Startelf gegen Brasilien

In siebzehn Stunden hört eine leicht veränderte Nationalelf die Nationalhymnen auf dem Rasen des Söderstadions in Stockholm. Schweden gegen Brasilien.

Pia Sundhage tritt mit folgender Startformation an.

Sofia Lundgren, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Nilla Fischer, Sara Thunebro, Marie Hammarström, Caroline Seger, Antonia Göransson, Josefine Öqvist, Kosovare Asllani, Lotta Schelin.

Lundgren spielt anstelle von Kristin Hammarström, die eine leichte Blutung an der Hüfte hatte. Jessica Samuelsson, zuletzt gut gegen Norwegen, ist leicht am Knie verletzt, weshalb Malmös Lina Nilsson starten darf. Und Josefine Öqvists Einsatz ist wohl keine Überraschung.

Interessant wird sein, ob Sundhage einem der beiden Youngster Lina Hurtig oder Marija Banusic eine Chance gibt.

Noch 23 Tage – England gibt sein Aufgebot bekannt

So allmählich rückt die EM in den Mittelpunkt. Heute verkündete Englands langjährige Trainerin Hope Powell ihr Aufgebot für die EURO 2013, bei der der Vizeeuropameister es in Linköping und Norrköping mit Spanien, Russland und Frankreich zu tun bekommt.

Es fehlt leider und erwartungsgemäß die überaus erfolgreich in Schweden agierende Jodie Taylor. Zehn Treffer und ein zweiter Platz in der Schützenliste der Damallsvenskan vor solchen Profilen wie Anja Mittag und Marta reichten nicht aus, um Powell zu überzeugen. Dabei ist Taylor wirklich europäische Klasse. Aber naja.

Hier sind die 23 Spielerinnen, die England wieder weit bringen sollen:

Tor: Karen Bardsley (Lincoln Ladies), Rachel  Brown-Finnis (Everton), Siobhan Chamberlain (Bristol Academy)
Abwehr: Laura Bassett (Birmingham City), Gemma Bonner  (Liverpool), Sophie Bradley (Lincoln Ladies), Lucy Bronze (Liverpool), Steph Houghton (Arsenal), Alex Scott (Arsenal), Casey Stoney (Lincoln  Ladies), Dunia Susi (Chelsea)
Mittelfeld: Anita Asante  (Kopparberg/Göteborgs FC), Karen Carney (Birmingham City), Jess Clarke (Lincoln  Ladies), Jade Moore (Birmingham City), Jordan Nobbs (Arsenal), Jill Scott  (Everton), Fara Williams (Liverpool), Rachel Yankey (Arsenal)
Angriff: Eniola Aluko (Chelsea), Toni Duggan (Everton), Kelly Smith (Arsenal), Ellen White (Arsenal)

Mit Eniola Aluko und Anita Asante habe ich mich kürzlich unterhalten. Das längere Interview mit Asante kommt in den nächsten Tagen.

Noch 24 Tage

Nilla Fischer als Erste auf der Leiter

Nilla Fischer als Erste auf der Leiter

Der Countdown läuft, die EM in Schweden nähert sich. Gestern gewann Deutschland gegen Schottland mit 3:0, am kommenden Mittwoch spielt die schwedische Nationalmannschaft erstmals seit sechs Jahren (!) wieder in Stockholm und trifft auf Brasilien. Die Brasilianerinnen sind heute um die Mittagszeit angekommen, in ihrem Aufgebot fehlen viele vertraute Namen wie Cristiane, Erika oder auch Tyresös Elaine.

Die Schwedinnen absolvierten heute Morgen im Söderstadion ein Training und anschließend gab es Gelegenheit, mit einer Hälfte der Mannschaft zu reden. Die andere Hälfte steht morgen nach dem Training auf der Insel Bosön im Leistungszentrum Bosön zur Verfügung. Lotta Schelin hatte heute einen Ruhetag und erschien erst gar nicht im heruntergekommen Söderstadion, in dem immerhin noch Zweitligaspiele der Männer stattfinden dürften, in Deutschland würde diese selbst Sicherheitsanforderungen der 70er Jahre kaum genügende Arena wohl gesperrt werden. Naja, aber sie wird ja auch bald abgerissen und das neue Stadion nebenan wird im Juli eröffnet.

Ich stelle einfach ein paar Bilder vom Training ein. Ich habe mich mit Caroline Seger und Olivia Schough unterhalten, zwei sehr entspannte und lockere Gespräche, die ich in den kommenden Tagen hier aufbereiten werde. Die Kollegen von den schwedischen Medien wollten ALLE mit den beiden 17-Jährigen im Team, Lina Hurtig und Marija Banusic sprechen. Mit Marija redete ich ja schon vor mehr als einer Woche und das könnt ihr hier nachlesen.

