Marta stürmt mit Anja Mittag

Neun Tage lang gab es im Blog eine Schreibpause, bedingt durch eine Urlaubsreise, aber die wichtigste Personalie wurde erst gestern bekannt: Marta, die wohl immer noch beste Fußballspielerin der Welt, hat einen neuen Verein gefunden. Und es ist weder Avaldsnes IL noch Paris SG, zwei gegensätzliche Clubs, die immer wieder in den Spekulationen vorgekommen waren.

Die 28-Jährige Brasilianerin und fünffache Weltfußballerin wechselt zum schwedischen Tabellenführer FC Rosengård und wird damit die ohnehin schon mit Weltklassespielerinnen wie Anja Mittag und Ramona Bachmann gespickte Offensive noch weiter verstärken. Bachmann war vor einigen Wochen gerüchtehalber mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht worden. Der Champions-League-Sieger sucht händeringend nach Weltklassestürmerinnen.

Nun ist es also im Falle Martas doch Schweden geworden oder geblieben. Malmös  Erling Nilsen erklärte auf der gestrigen Pressekonferenz, auf der Marta bereits im neuen Trikot präsentiert wurde, dass die Brasilianerin durch ihren Agenten Fabiano Farah bereits vor einigen Wochen angeboten wurde, Rosengård habe doch passen müssen, da die Gehaltsvorstellungen jenseits des Machbaren gelegen hätten. Nun aber habe man einen wesenbtlicch reduzierten Gehaltsvorschlag bekommen und darauf habe man sich dann auch geeinigt.

Marta wird zunächst bis zum Ende der Saison unter Vertrag sein. Es gibt eine Option auf weitere sechs Monate. Die schwedische Meisterschaft dürfte, vorausgesetzt, dass alle Stars gesund bleiben, damit eendgültig entschieden sein, denn dass das punktgleiche Örebro gegen diese Offensive bestehen kann, ist kaum anzunehmen. Sollten Marta und Anja Mittag spielerisch zusammenfinden, dürfte Rosengård damit das beste Stürmerpaar der Welt unter Vertrag haben. Eine Flut von Toren und Assists beider Spielerinnen scheint nicht undenkbar zu sein.

Die Verpflichtung ist aber vor allem ein Schritt zur ernsthaften Kandidatur um den CL-Titel 2014/15, denn der VfL Wolfsburg und Paris SG dürften aufhorchen.

ffschweden trifft: Christen Press

Christen Press und ffschweden auf dem Norrmalmstorg in Stockholm (Foto: Vero Boquete)

Christen Press und ffschweden auf dem Norrmalmstorg in Stockholm (Foto: Vero Boquete)

Tyresö FF ist inzwischen Geschichte und aus der Konkursmasse sind beinahe alle Spielerinnen versorgt mit neuen Vereinen. Niemals hat ein schwedischer Club so viele aktuelle amerikanische Nationalspielerinnen in seinen Reihen gehabt, im letzten Herbst waren es fünf.

Eine, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und die meiner Meinung nach eine der großen Stars der Weltmeisterschaft 2015 werden könnte, ist die 25-Jährige Christen Press. Vor ihrer Abreise nach Chicago Ende Mai diesen Jahres habe ich mich mit der Stürmerin der Chicago Red Stars zu einem längeren Gespräch getroffen.

Zur Vorbereitung hatte ich mir vorgenommen, alle Texte ihres Blogs zu lesen, das sie mit ihrem Umzug nach Göteborg Anfang 2012 gestartet hatte. Aber das gab ich, vier Tage vor unserem Treffen, auf. Mehr als 150 Seiten auf A4 blieben übrig, als ich schon alle Fotos mühselig aus dem Text gelöscht hatte.

“Schreiben muss eine wichtige Rolle in deinem Leben spielen,” begann ich als wir uns am Samstag vor dem Champions-League-Finale in Lissabon in einem der inzwischen vielen Filialen von Joe & The Juice auf der Hamngatan trafen, in der Christen Press, dem Namen des Cafés gerecht, einen Smoothie schlürfte.

“Ja, das stimmt. Am Anfang war das Blog für mich ein Weg, mit meinen Verwandten und Freunden in den USA den Kontakt aufrecht zu erhalten. In meinem Jahr in Göteborg habe ich so gut wie über alles geschrieben, ich war nicht in der Nationalmannschaft, ich war raus aus dem Scheinwerferlicht. Ich war der Auffassung, dass ich so ganz gut nach Haus berichten konnte, wie es mir erging. Ich schrieb viel über all die kleinen Missgeschicke, die einem am Anfang in einem fremden Land passieren. Heute schreibe ich vielleicht nur noch einmal im Monat.

Ich habe geschrieben, seit ich ein kleines Schulkind war. Das ist etwas, das mir Freude bereitet, es ist ein Ventil für mich, aber ich denke, jetzt ist das Blog ein bisschen ernster geworden. Jetzt, wo ich in der Nationalmannschaft spiele, habe ich ein viel größeres Publikum. Mit all den dramatischen Sachen, die in letzter Zeit passiert sind, ist es auch ein bisschen mehr Nachrichtenblog geworden.”

Christen Press, Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 (Foto: Anders Henrikson)

Christen Press, Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 (Foto: Anders Henrikson)

Schreibst du deine Texte und postest du sie fast direkt oder bist du der Typ, der schreibt, noch einmal liest, korrigiert und feilt und erst dann postet?

“Ich bin jemand, der sehr viel korrigiert. Ich bin eine Amateur-Autorin und wenn ich einmal im Monat schreibe, dann schau ich mir das sieben bis acht Mal an und schicke es dann meiner Schwester. Sie redigiert das dann nochmal, also man kann schon sagen, dass ich das als Amateur-Autorin ernst nehme. An der Stanford Universität hatte ich Kommunikation als Hauptfach und da geht es viel um Berichten, die journalistische Seite davon. Ich habe auch an einer Reihe von Kursen im Kreativen Schreiben teilgenommen und auch persönliche Essays. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.”

Deine Blogposts unterschreibst du immer mit Christen, aber auch mit dem Zusatz “rookie for life” (Ein Leben lang Anfängerin). Ist das so eine Art Lebensphilosophie für dich?

“So hab ich mich einfach gefühlt. Nach vier Jahren im College und es waren vier harte Jahre, wo ich viel gelernt habe, aber um meine Karriere kämpfen musste, war ich dabei mir ein Leben außerhalb meines Elternhauses zu bauen. Dann hab ich meine Anfänger-Saison in der Profiliga WPS gespielt, die irgendwo eine große Katastrophe war. Ich habe für magicJack gespielt, einen sehr kontroversiellen Club und danach bin ich nach Schweden gezogen und natürlich war ich auch in dieser Situation eine Anfängerin. Ein Jahr später habe ich wieder den Verein gewechselt, ich denke, dass “Anfängerin ein Leben lang” bedeutet, dass man die Wechsel im Leben willkommen heißt. Das war hart für mich mein ganzes Leben, es bedeutet aber auch eine Einstellung zu haben, dass man nett zu sich selbst ist. Wenn Sachen schief gehen und du landest in verrückten Situationen, musst du ein bisschen ruhig bleiben.”

