsteiger AIK in Solna zu Gast ist.

Wie geht sie aus, die neue Saison? Alle Antworten darauf gibt es schon hier und heute. :)

1. FC Rosengård

Vergangenes Jahr noch ein Zweikampf, in diesem Jahr ein Durchmarsch. Man hat zwar eine Handvoll Spielerinnen abgegeben und sich eigentlich nur mit Anita Asante wirklich verstärkt, aber der Kader von Thora Helgadottir bis Anja Mittag enthält so viel Klasse und Potential, das ähnlich wie in der deutschen Männerbundesliga nach zwei Dritteln der Saison die große Langeweile eintreten wird, was den Meistertitel angeht. Ramona Bachmann ist die wohl beste Spielerin der Liga und eine der Weltbesten, ein Rätsel, warum die FIFA sie noch nie unter die Top 10 nominiert hat oder aber ein Zeichen von Inkompetenz.

2. Linköpings FC

Langfristig wird derzeit in keinem Club in der Liga so klug geplant wie in der Provinzhauptstadt von Östergötland. Trainerfuchs Martin Sjögren und Vereinsboss Anders Mäki haben eine Ansammlung von Talenten, wie es sie nirgends in Skandinavien an einem Ort konzentriert gibt. Zwar ist der kommende Weltstar Pernille Harder verletzt (Ermüdungsbruch im Fuß) und Linda Sällström ist in der Reha nach ihrem dritten (!) Kreuzbandriss innerhalb von zwei Jahren, aber aus einer von Routinier Charlotte Rohlin angeführten Abwehr mit der wohl besten Torhüterin der Liga (Katie Fraine, in vielen anderen Ländern stünde sie als Nummer 1 in der Natio) hinter sich, kommt der LFC mit viel Kreativität. Kristine Minde dürfte der interessanteste Neuzugang der Liga sein und die Holländerin Renée Slegers hatte eine Traumsaison. Wiederholt sie die, dann muss auch Rosengård sich vorsehen.

3. Kopparberg/Göteborgs FC

Wohl nur noch Lokalrivale Jitex Mölndal hatte so viele Abgänge zu verzeichnen: Die Hammarströms hörten auf, Jessica Landström verschwand sang- und klanglos (wohin eigentlich?), Anita Asante zog nach Malmö (ihre Entscheidung fiel schon, als man Christen Press fast widerstandslos ziehen ließ, wie sie mir sagte). Dennoch hat der neue Coach Stefan Rehn mit Hilfe von Sponsor und Vereinsboss Peter Bronsman die Verluste nahezu ausgeglichen. Loes Geurts im Tor, Lieke Martens und Manon Melis machen das Team zu einem Mini-Holland. Hinter Göteborg beginnt das Mittelfeld, das sich weit runter streckt.

4. KIF Örebro

Nach einer guten Vorsaison und mit Blick auf einen insgesamt ausgeglichenen Kader hat Örebro gute Chancen auf die beste Platzierung seiner Geschichte. Die Martinkova-Zwillinge im Mittefeld, vorn mit Sarah Michael die beste Targetstürmerin der Liga und Sanno Talonen, die zuletzt fünf Länderspieltore in zwei Begegnungen für Finnland machte, das alles spricht für eine Platzierung in der oberen Hälfte.

5. Umeå IK

Auch in Umeå wird (wie in Linköping) auf die Jugend gesetzt. Heißt der Star dort Harder, so ist es hier Lina Hurtig, die 18-Jährige hat ihren Vertrag trotz eines Angebots von Paris SG bei den Nordschwedinnen verlängert und will sich noch etwas in der Heimat entwickeln, bevor sie den Schritt ins Ausland tut. Zusammen mit Jenny Hjohlman wird sie nach vorn für viel Kraft sorgen, während hinten die nach ihrem Kreuzbandriss genesene Emma Berglund die Abwehr zusammenhält.

6. Vittsjö GIK

Das Mini-Schottland in Skåne (siehe Interview mit Sofie Andersson) hat sih endgültig in der Liga etabliert. Jane Ross würde Anja Mittag den Titel als Torschützenkönigin streitig machen können, wenn sie noch mehr Klasse um sich hätte, aber die gute und fruchtbare Arbeit von Coach Tomas Mårtensson führt das Team dennoch zu einem guten sechsten Platz.

7. Eskilstuna United

Der Überraschungssieger der ersten Auflage der Elitettan hat mit einer lokalen Bank einen guten Sponsor gefunden und sich hervorragend verstärkt. Mit einer Abwehr aus lauter Nationalspielerinnen (Annica Svensson, Sara Thunebro auf den Außenbahnen und dem irischen Duo Louise Quinn und Vaila Barsley in der Mitte, deren Stärke unlängst selbst die deutsche Nationalmannschaft zu spüren bekam) haben sie eine solide Grundlage, auf die sich aufbauen lässt. Kann die kamerunische Nationalspielerin und Torjägerin Gaelle Enganamouit ihren Trend aus der Vorsaison fortsetzen, dann wird Eskilstuna für mehr als eine Überraschung sorgen.

8. Kristianstads DFF

Kaum etwas hat sich im Kader zur Vorsaison geändet bei Beta Gunnarsdottir. Die isländische Filiale ist ins Stocken gekommen und die Schwangerschaft von Margrét Lara Vidarsdottir ist schön für sie, aber ihre dadurch bedingte Abwesenheit für die Mannschaft ein herber Verlust. Vieles hängt davon ab, ob Megatalent Marija Banusic den Durchbruch schafft. Im Vorjahr war sie immer wieder leicht verletzt und fiel alle paar Wochen für ein paar Spiele aus. Gunnarssdottir sprach auf dem Pressetreff am Dienstag beiläufig von “Mädchenproblemen” und der Hoffnung, in diesem Jahr davon verschont zu bleiben. Ob es sich da um Beziehungsprobleme handelte oder Cliquenbildung, ließ sie dahingestellt, aber offenbar war da am Betriebsklima nicht alles in Ordnung. Platz 8 für Kristianstad, das auch ökonomisch zumindest leicht wackelt.

9. Piteå IF

Sie haben immer noch Faith Ikidi, die beste Abwehrspielerin Afrikas und der Damallsvenskan. Aber eine Reihe wichtiger Spielerinnen hat den Norden verlassen, nicht zuletzt Sofie Persson, die manchmal etwas unscheinbare Klassespielerin im Mittelfeld. Gespannt bin ich auf die Saison von Jungtorhüterin Hilda Carlén, die vom Zweitligisten Hammarby kam. Schweden braucht dringend Nachwuchs auf der Nr 1 in der Natio, die mit Hedvig Lindahl nicht erstklassig besetzt ist und das seit Jahren.

10. AIK

Die Fahrstuhlmannschaft der letzten Jahre schafft den Verbleib im Oberhaus. Norwegische Torhüterin und Malin Levenstad als Stabilisatorin in der Innenverteidigung. Mit Finnlands Maija Saari habe ich Dienstag noch kurz gesprochen, sie ist vielleicht im Mai wieder dabei (Kreuzbandriss 2013) und dann hätte AIK ein richtig gutes Paar in der zentralen Abwehr. Ich traf Malin und Maija zu einem längeren Gespräch im Februar und stellte schon da die Frage, wer denn die Tore machen soll und Levenstad nannte die hochtalentierte, aber sehr verletzungsanfällige Sarah Storck und natürlich Neunationalspielerin Emma Lundh (“die beste, mit der ich je Fußball gespielt habe”, sagte mir einmal Potsdams Gudbjörg Gunnarsdottir VOR ihrer Zeit in Deutschland). Aber nach vorn wird es dennoch schwierig.

11. Jitex Mölndal BK

Abstieg jetzt mit einer komplett ausgewechselten Mannschaft, in der nun hauptsächlich Spielerinnen stehen, die aus der zweiten Liga gekommen sind. Finanzielle Probleme bis zuletzt, aber nun auf einmal zwei Sponsoren (ein Badmodenhersteller und die Gemeinde, die auch die Namensänderung in letzter Minute veranlasste). Filippa Curmark und Co. werden Erfahrung sammeln und im nächsten Jahr, wenn sie denn zusammenbleiben, in der Elitettan aufräumen. Und mit neuen Sponsoren kommen vielleicht noch einige etablierte Gesichter hinzu. In diesem Jahr jedoch hat man mit diesem Mädchenkader keine Chance.