Fußball-Ballett im Söderstadion

Fußball-Ballett im Söderstadion

Oliviua Schough, Lina Nilsson, Emmelie Konradsson, Sofia Jakobsson, Stina Segerström, Nilla Fischer

Oliviua Schough, Lina Nilsson, Emmelie Konradsson, Sofia Jakobsson, Stina Segerström, Nilla Fischer

Heiß begehrt als Interviewpartnerinnen: die beiden Youngster Lina Hurtig und Marija Banusic

Heiß begehrt als Interviewpartnerinnen: die beiden Youngster Lina Hurtig und Marija Banusic

Marta und Anja Mittag Weltklasse – Unentschieden in Malmö

Mein direkter Vergleich zwischen den beiden Teams endete mit einem deutlichen Plus für Tyresö, in der Realiät sieht es dann oft etwas anders ist, aber das hatte ich auch eingeräumt. Zunächst einmal muste Tony Gustavsson die halbe Abwehr umkrempeln. Kapitänin Johanna Frisk hat möglicherweise einen Kreuzbandriss und Sara Thunebro hatte Fieber und musste daheim bleiben.

Stattdessen stellte Gustavsson Annica Svensson und Karin Lissel auf den Platz. Das ist für jede Mannschaft eine Umstellung, aber bei der Qualität auch der Bank lassen wir das nicht als Entschuldigung für irgend etwas gelten.

Malmö war von Beginn an die bessere Mannschaft und hatte Vorteile in den ersten Minuten, aber es bahnte sich ein echtes Spitzenspiel an, bei dem auch Tyresö seine Gefährlichkeit andeutet. Über die Flügel wollte Jonas Eidevall seine Spielerinnen kommen lassen, um so Tyresös Außenverteidigerinnen, die meist sehr offensiv agieren, bloß zu stellen. Und das gelang erstaunlich oft.

Aber Amanda Ilestedt, die junge Innenverteidigerin Malmös, wirkte sehr unsicher und nervös zu Beginn und nach einem bitteren Abspielfehler von ihr, konnte Christen Press den Ball weiterbefördern zu Marta, die nicht lange fackelte und den Ball zum 0:1 nach 14 Minuten einlochte. Das saß dann tief im Selbstbewusstsein der Gastgeberinnen und offenbar hatte sich die Brasilianerin einiges vorgenommen, denn nur vier Minuten später wurde es sehr still auf dem Malmö IP, als Marta nach ein, zwei Finten den Ball noch einmal an Thora Helgadottir vorbei zum 2:0 ins Netz setzte.

Nun gab wohl kaum noch jemand einen Pfifferling oder war es ein Pfennig? auf Malmö. Aber was für die Mannschaft spricht, ist, dass sie sich aus diesem furchtbaren Tief wieder herauszog. Anja Mittag und Manon Melis erhöhten das Tempo und den Druck und im zentralen Mittelfeld ackerten und rackerten Sara Björk Gunnarsdottir und Katrin Schmidt wie eh und je und leisteten ein enormes Arbeeitspensum. Wichtig dabei, dass auch Malmös Abwehr sicherer wurde trotz des brillanten Auftakts von Marta, die zwei Chancen bekam und beide verwertete.

In der Viertelstunde vor der Halbzeit wurde Anja Mittag immer stärker, sie war immer anspielbar und bekam sie den Ball, wurde es gefährlich. Ich sah das Spiel im Fernsehen und murmelte vor mich hin, dass nur ein Tor vor der Halbzeit Malmö noch Chancen in der zweiten Halbzeit einräumen würde. Die Deutsche muss das gehört haben, denn keine 60 Sekunden vor der Pause schoss sie das 1:2, schnappte sich sofort den Ball und rannte Richtung Mittellinie. Ein klares Zeichen, dass sie eine Führungsrolle übernommen hat und ein Zeichen an ihre Mannschaft wie die Gegner, dass dies noch nicht das letzte Wort gewesen sein sollte.

Das Spiel hatte gerade wieder begonnen in Halbzeit 2, da spitzelte Anja schon wieder den Ball an einer vielleicht zu früh fallenden Carola Söberg vorbei zum umjubelten 2:2 Ausgleich. Und die nächsten 20-25 Minuten gehörten nur noch Malmö. Immer wieder Mittag, die jetzt von Marta das Prädikat Weltklasse übernahm und vorbildlich ein ums andere Mal passte, flankte und schoss.