Es gibt eine wunderbare Geschichte in deinem Blog, wo ich dachte, dass du irgendwo schon auch ein unsicherer Mensch bist, eine Geschichte, die aber auch zeigt, wie wichtig Rückhalt ist.

Du bist erst ein paar Wochen in Tyresö und weißt nicht, ob du den Erwartungen entsprechen kannst. Normalerweise machst du nach dem Training immer ein freiwilliges individuelles Schusstraining. Aber an einem Tag fühlst du dich unsicher, ob du mit den großen Spielerinnen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete mithalten kannst und du verzichtest auf das Schusstraining, willst nach Hause. Umgezogen aus der Dusche kommend begegnest du Trainer Tony Gustavsson auf dem Parkplatz, der auf dich wartet. Er sieht dich an und lächelt, gibt dir einen Klaps auf die Schulter und sagt irgendwas wie, dass es schon gutgehen wird.

Foto: Anders Henrikson

Foto: Anders Henrikson

Ein Jahr später im finanziellen Chaos fühlst du dich wieder nicht gut. Und wieder willst du nach Hause und wieder steht Tony auf dem Parkplatz und wartet auf dich, aber dieses Mal sucht er nur deinen Blick, lächelt aufmunternd und geht.

“Ich würde sagen, jeder Mensch ist irgendwo ein wenig unsicher. Ich fände es wirklich verrückt, wenn man das nicht wäre. Ich gehe immer sehr vorsichtig in eine Situation hinein. Ich versuche, ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen. Ich denke, dass ich so gepolt bin, mir Gedanken zu machen, bevor Dinge passieren. Ich denke schon Monate vorher über manche Dinge nach und dann, wenn eine Krisensituation eintrifft, bin ich ganz gut darin, damit fertig zu werden. Ich erinnere mich sehr stark an negative Dinge, also, vielleicht kommt das daher.”

Lass uns noch mal die Uhr zurücckdrehen, als du nach Europa kamst. Mir warst du schon aufgefallen, ich hatte zwei Spiele mit dir im Internet gesehen und war beeindruckt, aber soweit ich verstanden habe, hatte dein erster schwedischer Trainer Torbjörn Nilsson in Göteborg noch nichts von dir gesehen?

“Die hatten keine Ahnung, wer ich war. Und ich hatte keine Ahnung, wer die waren. Ich hatte ein Tryout bei Atlanta Beat in der WPS gemacht, aber dann brach die ganze Liga zusammen und vier Tage später schloss das Transferfenster in Europa. Ich hatte vier Tage, ein Team zu finden und ich war verzweifelt. Ich schrieb an alle meine Kontakte, Trainer, andere Agenten , Spielerinnen, die was wissen konnten. Ich versuchte, herauszufinden, ob es irgendwo Interesse gab und in dem Moment waren 50 – 100 andere Spielerinnen in derselben Situation. Es waren echt panische Zeiten für Spielerinnen, die nicht in der Nationalmannschaft waren. Ich hatte einen Kontakt, der den Besitzer von Kopparberg/Göteborgs FC kannte. Die haben mich unbesehen unter Vertrag genommen. Ich war aber schon vorher mal in Göteborg gewesen und hatte beim Kinder- und Jugendturnier Gothia-Cup mitgespielt. Daran konnte ich mich aber nicht erinnern. Aber meine Schwester und mein Vater hatten eine gute Erinnerung und meinten ‘Hey, das war doch nett da, da gibt’s doch diese Wasserwege und wir hatten eine schöne Zeit’. Was passiert, passiert und ich hatte zu den Zeitpunkt nichts zu verlieren.”

Du hattest also auch keine großen Erwartungen. Erinnerst du dich noch an die ersten Wochen?

“Als ich dahin kam, war ich so verwirrt von all den Dingen, die mit Fußball nichts zu tun hatten. Fußball war so ziemlich das einzige, was ich wiedererkannte und was mir vertraut war. Es war so kalt im Februar, ich kannte die Stadt nicht und ich wurde jeden Tag im Hotel vom Manager zum Training abgeholt. Fußball war meine Schutzburg. Ich verstand mich von Anfang an sehr gut mit Torbjörn Nilsson, er hat mir so unglaublich viel beigebracht. Mein Spiel veränderte sich, der Stil, den ich spielte, veränderte sich sehr und zwar dank ihm. Er hat ja selber als Stürmer gespielt und er sah etwas in mir und wir arbeiteten viel zusammen. Am Ende denke ich, dass dieses Jahr ungeheuer ergiebig war für meine Karriere. Ich habe mir alte Videos mit Torbjörn angeschaut und er zeigte mir seine Bewegungen. Manchmal kam er zum Trainingsplatz und dann haben wir daran gearbeitet, das richtige Timing für die Sprints zu erarbeiten. Er war sehr detailversessen.”

Was nimmst du an Eindrücken mit, was hat dich geprägt?

“Die größte Lektion, die ich hier in Europa gelernt habe, ist, dass kontinuierlicher Druck dir nicht notwendigerweise die besten Ergebnisse gibt. Und ich habe hier durh meine Erfahrungen gelernt, dass es gut ist, manchmal die Dinge laufen zu lassen und weniger extrem zu sein. In Amerika sind wir so fokussiert darauf, immer die Besten zu sein. In Schweden ist es meh so, dass man die Dinge nimmt wie sie kommen. Ich mag wirklich das schwedische Wort “lagom”, ich mag den Gedanken dahinter. Dass du die Dinge laufen lässt und dass du trotzdem glücklich werden kannst und Dinge schätzen kannst.”

Was würdest du amerikanischen Spielerinnen sagen, die nicht das Privileg haben oder hatten, im Ausland spielen zu können?

