Anja Mittag freut sich auf Wembley

Anja Mittag (rechts) im Duell mit Nilla Fischer (Schweden) am 29.10.2014 in Örebro

Anja Mittag (rechts) im Duell mit Nilla Fischer (Schweden) am 29.10.2014 in Örebro

Die Saison 2014 war individuell sicher eine der erfolgreichsten in der Karriere von Anja Mittag. 21 Tore und elf Assists sprechen eine überdeutliche Sprache und wenn man sieht, dass ihr FC Rosengård den Meistertitel in der Damallsvenskan mit 62 erzielten Toren gewonnen hat, dann war Anja also an rund 52% (!!) aller Tore direkt beteiligt.

Am Sonntag spielt sie zum ersten Mal im Londoner Wembley-Stadion, das mit 55.000 Zuschauern restlos „ausverkauft” ist. (Wegen Arbeiten an der Jubilee und der Metropolitan Line bei Wembley hat man aus verkehrstechnischen Gründen die Zahl der Tickets auf 55.000 festgesetzt, statt möglicher 88.000, um die An- und Abfahrt der Fans bewältigen zu können.)

Eine Woche vor dem Spiel habe ich mich mit der 113-fachen Nationalspielerin unterhalten.

Warst du überhaupt vorher schon mal im Wembley-Stadion?

“Nein, ich war noch nie im Wembley-Stadion. Toll, dass da 55.000 Leute kommen, aber es wär ja wirklich fantastisch gewesen, wenn die noch mehr Karten verkauft hätten.”

Die Werbung für das Spiel in London war wirklich vorbildlich. Anfang Oktober war ich dienstlich in London und abends auch im Wembley-Stadion zum Männer-Qualifikationsspiel England – San Marino und konnte feststellen, dass man auf LED-Schirmen, aber auch durch wiederholte Stadionansagen deutlich Werbung für das Spiel machte.

Was weißt du über das gegenwärtige englische Team?

“Die Mannschaft hat sich positiv entwickelt und sie haben auch einen neuen Trainer {Mark Sampson],” sagt Anja Mittag, versteht aber ebensowenig wie ich, warum Anjas englische Mannschaftskameradin Anita Asante nicht mehr im englischen Kader auftaucht. Dabei ist Asante Mitglied des All-Star-Team der Damallsvenskan geworden, eine der drei anerkannt besten Ligen Europas. Vielleicht hat Anita schlechte Karten, weil sie aus dem Kreis der Nationalspielerinnen die einzige ist, die nicht in England und der FAWSL spielt, spekuliere ich?

“Wenn es daran liegt, dann ist das wirklich komisch, denn gerade im Ausland entwickelt man sich doch als Spielerin,” berichtet Anja. “

“Vor der WM 2011 wollte die deutsche Mannschaftsführung nicht, dass wir im Ausland spielen, weil es unsere Heim-WM war. Aber heute spielen einige in Frakreich und ich in Schweden. Es kommt doch darauf an, dass du in einer sehr guten Liga spielst und da sind Deutschland, Frankreich und Schweden wohl die besten in Europa. In den USA lohnt es sich nicht, zu spielen, weil die Saison einfach zu kurz ist. England ist sicher im Aufwind mit seiner Liga, aber noch nicht so gut wie die besten Drei.”

Weißt du denn noch, wann du zuletzt gegen England gespielt hast, frage ich, und rechne damit, dass sie es nicht weiß. Fußballspielerinnen sind weniger an Statistik interessiert als Journalisten und Fans und kramen so etwas auch nicht vor einem Länderspiel hervor. Nein, Anja Mittag weiß es nicht, aber als ich ihr das Stichwort “Unterhaching 2008″ gebe, da erinnert sie sich dann doch.

“Ja, an das Spiel kann ich mich noch gut erinnern. Das war kurz vor der Olympiade {in China] und danach wurden die Nominierungen durch Silvia Neid bekanntgegeben. Wir hatten nach dem Spiel einen sehr netten Abend, Lira Bajramaj und Celia Okoyino da Mbabi und ich, wir waren damals ja noch ganz junge Spielerinnen.”

Deutschland gewann 3:0 und auch das letzte Spiel etwas mehr als ein Jahr später zwischen den beiden Teams gewann Deutschland, dieses Mal 6:2. Es war das EM-Finale 2009 und Anja saß 90 Minuten lang auf der Bank als auf dem Rasen noch die große Generation der Birgit Prinz, Inka Grings und andere ihre Gala-Abschiedsvorstellung gaben. Es war nicht das letzte Spiel der Birgit Prinz, aber es war vielleicht der letzte große Höhepunkt im Nationaldress.

“Da waren wir durchgehend die bessere Mannschaft und haben das Spiel schon deutlich dominiert, auch wenn es bis zum 3:2 noch spannend war,” erinnert sich Mittag an das Spiel im Olympiastadion von Helsinki.

In der Damallsvenskan gab es einen großen Durchmarsch. 20 Spiele, 18 Siege und zwei Niederlagen gegen Linköping. Ich fand es irgendwo auch langweilig, dass man vorher schon wusste, wer Meister werden würde und wer absteigt. Lediglich KIF Örebro vermochte zu überraschen. Aber Anja Mittag ist anderer Meinung. Ganz so einfach sei das wirklich nicht, die Damallsvenskan für Rosengård zu gewinnen.