12. Tyresö FF

Fast kein Kommentar nötig. Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Marta, Carola Söberg und Caroline Seger gehen schon nach wenigen Spielen und am 5. Juni trifft man sich wieder vor dem Amtsgericht Nacka. Champions-League-Sieg am 22. Mai in Lissabon und danach die Explosion. Konkurs. Herausnahme des Teams aus dem laufenden Spielbetrieb nach rücksichtslos, verantwortungsloser Politik von Vereinspräsident Hans Lindberg und dem starken Mann im Hintergrund, Hans Löfgren. Noch ist es nicht sicher, aber ich glaube nicht mehr an das noch unbekannte afrikanische Land, das mit vier Millionen Kronen netto jährlich das Team wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Ach ja, und Tony Gustavsson dürfte sehr gute Chancen haben, Nationaltrainer der USA zu werden.

 

Rosengård haushoher Favorit

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fast 80% der Teilnehmer am traditionellen “Anstoß”-Treffen der Damallsvenskan, dem medialen Kick-Off, tippten am Dienstagvormittag den FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö, ehemals Malmö FF) als alten und neuen schwedischen Meister. Linköping wird Zweiter und Tresö Dritter, wenn man den Experten glauben schenken darf.

Der schwedische Fußballverband und der Elitföreningen Damfotboll (Interessenvereinigung der ersten und zweiten Liga) hatten zum dritten Mal nacheinander in die prächtigen Berns Salonger in Stockholm eingeladen. Am Vormittag parlierten eine Moderatorin von TV4 und die ehemalige Weltklassespielerin und jetzige Expertin Hanna Marklund mit Trainerpaaren und dann sechs Spielerinnen über die kommende Saison.

Ein Höhepunkt hätte die Begegnung zwischen Jitex’ ehemaligem Sportchef und neuen Trainer Anders Holmvén und Jitex’ ehemaligem Trainer und nun Göteborgs Trainer Stefan Rehn werden können. Rehn hatte den Lokalrivalen Jitex verlassen und darüber hinaus auch noch gleich eine Handvoll Spielerinnen mitgenommen. Aber die Beiden beließen es dabei, sich mehr oder weniger zu ignorieren.

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Als dann die ersten sechs Spielerinnen die Bühne betraten und befragt wurden, sah man auf einmal wie Rosengårds Therese Sjögran (die heute ihren 37. Geburtstag feierte) Piteås Stürmerin Hanna Pettersson von der Bühne führen wollte. Pettersson sackte dann schon fast zusammen, es ging ihr offenbar nicht gut, und begleitet von Sjögran und einem Funktionär wurde sie in den Nebenraum geführt. Nur zwei Minuten später war die 26-Jährige wieder da. Von der Moderatorin befragt, ob denn wirklich alles wieder in Ordnung sei, sagte Pettersson: “Ja, danke. Man tut halt alles, um Aufmerksamkeit zu erregen.”

Und das war auch schon der Witz des Tages. Als dann die zweite Liga ihren 20-minütigen Auftritt hatte, kam die 19-Jährige Torhüterin Fanny Edström mit Gitarre und Mikrofon auf die Bühne und wenn man sich in die Nationalmannschaft singen könnte, dann wäre Edström wohl im nächsten Aufgebot, denn die nicht gerade unmusikalische Pia Sundhage wiegte sich begeistert im Takt.

Wie immer gab es eine Menge interessanter und weniger interessanter Umfragen, die wir Anwesenden mit unseren Abstimmungsgeräten klären sollten. Und da ergaben sich nicht weniger als 79,5%, die auf Rosengård als Meister tippen. Stefan Edberg, nein, nicht der Tennisspieler, sondern sein Namensvetter von der staatlichen Lotteriegesellschaft Svenska Spel, die sich zum wichtigsten Sponsor entwickelt hat, gab die Langzeitquoten bekannt. Rosengård bringt lediglich 1,7 als Meister, man ist bei der Lotterie aber optimistisch, was Tyresö angeht, denn die sollen Zweiter werden. Glaubt man Edberg, dann wird Anja Mittag zum zweiten Mal nach 2012 Torschützenkönigin.

Und obwohl Tyresö am Vormittag nicht auf die Bühne musste, dominierte es doch an der Nachrichtenfront. Auf Facebook gab Präsident Hans Lindberg bekannt, dass man in der jetzigen Situation nicht imstande sei, die im Sommer auslaufenden Verträge von Marta und Caroline Seger zu verlängern. Man könne sich vorstellen, die Spielerinnen schon Ende Mai freizugeben, damit sie z.B. in die USA wechseln könnten.

Marta wird schon seit einigen Tagen in der norwegischen Presse mit Tyresö-Nachahmer Avaldsnes IL in Verbindung gebracht. Arne Utvik, der Löfgren aus Norwegen, bestätigte gegenüber dem norwegischen Fernsehen auch, dass er mal eine Anfrage von Martas Agent bekommen habe, aber es sei daraufhin nichts weiter geschehen. Viel Rauch um fast gar nichts in dieser Norwegen-Spur, scheint mir.

Caroline Seger wurde dann gleich mal vom schwedischen Fernsehen angerufen und zeigte sich gelinde gesagt, empört. Sie hatte um die Mittagszeit, vor oder nach der Facebooknachricht des Clubs, eine E-Mail bekommen, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie sich wohl einen neuen Verein suchen müsse. “Ich weiß nicht so recht, was passiert. Enttäuscht ist zu wenig gesagt. All das ist in sehr kurzer Zeit geschehen und mit dem Gedanken an die Champions League ist das sicher nicht optimal,” so Seger.

Sie wolle weg, sagte sie denn auch erstmals so deutlich wie nie zuvor. “Das einzige, was ich weiß, ist, dass mein nächster Verein nicht solche Probleme haben wird. Es wird ein professioneller Club sein und eine Organisation, die das erledigt, was erledigt werden muss, damit ich mich auf den Fußball konzentrieren kann. Das ist das einzige, was ich über meine Zukunft weiß.”

Auch Carola Söbergs Vertrag läuft aus und auch ihr legt man keine Steine in den Weg, um Gehaltskosten zu sparen.

Interessierte deutsche Vereine können sich also umgehend bei Caroline Seger oder Marta melden… Tyresö würde sie ab dem 31.05. freistellen, was mit dem Gedanken an die Saison in Deutschland oder Frankreich sicher nicht optimal ist.

Trainer Tony Gustavsson sprach dann später von der weißen Linie, innerhalb derer sich die Mannschaft bewege. Man sei noch enger zusammengewachsen und es klingt fast als sei das Team und die Trainer auf der einen Seite und die Welt auf der anderen. Freundschaftlich scheint da niemand mehr dem Vorstand mit Hans Lindberg verbunden zu sein. Lindberg saß denn auch alleine beim Mittagessen. Über das Afrika-Projekt, das den Verein angeblich in der ersten Liga halten kann, konnte er noch immer nichts bekanntgeben. Man arbeite daran.

Als die junge Malin Diaz auf der Bühne stand, Trainer Gustavsson hatte sie vorher noch als eine der besten Kunstrasenspielerinnen Schwedens bezeichnet, da sprachen die Blicke der Konkurrentinnen Bände, dabei kann die kleine, junge Malin natürlich nichts für die Misere, in die gierige und unkundige Funktionäre den Verein reingewirtschaftet haben.

Zuviel Tyresö.

Was gab es sonst noch? Interessant, dass sich Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir sehr selbstkritisch gab und vor allem für 2014 weniger “Mädchenprobleme” wünschte. Ein zarter Hinweis darauf, dass es in der Mannschaft 2013 betriebsklimatische Probleme gab, die zum schlechten Abschneiden beitrugen.

Man fragt sich ja immer, warum es in der ersten und zweiten Liga jeweils nur eine Trainerin unter lauter Männern gibt. Vielleicht haben Gunnarsdottir und die Zweitligatrainerin und Ex-Nationalspielerin Linda Fagerström (Trainerin bei Jennifer Meiers letztem Verein Bollstanäs SK) darauf eine Antwort gegeben, denn auch Fagerström sagte, dass es “verdammt schwer” sei, “eine Truppe Mädels zu bändigen”.