Auch Ramona Bachmann wurde stärker und das Gefühl stellte sich ein, dass das 3:2 für die Gastgeber nur noch eine Frage der Zeit sei, verdient wäre es in dieser Phase gewesen. Bachmann und ihre ehemalige Mannschaftskameradin Marta (aus Zeiten bei Umeå IK) lieferten sich mehrere nicklige, physische Duelle, aber am Ende gab es dann doch ein freundschaftliches Lächeln und einen Klaps unter den Beiden.

Schrecksekunde am Ende: Islands Nationaltrainerin Thora Helgadottir , die mit einer Knieverletzung ins Spiel gegangen war, vertrat sich und verletzte sich am Oberschenkel. Das tat so weh, dass Helgadottir schon beim in die Knie gehen das Auswechselzeichen zur Bank machte. Gespielt waren fast 90 Minuten und in den verbleibenden fünf musste dann die 17-Jährige Zecira Musovic musste zum ersten Mal in der Damallsvenskan ins Tor und das gegen Marta, Christen Press, Vero Boquete und Co.

Aber sowohl Press wie auch Boquete blieben weitgehend farblos bei Tyresö. Auch Seger und Dahlkvist verloren den Kampf ums zentrale Mittelfeld, wenn auch nur knapp.

Malmö hat einen Schlüsselk gefunden, wie Tyresö ins Wanken zu bringen ist. Wenn man derart druckvoll über die Flügel kommt wie gestern Abend, dann gerät Tyresö ins Schwimmen. Dabei muss aber die eigene Abwehr stehen und darf eine Ausnahmespielerin, die Marta immer noch ist, nicht so ins Spiel kommen lassen wie in den ersten 20 Minuten geschehen.

Mittag und Marta überragten und in der zweiten Halbzeit brachte die 19-Jährige Elin Rubensson auf Malmös rechter Seite sehr viel frischen Wind und mehrere hervorragende Bälle ins Zentrum. Rubensson ist leider unterbewertet, sowohl in ihrer Mannschaft wie auch im Hinblick auf die schwedische Nationalelf.

Malmö und Tyresö im direkten Vergleich

Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben vergleicht vor großen und wichtigen Fußballspielen gerne die Startformationen im direkten Vergleich gegeneinander. Das ist mehr Unterhaltung als seriöse Berichterstattung oder Analyse, aber weil’s so schön ist, will ich das auch mal machen vor dem heutigen Knaller LdB FC Malmö – Tyresö FF (19.20 Uhr live im schwedischen Fernsehen).

Der direkte Vergleich endet mit einem klaren Sieg für Tyresö, das zudem noch die bessere Ersatzbank hat. Aber: Das ist ja nur ein Spiel und entscheidend ist bei allen individuellen Fähigkeiten, wie man zusammen spielt und agiert. Und wer das Quentchen Glück auf seiner Seite hat. Gewinnt Malmö, ist die Meisterschaft wieder offen. Gewinnt Tyresö, sind sie nach der Hinrunde sechs Punkte und mehr als elf Tore weg.

 

Thora Helgadottir vs Carola Söberg

Carola Söberg

Carola Söberg

Noch vor zwei Monaten hätte ich hier 1:0 für Malmö gesagt, denn Helgadottir gehört(e?) in Bestform zu den besseren Torhüterinnen der Welt. Aber gerade in den letzten beiden Spielen zeigte die Isländerin doch ungewohnte Unsicherheiten, die zu Gegentoren führten, die vermeidbar waren. Söberg wird selten geprüft, hat aber dieses Jahr noch nicht daneben gegriffen. Möglicherweise hat tatsächlich die fehlende Pause bei Helgadottir eine gewisse Müdigkeit verursacht, sie hat den ganzen Winter in der australischen Liga gespielt. Unentschieden: 0,5:0,5.

Lina Nilsson vs Meghan Klingenberg

Am Sonntag konnte Klingenberg gegen Kristianstad nicht spielen und wurde von Annica Svensson ersetzt. Wir gehen aber davon aus, dass die kleine Amerikanerin heute Abend spielt. Nilsson kämpft um einen Platz in der Startformation der schwedischen Nationalmannschaft gegen Linköpings Jessica Samuelsson. Heute Abend wird sie öfters auf Marta treffen, ein wichtiges Duell. Offensiv gewisse Stärken, defensiv wird sie von schnellen Gegenspielerinnen oft ausgetrickst. Meghan Klingenberg ist defensiv besser, nicht nur, weil sie den dritten schwarzenTaekwondo-Gürtel ihr eigen nennen kann. Auch nach vorne besticht Klingenberg durch brillante Flanken. Klarer Punkt für Tyresö: 0,5:1,5.

