Linköping und Rosengård siegen vor großem Publikum

Dass in Malmö mit über 2000 Zuschauern ein neuer Saisonrekord aufgestellt wurde, kann man wohl mit fünf Buchstaben erklären: Marta machte ihr erstes Heimspiel im Trikot des schwedischen Meisters und brauchte lediglich 13 Minuten gegen Tabellenschlusslicht Jitex, um ihren ersten Treffer für den neuen Club abzuliefern.

Am Ende hieß es dann 3:0 gegen den punktlosen Jumbo, nachdem auch noch Anja Mittag und Amanda Ilestedt (nach Ecke von Marta) in die Torerubrik Eingang fanden

Die Brasilianerin wurde nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt und für sie kam die Niederländerin Kirsten van de Ven, die ihre ersten Heimminuten für den Club absolvierte, dem sie schon das ganze Jahr angehört. Van de Ven hat nach mindestens zwei Gehirnerschütterungen in den letzten Jahren immer wieder mal Probleme mit dem Kopf gehabt und scheint nun endlich wieder fit zu sein Hoffentlich ist sie auch gesund.

Da Ali Riley und Lina Nilsson auf den Außenverteidigerpositionen starteten, musste auch Dänemarks Nationalmannschaftskapitänin Line Røddik Hansen auf der Bank Platz nehmen und bekam nur 14 Minuten am Ende Neben van de Ven und Røddik saß auch Elin Rubensson unter Plexiglas. Durch die Personalverstärkungen wird Rosengårds Bank inzwischen immer hochkarätiger.

Wo man die 2.000 plus von Malmö recht leicht erklären kann, schienen mir die 5.200 von Linköping zunächst sehr rätselhaft. Warum wollten so viele den frisch gebackenen Pokalsieger (vielleicht deswegen?) sehen?

Freier Eintritt alleine war es nicht, was so viele Menschen wie seit der Europameisterschaft nicht mehr in die Linköping Arena lockte Ein offenbar rundum gelungenes Wochenende unter dem alten EM-Motto “Winning Ground” (Raum für den Frauenfußball gewinnen) fand in Linköping am Samstag und Sonntag statt und viele Akteure machen mit: die Stadt, die Region, Hotels, lokale Unternehmer machten das Wochende speziell. Zwei Tage, angefüllt mit Fußball-Aktivitäten, bei denen das Spiel von Linköping gegen Umeå dann der Höhepunkt war.

Und die Spielerinnen dankten es mit einem Sieg. Pernille Harder und Fridolina Rolfö schossen die Tore zum 2:0-Sieg und die Damallsvenskan scheint einen neuen Star zu bekommen. Abermals wird die neue Portugiesin Claudia Neto gefeiert und alle noch kommenden Gegner von Linköping werden vor der Kombination Neto/Harder gewarnt. Dazu kommt auch Rolfö in immer bessere Verfassung.

Aber der Rückstand von Linköping auf KIF Örebro beträgt dennoch satte sechs Punkte mit einem Spiel mehr als der Tabellenzweite.

 

 

Tor in Eskilstuna

Die Spieltage der Damallsvenskan sind immer mehr auseinandergezerrt, so dass man eigentlich nicht mehr durchblickt, welches Spiel nun zu welchem Spieltag gehört. Am Donnerstag spielten Göteborg und Piteå, heute Eskilstuna und Vittsjö, morgen dann Linköping, Umeå, Rosengård und Jitex, die Begegnung zwischen Örebro und Kristianstad ist auf Anfang September verlegt worden. Ein Blick auf die Webseite des schwedischen Fussballverbands verrät mir, dass die heutige Begegnung zwischen Eskilstuna und Vittsjö zum 13. Spieltag gehört.

Wieder 1500 Zuschauer am Tunavallen sahen bei herrlichem Sommerwetter, das wir in Schweden schon seit etlichen Wochen haben und dass, nicht so weit entfernt von Stockholm und Eskilstuna in der Landschaft Västmanland zu extremen Waldbränden geführt hat, eine Partie die früh entschieden wurde. Das weiss man aber immer erst, wenn abgepfiffen wurde. Den einzigen Treffer des Tages für die Gastgeber schoss Neuzugang Kimberly De Cesare in der 17. Spielminute. Die Amerikanerin kam in der Sommerpause von den Boston Breakers nach Schweden.

Eskilstuna war durchgehend die bessere Mannschaft, aber die exzellent aufgelegte Minna Meriluoto im Tor der Gäste, eine Spielerin, die auch in einer internationalen Toppmannschaft spielen könnte, verhinderte Schlimmeres. Und man hätte gar einen Punkt mitnehmen können, was Meriluoto zweifellos zur Heldin des Spiels gemacht hätte. In der 57. Minute nämlich setzte die Schottin Jane Ross einen Foulelfmeter auf die falsche Seite neben den Pfosten.

Antonia Göransson spielte 90 Minuten für Vittsjö während Malin Diaz für ihren neuen verein Eskilstuna sieben Minuten am Ende bekam.