“In den USA gibt es so viel Antrieb, so viel Fokus auf das Ziel. Hier in Schweden schätzen die Menschen mehr den Weg. Sie verstehen die Aufs und Abs einer Karriere. Sie lassen sich nicht dadurch definieren. in Schweden geht es mehr darum Spiel für Spiel zu absolvieren, Moment für Moment zu leben, es zu genießen, wenn die Sonne scheint. Wenn die Sonne scheint, lässt du alles auch mal liegen und genießt die Sonne. Ich habe hier erfahren, dass Spielerinnen mehr Spaß am Fußball haben. Sie verstehen das Spiel besser, sie leben es mehr und ich hoffe wirklich, dass ich ein bisschen davon nach Chicago mitnehmen kann. Ich denke, dass ich da in meinem neuen Team mehr eine Führungsrolle haben werde und wenn ich jüngeren Spielerinnen, die ihere Karrieren gerade beginnen, etwas vermitteln könnte, dass sie das Spiel mehr genießen lässt und dass sie dann erfolgreicher sein können, dann wäre ich zufrieden. Hört auf, euren Fokus auf den Erfolg zu setzen! Fokussiert auf das, was ihr könnt und der Erfolg wird kommen!”

Lass mich bitte noch einmal auf deine Unsicherheit zurückkommen. Es gibt einen Moment in Tyresö, wo sich der Kreis schließt, ein Moment, in dem gerade diese Unsicherheit auf immer verschunden sein muss, den du als den stolzesten Moment deiner Fußballkarriere beschrieben hast. Würdest du uns davon erzählen?

Marta (links), Christen Press (Foto: Anders Henrikson)

Marta (links), Christen Press (Foto: Anders Henrikson)

“Das war das dritte Tor im Champions-League-Halbfinale gegen Birmingham. Birmingham spielte unfair, Marta war respektlos angemacht worden vor dem Elfmeter, den sie dann verschoss. Sie ist eine ungeheuer emotionale Spielerin. Sie nimmt das mit, wenn sie spielt und du kannst es in ihrem Gesicht sehen. Wir führten mit 2:0 und wir würden gewinnen, aber man konnte es trotzdem in ihrem Gesicht sehen, dass sie fühlte, sie hätte uns im Stich gelassen, als sie den Elfmeter verschoss. Das Schöne an diesem Sport ist, dass es nicht nur um dich geht, es geht darum, mit anderen Menschen Verbindungen zu schaffen. Im letzten Moment des Spiels, wir waren in der Nachspielzeit schnappte ich mir den Ball und dachte eigentlich nicht, dass etwas Großes passieren würde. Marta und ich kommunizierten nie viel auf dem Platz, sie sagt mir nie, wenn ich passen soll, sie sagt mir nicht wo sie ist. Sie ist eine stille Spielerin, die stillste, mit der ich je gespielt habe und sie spricht niemals Englisch. Wenn sie was sagt, dann Spanisch, das ist ihre dritte Sprache und meine sehr schlechte Zweite. Am Ende des Spiels dann aber spielte sie mir den Ball zurück und sie rief ‘Wait!’, weil sie das auf Englisch sagte, war mir klar, dass es ihr sehr ernst war und dann setzte sie zum Sprint an und ich spielte ihr den Ball zurück und sie schoss das 3:0. Als sie zu mir kam liefen ihr Tränen übers Gesicht und sie war so dankbar, dass wir diesen gemeinsamen Moment und diese Verbindung hatten. Sie sagte ‘Thank you!’ Dieser Moment gab mir ein unglaubliches Glücksgefühl, ich fühlte mich so stark als Spielerin und so stolz als Mannschaftskameradin.”

Christen, wir müssen kurz über Tyresö reden, man würde mich sonst für verrückt halten. Aber ich will keine geheimen Details wissen, sondern mehr, wie das alles dein zukünftiges Verhalten beeinflusst und ob du glaubst, noch einmal vorbehaltlos Vertrauen zu einem Verein haben zu können?

“Nun, ehrlich gesagt, war ich sehr überrascht, dass so etwas in Schweden passieren konnte. Die Situation war insgesamt sehr ähnlich der, die ich schon mal mit magicJack erlebt habe. Da gab es kein Vertrauen in die Organisation, die Umwelt war hart gegen uns, das war absolut unakzeptables Benehmen und kaum zu ertragen. Die Liga ging kaputt und Teams gingen rechts und links kaputt. Es gab keinen Spielraum für Vertrauen mehr. Als ich nach Schweden kam, fühlte ich mich geborgen. Diese Mannschaften würden nirgends hingehen {magicJack verlegte seinen Standort von Washington DC nach Florida}, die sind schon lange hier, das ist stabil. Also, als das mit Tyresö dann losging war das schon ein Schlag. Ich glaube, dass ich jetzt in den USA nicht mehr dasselbe Vertrauen empfinden kann, dass ich einmal hatte.”

In Tyresö habt auch ihr immer sehr viel erst aus den Medien erfahren und wurdet nicht vom Arbeitgeber informiert. Du hast geschrieben, dass jed E-Mail vom Verein Angst ausgelöst hat und du erst einmal gewartet hast, bis du sie aufgemacht hast.

“Es geht ja nicht nur um das Geld. Es geht darum, wie wir behandelt wurden, man hat uns ausgenutzt. Wir haben viele Nachrichten aus den Medien bekommen, vieles davon war dann auch noch falsch. Aber weil wir keine Infos vom Verein bekamen, wussten wir gar nicht, was falsch war und was nicht. Wir fühlten alle, dass man uns eiskalt ausgenutzt hat. Die wussten genau, wieviel uns die Champions League bedeutete. Sie wussten, dass sie uns nicht bezahlen konnten und haben es durchgezogen.”

 

Wechsel

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Das Transferkarussell in Schweden ist in diesen ersten Tagen recht bescheiden, das liegt wohl daran, dass die meisten Entscheidungen mehr oder weniger klar sind und auch, dass der Schock des Verschwindens von Tyresö auch andere wirztschaftlich klamme Vereine zur Zurückhaltung mahnt.

Lisa Dahlkvist, einer der letzten übrig gebliebenen Restposten aus der Konkursmasse von Tyresö, geht nun zum ambitionierten norwegischen Topclub Avaldsnes IL. Dessen starker Mann Arne Utvik ist offenbar in Kroatien im Badeurlaub und postet seit 24 Stunden jeden erreichbaren Link, der über die Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin berichtet. Avaldsnes liegt nach der Hälfte der Spielzeit in Norwegen auf einem eher enttäuschenden siebten Rang, zwölf Punkte hinter den führenden LSK Kvinner. Die wiederum haben sich die Dienste der in Potsdam ein Jahr früher scheidenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir im Tor gesichert.

‘Gugga’ bekam in Potsdam zuletzt keine Spielzeit mehr und der Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen vor ein paar Wochen aufgelöst.

Unklar noch der Verbleib von Malin Diaz und Carola Söberg sowie Lisa Klinga.

Nach einem halben Jahr Ausleihe an AIK, beendet Malin Levenstad vertragsgemäß ihre Sejour in Solna. Es heißt jedoch, dass sie nicht zu dem sie entleihenden Verein FC Rosengård zurückkehrt, sondern erst einmal ohne Verein nach Paris zieht, wo Freundin Caroline Seger ab der kommenden Saison unter Vertrag ist.