 

Amanda Ilestedt vs Johanna Frisk

Amanda Ilestedt

Amanda Ilestedt

Ilestedt ist schneller und kopfballstärker als Tyresös Mannschaftskapitänin, die zwar grundsolide, aber nicht unüberwindbar ist. Frisk wäre die erste, die ich bei einer Verstärkung des Kaders in der Abwehr aussortieren würde. Punkt für Malmö: 1,5:1,5.

 

Malin Levenstad vs Line Röddik Hansen

Malmös Mannschaftskapitänin kommt heute Abend nach guten Trainingsleistungen wieder in die Startelf, aus der sie zuletzt von Kathleen Radtke verdrängt worden war. Trainer Jonas Eidevall sagte auch, dass Levenstad wichtig bei der Kommunikation auf dem Platz sei. Das reicht aber trotzdem alles nicht, um die brillante Dänin auszustechen, die selbst auf der angestammten Innenverteidigerposition besser ist, im Spiel nach vorn, aber auch kompromisslos und souverän in der Defensive. Klarer Punkt für Tyresö: 1,5:2,5.

 

Ali Riley vs Sara Thunebro

Kein Zweifel, Sara Thunebro kommt mit 34 Jahren dem Karriereende näher. Ihre Flankenläufe sind längst nicht mehr so spektakulär und häufig wie vor Jahren, bevor sie nach Frankfurt wechselte, wo sie am Ende keine Spielzeit mehr bekam. Die Neuseeländerin Riley aber wird auch häufig überschätzt. Als sie nach Schweden kam, las ich, dass sie eine der besten Außenverteidigerinnen der Welt sei. Weltklasseleistungen aber hat man kaum gesehen. Beide Spielerinnen sind solide, aber verwundbar. Es wird interessant zu sehen, ob Ramona Bachmann Thunebro ab und an einen Knoten in die Beine spielt. Aber auch Riley wird mit Kirsten van de Ven ihre Müh und Not haben. Unentschieden: 2:3.

 

Katrin Schmidt vs Lisa Dahlkvist

Katrin bekam in Tyresö keinen Vertrag mehr. Zu erklären ist das nur damit, dass die Deutsche schlechter Sponsoren gegenüber zu vermarkten war als schwedische Nationalspielerinnen wie Lisa Dahlkvist, die aber auch nicht gerade charismatisch ist. Darum geht es aber nicht. Dahlkvist ist bei Pia Sundhage wohl fast gesetzt, Katrin Schmidt wieder nicht von Silvia Neid gesehen worden. Spricht das für die enorme Breite des deutschen Frauenfußballs oder einfach eine ignorante Einstellung gegenüber Spielerinnen, die im Ausland herangereift sind? Beide Spielerinnen gewinnen ungeheuer viel Bälle und können gefährlich nach vorn sein. Unentschieden: 2,5:3,5

 

Sara Björk Gunnarsdottir vs Caroline Seger

(Sara) Björk Gunnarsdottir

(Sara) Björk Gunnarsdottir

Die junge Isländerin ist nicht mehr wegzudenken aus Malmös Mittelfeld. Enormer Einsatzwille, sechsfache Torschützin in dieser Saison. Seger tauchte vergangene Saison und zu Beginn der neuen allzu oft unter und machte zuletzt Schlagzeilen wegen ihres Coming Out. Knapper Punkt für Malmö: 3,5:3,5

 

Ramona Bachmann vs Veronica Boquete

Ojojoj, was für ein Vergleich. Zwei Weltklassespielerinnen, die wertvollste Spielerin der Liga 2011 gegen die beste Mittelfeldspielerin 2012. Beide können ein Spiel alleine entscheiden mit überragender Technik und erstklassiger Schusstechnik. Dennoch: der Punkt geht an die Spanierin, die als einzige auf dem berühmten Kanaldeckel Kunststücke vollführen kann, auf engstem Raum brilliert und auch insgesamt mannschaftsdienlicher ist. 3,5:4,5

 

Manon Melis vs Kirsten van de Ven

Zwei Holländerinnen im direkten Vergleich auf der rechten Angriffsseite. Jahrelang hätte Melis hier immer souverän gesiegt. Aber seit dem Weggang von Malmö nach Linköping 2011 und dem gescheiterten Engagement in der kollabierenden WPS ist die mehrfache Torschützenkönigin der schwedischen Liga von der Weltklassestürmerin die sie einmal war, weit entfernt. Ich hätte sie schon längst auf die Bank gesetzt und Talent Elin Rubensson in die Angriffskette geschickt. Van de Ven wird immer stärker, auch sie saß lange auf der Bank (!) und war hinter dem spanischen Neuzugang Jennifer Hermoso Fuentes einsortiert, aber seitdem sie wieder spielen darf, tut sie das mit Verve, viel Schwung und bislang sieben Toren. Punkt für Tyresö: 3,5:5,5.