“Ich sehe das nicht so, dass es keine Konkurrenz für uns gibt. Die Spiele gegen Teams wie Örebro, Eskilstuna oder Göteborg, da musst du schon 100% geben und die sind zum Teil auch sehr eng und wie du sagst, gegen Linköping haben wir 2 x verloren.”

Ja, das hatte ich mir als Extrafrage aufgehoben. Nur gegen Linköping setzte es 2014 Niederlagen. Wie konnte das passieren?

“In Linköping haben wir wirklich schlecht gespielt und wer weiß, vielleicht war das beim Rückspiel noch irgendwie in den Hinterköpfen drin. Wir bekamen auch ein frühes Gegentor und dann muss man auch sagen, dass Martin Sjögren Linköping immer sehr gut auf uns einstellt. Unsere Chancenauswertung ist dann auch zu gering gewesen und dafür wird man dann bestraft.”

Selber lief diese Saison wie am Schnürchen für dich. Ich weiß, dass du eine Mannschaftsspielerin par excellence bist und nie einen Erfolg für dich allein reklamieren würdest, aber wenn man an fast 52% der immerhin 62 Tore seines Teams beteiligt ist, dann sagt das doch viel aus über deine Saison. Und möglicherweise auch, dass es dem Team sehr schwer fallen müsste, dich mal zu ersetzen, wenn du verletzt sein solltest?

“Das hatte ich mir noch gar nicht so angeschaut, dass ich in der Liga bei mehr als 50% der Tore direkt beteiligt war. Ja, das ist wohl sicher eine gute Zahl, aber ich finde nicht, dass das Team von mir abhängig ist. Jede Spielerin ist wichtig und wir haben mit Marta, Ramona Bachmann oder Therese Sjögran und anderen viele Spielerinnen, die Tore machen können. Wir sind unberechenbar.”

Vor eineinhalb Wochen gab es in Schweden wieder einen großen Aufschrei, als auf der Fotbollsgalan, die live vom Fernsehen übertragen wird, ausgerechnet der Beitrag rausfiel, der die 200 Länderspiele von Therese Sjögran ehren sollte. In den Medien wurde wild darüber diskutiert, wie hast du das gesehen?

“Ich möchte eigentlich nur sagen, dass ich trotz allem positiv überrascht war, wie viele Männer danach in Zeitungen, aber auch im Internet unsere Seite ergriffen haben und sich für den Frauenfußball eingesetzt haben. Das wäre wohl in Deutschland nicht ganz so gewesen.”

In der Champions League gab es das große Aufeinandertreffen von Lyon und PSG, wo Lyon eigentlich die klar bessere Mannschaft war, aber dennoch verloren hat. LdB FC Malmö hat vor zwei Jahren im Viertelfinale gegen Lyon mit 0:5 und 0:3 verloren. Das muss doch eine Erleichterung sein, dass die nicht mehr dabei sind?

“Von den Mannschaften, die noch dabei waren im Achtelfinale, war Lyon sicher eine, die man nicht unbedingt treffen wollte. Die haben immer einen sehr hohen Spielanteil und sind sehr dominant. Dass sie nicht mehr dabei sind, ist schon eine Erleichterung für uns. Aber im Großen und Ganzen können alle Mannschaften die Champions League gewinnen, Glasgow und Bristol sind vielleicht eher Außenseiter.”

Kann es denn Rosengård mit Wolfsburg aufnehmen oder fehlt da noch Personal oder irgend etwas anderes?

“Ich denke, dass wir es mit Wolfsburg aufnehmen können. Natürlich ist das eine tolle Mannschaft, aber wir sind ein Gegner, den man nicht unterschätzen sollte. Ich würde sehr gerne ein Champions-League-Finale in Berlin spielen.”

Und das wäre dann sehr nah an der alten Heimat Potsdam, eine Stadt, in der du noch dann und wann zu Besuch bist?

“Ich bin immer wieder mal in Potsdam, hab da noch viele Freunde. Und jedes Wochenende schaue ich immer, wie Turbine gespielt hat.”

Über München und Moskau nach Eskilstuna

olivia2014 warauf Vereinsebene ein Jahr, in dem Olivia Schough bei Bayern München und dem FC Rossiyanka unter Vertrag stand und relativ wenig in Erscheinung trat. Ganz anders in der Nationalmannschaft, wo sie sich in diesem Jahr einen festen Platz in der Truppe Pia Sundhages erarbeitete, die im nächsten Jahr Weltmeister werden will.

Jetzt wechselt die 23-Jährige zum diesjährigen Aufsteiger Eskilstuna United, der somit neben Sara Thunebro und Malin Diaz die dritte aktuelle Nationalspielerin unter Vertrag hat.

 

ffschweden im Gespräch mit: Stephanie Labbé

labbe_stephanie_4415Wenn es nach den Spielerinnen der Damallsvenkan geht, dann ist Stephanie Labbé aus Kanada die beste Torhüterin der Liga 2014. Die Jury der Fotbollsgalan, die überwiegend aus Mitarbeiterinnen des schwedischen Fußballverbands besteht, entschied sich mit Hedvig Lindahl wenig überraschend für eine Spielerin aus dem eigenen Stall. Aber Labbé hatte wesentlichen Anteil daran, dass ihr Verein KIF Örebro sich auf dem zweiten Platz wiederfand, als die Saison abgeschlossen wurde.

In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit, mich mit der 28-Jährigen Kanadierin ausgiebig zu unterhalten.