Über das Publikumsproblem wurde diskutiert und Victoria Sandell Svensson meinte, darüber würdn wir jedes Jahr reden und dabei sei es einfach so, dass viele Schweden im Sommer zu ihren Hütten fahren und den Fußball sein ließen. Ihr Ex-Clubchef und jetzige Präsident des EFD Per Darnell sagte, man habe eigentlich schon alles probiert und wisse auch nicht so genau, woran es liegt, man habe tolle Stadien… Hallo?

Ich habe keine Probleme mit den Sportplätzen und Stadien, aber vom Wohlfühlfaktor der bei der EM letztes Jahr benutzen Männerstadien sind die Frauenarenen doch noch weit entfernt. Aber vielleicht ist es Murphy’s Gesetz. Da sagte einer, er ginge nicht hin, weil da so wenig Zuschauer seien und auf die Frage, ob er denn selber hingehe, sagte er nein.

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage hatte einen Auftritt und beschrieb den Weg der Nationalelf nach Kanada. Sie wolle enger mit den Vereinen zusammenarbeiten und will alle Clubs besuchen und auch das Training anschauen. Eigentlich wünscht sie sich, dass Blöcke der Nationalelf in schwedischen Vereinen spielen, aber sie ahnt wohl, dass das nicht mehr geht.

Und so endete der Tag dann mit der Gelegenheit, Interviews zu machen und die streue ich in den nächsten Tagen hier ein.

Am Sonntag spielt dann Meister Rosengård in Solna bei Aufsteiger AIK und die Liga startet in die neue Saison.

Alle gegen Sundhage

Vom 12.-16. Januar hat der schwedische Fußballverband den ersten Lehrgang für die A-Nationalmannschaft angesetzt. In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die eine Gastprofessur in den USA wahrnimmt, wird Assistentin Lillie Persson Lehrgangsleiterin sein. Insgesamt 65 Tage wollen Sundhage und Persson 2014 mit ihren Nationalspielerinnen verbringen, um das Team zu schweißen, das bei der WM 2015 in Kanada um die Medaillen mitspielen soll.

Die Vereine sind alles andere als begeistert und nach Angaben von Anders Nilsson, Blogger bei der Boulevardzeitung Aftonbladet, sieht es so aus, als ob die Spielerinnen von Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö), Linköpings FC und Umeå IK nicht zum Lehrgang nach Växjö fahren dürfen.

Damit wären zehn der insgesamt 25 nominierten Spielerinnen aus dem Rennen: Malin Reuterwall, Magdalena Ericsson, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Hanna Folkesson, Therese Sjögran, Lina Hurtig und Elin Rubensson.

“Unser Ziel ist, das Regelwerk zu befolgen und die Spielerinnen lediglich von den von der FIFA bestimmten Spielterminen freizugeben,” wird Rosengårds Sportchef Niclas Carlnén zitiert. Es gehe nicht darum, dass man gegen die Nationalmannschaft sei, so Carlnén weiter, aber es müsse ein besseres Gleichgewicht geben und man müsse die Belastung für die Spielerinnen zu gewissen Zeiten verringern.

Nilson behauptet in seinem Blog ebenfalls, dass zehn der zwölf Vereine der Damallsvenskan einen Brief an Fußballchefin Marika Domanski Lyfors geschrieben hätten, in dem sie mitteilen, ihre Spielerinnen lediglich zu den von der FIFA bestimmten Terminen freigeben wollen.

westAls ich gestern auf Twitter etwas provokant fragte, ob man sich nicht mehr an der Nationalmannschaft orientieren müsse, da die Öffentlichkeit die Spiele der Nationalmannschaft verfolgt, aber kaum jemand zur Damallsvenskan gehe, antwortete mir Umeås Sportchef Niklas Westman: “Meinst du das Ernst? Sollen die Clubs der Damallsvenskan den Spielerinnen Gehälter zahlen für eine Menge Fysio-Tests im Januar?”.

Das zeigt, dass es auch noch um etwas anderes geht als Ruhe für die Spielerinnen. Westman bringt das finanzielle Argument ins Spiel. Wenn die Nationalmannschaft die Spielerinnen 65 Tage lang im Jahr in Beschlag nehmen will, dann zahlen die Vereine etwas mehr als zwei Monatsgehälter trotz Abwesenheit ihrer besten Mitarbeiterinnen.

Aber ist nicht eine Möglichkeit, die Publikumsmisere der letzten Jahre, in denen die Liga Zuschauer in großem Maße verloren hat, anzugehen, die Nationalmannschaft noch opulärer zu machen? Oder geht Frauenfußball und großes Publikum vielleicht nur im Rahmen von Länderwettbewerben und großen internationalen Meisterschaften zusammen?

Könnte nicht ein amerikanisches Modell, in dem der Fußballverband zumindest ansatzweise die Gehälter seiner 25 wichtigsten Spielerinnen übernimmt und damit auch das Recht hat, die Spielerinnen zu Lehrgängen einzuberufen eine interessante Variante sein?

Oder wollen wir im Klein-Klein weiterwurschteln und uns auch in drei Jahren noch darüber ärgern, dass zu den meisten Spielen höchsten fünfhundert Zuschauer kommen, wenn man dann auch noch den Zeugwart, alle Spielerinnen und Ordner mitgezählt hat?

In jedem Fall scheint Pia Sundhage mit ihrem Team allmählich die Grenzen von dem zu erreichen, was die Vereine mit ihr bereit sind, mitzumachen. Das ist für den schwedischen Fußball kaum eine gute Entwicklung.

Das Argument Carlnéns, dass die Spielerinnen nicht mehr belastet werden können, verfängt doch auch nicht. Die Damallsvenskan hat 22 Spiele. Die Spielzeit dauert sieben Monate, davon ist ein guter Monat spielfrei. Auch hier muss man darüber nachdenken, ob man den Spielbetrieb nicht ausdehnt, zum Beispiel im März beginnt und im November aufhört. Wir reden hier über hauptamtlich vergütete Spielerinnen, die zwar nicht viel Geld verdienen, aber im Wesentlichen doch Profis sind. Und die sind sozusagen ein halbes Jahr auf der Bühne, während sie den Rest des Jahres auf mehr schlecht als recht beleuchteten Trainingsplätzen für das andere halbe Jahr üben und infolgedessen von der Öffentlichkeit, die letztlich die notwendige Lebensnahrung (Geld) zuführen soll, nicht wahrgenommen wird.

Statt zumindest neues Denken zu ermöglichen, verschanzen sich die Clubs, deren Zuschauerränge immer leerer werden, aber lieber hinter dem Argument, dass die Spielerinnen bitte vor allem und in erster Linie ihnen gehören. Ist das der Weg in die Zukunft?

 

 

Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis’ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren “sammeln” offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

Frauenfußball – Sport ohne Zuschauer

Djurgårdens Tove Enblom - Abstoß vor gähnend leeren Rängen

Djurgårdens Tove Enblom – Abstoß vor gähnend leeren Rängen

Der Zuschauerschwund in der Damallsvenskan setzt sich fort. Sechs Spiele stehen am Sonntag noch aus, sechs Spiele, in denen es um nichts mehr geht, da alle Entscheidungen gefallen sind.

Malmö ist Meister, Tyresö bekommt den zweiten CL-Platz, Linköping ist Dritter und die Absteiger heißen Mallbacken und Sunnanå.

Nicht unbedingt angetan, um noch einmal extra Zuschauer zu locken.

Der Schnitt nach 21 Spieltagen liegt nun bei bescheidenen 755 Zuschauern pro Begegnung und lediglich Tyresö FF hat noch einen Schnitt, der über 1.000 pro Spiel liegt.

Dabei hatte man hierzulande natürlich gehofft, dass die Europameisterschaft im Sommer einen großen Aufschwung auch für die Liga bedeuten könnte. Ausverkaufte Schweden-Spiele, aber auch ausverkauft bei Spielen wie Deutschland – Norwegen oder Norwegen – Spanien in Kalmar sowie Dänemark – Norwegen in Norrköping.