 

Anja Mittag vs Christen Press

Ojojoj, noch so ein extrem harter Vergleich wie bei Bachmann vs Boquete. Anja hatte eine Supersaison 2012, die kaum zu toppen war. 21 Tore, drei Preise auf der Fußballgala in Schweden. Press schoss 17 für Göteborg und wechselte nach Tyresö und hier spielt sie so wie Anja in der vorigen Saison in Malmö: jeder Schuss ein Treffer. Bislang 12 in neun Spielen gegen Anjas sechs Tore. Deshalb auch hier schweren Herzens. Punkt für Tyresö: 3,5:6,5.

 

Katrine Veje vs Marta Vieira da Silva

Marta Vieira da Silva

Marta Vieira da Silva

Die Brasilianerin war früher stärker, glaube ich, als sie noch bei Umeå spielte. Oder die Gegnerinnen waren weniger in der Lage, ihr Probleme zu bereiten und sind besser geworden. Aber wer Marta sieht, weiß, dass sie immer noch in der Lage ist, einzigartige Dinge zu tun. Klarer Punkt für Tyresö: 3,5:7.5.

 

2 x Caroline

Caroline Seger am Sonntag nach dem Spiel gegen Kristianstad

Caroline Seger am Sonntag nach dem Spiel gegen Kristianstad

Caroline Seger hat in erstmals in einem Interview mit der Gesundheitszeitschrift Topphälsa davon berichtet, dass sie seit ihrem 17. Lebensjahr auf Mädchen steht. Das berichtet heute die schwedische Abendzeitung Aftonbladet. Seger sagte dem Magazin, dass sie selber lange Zeit Schuldgefühle hatte und in Gesprächen mit anderen sich sprachlich so ausdrückte, als sei sie mit einem Jungen zusammen. Seit 1,5 Jahren habe sie nun eine feste Freundin und das sei nichts Besonderes. Seger sagte, dass sie den Schritt an die Öffentlichkeit nur tue, um damit jungen Mädchen die Angst zu nehmen, sich zu ihren Gefühlen zu bekennen. Etwas Neues ist das natürlich freilich nicht und man kann sich fragen, ob Seger für ihren Schritt die richtige Publikation gewählt hat. Denn der Sportteil von Aftonbladet, in dem das heute zu lesen war, wird eher von Männern mittleren Alters gelesen als von jungen Mädchen. Die hätte man sicher besser in einer Jugendzeitschrift erreicht oder durch aktive Begegnungen mit Heranwachsenden.

Caroline Jönsson stand 2001 im Tor, als die schwedische Nationalmannschaft in den USA Vizeweltmeister hinter Deutschland wurde. Schon vor der Saison war bekannt geworden, dass Jönsson nur die Hälfte der Saison 2013 für Umeå absolvieren wird, da sie nach den Sommerferien aus beruflichen Gründen zurück nach Malmö ziehen wird. Das morgige Auswärtsspiel in Linköping wird somit Caroline Jönssons letztes Spiel sein.

Im Gespräch mit Marija Banusic

Marija Banusic

Marija Banusic

Ihre Trainerin Elisabet Gunnarsdottir in Kristianstad sagt, dass sie das größte Talent in der Geschichte des schwedischen Frauenfußballs sei und das ist schon was in einem Land, aus dem Weltstars wie Pia Sundhage, Malin Moström, Hanna Ljungberg, Victoria Svensson oder zuletzt Lotta Schelin kommen.

Josefine Öqvist sagte mir im April, dass ihr nur noch das Feingefühl fehle, wann sie besser abspielen soll oder wann sie den Ball halten soll. “Wenn sie das drauf hat und das wird kommen, dann haben wir einen Weltstar,” sagte Öqvist.