Drei Jahre lang spielte “Steph”, wie sie von ihren Freunden und Mannschaftskameradinnen genannt wird, für Piteå IF im hohen Norden und da bin ich Labbé auch zum ersten Mal begegnet, als wir vor dem Spiel gegen KIF Örebro (!) gemeinsam einer Schülerin den ersten Preis in einem Aufsatzwettbewerb überreichten – eine Reise zu einem Sprach- und Fußballcamp nach Deutschland, das mit dem Einlauf der Preisträgerinnen im Berliner Olympiastadion endete, als die WM 2011 eröffnet wurde.

2012 wechselte Stephanie von Piteå zu Örebro. Piteå hatte sich für die Australierin Lydia Wiliams entschieden, die sich gleich in ihrem ersten Spiel das Kreuzband riss. In Stephanie Labbés erstem Ligaspiel für KIF hagelte es eine bittere 0:7-Pleite in Tyresö, dem Team, das alle als Favoriten für die Meisterschaft tippten und für das Marta, Vero Boquete, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist und viele mehr spielten. Die ganze Saison 2012 wurde ein Kampf gegen den Abstieg für Örebro, das in den Jahren zuvor immer in der oberen Hälfte rangiert hatte.

Ich habe mich gefragt, inwieweit diese schlimme Niederlage symbolisch und bestimmend für eure Saison 2012 war?

“Nagtürlich war das nicht einfach,” sagt mir Stephanie Labbé. Als wir miteinander skypen, befindet sie sich gerade in ihrem Heimatort Stony Plain in Alberta, unweit von Edmonton. Jeweils nach Saisonende kehrt Labbé immer zu ihrer Familie zurück.

“Das erste Spiel der Saison so hoch zu verlieren, ist natürlich eine große Enttäuschung, aber auf der anderen Seite ist die Saison auch ziemlich lang und vieles kann sich ändern. Als wir in das Spiel gingen, wussten wir, dass es nicht einfach werden würde, weil die einfach so ein starkes Team hatten. Für mich war es ok, dass das Spiel hinter uns lag, wir versuchten, nicht so sehr daran zu denken.”

Ein anderes Beispiel ist, dass ihr zu Anfang dieser Saison im Pokal bei Meister Rosengård gewonnen habt und die ganze Saison fantastisch verlief, vielleicht ist doch was dran, dass ein erstes Spiel so oder so eine Saison formen kann?

“Ich bin sicher, dass das einen mentalen Effekt haben kann. Du kannst auf der einen Seite einen guten Start haben und dein Selbstvertrauen ist ganz oben oder eben einen schlechten Start und dein Selbstvertrauen sackt runter. Ich finde aber, das wir 2012 eine Menge Probleme hatten: Verletzungen, keine sonderlich gute Bank, Sperren, das waren alles Faktoren, die eine Rollge gespielt haben. Ich finde es ziemlich hart zu sagen, dass das Spiel die ganze Saison dominiert hat. Ich denke, dass es sicher einen Effekt hatte auf uns, aber da war noch vieles andere, mit dem wir in diesem Jahr nicht richtig fertig wurden. In diesem Jahr hatten wir auch Verletzungen und auch Sperren, aber wir hatten eine viel stärkere Bank und Spielerinnen, die von der Bank in die Startelf gehen konnten und trotzdem behielten wir das hohe Niveau und das hatten wir einfach nicht vor zwei Jahren.”

In dieser Saison habt ihr unglaubliche neun Spiele in Serie gewonnen und dabei 21:5 Tore gemacht. Trainer Rickard “Rille” Nilsson war in allen drei Spielzeiten der Coach. Wie hat er dieses Team gebaut, das mit einer guten Defensive anfing, aber inzwischen auch nach vorne eine starke Spielidee hat.

“Das hat Rickard schon im ersten Jahr versucht, bei uns zu verankern. Und ich glaube, dass es da noch zu schwierig für uns war, das umzusetzen und unsere Identität im Spiel zu finden. Vielleicht haben wir zu viel darüber nachgedacht, was genau er sagte, wir waren nicht in der Lage, auch mal zu improvisieren. In dieser Saison aber haben wir seine Struktur verinnerlicht und wir waren alle imselben Film. Und wenn du erst mal soweit gekommen bist, dann kannst du manchmal auch den Plan verlassen und mehr kreativ werden und deine individuellen Stärken und Schwächen zeigen. Im ersten Jahr waren wir vielleicht zu sehr auf die genaue Taktik fixxiert, so dass wir nicht wir selbst sein konnte.

Rickard hat dieses Team verändert und auch die Mentalität, mit der wir ins Spiel gehen, das ist so anders. In jedem Spiel, das wir heute machen, wissen wir genau, was wir tun müen, wie wir spielen müssen, um das andere Team zu knacken. Er hat wirklich einen tollen Job gemacht und analysiert jeden Gegner für sich.”

Die Truppe von KIF Örebro ist sehr international. Mit Stephanie und der kanadischen Abwehrspielerin Marie-Eve Nault, den finnischen Nationalspielerinnen Susanne Lehtinen, Annika Kukkonen und Sanna Talonen, den tschechischen Zwillingen Irene und Lucie Martinkova und den nigerianischen Spielerinnen Ogonna Chukwudi und Sarah Michael kommen neun von elf Spielerinnen aus der Anfangsformation aus dem Ausland.

Wie siehst du diese internationale Truppe, Stephanie?

“Naja, zunächst mal sprechen wir sehr viel Englisch und das ist natürlich gut für mich,” lacht die Kanadierin.