Dies alles hat keine Fortsetzung gefunden im Alltag der Liga. Im Gegenteil, es sind sogar Zuschauer verschwunden. 836 Zuschauer kamen 2012 im Durchschnitt, in seinem Meisterjahr hatte Tyresö 1998 Zuschauer daheim verglichen mit jetzt nur noch 1235. Mehr als 30% beträgt der Rückgang, obwohl das Team in diesem Jahr in der Champions League spielt.

2011 hatten wir noch 924 Zuschauer pro Spiel, da gab es aber neben Tyresö auch noch sowohl Malmö wie Umeå und Piteå über der 1000er-Grenze. Gegenüber diesem ersten Meisterjahr hat LdB FC Malmö rund 400 Zuschauer verloren – pro Spiel, auch etwa 30%. In beiden Jahren wurde man Meister, es liegt also nicht am fehlenden sportlichen Erfolg. Auch Piteå hat etwa ein Drittel seit 2011 verloren.

Will man mit Statistiken glänzen, kann man immerhin behaupten, dass die Damallsvenskan im Vergleich zu 2010 heute rund 100 Zuschauer mehr pro Spiel hat, denn 2010 war ein trostloses Jahr mit 653 Zuschauern, aber Piteå war nicht erstklassig. Piteå hat in den Jahren darauf, trotz sinkender Zahlen viel dazu beigetragen, den Gesamteindruck noch zu verschönern.

2009 (824), 2008 (892), 2007 (976), 2006 (814), 2005 (1110), 2004 (1127) und 2003 (922) sah es jeweils besser aus.

Faktum ist, dass wir 2013 also den zweitschlechtesten Schnitt der letzten zehn Jahre verzeichnen müssen und das, obwohl sich der Sport weiterentwickelt hat. Hat Frauenfußball auf Vereinsebene in Schweden also doch kein Publikum?

Es sieht immer noch viel besser aus als etwa in Norwegen, wo man schon von einem sehr gut besuchten Spiel sprechen kann, wenn die 200er-Grenze passiert wird. Aber auch in Schweden kommen kaum mehr Leute als die Verwandten, Eltern und Freunde und Bekannten der Spielerinnen. Die Szene ist sehr klein, man kennt sich.

Per Darnell, Generalsekretär des Elitföreningen Damfotboll, der Interessenvereinigung der Clubs der ersten und zweiten Liga, sagte in einem Interview mit der Zeitung Göteborgs Posten, dass man im Grunde genommen ratlos sei. Man wisse einfach nicht, woran es liege. Zuschauerbefragungen werden seit Jahren gemacht, es wird auf den jährlichen Presseauftakttreffen der Damallsvenskan, die ich nun auch schon seit sechs Jahren regelmäßig besuche, immer wieder davon gesprochen, dass man wisse, dass der Durchschnittszuschauer eines Frauenfußball-Erstligaspiels um die 60 und männlich ist.

Die Familien, die so oft anvisiert werden, das klassische Ehepaar mit zwei Kindern, sieht man so gut wie nie in den Arenen. Frauen sollen angelockt werden. Aber wollen Frauen zwischen 18-49, die keine besondere Beziehung zum Frauenfußball haben, wirklich Frauenfußball sehen und wie soll man sie anlocken? Verrückt ist, dass man nicht einmal die Mädchen und Frauen in die Stadien und auf die Sportplätze bekommt, die selber in irgendeiner vierten oder fünften Liga Fußball spielen.

Es gibt ja auch keine wirklichen Vorbilder. Ich habe in den letzten beiden Jahren immer wieder vom Cup Kommunal berichtet, einem Turnier für die besten 16-Jährige Mädchen der jeweiligen geographischen Regionen. Ich traf dort Marija Banusic und dieses Jahr Emma Jansson (Hammarby) und Adelisa Grabus (KIF Örebro). Alle drei habe ich nach ihren Vorbildern gefragt und die Antworten lauten immer Messi, Ronaldo. Nazanin Vaseghpanah, die ehemalige Spielerin von AIK und Hammarby, sagte mir, ihr Vorbild sei Diego Maradona. Nie ist in den vielen Gesprächen auch mit erwachsenen Fußballerinnen mal der Name Mia Hamm, Birgit Prinz oder Hanna Ljungberg gefallen. Die Vorbilder auch der Mädchen sind männlich. Da ist also noch viel zu tun, auch medial.

 

 

 

Drei Tage bis zum Showdown

Verkehrte Welt: Josefine Öqvist leistet Abwehrarbeit gegen Annica Svensson

Verkehrte Welt: Josefine Öqvist leistet Abwehrarbeit gegen Annica Svensson

Volle Spieltage sind die Ausnahme in Schweden. Am Sonntag gab es mal wieder einen. Sechs Spiele des zehnten Spieltags:

In Tyresö bilanziert man nach sechs Heimspielen: 6 Siege, 18 Punkte, 23:4 Tore. Die letzte Heimniederlage gab es vergangene Saison gegen Kristianstads DFF. Genau die mussten am Sonntag nach Tyresö und fuhren mit einer deftigen 1:5 Schlappe nach Hause. Wie von mir vorausgesagt, schießt Christen Press für Tyresö Tor um Tor, lieferte heute einen lupenreinen Hattrick ab und liegt nun bei beeindruckenden 12 Toren (eigentlich sogar 13, aber die Statistiker des Fußballverbands korrigieren sich nie, auch wenn Fernsehbilder das Gegenteil beweisen, wie beim 1:0 von Press gegen Linköping, ein Tor, das man nach wie vor Kirsten van de Ven zu Buche schreibt, die den Ball überdies aus Abseitsposition ins Tor beförderte, als er schon längst drin gewesen war). 12 Tore aus neun Spielen für Press also. Vero Boquete mit einem Tor des Monats und Caroline Seger erzielten die übrigen Treffer beim indiskutabel hochverdienten Sieg des Meisters, dessen Trainer Tony Gustavsson in einer erstmals auch dem Publikum zugänglichen Pressekonferenz (sehr gute Initiative) sagte, dass die Demut der gefährlichste Gegner Tyresös auf dem Weg zu einem weiteren Gold sei. Wenn man es an Demut und Respekt dem Gegner mangeln ließe, dann wäre man durch jede Mannschaft verwundbar, bislang allerdings, so Gustavsson, hätte die Mannschaft das bestens beherzigt.

Am Mittwoch muss Tyresö dahin, wo es sich die Meisterschaft letztes Jahr holte: nach Malmö. LdB FC gewann erwartet souverän 3:0 beim Schlusslicht Sunnanå. Anja Mittag machte ihren sechsten Saisontreffer. Am Dienstag gibt es hier den 1:1-Vergleich, die exklusive Gegenüberstellung beider Topteams.

Linköping bleibt Dritter, nachdem die Dänin Pernille Harder trotz drückender Überlegenheit den einzigen Treffer gegen Mallbacken geschossen hat. 1:0 gegen den Aufsteiger.

Göteborg stieß Piteå IF in ernste Abstiegssorgen. Vorletzter ist man nun und hat doch in Faith Ikidi die beste Abwehrspielerin der Liga und insgesamt einen Kader, der einfach mehr als nur sechs Punkte haben MÜSSTE. Marie Hammarström und Anita Asante hatten schon in der ersten Halbzeit alles klar gemacht. 2:0 für Göteborg.

Umeå muss dreimal hintereinander auswärts spielen und bislang sieht diese Tour nicht gut aus. Dem 1:2 bei Jitex folgte am Sonntag ein 0:3 beim wohl endlich wach gewordenen Vittsjö, das nun sechs Punkte aus zwei Spielen holte und damit die Abstiegsränge verließ.

Und auch der rosige Saisonauftakt von KIF Örebro gehört der Vergangenheit an. Sofia Andersson gelang nach Pass von Leena Puranen in der 89. Minute das goldene Tor für Jitex, das ebenfalls sechs Punkte in der letzten Woche geholt hat.

Morgen Abend kommt das Interview mit Schwedens Supertalent Marija Banusic und bald auch an anderer Stelle mein Gespräch mit Pia Sundhage am Rande des heutigen Spiels.