Die Rede ist von der 17 Jahre und neun Monate alten Marija Banusic. Ich habe sie im Januar 2012 zum ersten Mal in der Vinnarhallen auf Bosön spielen sehen, im Cup Kommunal, einem Turnier für 16-Jährige, das von der Gewerkschaft der Kommunalangestellten gesponsort wird und in dem die Mädchen für ihre Landschaften spielen. Marija war für Uppland aktiv und sie war um Klassen besser als ihre Altersgenossinnen. Physisch, technisch, grandiose Ballannahme, Links- wie Rechtsfüßlerin mit bereits ungewöhnlich großem Spielverständnis. Damals spielte sie für Uppland und hatte noch einen Verein in der dritten Liga in Uppsala. Marija wechselte wenig später zum Zweitligisten IK Sirius, der um den Aufstieg mitspielen sollte und knapp scheiterte. In nur acht Spielen schoss die 16-Jährige 16 Tore in der zweiten Liga. In den Jugendauswahlmannschaften Schwedens gab es ebenfalls viele Banusic-Tore.

Keine Frage, dass sie dann 2013 zu einem Verein der Damallsvenskan wechseln würde. Am Ende wurde es Kristianstads DFF, gut 650 km von der Heimat und der Familie entfernt. Am ersten Spieltag durfte sie von Anfang an gegen Piteå spielen und schoss gleich ihr erstes Tor in der Liga. Vier sind es bis heute, am Sonntag in Tyresö war Banusic gesperrt. Sie hatte im Spiel gegen Sunnanå am letzten Mittwoch verbotenerweise Wasser auf dem Spielfeld getrunken und dafür die dritte gelbe Karte gesehen. Kein Kommentar. Außerdem hat sie eine komplizierte Verletzung an der linken Hand, einen Riss in einem Knochen, aber dafür hat sie in Malmö eine blaue Spezialmanschette bekommen. Einen Monat vor der EM hat Pia Sundhage sie jetzt doch noch überrraschend erstmals in den Kader der A-Nationalmannschaft für das Spiel gegen Brasilien berufen.

Nach dem Spiel gegen Tyresö, das Kristianstad 1:5 verlor, hatte ich Gelegenheit, mit Marija Banusic zu sprechen.

Wieso bist du eigentlich nach Kristianstad gegangen, das ist doch ziemlich weit weg von zu Hause?

Es gab tatsächlich mehrere Angebote, aber mir gefällt die Art, wie man hier Fußball spielt, aber du hast Recht, es ist ganz schön weit weg. Ich wollte mein Glück einfach hier versuchen. Aber es spielt eigentlich keine Rolle wie weit weg das von zu Hause ist. Ich hätte auch ins Ausland gehen können. Bis jetzt bin ich zufrieden und meine Erwartungen sind erfüllt worden.

Erst vor einem Jahr hast du erstmals in der zweiten Liga gespielt, nun gleich der Sprung in die Damallsvenskan.

Ja, das ist ein großer Unterschied, vor allen Dingen im Tempo. Du mujsst dich daran anpassen, aber letztlich geht es darum, Fußball zu spielen und nichts anderes.

Viele Trainer loben dich, die Journalisten (auch ich) schreiben tolle Dinge über dich. Wie steckst du das weg und wie gehst du mit dem Druck um?

Also, ich lese die Artikel nicht, die über mich geschrieben werden. Aber der Druck, der ist schon da, aber das ist auch etwas, das mir gefällt. Druck sehe ich nicht als Hindernis für mich an, ich bemühe mich, die Möglichkeiten zu sehen.

Wie lebt eine 17-Jährige in Kristianstad, eigene Wohnung?

Ich lebe im Zentrum von Kristianstad und gehe da auch zur Schule. Ich habe noch ein Jahr bis zum Abitur, ich habe einen sportlichen Zweig gewählt, bei dem Leistungsfußball im Vordergrund steht. Das bringt mit sich, das ich auch vormittags schon trainieren kann. Klar ist das eine andere Situation, wenn deine Familie ein paar hundert Kilometer entfernt ist, aber ich habe mich daran gewöhnt. Am Anfang hatte ich etwas Probleme mit dem Dialekt hier unten, der doch völlig anders ist als zu Hause, aber inzwischen verstehe ich auch den immer besser. In meiner Freizeit spiele ich sehr gern FIFA, also Fußball sowohl auf dem Platz wie neben dem Platz. Da spiele ich mit und gegen meine Freunde zu Hause in Uppsala übers Internet.

Deine Lieblingmannschaft?

Barca natürlich, aber ich muss auch sagen, dass der Sieg von Bayern München in der Champions League für mich nicht überraschend kam. Die haben ganz einfach ein ganz tolles Team, ich hab damit gerechnet, dass sie den Pokal holen.

Ein Wort zum Schluss zur Berufung in die A-Nationalmannschaft. Hat Pia Sundhage dich angerufen?