Linköpings FC gewinnt den schwedischen Pokal

Vor 1.200 Zuschauern in der heimischen Linköping Arena gewann der LFC am Donnerstagabend das Finale um den schwedischen Pokal mit 2:1 gegen Kristianstads DFF.

Ein hochverdienter Sieg, an dem es nichts zu deuteln gibt. Allerdings ist auch der Kader Linköpings wesentlich besser als der des wirtschaftlich arg gebeutelten Gastes. Mit der Dänin Janni Arnth Jensen und der Portugiesin Claudia Neto von Beginn an bot Trainer Martin Sjögren gleich zwei der vier Neuverpflichtungen aus der Sommerpause auf. Beide boten eine gute Partie und besonders Neto wusste durch brillante Technik und gute Spielübersicht zu gefallen.

Dennoch begann das Spiel denkbar schlecht. Charlotte Rohlin gab ihr Comeback in der Innenverteidigung und nach drei Minuten war klar, warum Pia Sundhage sie (noch?) nicht in den Nationalmannschaftskader berufen hat. Rohlin vertändelte den Ballin der Mitte der eigenen Hälfte gegen Susanne Moberg, die mit einem Ball in die Tiefe Marija Banusic bediente. Die 18-Jährige, die gerade wieder mal in den Nationalmannschaftskader berufen wurde, lief ein paar Schritte und spielte dann der herauseilenden amerikanischen Torhüterin Katie Fraine den Ball überlegt und eiskalt durch die Beine ins Tor.

Das hätte ein sehr schweres Spiel für den Gastgeber werden können, wenn es Kristianstad gelungen wäre, die eigenen Reihen zu schließen. Aber keine drei Minuten später leistete sich Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl einen kapitalen Fehler. Pernille Harder hatte die 20-Jährige Fridolina Rolfö in Szene gesetzt und im Nachsetzen gelang Rolfö der Ausgleich als Lindahl sträflich ihr kurzes Eck vernachlässigte.

Überhaupt war Rolfö eine der stärksten Akteure in der ersten Halbzeit und verschwand dann zunehmend in der Wärme des Abends. Mir selber hatte sie vor eineinhalb Wochen noch genau das gesagt, dass sie physisch arbeiten müsse, um ein anfangs sehr hohes Tempo auch über 90 Minuten durchhalten zu können. Junge Talente müssen kontinuierlich an die Nationalmannschaft beim nächsten Mal wieder nicht berücksichtigt werden, sagte TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Frida Östberg (früher Umeå IK und Linköpings FC) in der Pause und übte damit für schwedische Verhältnisse recht offene Kritik an der Nominierungspraxis von Pia Sundhage; ganz in dem Sinn, in dem ich mich hier auch schon vor wenigen Tagen geäußert habe.

Rolfö war gegen England dabei, bekam keine Minute Spielzeit. Jetzt ist Banusic gegen Polen dabei und vermutlich wird es ihr ebenso ergehen wie Rolfö zuletzt. Schön, dass beide Youngster am Donnerstagabend das Spiel mit ihren Toren eröffneten.

Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich der Gastgeber viele Chancen, die Lindahl teils mit großartigen Reflexen auf der Linie verhinderte. Da machte sie ihren Fehler aus der sechsten Minute mehrfach wieder gut.

In der zweiten Hälfte, als Linköping dann noch einen Gang höher schaltete, dann wieder ein Lindahl-Fehler und die Entscheidung. Pernille Harder, die allmählich wieder zu ihrer Großform zurückfindet (Vertrag läuft Ende 2014 aus für alle, die an einer der wohl besten Spielerinnen ihres Alters in Europa interessiert sind...), spielte sich auf der linken Seite durch und schoss aus spitzem Winkel aufs Tor und Hedvig Lindahl boxte den Ball fast genau vor die Füße der schräg vor ihr auftauchenden zweiten von drei Däninnen in der Startelf Linköpings, Marianne Gajhede Knudsen, die das Spiel dann entschied.

Kristianstad wechselte nur einmal aus, Trainerin Elisabet Gunnarsdottir wusste sicher auch, dass sie auf der Bank niemanden mehr hatte, der dem Spiel eine entscheidende Wendung hätte geben können. Linköping hatte alles im Griff und gewann hochverdient den Pokal zum vierten Mal. Abermals lieferte Innenverteidigerin Mia Carlsson eine tolle Partie ab.

In einem Spiel der Damallsvenskan am Donnerstagabend schlug Kopparberg/Göteborgs FC Piteå mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Lisa Ek in ihrem Comeback für Göteborg bereits nach drei Minuten. Piteås Torfrau Hilda Carlén soll die beste Spielerin auf dem Platz gewesen sein und weitere Treffer Göteborgs, in der auch Maren Mjelde ihren Pflichtspieleinstand im defensiven Mittelfeld gab, verhindert haben.

Die Tabelle:

Janni Arnth Jensen nach Linköping

Janni Arnth (Foto: dbu.dk)

Janni Arnth (Foto: dbu.dk)

Die 44-fache dänische Nationalspielerin Janni Arnth Jensen verstärkt ab sofort Linköpings FC. Die 27-Jährige Innenverteidigerin spielte bislang beim dänischen Spitzenclub Fortuna Hjørring und ist schon heute Abend im Pokalfinale 2013/14 gegen Kristianstads DFF spielberechtigt.