Nach neun Runden

Erwartungsgemäß sind Tyresö und Malmö dem Rest des Feldes deutlich voraus. Die letzten vier Spiele des neunten Spieltags fanden vorgestern und vor allem gestern statt

Bereits am Mittwochabend führte Piteå zwar mit 1:0 gegen Linköping, aber Martin Sjögrens junge Mannschaft drehte die Begegnung und wie schon gegen Malmö am Spieltag zuvor wurde die Dänin Pernilla Harder zum Matchwinner für die Gäste. Piteå rutschte nun aufgrund der Donnerstagsergebnisse auf einen Abstiegsplatz, wo es definitiv nicht hingehört. Aber in der nördlichsten Stadt der Liga ist in der Lokalpresse jetzt schon die Devise durchhalten bis zur Sommerpause und Verstärkungen besorgen ausgegeben worden.

Piteå rutschte auf Rang 11, weil Vittsjö bei Mallbacken 3:1 gewann. Erste Niederlage der Värmländerinnen auf eigenem Platz seit zwei Jahren, der Strandvallen mit seinen fehlenden Tribünen (die Zuschauer sitzen meist auf selbst mitgebrachten Stühlen am Spielfeldrand) war eine Bastion. Er ist zudem Schwedens einziger Topfußballplatz, den man nur über eine Schotterstraße erreicht. Großes Pech für Mallbacken und noch mehr wohl fürr die finnische Nationalmannschaft:

Maija Saari, Kapitänin Finnlands und wichtiges Glied in der Abwehrkette Mallbackens, zog sich beim Training unter der Woche einen Kreuzbandriss zu. Maija ist damit schon das zehnte Opfer mit dieser Verletzung in der Damallsvenskan 2013.

Grund zur Freude hatte Finnlands Trainer Andrée Jeglertz auch gestern. Annica Sjölund, 2012 mit Kreuzbandriss ausgefallen, machte ihr erstes Spiel über 90 Minuten daheim gegen Umeå IK: Es kamen für Jitex sehr erfreuliche 900 Zuschauer und sie wurden zudem Zeugen eines eminent wichtigen 2:1 über Umeå. Zweifache Torschützin: Annica Sjölund.

Dass Kristianstad Sunnanå eine deutliche Niederlage mitgeben würde, glaubten wohl alle und tatsächlich gab es für den Aufsteiger (und wohl Absteiger) erneut ein empfindliches 5:1. Marija Banusic schoss das 1:0 schon in der ersten Spielminute, Margret Lara Vidarsdottir traf zweimal und Josefine Öqvist und Johanna Rasmussen je einmal. Mit Banusic hatte ich mich schon für Sonntag in Tyresö für ein Interview nach dem Spiel verabredet, aber die 17-Jährige sah ihre dritte gelbe Karte (wegen Wassertrinken auf dem Spielfeld!) und ist damit gegen Meister Tyresö gesperrt. Für ihre Handverletzung hat man ihr in Malmö übrigens eine Spezialmanschette angefertigt.

 

Höhere Ausgaben, größeres Defizit und steigende Spielerinnengehälter

Der wirtschaftliche Jahresbericht der Damallsvenskan ist da. Wie immer auf der Seite des schwedischen Fußballverbands zu finden.

Ich fasse die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

  • Das addierte Defizit aller 12 Klubs ist von 2011 auf 2012 deutlich gestiegen. Verzeichneten wir 2011 noch ein Minus von 2,489 Millionen Kronen (= 290.000 €) so war es im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viel: 6,343 Millionen (= 740.340 €).
  • Die addierten Einnahmen erreichten einen Höchstand von nunmehr 91 Millionen SEK (= 10,716 Millionen €).Die Kosten sind mit 16% gestiegen und übersteigen damit die Zunahme bei den Einnahmen.
  • Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Einnahmen eines Klubs und seiner Position in der Tabelle: Drei Klubs nahmen mehr als 10 Millionen Kronen ein – sie liegen alle drei auf den erstenh drei Plätzen der Damallsvenskan.
  • 2012 bekam eine Spielerin durchschnittlich 11.008 Kronen (1.284 €) brutto pro Monat. 2011 waren es im Vergleich dazu lediglich 7.572 SEK (= 883 €). Eine deutliche Steigerung, die auf der Annahme basiert, dass die Mannschaften jeweils aus 22 Spielerinnen bestehen. Aber natürlich viel zu wenig, um zu überleben. VORSICHT: Der Bericht weist daraufhin, dass es beim Nachweis der Spielergehälter vermutlich große Unterschiede zwischen den Vereinen gäbe.
  • Jitex BK und Umeå IK wiesen 2012 ein negatives Kapital auf, weshalb sie auch vom Verband aufgefordert waren, einen Plan vorzulegen, wie sie das Defizit auf 0 zurückführen würden. Umeå will künftig erst einmal auf junge Spielerinnen setzen und weniger “fertige” Spielerinnen kaufen, Jitex ist bekanntlich immer noch oder wieder in akuten finanziellen Problemen.
  • Währen die Damallsvenskan also etwa einen Umsatz von 90 Millionen Kronen macht, hat die zweite Liga der Männer im selben Jahr 381 Millionen, die erste Liga Allsvenskan 1,27 Milliarden SEK umgesetzt. Der Weg ist also auch wwirtschaftlich noch sehr weit zu gleichen Voraussetzungen.
  • Der Anteil der Publikumseinnahmen an den Gesamteinnahmen beträgt übrigens 5%. Am wichtigsten sind die Einnahmen aus Werbe- und Sponsorenverträgen mit 42%.
  • Tabelle nach Einnahmen für 2012: 1. Tyresö FF 17,268 Millionen, 2. LdB FC Malmö 14,868, 3. Linköpings FC 10,139, 4. Kopparberg/Göteborgs FC 8,074, 5. Umeå IK 7,866, 6. Piteå IF 6,924, 7. Kristianstads DFF 6,034, 8. KIF Örebro 5,314, 9. Jitex BK 4,804, 10. Vittsjö 4,654, 11. Djurgården 3,287, 12. AIK 2,181.
  • 97 Millionen Kronen wurden ausgegeben. Davon machten die Spielerinnengehälter 67% aus, die Abwicklung von Training und Spielen 20%.

Tyresö wirft den Turbo an

Nachdem es einigermaßen zäh für den schwedischen Meister Tyresö FF begann, glaubten schon viele, dass das Starensemble von Hans Löfgren möglicherweise doch nicht so deutlich den Titel verteidigen können würde. Man dominierte die meisten Spiele, verwertete aber nur ungenügend Chancen und liess gerade deshalb zwei Punkte in Mallbacken liegen.

Ich habe von Anfang an gesagt, dass Tyresö dieses Jahr einen Alleingang machen MUSS. Wo Konkurrent Malmö ein Ensemble internationaler Klassespielerinnen vereint, in dem es mit Anja Mittag auch eine Weltklassespielerin gibt, so besteht das Orchester aus dem Stockholmer Vorort aus einem Haufen Weltstars: Marta, Vero Boquete, Caroline Seger, Christen Press plus internationaler Spitzenspielerinnen. Am letzten Sonntag ist mit dem 10:2 +ber Schlusslicht Sunnanå der Knoten geplatzt. Gestern Nachmittag weihte Jitex BK sein neues Stadion am Åbyvallen ein und es kamen 766 Zuschauer. Das ist zwar doppelt so viel wie normal für Jitex, aber dennoch wenig, wenn man bedenkt, dass man ein neues Stadion zu sehen und den Meister zu Besuch hatte.

Und Tyresö spielte meisterlich. Mit 7:0 gewann das Team von Trainer Tony Gustavsson und die Niederländerin Kirsten van de Ven machte einen Hattrick. Christen Press setzte sich mit zwei weiteren Treffern und jetzt neun (plus eins) Toren an der Spitze der Torjägerliste fest. Tyresö, das ist meine Prognose, wird sich jetzt nicht mehr aufhalten lassen und kann nur dann gefährdet werden, wenn Malmö bis zum Aufeinandertreffen der beiden Topteams am 12. Juni keine Punkte mehr liegen lässt.

Press’ Nachfolgerin in Göteborg, die Engländerin Jodie Taylor steht mit jetzt sieben Toren auf Platz 2 der Liste. Ihre beiden Treffer gegen Kristianstad waren mitentscheidend für den 4:3 Heimsieg, den Nationalspielerin Marie Hammarström mit ihrem ersten Pflichtspieltor für den neuen Verein sicherte.