(lacht) Nein, nein, das war meine Trainerin in Kristianstad, die mir gesagt hat, dass ich im Kader bin. >Das hat mich natürlich sehr gefreut und ich werde mein Bestes geben. Aber ich habe keine übergroßen Erwartungen, dass ich bei der EM dabei sein werde. Ich will eine bessere Fußballspielerin werden, das ist mein primäres Ziel.

Aufgrund einer UEFA-Regel darf man nicht sowohl die EURO 2013 als auch die U19-EM spielen, die etwas später stattfindet. Pia Sundhage sagte am Sonntag, dass Banusic eben ein anderer Spielertyp sei. “Sie ist sehr unkonventionell, anders als alle anderen Offensivspielerinnen, die wir im Kader haben. Ob sie oder Lina Hurtig es schaffen werden, sich gegen die Elite zu behaupten, werden wir bald sehen. Aber beide sind noch so jung und wenn sie nicht bei der EM dabei sein sollten, bin ich sicher, dass wir sie wiedersehen werden. Eher früher als später.”

 

Drei Tage bis zum Showdown

Verkehrte Welt: Josefine Öqvist leistet Abwehrarbeit gegen Annica Svensson

Verkehrte Welt: Josefine Öqvist leistet Abwehrarbeit gegen Annica Svensson

Volle Spieltage sind die Ausnahme in Schweden. Am Sonntag gab es mal wieder einen. Sechs Spiele des zehnten Spieltags:

In Tyresö bilanziert man nach sechs Heimspielen: 6 Siege, 18 Punkte, 23:4 Tore. Die letzte Heimniederlage gab es vergangene Saison gegen Kristianstads DFF. Genau die mussten am Sonntag nach Tyresö und fuhren mit einer deftigen 1:5 Schlappe nach Hause. Wie von mir vorausgesagt, schießt Christen Press für Tyresö Tor um Tor, lieferte heute einen lupenreinen Hattrick ab und liegt nun bei beeindruckenden 12 Toren (eigentlich sogar 13, aber die Statistiker des Fußballverbands korrigieren sich nie, auch wenn Fernsehbilder das Gegenteil beweisen, wie beim 1:0 von Press gegen Linköping, ein Tor, das man nach wie vor Kirsten van de Ven zu Buche schreibt, die den Ball überdies aus Abseitsposition ins Tor beförderte, als er schon längst drin gewesen war). 12 Tore aus neun Spielen für Press also. Vero Boquete mit einem Tor des Monats und Caroline Seger erzielten die übrigen Treffer beim indiskutabel hochverdienten Sieg des Meisters, dessen Trainer Tony Gustavsson in einer erstmals auch dem Publikum zugänglichen Pressekonferenz (sehr gute Initiative) sagte, dass die Demut der gefährlichste Gegner Tyresös auf dem Weg zu einem weiteren Gold sei. Wenn man es an Demut und Respekt dem Gegner mangeln ließe, dann wäre man durch jede Mannschaft verwundbar, bislang allerdings, so Gustavsson, hätte die Mannschaft das bestens beherzigt.

Am Mittwoch muss Tyresö dahin, wo es sich die Meisterschaft letztes Jahr holte: nach Malmö. LdB FC gewann erwartet souverän 3:0 beim Schlusslicht Sunnanå. Anja Mittag machte ihren sechsten Saisontreffer. Am Dienstag gibt es hier den 1:1-Vergleich, die exklusive Gegenüberstellung beider Topteams.

Linköping bleibt Dritter, nachdem die Dänin Pernille Harder trotz drückender Überlegenheit den einzigen Treffer gegen Mallbacken geschossen hat. 1:0 gegen den Aufsteiger.

Göteborg stieß Piteå IF in ernste Abstiegssorgen. Vorletzter ist man nun und hat doch in Faith Ikidi die beste Abwehrspielerin der Liga und insgesamt einen Kader, der einfach mehr als nur sechs Punkte haben MÜSSTE. Marie Hammarström und Anita Asante hatten schon in der ersten Halbzeit alles klar gemacht. 2:0 für Göteborg.

Umeå muss dreimal hintereinander auswärts spielen und bislang sieht diese Tour nicht gut aus. Dem 1:2 bei Jitex folgte am Sonntag ein 0:3 beim wohl endlich wach gewordenen Vittsjö, das nun sechs Punkte aus zwei Spielen holte und damit die Abstiegsränge verließ.

Und auch der rosige Saisonauftakt von KIF Örebro gehört der Vergangenheit an. Sofia Andersson gelang nach Pass von Leena Puranen in der 89. Minute das goldene Tor für Jitex, das ebenfalls sechs Punkte in der letzten Woche geholt hat.