Linköping nahm die Dänin bis Ende 2015 unter Vertrag. Der Club reagiert mit der Verpflichtung auf die Verletzungssorgen, die man zunächst mit Charlotte Rohlin und nun mit U19-Europameisterin (von 2012) Jennie Nordin in der Innenverteidigung hat. Außerdem laufen sowohl Rohlins wie auch Nordins Verträge nach dem Ende der Spielzeit aus.

Im Kader hat sich in der Sommerpause noch mehr getan. Lina Ringshamre (ebenfalls U19.-Europameisterin) wechselte zum Zweitligazweiten Hammarby, um dort Stammtorhüterin zu werden. Als Ersatz holte man sich AIK:s Torhüterin Hilde Gunn Olsen. Nicht verlängert wurde der Vertrag der Japanerin Aya Noguchi.

Aus Portugal kamen zwei Spielerinnen zur Mannschaft hinzu: Die 19-Jährige Jéssica da Silva und die 26-Jährige Claudie Neto, beides Mittelfeldspielerinnen und letztere Kapitänin der portugiesischen Nationalmannschaft.

Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber “ein sehr gutes Gespräch” hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Schweden geht unter – 0:4 in Hartlepool

Schon die mediale Begleitung des Länderspiels England – Schweden in Hartlepool hätte schlechter kaum sein können. Keine TV-Übertragung weder auf der Insel noch in Schweden. Lediglich ein Audiolivestream der BBC, den ich nach einer guten halben Stunde bekam, der nicht im Internet Explorer funktionerte, aber in Google Chrome.

Und die Engländerinnen schenkten Schweden gehörig ein. 4:0 hiess es am Ende und glaubt man den Kommentatorinnen der BBC, hätte sich Pia Sundhage auch nicht über ein 0:5 oder 0:6 beklagen können. “Ich erkenne meine Nationalmannschaft nicht wieder,” sagte denn auch Sundhage der Zeitung Aftonbladet per Telefon. Selbst die grossen schwedischen Zeitungen, die über Reisebudgets verfügen, hatten den Weg nach Hartlepool gescheut. Man kommt auch nicht so leicht dahin. Die Schwedinnen reisten von Stockholm nach Amsterdam, dann nach Newcastle und schließlich weiter mit dem Bus. Kaum denkbar, dass eine Schwedin nach dieser Klatsche nochmals nach Hartlepool möchte.

Hedvig Lindahl, die umstrittene unumstrittene Nummer 1 im schwedischen Tor (nach dem Rücktritt von Kristin Hammarström und dem Bandscheibenvorfall von Sofia Lundgren gibt es auch derzeit keine Alternative) feierte ihr 100. Länderspiel, bekam aber nur den Nachschuss von Karen Carneys Elfer rein in der ersten Halbzeit. Dafür musste Ersatzfrau Carola Söberg (Avaldsnes IL) in der zweiten Halbzeit nach weiteren Toren von Karen Carney, Lianne Sanderson und der Debütantin Fran Kirby gleich dreimal die Kugel aus dem Netz holen. Kirby spielt in der zweiten englischen Liga bei Reading und wurde gleich auch noch zum “Player of the match” gewählt.

Eni(ola) Aluko traf die Querlatte, während die fast in Bestbesetzung aufgelaufenen Schwedinnen nur halbe Chancen hatten. Sundhage vermisste vor allem das, was sie auf guit Schwedisch als “jävlaranamma” bezeichnete, in Deutschland würde man wohl Kampfgeist sagen. Lediglich Hanna Folkesson bescheinigte Sundhage eine akzeptable Leistung.

“Eigentlich sind vier Tore nicht die Welt. Aber die Art, in der wir spielen und verlieren. Das werde ich thematisieren. Ich werde thematisieren, wie wir zusammenarbeiten. Das war unser Gütesiegel während der WM-Quali und davon habe ich heute nichts gesehen,” so Sundhage, die das Spiel am liebsten sofort vergessen möchte.

Nachdem die Schwedinnen bereits in Frankreich unter die Räder gekommen sind, war dies nun der zweite Denkanstoß für Sundhage und Co-Trainerin Lillie Persson. Sobald es gegen Gegner geht, die auf Augenhöhe sind, wird es schwer, sehr schwer. Da sind die Siege gegen eine angeschlagene USA (1:0) und gegen das in der WM-Quali arg strauchelnde Dänemark (2:0) an der Algarve auf der einen Seite, die Niederlagen gegen Japan (1:2) und selbst im Spiel um Platz 3 gegen Island (1:2) auf der anderen, dunkleren Seite in diesem Jahr.