Für AIK ein herber Verlust, aber andererseits hat man bei sieben Punkten Vorsprung auf Jitex Mölndal auf dem elften Platz den Klassenerhalt so gut wie sicher.

 

Die Woche in Schweden

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Acht Spiele haben in der letzten Woche stattgefunden in der Damallsvenskan und nun steht noch ein Spiel an (die Ligaausgabe des Pokalfinales KIF Örebro – Linköpings FC), bevor alle Spielerinnen und Betreuer in den schwedischen Sommerurlaub gehen können.

An der Spitze breitet sich die erwartete Langeweile allmählich aus. Ich möchte leider behaupten, dass die Saison 2014 als eine Spielzeit in die Annalen eingehen wird, die man einfach voraussagen konnte.

Rosengård schlug am Mittwochabend Piteå mit 6:1 und tat einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft. Kein anderer Verein wird die Südschwedinnen auch nur annähernd gefährden können. Überragend Anja Mittag, die mit drei Toren und zwei Assists ebenfalls unangefochten Richtung Torschützenkönigin und “Stürmerin des Jahres” marschiert. Anja hat jetzt 12 Tore erzielt und auch wenn Ex-Mitspielerin Manon Melis sechs der zehn Tore von Kopparberg/Göteborgs FC gegen AIK (6:0) und Jitex (4:0 erzielte und mit elf Toren nur einen Zähler hinter Mittag rangiert, muss man anmerken, dass Manon Melis ihre Tore gegen die beiden schwächsten Teams der Liga erzielt hat, Anja dagegen immer trifft.

Die einzige Entscheidung, die für Spannung sorgen dürfte, ist Platz zwei, immehin relevant für einen Champions-League-Platz in der Saison 2015/16. Da hat KIF Örebro derzeit die Nase vorn, drei Punkte hinter Rosengård und drei Punkte vor Göteborg, das wie bemerkt, einiges für sein Torverhältnis getan hat. Die Westschwedinnen bekommen nach dem Urlaub auch noch Verstärkung durch Maren Mjelde (Potsdam) und Lisa Ek (Rosengård), die nach sportlich unglücklichen 1,5 Jahren (Kreuzbandriss) in Malmö wieder die Küste hinaufzieht.

Auch Linköping kann, sechs Punkte hinter Örebro, durchaus noch eingreifen in den Kampf um den zweiten Platz. Nach Tyresös Rückzug hat die UEFA ja entschieden, dass der LFC Champions League spielen darf in der kommenden Saison. Und Trainer Martin Sjögren shloss auch Verstärkungen nicht aus.

Überhaupt dürften vor allem die drei genannten Teams ihre Reihen nochmals verstärken, wobei KIF Örebro finanziell den geringsten Spielraum hat.

Denn alle anderen Plätze werden unstrittig sein oder haben keine besondere Bedeutung. Neben dem erwartungsgemäß ausgestiegenen Tyresö FF dürfte mit der Mädchenmannschaft von Jitex BK der zweite Absteiger ebenfalls feststehen. Null Punkte aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn man “nur” 33 Gegentore kassiert hat. Die Mölndaler (Mölndal ist ein Stadtteil von Göteborg) hatten wurden vor der Saison von rund 15 Spielerinnen verlassen und haben sich aus überwiegend sehr jungen Zweitligaspielerinnen ein neues Team für die erste Liga aufgebaut, der Abstieg war vorprogrammiert.

Auch wenn da noch nicht aller Tage Abend ist, mathematisch. Denn in der Theorie kann man die sieben Punkte Rückstand auf AIK durchaus aufholen, praktisch aber wäre das so, wenn der Iran bei der Herren-WM das Halbfinale erreicht hätte.

 

Im Schatten Brasiliens

Natürlich überschattet die Männer-WM in Brasilien dieser Tage alles andere und nicht zuletzt das laufende Geschehen im Frauenfußball. Das schwedische Fernsehen überträgt trotz Abwesenheit der eiegenn Mannschaft alle Spiele und ist mit einem üppigen Team von “Experten” vertreten, denen eine Brasilien-Reise im schwedischen Sommer 2014 nicht sonderlich unangenehm ist.

Im staatlichen SVT hat Nationaltrainer Erik Hamrén in den ersten beiden Wochen trocken, langweilig und immer voller Lampenfieber zusammen mit dem geschwätzigen, ehemaligen China- und Norwegenprofi Daniel Nannskog. Der bekommt jetzt jedoch sehr ernste Konkurrenz, denn wie geplant wurde Hamrén nach der ersten Hälfte der WM ersetzt durch Nationalspielerin Lotta Schelin, deren Ankunft und erster Einsatz in Rio bereits heute von den schwedischen Medien gefeiert wurde. Bereits bei der EM vor zwei Jahren hatte Schelin Bestnoten bekommen und ist dieses Mal auch vor Ort in Brasilien bis zum Finale dabei.

Unter der Woche wurde auch in der ersten Liga gespielt. Rosengård mühte sich zu einem 1:0 gegen Abstiegskandidat Jitex, KIF Örebro gewann bei Kristianstad und Göteborg siegte vor 2.000 Zuschauern (freier Eintritt) in Piteå mit 1:0. Die Auswirkungen auf die Tabelle habe ich jetzt erst übernommen, da ich dienstlich fast die gesamte letzte Woche in München verbringen musste.

Am heutigen Sonntag wird nicht nur Achtelfinale in Brasilien gespielt, sondern auch dreimal Damallsvenskan. Die Ergebnisse kommen dieses Mal zeitnäher ins Blog.

Dänemark scheitert erneut

Die Schweiz hat sich erstmals für die Teilnahme an einem Endrundenturnier und als erstes europäisches Land für die WM in Kanada 2015 qualifiziert. U.a.  Rosengårds Ramona Bachmann erzielte zwei Tore beim souveränen 9:0 über Israel in Niedermatten. Die Schussstatistik von 36:1 (!!!) für die Mannschaft der deutschen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg deutet an, dass es nach wie vor immense Unterschiede im europäischen Frauenfußball gibt. Theoretisch könnte Island noch Punktgleichheit mit der Schweiz erreichen, aber in diesem Fall würde der direkte Vergleich hinzugezogen werden und in dem haben die Schweizerinnen mit dem 2:0 auf Island und dem 3:0 daheim eine blütenreine Weste.

Schlechter sieht es dagegen aus für die beiden nordeuropäischen Teilnehmer Island und vor allem Dänemark in der Schweizer Gruppe. Das 1:1 in Vejle ist zwar ergebnistechnisch ein Erfolg für die Isländerinnen, aber einer der bestplatzierten Zweiten zu werden, um in die Playoffs zu gelangen, in denen ein weiterer Platz an Europa vergeben wird, dürfte schwer werden.