“Ich glaube wirklich, dass dieser Mix aus Spielerinnen ein großer Teil des Charakters dieser Mannschaft ist. Wie du gesagt hast, wir haben so viele Nationalspielerinnen und wir haben so einen ungeheuer guten Zusammenhalt dieses Jahr. Ich glaube wirklich, dass alle im selben Film sind und dass wir alle dasselbe wollten. Und alle bringen verschiedene Stile mit. Die beiden Nigerianerinnen zum Beispiel, die spielen einfach anders als alle anderen und das gilt auch für die tschechischen Mädchen. Die spielen ganz anders als alle andern. Ich würde das auch gern über uns Kanadierinnen sagen., Wir spielen anders als die Schwedinnen und zusammen sind wir in der Lage unsere Verschiedenheit dem Team zunutze zu machen.”

Steph rettet vor Göteborgs Sara Lindén

Steph rettet vor Göteborgs Sara Lindén

Die tollen Leistungen Labbés sind in ihrer Heimat nicht unbemerkt vorbeigegangen. Jahrelang “nur” die Nummer 3 hinter Erin McLeod und Karina LeBlanc ist Stephanie so nah wie noch nie dran an der Startelf Kanadas und das acht Monate vor der WM. Ende Oktober spielte Kanada zweimal daheim gegen Japan und in der zweiten Begegnung gegen den Weltmeister im BC-Park, dem Stadion des WM-Finales in Vancouver (05.07.2015) spielte Labbé von Angfang an.

“Das war ungeheuer für mich gegen Japan von Anfang an spielen zu dürfen, eines der besten Teams der Welt. Das Vertrauen zu erhalten, dieses Spiel zu spielen. Ich denke, ich bin jetzt so gut wie noch nie zuvor und zur Zeit verbessere ich mich enorm und habe sehr viel Selbstvertrauen. Das Vertrauen von anderen auf diesem Level zu bekommen, das ist großartig. Es war fantastisch, da raus zu gehen und gegen die zu spielen. Und ich denke, das ich auch zeigen konnte, wo meine Stärken sind und was ich dem kanadischen Team bringen kann.”

Das Spiel endete 2:3 aus kanadischer Sicht. Zur Zeit wird viel disskutiert über Rasen oder Kunstrasen und mehr als 40 Spielerinnen, darunter Abby Wambach, Lotta Schelin und Anja Mittag, haben einen Aufruf unterschrieben und es läuft sogar eine Klage gegen den kanadischen Staat und die FIFA.

Egal, was du jetzt sagst, wird falsch sein, aber natürlich interessiert mich deine Meinung?

“Das ist wirklich eine sehr heikle Frage,” sagt Stephanie Labbé. “Natürlich will doch jede Fußballspielerin auf Naturgras spielen, auf einem perfekten Naturrasen. Aber es ist nun mal wie es ist. Ich trainiere und spiele das ganze Jahr auf Kunstrasen, für mich ist das nur eine mögliche Ablenkung von meinem ganz persönlichen Ziel: ich will 2015 bei der WM die Torhüterin der kanadischen Startelf, egal ob ich da auf Naturrasen oder Kunstrasen stehen werde. Für mich ist diese Frage nicht der Fokus. Ich will alles tun, um in die Truppe zu kommen und die Nummer 1 zu werden, auf Naturgras oder nicht, das spielt für mich keine Rolle.”

Wirst du denn auch 2015 wieder für KIF Örebro spielen und sozusagen im Herbst in der Champions League die Früchte dieses Jahres ernten?

“Im Moment habe ich mit niemandem einen Vertrag, ich untersuche meine Möglichkeiten. Es gibt eine Reihe von Angeboten, natürlich würde ich gerne nach Örebro zurückkommen und Champions Leage spielen, zumal ich das immer mal tun wollte. Aber was Spielen vor der WM angeht, sind diese Chancen sehr gering bzw. gleich null. Ich bin in der Form meines Lebens und ich will die Nummer 1 für Kanada sein. Und es geht ja nicht nur darum, dass das eine WM ist, sie ist auch noch in meiner Heimat und das kannst du nur einmal im Leben erleben.”

In Örebro gibt es derweil Gerüchte, dass die zurückgetretene schwedische Nationaltorhüterin Kristin Hammarström ein Comeback machen könnte. Wenn, dann sicher in Örebro wo sie mit ihrem Freund und dem gemeinsamen Kind wohnt.

Als ich Stephanie nach der Wichtigkeit der WM im nächsten Jahr für den kanadischen Frauenfußball frage, träumt sie von einer kanadischen Profiliga: “Ich denke, die WM ist sehr wichtig. Man spürt schon jetzt die Energie, wenn wir unterwegs sind. So viele Leute kommen zu den Testspielen und sagen, dass sie es kaum erwarten können, dass es Juni wird und endlich losgeht. Es ist wirklich unheimlich toll zu sehen, wie die kleinen Kinder zu uns aufschauen und wie begeistert sie von der WM sind. Unser Graswurzel-Förderprogramm ist sehr wichtig für unsere Zukunft. Wie sie da sagen, wir brauchen mehr Christine Sinclairs, die es durch das System schaffen. Ich glaube, dass die WM eine gigantische Plattform für das Jugendprogramm sein wird.”