Am Sonntag trennten sich die schwach gestarteten Vittsjö und Piteå nicht unerwartet 2:2 unentschieden, wobei Piteås Faith Ikidi erst in der 94. Minute die Niederlage mit ihrem Tor verhinderte.

Umeå besiegte Mallbacken erwartungsgemäß mit 2:0 und ebenfalls nicht überraschend das torlose Unentschieden von Sunnanå gegen Örebro gestern.

Damit steht nur noch das TV-Spiel aus, am Dienstagabend müssen Mittag, Schmidt, Radtke & Co. bei Linköpings FC antreten, keine leichte Aufgabe, bei der aber dennoch drei Punkte Pflicht sind.

Tyresö und Malmö setzen sich ab

Ich muss um Entschuldigung bitten, dass ich erst jett dazu komme, etwas zum letzten Spieltag der Damallsvenskan hier reinzustellen, aber es waren hektische Tage, der Spieltag war auch erst am Dienstag zu Ende und heute Morgen bin ich in London, um mir hier heute Abend das UWCL-Finale an der Stamford Bridge anzuschauen.

Wie die Überschrift sagt: Tyresö und Malmö setzen sich ab, haben jetzt 5 und mehr Punkte Vorsprung auf den Rest der Liga. Das hat man vor der Saison genauso erwartet. Dabei schossen beide Teams wieder ordentlich Tore.

Malmö besiegte Vittsjö im Skåne-Derby mit 4:0 während ich in Tyresö erleben konnte, wie der schwedische Meister gegen Sunnanå mit sage und schreibe 10:2 gewann und sich damit wieder an die Tabellenspitze setzte. Dabei erzielte Christen Press gleich vier Tore und beamte sich damit an die Spitze der Torjägerliste.

Göteborg gelang ein 2:0 bei KIF Örebro, fügte damit dem vermeintlichen Abstiegskandidaten die erste Niederlage zu – beide Tore schoss die Engländerin Jodie Taylor, deren Name jetzt wohl fettgedruckt im Notizbuch von Hope Powell stehen dürfte.

Piteå hat Pech – auch das eine der Überschriften des siebten Spieltags. Denn auch am Dienstag gab es wieder eine Niederlage – im “Derby” gegen das 150 kkm entfernte Umeå. Dabei fiel die Entscheidung erst durch einen Foulelfmeteer in der 90. Minute, mit dem die kürzlich in den Kader von Pia Sunndhage berufene Jenny Hjohlman ihren dritten Tagestreffer machte – 3:2 für Umeå.

Mit 10:1 Schüssen auf das gegnerische Tor verlieren – wie das geht machte uns am Wochenende Jitex BK vor, das beim Aufsteiger Mallbacken mit 0:1 unterlag und dabei Berichten zufolge das Spiel weitgehend dominierte. Aber auch das passiert ja bekanntlich immer wieder im Fussball. Mallbacken hat jetzt schon acht Punkte und war wohl DER Tipp für Rang 12 in dieser Saison.

Seit drei Jahren sagt Elisabet Gunnarsdottir schon, dass sie mit Kristianstad Meister werden will. Jetzt ist hoffentlich Schluss mit diesen Ansagen. Denn nach der 1:2 Heimniederlage gegen Linköping sieht das schon nach sieben Spieltagen nicht mehr realistisch aus.

Das hier versprochene Interview mit Sara Björk Gunnarsdottir steht leider noch aus. Ich hoffe auf das eine oder andere Gespräch in den nächsten Tagen…

Ausgerutscht und Malmö wieder top

Eine schnelle Zusammenfassung der fünf Sonntagsspiele in Runde 6 der Damallsvenskan.

LdB FC Malmö ist wieder Tabellenführer. Mit einem in der Höhe sicher unerwarteten 5:0 gegen Kristianstad im Skåne-Derby arbeitete der Meister von 2010 und 2011 für das Torverhältnis und dank der Tore von Sara Björk Gunnarsdottir und Ramona Bachmann (je 2) sowie Katrine Veje versetzte man den ambitionierten Kristianstädterinnen eine empfindliche Niederlage.

2:0 hatte es zur Halbzeit gestanden, da war Kristianstad durchaus noch im Spiel. Dann setzte Trainerin Elisabet Gunnarsdottir ales auf eine Karte und spielte 3-4-3, was Malmö weitere drei Tore und viel Platz gab.

“Wir machen ein schlechtes Spiel. Es ist nicht akzeptabel, mit fünf Toren zu verlieren. Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir mit unserer Taktik in der zweiten Halbzeit keinen Erfolg hatten. Malmö hat uns kaputt gelaufen und die fünf Tore verdient,” zeigte sich Gunnarsdottir immerhin selbstkritisch.

Einziger Lichtblick bei den Gästen: die erst 17-Jährige Marija Banusic, die selbst der Meinung war, dass die Unparteiische ihr einen klaren Elfmeter in der zweiten Halbzeit verweigert hatte.

Der Ausrutscher des Tages, vielleicht der Saison. Trotz einer abernals haushoch überlegenen Statistik kam Tyresö FF nicht über ein 1:1 bei Aufsteiger Mallbacken hinaus. Marta schoss zwar die Führung für den Meister, aber Linda Wallin glich elf Minuten vor Ende aus und dabei blieb es dann.

Tyresös Spielberichterstatter Hans Löfgren wettert über einen Rasen, der seiner Meinung nach in der ersten Liga nicht erlaubt sein dürfte. Und zum dritten mal hintereinander gibt es einen Vorwurf an erneut eine Schiedsrichterin, die einen an Marta verursachten Foulelfmeter nicht gesehen haben soll. In der zweiten Halbzeit dann hat Löfgren noch einen Handelfmeter nicht bekommen und zum vierten Mal hintereinander (!) sagt er, habe man Tyresö Elfmeter verweigert. Da muss dann doch schon fast Methode hinter stecken, wenn es denn wahr wäre.

Immerhin kommt er doch zu der Selbsterkenntnis, dass man so viele Torchancen hatte und nicht nutzte. Tyresö ist jetzt voller Revanchelust und will am Sonntag gegen den zweiten Aufsteiger daheim mehr als 2000 Zuschauer ins eigene Stadion locken.

Dritter ist jetzt – KIF Örebro. Helén Eke schoss schon ihr viertes Saisontor und das reichte zu einem 1:0 in Piteå. Der von vielen als Absteiger getippte Verein wird wohl in der oberen Hälfte zu finden sein.

0:0 spielten Vittsjö und Göteborg, beiden hilft das wenig, ein bisschen vielleicht Vittsjö, dass nach vier Niederlagen in Serie nun immerhin gegen den Pokalsieger zu einem Unentschieden kam. Jessica Landström wieder auf der Bank. Und Göteborg wohl raus aus dem Meisterschaftsrennen. Endgültig.

Unentschieden 1:1 auch die fünfte Begegnung zwischen Jitex und Linköping. Auch Linköping entwickelt sich damit wieder zum Remis-Spezialisten und seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel vor gefühlt 25 Jahren weiß man, dass einen das weit von der Spitze entfernt.

Das Interview der Woche mache ich morgen Abend mit der für Malmö spielenden Sara Björk Gunnarsdottir.

 

Kreuzband #3

Nach den Verletzungen von Linda Sällström in der Vorsaison und Emma Berglund am ersten Spieltag, stellte sich heraus, dass auch U19-Nationalspielerin Nina Jakobsson (Sunnanå SK) einen Kreuzbandriss hat. Die 18-Jährige verletzte sich auch im ersten Spiel gegen Vittsjö. Da aber die Beschwerden nicht so stark waren, kam sie erst nach ein paar Tagen zur Magnetröntgenuntersuchung, die dann offenbarte, dass auch Jakobssons Saison 2013 zu Ende ist.

Damallsvenskan – Mein Tipp für 2013

Heute Nachmittag geht es los, die Damallsvenskan in der EM-Saison 2013 startet mit der Begegnung zwischen KIF Örebro und Mallbacken. Morgen stehen dann weitere drei Partien auf dem Programm, bis der Spieltag am Mittwoch mit Göteborg – Linköping abgeschlossen wird.