Pia Sundhage hat nach achtzehn Monaten noch nicht das Wunder vollbracht, das sich alle (und sie selbst wohl auch?) von ihr erwarten. Und natürlich braucht sie mehr Zeit. Aber sie scheint auf der Stelle zu treten. Es ist um vieles leichter, in den USA erfolgreich zu sein, wo ganz andere Ressourcen vorhanden sind und wo man überdies ein Reservoir von 50-60 Klassespielerinnen hat, aus dem man mehr oder minder frei auswählen kann, als im kleinen Schweden, in dem es doch auf einigen Positionen nicht unbedingt Weltklasse gibt. Für die WM-Quali wird es locker reichen, denn im Frauenfußball ist die internationale Leistungsdichte eher dünn. Selbst Polen und stärker werdene Schottinnen werden Schweden nicht annähernd gefährden können.

Mit Therese Sjögran (37), Sara Thunebro (35), Hedvig Lindahl (31), Nilla Fischer (30), Lotta Schelin (30) und Caroline Seger (29) kommen einige Leistungsträgerinnen allmählich in die Jahre,im Fall von Sjögran und Thunebro sagt die Tatsache, dass beide unumstrittene Startplätze haben, leider auch einiges über die mangelnde Konkurrenz.

Mit Sofia Jakobsson, Lina Nilsson, Amanda Ilestedt, Antonia Göransson gibt es eine Reihe von Spielerinnen, deren vielversprechendes Talent zumindest bislang den Durchbruch zu internationaler Topklasse noch nicht geschafft hat und wo allmählich Zweifel angebracht sind. Ilestedt gehört der U19-Goldelf von 2012 an, da gibt es noch mehr Talent, aber Elin Rubensson war verletzt und Magdalena Ericsson etwa bekam nicht den Vorzug vor Thunebro, leider. Fridolina Rolfö war erstmals dabei, wird sicher eher froh sein im Nachhinein, dass sie nicht zu ihren ersrten Minuten kam, denn bei einer 0:4 Schlappe zu debütieren, tut keiner gern, da bleibt den Trainerinnen auch nichts Gutes in Erinnerung.

Lina Hurtig und Marija Banusic sind zwei Goldkörner, zwei Offensivtalente internationaler Klasse, aber sie müssen beide geführt werden. Hurtig spielt in dieser Saison lange nicht so gut wie vergangenes Jahr und Banusic, deren Ballannahme und Schusstechnik schon mit 16 sensationell war, muss noch physisch dazulegen,muss aber auch geführt werden, dann könnte aus ihr ein Weltstar werden Ob Sundhage sie für die WM schon so weit bringt, scheint zweifelhaft, da weder Hurtig noch Banusic bislang Berücksichtigung in der A-Nationalmannschaft gefunden haben.Gegen Brasilien vergangenes Jahr waren sie im Kader, wurden aber nicht eingesetzt. Banusic wäre im Übrigen erst die zweite Spielerin mit Migrationshintergrund, die es in die Natio schaffen würde. Damit tut Schweden sich im Frauenbereich bislang sehr schwer. Lediglich Kosovare Asllani hat das geschafft, aber Asllani wirkt auch sehr integriert und angepasst und frei von jedweden Ecken und Kanten. Oft wird kritisiert, dass es Schweden zwar im Männerbereich toleriert, wenn jemand “anders” als die Norm ist, man denke nur an Zlatan Ibrahimovic, der sich viele Dinge erlauben kann, bei denen nahezu alle anderen in der gesellschaftlichen Debatte ausgescholten würden. Von Frauen, so scheint es bisweilen, verlangt man im System jedoch mehr Anpassung und duldet weder Temperamentsausbrüche noch eine über einen kleinen Rahmen hinausgehende Individualität

ffschweden trifft (2): Fridolina Rolfö

FridolinaAm Sonntag trifft die schwedische Nationalmannschaft in Hartlepool auf England. Vorbereitungsspiel für die im Herbst anstehenden WM-Qualispiele gegen u.a. Polen und Schottland.

Zwei Debütanten hat Pia Sundhage im Aufgebot: Elin Wahlström und Fridolina Rolfö. Da ich das Wochenende in Linköping war, habe ich mich mit der 20-Jährigen U19-Europameisterin von 2012, Fridolina Rolfö getroffen.

In Schweden ist es dieser Tage wesentlich wärmer als normal. Die Temperaturen im östlichen Landesteil stiegen Ende letzter Woche auf über 30 Grad und das staatliche metereologische Institut SMHI gab sogar erstmals eine Hitzewarnung heraus.

Am letzten Freitag nahm Champions-League-Teilnehmer und Pokalfinalist Linkpings FC das Training wieder auf und Fridolina kam pünktlich von zwei Woche Urlaub in Griechenland zurück. Als wir uns Samstagmittag in einem ihrer Lieblingscafés in der Mitte Linköpings trafen, lag bereits eine Traningseinheit hinter ihr, eine weitere Laufeinheit stand bevor.

Wie trainiert man bei diesen fast schon tropischen Temperaturen, wollte ich wissen?

“Naja, eigentlich nicht anders als sonst. Es kann ja sein, dass wir bei der Hitze auch mal spielen müssen,” sagt Fridolina. Natürlich mache man häufiger Trinkpausen als sonst. So richtig sagt ihr das heisse Wetter aber für das Training nicht zu. “Die Füsse werden sehr heiss und man kriegt auch Blasen.”