“Und ich hoffe auch, dass wir in den nächsten drei Jahren in Kanada unsere eigene kanadische Profiliga bekommen werden. Das ist der nächste Schritt und wir brauchen den. Weil wir brauchen, dass die Leute uns täglich oder besser wöchentlich sehen können. Sie müssen unsere Gesichter sehen und unsere Namen hören. Im Moment hören sie, dass wir im Ausland spielen, sie hören, dass wir un der NWSL in den USA spielen. Das reicht aber nicht, um den Sport vollständig zu verinnerlichen. Ich glaube, dass eine eigene Profiliga großartig für unseren Sport wäre.”

Zu guter Letzt. Nach sechs Jahren in Schweden, gibt es etwas, das du in Schweden kennen gelernt hast und ohne dass du nicht mehr sein möchtest?

“Ich will nicht ohne “Fika” leben. Das ist ganz sicher. Das ist wirklich etwas, das ich liebe, Ich liebe es, dass die Schweden sich am Tag ganz einfach ein wenig Zeit nehmen können, sich hinsetzen und einen Kaffee trinken und miteinander reden. Hier in Kanada läuft das mehr so ‘Ah, du willst einen Kaffee?’. Und dann gehst du schnell und kaufst dir einen zum Mitnehmen und hetzt zurück zu deiner Arbeit. Ich finde es toll, dass die Schweden einen Schritt zurück machen können und sich eine Stunde oder wie lange es auch dauert Zeit füreinander nehmen, um die Gesellschaft der anderen zu genießen.”

Linnéa Liljegärd verlässt Kristianstad

Linnéa Liljegärd auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Einwechslung durch Trainer Thomas Dennerby im WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien in Göteborg (2010).

Linnéa Liljegärd auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Einwechslung durch Trainer Thomas Dennerby im WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien in Göteborg (2010).

Nicht nur Marija Banusic, auch Linnéa Liljegärd verlässt den Tabellenfünften Kristianstads DFF. 2009 war Liljegärd 21 Jahre alt und gewann mit 22 Toren aus ebenso vielen Spielen souverän die Torschützenliste der Damallsvenskan, acht Treffer vor Ramona Bachmann (damals noch Umeå IK) und Victoria Svensson (Djurgården).

Fünf Jahre später überlegt Linnéa Liljegärd, ob sie ihre Karriere beenden soll. Unter anderem unglückliche Vereinswechsel zunächst nach Russland zum FC Rossiyanka (mit turbulenten Ereignissen), dann zu Avaldsnes IL nach Norwegen und schließlich nach Kristianstad haben die Karriere der einst so vielversprechenden Torjägerin gewaltig ins Stocken geraten lassen.

“Kristianstad ist ein sehr spezieller Club. Mit positiv wie negativ gesehen einem familiären Umfeld,” sagte Liljegärd der Lokalzeitung Kristianstadsbladet. “Ich nehme kein Blatt vor den Mund und sage, was ich denke und das hat vielleicht nicht immer gepasst,” so Liljegärd weiter.

Sie habe einige Angebote, es sei aber auch möglich, dass sie aufhöre: “Ich habe die Freude am Fußball dieses Jahr verloren und jetzt fühle ich, dass ich ein bischen Abstand nehmen muss, um über die Zukunft nachzudenken, aber natürlich, ich liebe Fußball und glaube, dass ich noch etwas zu geben habe,” sagte sie der Zeitung.

Asllani und Rubensson sagen ab

Mia Carlsson

Mia Carlsson erstmals im Kader der A-Nationalmannschaft

Kosovare Asllani musste ihre Reise mit der schwedischen Nationalmannschaft nach Los Angeles nach dem 1:0 Sieg bei Olympique Lyonnais absagen. Die 25-Jährige zog sich im Spiel gegen Lyon u.a. einen Bruch des Oberkiefers zu. An ihrer Stelle fährt jetzt Innenverteidigerin Amanda Ilestedt vom FC Rosengård.

Ebenfalls nicht dabei sein wird Elin Rubensson (Rosengård), für die Außenverteidigerin nominierte Pia Sundhage für die beiden Spiele gegen Kanada am 24. und 26.11. nun eine weitere Innenverteidigerin, Mia Carlsson von Kristianstads DFF.

Rosengård und Linköping überwintern in der Champions League

Neben Deutschland hat auch Schweden zwei Teams im Viertelfinale der Champions League. Dazu kommen noch je ein Vertreter aus Frankreich, England, Schottland und Dänemark.

Fünf Teams können meiner Meinung nach die UWCL gewinnen: allen voran der haushohe Favorit VfL Wolfsburg, gefolgt von PSG, Rosengård, Frankfurt und Linköping.

Ja, auch Linköping hat eine (Außenseiter)Chance, trotz der eher blamablen 0:3 Niederlage beim alten und neuen russischen Meister Zvezda 2005. Dieser Verlust lässt sich nur erklären aus der einerseits strapziösen Reise, die mehr als 14 Stunden dauerte und dem Wissen um die sichere 5:0-Führung aus dem Hinspiel, in dem die Russinnen eine Abwehrleistung einem Schweizer Käse würdig, zeigten.