Mein Tipp steht schon seit dem letzten Wochenende, hier ist er.

1. Tyresö FF: Das Herzschlag-Finale aus dem letzten Jahr, als Malmö alles in der Hand hatte, wird es dieses Jahr nicht geben. Tyresö hat den besten Kader, mit Abstand. Das Mittelfeld mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist lässt sich nicht toppen. Die Abwehr bleibt der schwächste Mannschaftsteil hier, aber die meisten Teams werden gar nicht viel zum Angreifen gegen Tyresö kommen. Für die Champions League jedoch muss dann 2014 aufgerüstet werden. Christen Press ist die beste Verpflichtung der ganzen Liga. Sie wird Anja Mittag dieses Jahr einen heißen Kampf um die Torjägerinnenkrone liefern.

2. LdB FC Malmö: Wie im Vorjahr Zweiter, dieses Mal aber auf Abstand. Malmö hat mit Manon Melis eine Weltklassestürmerin zurück “nach Hause” geholt, aber werden sich Mittag, Melis, Ramona Bachmann und Elin Rubensson da nicht auch auf den Füßen stehen. Wie klappt das Zusammenspiel? Kann man vor allem Bachmann-Mittag-Melis zu einer Einheit bringen mit sehr gutem Spielverständnis untereinander, kann Malmö sehr gefährlich werden. Therese Sjögran versucht ihr Comeback mit 36, in der Nationalmannschaft wohl zu spät. Wenn Yoreli Rincon (siehe Bachmann-Interview) sich akklimatisieren kann, dann kann sie mit ihrer einzigartigen Technik eins der Ausrufezeichen der Saison werden. Schwäche: Wie bei Tyresö die Abwehr. Zwar sind Lina Nilsson, Malin Levenstad und Amanda Ilestedt Nationalspielerinnen und auch Ali Riley für Neuseeland, keine von ihnen ist jedoch Weltklasse. Wird interessant sein zu sehen, wie Marta, Boquete und Press mit dieser Abwehr umgehen werden,

3. Kopparberg/Göteborgs FC: Jessica Landström kam für Christen Press. Kein Ersatz. Aber die später durch Vermittlung der hervorragenden Anita Asante gekommene Britin Jodie Taylor wird Landström den Startplatz streitig machen. Schnell, physisch und kopfballstark. “Von hinten sieht sie sogar wie Press aus,” scherzte Torbjörn Nilsson, mittlerweile der dienstälteste Trainer der Liga, auf dem Medientreffen am Dienstag. Die Norwegerin Cathrine Dyngvold ist ebenfalls ein großes Talent. Mit Yael Averbuch hat Göteborg darüber hinaus eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Das sieht USA-Trainer Tom Sermanni sicher genauso, denn er hat Averbuch zurück ins USWNT geholt. Es reicht für Platz 3, leider kann sich Göteborg nicht einmischen weiter oben, wo es um die CL-Plätze geht. Da hätte Supersponsor Peter Bronsman seine Versprechung aus dem Herbst Ernst machen und etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Olivia Schough hat durch die Nominierung in die schwedische Natio einen Quantensprung gemacht.

4. Kristianstads DFF: Elisabet Gunnarsdottir arbeitet sich langsam, aber sicher nach oben. Seit fünf Jahren in Schweden strickt die charismatische Isländerin weiter an ihrer Meistermannschaft. “Ein paar Spielerinnen wollten wir nicht mehr haben,” sagte sie mir am Dienstag. In den nächsten Tagen wird KDFF, wie das Team in Kurzform genannt wird, mit einem neuen Youtube-Video von sich reden machen. “Hast du Regie geführt?” fragte ich die 36-Jährige. “Darauf kannst du Gift nehmen,” sagte sie. Offensiv sieht das sensationell aus. Josefine Öqvist gibt in zwei Wochen ihr Comeback nach Babypause, das meiner Meinung nach größte schwedische Fußballtalent seit ?, Marija Banusic, wird für Furore sorgen, wenn sie auf dem Teppich bleibt. Und Beta wies mich darauf hin, dass bald dem 90-Minuten-Einsatz von Margret Lara Vidarsdottir nichts mehr im Wege stehen wird. Beta glaubt an Margret und sieht ihre Rolle hinter Öqvist und Banusic. Und dann gibt es noch die starke Dänin Johanna Rasmussen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl ist nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll im Training und wird im Mai wieder der Trainerin zur Verfügung stehen, sagt sie selber. Das kann weit reichen…

5. Linköpings FC: Voriges Jahr wollten sie mit der Brechstange nach oben. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer… Es ging in die Hose, es gab finanzielle Probleme und geblieben ist erst mal nur Fischer. Geholt hat der unter der Saison gekommene Malmöer Meistertrainer Martin Sjögren aber sehr interessante junge Spielerinnen: U19-Europameisterinnen Magdalena Eriksson und Jennie Nordin für die Abwehr und vorne nach Banusic und Umeås Lina Hurtig wohl das dritte große Talent in der Offfensive: die noch 16-Jährige Stina Blackstenius, die in den Vorbereitungsspielen im Prinzip in jedem Spiel getroffen hat. Leider hat sich Finnlands Rakete Linda Sällström den zweiten Kreuzbandriss innerhalb eines Jahres im gleichen Knie eingefangen , was den Verdacht nahelegt, dass da was falsch gemacht wurde… Im Mittelfeld und offensiv wird die Dänin Pernille Harder der Star. Ich halte Harder ohnehin für eine der begabtesten Spielerinnen Nordeuropas. Charlotte Rohlin ist zurück, mal sehen. Nilla Fischer soll Mittelfeld spielen, sagt Sjögren, entgegen Pia Sundhages ausdrücklichem Wunsch, dass sie auch im Verein in der Abwehr spielen solle.

6. Umeå IK: Ich habe Umeå in Tyresö gesehen in der Vorbereitung (1:1) und hatte wieder mal einen sehr positiven Eindruck von Joakim Blomquists Team. Sein drittes Jahr, der Psychologe tut Umeå gut. Emma Berglund steuert die Abwehr, im Mittelfeld ist man mit Hanna Folkesson enorm verstärkt im zentralen Bereich. Nach oben (1-5) fällt die Offensive trotz Hurtig etwas ab, daher nur Platz 6, denn es wird auch wieder die Downs des letzten Jahres geben, auch wenn man jetzt mit Katrin Jonsdottir Routine in die Abwehr geholt hat.

7. Piteå IF: Anna Westerlund sagte mir (siehe Interview mit ihr) am Dienstag, dass man den achten Platz des Vorjahres unbedingt verbessern wolle. Aber wegen der starken Konkurrenz springt nicht mehr als ein Platz heraus. Ein sehr internationales Team, angefangen bei der australischen Torfrau Lydia Williams, im zweiten Jahr, aber eigentlich neu, da sie sich direkt im ersten Spiel 2012 einen Kreuzbandriss zuzog. Aufgehört bei der neuen nigerianischen Stürmerin Francesca Ordega, die sich sicher erst akklimatisieren muss. In der Abwehr ist Faith Ikidi eine Bank. Ein solides Team mit gutem Publikum.

8. Sunnanå SK: Vielleicht zu optimistisch getippt. Aber der Aufsteiger hat große Tradition in der Damallsvenskan und hat sich auch gut verstärkt. Susanne Nilsson im Tor ist wohl die beste schwedische Torfrau unter 30 (leider hat das Pia Sundhage noch nicht verstanden, Eile ist geboten, da Nilsson auch einen serbischen Pass hat) und mit Annika Kukkonen ist eine hart arbeitende zentrale Mittelfeldspielerin dazu gekommen. Die unverwüstliche und großartige Perpetua Nkwocha wird auch mit 37Jahren noch starke Akzente setzen. Und Carina Holmberg ist Nationalspielerin geworden, sie war schon immer gut, aber diese Nominierung hat ihr sicher noch zusätzlich Flügel verliehen.