Dass die Westschwedin jetzt im Kader von Sundhage dabei ist, war für einige überraschend, für andere überfällig. Rolfö hat alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen und mit dem Wechsel vom Abstiegskandidaten Jitex zum Topclub Linköping einen klugen und wichtigen Schritt getan.

Es gab mehrere Angebote, verrät sie mir, aber sie habe gesagt, wenn Linköping dabei sein sollte, dann “nehmen wir das” und so gab es keine weiteren Verhandlungen, zumal Fridolina in Schweden bleiben wollte.

2012 war ein sehr guter U19-Jahrgang für Schweden. Die nicht erfolgsverwöhnten Blaugelben unter der Leitung von Calle Barrling holten sich ausnahmsweise den Titel in der Türkei mit einem 1:0 Sieg über Spanien. Einige der Europameisterinnen von vor zwei Jahren haben inzwischen den Weg nach Linköping gefunden. Die Abwehrspielerinnen Jennie Nordin und Magdalena Ericsson etwa, aber auch Torhüterin Lina Ringshamre (die allerdings gerade zu Hammarby in die zweite Liga gewechselt ist). Junge, entwicklungsfähige Spielerinnen sind überhaupt das tragende Konzept in Linköping geworden. Die “Chaos”-Saison vor zwei Jahren als man mit viel Geld und teuren Spielerinnen wie Manon Melis, Nilla Fischer und Lisa DeVanna ganz nach oben strebte, die individuellen Charaktere aber nicht geordnet bekam, wurde abgelöst von einer anderen Strategie, kombiniert mit (Malmös) Meistertrainer Martin Sjögren, der an einem tollen Team bastelt, in dem vergangenes Jahr die Dänin Pernille Harder die beste Torschützin war, in der aber vor allem die Niederländerin Renée Slegers im zentralen Mittelfeld in den Olymp der besten Spielerinnen der Liga aufstieg.

Mit Spielerinnen wie Nordin, Ericsson und nicht zuletzt auch Rolfö versucht man eine langfristige Topmannschaft aufzubauen. In diesem Jahr lief nicht alles so rund, Linda Sällströms Kreuzband riss zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren und auch Star Pernille Harder hatte mit einem Ermüdungsbruch zu laborieren. Aber dank Tyresös Rückzug aus allen Wettbewerben steht Linköping nun in der Champions League und wird dort sogar gesetzt. Am 7. August gibt es überdies daheim das Pokalfinale gegen Kristianstad. Für Fridolina läuft es rund.

Und so ist die 20-Jährige auch guter Dinge. Der Salat, den sie sich in der Trainingspause gönnt, zeugt davon, dass man ihr von guter Ernährung nichts mehr erzählen muss.

“Ich hatte eine gute Frühjahrssaison,” sagt Fridolina. “Ich fühle mich bereit für die Nationalmannschaft, ich denke das wird sehr viel Spass machen. Aber es war auch eine Riesenüberraschung, als ich erfuhr, dass ich dabei bin. Pia Sundhage hatte versucht mich anzurufen, aber ich war in Urlaub in Griechenland und ihre Nachricht landete auf meiner Mailbox. Direkt erfahren habe ich es deshalb von Amanda Ilestedt, die mich anrief und mir eine SMS schickte.”

Pia Sundhage verbindet Nominierungen neuer Spielerinnen oft mit einer Reihe von Kommentaren für die Medien. In Rolfös Fall hiess es, dass sie einen exzellenten linken Fuss habe, sehr oft für Überraschungen gut sei, dass sie aber ihr Tempo erhöhen müsste

“Ich finde es gut, dass sie sehr klar und deutlich sagt, was sie denkt,” meint Fridolina. “Mir hat sie das bisher noch nicht gesagt, ich kenne das nur aus den Medien, aber sie hat Recht. Ich muss an meiner Physis arbeiten. 60 Minuten schaffe ich ohne Problem, aber auch in den restlichen 30 Minuten muss ich hohes Tempo gehen können. Auch am ersten Touch kann ich noch arbeiten. Das will ich auch tun.”

Fridolina Rolfö macht einen gesetzten, reifen Eindruck, sie hat das System viele Jahre lang durchlaufen und bringt eine gehörige Portion Disziplin mit. Als sie in den vergangenen Jahren bei Jitex in Göteborg spielte, hatte sie bei dem stets in der unteren Tabellenregion spielenden Club am Ende eine tragende Rolle. Das hat sich in Linköping geändert, wo sie nun mit Stars wie Charlotte Rohlin oder Pernille Harder zusammenspielt. Aber Rolfö bleibt auf dem Teppich und ist sich ihrer Rolle bewusst.

“Sicher hatte ich eine grössere Rolle bei Jitex, aber das das anders sein kann, wusste ich schon aus den verschiedenen Nationalmannschaften. Ich habe sowohl Verantwortung übernehmen dürfen wie auch eine von allen anderen sein können. Ich finde es eigentlich nur gut, wenn andere mehr Raum bekommen, dann kann ich ohne Druck spielen und vielleicht überraschen.”