Österreich besiegte schwache Finninnen mit 3:1, wobei Tyresös ehemalige Torfrau Tinja-Riikka Korpela des Feldes verwiesen wurde und Feldspielerin Emmi Alanen (Umeå IK) als Torhüterin eingesetzt werden musste und immerhin einen Elfmeter hielt.

Norwegen hatte bereits am Samstag den Griechinnen mit einem deutlichen 6:0 die Grenzen aufgezeigt und marschiert sicher Richtung Kanada. An der WM nehmen aber vermutlich lediglich Schweden und Norwegen aus Nordeuropa teil. Bei der EM in Schweden waren im 12er-Feld noch alle nordeuropäischen Länder gewesen.

Deutschland führt Gruppe 1 mit neun Punkten an. Spanien liegt mit drei Punkten in Gruppe 2 vorn. Die Schweiz hat Gruppe 3 bereits gewonnen. In Gruppe 4 führen die Schottinnen mit einem Spiel mehr punktgleich vor Schweden (sie müssen noch in Schweden antreten, wohin sie jetzt als großer Außenseiter fahren). Gruppe 5 führt Norwegen nach sieben Siegen aus gleich vielen Spielen an. England hart fünf Punkte Vorsprung in Gruppe 6 und die Französinnen haben in der 7er-Gruppe sechs Punkte auf Finnland.

Die Tabelle der Gruppenzweiten (wobei die Begegnungen gegen den jeweils Gruppensechsten gestrichen werden):

1. Italien 16 (18:5)
2. Finnland 15 (14:4)
3. Niederlande 13 (25:4)
4. Schweden 12 (11:1)
5. Wales 10 (8:4)
6. Russland 9 (6:11)
7. Island 7 (4:7)

 

Einen Schritt näher

Die schwedische Nationalmannschaft ist der WM 2015 in Kanada einen großen Schritt näher gekommen. Durch Tore der beiden PSG-Spielerinnen Caroline Seger und Kosovare Asllani (2) gewann das Team von Pia Sundhage letztlich souverän und hochverdient mit 3:1 in Motherwell gegen die bis dahin ebenfalls noch verlustpunktfreien Schottinnen. Kim Little hatte zwischenzeitlich Segers Führung durch einen Handelfmeter ausgleichen können.

Die Schottinnen begannen druckvoll und agressiv und drängten die Schwedinnen gut 20 Minuten lang nach hinten, aber mit zunehmender Spieldauer kamen die individuell insgesamt besser besetzten Skandinavierinnen immer besser ins Spiel und letztlich entschied die individuelle Klasse von Kosovare Asllani, die sich auf ihrer in der Natio bislang ungewohnten Mittelfeldrolle äußerst wohlfühlte. Der Pfosten verhinderte einen dritten Treffer der Schwedin.

“Das erste Tor war schöner. Hanna Folkesson schoss aus der Distanz und ich habe den Ball dann entscheidend abgefälscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben Geduld bewiesen. Ich denke, im Mittelfeld hat es gut funktioniert, ich konnte ganz gute Impulse geben. Ich spiele sicher am liebsten Stürmerin, aber sich anpassen zu können, ist doch was, das passt gut in meinen Lebenslauf,” sagte Aslanni nach dem Spiel dem schwedischen Radio.

Die Begegnung zeigte auch, dass der Abstand zwischen den führenden Frauenfußballnationen und der zweiten Reihe nach wie vor bedeutender ist, als man das eventuell nach den ersten Gruppenbegegnungen angenommen hatte. Dazu mehr später.

Örebro ist der Verfolger

Wenn es derzeit einen Verfolger vom FC Rosengård gibt, dann ist das etwas überraschend KIF Örebro. Am Montagabend gewann die Mannschaft aus der Landschaft Närke ihr Auswärtsspiel beim nun frisch gekürten CL-Teilnehmer Linköpings FC sensationell deutlich mit 4:0.

Ogonna Chukwudi hatte Örebro in der ersten Halbzeit mit einem Doppelschlag auf die Siegerstraße gebracht. “Die waren einfach viel besser als wir heute und mengtal haben sie schon nach dem ersten Tor gewonnen, so fühlt es sich an. Da haben wir unser ganzes Selbstvertrauen verloren,” sagte eine enttäuschte Magdalena Eriksso der Zeitung Östgöta Correspondenten.

“Örebro ist mit 100% in jeden Zweikampf gegangen, das haben wir nicht getan. Deshalb haben sie gewonnen und wir verloren,” so Eriksson weiter.

Unterdessen wird sich Linköping in der bald beginnenden Sommerpause mit drei Spielerinnen verstärken, eine in jedem Mannschaftsteil. Das sagte Trainer Martin Sjögren im Hinblick auf die Teilnahme an der Champions League.

Lisa Ek, die am Montag mitteilte, dass sie ihr Engagement beim FC Rosengård ab dem Sommer nicht mehr weiterführen wird, kommt aber aufgrund ihrer Verletzungsgeschichte nicht in Frage. Die 32-Jährige hat bereits drei Kreuzbandrisse und zahlreiche andere Verletzungen in ihrer Biografie.

 

“Die sind mit 100% in jede

Tyresö: Rekonstruktion abgelehnt -Linköping spielt CL

Am Dienstagnachmittag hat das zuständige Amtsgericht in Nacka entschieden, dass die seit drei Monaten andauernde Rekonstruktion der Firma Tyresö Fotboll AB abgebrochen wird.

“Es gibt keine besonderen Gründe, eine fortgesetzte Rekonstruktion zu bewilligen. Die Firma kann den Beschluss in der nächsten Instanz überprüfen lassen,” so der Verwalter Hans Ödén zum schwedischen Radio.

Das seit Monaten angekündigte Afrika-Projekt mit Nigeria (Spielerinnen und Trainer aus dem bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents sollten in Tyresö ausgebildet werden) sei zu vage formuliert, es sei überhaupt nicht klar, mit welchen Ressourcen man das Vorhaben in Angriff nehmen wolle.

“Ich habe mich als Rekonstrukteur geäußert und habe das Ersuchen um Verlängerung nicht befürwortet und da hat es auch das Finanzamt [als größter Gläubiger] nicht getan,” so Ödén weiter.

Hans Lindberg, Geschäftsführer der Firma und Vorsitzender des Vereins Tyresö FF: “Wir werden das jetzt analysieren und melden uns dann wieder. Wie lange das dauert kann ich nicht sagen. Welche Vorteile es für die Firma haben kann, nicht in Konkurs zu gehen, wird unsere Analyse zeigen müssen.”