Rossengård dürfte sich nach dem Abgang von Mittelfeldspielerin Katrin Schmidt (die längst eine Chance bei Silvia Neid verdient gehabt hätte, nicht zuletzt mit Blick auf die desolate Leistung des zentralen Mittelfelds beim 0:2 gegen Frankreich in Offenbach; ein bisserl besser lief es beim 2:1 gegen Schweden in Örebro, als Marozsan und Leupolz die 6er Role schulterten) alsbald mit der Schwedin Emma Berglund verstärken, die schon einen Erkundungsbesuch in Malmö absolviert hat und sich dort sogar von der Lokalpresse auf dem Malmö IP ablichten ließ. Das dürfte auch den letzten Zweifler verstummen lassen. Damit rückt Anita Asante auf ins Mittelfeld und die 70fache englische Nationalspielerin, die nun schon zum wiederholten Mal nicht im Aufgebot des “neuen” englischen Trainers Mark Sampson steht, ist eine Spielerin der gehobenen Klasse. Mit Berglund dahinter wird Malmö (ja, ich weiß Rosengård, aber da spielen die nun mal nie) aber defensiv einen Tick stärker. Ob das europäisch reicht, wird der weitere Verlauf der Saison im März (für Schweden dann ja eine neue Saison) zeigen.

Linda Sällström zu Vittsjö GIK

linda_sAls ich vergangene Woche mit Linda Sällström sprach, nannte sie Vittsjö als einen von mehreren Clubs, der Interesse an den Diensten der schnellen finnischen Nationalspielerin habe. Dass Vittsjö geographisch ganz gut liegt, man zwar im kleinen Städtchen Hässleholm wohnt, man es aber nicht weit nach Malmö oder Kopenhagen hat, war möglicherweise ein Grund für Sällström, sich für Vittsjö zu entscheiden. Ein Team, das nur Achter in der abgelaufenen Saison wurde, eigentlich aber besser sein sollte. Bleibt auch das schottische Trio Ifeoma Dieke, Hayley Lauder und Jane Ross, dann ist das eine richtig gute Basis, noch dazu mit der international unterschätzten Minna Meriluoto im Tor. Ein weiterer Grund für ihre Entscheidung war mit Sicherheit der Umstand, dass Vittsjö mit der Amerikanerin Denise Reddy eine neue Assistenztrainerin bekommt, die Linda aus Linköping kannte und von der sie viel hält. Der Verein gab heute den Wechsel der 26-Jährigen bekannt. Sällström selber ist nach einer mehr als 14-stündigen Reise zum letzten Spiel ihres Vereins Linköpings FC in Perm eingetroffen, wo es morgen gegen Zvezda 2005 geht. Möglicherweise muss die Finnin von Beginn an spielen, da Trainer Martin Sjögren die mit gelb vorbelastete Pernille Harder nach dem 5:0 im Hinspiel schonen will.

Alle Jahre wieder – Ärger auf der Fußballgala

Ich war etwas verwundert gestern Abend, dass das 200. Länderspiel von Therese Sjögran lediglich am Ende der Fußballgala kurz erwähnt wurde und notierte das als einen von vielen Dingen, die man definitiv hätte besser machen können.

Heute Mittag aber begannen die sozialen Medien hochzukochen. Die Zeitung Expressen enthüllte, dass der übertragende Fernsehsender TV4 eigentlich einen Clip über Sjögran und ihre Karriere als Ehrung hatte zeigen wollen, dass man dies aber aus “produktionsstechnischen” Gründen unterlassen habe. Andere Teile der Sendung hätten so lange gedauert, dass man sich hätte entscheiden müssen, etwas aus dem Programm zu streichen.

Hochsensibel, muss man sagen, denn erst letztes Jahr hatte Rejordnationalspieler Anders Svensson einen Volvo in die Arena gefahren bekommen als ‘kleines’ Geschenk des Fußballverbands, während Rekrdnationalspielerin Sjögran mit keinem Wort erwähnt wurde. Danach gab es Wirbel und im Dezember äußerte sich dann der gottähnliche Zlatan Ibrahimovic und sagte, dass diese Spielerin ein von ihm signiertes Fahrrad hätte haben können und das würde auch genügen. Was wiederum Wirbel auslöste und zu einer Entschuldigung von Ihm führte, Er habe das alles nicht so gemeint.

Und nun wieder Missachtung von Therese Sjögran, weil man “zu wenig” Zeit gehabt hätte. Dümmer gehts nimmer. Moderatorin Anna Brolin besuchte Ibrahimovic im Publikum, scherzte mit ihm und schenkte ihm eine Hupe für seine Kinder. Schlagersternchen Martin Stenmarck misshandelte mit zwei Auftritten mein Gehör mindestens sieben Minuten lang, aber für 90-120 Sekunden Sjögran fehlte die Zeit.

Frau solle die Gala jetzt boykottieren, sagte u.a. die Journalistin Alva Nilsson und auch Malmös Sportchef Erling Nilsson blies ins selbe Horn. Bei aller Empörung scheint mir das jedoch der falsche Weg zu sein. Eine potentielle Frauengala würde nicht in einer Halle mit mehreren Tausend Zuschauern vor Ort und Hunderttausenden an den Bildschirmen rechnen können. Wir wären weitgehend unter uns.

Aber ändern muss sich einiges. Eine richtige Jury muss her, die die besten Spieler auszeichnet und nicht durch die blaugelbe Brille schaut. Vier Preise für Frauenfußball wurden vor Beginn der Live-Sendung vergeben, das ist Quatsch. Bei einer Fußballgala sollen die Preise im Mittelpunkt sein und nicht drittklassige Sänger. Eine kompetente Redaktion muss darauf achten, dass solche EIGENTORE wie die öffentliche Missachtung von Therese Sjögran 2013 und 2014 nicht mehr vorkommen. Und warum müssen die Frauen schon drei Stunden vor Beginn der Livfe-Sendung in der Arena sitzen, während die Männer erst kurz nach acht unter dem tosenden Beifall des Publikums einlaufen? “Die Frauen wollten essen,” lautete heute die Erklärung von SvFF-Pressesprecherin Camilla Hagman.