In einem zwei Jahre alten Interview, da war sie 18, hat Fridolina gesagt, dass sie sich in der Freizeit eigentlich nicht für Fussball interessiere.

“Das ist irgendwie falsch rüber gekommen damals. Aber alle Leute, die über mich recherchieren, lesen das jetzt. Ich schaue mir sicher nicht jedes Fussballspiel an, aber die schwedische Nationalmannschaft Männer wie Frauen immer und auch von der WM jetzt habe ich einiges gesehen Wir hatten in der Mannschaft auch einen grossen Tippwettbewerb, haben alle Spiele getippt, da musste man schon den Durchblick haben.”

Mit Deutschland habe wirklich die beste Mannschaft gewonnen, sie hatte auch auf Deutschland getippt, sagt sie. “Mir hat der moderne Fussball bei dem Turnier sehr gefallen. Viele Mannschaften spielen sehr schnell und sind voll auf die Zuückeroberung des Balles eingestellt

Kann man beim Frauenfussball etwas lernen vom Männerfussball ider ist das völlig tabu?

“Ja natürlich kann man was lernen. Wenn man die Ganzheitsperspektive hat, sich die Lösungen und die Systeme anschaut. Ich erinnere mich daran, dass Martin [Sjögren; LInköpings Trainer] uns vor einem Spiel gesagt hat, wir sollten uns ganz besonders anschauen, wie die Kolumbianer sich den Ball zurückholen.”

Die anderen in der A-Nationalmannschaft kennt sie nicht alle, zunächst sollte sie sogar die einzige aus Linköping sein, aber da Elin Rubensson absagen musste, kam Magdalena Ericsson ins Team. Gemeinsam mit Lotta Schelin zu tranieren, das wird schon was, sagte sie mir, schliesslich habe man ja gerade Lotta schon seit vielen Jahren verfolgt.

Fridolina Rolfö ist schon die nächste Generation hinter Lotta Schelin, die dieses Jahr 30 Jahre alt wurde. Therese Sjögran ist 37 und denkt nicht ans Aufhören. Sara Thunebro hat ihre Rücktrittspläne vergangenes Jahr verschrottet und will mit nun 35 um einen WM-Platz kämpfen. Aber mit Rubensson und Ericsson, Diaz, Hurtig, Marija Banusic und eben Fridolina Rolfö klopft die nächste Generation schon an die Tür.

 

 

Mehr Zuschauer, aber…

Die Damallsvenskan 2014 hat gut 10% mehr Zuschauer als 2013. Das ist die gute Nachricht Gefeiert wird hierzulande auch, dass Marta sich entschlosen hat, in Schweden weiterzumachen, was allenthalben als Signal gesehen wird, dass die Liga weiterhin hochattraktiv ist

Schaut man genauer hin, stellt man jedoch fest, dass der Anstieg der Zuschauerzahlen einen Namen hat; Eskilstuna United.

Der Aufsteiger hat einen unerreichten Schnitt von 2.064 Personen pro Heimspiel und dazu trägt eine gute Öffentlichkeitsarbeit und natürlich auch ein mehr als geglückter Saisonstart bei. Der lokale Sponsor, eine Bank, erhöhte ihr Engagement beträchtlich und ausserdem holte das Management klug Verstärkungen für alle Mannschaftsteile, zuletzt Tyresös U19-Europameisterin Malin Diaz, die im nächsten Spiel gegen Vittsjö am 09.08. bereits auflaufen kann.

Ein Blick auf die neun Vereine, die auch letztes Jahr in der Liga gespielt haben, zeigt jedoch, dass wir im Grunde genommen weiterhin auf der Stelle treten, was den Publikumszuspruch angeht. Meister FC Rosengård hat den Namenstausch (von LdB FC Malmö) nicht in mehr Zuschauer umsetzen können. Im Gegenteil: Kamen letztes Jahr noch 956 Zuschauer im Schnitt zum Malmö IP, so sind es 2014 nur noch 774, ein Rückgang von 19%. Auch CL-Teilnehmer Linköping hat einen Publikumschwund u verzeichnen, ein Hinweis darauf, dass die Fans Siege sehen wollen- in dieser Saison liegt Linköping bereits weit hinter Rosengård und selbst neun Punkte hinter dem zweiten CL-Platz, den derzeit KIF Örebro innehat.

Aber selst wenn man an der Spitze mitspielt, heisst das nicht notwendigerweise, dass mehr Zuschauer kommen. KIF Örebro steht so gut wie noch nie da, aber trotzdem sind weniger Zuschauer in die Behrns Arena gekommen als vergangenes Jahr. Statt 648 nur noch 533.

Vittsjö hat nach schwachem Start in die Serie an Publikum verloren und kommt nur noch auf 479 im Schnitt, ein Warnsignal an Eskilstuna, denn beim Aufsteiger von 2012 hatte anfangs auch grosse Publikumseuphorie geherrscht,

Ager erfreulicherweise gibt es auich vier Aufsteiger. Piteå kommt auf 1384 (2013: 1011) Zuschauer, Umeå hat jetzt 921 (689), Jitex 510 (467) und Kopparberg/Göteborgs FC 589 (477).