9. Vittsjö GIK: Das zweite Jahr ist immer schwieriger als das erste, heißt es, wenn es einem Aufsteiger gelingt, sich in der Liga zu halten… Das klingt gemein, ist aber oft so. Leider hat die starke Amerikanerin Danesha Adams Vittsjö Richtung NWSL verlassen, aber dafür ist mit der Schottin Jane Ross gleichwertiger Ersatz gekommen, sagen die Trainer. Immerhin ist Kendall Fletcher geblieben und wenn es Ifeoma Dieke nach ihrem Kreuzbandriss wieder gelingt, die Vorjahresform zu erreichen und auch noch Sofie Andersson ihre sensationelle Hinrunde wiederholen kann… Ein bisschen zu viel wenn, um weiter oben zu landen, aber Vittsjö wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

10. Jitex BK: Leider. Das versprochene Stadion wird erst gegen Sommer fertig, anders als versprochen und nun müssen die ersten Heimspiele in Lindome gespielt werden, weit vom Schuss, vermutlich vor allem vor Freunden und Verwandten. Ein robustes, physisches Team mit zwei großen schwedischen Talenten, an die ich glaube: Fridolina Rolfö und Mimmi Löfwenius. Eine exzellente Torhüterin mit der Finnin Minna Meriluoto. Wenn Annica Sjölund nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückfindet, dann kann es besser als Rang 10 werden, aber die Konkurrenz ist stark.

11. KIF Örebro: Nochmal leider. Sie haben sich verstärkt mit dem tschechischen Zwillingspaar Lucie und Irene Martinkova, aber sie haben Marie Hammarström verloren, die wohl zentrale Spielerin des gesamten Teams. Das wird ihnen zu schaffen machen, ebenso, dass Edda Gardarsdottir, die hart schuftende Mittelfeldspielerin, mit ihrer Freundin Olina Vidarsdottir nach London gegangen ist. Sarah Michael kann an ihren guten Tagen Weltklasse sein. Örebro wird einige dieser Tage brauchen, um sich in der Liga zu halten.

12. Mallbacken: Wenn schon der eigene Trainer sagt, dass man einen äußerst dünnen Kader und auch schmale Ressourcen hat… Es gibt diese Überraschungsaufsteiger, die selber davon überrascht werden, auf einmal (wieder) in der ersten Liga zu sein. Wenn man dann nicht investieren kann, muss man auch mit dem Schlimmsten rechnen. Gerne hätte Mallbacken ja noch eine Stürmerin verpflichtet, aber Trainer Stefan Johansson sagte auf dem Pressetreffen, dass man keine gefunden habe… Ja, dann.

Tyresö Favorit

Tyresös Kapitänin Johanna Frisk und Trainer Tony Gustafsson

Tyresös Kapitänin Johanna Frisk und Trainer Tony Gustafsson

Das diesjährige Auftakttreffen der Damallsvenskan fand bei Berns in Stockholm statt. Die Berns salonger, wie das Gebäude eigentlich heißt, stehen schon seit 1863 hier, feiern also dieses Jahr 150-Jähriges Jubiläum. Eine luxuriöse Einrahmung im EM-Jahr, im vergangenen Jahr trafen wir uns noch in einem Scandic-Hotel in Göteborg mit dem Charme der 1980er Jahre.

Wie immer wurde der Vormittag und ein Teil des Nachmittags damit verbracht, dass die beiden Moderatorinnen, Fernsehjournalistin Anna Brolin und Expertin Hanna Marklund Gespräche mit den Trainern und einer oder mehreren Spielerinnen der 12 Clubs der Damallsvenskan führte. Das Erkenntnisinteresse dieser Gespräche ist meist gering.

Am interessantesten Martin Sjögrens deutliche Worte, dass Nilla Fischer zwar aufgrund der Verletzung von Jennie Nordin gegenwärtig Innenverteidigung bei Linköpings FC spielen würde, dass sie aber in der besten Startformation ins Mittelfeld rutschen würde – entgegen dem Willen von Pia Sundhage, die dem Treffen heute wegen Krankheit fernblieb. Sie hätte uns alle nur mit ihrer in Växjö geholten Erkältung angesteckt.

Interessant auch die Äußerungen von Kristianstads kluger Trainerin Elisabet Gunnarsdottir beim Kaffeetrinken, dass ein Grund für den häufigeren Einsatz von ausländischen Spielerinnen in schwedischen Clubs ganz einfach derjenige ist, dass ausländische Spielerinnen häufiger zur Verfügung stehen als hochtalentierte schwedische Spielerinnen. Die Schwedinnen seien dann halt immer wieder auf internationalen Turnieren oder Einsätzen weg, während man die ausländischen Spielerinnen mehr Tage beim Verein hätte. Gunnarsdottir erklärte mir auch das bislang vorhandene Paradox, dass einige sagen, ausländische Spielerinnen seien billiger als schwedische Spielerinnen damit, dass Ausländerinnen oft geringere Gehaltsansprüche hätten als schwedische Spielerinnen, von denen viele das Maß nicht kennen würden, mit dem die Clubs wirtschaften müssten.

Immer noch ist die Isländerin die einzige Frau unter zwölf Männern in der ersten Liga (Vittsjö wird wie im Vorjahr von zwei gleichberechtigten Cheftrainern geleitet).

Wie immer wurden wir mit sogenannten Manometern angehalten, alle möglichen, in diesem Jahr sehr salopp formulierten und teilweise unseriöse Fragen (Bei Piteå galt es auf eine von drei Alternativen zu reagieren: 1) Kommen unter die Top 3 dieses Jahr; 2) Schaffen mal so wieder die Platzierung wie letztes Jahr [8.] und 3) Die steigen ab – dass man sich von 8 kommend bis auf 4 verbessern könnte wurde nicht bedacht; ich fragte mich, wer sich das und schlimmeres ausgedacht hatte) zu beantworten. Vor den Interviews auf der Bühne tippten 64,1% der Anwesenden ca. 120 Personen Tyresö FF als alten und neuen Meister, nachher waren es dann nur noch 52%. Malmö ist klarer Anwärter auf den zweiten Platz. Wenn die Experten Recht behalten, heißen die Absteiger Mallbacken und KIF Örebro.

Göran Havik, der Leiter des OK der EM, hatte natürlich seinen Auftritt und er berichtete von der großartigen Arbeit der lokalen Komitees in Halmstad, Göteborg, Växjö, Kalmar, Linköping, Norrköping und Solna. Bislang seien schon 54.000 von 215.000 Karten verkauft. Insbesonders die schwedischen Spiele haben eine große Nachfrage, die Begegnung zwischen Schweden und Dänemark am 10. Juli in Göteborg ist sogar ausverkauft. Dabei gelte es aber auch, die anderen Spiele zu füllen, das sei die Herausforderung. Man wolle sich dabei nicht mir einer WM oder Deutschland 2011 messen. Aber an den anderen EMs will man sich messen lassen und ist sich im Klaren darüber, dass der Erfolg oder Misserfolg des Turniers an den Zuschauerzahlen gemessen werden wird. Man habe für alle Spiele schon Karten verkauft und so wertete Havik selbst die lediglich 700 verkauften Tickets für das Spiel England – Frankreich am 18. Juli in Linköping als Erfolg. Dabei ist dieses Spiel doch einer der fußballerischen Höhepunkte der Vorrunde. Und die Zahl eher ein Indiz dafür, dass da noch viel Arbeit zu leisten ist, damit es nicht bei der einen oder anderen oder eben bei vielen Begegnungen leere Ränge gibt. Warum das Turnier ausgerechnet im Juli, DEM Urlaubsmonat, wo die Schweden verreisen, stattfindet, hat sich mir auch noch nicht erschlossen, denn die EURO 09 in Finnland fand Ende August / Anfang September statt. Immerhin ist allgemein bekannt, dass etwa 80-90% der Zuschauer eines internationalen Sportereignisses aus dem Gastgeberland kommen.

Am Nachmittag hatte man dann wie immer Gelegenheit, sich mit Trainern und Spielerinnen individuell zu unterhalten. Wie immer verschwand Kopparberg/Göteborgs FC schon fünfzehn Minuten nach Beginn (Zeit für eine Beschwerde), aber die anderen nahmen sich sehr viel Zeit. Und so kann ich in diesem Blog für die kommenden Tage vor Saisonstart Interviews mit Ramona Bachmann (LdB FC Malmö), Anna Westerlund (Piteå IF), Susanne Nilsson (Sunnanå SK) und last, but not least Josefine Öqvist (Kristianstads DFF) ankündigen.