Am Dienstagnachmittag entschied die UEFA, dass Schweden entgegen den Meinungen vieler Experten doch mit zwei Teams an der Champions League teilnehmen 2014/15 teilnehmen wird. Neben Meister FC Rosengård rückt jetzt der Tabellendritte Linköpings FC nach, nachdem Tyresö FF auf seinen Platz verzichtet hatte.

In Linköping ist die Freude über den Bescheid natürlich riesengroß. Trainer Martin Sjögren sagte, dass man sich auch noch verstärken werde. Unter anderem sei man an ehemaligen Spielerinnen aus der nun aufgelösten Mannschaft der Tyresö Fotboll AB interessiert.

Rosengård marschiert durch

Mit einem überzeugenden 4:2 Sieg gegen Umeå IK tat Rosengård am Sonntag einen weiteren Schritt in Richtung Titelgewinn bzw. Titelverteidigung. Anja Mittag erzielte dabei ihren neunten Saisontreffer. Der Vorsprung des Meisters beträgt nunmehr sechs Punkte auf den Zweiten Örebro, der am Montagabend ein schweres Auswärtsspiel bei Linköpings FC hat. Im Prinzip scheint es nur noch Spannung um den zweiten Platz in der Champions League zu geben. Der bald scheidende Trainer Jonas Eidevall war mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft außerordentlich zufrieden und sprach von der besten Halbzeit in den zweieinhalb Jahren, seit er in Malmö arbeitet. Katrin Schmidt erzielte das zweite Tor für Rosengård.

Aus mehreren Quellen verlautet, dass der Wechsel von Antonia Göransson von Turbine Potsdam zum FC Rosengård nur noch eine Formsache sein soll. Göransson hatte kaum noch spielen dürfen und bekanntlich und verständlich will Pia Sundhage in der Nationalmannschaft auf Spielerinnen setzen, die in ihren Vereinen regelmäßig zum Einsatz kommen. Göranssons Verpflichtung wäre im Kontext der Kopfprobleme zu sehen, die Rosengårds Neuzugang Kirsten van de Ven schon seit mehr als einem Jahr begleiten. Nach zwei leichten Gehirnerschütterungen in ihrer Zeit in Tyresöhat die sympathische Niederländerin immer wieder Probleme.

Lina Nilsson, Außenverteidigerin in Diensten von Rosengård, musste ihre Teilnahme an den kommenden Länderspielen gegen Schottland und die Färöer-Inseln verletzungsbedingt absagen. Sie wird ersetzt durch Annica Svensson (Eskilstuna), die erstmals nach mehr als einem Jahr wieder Berücksichtigung bei Sundhage findet.

Englands neuer Trainer Mark Simpson hat überraschend Anita Asante aus seinem Kader gestrichen. Das regte Jonas Eidevall dermaßen auf, dass er Simpson anrief. “Anita ist eine der besten Innenverteidigerinnen in Europa. Ich habe Simpson kontaktiert und wir hatten ein gutes Gespräch. Dann ist es natürlich seine souveräne Entscheidung, aber ich glaube, zukünftig hat er einen besseren Überblick,” so Eidevall zu Sydsvenska Dagbladet.

Eidevall selber wird seine sportliche Zukunft in dieser Woche bekanntgeben, gestern sagte er, dass der Trainer, den er ersetzen wird, noch nicht Bescheid wisse, dass er seinen Job verlieren wird. Ui.

Eskilstuna gewann das Spiel der Aufsteiger erwartungsgemäß sicher mit 3:0 gegen AIK auf dem heimischen Tunavallen vor mehr als 3.000 Zuschauern. Eskilstuna muss schon in der Liga bleiben, damit der Zuschauerdurchschnitt aufpoliert wird.

Und am Samstag trennten sich im Skåne-Derby Kristianstad und Vittsjö 0:0 unentschieden. Eigentlich sogar ein Lokalderby, denn viele Spielerinnen von Vittsjö wohnen im größeren, aber immer noch nett provinziellen Kristianstad.

 

 

 

 

Tyresö: Die unmittelbaren Folgen

Die Tyresö Fotboll AB hat ihre Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus der Damallsvenskanurückgezogen und der Verband hat das akzeptiert.

Damit wird Tyresö an 12. und letzter Stelle geführt. Alle bisherigen Spiele von Tyresö FF werden annulliert, Punkte, die Vereine gegen Tyresö gewonnen haben, werden abgezogen: Linköping, Eskilstuna und Kristianstad verlieren drei, Göteborg einen Punkt. Alle gegen Tyresö erzielten Tore werden ebenfalls gestrichen. Pernille Harders Comebacktor am Mittwoch etwa hat offiziell nun nicht stattgefunden.

Sportlich gesehen ist der Auszug Tyresös auch eine Katastrophe. Der Abstiegskampf ist praktisch entschieden. Tyresö ist Letzter und Jitex, das mit 0 Punkten nun Vorletzter ist, könnte sich nur durch die Verpflichtung eines halben Dutzend routinierter Spielerinnen in der Sommerpause noch einmal auf den Weg machen, AIK oder Vittsjö zu gefährden. Das wird nicht passieren. Schon vor Wochen sagte mir eine AIK-Spielerin, dass sie hoffe, dass Tyresö crashen würde, weil das dern Klassenerhalt bedeuten könnte. Tut es.

Rosengård wird vorn unangefochten seine Kreise ziehen, lediglich um Platz zwei könnte so etwas wie Spannung entstehen, da kommen nach den Eindrücken der ersten Wochen mit Kopparberg/Göteborg (gestern Abend 8:0 gegen Jitex), Linköpings FC und KIF Örebro, möglicherweise auch Umeå IK gleich vier Teams in Frage.

Der Champions-League-Platz von Tyresö im Herbst ist weg. Für Schweden. Die Statuten der UEFA besagen, dass es keinen Ersatz gibt, falls in einem Land der qualifizierte Vertreter zurückzieht. Linköpings FC, der Dritte des Vorjahres, wird das sicher schon vorher nachgesehen haben.

Tyresö: Aus die Maus

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresö FF hat gestern am späten Nachmittag seine A-Mannschaft im Prinzip aufgelöst und mit sofortiger Wirkung (da der schwedische Fußballverband das im Handumdrehen akzeptiert hat) den Spielbetrieb der Damallsvenskan verlassen. Der Satzung des schwedischen Fußballs gemäß hat dies den Abstieg mindestens bis in die “Division 2″, der vierten Liga, zur Folge. Damallsvenskan – Elitettan – Division 1 – Division 2 und so weiter.

Niemand ist darüber nach den Ereignissen der letzten Monate sonderlich überrascht, auch wenn man vielleicht nicht gedacht hätte, dass sich Hans Lindberg freiwillig (?!?) zurückzieht.