Morgen Abend kommt das Interview mit Schwedens Supertalent Marija Banusic und bald auch an anderer Stelle mein Gespräch mit Pia Sundhage am Rande des heutigen Spiels.

Nach neun Runden

Erwartungsgemäß sind Tyresö und Malmö dem Rest des Feldes deutlich voraus. Die letzten vier Spiele des neunten Spieltags fanden vorgestern und vor allem gestern statt

Bereits am Mittwochabend führte Piteå zwar mit 1:0 gegen Linköping, aber Martin Sjögrens junge Mannschaft drehte die Begegnung und wie schon gegen Malmö am Spieltag zuvor wurde die Dänin Pernilla Harder zum Matchwinner für die Gäste. Piteå rutschte nun aufgrund der Donnerstagsergebnisse auf einen Abstiegsplatz, wo es definitiv nicht hingehört. Aber in der nördlichsten Stadt der Liga ist in der Lokalpresse jetzt schon die Devise durchhalten bis zur Sommerpause und Verstärkungen besorgen ausgegeben worden.

Piteå rutschte auf Rang 11, weil Vittsjö bei Mallbacken 3:1 gewann. Erste Niederlage der Värmländerinnen auf eigenem Platz seit zwei Jahren, der Strandvallen mit seinen fehlenden Tribünen (die Zuschauer sitzen meist auf selbst mitgebrachten Stühlen am Spielfeldrand) war eine Bastion. Er ist zudem Schwedens einziger Topfußballplatz, den man nur über eine Schotterstraße erreicht. Großes Pech für Mallbacken und noch mehr wohl fürr die finnische Nationalmannschaft:

Maija Saari, Kapitänin Finnlands und wichtiges Glied in der Abwehrkette Mallbackens, zog sich beim Training unter der Woche einen Kreuzbandriss zu. Maija ist damit schon das zehnte Opfer mit dieser Verletzung in der Damallsvenskan 2013.

Grund zur Freude hatte Finnlands Trainer Andrée Jeglertz auch gestern. Annica Sjölund, 2012 mit Kreuzbandriss ausgefallen, machte ihr erstes Spiel über 90 Minuten daheim gegen Umeå IK: Es kamen für Jitex sehr erfreuliche 900 Zuschauer und sie wurden zudem Zeugen eines eminent wichtigen 2:1 über Umeå. Zweifache Torschützin: Annica Sjölund.

Dass Kristianstad Sunnanå eine deutliche Niederlage mitgeben würde, glaubten wohl alle und tatsächlich gab es für den Aufsteiger (und wohl Absteiger) erneut ein empfindliches 5:1. Marija Banusic schoss das 1:0 schon in der ersten Spielminute, Margret Lara Vidarsdottir traf zweimal und Josefine Öqvist und Johanna Rasmussen je einmal. Mit Banusic hatte ich mich schon für Sonntag in Tyresö für ein Interview nach dem Spiel verabredet, aber die 17-Jährige sah ihre dritte gelbe Karte (wegen Wassertrinken auf dem Spielfeld!) und ist damit gegen Meister Tyresö gesperrt. Für ihre Handverletzung hat man ihr in Malmö übrigens eine Spezialmanschette angefertigt.

 

Brasilien-Kader: Ohne Sjögran, aber mit Hurtig & Banusic

Pia Sundhage überrascht auch 20 Tage vor der Benennung des 23-Spielerinnenkaders für die EURO 2013. Heute gab die Trainerin Schwedens ihr Aufgebot für das Länderspiel gegen Brasilien am 19.06. bekannt und da wo viele die 36-Jährige Therese Sjögran erwartet hätten, nominierte Sundhage stattdessen zwei Spielerinnen, die zusammen jünger sind als die Rekordnationalspielerin: Lina Hurtig (Umeå) und Marija Banusic (Kristianstad), beide 17 Jahre alt und wohl die größten Talente im offensiven Bereich seit vielen Jahren, stehen erstmals im Aufgebot der Welttrainerin. Damit hatte wohl kaum noch jemand vor der EM gerechnet.

Raus ist Tyresös Torfrau Carola Söberg, die monatelang im Kader war, aber nun wohl endgültig für die rückkehrende Hedvig Lindahl weichen muss. Zurück auch Routinier Stina Segerström in der Innenverteidigung.

Hier alle 23 Namen:

Tor: Kristin Hammarström, Hedvig Lindahl, Sofia Lundgren

Abwehr: Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Stina Segerström, Sara Thunebro

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani, Marija Banusic, Lisa Dahlkvist, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Lina Hurtig, Sofia Jakobsson, Emmelie Konradsson, Elin Magnusson, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Josefine Öqvist.