Dass Aufsteiger AIK mit 334 Zuschauern Schlusslicht ist, war leider zu erwarten. In Stockholm (hier: Solna) kommt das Publikum nur bei anhaltendem Erfolg. Die Konkurrenz durch andere Sportarten ist immens.

Wieder ohne Asante

14820660203_586b8ee146_kWenn England am Sonntag in Hartlepool auf Schweden trifft, wird Rosengårds Klassespielerin Anita Asante abermals nicht dabei sein. Trainer Mark Sampson strich die 29-Jährige, als er aus seinem 23er-Kader 18 Spielerinnen auswählte. Verletzt ist die Abwehr- und Mittelfeldspielerin nicht, erzielte am Mittwoch noch ein Tor in Umeå für Rosengård Aber offenbar hat sie bei dem neuen Coach schlechte Karten, denn so überragend ist das Angebot englischer Klassespielerinnen keineswegs, als dass man auf Asante verzichten könnte oder sollte.

Absage von Olivia

Olivia Schough musste ihre Teilnahme am Länderspiel Schweden gegen England, für das sie nachträglich nominiert worden war leider am Mittwoch absagen. Die 23-Jährige in Diensten des russischen Ersligisten Rossiyanka besitzt derzeit nur ein Visum, das zur zweimaligen Einreise nach Russland berechtigt. Sie hat aber bereits beide Einreisen “verbraucht” und kann daher Russland erst dann verlassen, wenn sie das beantragte Arbeitsvisum bekommt.

Pia Sundhage nominierte anstelle von Schough Schnell die ehemalige Potsdamerin Antonia Göransson (Vittsjö) nach.

Rosengård gewinnt in Umeå

Heute, am 30.07. begann in Schweden die Herbstsaison, wie sie hier genannt wird, der zweite Teil der diesjährigen Serie der Damallsvenskan.

Zum Auftakt empfing Umeå Tabellenführer Rosengård, der durch Tore von Anja Mittag und Anita Asante erwartungsgemäss seinen Vorsprung in der Tabelle auf KIF Örebro auf nun drei Punkte ausbaute. Marta wurde wegen einer Verletzung zunächst auf der Bank geschont und gab dann etwas mehr als 20 Minuten vor Schluss ihr Debüt für den nun dritten schwedischen Verein ihrer Karriere.

Den Gegentreffer besorgte Megatalent Lina Hurtig, ebenfalls eingewechselt.

Es war nicht nur Martas Debüt, Auch das von Trainer Marcus Tilly, Linksverteidigerin Line Röddik Hansen und Keeperin Kathrin Längert.

Als Marta in der 70. Minute eingewechselt wurde, gab es grossen Applaus vom Umeåer Publikum. Vor gut elf Jahren hat hier die Weltkarriere der Brasilianerin begonnen. In ihrem ersten Einsatz sah man, dass das Zusammenspiel noch nicht optimal ist, sie bekam nur wenig Bälle.

 

 

 

Nordkorea nächste Station für Pia Sundhage?

Am Wochenende hat ein Interview mit Pia Sundhage in Schweden für Aufregung gesorgt. In der fünften Folge von “Heja Sverige!”, einem Podcast des schwedischen Fussballverbands, den der 26-Jährige Komiker und Journalist Soran Ismail moderiert, anwortete Sundhage auf die Frage, welche Nationalmannschaft sie denn gerne nach Ende ihres Vertrags mit dem SvFF (Schwedischer Fusballverband) trainieren würde: “Nordkorea.”

Sie wäre einmal in Pyönjang gewesen, so Sundhage und habe ein Training gesehen. Auf der einen Hälfte habe eine Jungenauswahl trainiert, auf der anderen Hälfte des Platzes habe eine Mädchenmannschaft trainiert Da sei Ordnung gewesen, schnelle Pässe und viel Technik. Aber man käme ja in das Land nicht hinein. Sicherlich hätte Pia Sundhage hier besser vorher nachgedacht. Nordkorea ist eine der schlimmsten Dikaturen der Welt und selbst wenn die 53-Jährige bekennende Kommunistin ist, so sollte sie nicht dazu beitragen, das menschenverachtende Regime der Kim-Dynastie in irgendeiner Art zu verharmlosen.

Aber das Interview dauerte eine Stunde und sechs Minuten, aber es sind natürlich diese 45 Sekunden ds Gesprächs, die zu Schlagzeilen führten. In der übrigen Zeit geht es viel um die Kindheit und Jugend Pia Sundhages, wie schwer es Mädchen damals hatten und Ismail fragt Sundhage, ob denn nicht ein bisschen “gesunder Hass” auf den Gegner auch im Frauenfussball gut wäre, zumal Fussball ja eine Art Ersatzkrieg sei, was Sundhage kategorisch verneint. “Ehrlich gesagt, ich verstehe dich nicht,” sagte sie zu Ismail. “Vielleicht ist das ja ein männliches Bedürfnis, aber Hass hat im Fussball nichts zu suchen.”