Aber der Donnerstag bot wieder einmal für gewohnt schlechtes Theater, was den Meister von 2012 und Champions-League-Finalisten von 2014 anging.

Kurz vor Mittag die für mich überraschende Nachricht, dass Hans Lindberg tatsächlich im Amtsgericht Nacka aufgetaucht war und einen Antrag auf Fortsetzung der Rekonstruktion der von ihm geführten Tyresö Fotboll AB eingereicht hat. Da gab sich er rüstige Rentner noch trotzig und kämpferisch. Das Nigeria-Projekt (angeblich ist der nigerianische Fußballverband daran interessiert, in Tyresö Mädchen und Jugendtrainer ausbilden zu lassen) sei noch nicht gaaaanz so weit, aber man stehe kurz vor der Unterzeichnung des Vertrags. Und man erwarte noch umgerechnet 200.000 € von der UEFA als Preisgeld für das Erreichen des Champions-League-Finals in Lissabon.

Falls das Gericht dem Antrag nicht stattgebe, so müsse Tyresö Fotboll AB Konkurs anmelden. Das würde aber, so Lindberg, keinesfalls bedeuten, dass Tyresö FF nicht die Saison zu Ende spielen könnte. Das Spielrecht würde den Regeln entsprechend von der Tyresö Fotboll AB an den Verein zurückgehen und der könnte dann mit seinen Juniorinnen sowohl Damallsvenskan wie Champions League spielen.

Ein Horrorszenario, das der 71-Jährige da gewohnt frech den Medienvertretern gegenüber entwarf.

Das Gericht ließ verlauten, dass die Entscheidung über den Rekonstruktionsverlängerungsantrag am kommenden Montag verkündet werden würde.

Zwischendurch unterschrieb dann noch Caroline Seger nun auh offiziell den schon längst bekannten Deal mit Paris Saint-Germains.

Und dann sah jemand gegen 18.00 Uhr auf Tyresös Homepage. Und da teilte der Verein mit (in einer ersten Version datiert auf den 23.05., dem Tag nach dem Champions-League-Finale), dass die Tyresö Fotboll AB die Damallsvenskan mit sofortiger Wirkung verlassen werden.

“Die Entscheidung liegt darin begründet, dass die Firma nicht genügend Spielerinnen hat, um auf eine sportlich gerechte Weise die 15 ausstehenden Spieltage zu absolvieren und dass der Eigentümer der Firma, Tyresö FF, nicht die Absicht hat, Juniorinnen aus den eigenen Reihen auszuleihen,” schrieb der Verein.

Alle Spielerinnen hätten somit die Möglichkeit, mit anderen Vereinen zu verhandeln. Damit aber sei der Antrag auf Rekonstruktion nicht zurückgezogen, er würde weiterhin aufrechterhalten.

Es kann nur darüber spekuliert werden, was innerhalb weniger Stunden zum Sinneswandel von Lindberg geführt hat, vermutlich hat der schwedische Fußballverband zur Schadensbegrenzung Druck ausgeübt, denn der tiefe Fall von Tyresö ist nichts weniger als ein großer Skandal, der dem Frauenfußball in Schweden tiefen Schaden zugefügt hat.

Die Saison wird nun mit elf Mannschaften fortgesetzt. Wie erwartet. Schon im April beim Presseauftakttreffen tippte ich Tyresö als ersten Absteiger, weil abzusehen war, wie und wann die Reise endet.

Es ist ein unerhörter Skandal, dass man es diesem Konstrukt überhaupt erlaubt hat, ein Champions-League-Finale zu spielen bzw. in die Saison 2014 zu gehen. Mir gehen die Worte von Christen Press nicht aus dem Kopf, als sie mir sagte, dass sie beinahe glauben würde, dass alles so geplant war, dass es bis zum Finale geht und nicht (viel) weiter.

Auch ich habe in den letzten Monaten immer mehr mit diesem Gedanken gespielt. Das Projekt Aufstieg in die erste Liga, Meisterschaft und Champions-League-Finale war die Idee und die Vision des Hans Löfgren, der es mit allen Mitteln erreichen wollte. Danach war nichts mehr geplant in der Power-Point-Präsentation, die dem Verein vor 6-7 Jahren gezeigt wurde. Aus die Maus.

Zu sehr hatte man bereits nach den Sommerferien 2013 die Damallsvenskan vernachlässigt. Etliche Spielerwechsel und Neuzugänge im Herbst 2013: Ashlyn Harris, Alex Krieger, Caroline Graham Hansen zielten darauf ab, das Team für die Champions League zu optimieren. Dass der Abgang vieler arrivierter Spielerinnen das Gefüge durcheinanderbringen würde und den Erfolg in der Meisterschaft gefährden würde, nahm man in Kauf.

“Mein Auftrag ist es, auf allen Ebenen gut abzuschneiden, im Zweifelsfall eber die Champions-League zu priotieren;” sagte mit Tony Gustavsson vor Beginn der Saison.

Welche Spielerinnen sind jetzt noch übrig?

Line Røddik Hansen wird wohl zum Meister FC Rosengård gehen, sie saß schon am Sonntag auf der Tribüne beim Spiel gegen Göteborg.

Madelaine Edlund wird mit dem Zweitligisten Sunnanå SK in Verbindung gebracht, sie hat selber der Zeitung Norran gesagt, dass sie dort am Dienstag hinreist. Sunnanå ist der Ursprungsverin der 28-Jährigen, hier wohnt auch ihre Familie.

Zu haben sind noch:

Tinja-Riikka Korpela, die finnische Nationaltorhüterin, die einen Zweijahresvertrag hatte und nur einen Monat (!!) Gehalt bekam.

Linda Sembrant, die 27-Jährige Innenverteidigerin und Nationalspielerin hat sich mit konstanten Leistungen nach ihrem Kreuzbandriss wieder in die Auswahl Pia Sundhages zurückgespielt.

Lisa Klinga, 22 Jahre alt, Tyresöer Eigengewächs. Hat unter anderem auch schon für Linköping und Piteå gespielt. Lisa Klinga ist vielfach einsetzbar, gelernte Stürmerin, die aber in letzter Zeit immer wieder in der Defensive außen gespielt hat.

Lisa Dahlkvist, 27 Jahre. Mittelfeldspielerin auch in der Nationalmannschaft. Wechselte mit Linda Sembrant von Göteborg nach Tyresö

Malin Diaz Pettersson, 20 Jahre alt. Kleine, hoch technische Mittelfeldspielerin, die noch an ihrer Physis arbeiten muss, um internationale Topklasse zu haben, die aber ein enormes Spielverständnis mitbringt.