Und auf die Frage, wie sie denn auf die Kritik von Rosengårds Sportchef Nilsson reagieren würde, antwortete sie dem Journalisten von Expressen mehrfach schnippisch: “Das brauchst du nicht zu wissen.” Die Dame tut ihren Gschlechtsgenossinnen wirklich einen Dienst und empfiehlt sich für eine Aufgabe bei Nordkoreas Propagandaministerium. “Das brauchst du nicht zu wissen” könnte da eine Standardantwort werden.

Lotta Schelin zum fünften Mal – Diamantenball

Lotta2Zum vierten Mal hintereinander ist Lotta Schelin Fußballerin des Jahres in Schweden und hat die Trophäe, den Diamantenball zum fünften Mal ingesamt bekommen. Da Schelin in Frankreich ist und sich auf das entscheidende Spiel gegen PSG vorbereitet, nahm Veteranin Victoria Sandell Svensson den Preis für Schelin entgegen In diesem Jahr hatten viele Experten eher mit Nilla Fischer gerechnet, zumal Fischer gleich im ersten Anlauf den Champions League Titel geholt, den Lyon seit zwei Jahren nun vergeblich jagt und dabei an Wolfsburg bzw Potsdam gescheitert ist. Aber Schelin ist natürlich eine exzellente Wahl.

Hedvig Lindahl beste Torfrau

hedvigDie Spielerinnen der Liga hatten die Kanadierin Stephanie Labbé zur besten Torhüterin gewählt, die schwedische Jury hat es nun geschafft, alle Feldpositionen mit schwedischen Siegerinnen zu besetzen. Dann muss Blaugelb doch 2015 Weltmeister werden. Hedvig Lindahl, die mit Sicherheit eine sehr gute Saison gespielt hat, wurde in der Begründung damit gelobt, das sie kein Tor in der WM-Qualifikation kassiert hat – Bosnien-Herzegowina und die Färöer-Inseln vermochten es nicht, den Schwedinnen einen Gegentreffer beizubringen.

Respekt für Lindahl, aber auch hier wäre Labbé die bessere Wahl gewesen.

Blaugelbe Brille

LottaWenn man eine blaugelbe Brille aufhat, dann kann man nicht richtig sehen (glaube ich wenigstens). Der Preis für die beste Stürmerin ging an die großartige Lotta Schelin, für die Sara Thunebro, die Glaskugel abholte. Und leider eben nicht an die herausragende Anja Mittag.

SegerDas hätte man noch verschmerzt und abgebucht, aber das dann nur fünf Minuten später auch noch die gute Caroline Seger vor den überragenden Ramona Bachmann (Schweiz) und Marianne Gajhede (Dänemark) gewählt wird, ist dann wirklich in der Summe zu viel des Guten und Beweis dafür, dass diese Show eben eine Show ist und wenn die Hälfte der Jury für den schwedischen Verband arbeitet, dann braucht man sich nicht zu wundern.

Nun warten wir noch auf Hedvig Lindahls Triumph und den Diamantenball für Nilla Fischer.

Nilla Fischer Abwehrspielerin des Jahres

nillaNominiert außer ihr waren noch Lina Nilsson und Linda Sembrant, aber genauso sicher wie Anja Mittag die beste Abwehrspielerin war, musste der Titel der besten Verteidigerin an die Wolfsburgerin Nilla Fischer gehen.

Pia Sundhage hat dich von der Mittelfeldspielerin zur Innenverteidigerin umgeschult. Aber wie hat das letzte Jahr in Wolfsburg zu deiner Entwicklung beigetragen, fragte ich die 30-Jährige.

“Das hat natürlich enorm viel zu meiner Entwicklung beigetragen, sowohl als Person wie auch als Spielerin. Vor allem als Spielerin, ich muss in jedem Training 100% geben, um spielen zu können und die Rolle zu haben und zu behalten, die ich in dieser Mannschaft haben will. Das ist schon ein anderes Niveau in Wolfsburg, das ist die beste Vereinsmannschaft der Welt, das Level im Training ist höher als anderswo.”

Glaubst du, dass Rosengård in dieser Saison Wolfsburg herausfordern kann?

“Ja, ich glaube das schon. Wenn man sich allein mal auf dem Papier anschaut, was die für Spielerinnen haben, dann ist das schon sehr stark. Sie sind mit Sicherheit eine Mannschaft, die uns gefährlich werden könnte”

Fotbollsgalan – Teil 1

Anja Mittag und Malin Diaz

Anja Mittag und Malin Diaz

In acht Minuten beginnt die Livesendúng von den Fußballpreisen 2014 aus dem Stockholmer Ericsson Globe und schon vorher wurden fünf Frauenfußballpreise vergeben, die ich (leider!) allesamt richtig getippt habe: Trainer des Jahres wurde hochverdient Rickard Nilsson (KIF Örebro), der einen Verein mit bescheidenen finanziellen Mitteln in die Champions League geführt hat und das nicht durch Glück, sondern mit Methode.