Pia Sundhage äusserte sich auch über den Hass, der dem Frauenfussball immer wieder im Internet entgegengebracht wird und zeigte sich auch hier ratlos, aber kämpferisch. “Das Schlimme ist, dass viele von den jungen Männern, die so voller Hass und Abscheu sind, selber Fussball spielen und den Sport toll finden und dass sie es völlig ok finden, die Hälfte der Bevölkerung, ihre Mütter und Schwestern und Freundinnen von diesem Spass auszuschliessen.”

Soran Ismail hat auch früher schon mit Lotta Schelin, Kosovare Asllani, Nilla Fischer und Caroline Seger gesprochen. Das Gespräch mit Pia Sundhage war vor drei Monaten (!) aufgezeichnet worden und wurde also jetzt erst online gestellt.

 

11+

Bislang hat Schweden bei Olympischen Spielen noch keine Medaille im Frauenfussball gewinnen können. Nach dem Willen des Nationalen Olympischen Komitees soll sich das 2016 in Brasilien ändern.

In natürlich enger Zusammenarbeit mit dem Fussballverband SvFF hat man das Programm 11+ aufgelegt, dem zwölf Spielerinnen angehören, die sich bis zur WM deutlich weiterentwickeln sollen.

“Es ist toll, dass wir mit diesen Spielerinnen langfristig zusammenarbeiten können und ich denke, wir haben eine gute Mischung gefunden,” sagte Nationaltrainerin Pia Sundhage. Am letzten Wochenende (Donnerstag/Freitag) hat sich die Gruppe, die von einem grossen Stab Experten betreut wird, erstmals in Umeå getroffen.

“Ich war sehr froh, als ich erfahren habe, dass ich eine der Zwölf sein soll,” sagte Umeå IK:s Mittelfeldspielerin Hanna Folkesson. “Ich hatte ein wenig Angst, dass ich vielleicht zu alt bin, aber so war es dann wohl nicht. Konkrete individuelle Hilfe zu bekommen wie Ernährung, Technik, Fysis, eigentlich alles, ist schon toll und ich will so viel wie möglich davon profitieren.”

Die zwölf nun besonders geförderten Spielerinnen sind:

Tor: Malin Reuterwall (*1990, Umeå IK), Hilda Carlén (*1991, Piteå IF)

Abwehr: Emma Berglund (*1988, Umeå IK), Jessica Samuelsson (*1992, Linköpings FC), Elin Rubensson (*1993, FC Rosengård)

Mittelfeld und Angriff: Hanna Folkesson (*1988, Umeå IK), Lina Hurtig (*1995, Umeå IK), Malin Diaz (*1994, Eskilstuna United), Marija Banusic (*1995, Kristianstads DFF), Jenny Hjohlman (*1990, Umeå IK), Emma Lundh (*1989, AIK), Olivia Schough (*1991, Rossiyanka/Russland)

 

 

Zwei Nachnominierungen

Am 4. August trifft Schweden in Hartlepool, südlich von Newcastle, auf England. Verletzungsbedingt gibt es im Kader von Pia Sundhage zwei Veränderungen: Elin Rubensson (Rosengård) und Malin Diaz (Eskilstuna) mussten absagen, dafür rücken Magdalena Ericsson (Linköping) und Olivia Schough (Rossiyanka) nach.

Marta wird Schwedin

Marta Vieira da Silva hat einen Antrag auf schwedische Staatsbürgerschaft gestellt und wird somit in wenigen Monaten Schwedin werden, sollten keine triftigen Gründe dagegen sprechen, was nicht anzunehmen ist.

Nach schwedischem (seit 2001) und brasilianischem (seit 1994) Recht ist es möglich, beide Staatsbürgerschaften zu besitzen. Marta kann also Schwedin werden und dennoch für Brasilien bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 antreten.

“Ich habe Schweden gewählt, weil ich hier bleiben will,” sagte die 28-Jährige der Zeitung Kvällsposten.

“Es geht hier nicht nur um Fussball. Ich bin gerne in Schweden und mag das Leben abseits des Fusballplatzes hier. Vielleicht hätte ich das schon früher machen sollen, aber als ich noch in Umeå spielte, habe ich nicht daran gedacht. und auch nicht verstanden, was es bedeuten¨würde.”

Martas Popularität in Schweden und in der Damallsvenskan dürfte dieser Antrag nun noch weiter steigern, auch wenn Spiele mit der schwedischen Nationalmannschaft ausgeschlossen sind, da Marta in allen Jugendauswahlen und in der A-Mannschaft für Brasilien gespielt hat.

Gewohnt bescheiden fügt sie hinzu: “Schweden hat ja auch so eine gute Mannschaft, dass ich vielleicht gar nicht gebraucht worden wäre.” Sie lacht jedoch, nachdem sie das gesagt hat, als ob sie sich vielleicht doch eines anderen besonnen hätte

Der gestrige Trainingsauftakt in Malmö für ihren neuen Club Rosengård wurde von ungewöhnlich vielen Journalisten begleitet, die vor allem mit der Brasilianerin und baldigen Schwedin sprechen wollten.