Die drei Brasilianerinnen Thaysa, Mayara und Rilany und deren Landsfrau Fabiana, die aufgrund einer fehlenden Arbeitserlaubnis nicht spielen durfte.

Ungewiss ist noch der Verbleib von Marta, die aber schon längst nicht mehr zur “Firma” gehörte.

 

 

 

Das letzte Aufgebot

Der achte Spieltag der Damallsvenskan wurde heute Abend mit der Begegnung Linköpings FC – Tyresö FF abgeschlossen. Das Spiel endete mit einem klaren 3:0-Sieg für Linköping, für das Pernille Harder erstmals nach ihrer Ermüdungsfraktur im Fuß wieder spielte und gleich wenige Minuten nach ihrer Einwechslung das 2:0 köpfte.

Ein höherer Sieg wäre möglich gewesen, aber die Finnin Tinja-Riikka Korpela machte ein großes Spiel und rettete mehrere Großchancen der Gastgeber. Die Schussstatistik endete mit 19:2 für Linköping, daran sieht man, wie sehr sich das Team Tyresös seit der Finalniederlage gegen Wolfsburg in Lissabon vor zwei Wochen geändert hat.

Um seine Juniorinnen, die er einsetzen musste, nicht zu Kanonenfutter werden zu lassen, ließ Tony Gustavsson neben Lisa Klinga, Linda Sembrant und Line Røddik Hansen ausnahmsweise Madelaine Edlund (!) in der Rechtsverteidigung auflaufen. Malin Diaz und Lisa Dahlkvist im Mittelfeld und der Sturm bestand nicht mehr aus Marta, Christen Press undEdlund, sondern aus Emelie Högman, Lina Sundelin und Rebecca Nyberg. Eingewechselt wurden später Astrid Wemö Larsson, Hanna Mohammed und Linda Tzelidis. Das zeigt, wie sich der Kader verändert hat. Wie bereits früher berichtet, befinden sich Rilany, Thaysa und Mayara mit der brasilianischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat, Fabiana hat meines Wissens nie eine Arbeitserlaubnis bekommen.

Vorsitzender Hans Lindberg bleibt immer noch cool. Morgen muss er Papiere beim Antsgericht einreichen, die dann Grundlage für drei Monate Forsetzung der Rekonstruktion bedeuten. Aber selbst im Falle eines Konkurses gedenkt Lindberg nicht, aus der Liga zu verschwinden. Er machte darauf aufmerksam, dass das Spielrecht in der Damallsvenskan dann juristisch von der Firma Tyresö Fotboll AB an den Verein Tyresö FF zurückgehen würde. Theoretisch könne man dann den Rest der Saison mit Juniorinnen in der höchsten Spielklasse Schwedens bestreiten.

Die professionellen Spielerinnen hingegen sind alle in Kontakt mit Vereinen. In den nächsten Wochen werden wir viele Wechsel erleben. Auch in Deutschland soll es Interesse an Spielerinnen des Champions-League-Finalisten geben.

 

 

Tyresö – das Ende naht

Vor zwei Wochen noch stand eine erstklassige Mannschaft von Tyresö FF im Finale der Champions League in Lissabon und hatte den Favoriten VfL Wolfsburg am Rande der Niederlage.

Gestern Nachmittag sollen acht Spielerinnen beim Training gewesen sein. Seit Januar gibt es kein Geld mehr für die Akteure und heute bestätigte der schwedische Fußballverband auch den 2015 erfolgenden Abstieg des Vereins, weil man auch in der Widerspruchsfrist keinen wirtschaftlichen Jahresbericht für 2013 eingereicht hat, obwohl der 71-Jährige Vorsitzende Hans Lindberg noch mit Widerspruch getönt hatte, als die Entscheidung vor einigen Wochen verkündet wurde.

Am Donnerstag gibt es vor dem Gericht in Nacka eine weitere Verhandlung darüber, ob der die A-Mannschaft betreibenden Tyresö Fotboll AB eine weitere Dreimonatsfrist eingeräumt wird, die Rekonstruktion fortzusetzen.

Seit Januar haben die Spielerinnen kein Gehalt mehr bekommen und nach Angaben des schwedischen Fernsehens SVT sind beim Amtsgericht Nacka noch keine neuen Unterlagen eingegangen. Angeblich soll die Firma über ein Projekt mit dem nigerianischen Fußballverband vier Millionen Kronen netto jährlich bekommen.

Alle rechnen mit dem Konkursbescheid am Donnerstag und dem Rückzug des Teams aus der laufenden Damallsvenskan. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Warum hat der Vorsitzende Lindberg störrisch immer wieder behauptet, dass sich alles regeln werde? Hat jemand vom Erreichen des Finals in Lissabon ökonomisch Nutzen gezogen?

In meinem Gespräch mit Christen Press fünf Tage vor dem Finale (das Interview kommt noch) sagte mir Christen, nachdem das Mikrofon abgeschaltet war, dass sie überlege, ob nicht alles schon seit langem so geplant war, dass alles nach dem Finale zerplatzen soll…

Unterdessen erklärte heute Abwehrspielerin Linda Sembrant, dass sie damit rechne, in einem Monat nicht mehr für Tyresö zu spielen.

 

Jonas Eidevall hat gekündigt

Es war eine große Überraschung für Vorstand und Spielerinnen – am Samstag hat Rosengårds Meistertrainer Jonas Eidevall gekündigt; bereits Anfang Juli wird er den Verein verlassen. Sportchef Erling Nilsen erzählte der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, dass Eidevall ihm am Samstag unterrichtet hätte, dass er von einer Vertragsklausel Gebrauch machen möchte.

Das brachte Nilsen etwas in Verlegenheit, denn  am Wochenende war Tyresös dänisch Nationalspielerin Line Røddik Hansen zu Gast wegen eines offenbar unmittelbar bevorstehenden Engagements (da die Spielerinnen Tyresös seit Januar kein Geld mehr vom Verein bekommen, können sie ihre Verträge nach Gewerkschaftsauskunft als gegenstandsls betrachten). Nilsen saß am Sonntag mit Røddik auf der Tribüne und die Dänin fragte ihn, was denn Trainer Eidevall von ihr halten würde. Es sei blöd gewesen, aber er hätte Røddik nichts sagen dürfen, weil man die Veröffentlichung der Kündigung für Montag geplant hatte und weil die Spielerinnen auf dem Feld nichts davon wussten.

Wohin es den höchst ehrgeizigen 31-Jährigen zieht, wollte und konnte er noch nicht bekanntgeben. Hier wird spekuliert, dass er nach “Europa” gehen könnte, wo es eine andere Saison gibt als in Schweden. Möglich aber auch, dass er zu einem Männerverein in Schweden wechseln wird.