Rickard Nilsson

Rickard Nilsson

Nicht meine Wahl, aber natürlich die der Jury war Malin Diaz Pettersson als Newcomerin des Jahres. Sie hat sowohl in der Nationalmannschaft wie auch in Eskilstuna keine tieferen Abdrücke hinterlassen, ganz im Gegensatz zu der ebenfalls nominierten Fridolina Rolfö (Linköping). Aber da die Jury zur Hälfte aus Mitarbeiterinnen des schwedischen Fußballverbands besteht, konnte die Wahl nicht anders ausfallen

Anja Mittag hat sich erst einmal die Trophäe der Torjägerin des Jahres abgeholt (21 Treffer) und wurde dann vor Sendebeginn auch als wertvollste Spielerin der Liga ausgezeichnet. Dass man diesen wichtigsten Preis quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit verleiht und die wichtigen Männerpreise dann live im TV sagt einiges aus über die Stellung des Frauenfußballs 2014 in Schweden.

Mia Jalkerud (Djurgården) erhielt als Torschützenkönigin der zweiten Liga Elitettan (26 Tore) ebenfalls den goldenen adidas(?)-Schuh.

Die Elf des Jahres

Morgen werden im Stockholmer Ericsson Globe (früher: Globen) die Auszeichnungen des Fußballjahres 2014 vergeben. Acht Preise werden verliehen an die besteTorhüterin, Abwehrspielerin, Mittelfeld, Angriff, Rookie, MVP, Torschützenkönigin und Fußballerin des Jahres (“Diamantboll”).

Der Spieler(innen)verein Fußball in Schweden hat die Spielerinnen der Damallsvenskan nun die Elf des Jahres abstimmen lassen. Pikanterweise gibt es dort lediglich für eine Schwedin Platz…

Stephanie Labbé (KIF Örebro/Kanada), Ali Riley (FC Rosengård/Neuseeland), Anita Asante (FC Rosengård/England), Emma Berglund (Umeå IK/Schweden), Faith Ikidi (Piteå IF/Nigeria), Ramona Bachmann (FC Rosengård/Schweiz), Sara Björk Gunarsdottir (FC Rosengård/Island), Pernille Harder (Linköpings FC/Dänemark), Lieke Martens (Kopparberg/Göteborgs FC/Niederlande), Anja Mittag (FC Rosengård/Deutschland), Manon Melis (Kopparberg/Göteborgs FC/Niederlande).

Zur Spielerin des Jahres wurde Anja Mittag gewählt. Ein Fingerzeig für das Ergebnis einer völlig anderen Jury morgen Abend?

 

Rosengård noch nicht im Ziel

Beide Spiele der schwedischen Clubs Linköpings FC und FC Rosengård wurden gestern nicht im Fernsehen übertragen. Während Linköpings 5:0-Sieg gegen Zvezda 2005 dabei völlig ohne Filmkameras stattfand, hatte sich der schwedische Meister eine einfachere Methode in den USA bei der NWSL abgeguckt: das Spiel wurde in Regie des FC Rosengård komplett auf der Videoplattform YouTube live übertragen, wo letzten Endes rund 3.000 Zuschauer zusätzlich die Begegnung verfolgten. Inzwischen hat das Video mehr als 11.000 Zuschauer und zeigt, dass es ein beachtliches Interesse gibt.

Anja Mittag brachte ihre Mannschaft mit 1:0 in Führung. Marta hatte die dänische Torhüterin Michelle Betos derart unter Druck gesetzt, dass sie einen Ball zu Therese Sjögran spielte, den Mittag schließlich bekam und zur Führung verwertete. Aber auch wenn alle nun glaubten, dass die Schwedinnen (naja, immerhin standen drei in der Anfangsformation) nun davonziehen würden und ähnlich wie das implodierte Tyresö FF vergangenes Jahr locker mit 4:0 gegen die durch vier Amerikanerinnen und eine Rumänin verstärkten Däninnen gewinnen würden, sah sich schwer getäuscht

Hohes Tempo, gutes Kombinationsspiel, aber wenig eindeutige Torchancen waren das Fazit einer ersten Halbzeit, die durch eine langsamere zweite Hälfte abgelöst wurde, in der Hjørrings Kapitänin Sofie Pedersen auch noch den Ausgleich erzielte (56.)

Nach einem Flankenlauf von Anja Mittag und einer Kopfballvorlage von Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir markierte dann Katrin Schmidt doch noch den Siegtreffer für Rosengård in ihrem letzten Heimspiel.

Die 28-Jährige Deutsche wird ab 2015 für Aufsteiger Hammarby spielen und nach drei Spielzeiten in Malmö zurück in die Hauptstadt ziehen, aus der sie 2012 gekommen war.

Wie vorauszusehen, war Nationalspielerin Emma Berglund (noch Umeå IK) bereits in Malmö, um sich umzuschauen. Noch sei nichts unterschrieben und sie würde auch noch andere Optionen prüfen, sagte sie der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, aber wer bitte sehr lässt sich denn beim Erkundungsbesuch bei einem möglichen neuen Verein gleich in dessen Stadion ablichten, liebe Emma? Nein, der Wechsel wird kommen und dann wird Anita Asante ihren Platz in der Abwehr verlassen und einen Schritt nach vorne auf die Position der wechselnden Katrin Schmidt rücken.

Ob Marta nächstes Jahr bei Rosengård spielt, ist dagegen noch nicht entschieden. Die 28-Jährige Brasilianerin will mehr Geld und pokert mit dem Verein. Sie ernährt schließlich eine ganze Familie in Brasilien und kann nicht ewig Fußball spielen. Marta hat erklärt, dass sie gerne die Champions League weiterspielen möchte, aber noch ist auch dieses Ziel nicht erreicht, wenngleich ein Sieg der Däninnen nächste Woche schon eine riesengroße Überraschung wäre.